Britischer Boris bei seinem russischen Kollegen Lawrow

Lawrow Johnson 171222 bild mid.ru

Russland und das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland sind bereit, Schritte zu unternehmen, um aus der Sackgasse herauszukommen, sagte die Sprecherin des Außenministeriums Russlands, Maria Sacharowa, am Freitag über die Gespräche zwischen den Außenministern Russlands, Sergej Lawrow und Boris Johnson des Vereinigten Königreichs.

„Die Diskussionsthemen waren ernst und natürlich beinhalteten sie auch die Suche nach Wegen, wie die russisch-britischen Beziehungen aus der Sackgasse geholt werden können, in die sie getrieben wurden – aber nicht von Moskau“, sagte sie in einem Interview mit TV Rossija-1. „Wir sind bereit, Anstrengungen zu unternehmen, um sie herauszuholen. Es gebe eine Reihe von bilateralen Problemen, und natürlich internationalen Problemen, die die Beteiligung der führenden Weltmächte und natürlich der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen erfordern“, zitierte sie Sergej Lawrow.

Laut Sacharowa, sind mögliche unterschiedliche Meinungen kein Grund, die Beziehungen nicht zu entwickeln.

Außenminister Lawrow wies seinen britischen Kollegen Johnson darauf hin, dass die russisch-britischen Beziehungen nicht auf Initiative Moskaus auf diesem sehr niedrigem Niveau seien.

„Unsere Beziehungen – das ist kein Geheimnis – sind auf einem sehr niedrigen Niveau, nicht aufgrund unserer Initiative. Wir haben festgestellt, dass sowohl Sie als auch unsere westlichen Kollegen sich zu den Gründen für diese Situation öffentlich äußern. Wir würden gerne diese gegenseitigen Gründe direkt diskutieren, nicht durch ein Mikrofon, sondern Aug‘ in Aug‘.“

Lawrow hob hervor, dass Moskau und London einander brauchen, aber die Beziehungen müssten auf gleicher Augenhöhe aufgebaut werden. „Trotz unterschiedlicher Meinung in einer Reihe von Fragen müssen wir einfach zusammenarbeiten und wir sind auf der Grundlage von Gleichheit, gegenseitigem Respekt und dem Wunsch, für beide Seiten annehmbare Vereinbarungen zu finden, dazu bereit. … Ich werde heute ein offenes und direktes Gespräch führen. In diesem Gespräch werden konkrete Schritte zur Verbesserung unserer Beziehungen skizziert werden.“

„Ich hoffe, dass wir heute in der Lage sein werden, die Situation unserer Beziehungen einzuschätzen, einschließlich einer Reihe von bilateralen eingefrorenen Kooperationen“, sagte Lawrow. „Ich bin mir sicher, dass wir heute die positiven Tendenzen, die sich in den Handelsbeziehungen und zwischen unseren Geschäftsleuten entwickelt haben, analysieren werden und ebenso die sich sehr erfolgreich entwickelnden kulturell-humanitären Beziehungen.

Nach dem Gespräch verwies Lawrow auch auf die Auswirkungen des Brexits auf die Entwicklung der Handels- und Investitionszusammenarbeit zwischen Russland und dem Vereinigten Königreich und den EU-Mitgliedstaaten.

„Wir betonten beide die Notwendigkeit, die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU vor allem im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen der zwischen EU und England zu schließenden Endverträge auf die russischen Handels- und Investitionsbeziehungen zu beachten.

Die Härte und Schärfe der Gespräche in der Sache wurden jedoch sowohl durch den britischen als auch den Lawrowschen Humor gemildert.

Bei der anschließenden Pressekonferenz antwortete Johnson auf eine Frage, ob er nicht von einem britischen Parlamentarier gewarnt worden sei, keinen Wodka zu trinken und kein Telefon bei seinem Besuch in Russland bei sich zu haben, er vertraue seinem Kollegen Lawrow.

„Mein Vertrauen wird durch die Tatsache bewiesen, dass ich, als ich [hier] ankam, meinen Mantel mit dem ganzen Inhalt meiner Taschen Sergej Lawrow gab, denn ich wusste, dass nichts Schlimmes passieren würde.“

„In Boris Mantel war nichts“, scherzte Lawrow darauf.
„Oh, also hast du ihn schon durchsucht?!“ lachte Johnson.

Außenminister Johnson, dessen Vorname Boris ist, bezeichnete sich selbst als „überzeugten Russophilen“.

„Ich habe Vorfahren in Moskau, ich bin überzeugt, dass ich der erste Außenminister Großbritanniens bin, dessen Name Boris ist, und bezweifeln Sie bitte nicht, dass ich unsere Beziehungen verbessern will.“

Lawrow meinte darauf, dass er ihm die freundschaftlichen Gefühle zu Russland abnehme, so sehr, dass er ihn nicht „Boris“ in der englischen Aussprache mit Betonung auf der ersten Silbe, sondern auf Russisch mit Betonung auf der zweiten Silbe anspreche.

Nachdem alle Vorurteile und gegenseitigen Anschuldigungen auf den Tisch gelegt und teils humorvoll teils scharf kommentiert worden waren, bestand Einvernehmen, dass die Beziehungen verbessert werden müssen und dass das dazu notwendige Vertrauen vorhanden sei.

[Hanns-Martin Wietek/russland.NEWS]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.