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Monat: April 2011 - russland.NEWS - russland.TV

Russland und Ukraine fordern schärfere Standards für Kraftwerke

Mit Mahnungen zu schärferen Vorschriften für Atomkraftwerke ist am Dienstag der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren gedacht worden. Russlands Präsident Dmitri Medwedew und der ukrainische Staatschef Viktor Janukowitsch riefen bei ihrem Besuch am Unglücksreaktor zu höheren Sicherheitsstandards auf.

Japan hob zum Jahrestag von Tschernobyl hervor, das Unglück sei nicht mit dem Unfall im Akw Fukushima vergleichbar.

Die Welt müsse über eine neue internationale Konvention zur Nuklearsicherheit nachdenken, damit sich Unglücke wie in Tschernobyl und in Fukushima nicht wiederholten, sagte Medwedew am symbolträchtigen Ort des GAUs von Tschernobyl. Er habe der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) Vorschläge unterbreitet, die im Falle eines Atomunglücks „katastrophale globale Folgen“ verhindern sollten. In einer Mitteilung des Kreml hieß es, Medwedew werde auf dem G-8-Gipfel im Mai „konkrete Initiativen“ zu schärferen Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke vorstellen.

„25 Jahre sind vergangen und wir haben begriffen, dass Atomunfälle kolossale Auswirkungen für die Bevölkerung haben“, sagte der ukrainische Staatschef Janukowitsch. „Der Welt ist klar, dass solche Katastrophen nicht von einem Land allein bekämpft werden können.“ Regierungschef Mykola Asarow forderte derweil weitere internationale Finanzhilfen zur Bewältigung der Folgen von Tschernobyl.

Der Besuch Medwedews war der erste eines russischen Präsidenten am ukrainischen Unglücksreaktor, von dem aus 1986 radioaktive Strahlung über weite Teile Europas hinwegzog. Die Sowjetunion hatte damals versucht die Katastrophe geheimzuhalten. Der frühere Sowjetführer Michael Gorbatschow reiste 1989 nach Tschernobyl, wo noch bis 2000 Strom produziert wurde.

Der international isolierte weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko blieb dem Treffen in Tschernobyl fern, obwohl sein Land neben der Ukraine und Russland am schwersten von der Katastrophe verseucht wurde. Er reiste stattdessen durch betroffene Regionen in seiner Heimat.

In der Ukraine hatte das Gedenken an Tschernobyl bereits in der Nacht begonnen. Genau zum Zeitpunkt der Katastrophe um 01.23 Uhr läutete in Kiew eine Glocke für jedes der bisher vergangenen 25 Jahre einmal. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill las dort an einem Denkmal für Liquidatoren eine Totenmesse. In der Kleinstadt Slawutytsch, in die zahlreiche Kraftwerksarbeiter umgesiedelt worden waren, zündeten Bewohner Kerzen an.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) warnte zu dem Jahrestag vor den Gefahren der Atomenergie. Der Faktor Mensch sei „Bestandteil des Restrisikos“, erklärte er in Berlin. Dies müsse ebenso in die gegenwärtige Neubewertung der Atomenergie einbezogen werden wie etwa Erdbeben, Hochwasser, Stromausfall oder Flugzeugabstürze.

Der Jahrestag fand inmitten der Sorge um das Atomkraftwerk Fukushima statt. „Es ist eindeutig, dass beide Fälle unterschiedlicher Natur sind“, sagte Japans Regierungssprecher Yukio Edano. Die in Fukushima freigesetzte Radioaktivität stelle nur ein Zehntel der Menge von Tschernobyl dar. Zudem sei in Japan eine Explosion von Reaktoren verhindert worden. Dort hatte es nach dem Ausfall der Kühlsysteme aber mehrere Wasserstoffexplosionen in den Reaktoren gegeben.




Tschernobyl in Kaluga [Video]

Aus Kaluga in Westrussland stammten 3.000 der Liquidatoren, die die lebensbedrohliche Abwicklung der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl übernahmen. Jugendliche aus der Stadt nahmen das zum Anlass, ihrer durch eine bewegende Aktion zu gedenken.




25. Jahrestag des Atomunglücks von Tschernobyl

Inmitten der Sorge um das Unglück im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima gedenkt die Welt am Dienstag des 25. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Am 26. April 1986 um 01.23 Uhr war der Reaktor vier des Kraftwerks im Norden der Ukraine explodiert, nachdem er sich infolge eines außer Kontrolle geratenen Experiments überhitzt hatte.

Am Dienstagvormittag werden hochrangige Politiker sowie der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill am Ort des Unglücks zu einer Gedenkfeier zusammenkommen und einen Kranz für die gestorbenen Liquidatoren niederlegen.

Neben dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch kündigte auch sein russischer Kollege Dmitri Medwedew seine Teilnahme an. Die „wichtigste Lehre“ aus den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima sei es, „den Leuten die Wahrheit zu sagen“, sagte Medwedew am Montag bei der Ehrung mehrerer Liquidatoren im Kreml. Die sowjetische Führung hatte in den vier Jahren nach der Katastrophe 600.000 sogenannte Liquidatoren entsandt, um das Feuer zu löschen und die Schäden in und um das Kraftwerk zu beseitigen. Die oft kaum geschützten Männer wurden dabei hoher Strahlung ausgesetzt.

Die sowjetische Führung unter Präsident Michail Gorbatschow versuchte zunächst, den Unfall zu verheimlichen. Die drei Kilometer von Tschernobyl entfernte 48.000-Einwohner-Stadt Pripjat wurde erst am 27. April evakuiert. Erst nachdem Schweden am 28. April hohe Strahlenwerte registriert hatte, gestand Moskau den Vorfall ein. Doch auch später informierten die Behörden nur unzureichend über das Ausmaß des Unfalls. Die verbliebenen Reaktoren von Tschernobyl wurden trotz weiterer Vorfälle erst auf internationalen Druck im Dezember 2000 endgültig stillgelegt.

Infolge des Unglücks in dem nur wenige Kilometer von der weißrussischen Grenze gelegenen Kraftwerk wurden weite Gebiete der Ukraine, Russlands und Weißrusslands verseucht. Die Strahlung, die der Explosion von mindestens 200 Hiroshima-Atombomben entsprach, breitete sich auch über weite Teile Europas aus. Der nach dem Unglück errichtete Beton-Sarkophag über dem zerstörten Reaktor wurde über die Jahre brüchig. Die internationale Gemeinschaft versprach vergangene Woche in Kiew, sich mit 550 Millionen Euro an dem Bau einer neuen Stahlhülle zu beteiligen.

Bis heute ist die Zahl der Opfer umstritten: Die UN-Expertenkommission für die Folgen radioaktiver Strahlung (UNSCEAR) erkennt lediglich den Tod von 31 Feuerwehrleuten und Liquidatoren als direkte Folge der Strahlung an. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace dagegen geht davon aus, dass bis 2005 in der Ukraine, Russland und Weißrussland mindestens 100.000 Menschen an den Folgen von Tschernobyl starben.

Angesichts des durch das Erdbeben und den Tsunami am 11. März ausgelöste Unglück in Fukushima ist der Streit um die Atomkraft in den vergangenen Wochen neu entbrannt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief vergangene Woche bei einem Besuch in Tschernobyl zu einer „globalen Debatte“ über die Atomenergie auf.




Atomexperte fordert Abschalten von elf Reaktoren in Russland

Ein Berater der russischen Atomenergiebehörde Rosatom hat die Abschaltung von elf Atomreaktoren von der gleichen Bauart wie der Unglücksreaktor von Tschernobyl angemahnt. „Die wichtigste Lehre, die aus der Katastrophe von Tschernobyl hätte gezogen werden müssen, ist es, die Reaktoren vom Typ RBMK schrittweise abzuschalten“, sagte Wladimir Kusnezow am Montag bei einer Pressekonferenz in Moskau.

Statt aber diese veralteten Anlagen stillzulegen oder sie wenigstens nur zu 60 bis 70 Prozent zu nutzen, würden sie mit einer Nutzung von 104 Prozent ihrer Kapazitäten überlastet. Dieses „kriminelle“ Vorgehen hänge damit zusammen, dass in Russland fast keine neuen Atomkraftwerke gebaut würden, kritisierte der Atomexperte. Kusnezow hob hervor, dass die meisten der elf sogenannten RBMK-Reaktoren bereits in den 1970er Jahren gebaut worden seien. Sie seien aber nur für eine 30-jährige Nutzung ausgelegt gewesen. Kusnezow gehörte zu den rund 600.000 von der Sowjetunion eingesetzten sogenannten Liquidatoren, die nach dem Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl die Umgebung sicherten. Der bislang schwerste Atomunfall der Geschichte, der weite Teile Europas radioaktiv verstrahlte, jährt sich am Dienstag zum 25. Mal.




Reise nach Belarus – Tschernobyl ist überall

12 junge Leute aus Hannover sind nach Belarus gereist. Ihr Thema: Mehr erfahren über die Folgen der Tschernobylkatastrophe von vor 25 Jahren. Ihr Partner vor Ort ist das Unabhängige Institut für Strahlensicherheit in Minsk.
Hier ein paar Impressionen der insgesamt 10-tägigen Reise.

Radioaktive Osternacht

Gomel, rund 500.000 Einwohner, ca. 120 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Was für eine schöne Stadt, gerade jetzt Ende April, wo der Frühling beginnt. Wir gehen zur Osternacht in die orthodoxe Kirche. Das Gedränge ist groß und alles sehr feierlich.
Rund um die Kathedrale herum sind kniehohe längliche Tische aufgebaut, darauf liegen Speisen, Osterkuchen, bunt gefärbte Eier und anderes. Dahinter stehen die Menschen, Alte und Junge, die mit leuchtenden Augen darauf warten, dass ihre Speisen vom Priester gesegnet werden. Ein schönes Bild doch dann der Gedanke.

Vieles von dem, was da liegt, gleich gesegnet und morgen gegessen wird, ist radioaktiv belastet.
Mir kommen die Tränen und mir kommt die Wut.

Heute, fast 25 Jahre nach der Tschernobylkatatrophe steckt die Gefahr tagtäglich vor allem in den Lebensmitteln.
Das Unabhängige Institut für Strahlensicherheit in Minsk ist ständig in den belasteten Gebieten unterwegs., um den Menschen zu erklären, wie sie sich möglichst gesund ernähren können. Sie messen die Körperstrahlung der Kinder und die radioaktive Belastung der Lebensmittel. Dass es auf das eigene Verhalten mit ankommt zeigt, wie unterschiedlich stark radioaktiv belastet die Kinder in ein und demselben Dorf sind. Ein kleiner Hoffnungsschimmer und konkrete Hilfe zur Selbsthilfe. Doch das Institut ist auf die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Näheres dazu unter www.ostwestbrücke.de

Der Zug in die Zone

Langsam rattert der Zug von Minsk aus in Richtung Süden. Es geht nach Gomel. Hier und da ein Dorf, ansonsten Wälder, Moore und Felder. Rund 1,5 Mio. Menschen leben alleine in Belarus auf stark strahlenbelastetem Boden, aber wo? Auf dem Weg nach Gomel und später unterwegs mit dem Kleinbus in die Dörfer fällt uns immer wieder auf, wie dünn besiedelt die Region ist.
Mir kommt in den Sinn, was ich einmal gehört habe. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ist Deutschland ca. 20 mal dichter besiedelt als die Region Gomel. Wären dann bei einem vergleichbaren Unfall statt 1,5, gleich 30 Mio. Menschen so betroffen, wie sie es hier sind?

Die Geschichte von der Milch aus Nissimkovitchi

Ein kleines Dorf, 140 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Die meisten Menschen hier haben hier ihre eigene Kuh im Stall. Gemeinsam werden diese tagsüber auf eine saftige Weise neben dem Dorf getrieben. Dort fressen sie sich voll, abends gibt es Milch. Eine gute Sache, denn die Leute im Ort verdienen hier nur sehr wenig Geld.

Mitarbeiter vom Institut für Strahlensicherheit aus Minsk stellten bei einem Besuch im Dorf fest, dass gerade die Milch stark belastet ist. Nun ist klar, warum die Kinder hier so hoch verstrahlt sind. Es wird weiter gemessen. Eine kleine Überraschung. Die Milch der örtlichen Kolchose, auf der die meisten aus dem Dorf arbeiten, ist wesentlich weniger mit Cäsium 137 belastet. Die Kühe stehen auch auf einer anderen Wiese.

Es wird verhandelt, die Dorfbewohner bekommen eine andere Wiese, nicht weit entfernt von der alten. Die Strahlung ist dort wesentlich geringer, wie Messungen ergeben. Die Milch ist fast sauber.

Äpfel gegen Strahlung

Wir sind zu Gast im Unabhängigen Institut für Strahlensicherheit in Minsk. Kaum jemand weiß so gut bescheid über die Strahlenbelastung in den Dörfern, wie die Leute hier im Institut, bei deren Gründung Andrej Sacharov und Anatolij Karpov mitgewirkt haben. Ständig sind die Mitarbeiter unterwegs in den Gegenden, die noch immer 25 Jahre nach dem Tschernobylfallout belastet sind.

Für uns ist Radioaktivität etwas sehr Unheimliches. Trifft sie einen sind wir ihre Geisel.
Um so überraschender war es für uns zu erfahren, das Äpfel gegen Strahlung helfen können, genauer gesagt das aus Äpfeln gewonnene Pektin. Angereichert mit Vitaminen lässt das Institut aus ihm Tabletten herstellen. Vitapekt nennt sich das Produkt, dass die Menschen vor der Cäsium-Strahlung schützt. Wir schauen etwas ungläubig, aber die Erklärung ist einleuchtend. Ein großer Teil der Cäsium-Belastung gelangt durch die Nahrung in den Körper. Durch die Magenwand verteilt sie sich. Das Pektin bindet das Cäsium an sich. Dadurch wird es zu groß und passt nicht mehr durch die Magenwand. Statt dessen wird ein großer Teil davon gemeinsam mit dem Pektin durch die Toilette wieder ausgeschieden. Rund 70 Euro kostet die Pektinkur pro Jahr, wie wir erfahren. Enthalten sind im Preis auch zwei Messungen den Strahlenbelastung, um so fest zu stellen, ob das Vitapekt auch regelmäßig genommen wird.
Rund 340 Paten gibt es in Deutschland bereits die genau so vielen Kindern diese Kur finanzieren.
Ein gemeinsames Projekt mit dem Kernforschungszentrum Jülich hat bestätigt, es funktioniert gut, Nebenwirkungen gibt es keine.

Verlorene Heimat

So langsam begreife ich, dass Heimat für die Menschen hier in Belarus etwas anderes ist als, als für viele bei uns in Deutschland.
Sie hängen an ihren Häusern und vor allem an ihren Gärten, der Erde, den Wäldern und den Gräbern ihrer Vorfahren.
Darum wollten auch viele nicht weg aus ihren Dörfern. Darum wurden viele ihrer Häuser eingebuddelt. Neben dem Haus wurde ein Loch gebuddelt, dann wurde das Haus mit einem Bulldozer hineingeschoben.
Manche Alte aber sind in ihre Dörfer zurück, schließlich wurden ja nicht alle Häuser eingegraben.

Fünf von ihnen haben wir besucht. Sie sagen, sie wollen hier sterben und begraben werden, dort wo auch ihre Eltern schon ruhen. Sie wollen hier vor ihrer Beerdigung auf ihre Tür gelegt werden, so wie es alter Brauch ist. Aber wer hängt die Tür aus. Wer hält die Totenwache, sitzt um sie herum und gedenkt ihrer?
Doch nicht nur die Alten auch manche Jungen.
Ina erzählt von ihrer Freundin, groß geworden in einem heute verbotenen Dorf. Sie kennt dort jeden Baum, war immer draußen unterwegs. Überall Erinnerungen und Geschichten. Sie musste weg und nun lebt sie in Gomel.
Manchmal packt es sie, im Herbst vor allem, dann schleicht sie sich vorbei an der Kontrollstelle, die Unbefugten das Betreten der Sperrzone verbietet. Und unbefugt ist sie.
Sie geht in ihren Wald, zu ihren Pilzen, die sie sammelt. Sie weiß, dort sind sie besonders stark belastet. Sie sagt, sie kann nicht anders.

Radioaktive Bartrasur

Noch vor der Abfahrt nach Belarus treffen wir einen Liquidator in Hannover, einen von damals rund 800.000 zumeist jungen Männern, die verpflichtet wurden am Reaktor und in der Region zu arbeiten und die Strahlung zu liquidieren. Eine Unterkunft, rund 20 junge Männer. Es gibt eine Routinekontrolle mit dem Strahlenmessgerät. Die Strahlenbelastung ist plötzlich dramatisch hoch. Wo kommt sie her? Es dauert eine Weile, dann ist das Rätsel gelöst. Die Männer hatten von einem Lastwagen den Außenspiegel mitgenommen, um sich besser rasieren zu können.




In Weißrussland geraten die Akw-Liquidatoren in Vergessenheit

Sie waren „Tschernobyl-Igel“. Jewgenia Filomenko weiß bis heute nicht, warum in Minsk Umsiedler aus den stark verstrahlten Gebieten in Süd-Weißrusslands so verspottet wurden – nur dass es nicht freundlich gemeint war.

Als sie 1991 aus der Stadt Narowlja in die Hauptstadt Minsk kamen, hatte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl das Leben der Filomenkos auf den Kopf gestellt: Flucht vor Verseuchung, Sohn Pawel nach hoher Strahlendosis behindert, arbeitslos und später die Angst wegen dieses Knotens im Hals, den Jewgenia einmal jährlich dem Arzt zeigt. Als ehemalige Tschernobyl-Liquidatorin dürfe sie beim Arzt wenigstens an der Warteschlange vorbeigehen, sagt Filomenko und setzt hinzu: „Wenn man nicht beschimpft wird.“

Die Liquidatoren werden als „Helden Europas“ gefeiert. Doch in Weißrussland geraten tausende Männer und Frauen, die ihr Leben oder wenigstens ihre Gesundheit aufs Spiel setzten, um die Folgen der Atomkatastrophe einzudämmen, in Vergessenheit. „Die Situation wird von Jahr zu Jahr schlechter“, sagt die von der russischen Liquidatoren-Vereinigung, Vizepräsidentin Olga Michailowa. Dabei sei die Lage in Weißrussland „ganz schlecht – keine Rechte, keine Gesundheitsfürsorge, keine offizielle Vertretung“.

Gegründet wurde die Organisation vom Ex-Sowjet-Generalmajor Nikolai Tarakanow. Der „Doktor der technischen Wissenschaften“ leitete den Tschernobyl-Einsatz als einer der ranghöchsten Militärs vor Ort. Auf Tarakanows Uniform, die er zu einem Treffen von Liquidatoren in der orthodoxen Gemeinde Aller Trauenden Freude in Minsk trägt, klimpern an die dreißig Orden – darunter eine „Röntgen-Medaille“ für den Tschernobyl-Einsatz. Nicht nur der Metallwert der Ordens-Pracht dürfte nicht allzu hoch sein: „Die hier wurden schon unter (Präsident) Jelzin abgeschafft“, sagt Tarakanow und zeigt auf zwei große Sterne.

Tarakanow schickte Soldaten zum Reaktor, je nach Strahlung 40 Sekunden bis drei Minuten lang. Er sei damals „frisch gebackener“ 42-jährige Generalmajor gewesen. Inzwischen hat sich der spätere Chef des russischen Zivilschutzes, dessen letzter großer Einsatz 1988 das Erdbeben in Armenien war, zum Atomkraftgegner gewandelt und gegen den Bau eines zweiten Akw in seiner Heimatregion Woronesch gekämpft. „Lieber bei Kerzenlicht leben, als dass es weiter Atomstrom gibt“, sagt Tarakanow. Bei den Fernsehbilder vom japanischen Atomkraftwerk Fukushima stünden ihm „die Haare zu Berge“.

Ähnliche Gefühle haben die mit Tarakanow angereisten russischen Liquidatoren, wenn sie von der Lage ihrer weißrussischen Ex-Kollegen hören. Sie seien „geschockt“. In Weißrussland seien alle Hilfen „gestrichen oder gekürzt“ worden, sagt Ex-Major Juri Tscheban, der im September 1986 zweimal am Reaktor schuftete. Für seine Verdienste wird ihm in Russland unter anderem die Hälfte der Miete erlassen. Mit dem Zerfall der Sowjetunion seien auch in Russland die Hilfen geschrumpft, aber er sei „relativ zufrieden“.

Jewgenia Filomenko war „Ingenieurin für Gaststättentechnik“. Viele Menschen aus Narowlja arbeiteten im Akw Tschernobyl. Als der GAU passierte, habe sich die Nachricht durch die Schichtrückkehrer in der Stadt verbreitet, die nur rund 20 Kilometer von der heute gesperrten 30-Kilometer-Zone um den Reaktor liegt. Sie habe damals Einsatzkräfte im Katastrophengebiet versorgt. Ihre Söhne Pawel und Alexej waren fünfeinhalb und zweieinhalb. Pawel erkrankte: Schilddrüse, epileptische Anfälle, mit sechseinhalb galt er als „behindert“. Ihr Mann starb vor 18 Jahren nach einem Herzinfarkt. Psychosomatische Erkrankungen sind Experten zufolge sind unter Tschernobyl-Opfern weiter verbreitet als Krebs. Zu den Tschernobyl-Krankheiten zählen sie nicht.

Die 55-jährige Rentnerin lebt heute mit ihren beiden Söhnen sowie Alexejs Frau und Kind auf etwa 70 Quadratmetern in einer Plattenbausiedlung in Minsk. Gegen ihre gesundheitlichen Probleme gibt es Medikamente. Aber gegen die Erinnerungen hilft nichts: „Als ich von Fukushima gehört habe, konnte ich vier Tage die Wohnung nicht verlassen.“




Aufruf an unsere Nachkommen

Appell der Liquidatoren von Tschernobyl gegen Atomkraft

Mit einem mahnenden Appell „an unsere Nachkommen“ haben sich mehr als 20 Liquidatoren in Minsk zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu Wort gemeldet: „Wir bitten Sie inständig, alles Ihnen Mögliche zu tun, damit Menschen nicht länger leiden.“

Zur Konferenz in Minsk 25 Jahre nach Tschernobyl hatten das IBB Dortmund und die IBB „Johannes Rau“ Minsk als Gastgeber neben Vertretern von Partnerschaftsinitiativen auch zahlreiche Liquidatoren aus Belarus, Russland und der Ukraine eingeladen.

Sie verlasen den „Aufruf an unsere Nachkommen“ unter dem Applaus der mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehreren westeuropäischen Ländern und überreichten den Aufruf an Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund. „Diesen Aufruf werden wir übersetzen und jedem Teilnehmer dieser Konferenz mit auf den Weg geben,“ versprach er den Anwesenden.

Die Männer aus mehreren Ländern der früheren Sowjetunion waren unmittelbar nach dem 26. April 1986 zum Rettungseinsatz am Unglücksreaktor Tschernobyl berufen worden. Das Unglück im Lenin-Kraftwerk und ihr Einsatz im hoch verstrahlten Gebiet habe ihr Leben in zwei Abschnitte geteilt: die Zeit vor der Katastrophe und die Zeit danach.

Viele der rund 800 000 so genannten Liquidatoren haben ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt.


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Fukushima schlimmer als Tschernobyl

Die wirtschaftlichen Folgen der Atomkatastrophe in Japan werden nach Ansicht des Atomexperten Mycle Schneider Tschernobyl „bei weitem überschreiten“. Welche Folgen Fukushima für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen haben werde, sei noch „schwer zu sagen“, sagte Schneider der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Der Träger des alternativen Nobelpreises von 1997 rechnet aber mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen.

In dieser Hinsicht sei Fukushima „das Zigfache“ des Tschernobyl-Unfalls von 1986, „tiefgreifender und katastrophaler“. Die Entsorgung großer Mengen verstrahlten Löschwassers, die Verseuchung von Fischbeständen und Ernteausfälle in der für die Reisproduktion wichtigen Präfektur Fukushima seien nur einige der Schäden.

Die Atomkraft sieht Schneider am Ende. „Schon vor Fukushima war die Kernenergie ein Auslaufmodell“, sagte der Berater der rot-grünen Bundesregierung beim Atomausstieg. Atomenergie „war nie eine Brückentechnologie, das war eine Barrierentechnologie“, weil selbst in Deutschland, wo mehr Geld als in jedem anderen Land in erneuerbare Energien investiert worden sei, der Anteil dieser am Stromsektor nur 17 Prozent betrage. Das sei eine Folge der Unvereinbarkeit von klassischen und erneuerbaren Energien im bisherigen Marktmodell.

Wer es ernst meine mit erneuerbaren Energien und Effizienz, der müsse das alte Marktsystem, das „Kilowattstunden auf den Verbraucher runterregnen lasse“ und „strukturelle Überkapazitäten“ schaffe, „komplett umstülpen“, sagte Schneider AFP. Dazu müssten die „Kriterien völlig geändert werden“. „Das Kriterium ist heute nach wie vor: ein Barrel Öl, ein Kubikmeter Gas und eine Kilowattstunde möglichst billig zu bekommen.“ Das eigentliche Kriterium aber müsste die Energiedienstleistung zu „vernünftigen Preisen“ auf nachhaltige Weise sein.

Einen Umstieg auf erneuerbare bis spätestens 2020 hält Schneider für möglich. Während des Atom-Moratoriums der Bundesregierung seien „mal eben acht Reaktoren“ vom Netz genommen worden „und es passiert gar nichts“. „Die strukturellen Überkapazitäten in einem Land wie Deutschland sind gigantisch“, sagte Schneider. Deutschland sei nach wie vor „Netto-Stromexporteur“. Vor allem seien bisher erneuerbare Energienquellen dazugebaut worden, und andere Kapazitäten nicht abgestellt worden. Das habe zu der „Barrieren-Situation“ geführt.




Dorf in Weissrussland baut mit Deutschen erste Windkraftanlage

Im weißrussischen Druschnaja gibt es nicht einmal einen Laden. „Zwei Kühe, ein Pferd, Schweine, Gänse und Bienen“, schnell hat Juri Suprinowitsch den Tierbestand des 30-Häuser-Nestes über dem Narotschsee nahe der Grenze zu Litauen aufgezählt. Aber Druschnaja ist in Weißrussland einzigartig: Hier steht der bislang einzige Windpark des Landes.

Stolz sind sie auf die beiden Windkrafträder, die mit deutscher Hilfe gebaut wurden. In einem Land, das 25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl, eine Renaissance der Atomkraft einleitet, wirken sie wie zwei mahnend erhobene Zeigefinger.

Druschnaja ist ein Umsiedlerdorf. Ohne Tschernobyl hätte es die Siedlung wohl nie gegeben. Die Einwohner wie Walentin Horoschka stammen aus den radioaktiv verseuchten Gebieten im Südosten Weißrusslands. Zehntausende Menschen wurden unter Zwang umgesiedelt oder gingen aus Angst: vor Verstrahlung, Missbildungen, Genschäden und Schilddrüsenkrebs, der unter weißrussischen Kindern zunimmt.

Nicht so in Druschnaja: „Wir sind das kinderreichste Dorf in der Umgebung“, sagt Suprinowitsch und zählt ausdrücklich die „Pflegekinder“ aus den verseuchten Gebieten dazu, die sie zeitweise zusätzlich betreuen in ihrem Dorf, das 1992 auf Initiative des von Dietrich von Bodelschwingh geführten Vereins Heim-statt Tschernobyl aus dem westfälischen Bünde gegründet wurde.

Erst waren es nur fünf Rohbauten. Alle Häuser in Druschnaja sehen aus wie gewöhnliche Einfamilienhäuser auf großzügigen 5000-Quadratmeter-Grundstücken. Das Besondere seien ihre Öko-Baumaterialien: Holz, Lehm und Schilf, sagt Suprinowitsch. Aus dem Leiden an Tschernobyl solle in Druschnaja Positives erwachsen. Deutsche und Weißrussen setzen gemeinsam auf Nachhaltigkeit: beim Bauen und in der Versöhnung, denn die Region erlebte als umkämpfte Partisanen-Hochburg im Zweiten Weltkrieg viel Grauen.

Irgendwann sei ihnen aufgefallen, dass es auf der Anhöhe über dem See „viel Wind gibt“, sagt Suprinowitsch. 1999 begannen Messungen, nach anderthalb Jahren stand fest: „In Deutschland würde man an so einer Stelle ein Windkraftwerk bauen.“ Heim-statt Tschernobyl sammelte Spenden, nachdem in Deutschland Anträge auf eine öffentliche Finanzierung abgelehnt worden waren, und ließ 2000 und 2001 zwei Windräder mit einer Gesamtleistung von 850 Kilowatt bauen. Mit den 1,3 Millionen Kilowatt-Stunden können 650 Haushalte im Jahr versorgt werden, rechnet Suprinowitsch vor. Eine Stromrechnung erhalten die Dorfbewohner dennoch, denn der Strom wird wie in Deutschland ins Netz eingespeist. Das Geld, das der gemeinnützige weißrussische Partnerverein Ökodom dafür bekommt, fließt in soziale Projekte.

Gut angelegt wurden die Gelder unter anderem in einer Ambulanzstation im Nachbarort Sanarotsch. Die medizinische Versorgung der weißrussischen Landbevölkerung ist oft noch erbarmungswürdig. In Sanarotsch dagegen steht Allgemeinarzt Wiatscheslaw Trubatsch im hellen Foyer einer blau-weiß gestrichenen kleinen Tagesklinik, die mit Hilfe von sechs Krankenschwestern alle einfachen Untersuchungen und Labortests von Blutbildern bis Cholesterinbestimmung anbieten kann. Auf diese Weise leiste Ökodom auch Integrationsarbeit, denn andernorts traf umgesiedelte Tschernobyl-Opfer oft Neid und Wut wegen einiger „Privilegien“, die sie hatten, wie Suprinowitsch sagt.

Mit der Windkraft hätten sie „ein Beispiel für Weißrussland“ gegeben, sagt Suprinowitsch, der die Geschäfte des Vereins Ökodom leitet. Dessen kommerzielle Tochtergesellschaft Ökodom-Stroj GmbH führt inzwischen die Windkraftanlage und fungiert als Baugesellschaft der Ökohäuser, die auch verkauft werden. Gedämmt werden sie mit Seeschilf, das in einer kleinen Werkstatt unter Leitung von Meisterin Tanja Wischiwanjuk zu fünf Zentimeter dicken Platten gepresst wird.

Dass Weißrussland mit russischer Hilfe in der Region bei Astrawets sein erstes Atomkraftwerk bauen will löst in Druschnaja Kopfschütteln aus. Für die Dorfbewohner ist Tschernobyl noch längst nicht lang her.




25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität

Wanderausstellung wird Ostersonntag in Köln eröffnet

Köln erinnert sich an den 26. April 1986 – Zwei Zeitzeuginnen zu Gast

Die multimediale Wanderausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ ist von Ostersonntag, 24. April 2011, bis Freitag, 28. April 2011, im Studio Dumont, Breite Straße 72, in Köln zu sehen. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Ostersonntag, 24. April 2011, um 17 Uhr im Studio Dumont.

Zwei Zeitzeuginnen berichten von den Ereignissen 1986 und den Folgen

Mit Valentina Anikejewa und Jewgenija Filomenka stehen zwei Zeitzeuginnen aus der Ukraine und Belarus für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung. Die beiden Frauen waren 1986 unmittelbar von der Reaktorkatastrophe betroffen und sind es bis heute. Die Ukrainerin Valentina Anikejewa, heute Journalistin, lebte 1986 in Pripjat, zwei Kilometer entfernt vom Unglücksreaktor, und wurde zwangsweise evakuiert. Jewgenija Filomenka lebte damals im Landkreis Gomel, der zu den am stärksten verstrahlten Gebieten in Weißrussland zählt. Sie ist heute Vorsitzende des Verbandes der Tschernobyl-Umsiedler.

Kölner Autorin Dr. Isolde Baumgärtner leitet Podiumsgespräch

Dr. Isolde Baumgärtner, Vorsitzende des gastgebenden Vereins für europäische Erinnerungskultur Mnemosina e.V., ist eine dezidierte Kennerin des Themenkomplexes Tschernobyl. Sie ist Mitautorin des Buches „Tschernobyl und die europäische Solidaritätsbewegung“, das das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund vor wenigen Tagen aus Anlass des 25. Jahrestages der Reaktorkatastrophe herausgegeben hat. Ergänzend zur Ausstellung sind drei öffentliche Zeitzeugengespräche und eine Podiumsdiskussion am Mittwoch, 27. April 2011 um 19 Uhr im Lew-Kopelew-Forum, Neumarkt geplant. Dr. Isolde Baumgärtner moderiert den Abend „Wider das Verdrängen“.

Gelegenheit zur persönlichen Begegnung für Jugendgruppen und Multiplikatoren (Lehrer)

Die beiden Zeitzeugen stehen während der gesamten Ausstellungsdauer bis zum 28. April 2011 Jugendgruppen und anderen Personengruppen für Fragen und Diskussionen zur Verfügung (Voranmeldung erforderlich). Die Ausstellung ist am Ostersonntag von 17 bis 19.30 Uhr geöffnet und danach von Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Schicksale von Menschen stehen im Mittelpunkt

Im Fokus der Ausstellung stehen die Erinnerungen von 30 Zeitzeugen aus der Ukraine und Belarus, die unmittelbar an den Aufräumarbeiten und an der Eindämmung der Katastrophe beteiligt waren. Persönlich werden sie vor Schulklassen und anderen Personengruppen über ihre Erinnerungen berichten. „Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die Schicksale von Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Peter Junge-Wentrup bei der Eröffnung. „Und wir möchten, dass sie selbst zu Wort kommen.“ Nach Recherchen des IBB waren mehr als 800 000 so genannte Liquidatoren im Einsatz.

Erinnern für eine gemeinsame Zukunft – Anstoß zu einer politischen Debatte

Zum 25. Jahrestag der Katastrophe am 26. April 2011 hat die Ausstellung auch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Energiepolitik angeregt. Gemeinsames Ziel mit allen gastgebenden Trägerkreisen war die Debatte im Deutschen Bundestag auf Initiative des IBB Dortmund am Freitag, 8. April 2011. „Der Deutsche Bundestag ist das einzige Parlament in Europa, das eine Debatte zum 25. Jahrestag von Tschernobyl geführt hat. Die Erinnerung an die Katastrophe leistet einen wichtigen Beitrag, dass der Atomausstieg in Deutschland möglich wird“, so Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund, der den Impuls zur Wanderausstellung gegeben hat. „In Kenntnis der Folgen machen wir uns gemeinsam stark für die Energiewende.“

Rüdiger Frohn, Staatssekretär a. D. und Vorsitzender des Beirats der Stiftung Mercator, betonte in seiner Rede anläßlich der Ausstellungseröffnung in Dortmund: „Tschernobyl hat als erste gesamteuropäische Umweltkatastrophe bisher ungekannten Ausmaßes gezeigt, dass weder die Solidarität der Menschen in Europa noch die Herausforderung einer zukunftsorientierten Umweltpolitik nationale Grenzen kennt. In Erinnerung an die Opfer von Tschernobyl und für die kommenden Generationen ist es uns Verpflichtung und Herausforderung zugleich, Energie-, Umwelt- und Klimapolitik immer wieder neu zu denken.“

Ausstellung mit interaktiven Elementen

Ein multimedialer Teil der Ausstellung dokumentiert mit 58 Fotos von Rüdiger Lubricht, Filmausschnitten aus der Tagesschau und beispielhaften Portraits von europäischen Tschernobyl-Initiativen das Unglück. Noch heute leben fünf Millionen Menschen in Gebieten, die mit mehr als 1 Curie pro km² radioaktiv belastet sind. Rüdiger Lubricht hat seit 2003 regelmäßig die verlassene Stadt Pripjat besucht und in der Umgebung auch Bewohner angetroffen, die der unsichtbaren Gefahr zum Trotz nicht umgesiedelt sind. „Wir hätten die Ausstellung auch 25 Jahre Tschernobyl nennen können, denn es ist noch nicht vorbei“, sagt Ausstellungsmacherin Sabrina Bobowski mit Blick auf die Langfristigkeit der entstandenen Schäden. „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte –Solidarität“ ist als wachsende Ausstellung konzipiert, die persönliche Gedanken und Erinnerungen von Betrachtern aufnimmt und um weitere Dokumente ergänzt werden kann.

Breite Unterstützung von Kirchen und Förderern

Ermöglicht wurde die Ausstellung durch eine breite Unterstützung von kirchlichen und weltlichen, öffentlichen und privaten Förderern, wie der Evangelischen Kirche von Westfalen und Hessen-Nassau, der katholischen Stiftung Renovabis, der Landeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Mercator.

Oberbürgermeister Jürgen Roters übernimmt die Schirmherrschaft

Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln, hat die Schirmherrschaft für die Ausstellung in Köln übernommen. Als weitere Schirmherren konnte das IBB für alle Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, für Münster den Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, Dr. h.c. Alfred Buß, für Osnabrück Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, für Braunschweig und Wolfenbüttel Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber gewinnen, für Brandenburg Ministerpräsident Matthias Platzeck und Landtagspräsident Günter Fritsch und für Magdeburg Landtagspräsident Dieter Steinecke gewinnen.

Die Ausstellung ist in 38 Städten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden zu sehen.

Einzelheiten über die Veranstaltungen in Köln bei Dr. Isolde Baumgärtner unter der Rufnummer 0221-172136 (14.00-18.00 Uhr) oder per E-Mail Isolde.Baumgaertner@unitybox.de.

Weitere Informationen zum Gesamtprojekt unter www.ibb-d.de, zum Programm in Köln unter www.mnemosina.eu oder www.studio-dumont.de.

Über die Ausstellung:
Die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ ist ein Projekt des IBB Dortmund und Kiew und der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk. Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Mercator in Essen.

Das Buch zur Ausstellung:
„Verlorene Orte, gebrochene Biografien“ heißt der Bildband mit Fotos von Rüdiger Lubricht, den das IBB hat zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl herausgegeben hat. Das Buch kann in der Ausstellung erworben bzw. über den Buchhandel bestellt werden.

Das Buch zur Geschichte der Solidaritätsbewegung:
„Tschernobyl und die europäische Solidaritätsbewegung“ heißt das zweite Buch, das das IBB zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe herausgegeben hat. Es dokumentiert die europaweite Solidaritätsbewegung, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entstanden ist. Das Buch ist im Verlag Books on Demand Norderstedt erschienen und kann in der Ausstellung bzw. im Internet erworben werden.

Träger der Ausstellung in Köln:
Die Ausstellung wird jeweils von einem örtlichen Trägerkreis veranstaltet und mit einem Rahmenprogramm ergänzt. In Köln ist der Träger Mnemosina e.V. Verein für europäische Erinnerungskultur. Kooperationspartner: Studio Dumont, Köln; Lew-Kopelew-Forum, Köln Studentíscher Arbeitskreis „Tschernobyl“ des Slavischen Instituts der Universität zu Köln; gemeinnützige Tschernobylinitiative „Pro-Ost“ e.V., Solingen; sowie die gemeinnützige Tschernobylinitiative „Hilfe für Tschernobyl geschädigte Kinder“, Erftstadt.

Weitere Termine der Wanderausstellung im 1. Halbjahr 2011 auf einen Blick

Zwolle / Niederlande 17.04.-22.04.2011
Hannover 18.04.-28.04.2011
Köln 24.04.-28.04.2011
Wien 02.05.-07.05.2011
Kamen 02.05.-06.05.2011
Rheine 08.05.-13.05.2011
Freising 08.05.-12.05.2011
Bremen 16.05.-20.05.2011
München 16.05.-29.05.2011
Frankfurt/Main 21.05.-31.05.2011
Dresden 01.06.-05.06.2011
Kassel 04.06.-11.06.2011
Gießen 12.06.-18.06.2011
Weimar 20.06.-27.06.2011
Rotenburg/Wümme 25.06.-01.07.2011
Rottweil 04.07.-10.07.2011