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Monat: November 2016 - russland.NEWS - russland.TV

Mein Moskau (37) – Die vergessenen Kinder und rabiate Zigeunerinnen

[Hanns-Martin Wietek] Dies ist das siebenunddreißigste Kapitel der Geschichte eines zweifachen Aufbruchs – eines persönlichen und eines Volkes –, erlebt und geschrieben in den Jahren 1992 und 1993.

Nachdem diese Geschichte jetzt schon Geschichte geworden ist, habe ich mich entschlossen, sie unverändert zu veröffentlichen – auch wenn ich das eine oder andere heute anders schreiben würde.

Vielleicht trägt die Geschichte dazu bei, dass die Menschen des Westens die russischen Menschen besser verstehen.

Die einzelnen Abschnitte erscheinen in loser Folge.
Alle Folgen finden Sie hier.

 

Am Nachmittag verabreden wir uns mit Olga und fahren zur Kirche, um die mitgebrachten Sachen abzuladen. Pascha übernimmt noch diese Fahrt.

Olga ist im Keller unter der Kirche.
Auf engen, steilen, gewundenen Treppen tasten wir uns durch das Gewölbe nach unten.

Mir drängt sich der Vergleich mit den Katakomben in Rom auf. Unten sitzt sie mit ihren Schützlingen im Heizungsraum zwischen Rohren auf Kisten und gibt den Kindern Religionsunterricht, um sie auf die Erstkommunion vorzubereiten.

„Warum sitzt ihr hier unten und nicht in dem Raum, den ich das letzte Mal gesehen habe?“ ist meine erstaunte Frage.
„In diesen Raum können wir nicht mehr;“ antwortet sie, „vor einigen Wochen ist dort ein Feuer ausgebrochen, niemand weiß warum, und alles, was wir hatten, ist verbrannt. Einen anderen Platz haben wir nicht, und hier ist es wenigstens schön warm.“

Mir wird fast übel beim Anblick von so viel Not. Und was die Situation noch schlimmer macht, das sind die strahlenden Augen der Kinder, die mich anblicken, als ob ich der Messias persönlich wäre, und die freudige Gelassenheit von Olga, die das Schicksal nicht nur erträgt, sondern sogar noch die Krall, aufbringt, sich zu freuen, dass sie einen warmen Ort gefunden haben.

Ich möchte schreien vor Anklage und weiß mir nicht anders zu helfen, als dass ich mich in die Hektik des Abladens stürze.

Kein Wort des Trostes kommt über meine Lippen; aber ich glaube, sie würden mich auch gar nicht verstehen, denn ‚eta normalna, es ist doch schön, dass wir es warm haben und uns auf ein großes Ereignis vorbereiten dürfen!‘ Ich schäme mich. Ich komme mir vor wie ein Wurm, wie der letzte Dreck. Ich kann so viel Not nicht ertragen, ich flüchte mich in wilden Aktionismus! Gott verzeih‘ mir.

Draußen vor der Kirche blicke ich um mich.
Jetzt kann ich Olgas Angst und Misstrauen verstehen!
Ganz ungeniert, ohne sich die geringste Mühe zu geben, es zu verheimlichen, ist außen am Nachbarhaus eine große Kamera angebracht, mit der der Vorplatz und der Eingang der Kirche überwacht werden.

„Das ist nicht der einzige Beobachtungsposten“, wird mir gesagt, „vom KGB werden oder zumindest wurden wir auch aus Wohnungen überwacht.“
Und alle tun so, als sei es das Normalste von der Welt! Ich kann es nicht fassen!

 

Einige Tage sind vergangen; wir waren wieder auf dem Roten Platz, im GUM, in verschiedenen Kirchen, im Kolomenskoje; wir haben eingekauft und gebummelt; ich habe mit mehreren jungen Unternehmern gesprochen, die Beziehungen zu Deutschland suchen; die Zeit ist verflogen.
Überall hin sind wir mit ‚meiner‘ Metro gefahren, das Auto stand unberührt im Hof.
Heute muss ich das erste Mal in Moskau selbst mit dem Auto fahren. Mir graut davor, zumal wir es auch noch eilig haben.

Für mich ist der Verkehr absolut unübersichtlich:
Ampeln stehen diesseits und jenseits der Kreuzungen; zum Abbiegen muss man wieder auf andere Ampeln achten und die finde ich meistens gar nicht so schnell; Abbiegespuren erkenne ich gar nicht, oder erst im letzten Moment; gefahren wird, so schnell es geht; ab und zu rauscht auf dem breiten Mittelstreifen eine große Limousine, oft ohne Nummernschild, an allen vorbei; alles in allem zum Fürchten, dabei bin ich Großstädte wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt gewohnt.

Höchstens einen Kilometer bin ich gefahren, da kommt GAI hinter mir angefahren, stoppt mich mitten im Verkehr, und verlangt meine ‚Dokumente‘, das sind Führerschein und Wagenpapiere. Ich gebe ihm beides.
Er macht ein finsteres Gesicht und redet auf mich ein.
„Was will er?“, frage ich Ellen.
„Du sollst Strafe zahlen.“
„Strafe? Warum, wofür?“
„Er sagt, du bist ein schlechter Fahrer.“
„Was habe ich denn getan?“
„Das sagt er nicht. Er sagt immer nur, du bist ein schlechter Fahrer“
„Aber irgendeinen Grund muss er doch haben!“
„Nichts zu machen, Hans, er sagt nur, du bist ein schlechter Fahrer.“
„Okay, frage ihn, wieviel er haben will, wir haben es eilig.“

Elen fragt ihn. So viel Russisch verstehe ich aber auch schon, dass Wut in mir hochsteigt, als er sagt ’sto mark‘, das heißt 100 Mark!

„Der spinnt doch! Einhundert Mark!? Kommt nicht in Frage!“

Nach einer aufgeregten Diskussion erklärt mir Elen:
„Er sagt, dass er deine Papiere mitnimmt, wenn du nicht bezahlst. Und Hans, wenn er die Papiere mitgenommen hat, siehst du sie nie wieder, das darfst du mir glauben. Und zeige ja nicht deinen Reisepass vor; der Zivilist, der hinter ihm steht, sagt ihm andauernd, er solle sich von dir den Pass geben lassen.“

Ich werde wütend, belle ihn an und beschimpfe ihn, natürlich auf Deutsch.
Das hat er ganz offensichtlich noch nicht erlebt, er wird unsicher, bleibt aber stur.

Da fällt mir ein, dass ich in meinem Geldbeutel nur noch einen kleinen Betrag in DM habe, das andere Geld habe ich zu Hause gelassen. Ich zücke meinen Geldbeutel – leider sind doch noch 50 DM darin – zeige den Inhalt, und sage:
„Entweder diese 50 DM oder gar nichts, basta!“

Er murrt, ist aber einverstanden. Ich soll ihm den Schein geben. Ich zeige den Schein, halte ihn aber fest, und lasse mir erst meine Papiere in die Hand gehen. Erst nachdem ich sie in der Hand habe, lasse ich den Schein los. Ich beschimpfe ihn noch einmal kräftig – das tut gut – und brause davon.

Am Abend erzählen wir Nikolai die Geschichte. Er wird wütend:
„Dieser Gangster, dieser elende Mafiosi, es ist verboten Strafe in Valuta zu kassieren; und dann noch so viel! Eine Quittung hat er natürlich auch nicht gegeben! Hans, mit deinen 50 Mark hat der Gangster zwei Monatsgehälter in seine Tasche gesteckt! Hast du dir seine Nummer gemerkt? Jeder GAl-Mann hat an seinem Revers eine Kennnummer.“
„Natürlich nicht, ich wusste das ja nicht.“
„Morgen fahren wir wieder zum Oktjabrskaja ploschtschad, merken uns seine Nummer und gehen zu seiner Dienststelle!“

Am nächsten Morgen (und auch in den Wochen danach), war dieser GAIMann nicht mehr an diesem Platz.

„Hans, er macht jetzt mit deinem Geld einen großen Urlaub“, meint Nikolai.

 

Heute ist in Deutschland Ostern. Besser, ich denke nicht daran. Wir gehen in der Stadt spazieren.

Mir fällt auf, dass an mehreren Stellen die großen Leuchtreklamen ausländischer Firmen abgedeckt oder zugehängt sind. Warum? Elen klärt mich auf:
„Jelzin hat ein Regierungsdekret erlassen, das bestimmt, dass für Werbung in lateinischen Buchstaben große Steuer bezahlt werden muss. Wer in lateinischen und kyrillischen Buchstaben wirbt, muss weniger Steuern bezahlen; nur wer allein in kyrillischen Buchstaben wirbt, muss keine Steuern bezahlen.“

Eigentlich schade, dass für eine solche Selbstverständlichkeit ein Regierungsdekret notwendig ist.

Wir fahren in einen anderen Teil der Stadt.

Dort wo ich einen Parkplatz suche, zieht eine Gruppe bunt gekleideter Zigeunerinnen mit kleinen Kindern umher. Diese farbenprächtigen Kleider, die kaffeebraunen Frauen mit den großen schwarzen Augen, sie sind ein schöner Anblick.

Wir steigen aus und sind sofort von mehreren dieser exotischen Frauen umringt. Sie betteln, aber mit einer solchen Aufdringlichkeit, und immer wieder stellt sich mir eine von ihnen in den Weg, ich komme einfach nicht auf die andere Seite des Wagens zu Elen hinüber. Sie ist ebenso von den Frauen umringt wie ich. Ich gehe einige Meter zur Seite, warte auf Elen; sie steht neben dem Auto, hält ihre geöffnete Handtasche auf dem Arm und scheint tief in ein Gespräch mit einer älteren Zigeunerin versunken zu sein. Ich rufe sie. Sie reagiert nicht. Ich rufe wieder. Sie reagiert  immer noch nicht.
Da stimmt doch irgendetwas nicht!

Ich gehe zu ihr, muss wieder einige der Frauen beiseiteschieben, da steht sie wie hypnotisiert vor dieser Frau, die Frau redet ununterbrochen eindringlich auf sie ein, macht mit ihrer Hand Zeichen vor ihrem Gesicht und Elen rührt sich nicht. Als ich bis zu ihr vorgedrungen bin, öffnet die Zigeunerin vor Elens Gesicht die Hand und bläst ihr etwas Imaginäres ins Gesicht, worauf wieder Leben in Elen kommt.
Sie schaut in ihre geöffnete Handtasche und ruft entsetzt:
„Hans, mein Geld, mein ganzes Geld ist weg! Ich habe nichts gesehen, es ist einfach weg!“

Ich nehme sie beim Arm und ziehe sie weg, heraus aus diesem Zigeunerknäuel. Als wir nur wenige Meter weiter gegangen sind, ist der Spuk vorbei; keine Zigeunerin ist mehr zu sehen.

Elen weint, ja sie schluchzt bitterlich; ich kann sie kaum beruhigen.
„Elen, bitte, beruhige dich, es waren doch nur ungefähr zehntausend Rubel (25 Mark), das ist doch kein Grund so unglücklich zu sein.“
„Nein Hans, das ist es nicht allein! Diese alte Frau hat mir einige Dinge aus meiner Kindheit gesagt, die niemand wissen kann. Ganz genau hat sie mir von einer Tante erzählt, die damals viel Schlechtes gemacht hat; sie hat mir auch gesagt, dass diese Tante vor zwei Jahren gestorben ist; sie hat mir Ereignisse ganz genau erzählt, die kann niemand außer mir wissen! Und sie hat gesagt, dass die Macht dieser Frau jetzt vorbei ist. Sie hat mir von meinem Vater erzählt, der schon gestorben ist, als ich noch ganz klein war. Ich habe aber diese Zigeunerin noch nie gesehen! Und in der Zwischenzeit haben sie mir alles Geld gestohlen.“
So kommt es aus ihr unter Schluchzen und Tränen hervor. Ich kann sie kaum trösten.

Es müssen sehr schlimme Erlebnisse gewesen sein, die diese Zigeunerin in ihr wieder wach gerufen hat.

Wir fahren schnell nach Hause.




Deutsche Russlandpolitik und die Aussichten

[von Dr. Christian Wipperfürth] Russland sollte nach Möglichkeit eingebunden werden. Dies war über Jahrzehnte Leitlinie deutscher Politik. Einige EU- und NATO-Partner vertraten die gegenteilige Ansicht.

So haben die USA und Großbritannien auch in den Jahren vor der Ukrainekrise den russischen Finanzminister zu Treffen der G8-Ressortchefs nicht eingeladen, anders als Berlin, Paris und Rom. Der Westen sandte unterschiedliche Signale Richtung Moskau.

Ist dies nach wie vor der Fall? Hat Deutschland seine Mittlerrolle nicht aufgegeben?

Hierfür gibt es Anzeichen, aber sie werden überbewertet. Gehen wir ein wenig ins Detail:

  1. Deutschland u.a. verhinderten auch auf dem NATO-Gipfel 2016 eine Kündigung der NATO-Russland-Grundakte, was einige Bündnispartner forderten.
  2. Der Westen hat den Kontakt im NATO-Russland-Rat im Frühjahr 2014 für zwei Jahre unterbrochen. Berlin und etwa Paris argumentierten, im Konfliktfall müsse miteinander gesprochen werden, was einige NATO-Partner jedoch ablehnten. Der NATO-Russland-Rat hat sich nicht zuletzt aufgrund der deutschen Hartnäckigkeit im Frühjahr 2016 wiederum getroffen.
  3. Russland unterbreitete auf dem zweiten Treffen des Rats im Juli einen konkreten Vorschlag zur Spannungsminderung im Ostseeraum. Präsident Putin hat Bundeskanzlerin Merkel einen Tag vor der Sitzung des NATO-Russland-Rats angerufen. Er dürfte die Kanzlerin vorab über den Vorschlag informiert haben. Moskau weiß um die deutsche Mittlerrolle. Außenminister Steinmeier sprach sich darüber hinaus im Spätsommer für einen Neustart in der Rüstungskontrolle aus, was bei einigen NATO-Partnern für Unmut sorgte.

Die NATO lehnte die russischen Vorschläge zur Rüstungskontrolle im September ab. Wir wissen nicht, ob Moskau sie tatsächlich ernst gemeint hat. Dies sollte – so Berlin, Paris u.a. – in Verhandlungen jedoch abgeklopft werden, was einige NATO-Partner bislang grundsätzlich ablehnen.

Hinter den Kulissen war zwischen Deutschland und einigen anderen auf der einen Seite und den USA und weiteren Hardlinern auf der anderen über Wochen hart gerungen worden. Ansonsten hätte die NATO bereits im Sommer erklärt, Verhandlungen abzulehnen. Immerhin soll der NATO-Russland-Rat in Zukunft regelmäßig zusammentreffen.

  1. Außenminister Steinmeier betonte in einem programmatischen Artikel (in „Foreign Affairs“), Deutschland werde „alles tun“, um einen neuen Kalten Krieg zu verhindern. Deutschland glaube zudem nicht an die „Außergewöhnlichkeit“ irgendeiner Nation, was die USA bekanntermaßen für sich beanspruchen.

Man könnte weitere Beispiele für die anhaltend vermittelnde Rolle Berlins nennen, bspw. die unter deutscher OSZE-Präsidentschaft gestartete Transnistrien-Initiative. Deutschland ist nicht zu den „Hardlinern“ gewechselt, muss aber Bündnisrücksichten nehmen, – die auch andere auf Berlin nehmen müssen.

Gleichwohl ist unverkennbar: In den letzten Jahren sind auch in Deutschland diejenigen stärker geworden, die eine harte („angelsächsische Haltung“) gegenüber Russland einnehmen. Aber sie beginnen in die Defensive zu geraten. Die Politik übertriebener und unrealistischer Erwartungen („Arabischer Frühling“, Libyen u.a.) ist zu offensichtlich gescheitert.

Führende russische Strategen haben, so Alexander Rahr, Eckpunkte einer „russischen Westpolitik“ vorgelegt. Wie könnte und sollte Deutschland reagieren?

Fangen wir mit dem Einfachen an: Deutschland hat kein Problem damit zuzugestehen, dass die Welt multipolar sei (s. z.B. Steinmeiers zur „Außergewöhnlichkeit“). Sie ist es bereits, so haben die G20 in den letzten Jahren gegenüber den westlichen G7 stark an Bedeutung gewonnen. Die aufstrebenden Mächte (aber nicht nur sie) sollten sich, so Berlin, allerdings verantwortlich verhalten.

Was bedeutet „verantwortlich verhalten“? Hier fangen die Probleme an. Will Moskau eine „Einflusszone“, ein neues „Jalta“? Dies wird mit Berlin nicht zu machen sein. In die Wiederaufnahme und Verstärkung der deutsch/westlich-russischen Kooperation sollten andere eingebunden werden, nicht zuletzt die Ukraine (und etwa die Republik Moldau). Kooperation nicht über die Köpfe anderer hinweg, aber auch ohne „Vetorechte“ für sie. Mit dem klaren Ziel der Zusammenarbeit.

Der Anfang sollte aus deutscher Sicht eine „Politik der kleinen Schritte“ sein. Die russische Seite bevorzugt gewöhnlich im Gegensatz dazu eine Einigung im Großen und überlässt die Lösung von Detailfragen der Zukunft. So wünschen die russischen Kollegen eine Zusammenarbeit in strategischen Sektoren und bspw. eine Kooperation der EU mit der Eurasischen Wirtschaftsunion.

Vielleicht lassen sich ja beide Ansätze verbinden. Die Aussichten hierfür sind besser als vor einem oder vor zwei Jahren. Ich bin optimistisch.

 

Dieser Beitrag erscheint auch auf russlandkontrovers.de




Ausstellungseröffnung „Nikolai Nikogosian – Moskauer Klassiker im Doppelspiegel“ 30. November Berlin

Die Ausstellung widmet sich einer lebenden Legende der russischen Kunst: Nikolai Nikogosian, fast 100-jährig, zählt zu den bedeutendsten russischen Bildhauern und Malern. Erstmals wird in Deutschland ein Großteil der Arbeiten Nikogosians präsentiert, die von bildhauerischen Denkmalstudien bis hin zu Aktmalerei reicht – ein für die damalige UdSSR eher ungewöhnliches Sujet.

Nikolai Nikogosian wurde am 2. Dezember 1918 in dem kleinen Dorf Mets Shagriar, 50 Kilometer westlich von Jerewan (Armenien), geboren. Zu seinem Studium ging er nach St. Petersburg, ab 1944-1947 setzte er seine Ausbildung im Surikow Kunstinstitut in Moskau unter der Leitung von Prof. Alexander Matwejew fort. Danach arbeitete er als Bildhauer, Maler und Grafiker in Moskau. Leidenschaftlich machte er Porträts von Menschen, die seine Aufmerksamkeit erregten. Zu seinen Modellen gehörten der Chemiker Nikolai Zelinski, die Ballerina Maja Plissetskaja, der Komponist Aram Khachaturian, der Physiker Pjotr Kapitza und der Schachweltmeister Tigran Petrosian. Nikolai Nikogosian war und ist bis heute sehr produktiv und schuf mehr als 200 Büsten (in Bronze, Holz und Marmor), 600 Ölgemälde und 3000 Kohlezeichnungen. Seine Werke schmücken private Sammlungen in Frankreich, Belgien, Finnland, Italien, Deutschland, Portugal, Irland und Griechenland. Einige Werke gehören zur Sammlung der Staatlichen Tretjakow-Galerie in Moskau.

Auszeichnungen: 1977 Staatspreis der UdSSR, 1982 Volkskünstler der UdSSR, 1989 Professor der Stroganow Universität für Kunst Moskau, 2001 Ordentliches Mitglied der Russischen Akademie der Künste, 2008 Goldmedaille der Russischen Akademie der Künste.

Ergänzt wird die Ausstellung um eine Präsentation von vier weiteren Künstlern des Moskauer Kreises: Mariam Aslamazyan, Armine Kalentz, Archi Galentz sowie Harutyun Kalentz. Diese Maler, die in enger familiärer Bindung zu Nikogosian stehen, belegen die Produktivität und Leidenschaft der großen Moskauer Künstlerfamilie, der in Moskau ein Privatmuseum gewidmet ist.

Eine Kooperationsveranstaltung des Deutsch-Russischen Forums e.V. und des Direktorenhaus Museums Berlin.

Mittwoch, 30. November 2016
19:00 Uhr
Direktorenhaus Berlin
Am Krögel 2
10179 Berlin

Um Anmeldung unter wird gebeten: http://veranstaltungen.drforum.de/register/121




Furore in den Medien – Gattin von Putins Pressesprecher tanzt „Holocaust on Ice“

[Von Susanne Brammerloh] – Die Promi-Show „Eiszeit“ im Ersten Kanal hat mit einer auf einem KZ-Film basierenden Tanznummer eine Riesendiskussion losgetreten, schreibt das Petersburger Stadtportal Fontanka.ru. Darf man den Holocaust aufs Eis bringen? Ist das „Kunst“, und wenn ja – wie weit darf Kunst gehen? Pikant an der Sache – die Darstellerin ist die Gattin von Dmitri Peskow, dem Stellvertretenden Leiter der Präsidentenverwaltung und Pressesprecher Putins.

Tatjana Nawka, ihres Zeichens Eiskunstlauf-Olympiasiegerin, und ihr Partner, der Schauspieler Andrej Burkowski, betraten die Bühne in gestreifter Häftlingsrobe mit gelbem Davidstern. Ihre gefühlsbetonte Vorführung basierte auf dem Lied „Das Leben ist schön“ aus dem gleichnamigen italienischen Film von 1997, der mit lyrischem Humor das Schicksal einer Familie in einem deutschen KZ in Italien thematisiert und drei Oscars gewann.

Die Jury ist begeistert, Peskow ist stolz

Das Publikum im Saal reagierte mit donnerndem Applaus auf die ungewöhnliche Darstellung, die Jury ließ sich nicht lumpen und teilte höchste Noten aus – jeweils eine „6.0“ für künstlerische Ausführung und Technik. Jury-Mitglied Karen Schachnasarow, ein bekannter russischer Filmregisseur, bescheinigte den Tänzern: „Den beiden ist es gelungen, den Geist, das Wesen dieses hervorragenden Films wiederzugeben.“

AP-Korrespondentin Natalia Wassiljewa ließ auf Twitter verlauten: „Ich habe Dmitri Peskow nach dem Tanz von Tatjana Nawka gefragt. Er hat geantwortet: ,Ich bin stolz auf meine Frau – das ist alles, was ich sagen kann.’“

Beleidigend und unangebracht?

Soweit, so gut – in den sozialen Netzwerken hagelte es – wie soll´s auch anders sein –zum Teil heftige Kritik. „Nawka hat allen gezeigt, wie fröhlich die Häftlinge in den faschistischen Konzentrationslagern ihre Freizeit verbrachten. Wer damit einverstanden ist, ist ein Geschichtsfälscher“, schrieb zum Beispiel ein User namens Durevestnik. In anderen Posts tauchten Worte wie „beleidigend“, „ekelerregend“, „fehl am Platze“ und „geistlos“ auf.

Der amerikanische Komiker Michael Ian Black drückte seine Zweifel vorsichtiger aus: „Vielleicht ist es einfach unangebracht, so etwas (die Epoche von Auschwitz) aufs Eis zu bringen.“ Die israelische Zeitung „Haaretz“ betont die Ambivalenz, das Thema in Vergnügungssendungen zu thematisieren: „Holocaust on Ice: Die Frau von Putins Berater ruft mit ihrem Eiskunstlauf in KZ-Robe Kontroversen hervor.“

Eiskunstlaufen ist eine Kunst

Interessant ist die vorsichtige Reaktion des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von St. Petersburg, Mark Grubarg: „Die Wahl des Themas ist nicht verboten. Ein Kunstwerk wird danach bewertet, (…) ob es die Menschen bewegt. Ich kann diese Nummer nicht als großes, bedeutendes Werk einschätzen. (…) Ist es gelungen, dem Publikum die Tragik zu vermitteln? Das ist fraglich. Aber jetzt suchen viele nach Dissonanzen, die nicht konzeptionell sind.“

Oxana Kasakowa, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 1998, ist dagegen voll auf der Seite der Darsteller: „Die Nummer hat viele zum Weinen gebracht. Das Thema wurde nicht mit Komik präsentiert. Eiskunstlaufen ist eine Kunst. Mit dem Tanz können wir Emotionen, Probleme und Ängste wiedergeben.“

[Susanne Brammerloh/russland.NEWS]




Kurznachrichten

Der Präsident des BND, Bruno Kahl, ist der Meinung, dass vor den Wahlen 2017 in Deutschland aus Russland gesteuerte Datenhacks und Desinformationskampagnen vermehrt auftreten würden. Man habe „Erkenntnisse, dass Cyberangriffe stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen“, sagte Kahl der „Süddeutschen Zeitung“. Quellen nannte er nicht.

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Das russische Verteidigungsministerium meldet, die syrische Armee habe fast die Hälfte von Ost-Aleppo zurückerobert. In den vergangenen 24 Stunden sei ihr ein Durchbruch im Kampf um die Stadt gelungen, die Söldner befänden sich auf der Flucht.

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In einem von CDU und CSU abgestimmten Positionspapier wird verlangt, den Kurs gegen Russland zu verschärfen, weil Moskaus Vorgehen in der Ukraine „inakzeptabel“ sei und Russland versuche, in westliche Gesellschaften einzugreifen und andere Staaten ausspionieren.

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Das kanadische Außenministerium hat Sanktionen gegen 15 Parlamentarier verhängt, darunter sechs von der Autonomen Republik Krim, verhängt. Die Maßnahme solle, „den nötigen Druck auf Russland aufrechterhalten“.
„Die russische Seite wird diesen unfreundlichen Schritt in Betracht ziehen und darauf auf der Grundlage der Gegenseitigkeit reagieren“, kommentierte der Sprecher der russischen diplomatischen Mission in Ottawa, Kirill Kalinin.

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Das südkoreanische Institut Sooam Biotech Research Foundation hat den Sicherheitskräften Jakutiens anlässlich des 60. Jahrestages der Hochschulbildung in Jakutien drei geklonte belgische Schäferhunde geschenkt, berichtet Interfax. Die einjährigen Rüden Tom, Mark und Jack aus den Zellen des besten Polizeihundes Südkoreas reproduziert worden und hätten seine einzigartigen Eigenschaften geerbt, berichten Wissenschaftler. Die drei werden demnächst in den Flughafendienst in Russland eintreten.

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Aufgrund der russisch-syrischen Angriffe in Ost-Aleppo müsse der Westen sofort aktiv werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Norbert Röttgen (Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der CDU) und Franziska Brantner (Vorsitzende des Unterausschusses Zivile Krisenprävention im Bundestag Grüne). „Die EU müsste zumindest die russischen Handlanger dieser Gräueltaten in Syrien mit Sanktionen belegen. Es darf nicht sein, dass Verantwortliche für Kriegsverbrechen zum Weihnachts-Shopping nach München oder Paris fliegen, während in Syrien Frauen und Kinder sterben.“

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Über die Atomruine Tschernobyl in der Ukraine haben Spezialisten eine riesige Schutzhülle gebaut. Die Schutzhülle wurde neben der Atomruine gebaut und dann langsam über die Ruine geschoben.

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Präsident Wladimir Putin hat angewiesen, mobile Hospitale für die Erweisung von medizinischer Hilfe den Bürgern Aleppos nach Syrien zu schicken. Das Verteidigungsministerium und das Ministerium für Zivilschutz sind dafür verantwortlich. Dies habe in kürzester Zeit zu erfolgen.

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Laut ständigem russischen Vertreter bei der NATO Alexander Grischko habe die NATO es abgelehnt, Konsultationen zur Frage der Flugsicherheit im Raum der Ostsee durchzuführen. Eine entsprechende Initiative des russischen Verteidigungsministeriums wurde von der NATO zurückgewiesen.
„Wir waren bereit, ein ernsthaftes, entpolitisiertes Gespräch auf der Ebene der Militärexperten zu führen. Leider haben die Länder der NATO sowohl kollektiv wie auch individuell derartige Konsultationen abgelehnt“, – so Grischko.

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RosTurism informiert, dass ausländische Touristen in Russland im Durchschnitt 1.200 USD während ihres Aufenthaltes ausgeben. Die Angaben unterscheiden sich ein wenig zu den Informationen, die aus der Tourismusbranche selber kommen, denn dort kommt man auf einen „Durchschnitt-Scheck“ von 1.600-1.800 Euro – ein doch nicht ganz unerheblicher Unterschied. Im Jahre 2015 besuchten 27 Mio. Touristen Russland. Im hauptsächlichen kamen diese aus Polen, Finnland, den GUS-Staaten und Süd-Ost-Asien. Russlands Touristenbranche hat von diesen Touristen 12 Mrd. USD Einnahmen erhalten. Sehr stabil ist der Touristenstrom aus China in den letzten fünf Jahren. In den letzten drei Jahren hat sich die Anzahl der chinesischen Touristen verdoppelt – im Jahre 2015 besuchten 1,12 Mio. Chinesen Russland. Die Tourismusbranche hofft nun auf die schnelle Einführung des Systems Tax-Free, welches die Touristen sicher zusätzlichen Einkäufen animiert.

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Der russische Premier Dmitri Medwedjew hat den Stellvertreten Minister für Bildung und Wissenschaft Alexej Lopatin von seiner Funktion entbunden und entlassen. In der Mitteilung wird hervorgehoben, dass die Entlassung auf Bitten von Alexej Lopatin erfolgte. Alexej Lopatin ist Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Am Morgen hatte der russische Präsident Putin bereits vier hochgestellte Beamte entlassen, die ebenfalls Mitglieder der Akademie sind.

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Der Gehilfe des russischen Präsidenten Putin Juri Uschakow informierte über eine unglaublich große Aktivität des amerikanischen Außenministers Kerry zur Syrienproblematik. Niemals haben zwischen Kerry und dem russischen Außenminister Lawrow so viele Gespräche stattgefunden wie gegenwärtig. Und es gibt fast nur noch ein Thema: Syrien – so Uschakow.  Allerdings zeigte sich Uschakow skeptisch, ob es noch zu irgendwelchen Vereinbarungen bis zum Präsidentenwechsel kommen könnte. „Schwer zu sagen …“, – so Uschakow. Anscheinend haben die USA große Sorgen im Zusammenhang mit den fortschreitenden Erfolgen der syrischen Armee im Bereich Aleppo und wollen nun doch irgendwie eine Unterteilung der Terroristen in „gut“ und „böse“ erreichen, mit dem Ziel, dass die Terroristen in Aleppo vielleicht doch „gut“ sind. Die USA möchten noch vor dem Amtsantritt von Trump nicht widerrufbare Fakten schaffen, damit es dem neuen Präsidenten Trump nicht mehr möglich wird, Entscheidungen zuungunsten der syrischen Opposition zu treffen.

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(Hanns-Martin Wietek/russland.news)




russland.COMMUNITY: Der Cyber-Russe ist unterwegs

Die Antwort kann nur die Atom-Bombe sein

[Von Uli Gellermann] – Wen haben wir denn da? Bruno Kahl. Den verlängerten Arm der dunklen Macht im Herzen der CDU, Schäubles Hausdiener seit 1996, seit er dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden „in verschiedenen Funktionen“ zuarbeitete. Um ihm dann beim Bundesministerium des Inneren die Pantoffeln zu reichen und schließlich seinem Herrn und Meister in das Finanzministerium zu folgen. Nun ist er Chef des Bundesnachrichtendienstes, der oberste Auslands-Spion und verkündet als erstes: “Störversuche aus Russland“ Im Internet. Schauerlich heulen die Wölfe aus Sibirien im www. Grimmig wird Putin die Strippen der Telekom ziehen. Und das Ziel sind die Wahlen in Deutschland.

Wer hatte begonnen die guten alten Luftschutz-Sirenen aus den glorreichen Reichsjahren zum Zweck des Cyber-Alarms zu reaktivieren? War es der Internet-Junkie Angela Merkel, als sie jüngst den Bundestag auffordert, sich mit neuen Möglichkeiten der politischen Manipulation wie die von Computern erzeugten künstlichen Identitäten oder Falschmeldungen zu beschäftigen? War es der Netz-Artist und SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der sich sorgte, dass die Ergebnisse der Bundestagswahl durch Cyber-Attacken manipuliert werden könnten? Oder doch der Chef des britischen Geheimdienstes MI5, Andrew Parker, der im Guardian Klartext redete: „Russland ist eine zunehmende Bedrohung für die Stabilität in Großbritannien“ und der vor den „ausgefeilten Werkzeugen“ der Moskowiter warnte. Aha, die Russen feilen an ihren Computer-Chips! Dann kann es nicht mehr lange dauern und sie sägen auch an unseren Plasmabildschirmen.

Das Interview mit dem Mann vom Bundesnachrichtendienst soll angeblich der ehrenwerte Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung geführt haben. Aber diese primitive Suggestiv-Vorlage kann doch der Prantl, den wir kennen, nie selbst gegeben haben: „Seit dem Ukrainekrieg wird auch das deutschsprachige Internet vollgemüllt mit Desinformationen aus sogenannten Troll-Fabriken in Russland“. Es muss sich bei dieser unter Prantl firmierenden Figur um irgendeinen Geheimdienst-Klon handeln. Denn der echte Prantl weiß schon, dass gerade im Ukrainekrieg die Falsch-Informationen in Deutschland schön von Hand gemacht wurden. Sowohl von den Atlantikern in seiner Zeitung als auch gern und genauso schlecht in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten.

Wie soll es nur vor sich gehen, wenn der Russe, nachdem er zum Frühstück schon ein westliches Werte-Kind gefrühstückt hat, unsere garantiert freien Wahlen mit seinen Trollen beeinflusst? Hackt sich der Russe direkt in die Wahlcomputer, um der russlanddeutschen Partei EINHEIT (единство) zu einem Kantersieg bei den Bundestagswahlen zu verhelfen? Oder werden die Agenten Putins bei Sputnik News und RT Deutsch von der Kinderarmut in Deutschland oder ähnlichem Horror berichten, um die Wähler zu verunsichern? Und was machen die Wähler dann? Kaufen sie sich alle Kalaschnikows, zerschießen die Wahlurnen und ertränken die Wahl-Leiter in hochprozentigem Wodka?

Geradezu pünktlich zum Wahlkampfauftakt, nur wenige Tage nach der Merkel-Kandidatur, kam es zu massiven Ausfällen von Routern der Deutschen Telekom. Flugs hatte das Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) „Erkenntnisse“ in der Qualität von Visionen der heiligen Theresa: Der Ausfall, der 900.000 Geräte lahmlegte, sei die Folge einer weltweiten Attacke auf ausgewählte Fernverwaltungsports. Arne Schönbohm, der Chef des BSI, ist Mitglied solch klassischer Cyber-Nerd-Vereine wie der Atlantik-Brücke, der Clausewitz-Gesellschaft und des Förderkreises Deutsches Heer. Von dort werden sicher auch die gern zitierten „Sicherheitsexperten“ kommen, die immer wieder auf die Machenschaften russischer Gruppierungen verweisen, die „mutmaßlich“ von Geheimdiensten des Putin-Regimes gesteuert werden.

In der Stunde der Gefahr, wenn das deutsche Netz vom Russen völlig zersetzt ist und die deutschen Wahlen in Moskau gefälscht werden, ist immer noch auf die Wacht am Main Verlass: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie fürchtet, dass die USA, die „schon unter Obama zunehmend zögerlich den Weltpolizisten gespielt“ habe, noch zögerlicher werden könne. Das sei zwar „angesichts der vielen Misserfolge bei astronomisch hohen Kosten, finanziellen wie politischen“, nicht verwunderlich. Aber jetzt müsse die „eigene (deutsche) nukleare Abschreckungsfähigkeit, welche die Zweifel an Amerikas Garantien ausgleichen könnte“ her. Mit echten deutschen Atombomben könnte dem Russen das Handwerk gelegt werden. Bis zum Ural. Und, wenn nötig, auch darüber hinaus. Zweifellos und garantiert.

Uli Gellermanns Kommentar erschien zuerst in der RationalGalerie

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Russisch: Interessante Körperteile! [Video]

Nachdem Ihr jetzt von ihr schon so viel gelernt hat, geht unsere unterhaltsame Russisch-Beibringerin Anna Kotschewa jetzt einmal ans eingemachte.

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Das gemeinsame Europäische Haus kommt 2017

[Prof. Alexander Rahr] Die europäische Sicherheitsarchitektur, wie sie in den letzten 25 Jahren seit dem Fall der Mauer Bestand hatte, bedarf einer Reparatur. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps wird Europa sein Verhältnis zu der westlichen Führungsmacht USA neu justieren müssen. Die NATO wird weniger wichtig. Auch die Europäische Union selbst steht vor einer Zerreißprobe. Der Rechtspopulismus erschüttert das Fundament, auf dem die EU 25 Jahre lang erfolgreich basiert hatte. Um stabil zu bleiben, muss Europa eine Einigung mit Russland finden – ansonsten drohen Erschütterungen an der Ostflanke Europas.

Die personelle Zusammensetzung der G 7(8) und G 20 wird sich radikal verändern. Wahrscheinlich wird das Primat einer werteorientierten Außenpolitik, dem vor allem Angela Merkel nachhängt, von einer stärkeren Hinwendung der USA und wichtiger EU-Staaten zu einer stärker interessensgeleiteten Politik verdrängt. Das wird großes Umdenken im Handeln der europäischen Eliten nach sich ziehen. Aber das Verhältnis zu Russland reparieren helfen.

Gelöst werden muss vor allem die Frage, wie Russland, das selbst nicht Mitglied der NATO und EU ist, in eine europäische Sicherheitsarchitektur integriert werden kann. Aus Sicht vieler Europäer, kann ein stabiles und prosperierendes Europa ohne oder gegen Russland nicht funktionieren, deshalb müssen die Sicherheitsinteressen nicht nur der NATO-Staaten, sondern auch Russlands befriedigt werden. Der Vorschlag der Errichtung eines gemeinsamen Raumes von Lissabon bis Wladiwostok liegt lange auf dem Tisch. Dafür fehlt bislang der konzeptionelle Rahmen.

Folgende Fragen müssen beantwortet werden.

Welches praktische Ziel sollte ein gemeinsamer Raum haben?
Eine Freihandelszone ist nicht im russischen Interesse. Bekanntlich führt Russland, trotz WTO-Beitritt, protektionistische Praktiken ein, um die einheimische, teils nicht konkurrenzfähige Industrie zu schützen. Von einer größeren gegenseitigen Marktöffnung würde zunächst die EU profitieren, denn die EU Warenpalette ist qualitativer als die russische. Russland schwebt eher ein gemeinsamer Wirtschaftsraum, begründet auf einem konstruktiven Interessensausgleich, vor. Russland ist bereit, die EU mit Energieträgern zu versorgen, möchte dafür westliche Hochtechnologie erstehen. Wie können die unterschiedlichen Wunschvorstellungen verknüpft werden?

Sollte die EU eine Verflechtung mit der Eurasischen Wirtschaftsunion anstreben?
Die EU hat die Eurasische Wirtschaftsunion bislang kritisch als Versuch Russlands gewertet, sein Imperium wieder aufzurichten. In Strategiepapieren der westlichen Think Tanks wird der Bundesregierung von einem Dialog zwischen EU und Eurasischer Wirtschaftsunion abgeraten. Wirtschaftlich lohnt sich die Kooperation jedoch allemal: Für die EU würden die Zölle innerhalb des postsowjetischen Territorium wegfallen und westliche Investoren in der Eurasischen Wirtschaftsunion bekämen einen privilegierten Zugang zum chinesischen Markt, denn China scheint sich zum wichtigsten Partner der Eurasischen Union zu entwickeln. Durch die Anerkennung der Eurasischen Wirtschaftsunion müsste sich die EU jedoch von ihren Plänen verabschieden, Staaten wie Belarus oder Armenien über EU-Assoziierungsverträge an den Westen anzudocken.

Wie können im gemeinsamen Raum Werte und Interessen verknüpft werden?
Die bisherigen Partnerschaften zwischen EU und Russland scheiterten daran, dass die EU die Annahme liberaler Werte und Rechtspraktiken durch Russland zur Vorbedingung machte. Heute wird Russland einem Import westlicher multi-Sicherheitsinstitute und internationaler Gerichte auf sein Territorium nicht mehr zustimmen, wie es in den 1990er Jahren getan hat. Der Westen dürfte mittlerweile eingesehen haben, dass seine Handhabung der Wertepolitik in Osteuropa auf Grenzen stößt. Putin schwebt ein gemeinsamer europäischer Raum vor, wo westlich-liberale und russische nationale Traditionen friedlich nebeneinander existieren, ohne Einmischung. Ist die EU bereit, ihre Politik des demokratischen Wertetransfers zu überdenken und beispielsweise ihre direkte Unterstützung für Menschenrechte und Zivilgesellschaft in Russland zurückzufahren? Wichtig wäre die gegenseitige Abschaffung der Visabarrieren zwischen allen Mitgliedsstaaten des gemeinsamen Raums. Dies wäre der beste Weg zur Kooperation der Zivilgesellschaften und würde die Idee des gemeinsamen Raumes überall fördern helfen.

Wie könnte ein gemeinsamer Sicherheitsraum konstruiert werden?
NATO und die Organisation des Vertrages für kollektive Sicherheit (OSZE) sollten konkrete Kooperationsmaßnahmen, beispielsweise bei der Stabilisierung von Afghanistan, beschließen. Die OSZE – in der NATO/EU-Staaten und Russland gleichberechtigt sind – könnte sich zu einer Organisation gemeinsamer „soft power“ konstituieren und Themen wie Antiterrorkampf, Migration, organisierte Kriminalität, Cyberterror, Energiesicherheit und Klimaschutz gemeinsam angehen. Die entstandene Lage erfordert ein Moratorium auf weitere NATO Erweiterung und eine Konzentration auf NATO – Russland Kooperation im Nahen und Mittleren Osten. Die EU sollte den Antrag auf einen Beobachterstatus in der Schanghai Organisation für Zusammenarbeit stellen. Eine Raketenabwehr (gegen Aggressoren aus Asien) sollte nur mit Russland zusammen betrieben werden.

Wie können alle von der Idee eines gemeinsamen Raums überzeugt werden?
Zunächst müssen die USA davon überzeugt werden, dass ein enger Zusammenschluss zwischen EU und Russland auch ihnen nutzt. Sie müssen davon überzeugt werden, dass Staaten der gemeinsamen Nachbarschaft Russland – EU nicht vor die Wahl „entweder – oder“ gestellt werden dürfen. Die Ukraine-Krise ist nur in einer Konstellation des gemeinsamen Raumes zu lösen.

Es wäre erstrebenswert, dass eine Helsinki II Konferenz mit dem Abschluss einer neuen OSZE Akte einem neuen friedlichen Europa den Weg ebnen würde.




Versuch einer Extremismus-Analyse in Kaliningrad

[Von Uwe Niemeier] – Das Thema Extremismus zu beleuchten, ist für einen Ausländer im russischen Kaliningrad nicht ganz einfach. Man muss sich in Kreise begeben, die gesellschaftlich nicht akzeptiert sind. Und man muss aufpassen, dass man eine rote Linie nicht überschreitet. Dazu kommt, dass Extremismus ein internationaler Gummibegriff ist.

Was ist extrem? Extrem ist, wenn ich höre, dass Iwan Iwanowitsch kifft. Ich kiffe nicht, also ist Iwan Iwanowitsch Extremist – für mich. Für Pjotr Pawlowitsch ist er kein Extremist, weil der auch kifft. Tatjana Wladimirowna ist Extremistin. Sie schiebt sich jeden Tag fünf Stück Sahnetorte rein und wird dicker und dicker. Ich esse „Fillinchen“ und leide nicht an Übergewicht. Aber ich bin Extremist – in den Augen von Tatjana Wladimirowna – wie kann man sich nur selber so extrem quälen und den Genüssen des Lebens entsagen.

Und es gibt die Extremisten mit einem etwas ernsteren Hintergrund. In Deutschland werden die Neonazis als extrem eingestuft, aber auch die AfD soll extrem sein. Die PDS war Anfang der 90er Jahre extrem und natürlich ist PEGIDA irgendwie naja und so und überhaupt …

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Stalins Henker bekommen ein Gesicht

[Von Eugen von Arb] – Der Vorgang ist unglaublich: In einer Zeit, in der man in Russland wieder Stalin-Denkmäler enthüllt und Organisationen, die sich mit der Aufklärung von Verbrechen des NKWDs beschäftigen, vom Staat in Ecke gedrängt werden, nennt plötzlich jemand Namen – die Namen von Stalins Henkern.

Über die stalinistischen Verbrechen, die Massenmorde und das Gulag offen zu sprechen, ist trotz der wachsenden Behinderung durch den Kreml bis heute möglich. Doch bis jetzt war dieses Grauen, das in praktisch jeder russischen Familie ihren Schrecken hinterlassen hat, anonym. In einer unglaublichen Arbeit hat die Organisation „Memorial“ Riesenmengen an Daten über den sowjetischen Repressionsapparat zusammengetragen. Im Rahmen der Aktion „Die letzte Adresse“ wurde auch begonnen, den Millionen von Opfern ein Gesicht zu geben.

Die unzähligen Täter blieben jedoch bis heute im Dunkeln, und mit einer Anweisung von Präsident Putin wurden die geheimen Archive des NKWD auf weitere Jahre dem Zugriff der Öffentlichkeit vorenthalten.

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