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Monat: April 2006 - russland.NEWS - russland.TV

Juschtschenko: Neuer Sarkophag für KKW Tschernobyl ist 2010 fertig

Der Bau eines neuen Schutzsarkophags über dem Wrack des Kernkraftwerkes Tschernobyl wird bis zum Jahr 2010 abgeschlossen, hat der ukrainische Staatspräsident Viktor Juschtschenko versprochen. Dafür sei jedoch internationale Hilfe notwendig.

Auf einer Beratung anlässlich des 20. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe sagte Juschtschenko, dass der neue Schutzsarkophag nur dann bis zu 2010 fertig gebaut werde, wenn die Ergebnisse der entsprechenden Ausschreibung rechtzeitig zusammengefasst werden.

Der Staatschef setzte sich für eine rationelle Nutzung der verseuchten Gegend aus. Es müssen nationale und internationale Programme konzipiert werden, um das Leben in der so genannten „Entfremdungszone“ um Tschernobyl zu normalisieren.




Tschernobyl 26.4.1986 – Unterwegs in der verstrahlten Zone

Reportage: Wie die Menschen mit der Strahlung leben

[Von Achim Riemann und Micha Halfwassen] Regen prasselt an die Windschutzscheibe des Kleinbusses. Die Räder wühlen sich durch den Schlamm. Wir fahren durch ein weißrussisches Dorf in der radioaktiven Zone: Ein paar hundert Menschen wohnen hier. Keinen Laden, aber eine Schule gibt es. Rund 200 Kilometer sind es von hier bis zum Tschernobylreaktor.

Eigentlich kommt mir alles ganz normal vor. Schließlich kann ich die Radioaktivität nicht schmecken oder sehen. Aber jede Mahlzeit ist für die Menschen eine Katastrophe. Rund 90 Prozent der Radioaktivität nehmen die Menschen hier heute über die Nahrung auf.

Die kommt zum größten Teil aus dem eigenen Garten, aus Wald und Fluss. An den Kauf von sauberer Nahrung ist bei den niedrigen Löhnen nicht zu denken. Auch wegziehen kann man nicht so einfach. »Man kriegt woanders keine Wohnung und auch keine Arbeit«, erzählen die Menschen.

Nahezu fünf Millionen Menschen teilen in Weißrussland, Russland und der Ukraine das gleiche Schicksal. Sie leben in der Tschernobylzone.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wir besuchen die Dorfschule. Hier treffen wir Irina, eine engagierte Lehrerin. Sie zeigt uns stolz jeden Raum und führt uns zusammen mit der Schulkrankenschwester Marina in eine Klasse. Sie erläutert uns die Messergebnisse, die jedes Kind in sein Schulheft eingetragen bekommt. Das unabhängige Institut BELRAD aus Minsk arbeitet mit der Schule zusammen. Alle drei bis vier Monate kommt ein Wagen mit einem »Messstuhl« in das Dorf, mit dem die Strahlung im Körper der Kinder gemessen wird. Die Strahlenbelastung war anfangs sehr hoch, doch das Institut hat einen Partner in Deutschland gefunden.

Die Kinder haben Glück.

Spenden aus Deutschland machen es möglich, sie mit Pektin-Präparaten zu versorgen. Das Präparat wird aus Apfelpektin hergestellt und mit Vitaminen angereichert. In Wasser aufgelöst wird es von den Kindern getrunken. Pektine quellen im Magendarmtrakt auf. Beim Aufquellen entwässert die Pektinmasse den Verdauungstrakt, nimmt das radioaktive Cäsium 137 auf und wird auf natürlichem Wege über den Stuhlgang ausgeschieden. Innerhalb eines Monats sank die Strahlung der Kinder um rund ein Drittel. Die Strahlenwerte sind bei allen Kindern seit der ersten Messung gesunken, nur bei Dascha nicht. Eine Studie des Forschungszentrums Jülich belegt die Wirksamkeit der Pektinkur und bestätigt, dass es keine negativen Nebenwirkungen gibt.

Darauf achten was man isst

Schwester Marina ist streng: »Ihr seht, Kinder, wenn eure Eltern darauf achten, was ihr esst, dann geht die Radioaktiviät in eurem Körper zurück. Dascha, warum sind die Werte bei all Deinen Mitschülern gefallen, nur bei Dir nicht? Hat Deine Mutter etwa Pilze oder Waldbeeren in der Küche verwendet?« Etwas verstohlen erzählt Dascha: »Ja, meine Mutter hat aus Beeren Kompott für uns gemacht und Pilzsuppe gab es auch.«

Krankenschwester Marina zeigt uns die Strahlenmessstelle, in der sie kostenlos die Lebensmittel der Leute misst. Sie legt eine Probe mit Beeren aus dem Wald, der das Dorf umsäumt, in das Gerät. Der Apparat zeigt blinkend einen für uns nichtsagenden Wert an. Marina erklärt uns: »Die Beeren überschreiten den Grenzwert um das 32-fache.« Da ist die Strahlung, hier zeigt sie sich, wenn auch nur in Zahlen.

Aber die Lehrerin berichtet sehr motiviert über ihre Arbeit. »Erst mal haben wir Elternabende in der Schule veranstaltet. Dort haben wir erklärt, was die Messstelle soll und was die Menschen an Unterstützung erwarten können. Ich habe auch erklärt, wie einfach es teilweise ist, die Lebensmittel von der Radioaktivität zu ’säubern‘.« Wenn zum Beispiel Milch separiert wird, das heißt, wenn die eigentliche Milch von einem Großteil des Wassers in der Milch getrennt wird, dann bleiben die Radionuklide zu 90 Prozent in dem Wasser. Wenn die Sahne dann mit sauberem Wasser vermischt wird, bekommt man relativ saubere Milch. Viele solcher Tipps gibt es.

»Die Messungen machen wir mit den Schülern zusammen, damit sie möglichst viel über Radioaktivität lernen. Ein neues Projekt ist, dass ich mit den Schülern eine Strahlenkarte des Dorfes anfertigen möchte. So können wir genau herausfinden, wo der Boden wie stark verstrahlt ist«, berichtet die Lehrerin. Denn von Garten zu Garten schwankt die Radioaktivität erstaunlich stark. »Wenn wir die Verstrahlung kennen, können wir die Leute richtig beraten«, erklärt sie.

Wir verabschieden uns, der Regen hat aufgehört. Auf der Rückfahrt kommen wir an vielen Dörfern vorbei, die keine Strahlenmessstelle haben. »Es müsste mehr ausländische Unterstützung geben, dann können die Leute versuchen sich selbst zu helfen«, sagt unser Fahrer.




Europa-Grüne fordern unabhängige Tschernobyl-Studie

Zwanzig Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl haben Europapolitiker der Grünen und Wissenschaftler eine unabhängige Schadenbilanz der Katastrophe gefordert. Die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) dazu vorgelegten Zahlen verharmlosten die Situation, sagte die deutsche Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms am Mittwoch in Brüssel.

So gehe eine neue wissenschaftliche Studie britischer Forscher davon aus, dass die Zahl der durch den Reaktor-Unfall verursachten zusätzlichen Todesfälle durch Krebs in der Zukunft zwischen 30.000 und 60.000 liegen werde. Die IAEA hatte im Jahr 2005 von nur etwa 4000 zusätzlich zu erwartenden Todesfällen gesprochen.

Die von den britischen Wissenschaftlern Ian Fairlie und David Sumner erstellte Studie TORCH stützt sich auf 280 amtliche und öffentlich zugängliche Berichte. Dabei seien Daten nicht nur für die besonders von dem radioaktiven Niederschlägen betroffenen Länder Weißrussland, Ukraine und Russland berücksichtigt worden, sondern für ganz Europa, sagte Fairlie.

Laut der neuen Studie gingen mehr als 50 Prozent des radioaktiven Niederschlags in anderen Ländern Europas nieder. Zu den höher belasteten Regionen in Westeuropa zählen unter anderem der Süden Deutschlands, Österreich, die Schweiz und der Osten Frankreichs. Anders als der IAEA-Bericht berücksichtigt die Studie laut Fairlie auch gesundheitliche Folgen niedrigerer Strahlenbelastung.

Unabhängige Daten soll nach dem Willen der Grünen auch die EU-Kommission liefern. Die Grünen wollen beispielsweise wissen, mit wie vielen zusätzlichen Todesfällen die Brüsseler Behörde rechnet und wie hoch die zusätzliche Strahlenbelastung der EU-Bürger seit 1986 durch den Genuss von Wildbeeren, Wildfleisch und Pilzen ist.




Gorbatschow: Potential russisch-amerikanischer Beziehungen darf nicht vergeudet werden

„Das Kapital des Vertrauens und des Zusammenwirkens, das in unseren Beziehungen angehäuft wurde, darf nicht verpulvert werden. Ein Abgleiten zu Spannungen und zu einer Konfrontation können und müssen wir verhindern“, heißt es in Gorbatschows Artikel unter der Überschrift „Der kühle Frühling 2006“.

In einem am Dienstag in der „Rossijskaja Gaseta“ veröffentlichten Artikel äußert Ex-UdSSR-Präsident Michail Gorbatschow seine Besorgnis über die neueste Abkühlung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau und ruft beide Seiten auf, den Dialog im Interesse des Weltfriedens zu intensivieren.

Nach seiner Ansicht haben die USA die Ergebnisse des Kalten Krieges falsch ausgelegt und sich zum Sieger erklärt, während Russland sich als Folge des UdSSR-Zerfalls und der Reformen der 1990er Jahre in einer tiefen Krise befand.

Russland „hat aber alle Krisen der ‚wirren Zeiten‘ in seiner Geschichte überwunden und wieder Kräfte gesammelt, um wieder ein ernsthafter globaler Akteur zu werden“, führte Gorbatschow weiter aus. „So geschieht es auch jetzt: Das Chaos, das Präsident Putin von Boris Jelzin geerbt hat, wird von einer Periode des stabilen Wachstums abgelöst… Gerade zu diesem Zeitpunkt werden die westliche und die amerikanische Kritik an Russland besonders scharf und erbost. In Russland registriert man das und zieht Schlüsse daraus.“

„Unangebracht ist auch das rein eigennützige Herangehen, bei dem Russland nur dort gebraucht wird, wo es Amerika schwer hat“, schreibt der Ex-Präsident. So soll Russland helfen, „Iran und Nordkorea unter Druck zu setzen – die Probleme, die Russland interessieren, könnten aber warten.“

„Die realen Meinungsverschiedenheiten werden nicht selten zum Schaden der Möglichkeiten für ein Zusammenwirken in gegenseitigem Interesse übertrieben. Etwa beim Problem des Nuklearprogramms Irans sind die politischen Mittel noch längst nicht ausgeschöpft, und Russland unternimmt alle Anstrengungen, um ein für alle akzeptables Resultat zu erzielen. Ich denke, dass es schneller erzielt wird, wenn sich die USA nach den geplanten Konsultationen mit Iran zu Problemen der Sicherheit in Irak zu umfassenderen Kontakten mit der iranischen Führung entschließen könnten.“

„Auch die eventuellen taktischen Meinungsunterschiede zu den Nahostproblemen sollten nicht übertrieben werden“, meint Gorbatschow. „Es gibt keinen Grund, in den Kontakten Russlands mit der Regierung, die von der Hamas-Bewegung aufgrund der Wahlergebnisse in Palästina gebildet wurde, eine Straftat zu sehen. Man sollte eher mit den Partnern die Taktik solcher Kontakte aktiver abstimmen.“

Ähnliche Differenzen gibt es auch in Bezug auf den postsowjetischen Raum. „Russlands Bemühungen um eine Wirtschaftsintegration mit den GUS-Ländern bewerten die USA als einen Versuch, das ‚Sowjetreich‘ wiederherzustellen. In Russland wird wiederum mit Misstrauen dem zugeschaut, was die Amerikaner in diesen Ländern unternehmen.“

Gorbatschow verwies auf die Verdienste der Gore-Tschernomyrdin-Kommission um die Entwicklung der bilateralen Beziehungen und plädierte für die Wiederherstellung einer ähnlichen Struktur.

Zur Kritik an Russlands Innenpolitik meinte Gorbatschow: „Selbst wenn diese Kritik begründet ist, wäre es ein großer Fehler zu glauben, Russland fällt in die früheren Zeiten zurück. Russland befindet sich am Anfang der demokratischen Umgestaltungen und wird von diesem Weg nicht abgehen. Präsident Putin will das nicht, er baut in Russland kein autoritäres Regime auf.“

„Das Kapital des Vertrauens und des Zusammenwirkens, das in unseren Beziehungen angehäuft wurde, darf nicht verpulvert werden. Ein Abgleiten zu Spannungen und zu einer Konfrontation können und müssen wir verhindern“, heißt es in Gorbatschows Artikel, der die Überschrift „Der kühle Frühling 2006“ trägt. „Russland ist zwar für eine Kooperation mit den USA, diese muss aber gleichberechtigt sein. Der Rolle eines Junior-Partners, dem man auf die Schulter klopft, wird Russland nicht zustimmen.“

Der Friedensnobelpreisträger kritisierte die erneuerte Variante der nationalen Sicherheitsstrategie der USA, in der unter anderem von eventuellen nuklearen Präventivschlägen die Rede ist.

„Wenn es so weiter geht, wird man den Atomsperrvertrag, von dessen Wichtigkeit die USA dauernd sprechen, begraben können“, so Gorbatschow. Wenn die Kernwaffenmächte „nicht den Weg einer Reduzierung und im Endeffekt einer Beseitigung von Kernwaffen gehen, wird die Entstehung neuer Nuklearmächte unvermeidlich sein.“

„Die neue Epoche ruft neue Spitzenpolitiker in die Arena der Geschichte“, betont er. „Sie werden die wichtigsten Herausforderungen der Epoche erfassen und neue politische Lösungen finden, die eine Antwort auf diese Herausforderungen geben werden.“




UNO engagiert sich mehr für Beseitigung von Folgen der Tschernobyl-Katastrophe

Die Vereinten Nationen wollen mit Weißrussland enger bei der Beseitigung der Folgen der Atomkraftwerkkatastrophe von Tschernobyl zusammenarbeiten. Das sagte Ad Melkert, Stellvertreter des UNO-Generalsekretärs, am Mittwoch auf der internationalen Konferenz „Tschernobyl, 20 Jahre danach“.

„Der Schrecken von Tschernobyl hat die gesamte Menschheit zusammengeschlossen. Deshalb sind alle Nationen der Welt an der Minimierung der Folgen dieses Unfalls interessiert“, äußerte Melkert.

Er erinnerte daran, dass die UNO 2005 ein Tschernobyl-Forum einberufenen hatte, bei dem eine neue Strategie der Zusammenarbeit mit Weißrussland und anderen vom nuklearen Unglück betroffenen Staaten ausgearbeitet wurde. Diese Strategie besteht aus drei Teilen: soziale und wirtschaftliche Unterstützung, Informierung der Bevölkerung über die Folgen der Katastrophe und die Ausarbeitung von Empfehlungen für die soziale und wirtschaftliche Wiederherstellung der betroffenen Gebiete, sagte Melkert.

Die Weltgemeinschaft werde den Staaten, die der Tschernobyl-Katastrophe zum Opfer gefallen sind, auch weiterhin beistehen, versicherte Melkert. „Die Tschernobyl-Zusammenarbeit hat einen neuen Stand erreicht und bietet Millionen von Menschen, die vom Unfall betroffen wurden, Chancen auf ein würdiges Leben.“




Weißrussland setzt Beseitigung der Folgen von Tschernobyl fort

Weißrussland will mit 1,6 Milliarden Dollar die sozialwirtschaftliche Rehabilitierung jener Gebiete finanzieren, die vom Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl betroffen worden sind. Dies sagte der weißrussische Ministerpräsident Sergej Sidorski am Mittwoch zum Auftakt der internationalen Konferenz „20 Jahre nach Tschernobyl“ in Minsk.

„Nach der nuklearen Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts hat Weißrussland eine schwere Last zu tragen. Radioaktiv verseucht wurden 23 Prozent des weißrussischen Territoriums, auf denen nach wie vor ein Fünftel der Landesbevölkerung lebt“, stellte Sidorski fest. Betroffen wurden 22 Prozent des Waldbestandes und ein Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Gleich nach dem Unfall wurden aus dem Notstandsgebiet etwa 25 000 Menschen in Sicherheit gebracht. Später zogen weitere 137 000 Weißrussen in „saubere“ Regionen um. Die Regierung erklärte die verseuchten Regionen zum ökologischen Katastrophengebiet, erinnerte Sidorski. „Wir müssen die betroffenen Böden wieder zum Leben erwecken“, urteilte er.

Seit dem Unfall in Tschernobyl habe Weißrussland über 18 Milliarden Dollar für entsprechende staatliche Programme ausgegeben, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. 2006 wurde das vierte Programm gestartet, das mit 1,6 Milliarden Dollar finanziert werden soll, informierte der weißrussische Regierungschef. Das neue Programm zielt vor allem auf soziale und wirtschaftliche Wiederherstellung der Region ab.

Weißrussland messe der Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und Russland bei der Beseitigung der Unfallfolgen große Bedeutung bei. Aus dem russisch-weißrussischen Unionsetat seien 490 Millionen russische Rubel (umgerechnet 14,5 Millionen Euro) für die Beseitigung der Folgen bereitgestellt worden.




Greenpeace kritisiert UN-Zahlen zu Tschernobyl-Folgeschäden

Aus Anlass des 20. Jahrestags des Reaktorunfalls von Tschernobyl am 26. April hat die Umweltorganisation Greenpeace UN-Zahlen zum Ausmaß der Katastrophe in Zweifel gezogen. Es sei eine „grobe Vereinfachung“ der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), in ihrem Bericht vom September 2005 von rund 4000 Todesopfern des Reaktorunfalls in der Ukraine am 26. April 1986 auszugehen, sagte Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer am Dienstag in Berlin.

Greenpeace habe daher eine eigene Studie zu den gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl in Auftrag gegeben. Seine Organsation halte die neue Schätzung der russischen Akademie der Wissenschaften für „sehr realistisch“, nach der in Folge des Tschernobyl-Unfalls 93.000 Menschen an Krebs gestorben seien oder in Zukunft stürben, sagte Breuer weiter.

Der Greenpeace-Atomexperte wies darauf hin, dass zu den strahlungsbedingten Krebsfällen die Zunahme anderer strahlenbedingter, möglicherweise tödlicher Leiden wie Atemwegs- und Blutgefäßerkrankungen, Immunschäche oder Infektionen hinzukämen. Das wahre Ausmaß des Unfalls werde „wohl nie richtig verstanden werden“, sagte Breuer weiter. Der IAEA warf er eine „bewusste Verharmlosung“ vor, weil in ihrer Satzung als Ziel die Förderung der Atomenergie festgelegt sei. Greenpeace fordere daher einen Umbau der IAEA: Statt Atomkraftnutzung zu fördern, solle die UN-Organisation sich dann für einen weltweiten Atomausstieg einsetzen. Die aktuelle Greenpeace-Studie ist nach Angaben der Organistation eine Zusammenstellung diverser Studien insbesondere aus dem russischen Sprachraum, die zum Teil bislang unveröffentlicht waren.

In dem IAEA-Bericht von 2005 hatte es geheißen, Wissenschaftler rechneten mit rund 4000 Toten und mit geringeren Umweltschäden als zunächst befürchtet. Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hatte dies Anfang April ebenfalls bestritten: Tatsächlich seien zwischen 50.000 und 100.000 „Liquidatoren“ gestorben, 540.000 bis 900.000 der an den Aufräumungsarbeiten Beteiligten seien zu Invaliden geworden. Allein in der Region um Tschernobyl seien zehntausende Kinder mit genetischen Schäden geboren worden. Wegen Erbgutveränderungen seien die Folgen für die kommenden Generationen noch nicht absehbar.




26.04.1986 – Tschernobyl – Mich macht heute eine Katastrophe krank, die zwei Jahre bevor ich geboren bin, passiert ist

Das war vor 20 Jahren. 70 Kilometer von meinem Wohnhaus entfernt ist am 26.04.1986 der Tschernobylreaktor explodiert. Was dann geschah kenne ich nur aus Erzählungen meiner Eltern, Nachbarn und Verwandten.

In den ersten Tagen wusste niemand etwas, aber Gerüchte machten die Runde. Am 1. Mai mussten noch alle zu den sowjetischen Paraden, ein paar Tage später wurden alle Kinder evakuiert. Den ganzen Sommer waren sie weg, in Ferienlagern irgendwo in der großen Sowjetunion . Es muss schlimm gewesen sein, als die Kinder abtransportiert wurden. Viele haben geweint und niemand wusste, ob und wann die Kinder zurück kommen würden. Junge Soldaten sind gekommen und hatten angefangen Häuser mit Wasser abzuspritzen, Böden umzugraben, Strassen neu zu teeren. In stark verseuchten Gebieten wurden viele Häuser vergraben. Wie man jetzt weiß haben zwischen 800 000 und 1 Mio. Menschen, sogenannte Liquidatoren, bei den Aufräumarbeiten direkt am Reaktor und in unserer Region geholfen. Später sind sie wieder zurück in alle Teile der Sowjetunion. Was aus ihnen geworden ist, ob sie schlimm krank geworden sind, das weiß niemand.

Das besondere an der Tschernobylkatastrophe ist, sie nimmt kein Ende, zumindest nicht solange ich leben werde. Wie soll auch eine Katastrophe enden, wenn im Jahr 25986 immer noch 50 % des hochgiftigen Plutoniums bei uns auf den Äckern, Wiesen und im Wald liegt. Wie Cäsium, Strontium oder Jod ist auch Plutonium damals aus dem zerstörten AKW entwichen. Es hat eine Halbwertszeit von 24 000 Jahren.

Alle Katastrophen gehen zu Ende, unsere aber nicht.
Vielleicht vergisst man die Gefahr gerade deswegen so gerne, zumal man Radioaktivität nicht schmecken, riechen oder hören kann.

Nur durch das klickern des Geigerzählers ist sie zu erkennen und durch die vielen Menschen die langsam krank und kränker werden.
In meinem Land Weißrussland leben 10 Mio. Menschen, fast 2 Mio. davon auf radioaktivem Boden, darunter sind 400 000 Kinder. Nur 135 000 Menschen wurden damals in saubere Gebiete umgesiedelt, weit weg von ihren Heimatdörfern, die sie nie wieder betreten dürfen, weil sie zu stark verstrahlt sind. Wobei, einige Omas und Opas sind heimlich zurück gekommen und leben nun ohne Strom, Post und Nachbarn in ihren Dörfern. Sie hatten es in der Fremde vor Heimweh einfach nicht ausgehalten. Aber auch die Ukraine und Russland sind betroffen. Insgesamt haben über 500 000 Menschen ihre Heimat durch Tschernobyl verloren.

Krank werden wir durch das was uns eigentlich Kraft geben sollte, durch das Essen. Das meiste was wir essen, holen wir aus dem eigenen Garten oder sammeln wir im Wald – und das ist verstrahlt.

Saubere Nahrung ist schwierig zu bekommen, außerdem reichen die Löhne dafür nicht. Auf dem Lande verdienen die Menschen zwischen 60 und 140 Euro im Monat. Davon kann man auch in Weißrussland nicht viel kaufen.

Vor allem Milch, Pilze, Beeren und Fleisch sind stark verstrahlt.

Meine Cousine lebt in einem kleinen Dorf. In ihre Schulen gehen heute noch 62 Kinder, vor der Katastrophe waren es über 140. Die Menschen haben Angst Kinder zu bekommen. Es werden immer weniger. Viele Kinder sind krank und immer träge. Die Trägheit nennen wir „Tschernobyl-Aids“, weil die Strahlung das Immunsystem schwächt. Das führt dazu, dass die Kinder immer wieder längere Zeit krank werden. Zu Schuljahresbeginn machen alle Kinder in dem dorf meiner Cousine einen Test. Nach dem Test wird bestimmt, ob die Kinder den normalen Sportunterricht mitmachen können oder den leichteren, oder ob sie so schwach und krank sind, dass sie gar keinen Sport machen dürfen.

Geschockt war ich, als ich von einem Professor aus Minsk (unserer Hauptstadt) gehört habe, wie groß das Ausmaß der Erkrankungen ist.

Medizinische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass die Strahlung die Organe der Menschen angreift. Die Nieren werden geschädigt. Das Nervensystem wird angegriffen. Kinder im Alter von 12 Jahren leiden unter Bluthochdruck. Gastritis ist bei den Kindern häufig festzustellen und es besteht eine große Gefahr Magendarmkrebs zu bekommen. Eine hohe Cäsiuimbelastung kann zum Grauen Star und zur Sklerose der Blutadern im Auge führen.

Nach offiziellen Angaben hat sich in Weißrussland die Anzahl der gesunden Kinder von 85% (im Jahr 1985) auf 20% (im Jahr 2000) verringert. Betroffen sind vor allem die Kinder, weil sie durch den schnelleren Stoffwechsel 3 – 4 mal mehr Strahlung im Körper einlagern.
Das wird auch in den nächsten Jahrzehnten so weitergehen.
Die Krebsrate bei Kindern und Erwachsenen steigt sehr stark. Alleine an Schilddrüsenkrebs sind bisher 1700 Kinder operiert worden. Frauen bekommen nun doppelt so häufig Brustkrebs wie vor 1988. Die Zahl der missgebildet geborenen Kinder steigt stetig. Wissenschaftler sagen, dass bisher 70 000 Menschen an den Folgen von Tschernobyl gestorben sind.

Noch mehr hat mich aber geschockt, dass man etwas tun kann, um sich möglichst gut vor der Strahlung zu schützen. Bei uns weiß davon aber fast niemand wirklich etwas. Der Professor aus Minsk, er heisst Nesterenko, hilft den Menschen in den Dörfern. Er sammelt Spenden im Ausland und richtet damit in den Dorfschulen Messstellen ein. Dort können die Menschen ihre Lebensmittel messen lassen. Manche sind stark verstrahlt, manche weniger. Die Leiter dieser Messstellen, das sind Lehrer die extra ausgebildet werden, können dann die Menschen beraten. Auch erklären sie, wie man Lebensmittel säubern kann. Wenn man z.B. Kartoffeln oder Pilze in Salzwasser einlegt, dann wandert ein Teil der Cäsiumradioaktivität aus dem Essen in das Wasser. Oder, wenn man Milch zu Butter oder Sahne weiter verarbeitet, dann ist in der Sahne oder Butter kaum noch Radioaktivität. Die ist dann in dem Restwasser der Milch.

In dem Dorf meiner Cousine hat der Messstellenleiter festgestellt, dass die Milch sehr stark verstrahlt ist, so wie in über 1000 anderen Dörfern, wie der Professor erzählt hat. Als ein Mitarbeiter seines Instituts zu Besuch kam, hat er sich die Wiese zeigen lassen, auf denen die Leute ihre Kühe gemeinsam weiden. Er hat dann erklärt, dass diese Wiese besonders feucht ist und das sich da mit dem Wasser damals besonders viel Radioaktivität gesammelt hat. Die Menschen haben dann mit der Kolchose gesprochen und für ihre Kühe eine andere Wiese bekommen. Die Milch ist nun viel sauberer.

Ich bin in einer Jugendorganisation aktiv und habe meinen Freunden davon erzählt. Wir waren auch schon mehrmals zu Tschernobyl aktiv geworden. Wir hatten mit einem Messgerät am Bahnhof von Gomel Lebensmittel gemessen, wenn die Menschen am Sonntagabend mit ihrem Gemüse aus den Schrebergärten zurück gekommen sind. Am Tschernobyl-Jahrestag hatten wir Bäume gepflanzt oder Müll gesammelt. Einmal hatten wir am Jahrestag über das Internet Kontakt zu Jugendlichen aus anderen Ländern aufgenommen, um über Tschernobyl zu berichten.

Nun wollten wir wieder etwas machen.
Wir hatten die Idee die Menschen zu befragen. Wir wollten wissen, was sie über Tschernobyl wissen und was sie tun um sich zu schützen.
Wir haben einen Fragebogen gemacht. Die Fragebögen haben wir in sechs Dörfern verteilt. Wir haben 72 % der Fragebögen ausgefüllt zurück bekommen. Das war schon mal ein super Ergebnis. Bei der Auswertung haben wir aber gemerkt, wie wenig die Menschen darüber wissen, was sie selber tun können.
Daraufhin haben wir in den Dörfern Informationsmaterial vom Professor verteilt. Aber die Leute lesen nicht viel. Sie nehmen die Zettel, nehmen sich vor was zu ändern im Leben, aber dann passiert doch wenig.
Das war ziemlich frustrierend zu merken. Wir wollen aber nicht aufgeben, sondern möchten in einem Dorf ein Projekt starten und die Menschen wirklich aufklären. Wir wollen mit ihnen diskutieren und durch unterhaltsame Aktionen die Leute aufrütteln. Außerdem wollen wir den Professor ins Dorf holen und auch eine Messstelle eröffnen. Für all das aber brauchen wir Geld. Solch eine Messstelle z.B. kostet 1238 Euro im Jahr.




20 Jahre Reaktorkatastrophe in Tschernobyl

Mittwoch, 26. April 2006
Kundgebung und Großveranstaltung in Hannover

Organisation und Veranstalter: Klimaschutzagentur Region Hannover, JANUN e.V., VEN e.V., Mit freundlicher Unterstützung von:

BWE e.V., proKlima -Der enercity Fonds, Stiftung Leben und Umwelt. Ideell unterstützt von ca. 40 Institutionen aus der Region Hannover.

ab 16.30 Info-Markt des hannoverschen Aktionsbündnisses. Eröffnung durch die Samba-Band der Energiewendegruppe Hannover, Info-Stände rund um Atomenergie und Energiewende, Spiel und Spaß, Musik vom Band (DJ Andreas Kuhnt), Spendensammlung mit Tombola, “Nie-Wieder-Tschernobyl-Tour“ des BUND e.V. Bundesverband.

18.00 Abendglocken
anschließend Grußwort von Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg

18.10 MdB Dr. Hermann Scheer Träger Alternativer Nobelpreis, Präsident von EUROSOLAR: “Der Ausstieg aus dem Ausstieg? Zur Renaissance der Atomenergie“
anschließend:

18:25 Musik mit Die Föderation (deut.-weissruss. Hiphop-Projekt)

18.35 1. Talkrunde mit Andreas Kuhnt
Frank Musiol, NABU e.V., Renate Backhaus, BUND Niedersachsen e.V., Dr. Ute Watermann, Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs e.V. : “Was sagen die Umweltverbände zur Debatte um die Laufzeiten?“
anschließend:

18:50 Musik mit Inna Klause am Akkordeon

19.00 2. Talkrunde mit Andreas Kuhnt
Hans Mönninghoff, Erster Stadtrat, Umwelt- und Wirtschaftsdezernent der Region Hannover: “Brauchen wir Atomstrom für die Energieversorgung der Region Hannover?“

Dr. Peter Ahmels BWE e.V. :“Was können die Erneuerbaren Energien heute und in Zukunft bewirken“
anschließend ggf. Musik vom Band (1-2 Stücke max.)

19.10 Verlosung der insg. 10 Tombola-Gewinne durch Klimaprinzessin Kleo, Prof. Dr. Axel Priebs 1. Regionsrat, Umwelt und Planungsdezernent der Region Hannover, evtl. auch Schüler

19.20 Kinder helfen Kindern aus Tschernobyl:
Schüler der Schillerschule stellen ihre Initiative vor.
Anschließend kurzes Grußwort und Einladung in die Marktkirche von Prof. Vassilij Nesterenko

19.30 Ende der Kundgebung. Fortsetzung in der Marktkirche mit Lesungen, Infos, Augenzeugen¬berichten, weißrussischer Musik.
Vortrag von Nuklearphysiker und Menschenrechtler Prof. Vassilij Nesterenko.

Moderation durch Andreas Kuhnt (NDR)

Während der Veranstaltung Spendensammlung für Hilfsorganisationen und -projekte vor Ort, Chance auf Tombola-Gewinne für alle Spender!

[ www.klimaschutz-hannover.de ]




Leben und Sterben in der Tschernobylzone

[Von Prof. Nesterenko aus Minsk / Belarus] Als es 1986 in Tschernobyl zur Katastrophe kam, war ich Direktor des „Institut für Kernenergetik der Akademie der Wissenschaft der Republik Belarus“.

In den Tagen nach der Nuklearkatastrophe war ich wie andere auch vor Ort am brennenden Reaktor, um das Schlimmste zu verhindern.

Zwischen dem 6. und dem 8. Mai hatten wir eigentlich damit gerechnet , dass es im Reaktor zu einer weit grösseren Explosion mit einer Gewalt von 3 – 5 Megatonnen kommen würde. Wenn das passiert wäre, dann hätte diese Explosion den Umkreis von 300 Kilometern rund um den Reaktor verwüstet.

Dazu ist es nicht gekommen. Auch dafür haben 800 000 Liquidatoren (Katastrophenhelfer) am Reaktor und in den belasteten Regionen, ohne es zu wissen, ihre Gesundheit riskiert und tausendfach geopfert.

Als ich am 9. Mai auf dem Bahnhof von Gomel gesehen habe, wie tausende von Kindern, viele davon weinend, von ihren Eltern getrennt und evakuiert wurden war mir klar:
Tschernobyl war nicht nur eine Katastrophe für die Welt, sondern auch meine persönliche Lebenskatastrophe. Ich hatte bis dahin für die Atomkraft gelebt, aber sie wird immer zu gefährlich sein.

1992 habe ich das unabhängige Institut für Strahlensicherheit „BELRAD“ gegründet, um den Menschen zu helfen und die Wahrheit über die Folgen von Tschernobyl herauszufinden.

Wie aber sehen die Folgen von Tschernobyl aus? Was ist die Wahrheit? Mehr als 23% der Fläche Weißrusslands (mehr als 46,5 Tausend km²) wurden nach der Katastrophe von Tschernobyl der Verseuchung von über 1 Ci/m² ausgesetzt. Über 2 Mio Menschen, darunter 500 000 Kinder, waren und sind noch heute betroffen.

Im Laufe der Jahre wurden 135 000 Menschen evakuiert und 260 Tausend Hektar Boden aus der Bodennutzung genommen.

Ein Großteil der langlebigen Radionuklide akkumulierte sich in der oberen Bodenschicht und gelangt so nach wie vor über die Nahrungskette tagtäglich in den Menschen.

Über 90% der Strahlung nehmen die dort lebenden knapp 2 Mio. Menschen heute und in den nächsten Jahrzehnten durch die Nahrungsmittel zu sich.

Bei gleicher Ernährung von Erwachsen und Kindern akkumulieren Kinder eine 3-5mal höhere Dosisbelastung, da sie weniger wiegen und die Wechselprozesse im Kinderkörper aktiver verlaufen. Darum sprechen wir von den „Kindern von Tschernobyl“, die besonders unsere Hilfe brauchen.

Seit 1990 messen wir den Cäsium-137 Gehalt in den Nahrungsmitteln der Bevölkerung in möglichst vielen Dörfern.

In 1100 Dörfern ist die Milch so stark belastet, dass Kinder sie eigentlich nicht trinken dürften.

Besonders stark belastet sind Pilze, Beeren, Wildfleisch und Fisch.

Seit 1995 sind wir mit Messstühlen, die wir in Kleinbussen instaliert haben, in den belasteten Dörfern unterwegs. Mit ihnen können wir die Cäsium-137 Strahlenbelastung der Kinder feststellen.

Die Messungen zeigen den Grad der Cäsium 137 Akkumulation im Körper. 15 – 20 % der Kinder haben eine Strahlenbelastung von über 100 Becquerel (Bq) pro Kilogramm Körpergewicht.

Sogar in Minsk, 320 km von Tschernobyl entfernt, weisen die Messungen eine Akkumulation von Cäsium-137 im Körper der Kinder in 20 von uns untersuchten Schulen nach. Nur bei 10% der Kinder ist der Gehalt von Cäsium-137 unter 5-7 Bq/kg geblieben, die maximalen gemessenen Werte betrugen jedoch 700-900 Bq/kg.

Medizinische Untersuchungen wiesen nach, dass die hohen Akkumulationswerte von Cäsium-137 im Körper der Kinder die Ursache ihrer starken Gesundheitsverschlechterung sind. Ab einer Belastung von 30 – 50 Bq/kg muss mit Pathologien der Organe gerechnet werden. Die Nieren werden geschädigt. Das Immunsystem wird geschwächt, das Nervensystem wird angegriffen. Kinder im Alter von 12 Jahen leiden unter Bluthochdruck. Gastritis ist bei den Kindern häufig festzustellen und es besteht eine grosse Gefahr Magendarmkrebs zu bekommen. Eine hohe Cäsiuimbelastung kann zum Grauen Star und zur Sklerose der Blutadern im Auge führen.

Nach offiziellen Angaben hat sich in Weißrussland die Anzahl der gesunden Kinder von 85% (im Jahr 1985) auf 20% (im Jahr 2000) verringert. Unsere Untersuchungen bestätigen dies.

Da Befürworter der Atomkraft oft ökonomisch argumentieren, auch hierzu eine Zahl.

Der wirtschaftliche Schaden, der Weißrussland infolge der Tschernobyl-Katastrophe entstanden ist, übersteigt die Summe von 235 Mrd. US – Dollar. Dies entspricht 32 nationalen Jahreshaushalte der damaligen Sowjetrepublik Weißrussland des Jahres 1985.

Unter den Folgen von Tschernobyl leiden in Weißrussland, Russland und der Ukraine insgesamt 5 Mio. Menschen, obwohl die Gebiete rund um den Reaktor nicht dicht besiedelt waren. In Deutschland ist die Bevölkerungsdichte ungefähr 5 – 10 mal höher. Bei einem vergleichbaren Unfall ist davon auszugehen, dass 25 – 50 Mio. Menschen direkt betroffen wären.