Alexej Sorokin – der neue WM-Chef

Ob neue Besen wirklich so gut kehren, wie es das Sprichwort sagt, muss er erst noch beweisen. Vorerst jedoch hat Alexej Sorokin, der neue Leiter des Organisationskomitees der WM 2018, einen weit besseren Ruf als sein, am Mittwoch zurückgetretener, Vorgänger Witali Mutko. Zu seinem Amtsantritt stellte er sich den Fragen der Öffentlichkeit.

Es ist davon auszugehen, dass der 45-Jährige, der sich in einem Schweizer Luxushotel von den Journalisten wertschätzen lassen musste, nicht vorhat, dieselben Fehler zu begehen wie sein Vorgänger. Auch wenn Witali Mutko seinen Abgang selbst inszeniert hatte, war jedem der Anwesenden klar, dass der Ex-Verbandsvorstand und Ex-Leiter des Organisationskomitees für das Projekt Russia-2018 von höchster Stelle zurückgepfiffen wurde. Wegen der Dopingaffäre im russischen Sport sah man bereits das Turnier gefährdet.

Nun präsentierte sich ein Neuer, der zwar nichts Neues sagte, aber deutlich souveräner auftrat, als sein Vorgänger. Die öffentliche internationale Darstellung der Fußball-WM in Russland hat plötzlich eine neue Qualität bekommen. „Es gibt viele Spekulationen, aber keinen Beweis für ein Fehlverhalten. Unser Team wurde immer wieder getestet – auch beim Confed-Cup“, wird Alexej Sorokin von der Nachrichtenagentur dpa zitiert. „Deshalb gibt es nichts, worüber man reden kann. Wir sind absolut zuversichtlich, dass das kein Thema ist“, fügte er selbstbewusst hinzu.

Mit brisanten Fragen konfrontiert, flüchtete sich Mutko gerne in die Unkenntnis fremder Sprachen. Sein Sprachmix aus Russisch und Englisch avancierte inzwischen zum viralen Hit im Netz. Ganz anders Sorokin. Als Absolvent der Staatlichen Linguistischen Universität Moskau spricht er fließend die englische und französische Sprache und arbeitete Ende der 90er-Jahre sogar als Diplomat in den USA.

Ahnung von Fußball und Baustellen

„Ziemlich überraschend“ sei seine rasante Beförderung zum Organisationschef für Russia-2018 gewesen, sagte Sorokin gegenüber der russischen Agentur R-Sport. Allerdings war er es, der die Weltmeisterschaft letztendlich nach Russland holte. Als Geschäftsführer des russischen Fußballverbands führte Sorokin die Bewerbung für die WM 2018 an, bevor er den gleichen Auftrag auch für die Organisation übertragen bekam.

An der Aufgabe, die Alexej Sorokin übernommen hat, werde sich ohnehin nicht viel ändern, sagt Wjatscheslaw Koloskow, der Ehrenpräsident des nationalen Fußballverbandes RFU und ehemalige Vizepräsident der FIFA. Er wisse zwar nicht, wie die Arbeit des Organisationskomitees nun strukturiert werde, wolle es aber gar nicht wissen. „Um ehrlich zu sein, es ist ein Theater des Absurden, dafür gibt keine Worte.“ Koloskow verwies bei einem Telefonat auf die Arbeit, die nun auf Sorokin zukomme.

„Das Organisationskomitee besteht nicht nur aus Leuten, die Ahnung von Fußball und Baustellen haben, es gibt hier viele verschiedene Ressorts. Wie kann Sorokin das alles bewältigen? Ich verstehe es nicht, ich kann es mir nicht einmal vorstellen“, sagt Koloskow. „Lesha (Sorokin, d. Red.) ist ein großartiger Typ, er hat sich gut präsentiert, er funktioniert perfekt, aber wie wird er mit einer Maschinerie umgehen können, die von Obrigkeiten befehligt wird?“ Es werde den Kurs der Vorbereitung auf die WM nicht beeinflussen, heißt es in einer Veröffentlichung des Komitees.

Einen Teil seiner Arbeit nimmt ihm ohnehin sein Vorgänger ab. Mutko wäre nicht Mutko, würde er nicht doch noch bei der WM mitmischen. In der Position des Vizepremiers der Russischen Föderation koordiniert er den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Zudem wird Mutko die Vorbereitung der Regionen für das Turnier beaufsichtigen. Schon von Amts wegen.

[mb/russland.NEWS]