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Monat: März 2013 - russland.NEWS - russland.TV

Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen

[von Christina Stumpf] Mit dem Roman „Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen“ ist der Journalistin und Autorin Alexandra Fröhlich eine aberwitzige Lektüre über eine Ost-West-Beziehung gelungen. Es sprüht vor Situationskomik und russischer Mentalität.
Paula ist Anwältin und führt ihre eigene Kanzlei. Leider ohne den erhofften Erfolg, weshalb sie sich ihre Mandaten nicht aussuchen kann. So landen schließlich die Polyakows bei ihr. Aufgrund von sprachlichen Barrieren kommt der Sohn Artjom ins Spiel und Paulas berufliches und privates Leben gerät in ein heilloses Durcheinander.

Als Paula sich in Artjom verliebt, in diesen russischen Mann voller Leidenschaft, hält sie sich zuerst selbst für verrückt. Kurz entschlossen nimmt sie seinen Heiratsantrag an und stürzt damit sich und ihre Eltern ins Chaos. Bald ist klar: Sie hat nicht nur Artjom sondern seine ganze russische Familie geheiratet.

An der Hochzeitsreise nehmen natürlich nicht nur Artjom und Paula teil, sondern auch die Eltern und Schwiegereltern. Damit nicht genug, findet der Großvater Alexej großes Gefallen am Leben in ihrer Wohnung und an der Nachbarin.

Die größte Katastrophe ist jedoch ihre Schwiegermutter Darya. Sie spricht kaum Deutsch, liebt ihre vier Hunde und weiß vor allem immer alles besser. Stur von Kopf bis Fuß. Vom Kleidungsstil ganz zu schweigen. Oder wer würde sonst in High Heels versuchen nachts heimlich einen toten Neufundländer auf einem Friedhof zu begraben?

Der gesamte Roman ist eine Ich-Erzählung aus Sicht von Paula, die sich ohne Selbstmitleid aber mit viel Humor in die russische Familie einlebt. Bereits im Prolog lassen sich die Lachtränen kaum zurückhalten. Die Geschichte wirkt zuerst etwas überzogen, zeigt dann aber Höhen und Tiefen einer multikulturellen Beziehung auf.

Die Mentalität der Russen, die Eigenheiten der Deutschen und das Zusammenprallen beider Kulturen ist köstlich beschrieben. Wer mal wieder richtig Lachen möchte, ist bei diesem Buch genau richtig.

Daten zum Buch: Alexandra Fröhlich, Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen, Knaur Verlag, ISBN 978-3-426-51256-2




„Roter Zar“ von Sam Eastland

[von Christina Stumpf] Der amerikanische Schriftsteller Paul Watkins, hier unter seinem Pseudonym Sam Eastland, widmet sich in seinem Kriminalroman „Roter Zar“ den Geheimnissen der russischen Revolution und dem Verschwinden der Romanow Familie. Das Buch ist der erste auf Deutsch erschienene Roman in der Reihe um den finnisch stämmigen Inspektor Pekkala.
Durch die Aussage eines Augenzeuges werden Leichen in einem Bergwerksschacht gefunden. Um festzustellen, ob es sich um die Zarenfamilie handelt, benötigt Stalin den früheren Sonderermittler des Zaren, das Smaragdauge Pekkala. Nur dieser kann die Familie zweifelsfrei identifizieren und soll für Stalin herausfinden, wie die Romanows starben und vor allem, wo der legendäre Schatz verborgen liegt.

Der finnisch stämmige Inspektor Pekkala wurde nach der russischen Revolution als Zwangsarbeiter in die sibirische Taiga geschickt, in der vor ihm noch niemand überlebt hat. Als Pekkala sich 1929 auf den Deal mit Stalin einlässt, kann er noch nicht ahnen, wie viele verschwörerische Machenschaften tatsächlich hinter dem Verschwinden der Romanows stecken.

Gemeinsam mit seinem verschollen geglaubten Bruder Anton und dem jungen Kommissar Kirow kehrt er an den Ort seiner Vergangenheit zurück. Im Laufe der Ermittlungen wird klar, dass er nicht der Einzige ist, der nach dem verschwundenen Goldschatz sucht. Doch wenn er die Chance auf ein neues Leben will, hat er keine andere Wahl, denn der „rote Zar“ Stalin kennt kein Erbarmen. Ein Wettlauf auf Leben und Tod beginnt.

Die Geschichte ist vollständig im objektiven Erzählstil beschrieben und wechselt kapitelweise zwischen der Vorgeschichte von Pekkala und den aktuellen Geschehnissen. Sam Eastland beweist große Erzählkunst, da der Leser trotzdem nicht durcheinander kommt und die Spannung in beiden Teilen erhalten bleibt.

Der spannende Kriminalroman gewährt Einblicke in die Wirren der russischen Revolution. Historische Fakten und Fiktion werden phänomenal vermischt und machen den Roman zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Daten zum Buch: Sam Eastland, Roter Zar, Knaur, ISBN 978-3-426-51049-0




Fußball: Ausblick – WM 2014 Qualifikation Gruppe F mit Russland

Moskau. Die Vorzeichen sind klar: Russland will seine Tabellenführung in der Gruppe F der WM-Qualifikation in Europa am Freitag in Nordirland behaupten und nach Möglichkeit noch ausbauen. Der Cheftrainer der Sbornaja, Fabio Capello, ist zuversichtlich, erwartet jedoch eine nicht ganz einfache Aufgabe. Um die Aufstellung der russischen Start-Elf wird noch ein Geheimnis gemacht. Neues von der Sbornaja ….

Dass die russische Fußball-Nationalmannschaft in der Gruppe F der WM-Qualifikation in Europa eine führende Rolle spielen wird, war zu erwarten. Dass allerdings die Portugiesen solche Probleme haben und nach vier Runden sogar nur auf dem dritten Rang liegen, ist dann doch eine Überraschung.

 

In Ramat Gan wird schon am Freitag um 13:45 Uhr (MEZ) der WM-Qualifikations-Spieltag in Europa mit dem Match zwischen Israel und Portugal aus der Gruppe F eingeläutet. Und da muss Portugal zwingend gewinnen, wenn die Fußball-WM 2014 in Brasilien nicht in weite Ferne rücken soll. Danach empfängt Luxemburg am Abend in der Gruppe F um 20.15 Uhr (MEZ) das Team aus Aserbaidschan. Spannung verspricht dann ab 20.45 Uhr das Duell zwischen Nordirland und der russischen Nationalmannschaft.

 

Überrascht Nordirland gegen Russland?

 

Die Briten sorgten am vierten Spieltag in der Gruppe F für eine große Überraschung, als sie aus Portugal ein 1:1-Unentschieden entführten und sogar lange Zeit mit 1:0 in Front lagen. Nordirland dürfte trotzdem in dieser Gruppe keine größere Rolle spielen, doch als Stolperstein für die „Großen“ taugt Nordirland allemal. Von daher sollte auch Russlands Nationalmannschaft am Freitagabend in Belfast gewarnt sein.

 

Die Nordiren sind eine kampfstarke Mannschaft und haben auch noch Heimvorteil im Windsor Park. Favorit bleibt Russland, alleine schon wegen des bisherigen Abschneidens. Denn die Mannschaft von Fabio Capello hat bislang alle vier Partien siegreich gestalten können – auch gegen Portugal, das man mit 1:0 besiegte. Im Hinspiel in Moskau holte die Sbornaja ein 2:0 gegen Nordirland.

 

Das russische Team traf heute in Belfast ein. Von London aus, wo sich die Nationalmannschaft traf, dauerte der Flug noch 1 Stunde und 10 Minuten. Nach der Landung bezog die Mannschaft gleich ihr Hotel, welches sich auf halbem Weg zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum befindet. Äußerlich gaben die Spieler das Gefühl, dass das Team in einer guten Stimmung ist – alle lächelten. Heute Abend wird das russische Team noch eine Trainingseinheit im Stadion „Windsor Park“ absolvieren. Die Besetzung der Startelf will Fabio Capello zusammen mit Kapitän Igor Denisow morgen auf einer offiziellen Pressekonferenz bekanntgeben.

 

Portugal muss in Israel gewinnen

 

Für Portugal startete die WM-Qualifikation sehr bescheiden. In Luxemburg lag kurzzeitig sogar der „Fußballzwerg“ 1:0 vorne, am Ende retteten die Südeuropäer ein knappes 2:1 über die Zeit, bekleckerten sich dabei aber ganz sicher nicht mit Ruhm. Es folgte ein 3:0 gegen Aserbaidschan, die 0:1-Niederlag in Russland und eben das 1:1 gegen Nordirland, wodurch Israel nach einem 3:0 gegen Luxemburg sogar aufgrund der besseren Tordifferenz auf Platz zwei vorrückte. Am Nachmittag in Ramat Gan kann Portugal die Kräfteverhältnisse aber mit einem Sieg wieder zurechtrücken.

 

Spiel um das Schlusslicht

 

Lediglich darum, wer die Gruppe F der WM-Qualifikation als Tabellenletzter abschließen muss, geht es im Match zwischen Luxemburg und Aserbaidschan. Die Hausherren brauchen einen Sieg, um die Plätze mit der Mannschaft vom ehemaligen deutschen Bundestrainer Berti Vogts zu tauschen.

 

Tabelle Gruppe F

 

Team Sp S U N T GT P
Russland 4 4 0 0 8 0 12
Israel 4 2 1 1 10 5 7
Portugal 4 2 1 1 6 3 7
Nordirland 4 0 3 1 3 5 3
Aserbaidschan 4 0 2 2 2 6 2
Luxemburg 4 0 1 3 2 12 1

 

Die restlichen Spiele in Gruppe F

 

Freitag – 22. März 2013

  • Luxemburg – Aserbaidschan
  • Nordirland – Russland
  • Israel – Portugal

Dienstag – 26. März 2013

  • Aserbaidschan – Portugal
  • Nordirland – Israel

Freitag – 07. Juni 2013

  • Portugal – Russland
  • Aserbaidschan – Luxemburg

Freitag – 6. September 2013

  • Russland – Luxemburg
  • Nordirland – Portugal
  • Israel – Aserbaidschan

Dienstag – 10. September 2013

  • Russland – Israel
  • Luxemburg – Nordirland

Freitag – 11. Oktober 2013

  • Aserbaidschan – Nordirland
  • Portugal – Israel
  • Luxemburg – Russland

Dienstag – 15. Oktober 2013

  • Aserbaidschan – Russland
  • Israel – Nordirland
  • Portugal – Luxemburg



Fëdor Sologub, der „Sänger des Todes“ – Teil II

Literaturessay von Hanns-Martin Wietek (weitere Literaturessays finden Sie hier)

Nachdem in Teil I des Essays die Person Fëdor Sologub im Mittelpunkt der Betrachtungen stand, soll in diesem Teil sein Schaffen umrissen werden.

Wie alle Symbolisten betrachtet auch Sologub das Leben auf dieser Welt nicht als die einzige Form des Seins.
Die irdische Existenz ist nur ein Teil – und zwar der kleinere – des Menschen, denn er selbst ist Teil einer jenseitigen, allumfassenden Sphäre, die seinem Erkenntnisbereich entzogen ist. Nur eines ist sicher: Diese Sphäre ist vollkommen, das irdische Leben dagegen eine vorübergehende Qual. Wie ein Wurm, den Schutz der Dunkelheit suchend, den Tag flüchtend, sich in die Erde bohrend, krümmt sich der Mensch während seiner Existenz auf Erden. Die irdische Welt ist jedoch Teil des Ganzen, dessen Gesetze auch auf sie einwirken. Der Mensch kommt aus dem Metaphysischen, der Jenseitigkeit, und wird durch seinen in die Irre geleiteten Willen in die irdische Existenz gestoßen, aus der er mit dem Tode wieder ins Metaphysische entschwindet.

In der Geschichte Die Kommenden aus dem Buch der Märchen schreibt Sologub:
Niemand weiß, was kommen wird.
Aber es gibt einen Ort, wo die Zukunft durch das blaue Gewebe der Wünsche durchschimmert. Das ist der Ort, wo die noch Ungeborenen ruhen. Dort ist es schön, still und kühl. Dort gibt es keinen Kummer, und statt der Luft weht dort eine Atmosphäre reiner Freude, die den Ungeborenen das Atmen leicht macht.
Und keiner verlässt dieses Land, solange er selbst es nicht wünscht.
Dort waren vier Seelen, die in ein und demselben Augenblick auf die Erde kommen wollten.
Und im Nebel der Wünsche tauchten die vier Elemente vor ihnen auf.
Und der eine der Kommenden sprach: „Ich liebe die Erde, die weiche, warme Erde.“
Und der zweite sprach: „Ich liebe das Wasser, das ewig wogende, kühle, durchsichtige.“
Der dritte: „Ich liebe das Feuer, das lustige, helle, reinigende.“
Und der vierte: „Ich liebe die Luft, die in die Weite und in die Höhe strebt, die leichte Luft des Lebens.“
Und so geschah es.
Der erste wurde Bergmann. Einst, da er arbeitete, brach der Schacht ein und begrub ihn.
Der zweite vergoss Ströme von Tränen sein Leben lang und stürzte sich zuletzt in einen Fluss.
Der dritte verbrannte in seinem Hause.
Der vierte wurde gehenkt.
Ihr unschuldigen, reinen Elemente … Unverstand der Wollenden.
O du seliger Ort des Nichtseins, warum führt uns der Wille von dir fort?
(1)

Die Welt ist für Sologub nicht die Schöpfung eines weisen, guten Gottes, sondern ein Werk Luzifers, des gefallenen Engels. Die gleißend helle, alles verbrennende Sonne ist der böse Drache, der mit seinem heißen, Feuer speienden Odem alles verbrennt. Schutz bietet nur die Dunkelheit, in der der Mond mit seinem kalten, transzendierenden Licht scheint und die Sterne am Firmament ein Abbild der Unendlichkeit sind. Der Mensch hat noch eine unbewusste Ahnung von der Sphäre, aus der er kommt. Die Kinder – und je kleiner sie sind, um so mehr – haben in ihrer Unberührtheit und Unverdorbenheit noch ein Gespür für den jenseitigen Zustand.
Aber je älter der Mensch wird, desto mehr verliert er diese „Ahnung“, desto mehr gerät er in die Fänge der grausamen Gesetze der bösen Welt und wird teilweise selbst zu ihrem Vollstrecker. Das Leid, das ihn dabei überkommt, aber lässt ihn tief im Innersten spüren, dass nur der Tod ihn wieder dorthin bringen kann, wo die Vollkommenheit herrscht und die Gesetze des Bösen gebrochen sind. Nicht der Tod ist das Böse, das Schreckliche – das Leben ist es. Der Tod bringt das ersehnte Heil. Der Mensch ist erst dann glücklich, wenn er begreift, dass das größte Glück im Leben darin besteht, sterben zu dürfen.

Folgerichtig sind bei Sologub die Kinder – solange sie nicht von der Welt verdorben sind – die reinen und schützenswerten Wesen, und die, die sie den Gesetzen der Welt unterwerfen und ihnen dabei physische oder psychische Gewalt antun, die Verbrecher. Unbesorgt spazieren die Kinder in Sologubs Werken zunächst durch die Welt, bis sie allmählich mit ihren Gesetzen konfrontiert werden. Bestenfalls begreifen sie die Regeln nicht, unterwerfen sich dem Irdischen nicht und werden daher magisch angezogen vom Tod. Sologub geht soweit, Kindergestalten zu zeichnen, die quasi als jenseitige Wesen, sichtbar, aber fast körperlos und von den Emotionen dieser Welt unberührt, in der Welt leben. Mitunter erscheinen den Kindern gestorbene Kinder, die sie auf den „richtigen“ Weg führen, so zum Beispiel in der Novelle Raja aus den Meisternovellen. Auch Schatten, die sich durch die wechselnde Beleuchtung bewegen, symbolisieren Geistwesen, die in den reinen Kinderseelen den Wunsch nach der Unendlichkeit verstärken (Schatten, 1894).
Richten sich die Menschen aber nach den irdischen Gesetzen, verlieren sie den Hauch der Unendlichkeit und werden zu Tieren, die entweder selbst als Böse handeln oder wie Herdentiere verzweifelt umherirren. Eines seiner bekanntesten Gedichte beginnt denn auch:
„Wir sind gefangene Tiere / Klagen, so gut wir können / Fest verschlossen sind die Türen / Wir können sie nicht öffnen.” (Stich., 313) (2)

Der Prototyp des Bösen – und hier greift Sologub auf seinen reichen Erfahrungsschatz zurück – ist der Lehrer mit seinen grausamen, mittelalterlichen Erziehungsmethoden; ihn stattet er mit allen scheußlichen und gemeinen Charaktereigenschaften aus, die ihm einfallen. Er ist der oberste Verbrecher an den Kindern – und damit letztlich an den Menschen; er zerbricht und tötet die reinen Seelen.

Im Jahr 1907 veröffentlichte Sologub den Roman Der kleine Dämon (Melkij bes), der ihn schlagartig berühmt machte. In wenigen Jahren erlebte der Roman sieben Auflagen und schon 1910 bemerkte ein Kritiker, dass es nur Glückspilzen gelänge, den Roman wenigstens in einer Bibliothek auszuleihen. Sologub selbst schreibt über seinen Roman:
„Dieser Roman ist ein kunstvoll gemachter Spiegel. Ich schliff ihn lange, arbeitete beharrlich an ihm. Glatt ist die Oberfläche meines Spiegels und rein seine Zusammensetzung. Vielfach ausgemessen und sorgfältig geprüft, weist er keine Krümmung auf. Das Hässliche und das Schöne spiegeln sich in ihm gleichermaßen genau.”(3)

Der kleine Dämon, geschrieben zwischen 1892 und 1902, kommt dem realistischen Roman noch sehr nahe, was sicher zu seinem damaligen Erfolg beigetragen hat und ihn auch für heutige Leser interessant und verständlich macht; Parapsychologisches ist noch ganz klar dem Bereich des Krankhaften zugeordnet. Der Roman ist eine bitterböse Satire auf das Provinzleben der 1880er Jahre in Russland, vor allem aber auf das Erziehungssystem. Unter Sologubs Romanen ist er derjenige, der den heutigen Lesern sicher am zugänglichsten ist.
Er handelt vom Lehrer Peredonov in einer Provinzstadt, der mit allen negativen Charaktereigenschaften ausgestattet ist, die sich Sologub nur vorstellen konnte: Er ist grausam gegenüber seinen Schülern, falsch und hinterlistig, eingebildet, dumm, ein Schmeichler gegenüber Höherstehenden, der mehr und mehr einem paranoiden Wahnsinn verfällt und zum Mörder wird – er ist ekelerregend, fast pervers, das Böse schlechthin. Um diesen Sadisten, Alkoholiker, Heuchler und Denunzianten herum konstruiert Sologub das ebenso abscheuliche Leben in der Provinz. So wie Gončarovs Oblomov zum Sinnbild des faulen Russen wurde und die dazugehörige Charaktereigenschaft den Namen „Oblomovščina“ bekam oder Chlestakov aus Gogols Revizor zum Symbol für einen verschlagenen Menschen, so wurde Peredonov zum Prototyp des abscheulich ekelerregenden Menschen.
Der Geschichte um den widerlichen Peredonov stellt Sologub die Schilderung einer erotischen Beziehung zwischen einem Schüler Peredonows und einem jungen Mädchen an die Seite, die ihm damals als Pornografie angekreidet wurde.

Es ist hier leider nicht der Raum, auf weitere der durchaus lesenswerten Werke Sologubs einzugehen. Nur so viel sei gesagt: Sologub hat – besonders sprachlich – sehr schöne Novellen geschrieben (Menschen, die zu Depressionen neigen, sollten sie allerdings mit Vorsicht genießen) und er war ein hervorragender Lyriker, was naturgemäß in Übersetzungen nicht ganz so deutlich erkennbar ist. Allerdings gibt es einen kleinen Band mit dem Namen Die Teufelsschaukel, der Sologubs Gedichte in russischer und deutscher Sprache enthält, gut übersetzt und nachgedichtet von Christoph Ferber und mit einem Nachwort von Ulrich Schmid versehen.

Eine Liste aller in deutscher Sprache erschienen Werke befindet sich am Ende des Essays.
Eine Liste aller Einzelausgaben einschließlich der Übersetzungen ist hier nachzulesen (leider nur auf Russisch).
Eine ausführliche Bibliografie (ebenfalls nur auf Russisch) bietet die russische Wikipedia am Ende ihres Sologub- Artikels Библиогафия.

Sologub hat in seinem Leben viele harte Schicksalschläge hinnehmen müssen. Zwei Revolutionen hat er durchlitten; zwischenzeitlich war er so arm, dass er seine Werke, handgeschrieben und zu kleinen Büchern gebunden, selbst an Buchhändler verkauft hat; seine heiß geliebte Frau hat in einem Anfall von Depressionen Selbstmord begangen, sie hat sich in der Newa ertränkt; er litt mit seinem Volk nach der Oktoberrevolution und dem Ersten Weltkrieg Hunger und Not und er war krank.
Und plötzlich, am Ende seines Lebens, ging in ihm eine erstaunlicher Veränderung vor sich: Er, der den Teufel als seinen Vater bezeichnet und einen gütigen Gott geleugnet hat, er, der die Sonne als grässlichen Drachen angesehen, das Licht gescheut, die Nacht gepriesen und sich nichts sehnlicher gewünscht hat als den Tod, betete zum „lieben Gott“, dass er ihn noch etwas am Leben lasse, damit er die Herrlichkeit seiner Schöpfung besingen könne:
Unersättlich in Lieben und Hassen, / Hab‘ ich selbst mich zum Bettler gemacht, / … / Doch wie süß ist der Frühling auf Erden, / Wenn im Garten die Obstbäume blüh‘n, / Und wenn schimmernd im Abendrotscheine / Sich der Bach durch das Wiesengrün zieht, / … / Herr, mein Gott, der mir alles gegeben, / Kraft und Licht und das zündende Wort – / Um der Lieder, die noch in mir leben, / Nimm mich, Herr von der Erde nicht fort!(4)

Und er gab zu, den Kampf mit Gott verloren zu haben:
Du suchtest mich heim, und Leid / Hat mir die ganze Seele ausgebrannt, – / Wir streiten nicht länger, / Alles – entschieden, das Leben – vorbei.(5)

Den Anspruch, ein Mythenerschaffer zu sein, wie er es am Anfang der „Legende im Werden“ verkündet hatte, gab er jedoch bis zum letzten Augenblick nicht auf:
Ich selbst bestimmte des Spieles Regeln / Und verlor, doch will ich nicht / Zerschlagen der strengen Regeln Fesseln. / Meine Schulden werd ich zahlen. / Jedoch, vielleicht ist nichts zum Zahlen da. / Die Rechnung immer mehr vergrößernd / Mischen wir glücklos die Karten. / Der letzte Bankhalter wird kommen. / Und zum Hasard gezwungen / Zähl alles, was verblieb, / Setz alles auf die letzte Karte / Und träum von dem Gewinn, / Und wisse, dass der Falschspieler gnadenlos ist / Und dass die Rechnung gewaltig sein wird. / Und dass das Feuer aus den schwarzen Löchern seiner Augenhöhlen tödlich sengt. (6)

(1) [zitiert nach Arthur Luther: Geschichte der russischen Literatur, 1924]
(2) [zitiert nach Christa Ebert: Symbolismus in Rußland – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys, 1988]
(3) [zitiert nach Christa Ebert: Symbolismus in Rußland – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys, 1988]
(4) [zitiert nach Arthur Luther: Geschichte der russischen Literatur, 1924]
(5) [zitiert nach Christa Ebert: Symbolismus in Rußland – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys, 1988]
(6) [zitiert nach Christa Ebert: Symbolismus in Rußland – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys, 1988]

Literatur:
In deutscher Sprache erschienene Werke von Fëdor Sologub:

Schwere Träume (Roman , einzige autorisierte Übersetzung aus dem Russischen von Alexander Brauner), Leipzig: Zieger, 1897
Schatten (Erzählung, übersetzt von Alexander und Clara Brauner), Wiener Verlag, 1900
Das Buch der Märchen (übersetzt von Johannes von Guenther), München: von Weber, 1908
Der kleine Dämon (Roman), München: Musarion Verlag, 1919
Totenzauber. Eine Legende im Werden (Roman in fünf Teilen, zwei Bände, übersetzt von Fega Frisch), München: Georg Müller, 1913
Der Kuss des Ungeborenen und andere Novellen (übersetzt von Alexander Eliasberg), Weimar: Kiepenheuer, 1918
Kleine politische Fabeln und Märchen (nacherzählt von C. K. Roellinghoff), München: Georg Müller, 1921
Süsser als Gift (Roman, übersetzt von Fega Frisch), München: Musarion, 1922
Meisternovellen (übersetzt von Alexander Eliasberg. Zürich: Manesse, 1960 (enthält: Der Kuss des Ungeborenen / Der Stachel des Todes / Raja / In der Menge / Die weiße Birke / Der Weg nach Emmaus / Die trauernde Braut / Die klugen Jungfrauen / Der Weg nach Damaskus)
Der kleine Teufel (Roman), München: Winkler, 1969
Der kleine Dämon (Roman, übersetzt und herausgegeben von Eckhard Thiele), Leipzig: Reclam, 1980
Der flammende Kreis (Gedichte, ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber. Sächseln/Schweiz: C. Ferber, 1983
Tod per Zeitungsannonce (im gleichnamigen Sammelband russischer Erzählungen, herausgegeben von Elisabeth Cheaure), Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1983
Der vergiftete Garten: Phantastisch-unheimliche Geschichten (übersetzt von Eckhard Thiele), Berlin: Buchverlag Der Morgen, 1988
Der kleine Dämon (Roman, übersetzt von Reinhold von Walther), Frankfurt am Main: Insel,1989
Der kleine Dämon (Roman, übersetzt und herausgegeben von Eckhard Thiele), Frankfurt am Main: Fischer, 1990
Der vergiftete Garten: Phantastisch-unheimliche Geschichten. Frankfurt am Main: Fischer, 1990
Die Teufelsschaukel (Gedichte in russischer und deutscher Sprache , übersetzt von Christoph Ferber, mit einem Nachwort von Ulrich Schmid), Zürich: Pano, 2002
Die trauernde Braut (Erzählungen), Bremen: Europäischer Hochschulverlag, 2010

Weiterführende Literatur
Düwel, Wolf/ Grasshoff, Helmut [Hrsg]: Geschichte der russischen Literatur von den Anfängen bis 1917 (in zwei Bänden), 1986
Ebert, Christa: Symbolismus in Rußland – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys, 1988
Eliasberg, Alexander: Russische Literaturgeschichte in Einzelporträts, 1922
Kasack, Wolfgang [Hrsg.]: Hauptwerke der russischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationen, 1977
Lauer, Reinhard: Geschichte der russischen Literatur – von 1700 bis zur Gegenwart, 2000
Luther, Arthur: Geschichte der russischen Literatur, 1924
Wischer, Erika [Hrsg.]: Propyläen Geschichte der Literatur, in sechs Bänden, 1988




Russlandreise zur Stalinzeit

Im Jahr 1947 – Stalin saß fester im Sattel denn je – bereisten die beiden amerikanischen Reporter John Steinbeck und Robert Capa die Sowjetunion. Ihr bemerkenswerter Reisebericht ist nun unter dem leider etwas unauffälligen Titel „Russische Reise“ erneut als Taschenbuch erschienen.

Es ist die Zeit des beginnenden radikalen Antikommunismus in den USA. Die UdSSR wandelte sich Ende der 40er Jahre in dortigen Bild gerade vom ehemaligen Verbündeten zum „Reich des Bösen“. Gerade deswegen brechen Steinbeck und Capa dorthin auf und wollen das Russland abseits der Politik entdecken.

Genau das gibt ihnen die Möglichkeit, Russland, die Ukraine und Georgien auf eine offene Art und Weise zu bereisen, wie es einem politischen Journalisten zur Zeit Stalins nie und nimmer möglich gewesen wäre. Zwar kritisch beäugt, jedoch mit viel Bodenhaftung und echtem Bevölkerungskontakt geht es für die beiden von Moskau nach Stalingrad, Kiew, Georgien und sie schaffen es, eine echte Brücke zwischen den neuen Feinden zu schlagen, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen.

Steinbeck und Capa sind keine gläubigen Kommunisten und wahren im Gegensatz zu offiziellen Delegationen der kommunistischen Bewegungen durchaus eine kritische Distanz. Diese jedoch ohne die tumben Antikommunismus ihrer Landsleute, sondern mit Offenheit und größtmöglicher Objektivität. Was sie negativ erleben, schildern sie auch so, versuchen jedoch die Zusammenhänge und Hintergründe des Erlebten zu erforschen und zu verstehen. Anders als oberflächliche Moskau-Journalisten das damaligen (und heutigen) Zeit gelingt ihnen so ein tieferer Blick in das Russland hinter dem „bösen“ Kreml.

So entsteht die damalige UdSSR vor dem Auge des Lesers erstaunlich real. Und dem Russland-kundigen Reisenden wird manches bekannt vorkommen, was sich bis heute als russische Eigenart bewahrt hat, etwa bei erlebten Feiern oder auch im Straßenverkehr. Hier ist zu spüren, dass Steinbeck („Früchte des Zorns“, „Von Mäusen und Menschen“) nicht nur Reporter, sondern ein talentierter Schriftsteller ist, der übrigens später im Jahr 1962 den Literaturnobelpreis bekam. Seinem Begleiter Capa, der sich in Russland als notorischer Bücherdieb erweist, blieben solche Ehren verwehrt, da er 1954 als Fotojournalist im Indochinakrieg umkommt. Von ihm stammen auch zahlreiche Originalfotos im Buch. Gerade das Dasein als Schriftsteller kommt Steinbeck auf seiner Reise übrigens zugute, denn er spürt überrascht, dass Schriftsteller in der Sowjetunion im Gegensatz zu den USA ein hohen Ansehen genießen.

Von der Reisehandlung soll nicht zu viel verraten werden. Nur so viel. Abenteuerliche Flüge, Autofahren, Dauerfeiern und ein isoliertes Ausländermilieu in Moskau sind dabei. Wie gesagt, so manches hat sich in Russland seitdem stark gewandelt, aber so einiges eben nicht. Man erfährt auch einiges über die direkte russische Nachkriegszeit, in der vieles noch durch die Zerstörung der deutschen Invasion in Schutt und Asche lag und mühsam wiederaufgebaut wurde. Gerade in Deutschland vergisst man gerne, dass nicht nur das eigene Land zu dieser Zeit in Trümmern lag und die Trümmer anderswo deutschen Ursprungs war. Das Mitleid mit den zerlumpten, aufräumenden deutschen Kriegsgefangenen, die das selbst angerichtete Chaos wieder beseitigen, hält sich übrigens bei den beiden Journalisten in Grenzen. Interessant sind auch ihre Spekulationen über Stalins Nachhall nach seinem Tod, mit denen sie völlig falsch liegen.

Alles in allem ist „Russische Reise“ ein absolutes Muss für alle, die selbst ein Fable für Russlandreisen haben und einem solch einen Trip in einer völlig anderen Epoche hautnah miterleben wollen.

Daten zum Buch: John Steinbeck, Robert Capa – Russische Reise – mit 69 Fotografien von Robert Capa, Unionsverlag Zürich, 2013; ISBN 978-3293206007




Olympische Fackel in Hannover

Hannover. Unter den über 100 Firmen, mit denen das diesjährige Partnerland Russland auf der Hannovermesse vertreten ist, sind neben den bekannten großen Gesellschaften, wie Gasprom, Rosneft, TMK, Rosnano, Ural Wagon Zavod diesmal zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen. Ihre Teilnahme wurde durch das Ministerium für Industrie und Handel der RF unterstützt.

Zu den Exponaten der russischen Ausstellung gehören die olympische Fackel für die Winterspiele in Sotschi 2014, der Joystick für die Steuerung eines Raumschiffs vom Typ „Energija“, der neueste Diesel-Kerosin-Flugzeugmotor RedAirCraft und ein Exemplar des modernsten U-Bahn-Zuges aus dem Gemeinschaftsunternehmen von UralWagonZavod und Bombardier.

 

Im Mittelpunkt der russischen Beteiligung steht das Forum „Globales Industrie-Design“, bei dem führende Schulen für Industriedesign aus Russland und Europa auf dem zentralen Stand Russlands ihre neuesten Entwicklungen sowie die effektivsten und originellsten Designlösungen vorstellen und die aktuellen Tendenzen des Industriedesigns diskutieren.

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Seminar zum Thema „Deutsch-russische Zusammenarbeit bei der Entwicklung, der Produktion und Anwendung von Verbundwerkstoffen.