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Monat: Mai 2005 - russland.NEWS - russland.TV

Tschernobyl-Geschädigte protestieren gegen Wegfall von Zuwendungen

Rund hundert Geschädigte der Tschernobyl-Katastrophe haben am Samstag vor dem Sitz der russischen Regierung in Moskau ihre Zuwendungen zurückgefordert, die mit einem neuen Gesetz abgeschafft wurden.

„Abgeordnete Russlands: Tötet eure Wähler nicht!“ hieß es auf Plakaten der Demonstranten. Die Politik der Regierung von Präsident Wladimir Putin sei unsozial, sagte Juri Semjonow, Vorsitzender eines Verbandes ehemaliger Staatsangestellter, die bei den Aufräumarbeiten nach der Explosion in dem Atomreaktor teils schwere Gesundheitsschäden erlitten.

Mit der in diesem Jahr in Kraft getretenen Reform wurden die Sonderzuwendungen wie freie medizinische Versorgung durch Barauszahlungen ersetzt. Doch diese reichten nicht aus, um die Bedürfnisse der Geschädigten zu decken, kritisierte Semjonow.

Die Explosion am 26. April 1986 im Reaktorkern in Tschernobyl setzte die Radioaktivität von 200 Hiroshima-Bomben frei. Weite Teile der Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden radioaktiv verseucht. Hunderttausende Feuerwehrleute, Soldaten und Zivilisten aus der heutigen Ukraine, Russland und Weißrussland mussten in den Monaten nach dem Unfall ohne Schutzanzüge in der radioaktiv verseuchten Gefahrenzone arbeiten. Nach Angaben der Geschädigten-Verbände leben in Russland heute noch rund 150.000 Menschen, die an den Aufräumarbeiten beteiligt waren. Ein Drittel von ihnen ist Schätzungen zufolge chronisch krank.




”Es gibt keine reichen Engel in Russland”

Mikhail Khodorkovskij ist in diesen Tagen einer der bekanntesten Russen im Ausland. Der „Fall Khodorkovskij“ und das YUKOS-System sind Themen, die auch – und vielleicht am meisten – außerhalb Russlands auf Interesse stoßen.

Hier erzählen wir Ihnen die Geschichte von einem faszinierenden Mann, der einmal Russlands mächtigster Oligarch war und es nicht schaffte, seine häßliche Vergangenheit hinterm dem Schleier des Vergessens verschwinden zu lassen

Wie alles anfing

Mikhail Khodorkowskij wurde am 26. Juni 1963 in Moskau geboren. Beide Eltern arbeiteten in der Fabrik „Calibre“ und die Familie lebte in normalen sowjetischen Verhältnissen. Nach der Schule arbeitete der junge Mikhail als Zimmermann und war in der kommunistischen Komsomol-Bewegung aktiv. Er studierte neben seinem Beruf am Menleyev-Institut und schloß 1986 seine Ausbildung als Ingenieur/Technologe ab.

Als emsiger Jungkommunist wurde er zu einem der Führer der Jugendorganisation Komsomol, eine Position, die sich gut als Sprungbrett für eine Karriere in der freien Wirtschaft eignete. Die Kommunisten saßen in den meisten Schlüsselpositionen und es war ein Vorteil „Verbindungen“ zu haben.

1987 gründete Khodorkowskij das ”Zentrum für wissenschaftliche und technische Kreativität der Jugend” (HTTM). Er war bis 1989 Leiter dieses Zentrums.

Khodorkowskij setzte seine Studien am Moskauer Nationalökonomischen Institut fort und erlangte 1988 einen Abschluß als Chemietechnologe und Finanzierungsexperte. Von Mai 1989 bis 1990 war Khodorkowskij Aufsichtsratsvorsitzender der „Innovativen Kommerzbank für wissenschaftlichen und technischen Fortschritt“ (später Menatep-Bank), die er 1987 begründete, als er noch ein 24 Jahre alter Student war.

1990 kaufte die Bank das HTTM-Zentrum und taufte es in Menatep Invest „Zentrum für branchenüberschreitende wissenschaftliche und technische Programme“ um.

1990/91 war Khodorkowskij Generaldirektor der Menatep-Bank. Von August 1991 bis April 1996 hatte er die Funktion eines Aufsichtsratsvorsitzenden der Vereinigten Kredit- und Finanzgesellschaft Menatep inne.

Khodorkowskij in Jeltsins ”Wildem Osten”: Die ersten Millionen

Mikhail Khodorkowskij verdiente seine ersten Millionen am Anfang der 90er-Jahre, als Menatep Aktien in privatisierten Betrieben zu teilweise spektakulär niedrigen Preisen kaufte. Es wird behauptet, daß seine Verbindungen innerhalb der kommunistischen Partei dabei eine bedeutende Rolle spielten. Khodorkowskji war zielstrebig, handlungsfähig und hatte keine unnötigen Skrupel wenn es darum ging, Möglichkeiten zu nutzen.

Unter Jeltsin ergaben sich neue und größere Chancen für Khodorkowskijs Expansionskurs als je zuvor. 1992 wurde er mit 29 Jahren Leiter des Investitionsfonds für die Energieindustrie und erhielt durch diese Aufgabe den Status eines russischen Vizeministers für Treibstoff und Energie. Khodorkowskij wurde gleichzeitig Berater des russischen Präsidenten Jeltsin.

Im März 1993 wurde er offiziell zum Stellvertreter des russischen Ministers für Treibstoff und Energie, Jurij Schafranika, ernannt – eine vorteilhafte Position zur Förderung seiner privatwirtschaftlichen Geschäfte.

1994 übernahm Khodorkowskij zusammen mit Platon Lebed Aktien des Düngemittelproduzenten Apatit in Kirowsk/Apatityj (Murmansk Region). Es wird behauptet (unter anderem vom Staatsanwalt im aktuellen Gerichtsverfahren), daß er sein Aktienpaket erschwindelt hat und die Gesellschaft ausplünderte, indem er Dünger zu einem sehr niedrigen Preis durch seine Privatfirma aufkaufte und zu den üblichen Weltmarktpreisen weiter verkaufte.

Ab September 1995 war Khodorkowskij Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft Rosprom.

1995 war ein entscheidendes Jahr für Mikhail Kholodkowski. Im Dezember 1995 wurde eine Auktion durchgeführt, in der 45 Prozent der Aktien der Ölfirma YUKOS angeboten wurden. Eine Firma mit dem Namen Lagoon erhielt den Zuschlag, die Finanzierung wurde durch die Menatep-Bank garantiert. Insgesamt mußte Lagoon 350 Millionen US-Dollar für die Aktien und die damit verbundenen Investitionsverpflichtungen aufbringen. Der Deal wird als äußerst günstig für das YUKOS-System angesehen – Khodorkowskijs Ölabenteuer konnte beginnen.

Gleich nach der Übernahme kaufte Menatep im Frühling 1996 weitere 7,06 Prozent von YUKOS in einer erneuten Auktion.

Im Herbst 1996 erweiterte YUKOS sein Aktienkapatial und mit dem Erlös aus den ausgegebenen neuen Aktien wurden die Holdinggesellschaft und ihre Tochtergesellschaften refinanziert.

Der frühere russischen Premierminister Jegor Gaidar, der Pate der russischen Privatisierungskampagne und der Einführung der freien Marktwirtschaft, sagte in einem Interview mit der New York Times über Geschäftsleute, die zu teilweise lächerlichen Preisen russische Staatsbetriebe übernahmen: „Selbstverständlich gab es Verletzungen (des Gesetzes). Aber vor allem wegen fehlender Klarheit über diese Gesetze … Es gibt keine reichen Engel in Russland. Aller haben eine Reihe Gesetze gebrochen und eine Menge schlechter Dinge getan um ihr Vermögen aufzubauen. Innerhalb der verschiedenen Industriezweige wurden viele getötet. Die meisten großen Vermögen sind mit Tötungsdelikten verbunden“. Khodorkowskij wurde der reichste und mächtigste der legendären russischen Oligarchen.

Ab April 1996 war Mikhail Khodorkowskij der erste Vizepräsident der Ölgesellschaft YUKOS. Seit Juni 1996 hatte er die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden in der aufstrebenden Ölfirma.

Im Februar wurde er auch Aufsichtsratsvorsitzender der Betriebsgesellschaften Rosprom und YUKOSom ernannt.

Nach der Neuorganisierung von YUKOS wurde Mikhail Khodorkowskij Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft YUKOS-Moskau. Von November 1999 bis Oktober 2000 war Khodorkowskij außerdem Mitglied des Aufsichtsrats im Ministerium für Treibstoff und Energie der Russischen Föderation – eine nützliche Personalunion.

Ab Oktober 2000 engagierte sich Khodorkowskij als ein führendes Mitglied in der Russischen Union der Industrieführer und Geschäftsleute.

Neue Zeiten unter einem Präsidenten, der aufräumt: Khodorkowskijs Flirt mit der kommunistischen Opposition

Im Jahre 2000 kam es zu einem politischen Machtwechsel in Russland und Boris Jeltsins Nachfolger als Präsident wurde Vladimir Putin. Während Khodorkowskij deutlicherweise ein gutes Verhältnis zu Jeltsin und dessen Regierung hatte und – um es diplomatisch auszudrücken – sein Imperium ausbauen konnte ohne allzu große Mittel zu investieren, entwickelte sich das Verhältnis zu Russlands neuem Staatsoberhaupt weniger gut.

Khodorkowskij unterstützte einige der Parteien, die in Opposition zu Putin standen – neben der kleinen liberalen Partei Yabloko angeblich vor allem die Kommunisten. Einige bezeichnen dies als eine „Pay-back-Aktion“, aber ganz sicher war es ein Versuch, Putin zu schwächen, der etwas gegen die Oligarchen-Macht unternehmen wollte, die in großem Ausmaß die Schlüsselindustrien und auch die Medien kontrollierten. Die Führung der Kommunisten hatte sich weitgehend mit den Oligarchen arrangiert, die ja auch meist ihre Wurzel in der kommunistischen Partei hatten.

Laut CNN bestätigte Yabloko, daß die Partei Geld von YUKOS erhielt, während sowohl Khodorkowskij als auch die Kommunistische Partei jegliche Verbindung miteinander dementierten. Ein weiterer YUKOS-Großaktionär, Sergej Muravlenko, war aktiver Supporter der KPRF, ohne daß dies dementiert wurde.

Das Schicksalsjahr 2003: Die Vergangenheit verschwindet nicht hinterm Schleier des Vergessen – dafür Khodorkowskij hinter Schloß und Riegel

Im Jahre 2003 war Khodorkowskij auf dem Höhepunkt seiner Macht: Er war einer der reichsten Männer der Welt (Nr. 26 auf der Forbes-Liste, die im folgenden Jahr veröffentlicht wurde). YUKOS war nach der Fusion mit Sibneft die viertgrößte Ölgesellschaft der Welt. BBC News bezeichnete Khodorkowskij als Russlands führenden Oligarchen. Viele bewunderten den erfolgreichen und immer noch jungen Geschäftsmann, der sich deutlicherweise durch einen westlichen Lebens- und Führungsstil ausszeichnete und keinen kommunistischen Balast mit sich schleppte.

Khodorkowskij präsentierte sich in der Öffentlichkeit in zunehmendem Maße als moderner Geschäftsmann, der seine Betriebe in einer offenen und westlichen Weise leitete und die Gesetze befolgte, ein taffer aber gerechter Industriekapitän. Er war der erste Oligarch, der sich in die Bücher gucken ließ – allerdings nur in die der letzten Jahre (und offensichtlich nicht in alle).

Die ganze Gesellschaft wurde zurechtgetrimmt, damit sie für ausländische Investoren attraktiv aussah, die teilweise grimme Vergangenheit sollte hinter dem Schleier des Vergessens verschwinden – so hoffte Khodorkowskij zumindest. Die Vize-Herausgeberin der Financial Times, Chrystia Freeland, schrieb in ihrer Zeitung, daß die YUKOS-Führung ihr Englisch polierte, teure ausländische PR-Firmen anheuerte und lernte, ihre öffentlichen Statements mit Phrasen wie TRANSPARENCY und WESTERN CORPORATE GOVERNANCE aufzupeppen”.

Im Juni 2003 begann der russische General-Staatsanwalt seine Nachforschungen in der YUKOS-Sphäre. Diese Nachforschungen mündeten in die spektakuläre Verhaftung Khodorkowkijs auf einem sibirischen Flughafen. Seit diesem Tag sitzt er im Gefängnis und ist wegen sieben krimineller Vergehen angeklagt.

Khodorkowkijs PR-Experten gelang es, ihn als ein Opfer eines politischen Machtkampfes mit Präsident Putin darzustellen. Putin erhielt die Rolle des machtgierigen Schurkens, während Khodorkowskij ironischerweise den ehrenhaften, demokratischen und westlich orientierten Geschäftsmann spielte, der die Opposition unterstützte, die den autoritären Präsidenten bekämpft.

Proletarier in Russland, vereint Euch: Khodorkowskij als möglicher Präsidentschaftskandidat der kommunistischen Partei

Obwohl man Verbindung zwischen Khodorkowskij und der kommunistischen Oppositionspartei früher dementierte, wurde Khodorkowskij nach seiner Verhaftung als möglicher Anti-Putin-Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2004 lanciert. Die renommierte Tageszeitung Iswestia berichtete über eine Sitzung des Zentralkommittees der Kommunistischen Partei, in der Khodorkowskij angeblich als möglicher Kandidat auch der Kommunisten akzeptiert wurde. Die Kanidatur wurde laut Iswestia unter anderem vom Parteivorsitzenden Genadij Zhuganow und Generalsekretär Iwan Melnikow gebilligt.

Laut ”St. Petersburg Times” war die Diskussion über Khodorkowskijs mögliche Kandidatur mit der Unterstützung durch die Kommunisten eine Erinnerung daran, daß Intrigen immer wieder ihren Platz in der russischen Politik finden. Der liberale Radiosender „Moskaus Echo“ führte eine Befragung innerhalb seiner Hörerschaft durch, die erkennen ließ, daß der Kandidat Khodorkowskij einen großen Sieg über Putin erringen könnte.

Der Pressesprecher der Kommunisten, Ilja Ponomaryov, der von 1998 bis 2002 eine Führungsposition bei YUKOS innehatte, sah die eventuelle Kandidatur Khodorkowkijs als eine Möglichkeit für den Oligarchen, politische Immunität zu erhalten: ”Ist er als Kandidat registriert, wird man ihn freilassen müssen“.

Kommunistenführer Zhuganow sagte, daß die Kandidatur von Millionären auf der Parteiliste der Kommunisten Sinn mache, ohne allerdings Khodorkowskij direkt zu nennen.

Auch der Oligarch Boris Beresowskij äußerte sich aus seinem Londoner Exil positiv über eine mögliche Kandidatur Khodorkowskijs. Aus Khodorkowskijs Kandidatur wurde jedoch nichts.

Das letzte Kapitel

Khodorkowskij sitzt weiterhin im Gefängnis und das Urteil über ihn und die zwei weiteren Angeklagten aus dem YUKOS-System (Menatep-Präsident Platon Lebedew und Andreij Krainow, der teilweise geständig war) wird in diesen Tagen verkündet.

Mikhail Khodorkowskij ist wegen Gestzesverstößen in sieben Fällen angeklagt, unter anderem wird ihm die Unterschlagung von Werten in großem Stil als Mitglied einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Außerdem geht es um Steuerhinterziehung in großem Maßstab.

Einer der Anklagepunkte bezieht sich auf die betrügerische Übernahme von 20 Prozent der Aktien des Düngemittelproduzenten Apatit zusammen mit Lebedew. Außerdem behauptet die Staatsanwaltschaft, daß Khodorkowskij Gesellschaftssteuern unterschlagen habe und Firmenmittel auf betrügerische Weise in die eigene Tasche hat fließen lassen. Die Werte, die er und Lebedew unterschlagen oder ungesetzlich empfangen haben sollen, werden von der Staatsanwaltschaft (nach heutigem Wert) mit über einer Milliarde US-Dollar beziffert.

Viele Leute im Ausland betrachten Mikhail Khodorkowskij immer noch als ein politisches Opfer, das wegen seines Widerstandes gegen Präsident Putin und seine Unterstützung der Opposition abgestraft werden soll. Die meisten Russen hingegen sehen in Khodorkowskij einen Mann, der sich auf illegale Weise gesellschaftliches Eigentum angeeignet hat, seine Gesellschaften ausgeplünderte (und den Ertrag ins Ausland transferiert hat) und in großem Stil Steuern hinterzog.

Chrystia Freeland, Vize-Herausgeberin der Financial Times schrieb in ihrer Zeitung nach der Verhaftung von Khodorkowskij über dessen Eigenschaften als Geschäftsmann: ”Khodorkowskij zeigte eine Aggresivität und Rafiniertheit, die selbst jene Geschäftsleute in Moskau in Erstaunen versetzte, die sich normalerweise durch nichts überraschen lassen. Minoritätsaktionäre wurden mit massiver Ausdünnung ihrer Werte bedroht. Ein komplexes Netz von mysteriösen Offshore-Gesellschaften wurde kreiert. Technische und physische „Straßensperren“ wurden errichtet, um zu verhindern, daß Investoren mit abweichender Meinung auf wichtigen Aktionärsversammlungen ihre Stimme abgeben konnten“.

Meiner Meinung nach hatte der frühere russische Staatsminister Jegor Gaidar recht, als er sagte: ”Es gibt keine reichen Engel in Russland”. [ Ulrich Kreuzenbeck / Herausgeber von russland.RU – internettavisen ]




Tschernobyl nach wie vor eine gefährliche Strahlungswunde der Erde

Der erste Strahlungsschlag traf in jener „Nacht des Jüngsten Gerichts“ die Schicht, die im Saal des 4. Reaktors des Kernkraftwerks von Tschernobyl Dienst hatte. Die Kleidung wurde diesen Menschen bei lebendigem Leibe zusammen mit der Haut abgerissen.

Die Explosion tauchte die schönen Ufer der Pripjat am 26. April 1986 um 1.23 Uhr in ein grelles Licht. In diesem Augenblick brach das Leben von Millionen Leben entzwei: kaputte Schicksale, allgemeine Erschütterung. Und Tausende Quadratkilometer verseuchte Territorien, ein enormer materieller Schaden. Diese technische nukleare Katastrophe, die größte der Geschichte, versenkte die Menschheit in Angst, von der sie sich bis heute nicht befreien kann.

Was geschieht heute im KKW Tschernobyl? Ist der „Sarkophag“, der vor 19 Jahren um den Preis von Menschenleben und der gefährdeten Gesundheit von zehntausenden „Liquidatoren“, wie sie heute genannt werden, über dem Reaktor gebaut wurde, zuverlässig? „Leider nicht“, behauptet der Leiter der Operativen Forschungsgruppe „Kurtschatowski-Institut“ in Tschernobyl, Doktor der physikalischen Wissenschaften Alexander Borowoj. „Unter dem ‚Sarkophag‘ liegen 185 Tonnen Kernbrennstoff verborgen. Seine Aktivität beträgt 16 Millionen Curie. Ein Teil des Kernbrennstoffes (3 bis 5 Prozent) wurde durch die Explosion über die an das KKW anliegenden Territorien verstreut. Aber 30 Prozent des Zäsiums, das darin enthalten war, verdampften und wurden durch Luftströmungen über tausende Kilometer weit getragen. Denkt man daran, dass die Halbwertzeit von Zäsium 30 Jahre und die von Plutonium 24 000 Jahre beträgt, so kann gesagt werden, dass die Strahlungswunde der Erde unendlich viel Zeit brauchen wird, um zu verheilen.“

Borowoj berichtete darüber, dass die Abdeckung-1, wie die Physiker sie nennen, einen gigantischen Bau, so hoch wie ein 24-stöckiges Haus, darstellt. Innerhalb des Raumes befinden sich ein Tausend zerstörter Räume, deren Strahlungsfelder zehntausende Röntgen in der Stunde erreichen. Das Leben eines Menschen wird unter solchen Bedingungen nach Minuten gerechnet.

Vor dem Unglück in Tschernobyl hatte die Welt keine Erfahrungen darin, wie unter solchen Bedingungen zu handeln ist. Die Tragödie von Tschernobyl ist weder ihrer Natur noch der Menge der Strahlungsemission nach mit Hiroshima und Nagasaki zu vergleichen. Jeden Augenblick mussten Entscheidungen getroffen werden, und das „im Vortasten“, unter selbstaufopfernden Anstrengungen der Menschen. Wie Borowoj sagt, ist das Gebäude der Abdeckung leider nicht zuverlässig genug. Beispielsweise konnten Spalten nicht vermieden werden, und sobald es regnet, tropft es innerhalb des „Sarkophages“, das Wasser löst radioaktive Stoffe auf, die sicherlich ins Grundwasser einsickern. Gearbeitet wurde auf Distanz, daher auch die Mängel. Die Gesamtfläche der Spalten wird gegenwärtig auf mehrere Hundert Meter geschätzt. Das bedeutet, dass daraus Plutoniumstaub entweichen kann, und dann müssen sich die Menschen, die vor Ort arbeiten (ihre Zahl geht in Tschernobyl in die Tausende) schwer hüten. Das Kraftwerk gilt zwar als „geschlossen“, aber de facto wurde der letzte Reaktor erst vor drei Jahren außer Betrieb gesetzt. Das Außerbetriebsetzen von KKW-Blöcken dauert Jahrzehnte.

Aber noch mehr beunruhigt den Wissenschaftler der Umstand, dass der „Sarkophag“ auf alten Konstruktionen steht, die sowohl bei der Detonation als auch beim Brand in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Deshalb darf man von der Möglichkeit ihres Einsturzes nicht abstrahieren, dann aber wird der verseuchte Staub nach außen entweichen. „Für uns, die wir Tschernobyl unsere Gesundheit, ja unser Leben geopfert haben, ist das eine Tragödie“, sagt Borowoj. „Es ist, als hätten wir 1986 den ‚Drachen‘ hineingetrieben, der sich aber jetzt wieder zeigen könnte. Haben wir unsere Arbeit also umsonst getan?“

Die Weltgemeinschaft bekundet die Absicht, der Situation abzuhelfen und den Bau einer Abdeckung-2 zu finanzieren. Bereits 1997 stellten die „Große Sieben“ 760 Millionen Dollar bereit, und sie werden allmählich verwendet.

In einiger Entfernung vom Reaktor und nun schon in einem ruhigeren Tempo plant man den Bau einer Konstruktion aus Metall und Beton, eines „Bogens“, der in fertiger Form dem alten „Sarkophag“ „übergestülpt“ und den Reaktor noch einmal, zuverlässiger abdecken wird.

„Aber die Weltgemeinschaft, die das Geld gewährt hat, hat nichts für eine optimale Arbeitsorganisation getan“, findet Borowoj. „Große ausländische Firmen, die früher nicht in Tschernobyl gearbeitet hatten, gewannen die Ausschreibungen. Binnen dreier Jahre haben sie vollbracht, was die Kurtschatow-Leute, die schon kolossale Erfahrungen gesammelt haben, binnen eines Jahres hätten tun können, noch dazu viel billiger und besser.“ Allerdings wurde die Leitungsgruppe des Projektes später gefestigt, jetzt steht ihr der namhafte amerikanische Spezialist Charles Hogg, ehemaliger Marineoffizier, ein kompetenter und zielbewusster Mensch, vor.

Neunzehn Jahre sind vergangen, aber die Menschen sind immer noch verwundert: „Wie konnte es nur zu Tschernobyl kommen?“ Fachleute stellen solche Fragen nicht. Am 25. April um 2.00 Uhr rief eine junge Dispatcherin aus Kiew im KKW Tschernobyl an und verlangte mit strenger Stimme, die Leistung des 4. Reaktors nicht noch weiter zu senken und auch die Tests, auf die er vorbereitet wurde, aufzuschieben. Das Mädchen „kommandierte“ natürlich nicht von sich aus, vielmehr war sie das Sprachrohr ihrer Vorgesetzten. Die Forderungen wurden erfüllt, der Reaktor war noch neun Stunden in Betrieb. Das war ein gefährliches Regime und der erste Schritt zur Havarie.

Die Detonation war eine Antwort des „nicht idealen“ Reaktors auf die groben Fehler des Personals. Heute ist so etwas nicht mehr möglich: Der bittere Nachgeschmack von Tschernobyl hat die russischen Atomenergetiker dazu gezwungen, in die Reaktoren zahlreiche Sicherungen einzubauen, die vom „menschlichen Faktor“ nicht mehr überwunden werden können.




Zerstörter Reaktor im ukrainischen AKW Tschernobyl erhält neuen Schutzmantel

Die Geberländer des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl haben sich verpflichtet, knapp 200 Millionen US-Dollar für den Bau eines neuen Schutzmantels über dem zerstörten vierten Reaktorblock bereitzustellen.

Diese Entscheidung wurde am Donnerstag bei einem Treffen von Vertretern der Geberländer im Londoner Hauptsitz der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) getroffen.

Die Länder der G 8 und der Europäischen Union werden für diese Zwecke 185 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Zum ersten Mal ist auch Russland beteiligt. Die Regierung der Ukraine will mit 22 Millionen Dollar aufkommen.

Die EBWE verwaltet den internationalen Tschernobyl-Sarkophag-Fonds, dem 28 Länder angehören. Bislang wurden in dem Fonds fast 600 Millionen Euro akkumuliert. Unter Berücksichtigung des heute gefassten Beschlusses wird der Fonds auf knapp eine Milliarde Dollar anwachsen.

Der Bau des neuen Schutzmantels über dem explodierten Reaktor soll 2008/2009 zu Ende abgeschlossen werden.

„Wir begrüßen die Bewilligung weiterer Mittel dafür. Das zeugt von der Absicht der internationalen Gemeinschaft, den Bau des Sarkophags in Tschernobyl abzuschließen“, sagte EBWE-Präsident Jean Lemierre.

Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Ukraine das Projekt im festgelegten Zeitraum verwirklicht. Die EBWE rechne damit, dass die ukrainische Führung die Verwendung der bewilligten Mittel streng kontrollieren wird, sagte er.

Bei der Reaktorexplosion in Tschernobyl vom 26. April 1986 handelt es sich um die bislang schwerste technische und humanitäre Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Aus einer Karte der nach dem Tschernobyl-Unglück betroffenen Gebiete geht hervor, dass Territorien von 17 Ländern mit einer Gesamtfläche von 207 500 Quadratkilometern kontaminiert sind. Davon entfallen 43 500 Quadratkilometer auf Weißrussland, 59 300 Quadratkilometer auf Russland und 37 600 Quadratkilometer auf die Ukraine.




Gorbatschow warnt vor Stalin-Nostalgie in Russland

In den Streit um die Bewertung der Rolle Russlands nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich jetzt auch Ex-Präsident Michail Gorbatschow eingeschaltet und vor einer neuen Heldenverehrung Stalins gewarnt.

Die Feiern zum 60. Jahrestag des Kriegsendes dürften nicht zur Rehabilitierung des ehemaligen Diktators missbraucht werden, sagte der letzte sowjetische Staatschef am Sonntag laut der Nachrichtenagentur Interfax. Ausdrücklich warnte Gorbatschow vor Versuchen, Stalin den Sieg über Nazi-Deutschland zuzuschreiben. Es dürfe nicht vergessen werden, dass der Diktator persönlich „für Massenrepressalien verantwortlich war“.

Stalin habe vor nichts zurückgeschreckt, um seine Ziele zu erreichen, sagte Gorbatschow weiter. „Ich habe in den Archiven nachgelesen. Er unterschrieb massenweise Todesurteile, schickte große Persönlichkeiten ebenso in den Tod wie einfache Bürger“. Dafür gebe es keine Entschuldigung.

Im Zuge der Gedenkfeiern zum Kriegsende vor 60 Jahren gibt es in Russland Versuche vor allem von Kommunisten und einigen Kriegsveteranen, den ehemaligen Diktator zu rehabilitieren. Mehrere Versuche, Stalin-Statuen aufzustellen, scheiterten. Einzig in Mirny, einer kleinen Ortschaft der ostsibirischen Republik Jakutien, wurde am Sonntag eine Statue des früheren Diktators feierlich eingeweiht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti standen die Menschen Schlange, um an der Statue Blumen niederzulegen.




19 Jahre Wache am Tschernobyl-Reaktor: „Wir nannten uns „Stalker“…

In meine Hände gelangte eine Sonderausgabe des amerikanischen Magazins US News & World Report „Extreme Explorers“, mit der Schlagzeile „Helden“ auf dem Umschlagblatt.

Neben dem Bild der Mutter Theresa sah ich ein Foto von Dr. sc. Alexander Borowoj, wissenschaftlicher Leiter der Operativen Gruppe des Kurtschatow-Instituts in Tschernobyl. Ich kenne ihn. Aber geschrieben hat über ihn zuerst ein amerikanischer Journalist. Anscheinend sieht man die wirklichen russischen Helden besser aus der Ferne.

Alexander Borowoi ist ein Held schon deshalb, weil er nicht unbedingt nach Tschernobyl fahren musste. Am angesehenen Kurtschatow-Institut arbeitete er auf einem anderen Spezialgebiet: Er studierte das Neutrino. Aber die gewaltige Atomexplosion am 26. April 1986 bedeutete für die Physiker den Vorwurf „schlechter Qualifikation“, und es war eine Ehrensache, diese Herausforderung ihres „Berufsgottes“ – des spaltenden Atomkernes – anzunehmen. Über 500 Spezialisten des Instituts arbeiteten in den vergangenen 19 Jahren in Tschernobyl. Einige von ihnen sind bereits nicht mehr am Leben und andere verloren ihre Gesundheit. Auf die Frage danach, welche Strahlungsdosis er selbst bekommen habe, scherzt Borowoi: Keine tödliche. Die Ärzte halten mich vorläufig nicht von der Arbeit fern. Aber er spricht sehr leise, denn ansonsten beginnt er zu husten.

Eine Gruppe von Spezialisten des Kurtschatow-Instituts arbeitete ununterbrochen in Tschernobyl: Jede Schicht verbrachte 18 Tage am Reaktor und stellte die übrigen 12 Tage in Moskau ihre Gesundheit wieder her. Die Physiker wachten rund um die Uhr über den 4. Reaktor und beobachteten Prozesse, die sich in den Atomruinen vollzogen. Zu Recht schrieb der Autor Joseph Sywenkyj in einem Beitrag, dass die Katastrophe in Tschernobyl einen derart schrecklichen Maßstab hatte, dass sie Helden einfach erforderte. Und es muss gesagt werden, dass die Grenze zwischen Helden und Opfern in der ersten Zeit nicht zu spüren war. „Ich wusste als Physiker, was für den Schutz gegen die Strahlung zu tun war. Aber das wussten die jungen Soldaten nicht, die aus allen Ecken des Landes nach Tschernobyl geschickt wurden“, sagte Borowoi. „Kaum hatten sie die Reaktorruine verlassen, glaubten sie außer Gefahr zu sein, nahmen die Masken ab, begannen zu rauchen, tranken Wasser und kauten etwas zur Stärkung. All das durfte man nicht tun. Ich instruierte sie. ‚Vater‘, wandte sich einer der Soldaten an mich: ‚Werden wir Kinder haben?‘ – ‚Ihr werdet Kinder haben, wenn ihr auf mich hört‘, antwortete ich“.

Als an eines der schrecklichsten Bilder im Leben erinnert sich Borowoi an den ersten Besuch im zerstörten Reaktorgebäude. „Trümmer, radioaktive Finsternis, die nach Ozon roch. Und plötzlich eine Stimme: ‚Bitte Ihren Personalausweis!‘ Ich war verblüfft. ‚Junge, lauf so schnell Du kannst‘, sagte ich dem diensthabenden Soldaten. ‚Ich darf den Posten nicht verlassen. Ich habe einen Eid abgelegt‘, antwortete er. Mit Mühe gelang es mir, ihn zu überreden, weg zu gehen.“

Selbst in voller Strahlungsschutzausrüstung musste ein Spezialist unter Anspannung aller Kräfte zum Reaktor laufen, ein Gerät an der Angelschnur in die Öffnung einwerfen und möglichst schnell zurücklaufen. „Jedes Mal befürchtete ich, dass jemand mitten in Trümmern fällt. Damals hatten wir nur Bioroboter – uns selbst. Und wir nannten uns ‚Stalker‘. Ich erklärte auf einer Regierungskommission, dass man so nicht weiter arbeiten kann“, berichtete Borowoi.

Als Antwort hörte er die beleidigenden Worte einer sowjetischen Beamtenseele: „Haben Sie Angst? Solche Leute brauchen wir in Tschernobyl nicht!“ Aber Borowoi ließ diese Worte unbeachtet. Er wusste fest, dass sein Platz in Tschernobyl ist. Ziemlich schnell haben dann die Mitarbeiter des Kurtschatow-Instituts weniger gefährliche Arbeitsmethoden erarbeitet und angewendet. Mit ihrer Hilfe untersuchten sie sorgfältig den Reaktor, um sich davon zu überzeugen, dass die Möglichkeit einer neuen ungesteuerten Reaktion ausgeschlossen ist. Man musste ins Innere eindringen, wo sogar die richtigen Roboter wegen der hohen Strahlung „verrückt“ wurden. Es gelang, die Anordnung der im Reaktor gebliebenen 185 Tonnen des Kernbrennstoffes schematisch darzustellen. Den großen Risiken setzten sie sich jedoch nicht gedankenlos aus. Borowoi wusste, was er tat.

Die Explosion des Lenin-Kernkraftwerks in Tschernobyl erwies sich als ein symbolisches Vorzeichnen für die Sowjetunion. Fünf Jahre später zerfiel sie. Einige politische Figuren der unabhängigen Ukraine begannen, russische Physiker, die in Tschernobyl arbeiten, scheel anzusehen. Es gab sogar einen Versuch, die Kurtschatow-Physiker zu „bitten“ heimzukehren. Auch in Russland war man unterschiedlicher Meinung darüber, ob man diese Arbeit fortsetzen müsse. Und dann haben zwei Wissenschaftler von Weltruf – der Ukrainer Boris Paton und der Russe Jewgeni Welichow – im Wissen um die ganze Verantwortung alle überzeugt, dass das Tschernobyl-Problem außerhalb jeglicher Ideologie steht und dass man dieses Unglück gemeinsam beseitigen muss und möglichst schnell: Radioaktivität interessiert sich nicht für Staatsgrenzen.

Borowoi und seine Kollegen überwachen bis heute die beunruhigenden Symptome im Reaktor, der immer noch gefährlich ist. Der Sarkophag beherbergt immer noch Strahlungsvorräte von 16 Millionen Curie. Ein neuer Sarkophag-2, an dem jetzt die Weltgemeinschaft arbeitet, wird helfen, die Situation zu verbessern.