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Monat: April 2006 - russland.NEWS - russland.TV

US-Hilfsgüter für Tschernobyl-Opfer

Am Freitag sind in der weißrussischen Hauptstadt Minsk amerikanische Hilfsgüter im Wert von fünf Millionen US-Dollar eingetroffen. Wie RIA Novosti von der internationalen Wohltätigkeitsorganisation „Nadeschda-Express“ erfuhr, handelt es sich zum größten Teil um Medikamente gegen Krebskrankheiten.

Die Arzneimittel sollen in die weißrussischen Regionen geschickt werden, die unter den Folgen des Unglücks im Atomkraftwerk Tschernobyl leiden.

Die humanitäre Hilfeleistung für Weißrussland sei bereits Tradition, hieß es bei „Nadeschda-Express“. Anlass für die diesjährige Hilfsaktion sei der 20. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl.

Organisiert wurde die Aktion von der amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation City Hope International mit Hilfe des US State Departement. City Hope International lieferte seit 1999 im Rahmen der Aktion „Hoffnung“ Hilfsgüter im Wert von über 40 Millionen Dollar nach Weißrussland.




Tschernobyl – Zu früh für den Schlussstrich

[ von Achim Riemann] Die Folgen von Tschernobyl: Die einen beschwichtigen, weil sie auf die Fortsetzung der Atomkraft setzen. Andere dramatisieren, um ihre Spendeneinnahmen zu erhöhen. Es ist einfach, die Folgen des Super-GAUs für die eigenen Interessen zu interpretieren. Auf Krebsgeschwüren findet man keine Absender.

Um so gravierender ist es dann, wenn innerhalb der UNO eine Schlussstrich-Debatte geführt wird. Mit angeblichen Fakten, die den Aussagen des UN-Generalsekretärs entgegen laufen. Während Kofi Annan von drei Millionen Kindern ausgeht, die dringend ärztliche Hilfe brauchen oder früh sterben werden, sprechen Weltgesundheitsbehörde (WHO) und Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in einer gemeinsamen Studie von ganz anderen Zahlen: 4.000 Todesopfer werde das Unglück insgesamt fordern. Die häufigste Spätfolge ist Schilddrüsenkrebs, der aber in 99 Prozent der Fälle heilbar ist.

Zwanzig Jahre nach Hiroshima und Nagasaki wussten wir nur, dass die Leukämie eine Folge der Strahlenwirkung war. 24 Jahre später bemerkten wir den Anstieg anderer Krebserkrankungen und 45 Jahre später den Anstieg der Nicht-Krebserkrankungen.

Baverstock ist es auch, der die Leichtgläubigkeit anprangert, mit der in der WHO davon ausgegangen wird, dass es nur harmlosen Schilddrüsenkrebs gibt. Wir sehen heute schon wechselnde Muster in der Entwicklung von Krebstypen. Eine tödliche Mutation lässt sich also nicht ausschließen. Außerdem ist Schilddrüsenkrebs nicht trivial, sondern eine große Belastung. Für Kinder bedeutet er oft das Ende der unbeschwerten Kindheit. Es ist also viel zu früh, die Akte Tschernobyl zu schließen.




Tausende demonstrieren gegen weißrussische Regierung

Tausende Oppositionsanhänger haben in der weißrussischen Hauptstadt Minsk einen Marsch zum Gedenken an die Tschernobyl-Katastrophe in eine Demonstration gegen die autoritäre Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko verwandelt. Rund 6000 Demonstranten zogen am Mittwoch durch die Straßen von Minsk und forderten den Rücktritt des Präsidenten.

Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch rief vor jubelnden Demonstranten dazu auf, Lukaschenko „in Übereinstimmung mit der Verfassung zu vernichten“. Die Polizei nahm mehrere Oppositionspolitiker fest.

Die Präsidentschaftswahl vor einem Monat sei eine Farce gewesen, rief Milinkewitsch. Die Gegner des autoritären Präsidenten wollten sich „von den Knien erheben und der Angst entkommen“. Die Opposition werde Flugblätter verteilen, das Internet nutzen und nicht aufgeben, bis der Präsident gestürzt sei. Für den Maifeiertag kündigte der Oppositionsführer einen weiteren Protestmarsch an.

Bei der Demonstration wurden nach Angaben von Milinkewitschs Bewegung rund zwölf Oppositionelle festgenommen. Der Führer der Oppositionsbewegung Weißrussische Volksfront, Winzuk Wjatschorka, wurde nach Polizeiangaben zum Verhör auf eine Polizeiwache gebracht. Auch der Führer der Vereinten Bürgerpartei, Alexander Lebedko, verschwand im Laufe des Tages, sein Auto wurde nach Angaben seiner Partei auf einem Polizeigelände entdeckt.

Bei der Demonstration zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kritisierten Redner den Umgang der weißrussischen Regierung mit den Folgen des Unglücks. Vor allem ein Regierungsprogramm zur Wiederansieldung der vor 20 Jahren vom radioaktiven Fallout verseuchten Gebiete in Weißrussland wurde kritisiert. Er sei schockiert vom Verhalten der Regierung, sagte der Wissenschaftler Iwan Nikitschenko, der vor 20 Jahren bei den Aufräumarbeiten in Tschernobyl geholfen hatte: „Gestern hat der Präsident gesagt, dass jetzt alles sauber sei, dass man die Milch wieder trinken kann – ich bin entsetzt.“

Die nach dem Tschernobyl-Unglück am 26. April 1986 freigesetzte radioaktive Wolke ging größtenteils über der Ukraine und Weißrussland, aber auch in großen Teilen Europas nieder. UN-Behörden geben an, insgesamt würden etwa 4000 bis 9000 Menschen durch die Folgen des Unglücks sterben. Umweltschützer rechnen mit mindestens 100.000 Todesopfern in Folge der Katastrophe.




Fast eine Viertelmillion Menschen leben seit Tschernobyl in verseuchten Gebieten Russlands

20 Jahre nach der Reaktorexplosion im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl leben immer noch rund 200 000 Menschen in verseuchten Gebieten auf russischem Territorium. Das teilte die stellvertretende russische Zivilschutzministerin Nadeschda Gerassimowa am Mittwoch auf einer Trauerkundgebung in Moskau mit. Die Gesundheit der Menschen in diesen Gebieten werde auch weiter kontrolliert. Das betreffe auch den Zustand von Lebensmitteln und Böden.

Nach dem Abschluss aller Programme zur Förderung der so genannten Liquidatoren, die an der Beseitigung der Folgen des Unglücks von Tschernobyl teilgenommen hatten, wird die Regierung laut der stellvertretenden Ministerin Hilfe für Menschen erweisen, die auf den kontaminierten Territorien leben. Insgesamt gehe es um 445 Ortschaften.

Zur Sterblichkeit infolge der Katastrophe von Tschernobyl sagte Frau Gerassimowa, dass mehrere Krebserkrankungen erst nach 20 bis 30 Jahren nachgewiesen werden können. „Erst nach Ablauf dieser Frist kann man von dem Einfluss der Strahlung auf die Sterblichkeitsrate sprechen.“

Die Folgen der Tragödie werden nach ihren Worten noch mindestens 50 Jahre lang spürbar sein. Berechnungen von Wissenschaftlern zufolge endet in 50 Jahren die Halbwertzeit bei einigen Radionukliden, mit denen die Territorien kontaminiert sind.

Nach Angaben des Zivilschutzministeriums in Moskau wurden vier Regionen Russlands besonders stark verstrahlt. Das sind die Gebiete Brjansk mit verseuchten Territorien von 11 800 Quadratkilometern, Tula (11 600 Quadratkilometer), Orjol (8900 Quadratkilometer) und Kaluga (4900 Quadratkilometer).




Damalige Sowjetführung uneins über Umgang mit Tschernobyl-Unglück

Die Katastrophe von Tschernobyl vor 20 Jahren hat innerhalb der damaligen Sowjetführung einen Streit über den Umgang mit dem Unglück ausgelöst. Das geht aus Mitschriften eines Politbüro-Treffens am 29. April 1986 hervor, die die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Mittwoch veröffentlichte. „Wenn wir die Nachricht ausgeben, sollten wir sagen, dass gerade Routinereparaturen in der Anlage stattfanden, damit unsere Ausrüstung keinen schlechten Ruf erhält“, wird der damalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Michail Gorbatschow, zitiert.

Der ranghohe KGB-Vertreter und spätere aserbaidschanische Präsident Heidar Alijew stellte die grundsätzliche Frage: „Vielleicht sollten wir unser Volk informieren?“

Ex-Außenminister Andrej Gromyko setzte sich bei dem Treffen drei Tage nach dem Reaktorunglück dafür ein, Informationen herauszugeben. „Es ist wesentlich, (…) dass wir den mit uns befreundeten Staaten mehr Informationen geben und Washington und London teilweise informieren“, sagte er laut Mitschrift. Dagegen zeigte sich Jegor Ligaschew, ein in den 80er Jahren einflussreicher Hardliner des Politbüros, wenig überzeugt davon, Angaben über die Katastrophe zu veröffentlichen. „Wir sollten keine Pressekonferenz abhalten“, wird Ligaschew zitiert.

An den Beratungen nahmen auch Medienvertreter teil. Michail Simjanin von der kommunistischen Tageszeitung „Prawda“ schlug folgende Version vor: „Es ist wichtig, (…) dass wir sagen, dass es keine nukleare Explosion war und dass nur ein Leck infolge des Vorfalls entstand.“

Die Sowjetführung gab am 29. April einen ersten offiziellen Bericht über Tschernobyl heraus. Darin hieß es laut der Tageszeitung „Wedomosti“, es habe „radioaktive Verseuchung“ gegeben – allerdings nicht in einer Intensität, die besondere Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung notwendig mache.




Schmerzvolle Erinnerung 20 Jahre nach Tschernobyl

Auch 20 Jahre danach ist der Schmerz so groß, dass Mykola Rjabuschkin sich der Tränen nicht erwehren kann. „Ich habe das alles durchlebt“, sagt der 59-Jährige, während er sich die Wangen abwischt. Am 26. April 1986 hatte Rjabuschkin Nachtdienst im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl, als um 01.23 Uhr Ortszeit zwei Explosionen den Reaktor vier erschütterten, die Umgebung in ein unwirkliches blaues Licht tauchten und eine riesige radioaktive Wolke freisetzten. „Ich kannte sie alle“, sagt der grauhaarige Mann und deutet auf die Fotos der 30 Menschen, die im Jahr nach dem bislang größten nuklearen Unglück starben.

Bei einer nächtlichen Gedenkfeier im nahe gelegenen Slawutitsch ehren Überlebende, Freunde und Angehörige in der Nacht zu Mittwoch die Opfer von damals.

„Ich schaue sie an und will sie um Vergebung bitten“, sagt Rjabuschkin schluchzend, während er auf die Porträts der Toten schaut. „Vielleicht sind wir alle Schuld daran, dass dieser Unfall passieren konnte.“ Hunderte Menschen haben sich um Mitternacht an einem Mahnmal im Zentrum von Slawutitsch versammelt, das etwa 50 Kilometer östlich von Tschernobyl liegt. Die Stadt im Norden der Ukraine wurde nach der Katastrophe gebaut, um die Arbeiter der Atomanlage unterzubringen. 20 Jahre danach zünden sie Kerzen an und legen Nelken nieder, um an die Toten des Reaktorunglücks zu erinnern. Viele von ihnen weinen. Ihre Geschichten gleichen sich.

Stanislaw Honko ist gekommen, um seinen Kollegen von der Feuerwehr die Ehre zu erweisen, die bei den Löscharbeiten starben. „Leute, die nicht zurückgewichen sind und ihren Dienst getan haben“, sagt der 45-Jährige. Galina hatte Glück im Unglück: Weil sie am 26. April Geburtstag hatte, durfte sie früher nach Hause gehen. „Eine halbe Stunde vor der Explosion. Das hat mir das Leben gerettet“, sagt sie heute.

Alla Rodjonowa gedenkt bei einer Messe in Kiew ihres Mannes. Er wurde damals mit hunderttausenden anderen am Katastrophenort eingesetzt; „Liquidatoren“ werden diese Kräfte genannt. Vor drei Jahren starb Rodjonowas Mann an Darmkrebs. Für Margarita Schubenok bedeutet Tschernobyl auch den Verlust ihrer Heimat. Pripjat gleich nördlich des AKW war ihr Zuhause. Heute ist es eine Geisterstadt, die in der Sperrzone rund um den Unglücksort liegt. „Ich habe dabei mitgeholfen, die Stadt aufzubauen“, sagt die 58-Jährige. „Es ist, als ob ich ein Kind verloren hätte.“

Für viele der ehemaligen Arbeiter von Tschernobyl sind die frühen Morgenstunden des 26. April jedes Jahr die einzige Gelegenheit, bei der sie die Tränen und den Schmerz noch einmal zulassen, weil sie sich der Tragödie erinnern. Normalerweise zeigen die Bewohner von Slawutitsch nicht, dass sie weinen, sagt Galina. Das Reaktorunglück „ist ein Teil unseres Lebens, der immer zu uns gehören wird“, sagt die Ukrainerin, die heute als Turnlehrerin arbeitet. „Aber man kann nicht fortwährend in der Vergangenheit leben.“ [Von Anya Tsukanova ]




Tschernobyl hat die UdSSR gesprengt

[von Pjotr Romanow] Es erwies sich, dass die Tschernobyl-Lüge für die UdSSR nicht minder todbringend war als die radioaktive Strahlung.

Auf den zwanzigsten Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl (26. April 1986) reagiert die Welt mit zahlreichen Publikationen, was natürlich ist. Die Tatsache an sich ist schon tragisch, zudem wirken sich die Folgen jenes GAU bisher auf das Leben vieler Menschen aus.

Der radioaktive Staub ist nicht nur auf das Territorium der ehemaligen Sowjetunion nieder gegangen, sondern auch auf Polen, Bulgarien, Deutschland, Schweden, die Schweiz, Belgien, England, die Niederlanden und viele andere Ländern. Glück hatten nur Frankreich, Spanien und der italienische Süden: Der Wind wehte die Gefahr von ihnen weg.

Die meisten der bereits vorliegenden Publikationen zum Thema Tschernobyl stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit den Problemen der Sicherheit der Atomenergetik, was durchaus logisch ist. Niemand will die Wiederholung einer solchen technogenen Katastrophe. Es war kein Zufall, dass die durch Tschernobyl verursachte Angst in vielen Ländern der Welt die Entwicklung der Atomenergiewirtschaft etwas abbremste, die weltweite Energiekrise verschärfte, zu einem weiteren Preisanstieg bei den Energieträgern führte usw.

Unangenehm auffällig ist jedoch, dass die weitaus meisten Publikationen über Tschernobyl eindeutig bestellte Ware sind und nicht das Echo der Tragödie widerspiegeln, sondern lediglich den Kampf um den Markt der Atomtechnologien: Für einige Konkurrenten ist die Tragödie nur ein Vorwand, dem potentiellen Käufer einzuhämmern: Den russischen Atomtechnologien sei nicht zu vertrauen.

Das ist erstens nicht gerade zeitgemäß und nicht sehr schön, zweitens aber – falsch.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, wie eine Volksweisheit lehrt. Anders als die meisten ihrer Konkurrenten haben gerade die Russen, durch die bittere, aber auch praktische Erfahrung belehrt, einen kolossalen Beitrag zur Entwicklung zusätzlicher Methoden und Mittel der Sicherheit von Kernreaktoren beigetragen. Vor allem haben sie Momente berücksichtigt, die bei der Ausarbeitung des Sicherheitssystems des Reaktors von Tschernobyl außer Betracht geblieben waren, konkret „den Schutz vor Dummheit“ beziehungsweise vor dem – gelinde gesagt – nicht immer zuverlässigen Faktor Mensch. Das war nämlich die Ursache jener Tragödie. Das größte Unglück von Tschernobyl ist heute vielleicht der Umstand, dass diese einzigartige russische Erfahrung – sowohl bei der Verstärkung der Sicherheit der Atomreaktoren als auch bei Maßnahmen für den Fall von extremen Situationen – im Westen so gut wie nicht beachtet wird.

Ich weiß, dass die Mitarbeiter des Kurtschatow-Instituts, dieses Hauptzentrums von Russlands Atomwissenschaft, wiederholt klagten: Das Wichtigste davon, was sie in den zwanzig Jahren der ununterbrochenen Arbeit im KKW Tschernobyl schon nach der Katastrophe geleistet haben, berücksichtigen ihre ausländischen Kollegen so gut wie überhaupt nicht. Jammerschade. Akademiemitglied Jewgeni Welichow, Präsident des Forschungszentrums „Kurtschatow-Institut“, kann heute mit vollem Recht sagen: „Die russischen Kernphysiker haben die Lehren von Tschernobyl in vollem Maße und für immer beherzigt.“

Anders ausgedrückt: Wenn überhaupt etwas Positives in jener Tragödie war, dann sind das praktische Erfahrungen und ihre Lehren. Dazu die auf ihrer Grundlage erarbeiteten Empfehlungen. Gerade dieser unschätzbare Reichtum interessiert die ausländischen Fachleute nicht, sie glauben, auch ohne auskommen zu können. Nun, gutes Gelingen! Aber Menschen, die mit Atom zu tun haben, wissen ausgezeichnet: Diverse äußerst gefährliche Vorkommnisse, die zu einer noch größeren Tragödie als Tschernobyl hätten führen können, sind in vielen westlichen Ländern geschehen. Die Liste ist dermaßen lang, dass ich sie nicht anführen will, aber darin stehen zum Beispiel auch die USA, Großbritannien und die Schweiz. So dass die russische Kerntechnologie für Menschen, die sich in der Sache wirklich auskennen, heute am sichersten ist. Alles andere ist Werbung. Mit dem winzigen Unterschied, dass da nicht für Pepsi geworben wird.

Es gibt jedoch eine weitere Folge der Ereignisse in Tschernobyl, über die selten nachgedacht wird. Meiner Ansicht nach hat gerade Tschernobyl die UdSSR gesprengt. Die Gründe für den Niedergang eines solchen Giganten sind selbstverständlich mannigfach, das steht fest. Jemand wird vielleicht sagen, die Begründer des Marxismus hätten das Element der Selbstvernichtung in die sowjetische Politik und Wirtschaft gleich bei deren Geburt hineingezaubert. Und er wird Recht haben. Andere Menschen werden als Ursache für den Zerfall der UdSSR das Wettrüsten nennen oder sich an Afghanistan erinnern, beides habe die Stärke der Sowjetunion untergraben. Und wieder ist es ein Treffer. Wieder andere datieren den Niedergang der Sowjetunion mit dem Treffen in Beloweschskaja Puschtscha, dem Ort, an dem die damaligen führenden Politiker Russlands, der Ukraine und Weißrusslands heimlich vor Gorbatschow ein Dokument unterzeichneten, mit dem sie der UdSSR den Todesstoß versetzten. Auch dieses Argument trifft.

Dennoch gehört meiner Meinung nach Tschernobyl ebenfalls in diese Reihe, denn diese Katastrophe war nicht nur ein Strahlungsausbruch, sondern auch ein gigantischer Auswurf von Lügen, der den Sowjetmenschen einen Schock versetzte. Mehrere Tage lang verbargen die Regierenden die Wahrheit überhaupt vor allen. Das aber bedeutet, dass sich die Kinder und ihre Eltern in Minsk unter einem milden Frühlingsregen tummelten, der radioaktiv verstrahlt war, todbringendes Obst aßen, in ukrainische und weißrussische Kurorte reisten, anstatt sofort in die entgegen gesetzte Richtung zu fliehen, und friedlich angelten. Als endlich Gerüchte aufkamen, brach Panik aus: Die Menschen kauften die Eisenbahnkassen und Apotheken leer. Erst als die ersten, noch halb wahrheitsgemäßen offiziellen Nachrichten erschienen, wurde klar, wie ungeheuer groß die Tschernobyl-Lüge war.

Grundsätzlich wichtig ist schließlich noch etwas: Diese Lüge wurde dadurch nur verschlimmert, dass sie von den Parteireformern ausging, denen viele schon vertrauten. Sie hatten daran geglaubt, die Reform des Sowjetsystems sei im Prinzip möglich.

Nach dieser Lüge gab es niemanden mehr, dem man noch hätte glauben können. Als aus Beloweschskaja Puschtscha die Nachricht über das Eingehen der UdSSR kam, erhob sich keiner zu ihrer Verteidigung.

Es zeigte sich, dass die Lüge genauso todbringend war wie die radioaktive Strahlung.




Russland setzt auf Ausbau der Kernenergie – Gabriel pocht auf Ausstieg

Zwanzig Jahre nach dem Reaktorunglück will Russland dem Ausbau der Kernenergie mehr Aufmerksamkeit widmen. „Wenn wir Energiesicherheit und eine stabile Entwicklung der Weltwirtschaft wollen, dann können wir uns nicht allein auf die fossilen Brennstoffe stützen“, sagte Igor Schuwalow, Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin der „Berliner Zeitung“ (Mittwochausgabe).

Deshalb müsse in neue Technologien für eine sichere Kernenergie investiert werden. „Wir sind überzeugt, ohne Kernkraftwerke gibt es keine Energiesicherheit“, sagte er. Schuwalow leitet als so genannter Sherpa die Vorbereitungen auf den bevorstehenden G8-Gipfel, der im Juli in St. Petersburg stattfindet. Die Zukunft der Kernenergie soll dort nach den russischen Vorstellungen von den Staats- und Regierungschef diskutiert werden.

Gabriel pocht zu Tschernobyl-Jahrestag auf Atomausstieg

Zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) das Ziel eines deutschen Ausstiegs aus der Atomenergie bekräftigt.

Angesichts der Katastrophe sei es nicht sinnvoll, auf eine Technologie zu setzen, bei der technisches und menschliches Versagen nicht passieren dürfe, sagte Gabriel am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur.

Der SPD-Minister verteidigte sich zugleich gegen Vorwürfe aus der Union, er habe die Position der Bundesregierung zur Atomenergie in einer Informationsbroschüre zu einseitig dargestellt. „Im Koalitionsvertrag steht, dass wir aus der Atomenergie aussteigen.“

Angesichts der Katastrophe sei es nicht sinnvoll, auf eine Technologie zu setzen, bei der technisches und menschliches Versagen nicht passieren dürfe, sagte Gabriel am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur.

Der SPD-Minister verteidigte sich zugleich gegen Vorwürfe aus der Union, er habe die Position der Bundesregierung zur Atomenergie in einer Informationsbroschüre zu einseitig dargestellt. „Im Koalitionsvertrag steht, dass wir aus der Atomenergie aussteigen.“




Die wahren Folgen von Tschernobyl

In den verstrahlten Gebieten in der Ukraine und Weißrussland gewinnt die eigentliche Katastrophe erst jetzt zunehmend an Fahrt – immer mehr Menschen leiden an der Strahlung. Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage für die Kinder. Nur noch rund 20 Prozent der Kinder sind überhaupt gesund, so dass Gesundheitsministerium in Weißrussland.

In manchen Dörfern ist gewöhnlicher Schulsport kaum noch möglich, viele SchülerInnen sind einfach zu geschwächt. Sie leben auf strahlenbelastetem Boden. Hauptursache der Erkrankungen ist die schleichende Anreicherung des radioaktiven Cäsiums, durch das verstrahlte Essen. Unbelastete Nahrung ist für die meisten unerschwinglich.

Kinder im Alter von zwölf Jahren leiden unter Bluthochdruck und Magenschleimhautentzündungen. Die Radioaktivität schädigt aber auch die Nieren und greift das Nervensystem an. Patologien der Organe treten auf. Eine hohe Cäsiumbelastung kann bei Kindern zum Grauen Star und zur Skleroese der Blutadern im Auge führen.

Es kommt zu Störungen des Immunsystem und des Hormongleichgewichts. Alleine in Weißrussland sind 600 000 Kinder betroffen.

»Tschernobyl-Aids«

Die Folgen der Strahlung haben für die Kinder und Jugendlichen noch viele Gesichter: So verzögert sie das Wachstum einerseits und lässt die Menschen andererseits schneller altern. Sie genesen langsamer nach Krankheiten – schuld ist die Immunschwäche, auch »Tschernobyl-Aids« genannt.

Wie weit der Tschernobylunfall Krebserkrankungen verursacht, lässt sich bisher nur erahnen.

Bisher sind 1800 Kinder und Jugendliche in Weißrussland an Schilddrüsenkrebs erkrankt Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass 25 Prozent der Menschen, die während des Tschernobyl–Fallouts jünger als vier Jahre alt waren, Schilddrüsenkrebs bekommen werden. Mit möglicherweise 100.000 Schilddrüsenkrebskranken aus allen Altersschichten rechnet der Strahlenmediziner Edmund Lengfelder.

Stark radioaktiv belastet ist das Gebiet Gomel, rund 80 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Dort hat die Häufigkeit aller Krebserkrankungen in nur zehn Jahren nach dem Super–Gau zwischen 1989 und 1999 bereits um mehr als ein Drittel zugenommen. Den stärksten Anstieg an Erkrankungen gab es in den am höchsten belasteten Gebieten – Leukämie tritt 50 Prozent häufiger auf.

Brust- und Lungenkrebs aber zeigen sich erst nach rund 20 Jahren, Magen-, Haut- und Mastdarmkrebs schätzungsweise nach 30 Jahren.

Genetische Störungen

In den hoch belasteten Regionen der Ukraine zeigten sich schon in den ersten vier Jahren nach dem Unfall krankhafte Veränderungen im Bereich der menschlichen Fortpflanzung. Genetische Störungen vervielfachten sich um den Faktor 15, Fehlbildung treten dreimal so häufig auf. Die Zahl der zeugungsunfähigen Männer stieg um 300 Prozent.

Die ukrainische Regierung berichtete im März 2002, dass von den drei Millionen Menschen in der Ukraine, die Radioaktivität aufgenommen haben, 84 Prozent als krank registriert sind. Darunter befinden sich eine Millionen Kinder.

Retter in Not

Fast vergessen sind die 600.000 zumeist jungen Männer, die damals aus der ganzen Sowjetunion zum Reaktor und in die Region um Tschernobyl geschickt wurden. Sie sollten den Reaktorbrand löschen und die Welt vor noch grösseren Auswirkungen der Katastrophe bewahren. Sie waren es auch, die den Betonschutzmantel bauten und große Gebiete von der Strahlenbelastung zu »säubern« versuchten. 94 Prozent der in der Ukraine noch lebenden Liquidatoren sind krank. Professor Alexej Yablokov berichtete 2005 auf einem Kongress des IPPNW , dass 50 Prozent der Männer heute Invaliden sind. Wissenschaftler befürchten eine wahre Krebsepidemie unter den Liquidatoren in den nächsten 10 bis 20 Jahren. Erste Anzeichen für überdurchschnittlich steigende Krebsraten zeichnen sich bereits ab. Laut IPPNW sind schätzungsweise 50.000 von ihnen bisher an Strahlenschäden gestorben oder haben Selbstmord begangen.

Die Folgen des GAU in Deutschland

1.800 Kilometer von Tschernobyl entfernt, richtete die Wolke auch hier bei uns Schaden an.

Im Januar 1987, neun Monate nach dem Unglück, kamen in West-Berlin zwölf Kinder mit einer Down Syndrom-Behinderung zur Welt, normal wären im Januar 87 zwei bis drei gewesen.[1]

Erhöhte Cäsiumbelastungen im Boden führten zu Fehlbildungen bei Säuglingen. Totgeborene hatten häufig drei oder vier Hände und Füsse.

In Hamburg gab es im Tschernobyl-Jahr 1986 den seit 30 Jahren zweithöchsten Anstieg in der Zahl der mangel und frühgeborenen Säuglinge unter 2500 Gramm Geburtsgewicht.[2]

Auch in Ostdeutschland – damals DDR – kam es nach Tschernobyl zu Anstiegen strahlentypischer Fehlbildungen. In der DDR wurden gesetzlich verordnet alle Aborte und bis zum Alter von 16 Jahren verstorbene Kinder autopsiert. Das Fehlbildungsregister in Jena stellte 1986-87 einen 4-fachen Anstieg isolierter Fehlbildungen fest, der in den folgenden Jahren wieder abklang. Eine Analyse des DDR-Zentralregisters für Fehlbildungen ergab einen Anstieg der Lippen- und Gaumenspalten, der am ausgeprägtesten in den drei nördlichen Gebieten auftrat, die am meisten vom Fallout betroffen waren.[3]

[1]Strahlentelex, 5/1987, 19. März 1987, S. 1f.,
[2]Strahlentelex, 47/1988, S. 6,
[3]Hoffmann, W.: Fallout from the Chernobyl nuclear disaster and congenital malformations in Europe. Archives of Environmental Health 56 (2001) 478-484. Strahlentelex, 374-375/2002, S. 9 f. Inge Schmitz-Feuerhake, Fehlbildungen in Europa und der Türkei.

unter Verwendung von Informationen u.a. von Edmund Lengfelder (Otto Hug Strahleninstitut), Dr. Ute Watermann (Sprecherin IPPNW) Prof. Nesterenko (Institut BELRAD)




Anwohner gedenken Reaktorunglücks von Tschernobyl

Mit brennenden Kerzen und Nelken haben hunderte Menschen in der ukrainischen Stadt Slawutitsch der Reaktorkatastrophe im nahe gelegenen Tschernobyl vor 20 Jahren gedacht. Mit Tränen in den Augen marschierten sie in der Nacht zum Mittwoch zu dem Denkmal, das den ersten 30 kurz nach dem Unglück gestorbenen Menschen gewidmet ist.

Eine Sirene erklang um 01.23 Uhr Ortszeit – zu der Zeit, als vor 20 Jahren zwei Explosionen einen der Reaktoren des Atomkraftwerks Tschernobyl erschütterten und eine riesige radioaktive Wolke freisetzten.

Viele der Einwohner von Slawutitsch erinnern sich noch gut an die Unglücksnacht am 26. April 1986. Die Stadt wurde nach dem Unglück gebaut, um die Angestellten des Atomkraftwerkes und die Anwohner der evakuierten Orte in der Umgebung unterzubringen. „Ich kannte alle diese Leute“, sagte Mykola Rjabuschkin mit einem Blick auf die an dem Gedenkstein hängenen Porträts. Der 59-Jährige war Maschinist im Atomkraftwerk von Tschernobyl und hatte in der Unglücksnacht Dienst. „Ich schaue sie an und will sie um Vergebung bitten“, sagte er mit Tränen in den Augen. „Vielleicht sind wir alle Schuld daran, dass dieser Unfall passieren konnte.“

Die nach dem Tschernobyl-Unglück freigesetzte radioaktive Wolke ging größtenteils über der Ukraine und Weißrussland, aber auch in großen Teilen Europas nieder. Fast 350.000 Menschen wurden wegen des Unglücks umgesiedelt. Millionen Hektar Land sind bis heute radioaktiv verseucht. Zwei Jahrzehnte nach dem Unglück gibt es über die Zahl der Todesopfer erregte Debatten. UN-Behörden geben an, insgesamt würden etwa 4000 bis 9000 Menschen durch die Folgen des Unglücks sterben. Umweltschützer rechnen mit mindestens 100.000 Todesopfern in Folge der Katastrophe.