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05-11-2008 4. November
Gedenktag in Russland - Ultra-Nationalisten zeigen Hitlergruß


Mit Hitlergrüßen und anti-westlichen Schlachtrufen haben russische Ultra-Nationalisten den jährlichen Tag der Einheit des Volkes begangen. Bei einer verbotenen Demonstration in der Moskauer Innenstadt wurden russischen Medienberichten zufolge am Dienstag mehrere hundert Rechtsextreme festgenommen.




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Auch in St. Petersburg und anderen russischen Städten seien Ultra-Nationalisten auf die Straße gegangen. Bei der offiziellen Kundgebung der Kreml-treuen Partei Einiges Russland in Moskau skandierten etwa 5000 Teilnehmer "Ehre für Russland" und feierten Ministerpräsident Wladimir Putin, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Tag der Volkseinheit erlangt besondere Bedeutung für Russland

Nach Ansicht des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew hat der Tag der Volkseinheit in diesem Jahr, da Russland mit politischem und wirtschaftlichen Prüfungen konfrontiert ist, eine besondere Bedeutung erlangt.

Bei einem feierlichen Empfang am Dienstag im Kreml sagte der Präsident: "Diese Einheit ist ein Ziel der Entwicklung des Landes, sie ist besonders in einer Zeitperiode notwendig, da der Staat und die Gesellschaft Schwierigkeiten durchleben müssen." "Dieses Jahr ist nicht gerade leicht für Russland. In einer Zeit der Prüfungen – militärischer, politischer und wirtschaftlicher – haben wir Ihre Unterstützung, eine wahre Liebe zu Russland, zu den Menschen, die hier leben und arbeiten, gespürt. Diese Einheit ist sehr wertvoll", sagte Medwedew zu den Versammelten - Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Kulturschaffenden und Wissenschaftlern sowie im Ausland lebenden Landsleuten.

In seiner Rede im Kreml erinnerte der Staatschef daran, dass dieses Fest seinen Ursprung in den denkwürdigen historischen Ereignissen hat, da 1612 Angehörige verschiedener Stände, unterschiedlichen Glaubensbekenntnisses und unterschiedlicher Nationalität die Verderblichkeit innerer Fehden eingesehen, sich zusammengeschlossen, die russische Staatlichkeit gerettet und das Land von den Eindringlingen befreit hatten.

"Die Volkswehr wurde von den Patrioten Kusma Minin und Dmitri Poscharski geführt. Ihr Mut und ihr Können, das Volk zusammenschließen zu lassen, ihre Treue für das Vaterland hatten im Grunde das weitere Schicksal unseres Landes als eines unabhängigen, selbstständigen und starken Staates vorausbestimmt ... Dieser Sieg des Volkes ließ die Eintracht der Nation zu den höchsten geistigen Werten in Russland rücken, die auch heute noch als erstrangig gelten. Dieser historische Faden zerreißt nicht", sagte der russische Präsident.

Polizei nimmt 400 Personen fest

Im Zentrum Moskaus sind am Dienstag mindestens 400 Personen bei dem Versuch festgenommen worden, den verbotenen "Russischen Marsch" durchzuführen. Das teilte der Chef des Informations- und PR-Amtes der hauptstädtischen Innenbehörde, Viktor Birjukow, ITAR-TASS mit.

Nach seinen Angaben wurden "faktisch alle Rechtsverletzer" im Raum der Straßen Arbat und Nowy Arbat festgenommen. "Den Festgenommenen wird vorgeworfen, an nicht genehmigten Veranstaltungen teilgenommen bzw. versucht zu haben, solche zu organisieren", sagte er. Der einzige von den Behörden erlaubte "Russische Marsch" fand auf dem Platz vor dem Hotel "Ukraine" statt. Die Aktion verlief nach Behördenangaben äußerst friedlich.

Wie der stellvertretende Pressesprecher des Oberbürgermeisters, Leonid Krutakow, zuvor ITAR-TASS mitteilte, wurde auf dem Puschkin-Platz im Stadtzentrum eine Kundgebung "unter pseudoreligiösen Losungen" unterbunden. Die Rechtsschutzorgane haben zudem radikale Jugendgruppierungen, darunter "Skinheads", daran gehindert, nicht genehmigte Aktionen durchzuführen.

Die jungen Menschen, die in verschiedenen Stadtteilen festgenommen wurden, "hatten die Absicht, trotz des Verbotes der hauptstädtischen Behörden den so genannten 'Russischen Marsch' durchzuführen", hieß es.

Die Behörden der zweitgrößten russischen Stadt St. Petersburg teilte am Dienstagabend mit, dass etwa 50 Menschen bei "diversen Veranstaltungen am Tag der nationalen Eintracht" festgenommen wurden. Ihnen würden Verstöße gegen die öffentliche Ordnung zur Last gelegt. Zuvor war gemeldet worden, dass die "Bewegung gegen illegale Migration" im Stadtzentrum eine nicht genehmigte Kundgebung durchgeführt hatte.

Der Tag der Volkseinheit soll an die Befreiung Moskaus von zweijähriger polnischer Besetzung im Jahr 1612 und an das Ende der Zeit der Wirren erinnern. Die Russisch-orthodoxe Kirche feiert am gleichen Tag das Fest der Gottesmutterikone von Kasan, die der Landwehr laut Überlieferung im Krieg gegen das polnische Heer geholfen haben soll. In allen russisch-orthodoxen Gotteshäusern werden an diesem Tag feierliche Gottesdienste zelebriert.

Der Tag der Volkseinheit ersetzte faktisch den Tag der Oktoberrevolution, der seit fast einem Jahrhundert am 7. November gefeiert worden war. Die Feierlichkeiten in Moskau und in den anderen Regionen Russlands werden von der Partei "Einheitliches Russland" veranstaltet, die im Jahre 2004 die Einführung des neuen Nationalfeiertages initiiert hatte.

Präsident Dmitri Medwedew legte am Dienstag einen Kranz am Minin-und-Poscharski-Denkmal nieder, das an die Anführer des Volksaufstandes gegen die polnischen Besatzer erinnert.

Der Bürger Minin und Fürst Poscharski hatten im Jahre 1611 den Volksaufstand gegen die polnische Intervention angeführt, der 1612 mit einem Sieg endete. An der Zeremonie nahmen neben Medwedew der Präsident des Stolypin-Memorialzentrums, Nikolai Slutschewski, der Leiter des Verbandes der Reichsgardisten aus Frankreich, Alexander Trubezkoi, der Exekutivdirektor der Stiftung "Russische Welt", Wjatscheslaw, Nikonow, und Vertreter anderer solcher Organisationen aus Großbritannien, Usbekistan, Österreich, Kasachstan, Lettland und Moldawiwen teil.

Der Tag der Volkseinheit wurde vor vier Jahren durch Präsidentenerlass zum Andenken an die Ereignisse des Jahres 1612 eingeführt.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder, dass der Feiertag rassistische und nationalistische Gefühle beflügele.