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Monat: Oktober 2016 - russland.NEWS - russland.TV

Kurznachrichten

Die irakische Armee, unterstützt von kurdischen Peschmerga-Einheiten, regierungstreuen Milizen und US-Truppen sowie Kampfflugzeugen der Anti-IS-Koalition ist laut einem Armeekommandeur in Mossul einmarschiert.

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Ex-Finanzminister Kudrin ist der Meinung, dass es schwer sein wird, in diesem und dem nächsten Jahr, das Haushaltsdefizit auf 3,2 % zu begrenzen. In diesem Jahr wird es voraussichtlich zwischen 3,7 und 3,9 % liegen.

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Im Libanon ist der 81jährige Chef der freien patriotischen Bewegung, ein christlicher Politiker, zum Präsidenten gewählt worden. Im ersten Wahlgang hat er nur knapp eine Zweidrittelmehrheit verfehlt. Der Präsidentenposten war seit May 2014 nicht mehr besetzt, weil sich die Parteien nicht einigen konnten, ob ein Muslim oder ein Christ gewählt werden sollte.

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In den letzten drei Tagen sind in West-Aleppo durch den Beschuss des IS 84 Menschen getötet und über 200 verletzt worden. Die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder. Die IS-Terroristen haben Chlorgasgranaten eingesetzt, so syrische Regierungsbehörden.

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Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat einen Aufruf von öffentlichen Aktivisten erhalten, öffentliche Feiern von Halloween in Russland als „Satanskult“ zu verbieten.

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Putin hat das Gesetz über die Aussetzung des Plutonium-Beseitigungs-Abkommen mit den USA unterzeichnet.
Abgesehen von den direkten Bestimmungen über die Aussetzung des Plutoniumabkommens enthält der Gesetzentwurf die Voraussetzungen für eine mögliche Wiederaufnahme der Vereinbarungen.

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Chinas wirtschaftliches Seidenstraßen-Konzept ist an das russische Eurasische Integrationsprogramm angepasst worden, sagte der russische Botschafter in China.

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Präsident Putin hat ein Dekret über die Gründung einer Allrussischen Staatsorganisation mit dem Namen Russischer Kulturfonds unterzeichnet.
„Der Fonds wird geschaffen, um die Anstrengungen des Staates und der Zivilgesellschaft zu schärfen, Bedingungen zu schaffen, die die Menschen dazu bringen, ihr persönliches kreatives Potential zu verwirklichen, kulturelle Werte zu bewahren, die Popularisierung der russischen Kultur zu gewährleisten und zur Entwicklung des kulturellen Potenzials des Landes beizutragen“.

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Das russische Justizministerium hat im Monat Oktober weiteren drei NGO in Russland den Status eines „Ausländischen Agenten“ zugeordnet. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der NGO, die in diesem Jahr diesen Status erhielt, auf 36. Dies stellt einen erheblichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr dar, in dem insgesamt 81 NGO diesen Status erhielten.

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Zwischen Russland und Zypern werden keine Gespräche über die Einrichtung eines russischen Militärstützpunktes geführt. Darüber informierte der zyprische Außenminister nach Beendigung eines Treffens mit seinem russischen Amtskollegen. „Wir haben heute diese Frage nicht besprochen und die realen Operationen in Syrien beweisen, dass Russland auch ohne irgendwelche Basen vollumfänglich alle Aufgaben erfüllt“, – so der zyprische Außenminister. Auch der russische Außenminister schloss sich diesen Äußerungen an. Er informierte, dass russische Schiffe von Zeit zu Zeit Dienstleistungen in zyprischen Häfen nutzen. Allerdings bedarf es hierfür keinerlei zusätzliche Vereinbarungen – hierfür gelten allgemeine internationale Regeln.

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Erstmals seit sieben Jahren verzeichnet das Restaurantgeschäft in Russland für den Zeitraum Januar bis August 2016 einen Umsatzrückgang von 1,4 Prozent. Auch gibt es qualitative Veränderungen, denn das Fast-Food-Geschäft ist im Wachsen begriffen und hat jetzt einen Anteil von 39 Prozent am gesamten Restaurantgeschäft (ehemals 35 Prozent). Der Umsatz in den „echten“ Restaurants ist von 38 auf 34 Prozent gefallen. Am einfachsten haben es gegenwärtig Restaurantketten, die durch ihre Massenumsätze die notwendigen Finanzmittel erarbeiten, um schwierige Zeiten besser zu überleben. Schwer haben es die Restaurants, wo der durchschnittliche Verzehr (durchschnittlicher Scheck) bei 650 Rubel liegt. Schwer haben es auch die sogenannten familiengeführten Restaurants.

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Die britische Zeitung „The Sunday Times“ informiert, dass sich drei russische U-Boote, ausgerüstet mit Flügelraketen auf dem Weg nach Syrien befinden. Das Blatt vermutet, dass nach Eintreffen dieser Schiffe der Befehl für die endgültige Vernichtung der Stadt Aleppo gegeben werden könnte. Nach Information der britischen Seeaufklärung, sollen sich die drei U-Boote bereits im nördlichen Teil des Atlantiks befinden. Auf dem Weg nach Syrien befindet sich bereits ein großer Flottenverbund unter Führung des Flugzeugträgers „Admiral Kusnezow“ und der Kreuzer „Peter der Große“.

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Frankreich und China wollen einen gemeinsamen Investmentfonds anlegen. Die Franzosen könnten damit einen Vorsprung gegenüber Deutschland erreichen.

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Das US-Justizministerium hat am Sonntag das FBI ermächtigt, die überraschend aufgetauchten Emails von Hillary Clintons engster Mitarbeiterin zu untersuchen. Es soll sich um 650.000 Emails handeln.

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Die Deutsche Bank hat nach Angaben aus Finanzkreisen bislang etwa eine Milliard Euro für die Russland-Affäre reserviert. Im Sommer 2015 wurde bekannt, dass nach Einschätzung von Ermittlern Kunden über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von rund zehn Milliarden Dollar gewaschen haben.

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(Hanns-Martin Wietek/russland.news)




Kaliningrad: Chancen und Herausforderungen

Die russisch-westlichen Spannungen wirken sich auf das Gebiet Kaliningrad besonders stark aus. Der nördliche Teil des früheren Ostpreußen ist vom russischen Kernland isoliert und steht vor einigen Herausforderungen.

Bereits ein kurzer Blick auf die Geographie und die Geschichte der Region genügen: Das Gebiet Kaliningrad besitzt spezifische und größere Möglichkeiten als andere russische Territorien, steht aber auch vor besonderen Aufgaben.

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Wenden wir uns zunächst der Politik und einer potenziell sehr großen Chance zu, weiter unten werden Energiefragen im Zentrum stehen:

Die führenden deutschen Politiker sprechen sich wiederholt dafür aus, einen „gesamteuropäischen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok“ zu schaffen, von dem auch der russische Präsident mehrfach gesprochen hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zuletzt Anfang Juni 2016 dafür plädiert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Vizekanzler Siegmar Gabriel machten sich noch nachdrücklicher dafür stark, dieses Projekt zu konkretisieren.

Kaliningrad befände sich bei einer Realisierung nicht mehr in einer isolierten Randlage, sondern inmitten eines sehr großen Wirtschaftsraums. Dies wäre ein Vorteil für die Entwicklung der Region. – Und ein gesamteuropäischer Wirtschaftsraum, zu dem selbstverständlich auch die Ukraine gehört, würde die Situation in diesem Land wirtschaftlich und politisch sehr entspannen. Das ist eines der zentralen Motiv Deutschlands, den gesamteuropäischen Wirtschaftsraum immer wieder in die Diskussion einzubringen.

Berlin macht deutlich, mit Moskau von einem Neben- oder gar Gegeneinander zu einer Zusammenarbeit kommen zu wollen. Das sind wichtige Gesten der deutschen Politik. Deutschland sendet in diesem und anderen Bereichen (z.B. in Bezug auf Syrien oder den NATO-Russland-Rat) Signale aus, die manche EU- und NATO-Partner ablehnen (s. hierzu http://www.cwipperfuerth.de/2016/10/25/die-nato-und-russland-die-aktuelle-situation/).

Innerhalb der EU und NATO gibt es beträchtliche Meinungsunterschiede: Sollte Russlandpolitik auf Kooperation, oder auf Abgrenzung setzen? Die Chancen, in zentralen Bereichen zu einem neuen gesamteuropäischen Miteinander zu kommen sind darum auf absehbare Zeit leider gering. Darüber hinaus hat das wechselseitige Vertrauen zwischen Deutschland und Russland in den vergangenen zweieinhalb Jahren beträchtlich gelitten. Die Stichworte Ukraine, die Krim und die Sanktionen mögen genügen. Auch in Berlin sind es nicht mehr gemeinsame Zukunftsprojekte, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Aber Deutschland will die Möglichkeit hierfür erhalten und macht deutlich, dass sie nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Frankreich, Italien und einige andere Länder sehen dies ähnlich.

Kaliningrad leidet unter den gewachsenen Spannungen und Abgrenzungstendenzen auf dem europäischen Kontinent in besonderer Weise, wie z.B. das Ende der Visaerleichterungen mit Polen deutlich macht.

Konzentrieren wir uns jetzt auf den Energiesektor und zunächst auf das Thema Gas:

1993 vereinbarten Russland und Polen (unter Anwesenheit der jeweiligen Präsidenten bei der Vertragsunterzeichnung) den Bau der „Jamal-Gaspipeline“ von Russland nach Polen (durch Weißrussland), um die Ukraine zu umgehen. Moskau und Warschau hatten Zweifel, ob die Ukraine als zuverlässiges Transitland gelten könne. Das Gebiet Kaliningrad wird seit der Inbetriebnahme der Jamal-Pipeline im Jahre 2001 mit einer Verbindung durch Litauen mit Gas versorgt.

Die baltischen Länder erhielten zu dieser Zeit russisches Gas zu einem weit niedrigeren Preis als Länder Mitteleuropas. 2008 zahlten die Abnehmer in baltischen Ländern Gazprom im Durchschnitt 280 US-Dollar für 1000 Kubikmeter Gas, während der EU-Durchschnitt zu dieser Zeit bei 500 US-Dollar lag. Russland strebte seit 2005 aber mit Nachdruck an, die niedrigen Preise für die Abnehmer in postsowjetischen Ländern auf das EU-Niveau anzuheben. Dies führte zu zahlreichen Konflikten: Litauen deutete bspw. an, es könnte zu Problemen mit dem Transit russischen Gases nach Kaliningrad kommen. Weißrussland nutzte und nutzt seine unentbehrliche Stellung als Transitland – nicht zuletzt zur Versorgung Kaliningrads -, um von Russland milliardenschwere Zugeständnisse zu erhalten.

Transitländer sind nicht selten in einer stärkeren Position als der Energielieferant. Dies war auch Russland bewusst: Gazprom zahlte den Gasexporteuren Zentralasiens bis 2008 niedrige Preise, weil Russland ein Transitmonopol besaß. Die Zentralasiaten erhielten erst dann ein angemessenes Entgelt, als sich eine weitere Exportrichtung abzeichnete, nämlich Richtung China.

Sowohl die Gasimporteure als auch die Exporteure arbeiten daran, ihre Pipelinerouten zu diversifizieren, um die eigene Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit zu sichern bzw. zu erhöhen. 2005/06 gab es Überlegungen, das Gebiet Kaliningrad an die „Nord Stream“-Pipeline anzuschließen, mit dessen Bau auf dem Grund der Ostsee begonnen wurde. Dies hätte den Oblast unabhängig von den Transitländern gemacht.

Die Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt, sodass Russland theoretisch durch die Drohung mit einem Transitstopp für Kaliningrad unter Druck gesetzt werden könnte. Diese Gefahr ist gering, aber das Misstrauen hoch – auch auf Seiten der baltischen Länder gegenüber dem großen Nachbarn. Russland wird konkrete Schritte gehen müssen, die Gasversorgung Kaliningrads zu diversifizieren.

Kommen wir zur Sicherung der Stromversorgung: Auf dem europäischen Kontinent gibt es mehrere Verbundsysteme. Die beiden größten sind dasjenige, das die meisten Länder der westlichen Hälfte Europas miteinander verbindet bzw. der Verbund postsowjetischer Staaten, also Russlands, der baltischen Länder, der Ukraine Weißrusslands, Moldaus, der Länder des Kaukasus sowie Zentralasiens.

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Russland hat keinen Zweifel daran gelassen, bei Versorgungsengpässen Strom zu liefern. So sind seit Anfang 2014 die Elektrizitätsexporte Russlands an die Ukraine deutlich angestiegen, trotz der starken Spannungen zwischen beiden Ländern.

Gleichwohl beschlossen die baltischen Länder, aus dem Verbund mit Russland auszusteigen und sich dem westlichen System anschließen. Dies verursacht hohe Kosten, die baltischen Länder wünschen aber eine Abgrenzung. In den vergangenen Jahren sind mehrere Stromleitungen zwischen baltischen Ländern und Finnland bzw. Polen in Betrieb gegangen. Die EU-Kommission strebt an, die Elektrizitätssysteme aller Anrainer der Ostsee miteinander zu verbinden – mit Ausnahme Russlands.

Das westeuropäische Verbundnetz und das der postsowjetischen Staaten können aus technischen Gründen nicht direkt zusammengeschaltet werden. Ein Stromaustausch zwischen den verschiedenen Netzen ist nur in geringem Umfang möglich. Darum ist es erforderlich, einen der beiden folgenden Schritte zu unternehmen:

Es wäre denkbar, Kaliningrad aus dem Verbundsystem der postsowjetischen Staaten herauszulösen und dem westeuropäischen beizutreten. Dies wird aus politischen Gründen nicht geschehen. Das Gebiet Kaliningrad wird darum seine Elektrizitätsversorgung durch die Erzeugung auf seinem eigenen Gebiet gewährleisten müssen. Das verursacht hohe Investitionskosten, stellt technisch aber kein Problem dar. Auch Island oder Zypern, die weit weniger Einwohner haben, sind in der Lage, die Versorgungssicherheit ohne den Anschluss an ein Verbundsystem zu gewährleisten.

Darüber hinaus wird Russland bis zu weitere 2,5 Mrd. Euro investieren müssen: Zu Sowjetzeiten wurden zahlreiche Hochspannungsleitungen errichtet, die teils über baltisches Territorium führen, deren Strom aber für Abnehmer in Russland bestimmt ist. Die russischen und baltischen Systeme werden entflochten werden.

Wünschenswert wäre ein gesamteuropäischer Wirtschafts- und Energieraum „von Lissabon bis Wladiwostok“ mit wechselseitigen Abhängigkeiten. Die Tendenz geht seit einigen Jahren in eine andere Richtung. Mit dieser Realität sollte und muss man sich nicht auf Dauer abfinden, aber man muss sich ihr jetzt stellen.

 

Quelle der Abbildungen:

  1. Karte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:European_Russia_laea_location_map_(Crimea_disputed).svg

https://de.wikipedia.org/wiki/User:NordNordWest

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

  1. Karte:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/08/ElectricityUCTE_eng.svg/1280px-ElectricityUCTE_eng.svg.png; https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Goldsztajn; https://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en




St. Petersburg: Schiesserei mit Verletzten am Newski Prospekt

In den frühen Morgenstunden des 30. Oktobers eröffnete ein unbekannter Mann das Feuer auf Besucher des Schnellimbiss „Burger King“ am Newski Prospekt 86. In der Folge mussten zwei Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Schiesserei entbrannte offenbar während eines Streits zweier Männer vor dem Fast Food-Restaurant. Dabei zog der etwa 30 Jahre alte, rothaarige Mann plötzlich eine Schreckschusspistole und begann mit Gummikugeln um sich zu schiessen. Der Schütze konnte unerkannt entkommen.

St. Petersburger Herold




KinoPoisk Filmmarkt – ein Einblick in Russlands aktuellste Trends der Filmszene

Von Maria Thiele -Der KinoPoisk Filmmarkt steht seit diesem Oktober neu auf Moskaus Eventplan. Eine erfrischende Mischung zwischen Filmfestival und Filmmarkt, nur offener, energetischer und interaktiver. Hier, ein Überblick über Neuheiten des Filmmarktes und der russischen Filmszene.

Erstmalig wurde dieses Jahr vom 20. bis 23. Oktober der KinoPoisk Filmmarkt im Multiplex- Kino „Oktober“ in Moskau veranstaltet. Produziert wurde der Filmmarkt von KinoPoisk, einer der größten russischen Online-Filmplattformen, Tvindie Film Production und Reflexion Films. Insgesamt mehr als 8000 Teilnehmer, darunter normale Kinobesucher als auch Experten aus der Filmindustrie, besuchten den KinoPoisk Filmmarkt. Die etwa 1000 Experten aus der Filmindustrie kamen vor allem aus Russland, China, Indien, Frankreich, Italien, Weißrussland und Estland, aber auch einige deutsche Unternehmen waren vertreten.

Ein Hingucker gleich zum Veranstaltungsauftakt

Highlights der Veranstaltung gab es gleich zu Beginn. So wurde zur Eröffnung des Filmmarktes die Moskau-Premiere des Films von Xavier Dolan „Einfach das Ende der Welt“ vorgeführt.

Für große Begeisterung bei konventionellen Kinobesuchern als auch bei Vertretern der Filmindustrie sorgte im Verlauf der Veranstaltung das speziell angefertigte Programm „Okober screenings“ mit weiteren Highlights. Darunter die Vorführung von Vitaly Manskys „Unter dem Strahl der Sonne“, ein Dokumentarfilm über das Leben eines achtjährigen Mädchens in Nordkorea, „Jacques Entdecker der Ozeane“ ein Spielfilm über das Leben und die Reisen des berühmten Jacques-Yves Cousteau und „Die Bahn nach Busan“ ein spannungsgeladener, actionreicher, lustiger, und zugleich rührender Zombiefilm.

Auch die russische Filmszene glänzte dabei mit „Stalker“, einem restaurierter Klassiker von Andrei Tarkovsky, der nun das erste Mal auf der größten Leinwand Russlands im Multiplex- Kino „Oktober“ vorgeführt wurde, „Eisbrecher“, einen mitreißenden und effektvollen Katastrophenfilm, „Der Hit“, die Geschichte zweier junger Frauen, die aus der Provinz nach Moskau ziehen und nach Erfolg streben und „Anomie“, ein Film, der eine sehr enge Freundschaft und dessen fatales Ende zeigt.

Für Besucher des KinoPoisk Filmmarktes gab es all diese Filme schon jetzt zu sehen, wobei die meisten offiziell erst frühestens gegen Ende diesen Jahres in russischen Kinos vorgeführt werden.

KinoPoisk Filmmarkt – die neue Plattform für den Austausch der russischen und internationalen Filmindustrie

In Zukunft soll der KinoPoisk Filmmarkt eine Plattform bilden, um russische Filme und internationale Interessenten besser miteinander zu verknüpfen.

„Wir wissen alle, dass andere Filmmärkte, ich würde sagen, ein bisschen veraltet sind. Der Filmmarkt produziert durch KinoPoisk ist jedoch ein bisschen frischer, aktiver und interaktiver.“ sagte Mary Yuvit, Produktionsleiterin bei Utopia Pictures, einer der wichtigsten Vertriebsfirmen für Kurzfilme in Russland.

Igor, ein begeisterter Kinobesucher kam zum Festival um mit seinen Freunden die neuesten Filme sehen und diskutieren zu können: „Ich habe hier ziemlich viele Leute aus Estland, Litauen und aus Russland kennengelernt. Ich bin ziemlich glücklich darüber, weil ich so verschiedene Perspektiven erfahren konnte nicht nur die von den Filmen selbst, sondern auch von den Menschen, die sie kreiert haben. Das war durchaus interessant.“

Alexander Kochubey, Vorsitzender von KinoPoisk sieht in dem KinoPoisk Filmmarkt eine neue Perspektive für die russische Filmszene: „Es gibt im Moment keinen Ort in Russland, wo neue Inhalte zu ausländischen und auch zu russischen Investoren präsentiert werden können. Es war daher eine gute Idee einen neuen Ort zu schaffen, der das breite Publikum anspricht – Kinobesucher und Experten von der Kinofilmindustrie.“

Neues aus der russischen Filmszene

Neben den Screenings mehr oder weniger bekannter Filme in acht verschiedenen Räumlichkeiten, wurden auf dem KinoPoisk Filmmarkt in Pitchings neue Projekte vorgestellt und bei zahlreichen Round-Tables lebhaft diskutiert. Aktuelle Themen bezogen sich auf die zukünftige Entwicklung des russischen Filmmarktes, als auch auf die Finanzierung und die Förderung internationaler Koproduktions- und Vertriebsmöglichkeiten.

Aus den Diskussionen gingen viele positive Neuigkeiten für die russische Filmindustrie hervor. Der Stellvertreter der Indischen Botschaft in Moskau verkündete die anstehende Gegenzeichnung der Kooperationsverträge zwischen Indien und Russland. Diese dienen der Erweiterung und der Förderung beider Filmindustrien.

Auch wurden die langjährigen Kooperationen zwischen der russischen und der französischen Filmindustrie und zu Eurimage intensiviert sowie die Förderung des Vertriebs russischer Filme auf dem chinesischen Markt diskutiert.

„Für die Chinesen“ sagte Charles Lei, Gründer und Geschäftsführer von Thunder Communications International „sind vor allem zwei Arten von Filmen am wichtigsten: Das eine ist Action natürlich. Jeder liebt Action. Also entweder ist es ein großer Kriegsfilm mit tausenden Menschen, die den Berg runterrennen und sich gegenseitig töten – solche Filme sind immer gut, wie Tarus Bulba (!) – oder es ist ein guter Familienfilm. Ich suche auch nach Filmen mit Hunden und Katzen, gute Familienfilme eben“.

Für die interne Entwicklung des russischen Filmmarkes war vor allem die Neuigkeit, dass regionale russische Filme vor allem aus den Regionen Jakutien, Burjatien und Jekaterinburg an Bedeutung gewinnen. Ein Programm von Filmen aus diesen Regionen wurde ebenfalls auf dem KinoPoisk Filmmarkt angeboten. Gindilis kommentierte dazu: „Es ist ein sehr guten Zeichen, dass Filme nicht nur in Moskau und St. Petersburg gemacht werden.“

Desweiteren wurde aus der technischen Perspektive über Neuheiten in der Filmindustrie diskutiert. Spannend für alle Beteiligten war dabei der „Digital Summit“, eine Präsentation von Kurzfilmen, die mit der neuesten 360°-Technologie produziert wurden. So war es beispielsweise möglich über die Dächer von Donetsk zu schweben und sich ein Bild der Rückstände der vom Krieg zerstörten Region Donbass zu vergegenwärtigen.

Zu guter Letzt sorgte die Neuigkeit über den Verkauf einiger russischer Animationen an die Walt Disney Company für Freude bei den russischen Besuchern. „Unsere russischen Animationsfilme haben ein neues Level erreicht“ kommentierte dazu Kochubey.

Unterstützung der russischen Filmszene

Doch auch in der russischen Filmszene gibt es ein paar Schwierigkeiten. Eines der Hauptprobleme besteht darin für Filmprojekte finanzielle Unterstützung und Vertriebsmöglichkeiten zu finden, vor allem im Ausland.

„Grenzen werden der Verbreitung von russischen Filmen vor allem durch den Mangel an englischsprachigen Personal in der (russischen) Filmindustrie und durch den Mangel an Staatsfinanzierung für Koproduktionen gesetzt.“ erklärte Gindilis „Wir haben verschiedene aus Russland stammende Filme, aber all diese Filme brauchen Unterstützung und Werbung.“

Dabei weißt er ebenfalls auf Filmprojekte bekannter Regisseure wie Aleksey Mizgirev, Yuri Bykov und Andrei Tarkovsky hin, dessen Filme zahlreiche internationale Preise erhielten, jedoch vom Kulturministerium Russlands keine finanzielle Unterstützung erhalten haben.

Mit dem KinoPoisk Filmmarkt die Zukunft der russischen Filmindustrie auf die internationale Bühne heben

Der KinoPoisk Filmmarkt hat mit seinem Vorhaben klare Linien für die russische Filmindustrie gesetzt.

„Dieser Filmmarkt wird die russische Filmindustrie in eine internationale Richtung entwickeln.“ konstatierte Gindilis abschließend „Wenn wir diese Plattform beibehalten, wird es drei, fünf oder ein paar mehr Jahre dauern und dann werden russische Filme natürlich mehr Bedeutung im Ausland haben.“

„Ich finde diese Art Initiative sehr positiv, weil sie die Situation viel offener, transparenter und kooperativer macht und das ist genau das, was wir in unserer Produktion brauchen.“ sagte Tatiana Daniliyants, eine Filmemacherin, Produzentin und Regisseurin aus Russland. Nicht nur wurde ihr neuer Film „Six Musiciants and the City“ auf den KinoPoisk Filmmarkt vorgeführt und erhielt positives Feedback von Experten, sie fand auch endlich einen Armenischen Kooperationspartner.

Nächstes Jahr wird der Filmmarkt auf jeden Fall wieder stattfinden, und das laut Gindilis sogar mit einem noch umfangreicheren Programm für das normale Kinogängerpublikum.

 




Eiskunstlauf: Tuktamyschewa wieder Weltniveau [Video]

Die Sankt Petersburger Eiskunstläuferin Elisaweta Tuktamyschewa ist nicht nur die ehemalige Weltmeisterin ihres Sports – sondern auch eine Meisterin des Auf und Ab.

Schon die Weltmeisterinnensaison 2014/2015 kam überraschend nach einem Durchhänger, in dem sie viele jüngere Russinnen überflügelten, dann lief es in der Folgesaison plötzlich wieder überraschend schlecht. Ein zweites Mal schrieben viele Experten sie schon fast ab – bis sie nun plötzlich, auf einem kleinen Turnier in ihrer Heimatstadt, plötzlich wieder zu absolutem Weltniveau auflief, so dass sie nach Meinung unseres Experten so auch die meiste internationale Konkurrenz in den Schatten gestellt hätte. Zum Glück war er dabei und hat das mit seiner Kamera eingefangen.

Das gibt uns auch die Gelegenheit, einen Blick auf die Siegerin bei dem Mädchen, einem weiteren hoffnungsvollen Nachwuchstalent trainiert vom Tuktamyschewa-Coach Mischin zu werfen. Ebenfalls Schlagzeilen machte ein weiterer Gast, der außer Konkurrenz in Petersburg dabei war: Carolina Kostner aus Südtirol. Ein Video mit unserer jungen Sport-YouTuberin Ariana, die selbst aktive Eiskunstläuferin ist.




Russlands Verzicht auf MH17-Aufklärung

[Von Bernd Murawski] – Standen westliche Veröffentlichungen zum MH17-Absturz an, dann legte Russland jedes Mal eigene Dokumente vor, um die Unschuld der Separatisten zu beweisen.

Die erste ausführliche russische Stellungnahme erfolgte am 21.7.2014, vier Tage nach dem Absturz der MH17. Auf einer Pressekonferenz wurde ein Schaubild präsentiert, das nach Angaben des Sprechers auf der Grundlage von Radar-Aufzeichnungen erstellt wurde. Es zeigte einen SU25-Kampfjet in unmittelbarer Nähe des Geschehens. Außerdem wurden Satellitenaufnahmen vorgelegt, um die Existenz ukrainischer BUK-Abschussrampen in kritischer Entfernung zum Absturzort zu beweisen.

Als Wladimir Putin im November 2014 beim G20-Gipfel in Australien wegen des MH17-Abschusses auf die Anklagebank gezerrt werden sollte, tauchte plötzlich ein Satellitenbild auf. Dort war ein Kampfjet abgebildet, von dem sich der Schweif einer Bordrakete in Richtung der Boeing bewegt. Auch wenn sich das Foto bald als Fälschung erwies, waren die anwesenden Regierungschefs erst einmal verunsichert.

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Kaliningrader Sonntagsplauderei

Es ist immer schwer aufregende und sensationelle Informationen am Sonntag zu veröffentlichen. Nicht jeden Sonntag fällt ein Reissack in Kaliningrad um. Wir versuchen nun, mit Kaliningrader Banalitäten Ihr Interesse zu wecken.

Seit 1995 lebe ich in Kaliningrad. Damals gab es einen „Westladen“, versteckt im Stadtzentrum, wo es Joghurt aus Deutschland zu kaufen gab. Heute habe ich jeden Tag die Qual der Wahl: Ich kann in den Supermarkt „Wester“ in der Oserowa gehen. Das bedeutet 15 Minuten Fußweg – gut für die Figur. Oder ich gehe zum Supermarkt „Viktoria“ in der Gorkowo. Das sind drei Minuten Fußweg. Lege ich noch eine Minute drauf, bin ich im Supermarkt „Eurospar“ und noch zwei Minuten weiter lädt mich der Supermarkt „7. Kontinent“ ein, mein Geld dort auszugeben.

Das Angebot variiert ein wenig und die Preise auch – wenn auch nicht viel. Dafür gibt es aber ein Sconto-System in den Supermärkten. Aus Bequemlichkeit gehe ich seit vielen Jahren nur die drei Minuten bis zum Supermarkt „Viktoria“. Dort habe ich es geschafft, mir mit meiner Kundenkarte ein Skonto von 4,5 Prozent zu erarbeiten. Wenn ich an der Kasse stehe, gebe ich der Kassiererin meine Kundenkarte und auf alle meine Einkäufe bekomme ich sofort einen Preisnachlass von 4,5 Prozent. Sehr angenehm – fand ich.

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Wahlen in Russland: gesteigerte Finanzströme und spezielle Programme

Russland: Zwischen Auslandseinfluss und Souveränität – Teil 4

[Von Friedrich Homann] – Betrachtet man die insgesamt von der US-Regierung angesetzten Haushaltmittel von rd. 18,3 Mrd. Dollar (s. Teil 1: Russland: Zwischen Auslandseinfluss und Souveränität), also nicht nur die mit politischem impact, so kann zumindest im Vergleich des durchschnittlichen Budgets von Wahljahren zu dem von Nichtwahljahren eine signifikante Abweichung festgestellt werden.

Vergleicht man in der Zeit von 1993 bis 2014 die festgesetzten Budgets der 11 Wahljahre mit denen der 11 Nichtwahljahre, so liegt der Duchschnitt der Nichtwahljahre bei rd. 750 Mio. Dollar. Dagegen fällt der Durchschnitt der Wahljahre mit rd. 915 Mio. Dollar um 22% bzw. 165 Mio. Dollar höher aus.

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Sind Aussiedler jetzt rechts? [Video]

Galten Spätaussiedler in Deutschland jahrzehntelang als entweder politisch uninteressiert oder treue Anhänger der CDU/CSU fand bei den jüngsten Wahlen ein Umbruch statt und eine vorher nicht gekannte Zahl der Russlanddeutschen stimmte für eine andere Partei – die rechte AfD.

Woran liegt das? Was bewog so viele in der russlanddeutschen Community dazu, diesen Schritt zu gehen, was machen andere Parteien falsch und was sollten sie ändern? Um hier Licht ins Dunkel zu bringen sprach unsere Moskauer Redakteurin Julia Dudnik in Berlin mit einem jungen Spätaussiedler, der in einer ganz anderen Richtung leitend politisch aktiv ist, als Bundessprecher der Jungen Linken, aber natürlich die Spätaussiedler und ihre Situation als Betroffener kennt. Auszüge dieses Gesprächs heute in unserem Beitrag aus der Reihe Russland.direct http://www.russland.direct mit Anna Gamburg.




Mein Moskau [27] – „Trauer muss Elektra tragen“ (Fotos)

[Hanns-Martin Wietek] Dies ist das siebenundzwanzigste Kapitel der Geschichte eines zweifachen Aufbruchs – eines persönlichen und eines Volkes –, erlebt und geschrieben in den Jahren 1992 und 1993.

Nachdem diese Geschichte jetzt schon Geschichte geworden ist, habe ich mich entschlossen, sie unverändert zu veröffentlichen – auch wenn ich das eine oder andere heute anders schreiben würde.

Vielleicht trägt die Geschichte dazu bei, dass die Menschen des Westens die russischen Menschen besser verstehen.

Die einzelnen Abschnitte erscheinen in loser Folge.
Alle Folgen finden Sie hier.

 

Viel Zeit bleibt mir nicht mehr, um meine Geschenke einzukaufen. Auf dem Alten Arbat finde ich russische Trachtentücher in wunderschönen Farben und Mustern, etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gesehen. Die Tücher sind so groß, dass sich eine Person ganz darin einhüllen kann, sechs Dollar das Tuch! Hoffentlich gefallen sie nicht nur mir!

Ein Stückchen weiter werden von einem jungen Mann weiße T-Shirts angeboten und – ich traue meinen Augen nicht – auf Vorder- und Rückseite ist in roter Farbe das Porträt von Lenin abgebildet, darunter steht: Mc Lenin und das „Mc“ ist, auch noch dem Zeichen von Mc Donald nachempfunden!
Ich glaube, ein deutlicheres Zeichen, dass sich die Zeiten geändert haben, gibt es nun wirklich nicht mehr!

Wir marschieren weiter und kommen an einem der zahlreichen Denkmäler eines Dichters vorbei. Es ist Puschkin, wie mir Tanja sofort mit einem gewissen Stolz erklärt.

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„Sieh‘ ‚mal Hans, findest du nicht auch, dass Puschkin traurig schaut? In Moskau sagt man, er schaut heute trauriger als früher.“
„Mmm? Ich verstehe nicht.“
„Doch, schau‘ mal, was Puschkin heute die ganze Zeit vor Augen hat!“
Ich begreife immer noch nicht.
„Hans, siehst du nicht? Zwei riesige Leuchtreklamen! Eine von Mc Donald und eine von Coca Cola! Und der Arme kann den Kopf nicht wenden, kann nirgendwo anders hinschauen!“

Das war kein platter Witz! Gottseidank!

 

Es wird Zeit, ich muss zur Universität. Tanja fährt nach Hause, ich fahre mit der Metro zum vereinbarten Treffpunkt.
Schon drei Züge nach mir kommt Elen an. Natascha, erfahre ich, wird nun doch nicht kommen.
„Sie ist eben Künstlerin“, meint, Elen, „da kann sich vieles schnell ändern.“ Nun, ich bin Natascha nicht böse, dass sie nicht  kommt; der Gedanke, mit Elen allein zu sein, ist mir nicht unangenehm; ich bin gern mit ihr zusammen, wir verstehen uns recht gut.

Zehn Minuten Fußweg, und vor uns liegt die Lomonossow-Universität (Moskau hat mehrere Universitäten).

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Ein etwa vierzigstöckiges Hochhaus, sich nach oben immer weiter verjüngend, mit einer langen Turmspitze, die in einem goldenen Mast ausläuft, den ein großer Sowjetstern krönt. Angebaut sind vier verwinkelte Flügel, ungefähr zwanzig Stockwerke hoch, die ebenfalls mehrere niedrigere Türme mit, Säulen und Zinnen tragen.

Diese Art von Gebäuden kenne ich von Bildberichten über Moskau; dieser ‚Zuckerbäckerstil‘ hat sich mir als typisch für das kommunistische Russland eingeprägt.

„Gebaut zwischen 1949 und 1953, eines der letzten Gebäude in stalinistischer Prunkarchitektur, dem ‚Stalin Empire‘, benannt, nach dem Gründer der ersten Moskauer Universität, Michail Lomonossow“, klärt mich mein ‚Fräulein Professor‘ auf.
„Stalin Empire?“
„Ja, Stalin Empire.
„Das ist in der Kunstgeschichte die ganz offizielle Bezeichnung für diese Stilepoche. Es gibt mehrere dieser Hochhäuser in Moskau. Wenn wir Zeit  hätten, könnten wir z.B. das Hotel Ukraine besuchen; du würdest über den Prunk staunen, in dem die Räume ausgestattet, sind: Marmor, Messing, Stuck und Skulpturen von namhaften Künstlern.“

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„Gibt es denn auch ein Chruschtschow Empire?“
„Es gibt einen typischen Chruschtschow Stil, wie es einen Breschnew Stil gibt, aber das ist, kein Empire; beide Stile sind wesentlich nüchterner.“
„Und das hier ist, alles Universität?“
„Ja. Hier im Haupthaus wohnen Studenten, unten ist  die Mensa, und ganz in der Spitze ist die geologische Ausstellung. Da hinauf werden wir fahren.“

Mit dem Fahrstuhl (einmal umsteigen) geht es nach oben.
Und jetzt bin ich doch froh, hierhergekommen zu sein: Man hat einen herrlichen Rundblick, und wir sind hier oben ganz allein. …

 

Am Abend gibt Igor Fedorowitsch eine kleine Abschiedsfeier für mich. Nikolai hat für mich angefragt, ob ich noch jemanden mitbringen dürfe. Wie Nikolai schon meinte, ist das eine Selbstverständlichkeit. Ich nehme Elen mit.

Mir zu Ehren hat Igor sogar noch zwei weitere, Deutsch sprechende Gäste eingeladen.

Es wird, wie immer, ein feucht-fröhlicher Abend mit viel Essen und Gesang. Als ein Trinkspruch auf die Damen ausgebracht wird, laufen diese ganz schnell in die Küche; ich weiß nicht warum.

Zu später Stunde bringe ich Elen nach Hause und wir vereinbaren, uns morgen – oder ist, es schon heute? – am späten Nachmittag zu treffen, um dann gemeinsam zum Belorusskij voksal, dem Weißrussischen Bahnhof, zu fahren, von dem ich abfahren werde.

 

Der nächste Morgen bringt für mich meine ‚Lieblingsarbeit‘: packen. Dieses Packen ist grausam; mit, jedem Stück, das im Koffer oder der Reisetasche verschwindet, werden die frisch gewachsene Verbindungen ein Stückchen mehr zerschnitten; das schmerzt.

Ich komme mir vor wie ein Chirurg, der sich mit seinem Skalpell Stückchen für Stückchen durch das Gewebe arbeitet, hier ein Äderchen durchtrennt und abbindet, dort, eine Vene, weiter etwas Bindegewebe, dann wieder Blutgefäße, und so weiter, und so weiter; und das alles in meinem eigenen Gewebe und ohne Narkose.

Warum kann ich kein stolzes Segelschiff sein, das mit geblähten Segeln schon ungeduldig an seinen Leinen zerrt? Die Leinen werden in aller Eile gekappt; man hört das Schiff förmlich aufstöhnen vor Freude, wenn es sich, befreit von allen Fesseln, auf seinen Weg macht? Mit Freude in eine unbekannte Zukunft! Das wäre schön!

Meine Freude ist, das Wiedersehen mit meinen Kindern und meiner Familie, mein Schmerz ist die Ungewissheit ob, und wenn ja, wann ich die hier lieb gewonnenen Menschen wiedersehen werde. Ich hoffe es!

Und da ist also doch ein bisschen Narkose:
Die Hoffnung ist, die Narkose! Ohne Hoffnung lassen sich keine Schmerzen ertragen.

Die Koffer sind gepackt. Merkwürdig, ich nehme mehr mit zurück, als ich hergebracht habe.

Ich muss noch einmal in die Stadt, Nikolai und Tanja brauchen noch ein Visum für Deutschland, sie werden mich besuchen. Unbedingt muss ich noch nach Schlesien telefonieren, damit, mich jemand in Breslau abholt; es ist mir bis jetzt, nicht gelungen, die Vorwahlnummer des Wohnortes meiner Verwandten herauszubekommen, und endlich will ich Nikolais Kindern noch eine kleine Freude machen.

Damit wir nicht, so viel laufen müssen und wir keine nassen Füße bekommen – Moskau ist immer noch eine kleine Seenlandschaft – fährt uns Nikolais Freund Andrej mit seinem Lada.

Unterwegs an einem großen Platz deutet Nikolai auf einen Gebäudekomplex und erklärt, das sei die Lubjanka.

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„Die Lubjanka? Was ist, Lubjanka?“
„Hans, das ist das Gebäude, in dessen Keller du jetzt, sitzen würdest, wenn du dich vor ein paar Jahren auf dem Kreml so verhalten hättest, wie du es vor wenigen Tagen getan hast; das KGB-Gebäude!“

Nun, bei diesem Anblick und Gedanken wird mir doch ein bisschen mulmig zumute.

Aber was ist das? Mitten auf dem Platz, auf einem großen Denkmalsockel steht ein großes russisch-orthodoxes Holzkreuz!
„Nikolai, was ist, das? Ein Holzkreuz? Hier?“
„Das steht noch nicht lange hier. Früher stand an dieser Stelle die Statue von Dserschinski, dem Begründer der berüchtigten politischen Geheimpolizei Tscheka, das erste Terrorsystem und der Vorläufer der GPU, später NKWD, heute KGB.“

‚Tempora mutantur! Die Zeiten ändern sich!‘