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Monat: April 2007 - russland.NEWS - russland.TV

21 Jahre Tschernobyl – Lehren aus dem Super-Gau

Seit der Explosion des vierten Reaktors am 26. April 1986 ist Tschernobyl das Synonym für die größte technische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Die dabei entstandene radioaktive Wolke hat viele Menschen das Leben gekostet, viele Schicksale verkrüppelt, immense materielle Schäden sowie eine nukleare Belastung großer Territorien verursacht.

Spuren der Explosion am Ufer des Flusses Pripjat, wo Tschernobyl steht, wurden später auf Teeplantagen hinter der Kaukasischen Gebirgskette, in Kalifornien und sogar im Antarktis-Eis festgestellt. Am stärksten wurde aber Europa betroffen: Der radioaktive Staub ging in Polen, Bulgarien, Deutschland, Schweden, der Schweiz, Österreich, Belgien, Holland, England und anderen Ländern nieder.

Die Schuldfrage dürfte längst erschöpft sein, dennoch wird sie immer wieder gestellt.

„Was kann hier nicht klar sein? Die für die Atomenergie und die Strahlungssicherheit zuständigen Behörden, aber auch die IAEO, haben ihre Schlüsse daraus gezogen“, stellt Alexander Borowoi, Professor des Russischen Forschungszentrums „Kurtschatow-Institut“, das eine Wissenschaftlergruppe in Tschernobyl geleitet hat, in einem RIA-Novosti-Gespräch fest. „Einen Gerichtsprozess hat es auch gegeben. Journalisten fragen mich bis zum heutigen Tag danach, ich will aber diese Frage nicht beantworten, weil dahinter die Aufforderung steckt, die Menschen anzuprangern, die durch die Hölle gehen und einen grausamen Tod sterben mussten. Ich bin nicht befugt, meine inzwischen toten Lehrer zu verurteilen, die Atomenergie und Atomwaffen für unser Land geschaffen haben. Für mich ist nur eines wichtig: Wurde alles getan, damit sich Tschernobyl nicht mehr wiederholt? Ich denke – ja.“

Seit dem Tag der Tragödie wurde Tschernobyl in den vergangenen 21 Jahren in der Tat von Tausenden Experten aus vielen Ländern besucht. Sie haben den Ablauf der Tragödie sorgfältig rekonstruiert und gemeinsam ihre Schlüsse daraus gezogen. Dennoch ist eine Gruppe von Menschen entstanden, die all das in Zweifel zieht und immer neue, ausgeklügelte Versionen des Unglücks erstellt.

So sprechen einige von „Umtrieben des KGB, das Angst vor der Perestroika hatte“, oder von einer Explosion von Plutonium, das im Unglücksreaktor heimlich vom Personal (!) verursacht wurde. Als mögliche Ursachen wurden ein Erdbeben und sogar ein Terrorakt genannt. Laut einer anderen genauso unglaublichen Version wurde „die Psyche der diensthabenden AKW-Schicht von einer starken Strahlung aus der in der Nähe gelegenen Raketenabwehreinrichtung beeinflusst“.

Es war jedoch viel simpler. Am Vortag der Tragödie hatte eine Dispatcherin aus Kiew beim AKW Tschernobyl angerufen und gefordert, die Verringerung der Leistung des vierten Reaktors zu stoppen und dessen Tests, die im Grunde bereits begonnen hatten, einzustellen. Natürlich sprach sie im Namen ihrer Chefs. Die AKW-Ingenieure fügten sich wider Willen dieser Anweisung. Der Reaktor arbeitete danach noch neun Stunden unter gefährlichen Bedingungen und reagierte schließlich mit einer Explosion auf die unzulässigen Handlungen des Personals.

Nach dem Unglück gilt die Wortkombination „Typ Tschernobyl-Reaktor“ als ein Synonym für tödliche Gefahr und technische Unzuverlässigkeit. Experten behaupten indes, dass die Wahrscheinlichkeit einer technisch bedingten Havarie verschwindend gering war.

Die wohl einzige „Schwachstelle“ des Reaktors bestand wohl darin, dass der „Faktor Mensch“ unzureichend berücksichtigt wurde. Dem Operator wurde die Möglichkeit geboten, sich ins Arbeitsprogramm einzumischen – in der Annahme, dass der zuständige Experte zu einem fatalen Fehler einfach nicht fähig ist. (In der modernisierten Variante des Reaktors ist dieser Konstruktionsfehler beseitigt.)

Weder der Direktor noch der Chefingenieur des AKW Tschernobyl kannten jedoch die Physik eines Atomreaktors. Zwei Jahre vor der Tragödie hatten die Regierungsbeamten die Atomkraftwerke aus dem System des Nuklearkomplexes ausgeschlossen und dem Ministerium für Elektrifizierung unterstellt. Damit wurde die Tragödie möglich gemacht.

Der Schutzsarkophag über dem zerstörten Reaktorblock löst indessen immer mehr Besorgnisse in Bezug auf eine mögliche Kettenreaktion aus: Unter der Hülle, die die Höhe eines 25-stöckigen Hauses hat, stecken 180 Tonnen Spaltstoff.

Diese Hülle war von Anfang an unzuverlässig: Die hohe Strahlung ließ die Bauarbeiter nicht in unmittelbarer Nähe arbeiten. Als Folge entstanden viele Defekte: Die Gesamtfläche der Spalten und Ritze beträgt rund 1 000 Quadratmeter. Durch diese kam der Plutoniumstaub heraus. Außerdem stützt sich die Konstruktion des Sarkophags auf die Wände des zerstörten Reaktorblocks, was zusätzliche Zweifel an ihrer Festigkeit entstehen lässt.

Erst zehn Jahre nach der Tragödie gelang es, den speziellen Fonds „Ukrytije“ für die Errichtung eines neuen Sarkophags zu gründen. Die westlichen Länder erklärten sich bereit, die notwendige Summe von einer Milliarde Dollar auf das Konto dieser Stiftung zu überweisen. Laut dem Projekt soll die neue Schutzeinrichtung die Trümmer des vierten Reaktors für 100 Jahre zuverlässig von der Außenwelt isolieren. Dies wird eines der traurigsten und lehrreichen Denkmäler auf der Erde sein.




Ukraine: Präsident Juschtschenko eröffnete Denkmal für Tschernobyl-Opfer

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat am Mittwoch in der Stadt Belaja Zerkow (Gebiet Kiew) ein Denkmal für die Todesopfer der Tschernobyl-Katastrophe eingeweiht. Heute ist der 21. Jahrestag der Havarie in diesem Kernkraftwerk.

Juschtschenkos Pressedienst zufolge sagte er während der Zeremonie, es sei „die Pflicht des Staates, auf die Folgen der Tschernobyl-Tragödie adäquat zu reagieren.“ In diesem Kontext plädierte der Staatschef für die Erarbeitung von entsprechenden staatlichen Programmen.

Das Tschernobyl-Problem gelte „für das ganze Land“, unterstrich Juschtschenko und äußerte sich für die Entwicklung des von der Katastrophe betroffenen Raums. In erster Linie gehe es um die Forstwirtschaft, die Holzverarbeitung, die Energieersparung und den Ausbau von Naturschutzgebieten.

„Dieser Raum darf nicht vernachlässigt werden“, warnte er. „Wir wollen ihn lebhaft und wiederaufgebaut sehen.“ Die Havarie im AKW „Tschernobyl“ war in der Nacht von 25. zum 26. April 1986 ausgebrochen. Das war eine der größten technogenen Katastrophen in der Weltgeschichte.




Ex-Sowjet-Präsident Gorbatschow nimmt Abschied von Jelzin

Der ehemalige Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, ist in der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale eingetroffen, um sich vom russischen Altpräsidenten Boris Jelzin zu verabschieden.

Die Beziehungen zwischen Jelzin und Gorbatschow waren in den letzten Jahren der Sowjetunion ziemlich belastet. Laut vielen Experten wurde ihre politische Rivalität zu einem der Gründe für die Schwächung und den späteren Zerfall der Sowjetunion.




Michail Gorbatschjow drückte der Witwe und der Familie des ersten Präsidenten Russlands sein Beileid aus

Der Ex-Präsident der UdSSR Michail Gorbatschjow hat der Witwe des ersten Präsidenten Russlands Boris Jelzin sein Beileid ausgedrückt. „Ich habe Naina Iosifowna und der ganzen Familie kondoliert“, sagte er in einem ITAR-TASS-Gespräch.

„Das Leben hatte so angeordnet, dass sich unsere Schicksale miteinander gekreuzt hatten und wir in demjenigen Zeitpunkt gehandelt hatten, als sich im Land die wichtigsten Änderungen abgespielt hatten“, so Gorbatschjow.

„Obwohl wir große Differenzen hatten, was auf politische Prozesse negativ ausgewirkt hatte, drücke ich in dieser traurigen Stunde der Familie Jelzins mein tiefempfundenes Beileid aus“, sagte der Ex-Präsident der UdSSR.




Gorbatschow: Straßenproteste destabilisieren das Land

Die Protestdemonstrationen vom letzten Wochenende sind ein Versuch, das Land in den Grundfesten zu erschüttern. Das sagte der Ex-Präsident der Sowjetunion und heutige Leiter der internationalen Stiftung für sozialökonomische und politische Forschungen, Michail Gorbatschow.

„Es gibt Kräfte, die die Lage im Land erschweren und es in die Instabilität treiben wollen“, sagte Gorbatschow auf einer Pressekonferenz bei RIA Novosti. Derartige Märsche, äußerte er, werden „inszeniert, um die Gesellschaft einzuschüchtern. Das ist nicht akzeptabel.“

„Wir müssen unsere Lehre ziehen und denjenigen, die Furcht in der Gesellschaft säen wollen, sagen, dass sie den Bogen überspannen.“ Seine Philosophie sei mit der Gedankenwelt der Drahtzieher unvereinbar.

Der Ex-Präsident brachte seine Unterstützung für den Kurs von Wladimir Putin zum Ausdruck. Er betonte insbesondere, dass der Staatschef viel für die Stabilität im Land getan habe.

„Ich heiße gut, was Wladimir Putin über die ganzen Jahre getan hat und noch tut. Er hat sich massiv darum gekümmert, den Kurs der Modernisierung abzustecken. Ich unterstütze Wladimir Putin“, führte Gorbatschow aus.

Zum kürzlich veröffentlichten Bericht des US-State Departments über die Lage der Demokratie in Russland sagte er, die Kritik sollte gelassen hingenommen werden. Man sollte dem Bericht keine unangemessen große Bedeutung beimessen. „Anlass für Kritik findet man immer. Auch die USA bieten Gründe für Kritik“, erinnerte er.

Die Information des US-Außenministeriums über die Gründung von Einflussgruppen, die die politischen Prozesse in Russland lenken und leiten sollen, kommentierte er mit der Bemerkung, es handele sich um eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes. „So kann kein souveräner Staat leben, dass ihm nicht die Möglichkeit gegeben wird, selbst den Übergang von einem System zum anderen zu vollziehen, alles zu begreifen und zu bewerten, was er aus dem einstigen Leben übernehmen will und was nicht und wie er sich die neuen Prozesse in Wirtschaft und Politik aneignen will“, sagte Gorbatschow.