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07-11-2005 4. November
Nationalistische Stimmungen in Russland nehmen politische Form an
Der erste Tag der nationalen Einheit, der anstelle der Feierlichkeiten anlässlich der Jahrestags der bolschewistischen Revolution eingeführt wurde, hat den Behörden, denen das neue Fest eingefallen war, eine Überraschung gebracht, schreibt "Kommersant" am Montag.

Die Ultrarechten nutzten es für die Legalisierung der Losung "Russland für die Russen" aus: Die Aktion, an der der Eurasische Jugendverband, die Bewegung gegen illegale Immigration, der Slawische Verband und die nationalpatriotische Front "Pamjat" teilgenommen haben, erinnerte eher an die Märsche der deutschen Nazis aus dem Jahr 1933.

Allem Anschein nach hat das sowohl der Macht als auch den Demokraten Schrecken eingejagt. Bisher bereitete sich der Kreml auf die Abwehr einer "orange Revolution" vor, die unter demokratischen Losungen stattfinden sollte. Die Tatsache, dass sich die Rechtsradikalen zu den "Orange-Gegnern" gesellt haben, droht aber der Macht mit unberechenbaren Folgen.

Wie Emil Pain, Leiter des Zentrums für das Studium von Xenophobie- und Extremismus-Problemen, erklärte, sei heute "die Unterstützung der Idee ,Russland für die Russen' mit 51 bis 53 Prozent unglaublich stark", sie "geht seit Anfang der 2000er Jahre nicht zurück". Überzeugte Nationalisten "gibt es zwar lediglich acht bis zehn Prozent", sie sind aber "mit der putinschen Machtvertikale nicht zufrieden und wollen einen festeren imperialen Staat haben".

"Die Präsidentenadministration hat einen Frankenstein aufgepäppelt, der bereits außer Kontrolle geraten ist und die gesamte Macht für sich fordern könnte", warnt Pain.

bei russland.RU
4. November Tag der nationalen Einheit
Am 4. November wird in Russland erstmals der Tag der Nationalen Einheit begangen. Der neue arbeitsfreie Feiertag wurde von der Staatsduma eingeführt. Er erinnert an die Ereignisse vom 4. November 1612, ... mehr...


Damit lässt sich wohl auch die merkwürdige Reaktion der Macht auf das "festliche Ereignis" erklären: Von allen landesweit sendenden Fernsehkanälen wurde dieses Ereignis am 4. November stillschweigend umgangen. Offenbar versucht man in den Korridoren der Macht, den Fakt des Auftauchens einer weiteren oppositionellen Kraft (neben der linken Opposition der Parteien KPRF und "Rodina" und der demokratischen Opposition, vertreten durch die Parteien "Jabloko" und Union Rechter Kräfte) erst einmal zu bewerten, da ihre realen Möglichkeiten nicht klar sind.

Der "Jabloko"-Chef Grigori Jawlinski bewertete die Moskauer Aktion als eine "direkte Folge der seit mehreren Jahren betriebenen Politik der Stimulierung von Gewalt im Lande, der Politik von Xenophobie und Nationalismus". Er zweifelt nicht daran, dass "die Macht ihre Kampftrupps demonstriert hat". Boris Nadeschdin, Sekretär des föderalen Politischen Rates der Union Rechter Kräfte, ist der Auffassung, dass die offizielle Politik von den Nationalisten als ein Signal "zur Suche nach inneren Feinden" aufgefasst wurde. (RIA)