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Monat: August 2016 - russland.NEWS - russland.TV

Mein Moskau [13] – Welches ist die höchstgelegene Stelle in Moskau?

[Hanns-Martin Wietek] Dies ist das dreizehnte Kapitel der Geschichte eines zweifachen Aufbruchs – eines persönlichen und eines Volkes –, erlebt und geschrieben in den Jahren 1992 und 1993.

Nachdem diese Geschichte jetzt schon Geschichte geworden ist, habe ich mich entschlossen, sie unverändert zu veröffentlichen – auch wenn ich das eine oder andere heute anders schreiben würde.

Vielleicht trägt die Geschichte dazu bei, dass die Menschen des Westens die russischen Menschen besser verstehen.

Die einzelnen Abschnitte erscheinen in loser Folge.
Alle Folgen finden Sie hier.

 

Dieses Gespräch, oder besser gesagt Piotrs Erklärungen, haben mich so gepackt, dass ich darüber vollkommen die Zeit vergessen habe. Natascha kommt herein und bietet Tee an.

Ich muss mich richtig fragen, wo ich bin; ich tauche aus einer anderen Ebene wieder in die praktische Gegenwart auf.

„Hans, lass unsere Gedanken nicht, zu tiefsinnig werden, lass uns Tee trinken; ich erzähle dir noch einen Witz:
Zu Chruschtschows Zeiten, als einmal für kurze Zeit Tauwetter in unserem Land herrschte, geschah Folgendes:

In einem Moskauer Gerichtsgebäude kommt ein Richter aus einem Sitzungssaal und lacht fürchterlich, er schüttelt sich schier vor Lachen. Draußen auf dem Gang begegnet er einem Richterkollegen, der natürlich wissen will, was los ist.
Mit Tränen in den Augen vor lauter Lachen sagt ihm dieser „Ich habe gerade einen Witz gehört, der war das Beste, was ich je gehört habe.“
Sein Kollege will natürlich sofort den Witz hören; aber der andere winkt lachend ab:
„Geht nicht, ich habe dafür gerade 20 Jahre Sibirien gegeben.“

Und noch einen, Hans?
Welches ist die höchstgelegene Stelle In Moskau?
Weißt du nicht? Natürlich die Keller in der berüchtigten Lubjanka:
Von dort kann man bis nach Sibirien schauen.“

Und da sagt man. die Engländer seien die Erfinder des schwarzen Humors!

Die Persönlichkeit von Piotr hat mich derartig gefangen genommen, ich bin wie unter Drogen, ich kann nicht aufhören, ich muss ihm noch weitere Fragen stellen.

„Was ich nicht verstehe, Piotr, wie kommt es, dass du so gut, grammatikalisch richtig, Deutsch sprichst? Das kann nicht daran liegen, dass du irgendwann einmal Deutsch gelernt hast, du musst lange Deutsch gesprochen haben, um so perfekt zu sprechen, ja ich glaube, du denkst auch in Deutsch.“

„Vielen Dank für dein Lob, Hans; ich glaube, dazu muss ich dir meine Geschichte erzählen, eine Geschichte, die gar nicht so einzigartig ist, und von der du vieles auch auf andere Menschen bei uns übertragen kannst: Wie ich vorhin schon gesagt habe, ich bin jetzt 75 Jahre alt; ich stamme aus einer Familie alter russischer Intelligenz, wie man bei uns sagt. Mein Vater war Professor für Kunstgeschichte an der Moskauer Universität; aber ich will nicht zu weit zurückgehen.

Ich habe Geschichte studiert. Der Krieg, den ich von Anfang bis Ende mitgemacht habe, hat meine damaligen Zukunftspläne zerstört. Im Krieg sind meine beiden Brüder gefallen; die Familie meiner Mutter, sie waren Juden und lebten in Weißrussland, sind im KZ umgekommen; nach dem Krieg ist dann mein Vater einer stalinistischen „Säuberungsaktion“ zum Opfer gefallen, was meine Mutter nur wenige Monate überlebt hat. Da ich mich schon während meines Studiums – die deutsch-russischen Beziehungen haben mich schon immer interessiert – mit der deutschen Sprache beschäftigt hatte, landete ich nach dem Krieg in der späteren DDR. Wie es trotz meines politischen „Familienmakels“ dazu kam, dass ich im diplomatischen Dienst landete, kann ich dir nicht sagen. Bis 1965 war ich an der sowjetischen Botschaft in der DDR und danach bis zu meiner Pensionierung im Außenministerium.

Meine eigentlich Liebe war und blieb die Geschichte; das und wahrscheinlich doch mein politisches „Familienmakel“ sorgten dafür, dass ich auf der sogenannten Erfolgsleiter nicht sehr weit nach oben kam. Ich war natürlich in der Kommunistischen Partei solange es notwendig war, benutzte meinen Beruf aber letztlich dazu, ungehindert durch die Wirren der Zeit zu kommen, und habe mich, wann und wo es immer ging mit Geschichte und Literatur beschäftigt.“

„Deine Erklärungen, Piotr, haben bei mir ehrlich gesagt mehr Fragen aufgeworfen, als dass sie beantwortet hätten.
Deine Familie hat, wie du gerade gesagt hast, doch grausam unter den Deutschen gelitten. Wie kommt es, dass du nicht, nur keinen Hass, sondern sogar eine gewisse Zuneigung zu den Deutschen verspürst – wie ich überhaupt erstaunt bin, wieviel Sympathie mir entgegengebracht wird, wenn ich mich als Deutschen zu erkennen gebe; ich hatte zumindest mit Zurückhaltung, wenn nicht gar mit Ablehnung gerechnet.

Wenn ich bedenke, wie für Russland die Bilanz des zweiten Weltkrieges ausgesehen hat:
20 Millionen Tote, über 1.700 ganz oder teilweise zerstörte Städte, 70.000 ebenso zerstörte Dörfer, 25 Millionen Obdachlose, allein der materielle Schaden betrug damals 679 Milliarden Rubel!!, so habe ich jedenfalls gelesen. Das heißt doch, dass es wohl keine Familie in Russland gibt, die nicht direkt oder indirekt unter den Deutschen gelitten hat!
Und trotzdem schlägt mir fast überall Sympathie entgegen; und es ist echte Sympathie und kein berechnendes Interesse!
Ich verstehe das nicht!“

„Hans, was gibt es daran nicht zu verstehen?
Du warst das damals ja sicher nicht, deine Generation war es ebenfalls nicht, aber darüber hinaus waren es doch auch nicht „die Deutschen“, es waren die Hitler-Faschisten mit ihrem Machtapparat, die dieses Leid und Unglück zu verantworten hatten.“

„Wenn das die allgemeine Einstellung zu den damaligen Ereignissen bei euch ist, Piotr, dann seid ihr zu beneiden.
Euch ist dann etwas gelungen, was wir Deutschen, wenn wir ehrlich sind, bis heute nicht geschafft haben.
Wir tragen zwar unser Haupt heute auch nicht in Trauer und Asche, aber ein ungutes Gefühl haben doch wohl die meisten, zumindest noch die meiner Generation, wenn sie an diese Zeit denken; und dieses „ungute Gefühl“ kommt aus einem unterbewussten Schuld komplex.“

„Das alte Leid der Deutschen, in allem vollkommen sein zu wollen! Ich verallgemeinere ungern, aber das ist sicher ein typisch deutscher Charakterzug.
Weshalb gelingt es uns so gut zu unterscheiden? Betrachte dir doch einmal unsere Geschichte.
Das russische Volk, der russische Mensch, ist in seiner ganzen langen Geschichte noch nie frei gewesen; es hat immer mehr oder weniger stark unter irgendwelchen Herrschern gelitten.
Ich meine damit nicht die Zeiten der Fremdherrschaft, wie unter den Mongolen, nein, ich meine die eigenen sozusagen legitimen Herrscher des Volkes, die Zaren, Fürsten, Adeligen, die Gutsbesitzer – denke an Alexander Puschkins Roman „Dubrowskij“, wie dort die Menschen eines Dorfes, die „Seelen“, genau wie das Stück Vieh per Gerichtsbeschluss in den Besitz des neuen Gutsbesitzers übergehen.
Aber auch nach der Revolution hat sich nichts geändert: der Traum vom freien Menschen – und zu mehr als einem Traum ist es nie gekommen – war sehr schnell ausgeträumt; der Tyrannei der Revolutionäre folgte nahtlos die Diktatur Stalins, eine so menschenverachtende Diktatur, wie zu den Zeiten der „Goldenen Horde“ verbunden mit einem Personenkult, wie es ihn nur zur Blütezeit des Absolutismus gab.
Nach Stalin ist es nicht viel besser geworden: die schlimmsten Triebe der Willkür eines einzelnen Herrschers sind zwar beschnitten worden, dafür hat aber ein unmenschlicher anonymer Machtapparat die Menschen nach eigenem Gutdünken verwaltet.
Und die, die diese körperlichen, geistigen und seelischen Grausamkeiten verübten, waren immer die Angehörigen unseres eigenen Volkes!!

In unserem Volk ist daher im Lauf der Jahrhunderte die Einstellung, das Gefühl gewachsen: wir sind zwar ein Volk, aber das eine sind Die-da-oben und das andere sind wir; was Die-da-oben machen, dafür sind wir nicht verantwortlich.

Als wir vorhin darüber sprachen, dass heute die Bevölkerung leider allzu schnell bereit ist, die Schuld für die wirtschaftliche Misere bei den Reformpolitikern zu suchen, waren das die negativen Auswirkungen dieser Einstellung; die positive Seite ist, dass auch einem anderen Volk, in diesem Fall euch Deutschen, zugestanden wird, dass nicht das Volk, sondern eben Die-da-oben, die Machthaber, die Faschisten das Leid verursacht haben, das über unser Volk gekommen ist.

Vielleicht haben auch, und das wäre ein Grund, der dir als Westdeutschem vielleicht nicht ganz so gefallen wird, „unsere – heute muss ich sagen ehemaligen – sozialistischen Brüder“ in der ehemaligen DDR diese Einstellung kräftig unterstützt: Um im sozialistischen Lager als gleichwertig anerkannt zu werden, haben sie sich lautstark und bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit immer wieder von Hitler-Deutschland und den Nazis distanziert; nach dem Motto ’schaut her, wir sind das Volk der guten Deutschen, wir haben mit diesen nichts zu tun gehabt‘.

Sie wollten zwar auf diese Weise die Bundesrepublik mehr oder weniger in die Nachfolge des Naziregimes stellen, was ihnen nicht gelungen ist, haben damit aber genau das Gefühl der russischen Menschen getroffen.

Aber der wichtigste Grund, der leider in den vergangenen Jahrzehnten des kalten Krieges und der ideologischen Polarisierung vollkommen verschüttet und vergessen worden ist:
Die Beziehungen zwischen unseren Ländern sind schon über tausend Jahre alt!

 




Russland-Sanktionen rücken auf den Prüfstand

[Von Ralf Streck] – Außenminister Steinmeier will zudem von „einer Phase der Konfrontation“ zu einem „belastbaren Verständnis gemeinsamer Sicherheit“ kommen.

Schon im Mai warf Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in die Debatte, bevor die umstrittenen Russland-Sanktionen im Juni erneut verlängert wurden, dass Widerstände gegen weitere Strafmaßnahmen wachsen würden. Das änderte zunächst an der Haltung in Europa nichts. Nachdem Steinmeier im Juni nachgesetzt hatte und sogar vor einem „Säbelrasseln“ gegenüber Russland warnte, legt er nun erneut nach und erklärte, man könne „sich Russland nicht wegwünschen“. Während Merkel von Maximalpositionen abrückt, wirbt er für eine Deeskalation und für einen neuen Vertrag zur Rüstungskontrolle, für „Transparenz, Risikovermeidung und Vertrauensbildung“.

Es ist nun gut zwei Jahre her, seit erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt worden sind (Sanktionen gegen Russland werden verhängt). Das geschah genau zwölf Tage nach dem mutmaßlichen Abschuss von Malaysia Airlines Flug MH17 über dem Osten der Ukraine. Diese Sanktionen waren stets schwer umstritten, sie wurden aber eine gewisse Zeit trotz allem von der EU immer weiter ausgeweitet (EU dreht weiter an der Sanktionsschraube gegen Russland). Dabei war ohnehin stets sehr fraglich, ob Russland sich davon tatsächlich beeindrucken lassen würde. Diese Frage kann zwei Jahre später klar mit einem Nein beantwortet werden.

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Usbekistan – Ein langjähriger Partner

Mit Sorge beobachten deutsche Außenpolitiker den beginnenden Machtkampf um die Nachfolge des schwer erkrankten usbekischen Staatspräsidenten Islam Karimow. Karimow stand für eine Außenpolitik, die Usbekistan zwischen West und Ost zu positionieren suchte. Zu den Kräften, die nun in Taschkent an die Macht drängen, gehören auch solche, die eine vorrangige Orientierung nach Russland anstreben. Die Ausrichtung des bevölkerungsreichsten zentralasiatischen Landes ist nicht zuletzt von Bedeutung, weil Berlin und die EU sich zur Zeit einmal mehr bemühen, Erdgaslieferungen aus Zentralasien an Russland vorbei in die EU zu ermöglichen. Usbekisches Gas käme dafür auch in Frage. Zu Karimows repressivem Regime unterhält die Bundesregierung seit vielen Jahren enge Beziehungen auf politischem, wirtschaftlichem und militärischem Feld. Zuletzt hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei seiner Zentralasienreise im April dieses Jahres Usbekistan zu einem „Schlüsselland“ der Berliner Außenpolitik in der Region erklärt. Folter durch die usbekischen Repressionsbehörden und das Massaker von Andijan im Mai 2005, bei dem Polizisten und Militärs hunderte Demonstranten umbrachten, standen der Berliner Kooperation mit Taschkent nie entgegen.

Das Massaker von Andijan

Hatten die westlichen Mächte nach dem Zerfall der Sowjetunion zunächst auf engere Kooperation mit Usbekistan gesetzt, um die Trennung des Landes von Moskau unumkehrbar zu machen, so zeigten sich Ende der 1990er Jahre gravierende Brüche. Im Jahr 2000 schloss der Internationale Währungsfonds (IWF) sein Büro in der usbekischen Hauptstadt; die Regierung habe sich zu wenig „reformbereit“ gezeigt, hieß es zur Begründung.[1] Nach dem 11. September 2001 erhöhten die NATO-Staaten allerdings ihre Präsenz in Zentralasien – und dabei wurden sie auch in Usbekistan wieder stärker aktiv. Bereits 2002 eröffneten das US-Militär und die deutsche Bundeswehr Militärstützpunkte in Usbekistan, die Regierung in Taschkent schloss ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten und zeigte sich gegenüber dem IWF wieder zu größeren Zugeständnissen bereit. Auf westlichen Druck hin führte Islam Karimows autoritäre Regierung Wirtschaftsliberalisierungen durch, die einer der Gründe waren, warum es im Jahr 2005 zu einem Aufstand in der südusbekischen Stadt Andijan beitrugen.[2] Am 13. Mai 2005 schlugen usbekische Repressionskräfte den Aufstand mit einem Massaker an Hunderten Demonstranten nieder; die genaue Zahl der Todesopfer ist bis heute unbekannt.

Mehr und weniger Kritik

Die US-Regierung übte damals scharfe Kritik an der Reaktion Taschkents. Daraufhin kündigte die usbekische Regierung das Truppenstationierungsabkommen mit den USA; die US-Truppen mussten aus dem südusbekischen Karshi-Khanabad abziehen. Die deutsche Regierung hingegen hielt sich mit offener Kritik zurück und die Bundeswehr konnte den Strategischen Lufttransportstützpunkt Termez weiterhin nutzen. Darüber hinaus kam die deutsche Regierung usbekischen Wünschen entgegen, indem sie die Finanzierung der Bundeswehr-Militärbasis nicht offenlegte – auch dies im Gegensatz zu den USA.[3]




Finnland plant nächtliche Schliessung des Grenzübergangs Imatra

Die geplante nächtliche Stilllegung des Grenzübergangs Imatra-Swetogorsk hat für einen Aufschrei im Transport- und Tourismusgewerbe gesorgt. Man findet, Finnland würde sich damit selber schaden, und in der jetzigen Krise sollten die Politiker den russisch-finnischen Grenzverkehr eher ankurbeln, statt ihn einzuschränken.

Der Grenzverkehr hat seit dem Beginn der Krimkrise und der Einführung des Lebensmittelembargos von russischer Seite drastisch abgenommen. Die überfüllten Busse mit Russen, die ihre Einkäufe in Lappeenranta, Imatra und Tampere erledigten, sind selten geworden. Immer öfter kommen jetzt Finnen auf Shopping-Tour ins russische Wyborg, um vom billigen Rubelkurs zu profitieren.

Auch die Reisefreudigkeit der Russen, die früher mit Billigflügen aus den grenznahen finnischen Flughäfen in die ganze Welt flogen, hat dramatisch abgenommen. Billigflieger wie Ryanair haben ihre Flüge gestrichen, doch die Bedeutung von Helsinki als „Sprungbrett“ für russische Passagiere ist immer noch gross. Darum machen diese immer noch einen Grossteil der nächtlichen Grenzgänger aus.

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Putin, Hollande und Merkel besprechen Ukraine-Frage in Hangzhou

Der russische Präsident Wladimir Putin wird am Rande des G20-Gipfels in der Stadt Hangzhou in China einzeln mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatschef François Hollande über die Ukraine-Frage sprechen. Das teilte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow am Dienstag in Moskau mit.

Nach Ushakow werden sich Putin und Merkel am 5. September treffen, während das Gespräch mit Hollande bereits am Tag zuvor stattfindet.

China Radio International.CRI




In den USA wird die Angst vor russischen Hackern geschürt

[Von Florian Rötzer] – Nach dem Einbruch in Computer der Demokratischen Partei sollen mit den Geheimdiensten verbundene russische Hacker amerikanische Think-Tanks angegriffen haben.

Im Juni berichtete die Sicherheitsfirma CrowdStrike, die von der Demokratischen Partei beauftragt wurde, den Einbruch in die Computernetzwerke des Democratic National Committee (DNC) zu untersuchen, dass es mutmaßlich zwei bereits bekannte russische Hackergruppen gewesen seien. Fancy Bear und Cozy Bear (APT29) sollen es nach den ermittelten und als „hochentwickelt“ bezeichneten Methoden und Werkzeugen gewesen sein, erstere soll für den russischen Militärgeheimdienst GRU, letztere für den FSB arbeiten.

Kurz darauf meldete sich aber ein Hacker namens Guccifer 2.0, der es gewesen sein will – ganz alleine. Sein Name spielt auf einen rumänischen Hacker an, der sich 2013 in die Mailkonten der Bush-Familie gehackt hatte. Guccifer 2.0 offerierte angeblich vom DNC stammende Dokumente und bedankte sich bei Crowdstrike, dass seine Vorgehensweise als „hochentwickelt“ angepriesen wurde. Es sei allerdings sehr einfach gewesen, es wäre kein Wunder, wenn auch andere Hacker dort eingedrungen wären. Zudem machte er sich lustig über die Kompetenz von Crowdstrike, da er ein Jahr lang unbemerkt im Netzwerk gewesen: „I guess CrowdStrike customers should think twice about company’s competence. Fuck the Illuminati and their conspiracies!!!!!!!!! Fuck CrowdStrike!!!!!!!!!“ Es sei für Crowdstrike viel einfacher, mächtige ausländische Geheimdienste zu beschuldigen, als einräumen zu müssen, dass es sich nur um einen einzelnen Hacker handelt.

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Putins Lieblingsessen [Video]

Eine ganze Flut von Veröffentlichungen gibt es im russischen Internet über die Essensgewohnheiten des langjährigen Präsidenten Putin.

Wir haben einmal die seriösesten und interessantesten ausgewertet und sind dabei sogar auf einen Trend gekommen, nach dem zukünftige Putin-Gastgeber getrost ihre Menüs für den gehobenen Besuch ausrichten können. Wir erfahren dabei vom immer gleichen Frühstück ebenso wie von den bevorzugten Gerichten und Sorten sowie verraten, wo man ein originales Putin-Menü nachessen kann – so wie es der Herr in jüngeren Jahren oft bestellt hat.




Eine Kolumne von Daria Boll-Palievskaya. Heute: Und glauben der bösen Propaganda

Die spinnen, die Russen. Sie essen Eis bei minus 30 Grad, trinken Wodka aus der Flasche und schlagen sich gegenseitig mit Birkenzweigen in der Sauna. Das weiß ja jedes Kind. Und sie fallen allesamt auf die Propaganda der von Putin gesteuerten Medien rein.

Die Geschichte mit der Krim zum Beispiel. Man weiß ja, dass Russland diesen Teil eines fremden Landes annektiert hat. Und man weiß es ja deshalb, weil hier zulande immer wieder von der Annexion von Krim gesprochen wird. Und wenn es in den 20.00 Uhr Nachrichten jedes Mal die „Annexion der Krim“ heißt, dann ist es so. Denn wenn etwas oft genug wiederholt wird, wird es dadurch wahr. Oder etwa nicht? Egal, was die Russen über das Referendum erzählen, bei dem 97% der Krimbevölkerung für den Austritt aus der Ukraine waren. Oder dass laut dem amerikanischen Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center 91% der befragten Einwohner der Meinung waren, dass das Referendum frei und fair verlaufen ist. Oder Argumente von Völkerrechtlern, die nicht vor der Annexion, sondern von einer Sezession sprechen. Die Russen behaupten sogar, die Halbinsel sei das ureigene russische Land, das Chruschtow 1954 der damals zu der Sowjetunion gehörenden Ukraine geschenkt hat. Und zwar anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Zugehörigkeit der Ukraine dem russischen Staat. Alles Propaganda. Außerdem, warum argumentieren die Russen immer mit Geschichte? Ja, klar, dieses „Geschenk“ war in keiner Weise rechtens und hat gegen die sowjetische Verfassung verstoßen. Aber was hat das alles mit der heutigen Situation zu tun? Diese ewigen „warum und weshalb“. Und aus der Geschichte hat man sowieso noch nie gelernt.

Oder nehmen wie jetzt den Ausschluss der russischen Mannschaft von Paralympics in Rio. Es gibt zwar genau drei (3) juristisch bewiesene Fälle des Dopingmissbrauchs bei den behinderten Sportlern in Russland in den letzten vier Jahren, aber wer interessiert sich schon für solche Kleinigkeiten, bewiesen oder nicht! Verdächtigt – das ist das Wesentliche! Der McLaren-Report konnte zwar keine konkreten Beweise für die Verstöße der russischen Mannschaft vorlegen (ganz davon abgesehen, dass es sich dabei gar nicht um die Paraolympische Sportler handelte), aber der ganzen Welt ist klar, es steckt ein System dahinter. Und zwar das System Putin!

Man kann wirklich froh darüber sein, dass die Medien in Deutschland immer unabhängig und unpartaisch über Russland berichten. Zum Beispiel diese Sendung auf einem Nachrichtensender, wo es darum ging, dass die Strände auf der Krim leer bleiben. Laut aktuellen Zahlen, haben vier Millionen Touristen Krim besucht, das sind 26% mehr, als im Jahre 2015. Aber das ist natürlich die russische Statistik, und sie kann nur gefälscht sein. Eine Freundin von mir aus Moskau hat zwar ihren Urlaub auf der Krim verbracht.  Und ihre entfernten Verwandten auch. Sie berichteten über volle Hotels und Restaurants. Kann aber nur um eine Momentaufnahme gehandelt haben.

Apropos Urlaub und Sommer. Dieser Sommer war in Russland der heißeste seit 150 Jahren. In Moskau herrschten fast den ganzen Juli und die erste Augusthälfte tropische Temperaturen über 33 Grad. Höchstwahrscheinlich handelte es sich wieder um Putins Propaganda. Denn jedem normaldenkenden Menschen in Deutschland ist klar, dass Russland gleich Sibirien ist, und in Sibirien liegt ja immer Schnee!

Mehr Kolumnen von Daria Boll-Palievskaya  hier >>>




Donbass: Meinungsumschwung in Russland? [Video]

Der Donbass und Ukraine-Konflikt ist in Russland nach wie vor ein größeres Thema als in Mitteleuropa.

Aktuelle Umfragen weisen aber auf einen Stimmungsumschwung hin: Die Menge der Russen, die meinen, das eigene Land solle sich im Konflikt neutral verhalten, wächst, für eine Aufnahme der Rebellengebiete in die Russische Föderation oder die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit sind weniger als noch Anfang 2015. Ungeteilte Unterstützung genießt hingegen weiter jede humanitäre Hilfe für Donezk und Lugansk – über zahlreiche ukrainische Flüchtlinge überall in Russland sind die Russen über die schlechte Versorgungssituation vor Ort im Bilde. Eine Sache ändert sich jedoch nicht: Die negative Meinung der russischen Bevölkerung über die Zustände im Nachbarland unter der Euromaidan-Regierung in Kiew. Alle Aussagen in diesem Video basieren auf repräsentativen Umfragen des Instituts WZIOM im August 2016.




Mein Moskau [12] – Unerwartete Erkenntnisse

[Hanns-Martin Wietek] Dies ist das zwölfte Kapitel der Geschichte eines zweifachen Aufbruchs – eines persönlichen und eines Volkes –, erlebt und geschrieben in den Jahren 1992 und 1993.

Nachdem diese Geschichte jetzt schon Geschichte geworden ist, habe ich mich entschlossen, sie unverändert zu veröffentlichen – auch wenn ich das eine oder andere heute anders schreiben würde.

Vielleicht trägt die Geschichte dazu bei, dass die Menschen des Westens die russischen Menschen besser verstehen.

Die einzelnen Abschnitte erscheinen in loser Folge.
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Am frühen Nachmittag kommt Nataschas Onkel, Pjotr Petrowitsch Popov.

Ein großer, schlanker, fast weißhaariger Mann; ich schätze ihn Anfang der Sechziger; er ist gut angezogen, wirkt sportlich; wie er sich bewegt, wie er spricht, erinnert er an einen Diplomaten der alten Schule. Sein Gesicht strahlt Güte, Freundschaft, Wissen, aber auch Humor aus. Er gehört ganz gewiss zu den Menschen, die aufrichtig über sich selbst lachen können, auch wenn man ihm anmerkt, dass er schon frohere Zeiten gesehen hat.

Seine Augen fesseln mich.

Sie sind von einer abgründigen Tiefe, man kann darin versinken, ins Bodenlose fallen; ich habe das Gefühl, die gesamte russische Geschichte mit allem Freud und Leid blicken mich an; es ist aber auch ein wissender, scharfer Blick, aber nicht von der Schärfe, die durchbohrt, zerschneidet, sondern die durchdringt, aufsaugt und dahinter schaut in Güte.

Er spricht wirklich fließend Deutsch aber mit russischem Akzent. Das klingt nicht nur sehr angenehm in meinen Ohren, sondern es hat für mich auch den Vorteil, dass ich in unserem Gespräch nie vergesse, dass ich mit einem Russen spreche.

Auch diese Begrüßung ist herzlich, als ob sich alte Bekannte, die sich lange nicht mehr gesehen haben, wieder treffen; dabei habe ich wirklich das Gefühl, wir kennen uns schon immer und waren nie getrennt.

Wir stellen uns einander vor.

Er bittet aber gleich, dass ich ihn Pjotr nenne, er möchte mich Hans nennen -mit dem „Hans“ hat er etwas Schwierigkeiten, es wird anfangs immer ein „Chans“ oder „Gans“ daraus – und bittet bei dem altvertrauten russischen „Du“ bleiben zu dürfen, denn unser deutsches „Sie“ gehe ihm so schwer von den Lippen.
Ich lache, und sage ihm, dass ich darüber nur froh sein könne, denn „Pjotr Petrowitsch Popov“ sei für mich der reinste Zungenbrecher.

Und schon sind wir mitten im Gespräch, einem Gespräch, das sich mir nahezu als Offenbarung erweisen sollte.

Der Name, sagt er, sei gar nicht so schlimm, wenn man weiß, was er aussagt und wie man ihn handhaben muss:

„Chans, ich heiße also Pjotr Petrowitsch Popov.
Popov, das ist klar, ist mein Familienname, so hieß mein Vater, mein Großvater usw.
Petrowitsch bedeutet „Sohn des Piotr“, .also war der Vorname meines Vaters „Piotr“, wie der meine; Popov ist der Familienname. Das heißt zu Deutsch ‚Peter, Sohn des Peters, Popow‘.
Meine Schwester hieß Alexandra Petrowna Popov, zu Deutsch: Alexandra, Tochter des Peters, Popov.
Mit dem Nachnamen redet man in Russland nur deutlich höhergestellte Personen an, zu denen man sonst überhaupt keinen Kontakt hat: z.B. den Firmenchef, dem man nur einmal im Jahr in der Fabrik begegnet, oder anderen Persönlichkeiten, zu denen man Distanz wahren möchte. Hier wird in der Anrede auch das seltenere „Sie“ im Russischen gebraucht. Wenn man über jemanden spricht, den man nicht kennt und zu dem man auch keine innere Beziehung hat, benutzt man ebenfalls den Familiennamen. Schon der Abteilungsleiter einer Firma wird von seinen direkten Untergebenen aber mit Vor- und Vaternamen angesprochen und je nachdem, wie gut man ihn kennt mit „Du“ oder „Sie“.
Bekannte und auch indirekt Bekannte werden ausschließlich geduzt und je nach Bekanntheitsgrad nur mit Vornamen oder zusätzlich mit dem Vaternamen angeredet.
Bei Freunden ist es sicher auf der ganzen Welt gleich. Es ist also ganz einfach.“

Die Art und Weise, wie er das erzählt, nicht im Geringsten schulmeisterhaft, mehr wie eine lustige Geschichte, macht, mir Mut, auch persönlichere Fragen nach seinen Lebensumständen heute zu stellen:

„Piotr, wir hören in Deutschland in unseren Nachrichten eigentlich nur Katastrophenmeldungen über Russland.
Angeblich gibt es nichts zu kaufen; die Menschen stehen stundenlang Schlange, um wenigstens Grundnahrungsmittel zu kaufen, usw., usw. Darf ich Dich fragen, wovon du lebst und wie du davon lebst?“

„Natürlich darfst du es, das ist kein Geheimnis. Ich bekomme eine Rente….“

„Du bekommst schon Rente?“

„Natürlich bekomme ich schon eine Rente, ich bin schließlich 71 Jahre alt; meine Frau, sie ist zwar erst 61 Jahre, bekommt aber auch schon eine Rente; zusammen haben wir z.Zt. im Monat 6000 Rubel, wenn du bedenkst, dass ein Pfund Butter momentan 700, ein halbes Pfund Brot 200 und ein Liter Milch in den staatlichen Läden 30 Rubel kostet, kannst du dir ausrechnen, wie weit wir kommen; oft sitzen wir am Monatsende zusammen und wundern uns, wie wir diesen Monat überstanden haben.
Es wird aber besser werden, denn die Renten werden bald erhöht. Und irgendwie geht es immer.
Deswegen siehst du ja so viele Menschen in Moskau immer mit irgendeiner Tasche oder Tüte herumlaufen; man muss immer bereit sein, wenn es irgendwo etwas günstig zu kaufen gibt.
Es gibt schon alles, nur nicht für alle; nicht alle können es kaufen; wir Rentner können nicht auf dem freien Markt einkaufen gehen, da ist unser Monatsgeld bei ein bis zwei Einkäufen weg.
Aber gehe einmal auf einen der Rinoks, der freien Märkte, dir werden die Augen übergehen: es gibt alles, alles, was das Herz begehrt. Wir können aber nicht für ein Kilo Fleisch oder Wurst oder Gemüse 2000 Rubel bezahlen.
Für dich ist es wahrscheinlich das Paradies. Für eine Deutsche Mark bekommst du jetzt fast 300 Rubel; rechne aus, was dich ein Kilo Rindslende kostet.“

„Nicht ganz sieben Mark!“

„Aber Hans, eta normalna.
Und warum wunderst du dich, dass vor den Geschäften Schlangen stehen? Wo viele Menschen einkaufen, muss man lange warten, eta normalna.
Das ist das wichtigste und erste Wort, das du auf Russisch lernen musst: „Otscherit“, überall ist otscherit, wenn du einkaufen gehst, wenn du zu einer Behörde gehst, überall ist otscherit. Schon wenn wir geboren werden, ist otscherit, wenn wir sterben auch, und ich glaube, wenn wir zu unserem Herrgott wollen, wird da auch otscherit sein.
Otscherit, das geht so:
Du kommst irgendwohin, viele Menschen warten, dann fragst du ‚wer ist der Letzte‘, der meldet sich, du schaust ihn dir gut an; kurz danach kommt wieder jemand, der stellt die gleiche Frage, dann meldest du dich; jetzt brauchst du nur noch zu warten, bis dein Vordermann an der Reihe ist, dann ist es auch für dich soweit. Wenn du allzu lange warten musst, kannst du auch noch etwas anderes erledigen gehen; du kennst ja deinen Vordermann, und der nach dir, kennt dich.
Wenn wir einmal gestorben sind und der da oben fragt uns ‚was hast du da unten gemacht‘, werden wir sagen ‚otscherit‘.“

„War das denn schon immer so?“

„Otscherit war schon immer, solange ich zurückdenken kann. Es gab aber nicht immer alles zu kaufen.
Vieles, was es heute auf dem Rinok gibt, gab es nicht, oder nicht in dieser Qualität. Westwaren gab es gar nicht; heute kannst du sie in vielen Geschäften kaufen, jedoch fast ausschließlich für DM oder Dollar, die früher aber auch niemand haben konnte und durfte.
Dafür ist aber alles teurer geworden, auch in den staatlichen Läden, deren Qualität, zugegeben, auch etwas gestiegen ist.
Die Löhne und vor allem die Renten haben aber mit den Preisen nicht mitgehalten! Das ist das Problem.
Früher zu kommunistischen Zeiten, ist es, abgesehen von den Apparatschiks, allen gleich gut oder gleich schlecht gegangen. Heute bilden sich zwei Klassen heraus:
Die, die auf legalem oder illegalem Weg mit der Entwicklung Schritt halten können und auf diese Weise langsam zu materiellem Wohlstand gelangen, und die, die diese Chance nicht mehr haben – sei es verschuldet oder unverschuldet – und die bedürfen dringend eurer Hilfe aus dem Westen, denn sie kämpfen teilweise wirklich um ihre nackte Existenz.
Und in dieser Zweiteilung liegt eine große Gefahr! Sie ist Wasser auf die Mühlen der Altkommunisten, denn die nützen die Situation, die sie letztlich zu verantworten haben, heute schamlos aus.“

„Aber du wirst mir doch sicher Recht geben, dass diese Leute heute keine Chance mehr haben. Das Selbstbewusstsein der Bevölkerung ist doch so stark gestiegen, dass selbst Betonköpfe in der Militärführung mit dieser neuen Situation rechnen müssen und auch tatsächlich rechnen! Gorbatschow, auch wenn er nicht mehr aktiv ist, und Jelzin sind doch in der Bevölkerung unumstrittene Persönlichkeiten! Sie haben doch die politische Freiheit gebracht!“

„Siehst du Hans, das ist schon wieder das nächste Problem: Bei euch im Westen werden sie, besonders Gorbatschow, fast wie Heilige verehrt; sie haben – und hier auch wieder zuerst Gorbatschow, den ich übrigens auch für eine ganz große Persönlichkeit halte – nicht nur die politische Freiheit gebracht, sie haben auch euch die Angst vor der Konfrontation genommen. Das ist für euch alles.
Es ist auch für uns unermesslich viel! Das Leben in Unfreiheit war schrecklich und kann nur der ermessen, der es einmal mitgemacht hat.
Du gehörst zu der Generation, die das nie erlebt hat.
Ich will dir mal einen russischen Witz erzählen, vielleicht kannst du es dann besser nachempfinden:

Zwei alte Bekannte treffen sich nach vielen, vielen Jahren in Moskau auf der Arbatskaja, der großen Einkaufsstraße Moskaus, wieder. Sie begrüßen sich überschwänglich, dann fragt der eine:
„Sag‘ Piotr Alexejewitsch, wo hast du solange gesteckt, was hast du die ganze Zeit gemacht?“
Mit betretener Miene antwortet der: „Ich war acht Jahre in Sibirien.“
„In Sibirien? Weshalb in Sibirien? Was hast du gemacht?“
„Wegen Faulheit.“
„Wegen Faulheit? Nje was moschne! Nicht möglich; bei uns in Russland doch nicht!“
„Doch; und das kam so: Ich saß mit Freunden an einem Abend zusammen, wir haben getrunken, waren lustig, und nach einer Weile, du weißt wie das ist, hat einer einen politischen Witz erzählt; wir haben fürchterlich darüber gelacht. Auf dem Nachhauseweg habe ich zu mir gesagt ‚Piotr, du musst jetzt zum KGB gehen und das melden‘. Aber ich war müde und dachte mir ‚gehst du gleich morgen früh‘.
Am nächsten Morgen, ganz zeitig, ich lag noch im Bett, poltert es an meiner Tür; der KGB ist da, nimmt mich sofort mit, und schon war ich in Sibirien.“
„Ja, aber, wie kam denn das?“
„Ein anderer Freund war nicht so faul wie ich, der ist noch am selben Abend zum KGB gegangen!“
So war es wirklich, Hans!

Aber zurück zu eurem „heiligen“ Gorbatschow und „heiligen“ Jelzin: Ihr seht nur, dass eine schreckliche Zeit zu Ende gegangen ist, und empfindet zu Recht, wie natürlich auch wir, große Freude darüber; aber wir, die Menschen heute, tragen jetzt die Last der Fehler der Politiker, und du wirst verstehen, dass unsere Freude nicht ungetrübt sein kann.“

„Aber da können doch Gorbatschow und Jelzin nichts dafür! Es muss doch jeder einsehen, dass auch sie nicht zaubern können; vor allem dann, wenn noch viele alte Machtstrukturen um ihr Überleben und damit gegen die Reformen kämpfen!“

„Nun, abgesehen davon, dass auch die Reformer – wie alle Menschen – Fehler gemacht haben, taucht hier ein psychologisches Problem auf: seit vielen Generationen sind unsere Menschen in dem politischen Bewusstsein – es war eigentlich schon eher eine Doktrin – erzogen worden, dass die „Führer des Volkes“ – ich wähle diese Bezeichnung bewusst – fraglos und mit Recht die Geschicke unseres Volkes leiten.
Das hatte zwangsläufig zur Folge, dass das Volk auch für alles die Führung verantwortlich gemacht hat, auch und natürlich besonders für die Misserfolge was natürlich niemand auch nur laut denken durfte, denn offiziell gab es keine Misserfolge.
Dieses Bewusstsein lässt sich nicht von heute auf morgen abschalten, zumal es der Bequemlichkeit der Menschen sehr entgegenkommt.
So unumstritten wie bei euch sind unsere Reformer auch bei unserer reformwilligen Bevölkerung daher nicht, auch wenn niemand zurzeit eine Alternative sieht.“

„Ich habe vorhin, als du über unsere Freude über die zu Ende gegangene schreckliche Zeit gesprochen hast, so etwas wie eine Anklage herausgehört und empfunden. Ist es nicht so, dass gerade wir Deutschen es eben nicht nur bei der Freude darüber belassen, sondern euch sowohl auf privater wie auch auf politischer Ebene finanziell und ideell kräftig unterstützen?“

„Hans, ich möchte nicht missverstanden werden!
Gerade was ihr Deutschen an privater Unterstützung für unsere Ärmsten der Armen leistet ist wunderbar und rührt viele von uns oft zu Tränen! Nach der Indoktrination der vergangenen Jahrzehnte haben das die wenigsten von uns erwartet.
Aber warum wird staatlicherseits immer nur von vielen, vielen Millionen geredet, uns Hoffnung gemacht. Angekommen ist bisher fast nichts!
Und bei dem schon angeborenen Misstrauen unserer Bevölkerung gegenüber ‚den da oben‘ wird es dann irgendwann gerade unseren Reformern zur Last gelegt; niemand wird glauben, dass nichts gekommen ist, sondern dass es wie immer in undurchsichtigen Politikerkanälen verschwunden ist.
Und es gibt da noch ein Problem:
Vor kurzem hat so ein altkommunistischer Kommisskopf laut verkündet:
‚Wir brauchen das Geld des Westens nicht, wir machen uns nur zu Sklaven des westlichen Finanzmonopols, seht euch die Entwicklungsländer an!‘
So ganz verkehrt liegt der Mann leider gar nicht. Uneigennützig ist diese Hilfe nicht, ich meine die staatliche Hilfe. Sicher ist wirtschaftliche Zusammenarbeit vieler Firmen zu beiderseitigem Vorteil wichtig, noch wichtiger aber wäre eine Liberalisierung des Handels, damit wir die Möglichkeit bekommen, uns selbst zu helfen.
Und, eine kritiklose Übernahme des westlichen Wirtschaftssystems ist für uns im Übrigen nicht nur nicht wünschenswert, sondern aufgrund unserer eigenen Kultur, Tradition und Mentalität der Menschen gar nicht möglich, wenn es nicht eines Tages zu einer neuen Katastrophe kommen soll. Nicht alles im Kommunismus war schlecht, wie nicht alles bei euch gut ist. Und was sind schon diese 70 Jahre Kommunismus bezogen auf die Geschichte unseres Volkes!
In unserer Kultur liegen Werte, die es wirklich gilt, in das Neue, das Kommende einzubinden.
Wir müssen einen neuen eigenen Weg finden, und uns darin zu unterstützen, das wäre wahre Freundeshilfe; und Hans, ich spreche nicht nur für mich, ich spreche für einen großen Teil der Intelligenz, nicht nur der alten, auch der jungen, wenn diese Hilfe aus Deutschland käme, wären wir froh.“