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Kategorie: Film - russland.NEWS - russland.TV

Streit um „Matilda“: Christliche Extremisten in Haft

Russlands Behörden greifen im eskalierenden Streit um einen angeblich religiöse Gefühle beleidigenden Spielfilm nun doch ein: Drei Angehörige der Bewegung „Christlicher Staat –Heilige Rus“ sind in U-Haft genommen worden. Sie haben bereits gestanden, in Moskau einen Brandanschlag begangen zu haben.

Am 11. September brannten in Moskau zwei Autos vor einer Rechtsanwaltskanzlei, die Alexander Utschitel, den Regisseur des umstrittenen Films „Matilda“ vertritt. „Brennen für Matilda“ stand auf einem Zettel, den die Brandstifter am Tatort hinterließen.

Dies war nicht der erste Anschlag in Zusammenhang mit dem Film: Am 31. August wurde in St. Petersburg ein Brandanschlag auf ein Filmstudio Utschitels verübt. In der Woche darauf rammte ein Mann mit einem benzingeladenen Kleinbus ein Kino in Jekaterinburg und in Jaroslawl warfen zwei Täter Brandsätze auf ein Kulturhaus, in dem ein Kinoclub untergebracht ist.

Empörung über eine 120 Jahre alte Lovestory

In dem Film, der Ende Oktober in die Kinos kommen soll, geht es um die Beziehung des russischen Thronfolgers und späteren Zaren Nikolaus II. zur Primaballerina Matilda Kschessinskaja – eine gemeinhin bekannte Affäre, die wohlgemerkt 1892 bis 1894 stattfand. Gezeigt wird auch, wie die beiden miteinander ins Bett gehen (was als historischer Fakt nicht unbedingt bewiesen, aber durchaus wahrscheinlich ist).

Dieser Umstand erregt nun in Russland manchen orthodoxen Hardliner zur Weißglut: Schließlich wurde Russlands letzter Monarch, der 1918 samt seiner Familie von den Bolschewiken erschossen wurde, im Jahr 2000 von der Kirche als Märtyrer heiliggesprochen. Und einem Heiligen eine voreheliche Beziehung samt Sex zu unterstellen, ist nach Ansicht der Gegner des Films antichristliche Propaganda und eine Beleidigung ihrer religiösen Gefühle – und damit moralisch zu verdammen sowie in Russland prinzipiell strafbar.

Gegenvorwurf: Zensur und Geschichtsklitterung

Die eher säkular eingestellte russische Kulturelite sieht hingegen in den Versuchen, die Aufführung des staatlich geförderten Filmprojekts zu verhindern, einen eindeutigen Zensurversuch – und in Nikolaus II. weniger einen Heiligen als eine tragische historische Schlüsselfigur, deren Scheitern als Monarch Russland in die revolutionären Wirren des Jahres 1917 führte.

Als besonders eifrige Kämpfer gegen die unsittliche Kino-Blasphemie gerierte sich eine Bewegung namens „Christlicher Staat – Heilige Rus“. Die Reihen dieser Gruppe sind nun sichtlich gelichtet, denn am Donnerstag wurden drei ihrer Aktivisten bis in den November hinein in U-Haft genommen. Juri Kalinin, Denis Montaluz und Alexander Bajanow wird mutwillige Sachbeschädigung und Rowdytum vorgeworden. Zwei von ihnen gestanden bereits, den Brandanschlag in Moskau verübt zu haben – und begründeten dies mit ihren verletzten religiösen Gefühlen.

Der „Christliche Staat“ ist gewaltbereit

Auch Kalinins Bruder Alexander, der Anführer des „Christlichen Staates“ wurde inzwischen festgenommen. Ob er in U-Haft muss, ist noch offen. Geprüft wird nun, ob diese Gruppe auch für die Anschläge von St. Petersburg und Jaroslawl verantwortlich ist. Der Mann, der das Kino in Jekaterinburg rammte und in Brand setzte, wurde bereits unmittelbar nach der Tat festgenommen.

Initiatorin: Die blonde Star-Staatsanwältin von der Krim

Initiiert und angefacht wurde der Widerstand gegen den Film aber nicht von diesen bärtigen Fanatikern, sondern vom attraktiven Cover-Girl der Putin-treuen Kräfte in der russischen Politik, der Duma-Abgeordneten und früheren Generalstaatsanwältin der Krim, Natalja Poklonskaja. Die 37-Jährige verehrt Nikolaus II. wie eine wahre Kultfigur – und veranlasste nach dem Ansehen der ersten Filmtrailer die Einleitung von Ermittlungsverfahren wegen antireligiöser Hetze und Extremismus gegen die Urheber des Films „Matilda“.

Dass ihre moralsaure und von religiösem Patriotismus geprägte Kampagne inzwischen zu Gewaltakten geführt hat, bedauert und kritisiert Poklonskaja öffentlich. Dabei haben genau diese „Provokationen“ das von ihr gewünschte Ziel näher gebracht: Die Angst vor Anschlägen und handfesten Konflikten veranlasste bereits russische Kinoketten, den Film des renommierten Regisseurs Utschitel aus dem Programm zu nehmen.

[ld/russland.NEWS]




Für Gott, Zar und Vaterland – umstrittene Prozession auf dem Newski Prospekt

Zum fünften Mal fand auf dem Newski Prospekt eine Prozession zu Ehren von Alexander Newski statt. Am Aufmarsch nahmen neben russisch-orthodoxen Gläubigen diverse nationalistische Organisationen teil, die mit Transparenten gegen den Film „Mathilda“ über Zar Nikolaus II demonstrierten.

Für die Prozession von der Kasaner Kathedrale zum Alexander-Newski-Kloster wurde der Newski Prospekt am Morgen des 12. Septembers weiträumig abgesperrt. An der Spitze marschierten der Mitropolit Warsonofi, der Duma-Abgeordnete Vitali Milonow, der Sprecher des Stadtparlaments Wjatscheslaw Makarow sowie andere bekennende Kirchenanhänger aus Politik und Kultur mit.

Die offizielle Teilnehmerzahl wurde von der Polizei mit 100.000 Personen angegeben, doch war diese Ziffer nach Angaben von Journalisten überhöht, die die Menge auf rund 20.000 Menschen schätzten. Neben den zahlreichen russisch-orthodoxen Gläubigen aus verschiedenen Stadtbezirken und Gemeinden traten auch eine Reihe von nationalistischen und monarchistischen Organisationen auf. Darunter waren diverse Kosaken-Verbände, sowie Vertreter der „Imperialistischen Legion“ und der „Newski-Front“.

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Brandanschlag auf Petersburger Filmatelier von „Matilda“-Regisseur

Am frühen Morgen des 31. August warfen Unbekannte mehrere Molotow-Cocktails ins Fenster des Petersburger Filmstudios „Lendok“ am Krjukow-Kanal. Der Brand konnte von der Feuerwehr innerhalb weniger Minuten gelöscht werden. Eine Flasche schwärzte die Mauer des Gebäudes, eine zweite zerbrach ein Fenster und blieb im Rahmen stecken. Wäre sie ins Zimmer dahinter gelangt, das als Tonstudio und Vorführraum dient, so wäre der holzverkleidete Raum binnen Kürze ausgebrannt, schreibt Fontanka.ru.

Im selben Gebäude befindet sich auch das Studio des Regisseurs Alexei Utschitel, Autor des skandalträchtigen Films „Matilda“, der diesen Herbst an die Öffentlichkeit gelangt. Es wird angenommen, dass der Anschlag durch Nationalisten verübt wurde, denn am 12. August hatte am Haus gegenüber ein Banner mit der Aufschrift „Für den Glauben, den Zaren und das Vaterland! Hände weg vom russischen Zaren – Utschitel“.

Der Film erzählt die Liebesgeschichte des letzten Zaren Nikolaus II mit der Ballerina Matilda Xeschinska und hatte schon Monate vor seiner Vorstellung für Schlagzeilen und landesweite Polemik gesorgt. Unter anderem hatte sich die Duma-Abgeordnete Natalia Poklonskaja für ein Verbot des Films eingesetzt, weil der Film angeblich das Andenken an den heiliggesprochenen Herrscher beschmutze. Trotz allem hatte der Film die Genehmigung für den landesweiten Verleih erhalten.

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Paradies – ein Filmtipp

Eines der cineastischen Highlights dieses Jahres feiert am kommenden Donnerstag Deutschland-Premiere. Ausgezeichnet mit dem silbernen Löwen bei den Festspielen in Venedig sowie dem „Cinema for UNICEF-Award“ zeigt die deutsch-russische Koproduktion um eine adlige Exilrussin, die für den französischen Widerstand 1941 kämpft, eine filmische Reise an die Grenzen der Gefühle. Paradies – Ein Film zwischen unstillbarer Sehnsucht nach Erlösung und grausamer Realität.

Der legendäre russische Filmemacher Andrei Michalkow-Kontschalowski, der an der führenden staatlichen Filmschule der Sowjetunion mit Andrei Tarkowski seine ersten cineastischen Schritte machte, ist bekannt für seine gefühlvollen und ausdrucksstarken Produktionen. Mit seiner filmischen Adaption des russischen Literaturklassikers „Onkel Wanja“ oder dem sowjetischen Monumentalepos „Sibiriade“ stieg Kontschalowski in die Riege weltberühmter Filmemacher auf. In seinem aktuellen Werk „Paradies“ setzt er vor allem wieder auf die gewaltige Bildsprache des Schwarzweißfilms. Nicht von ungefähr erhielt der Regisseur, dessen Vater einst den Text der russischen und sowjetischen Nationalhymne verfasste, erst vor Kurzem für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des „Friedenspreises des Deutschen Films“.

Ein bemerkenswertes Darsteller-Trio aus Frankreich, Deutschland und Russland erzählt von der Unmöglichkeit der Liebe während der Zeiten eines Krieges, in der Zivilisation und Menschlichkeit fast gänzlich außer Kraft gesetzt werden. Zeiten in denen jeder nur „seine Pflicht“ verrichtet, so wie der französische Polizist Jules (Philippe Duquesne), der in den frühen 1940-er Jahren im Auftrag der deutschen Besatzer Juden verhaftet oder gar abtransportieren lässt. Ebenso die schöne und adlige Exilrussin Olga (Julia Wysotskaja), die sich 1941 der Résistance anschließt und bei einer Razzia verhaftet wird, weil sie zwei jüdische Kinder bei sich aufgenommen hat. Auch wenn sich der Polizist von Olgas Beteuerungen nicht umstimmen lässt, entwickelt er Gefühle für die junge Frau.

Olgas Hoffnung auf Freiheit wird jäh zerstört, als Jules bei einem Waldspaziergang mit seinem Sohn von der Résistance erschossen wird. Im Konzentrationslager wird der Wunsch nach Überleben zum Motor. Eine Welt in der kaltblütige Aufseher und herzlose Mitgefangene das Leben zu einer Zerreißprobe machen, eine Welt in der sich jeder selbst der Nächste ist. Als die Exilrussin die zwei kleinen Jungen, die sie einst vor den nationalsozialistischen Schergen versteckt hatte, wieder trifft, erstarkt in ihr die Hoffnung auf ein besseres Leben. Wie es das Schicksal will, begegnet sie im Lager einem weiteren Menschen, den sie aus ihrem früheren Leben kennt.

Als Helmut (Christian Clauß), ein hochrangiger SS-Offizier, der sich einst in die Adelige verliebt hatte, sie als Haushälterin zu sich holen will, beginnt ein gefährliches Pas de deux um eine Beziehung, die ihnen der Krieg diktiert. Der Offizier verspricht Olga „ein deutsches Paradies auf Erden“ und gemeinsam schöpfen sie aus der Zuversicht der Hoffnung, in ein neues, wunderbares Leben zu entfliehen…

Kontschalowskis rund zweistündiges Meisterwerk wird ab Donnerstag den 27. Juli bundesweit in den Kinos ausgestrahlt. Der Film wird als Original in deutscher, russischer und französischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt, um die größtmögliche Glaubwürdigkeit herzustellen. Auf diese Weise erhält die Produktion ihren dokumentarischen Charakter.

[mb/russland.NEWS]




Russland soll Historien-Film verbieten

Russlands Kulturschaffende müssen sich derzeit mit einer Frage auseinandersetzen, die seit Sowjetzeiten nicht mehr gestellt wurde. Kann man einen Film verbieten, den bisher noch niemand gesichtet hat? Ginge es nach einer Duma-Abgeordneten, hieße die Antwort „Ja“. Nun muss der Staatsanwalt entscheiden.

Es ist nichts Neues, dass ein Film die russische Zensur durchlaufen muss, bevor er einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden kann. Ein Novum jedoch ist, dass der Streifen „Matilda, das Geheimnis des Herrscherhauses der Romanows“ dem Kinopublikum vorenthalten werden soll, obwohl ihn noch niemand gesehen hat. Angeblich verletze das Werk über das Leben und Lieben des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., die Gefühle der orthodoxen Christen in Russland. Schon in diesem Frühjahr hätte die Kinopremiere über die Bühne gehen sollen, die wurde nun einstweilen vertagt.

„Ich habe den Film nicht gesehen, das muss ich auch nicht. Ich werde ihn auch nicht sehen“, ereiferte sich die konservative Parlamentsabgeordnete Natalija Poklonskaja gegenüber dem Fernsehsender ‚Doschd‘. Die Politikerin der Partei ‚Einiges Russland‘ echauffiert sich über die Darstellung der Affäre Nikolaus II. mit der Tänzerin Matilda Kschessinskaja, die von 1872 bis 1971 ein skandalumwittertes Leben führte. Angeblich habe sie den letzten Zaren seiner Jungfräulichkeit beraubt und später eine fidele ‚Ménage à trois“ mit zwei Großfürsten der Romanow-Dynastie unterhalten.

Die Villa der Primaballerina, vom Zaren 1904 in Auftrag gegeben, beherbergte später das St. Petersburger Revolutionsmuseum und heute das Museum für die politische Geschichte Russlands. So ein liderliches Miststück passt nun wahrlich nicht in das blütenreine fromme Bild des später von der Kirche heilig gesprochenen Zaren. Orthodoxe Aktivisten hätten Kinobetreibern bereits mit Brandstiftung und Gewalt gedroht, falls sie den Film laufen lassen sollten. Dieses Vorgehen ähnelt sehr den mittelalterlichen Hexenverbrennungen, da außer zwei Trailern bisher rein gar nichts veröffentlicht wurde.

Abgeordnete als Lautsprecher der Gläubigen

„Die Haupthandlung des Films kann ich den Medien, dem Internet entnehmen, worüber auch der Regisseur gesprochen hat. Er hat selbst gesagt, dass sich orthodoxe Christen in ihren Gefühlen geschmälert sehen können“, beharrt Poklonskaja auf ihre Forderung nach dem Verbot des Liebesdramas. 20.000 Menschen stünden hinter ihr, so sagt sie. „Er ist unser Heiliger. Er ist nicht einfach nur ein Mensch. Man muss zu ihm ein besonderes Verhältnis haben, muss ihn besonders achten.“ Außerdem habe sie eine fast 40-seitige Expertise eingeholt, die dem Film historische Unstimmigkeiten bescheinige.

Der Regisseur des umstrittenen Werks, Alexej Utschitel, indes versteht die Vorwürfe um seine „Matilda“ nicht. „In dem Film verletzt gar nichts die Gefühle Gläubiger, es gibt in ihm keine Geschmacklosigkeiten … Mit diesem Vorwurf lässt sich kein Verbot begründen“, wehrte er sich im TV-Kanal ‚NTV‘ gegen die Anschuldigungen. Schließlich sei das nicht sein erster Film und außerdem wisse er ganz genau, wie man darin die Ästhetik der Liebe darstelle. Unterstützung erfährt Utschitel aus den Kreisen seiner cineastischen Kollegen.

Orthodoxe Kirche als moralischer Zensor der Kunst

Die Filmemacher sehen es als schlechtes Zeichen, wenn sich derlei Debatten über den Gedanken der Kunst stellen und sprechen offen von einem moralischen Zensor. „Wir wollen nicht, dass unsere Kultur unter den Druck einer neuen Zensur kommt, von welchen einflussreichen Kräften auch immer“, haben sie in einem offenen Brief geschrieben, der in Künstlerkreisen veröffentlicht wurde. Sie befürchten einen weiteren Eingriff der Kirche in das öffentliche Leben. Utschitel selbst wähnt das Werk von orthodoxen Extremisten hinter dem Angriff auf seine Verfilmung stehen.

Zwischenzeitlich ist Wachtang Kipschidze, der Pressesprecher der russisch-orthodoxen Kirche bemüht, den Dampf aus den Angelegenheit zu nehmen. „Wir müssen den Film erst einmal abwarten, bevor wir ihn beurteilen können“, sagte er gegenüber der Presse und verwies vorsichtshalber schon einmal auf die Befindlichkeiten der Gläubigen. „Natürlich muss man die künstlerische Freiheit des Regisseurs respektieren. Gleichzeitig aber muss man auch Rücksicht auf die Gefühle der Menschen nehmen, die sich verletzt fühlen“, lancierte das Sprachrohr der Kirche. Die Initiative der Abgeordneten Poklonskaja ließ es diplomatisch unkommentiert.

Etwas kleinlaut forderte der Pressesprecher den Regisseur auf, auf die Gläubigen zuzugehen, um so eine Verständigung zu erreichen. Aleksej Utschitel hingegen erinnere die Debatte an „das echte Banditentum“ der chaotischen 1990-er Jahre. „Man fragt mich im Ausland bei Filmfestivals oft, ob es in Russland Zensur gibt. Ich sage die Wahrheit: Seit mehr als 20 Jahren hat keiner, keine Amtsperson, mir gesagt, dass ich etwas auslassen oder wegschneiden soll.“ Ein Zitat aus ‚Matilda‘ mag die Diskussion mit der orthodoxen Kirche ein wenig versinnbildlichen: „Du hast auf alles ein Recht. Außer auf die Liebe.“

Das Kulturministerium schweigt sich bis jetzt dazu aus. Jedoch lässt die russische Regierung in Ansätzen erkennen, dass sie ein Verbot zum jetzigen Zeitpunkt nicht für richtig hielte. Für den russischen Kulturminister Wladimir Medinski gleiche die Auseinandersetzung einer „Orgie der Demokratie“. Außerdem, so betont er, könne er, solange der Film nicht einmal fertig gestellt sei, schon mal gar kein Urteilen fällen. Wie auch immer diese Debatte am Ende ausgehen mag, die Premiere von „Matilda, das Geheimnis des Herrscherhauses der Romanows“ ist fürs Erste auf Anfang Oktober verschoben worden. Man darf gespannt sein.

https://www.youtube.com/watch?v=FvYBquWXbvU

[mb/russland.NEWS]

 




Der stille Sieg der Autonomie

Mark Bartalmai lebt seit Juli 2014 mit kurzen Unterbrechungen als Journalist in Donezk. Manche werfen ihm vor, dass er keine klassische Journalistenausbildung habe, dennoch ist er der einzige deutsche Journalist, der dauerhaft vor Ort ist.

Eine Qualität, die ihm kein anderer Journalist streitig machen kann. Ganz sicher nicht die ARD-Korrespondentin Golineh Atai, die mit ganz wenigen Ausnahmen aus dem Pressezentrum von Kiew berichtet, also Informationen über den Konfliktgegner ausschließlich aus „Feindeshand“ bezieht, was mit journalistischer Qualität nicht viel zu tun haben kann.

Alle Angebote, die Bartalmai den öffentlich rechtlichen Medien und führenden Nachrichtenmagazinen gemacht hat, wurden ausnahmslos abgelehnt. Und als wäre das nicht genug, hat die ARD-Sendung „Fakt“ ein Porträt über den Journalisten gesendet, das sich als durchschaubares Diffamierungsstückchen auf dem untersten Niveau journalistischer Leistung bewegte. (siehe dazu „Fakt ohne Fakten…“ vom Juli 2016).

weiter bei telepolis …




Wird neuer Disney-Film in Russland gezeigt?

Definitiv nicht, wenn es nach dem Willen des Duma-Abgeordneten Witali Milonow von der Regierungspartei ‚Einiges Russland‘ ginge. Der Abgeordnete forderte in einem Brief an Kulturminister Wladimir Medinsky dazu auf, die aktuelle Walt Disney-Verfilmung von „Die Schöne und das Biest“ wegen „Schwulenpropaganda“ für die russischen Kinos zu verbieten.

Der erzkonservative Abgeordnete empfindet den Film als Darstellung „unverhohlener, schamloser Propaganda der Sünde und pervertierter sexuellen Beziehungen“, wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Samstag vermeldete. Er forderte sein Kulturministerium dazu auf, die Realverfilmung des Disney-Märchens eingehend zu prüfen. Der Start in den russischen Kinos war ursprünglich für den 16. März vorgesehen. Nun soll der Film nach Milonow verboten werden.

Es sei das erste Mal, offenbarte Bill Condon, der Regisseur des Verfilmung, dass sich bei Disney ein Filmcharakter als schwul outen werde. Milonow sehe deshalb einen Verstoß gegen das 2013 erlassene Gesetz, positive Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen und über Medien zu verbreiten.

Für den Disney-Konzern bedeute die Neuverfilmung des Zeichentrick-Klassikers „Die Schöne und das Biest“ einen Wendepunkt in der Geschichte der Studios. Es werde „ein netter, exklusiv schwuler Moment in einem Disney-Film“, sagte Condon – mehr wolle er noch nicht verraten. Mit der Szene trage der Film die Botschaft der Natürlichkeit und der Selbstverständlichkeit homosexueller Beziehungen in die Welt hinaus. Nun wird eine Prüfungskommission über den Kinostreifen befinden müssen.

[mb/russland.RU]




„Russische Filmtage Münster“ machen mit Kultur Politik

Popkultureller Zeitgeist, ideologische Radikalisierung, Kunst als Waffe, ein russischer Blick auf deutsche Geschichte und immer wieder turbulenter Humor: So zeigt sich Russland auf den „9. Russischen Filmtagen Münster“. Eröffnet werden sie am Sonntag, den 5. März, um 17 Uhr im Schloßtheater von Schirmherrin Svenja Schulze, Ministerin für Wissenschaft, Innovation und Forschung im Landtag NRW, und Bürgermeisterin Wendela Beate Vilhjalmsson. Zu sehen ist der preisgekrönte Film „Über die Liebe“ der Regisseurin Anna Melikian.

„Wir starten mit einer weiblichen Komödie“, so Gudrun Wolff, Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft, die zusammen mit dem „Filmclub Münster“ Veranstalter des Festivals ist. Fünf Episoden spiegeln das Thema „All You Need Is Love“ im kosmopolitischen Flair der Metropole Moskau.

Insgesamt werden drei Wochen lang sechs preisgekrönte Autorenfilme gezeigt, die aus den Programmen der großen internationalen Festivals wie Cannes, Venedig, Moskau und Sotschi zusammengestellt wurden. Gudrun Wolff: „Sie bieten eine gute Mischung aus Problemfilmen und solchen, die das Talent zur Leichtigkeit, zum Komischen und Absurden zeigen, ohne oberflächlich zu sein.“

In seinem Film „Der die Zeichen liest“ setzt sich Regisseur Kirill Serebrennikov mit dem Problem ideologischer Radikalisierung von Jugendlichen auseinander. Ideologisches Rüstzeug bietet hier die Bibel. Regisseur Andrei Kontschalovsky präsentiert in „Paradies“ Erzählungen über die Grauen des Zweiten Weltkriegs und der Konzentrationslager aus drei Perspektiven: einer russischen Widerstandskämpferin in Frankreich, eines französischen Kollaborateurs und eines deutschen SS-Offiziers.

Der Dokumentarfilm „Aktion & Strafe“ über die Punk-Künstlerinnen „Pussy Riot“ thematisiert die Frage von politischer Kunst und Widerstand sowie deren Tradition in Russland. Mit dem Film „Good Boy“, einer liebenswerten und turbulenten Coming-of-Age-Komödie, ist ein Film für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene im Programm.
Alle Filme werden im Originalton mit deutschen Untertiteln gezeigt. Publikumsgespräche mit Filmschaffenden begleiten das Programm. Drehbuchautorin Elena Kiseleva stellt „Paradies“ vor, Regisseur Evgenij Mitta reist zu „Aktion & Strafe“ an und wird im Westfälischen Kunstverein ergänzend dazu eine Podiumsdiskussion mit münsterschen Künstlern führen.

Zum Abschluss der Filmtage präsentiert Regisseurin Oxana Bytschkova den Film „Petersburg. Ein Selfie“, eine Liebeserklärung an das „Palmyra des Nordens“, gedreht von sieben Regisseurinnen. „In Zeiten der krisenhaften Beziehungen zu Russland ist es besonders wichtig, den kulturellen Austausch unterhalb der Ebene der Politik fortzuführen und mit konkreten Spiegelungen einen komplexeren Einblick in dieses große Land zu vermitteln“, sagt Gudrun Wolff.

„Russische Filmtage Münster“ 4. bis 27. März 2017 in Münster und Düsseldorf

Das komplette Programm entnehmen Sie bitte der Seite des Veranstalters

(Quelle: Filmfestival Münster)




Plündern, Schänden, Metzeln – Memoiren eines Heiligen

[Von Michael Barth] – Blutrünstige, norwegisch sprechende Wikinger füllen derzeit die russischen Kinos. „Wiking“ hat sich seit seinem Start vor wenigen Wochen bereits zum größten Kassenschlager aller Zeiten gekürt. Jedoch, der Film ist mehr als nur ein actiongeladener Blockbuster. Es ist die Geschichte eines russischen Heiligen – es ist die Geschichte Russlands.

Vergewaltigung, Menschenopfer und endlos blutige Schlachten. Meist war das Leben eines Wikingers kein Zuckerschlecken. Allen voran in diesem Gemetzel der tapfere Anführer Waldemar, der später noch Geschichte schreiben sollte. Denn – und das ist jetzt das Rührselige bei dieser bombastischen Kinoangelegenheit, die stolze 19,3 Millionen US-Dollar Produktionskosten verschlungen hat – der Waldemar hat nicht nur alles kurz und klein geschlagen was sich außerhalb seines Drachenbootes bewegte, sondern gründete, quasi so nebenher, gleich einen neuen Staat und wurde später auch noch heilig gesprochen.

Es lohnt sich durchaus, einen Blick darauf zu werfen, wie sich dieser Wüterich Waldemar in Russland nun zum nationalen Thema auswächst. Ganz wie im Film, wo er sich in dieser Angelegenheit auf eine handvoll Pilze mit seinen Göttern trifft, läutert sich der Barbar schließlich zum braven Christen. Dass in Wirklichkeit der Einfluss Byzanz‘ maßgeblich dafür ausschlaggebend war, dass sich der Nachfahre Ruriks des Warägers, der die Dynastie der Rus gegründet hatte, im damaligen Chersonnes taufen ließ, tut im Film erst einmal nichts zur Sache.

Wenn der Heilige mal ordentlich hinlangt

Der tapfere und zugleich auch tief religiöse Wladimir I., wie der einstige Berserker Waldemar bei den Russen fürderhin genannt wurde, genießt heute einen mächtig großen Bonus als Vorzeigeheiliger. Man hat ihn, wohl auch um mit der Nestor-Chronik konform zu gehen, pro forma zum Staatsgründer der Kiewer Rus erklärt. Den Russen blieben in der Frage ihrer ursprünglichen Herkunft sowieso nur zwei Optionen zur Auswahl. Mit dem Gedanken, die Goldene Horde als Gründungsväter beerbt zu haben, konnten sich nur die Wenigsten anfreunden. Sind wir ehrlich, der Wind und Wetter trotzende Nordmann, der mit seinen Feinden nur mit der Streitaxt diskutiert, hat da schon das weitaus bessere Standing.

Eurasien war vom Tisch, das christianisierte Nordwest-Russland hingegen die Wurzel des russischen Reiches. Für den anderen Wladimir, der heute Präsident des Landes ist, sei die Einführung des orthodoxen Glaubens in der alten Rus ohnehin das wichtigste Ereignis in der Geschichte Russlands. Dies verkündete Wladimir Putin bei der feierlichen Enthüllung eines Denkmals zu Ehren des ersten Wladimirs im vergangenen November, unmittelbar vor dem Kreml. Macht zu Macht – Wladimir zu Wladimir. Dann sagte er noch etwas von einem moralischen Fundament und hatte auf einmal sämtliche Kritiker des Films auf der Matte stehen.

„Wiking“, vom russischen Staatssender Kanal 1 bis zum abwinken beworben, als Fenster zur Moral zu sehen, fällt irgendwie schwer. Generationen von Kinogängern, der Film ist ab 12 Jahren freigegeben, ist das aber auch herzlich wurscht. Die Action spricht ihre eigene Sprache und schon rutscht die Frömmigkeit ein gutes Stück nach hinten. Ein sich prügelnder Heiliger – sei’s drum, schließlich sind wir Russen. Wie allerdings russische 12-Jährige einen Kontext aus Mord, Sex und Vergewaltigung und der orthodoxen Kirche sowie der Geschichte des Landes konstruieren sollen, bleibt dahingestellt.

Soviel Wahrheitsgehalt wie beim Hobbit

In seinem Blog wettert der russische Autor Jewgeni Grisjkowets, dass dies keine Werbung für sein Land sei. Es ist Propaganda schreibt er in seinem Blog. Der Film sei nicht einfach nur schlecht, er sei eine Schande und habe so wenig historisches Recht wie „Hobbit“ oder „Star Wars“. Laut dem Internetportal „afish“ hat der Kinogänger eine einfache Wahl: Entweder ist er mit sofortigem Ekel erfüllt und geht nach Hause oder findet seine sadomasochistische Lust in den blutigen Winkeln des Possenspiels. Und natürlich, was zu erwarten war, will sich auch die russisch-orthodoxe Kirche nicht wirklich mit einem Fürst Wladimir, der so brutal, schmutzig, geil und mörderisch dargestellt wird, anfreunden.

Warnungen kommen auch von Kinderpsychologen, die den Film am liebsten verbieten lassen würden. „Wiking“ könne bei den Kleinen zum tiefen Trauma führen „wenn unsere Vorfahren wie wilde, tierische Menschen porträtiert werden, die nicht wissen, was Schönheit oder Ruhm sind“, wie die Kinderpsychologin Jana Golosjapova meint. Russische Nationalisten finden gar, dass der Film eine Beleidigung für die russische Hochkultur sei und selbstverständlich haben Historiker schon längst unzählige Fehler und historische Verfälschungen gefunden.

Wie dem auch sei, den Kulturkritikern gefällt das Epos um die umtriebigen Skandinavier. Für sie traf der Film den Kern aller nationalen Bestrebungen. „Wir kommen nicht aus der Wüste, Taiga, Steppe oder gar mongolischen Jurten“ – Denis Dragonskij spreizt sich in der „Gazeta.ru“ gegen alle Vorwürfe der Geschichtsverfälschung – „Wir sind keine Skythen oder Asiaten. Und wir waren auch noch nie dort gewesen“, schreibt der bekannte Autor, Politologe und Kommentator. „Der ganzen Welt“, so findet Dragonskij, „können wir erklären, dass wir ein europäisches Land sind.“ Am ehesten meinte er wohl den Russen selbst. Er selber glaubt, dass die Popularität des Films teilweise daher rühre, dass die meisten Russen in der Tat gerne eine Verbindung nach Skandinavien hätten.

Für Putin ein Kunstwerk

Ausserdem wird „Wiking“ in Kreisen des Genres wegen der beträchtlichen Ressourcen und der sieben Jahre langen Arbeit, die die Produktion des Films vereinnahmt hat, gewürdigt. Regisseur Andrei Kravtjsuk lobt man indes für die technische Umsetzung und die Details seiner Wikinger. Insbesondere bei der Kleidung, den Waffen, beim Schmuck, den Wikingern ansich und deren Langhäuser. Teuer genug war der ganze Aufwand ja. Gedreht hat man „Wiking“, bis auf die Winterszenen, auf der südrussischen Halbinsel Krim und dazu gleich das ganze Dorf errichtet. Sogar die ausgestorbene Sprache der nomadischen Steppenvölker, das Petschengische, hat man bei der Gelegenheit wieder „neu erfunden“.

Auch im Kreml ist man voll des Lobes, auch wenn man sich als Außenstehender fragt, wie diese Orgie an Gewalt von den Hütern der Moral ab dem 12. Lebensjahr freigegeben werden konnte. Die historische Rekonstruktion sei ein Meisterwerk, heißt es aus den höchsten Kreisen. Auch Wladimir der Neuzeitliche möchte diesen Film unbedingt noch einmal sehen. Für Putin sei „Wiking“ eben ein Kunstwerk und keine verfilmte Dokumentation.

Bleibt zum Schluss noch die Frage zur Refinanzierung der 19,3 Millionen Dollar teuren Produktion. Nach den ersten zehn Tagen im Kino konnten bereits 1,2 Milliarden Rubel, das entspräche, wenn man den offiziellen Zahlen Glauben schenken darf, rund 20 Millionen Dollar, eingespielt werden. Alleine in russischen Lichtspielhäusern wohlgemerkt. Wenn erst einmal der DVD-Verkauf angelaufen ist, werden sich diese Erfolgszahlen sicherlich noch um ein vielfaches weiter erhöhen. Zudem dient die Kulisse, die extra für „Wiking“ neben der Ortschaft Perewalnje unweit von Simferopol errichtet wurde, seit Abschluss der Dreharbeiten als Themenpark. Ein Besuch desselben ist seitens der Redaktion in Kürze vorgesehen, wir werden zu berichten wissen.

[Michael Barth/russland.RU]




„Tsar to Lenin“ – erstmals mit deutschen Untertiteln erhältlich

Ab sofort ist beim Mehring Verlag die Jubiläumsausgabe der einmaligen Filmdokumentation Tsar to Lenin als DVD erhältlich. Erstmals enthält die DVD Untertitel in Deutsch, Afrikaans, Chinesisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Singhalesisch, Spanisch, Tamilisch und Türkisch.

Basierend auf Archivmaterial, das über mehr als zehn Jahre von Herman Axelbank (1900-1979) gesammelt wurde, dokumentiert Tsar to Lenin eine revolutionäre Bewegung, die Millionen Menschen in ihren Bann zog, die „die Welt erschütterte“ und den Lauf der Geschichte veränderte. Die Kommentare von Max Eastman (1883-1969) vermitteln Drama und Pathos der Revolution voller Emotion und Menschlichkeit.

Von der Kritik als Meisterwerk gefeiert, rief Tsar to Lenin bei jenen heftigen Widerstand hervor, die eine wahrheitsgetreue Darstellung der Ereignisse fürchteten. Die stalinistischen Organisationen drohten mit einem Boykott der Kinos, die den Film vorführten. Die Darstellung der führenden Rolle Leo Trotzkis in der Revolution und im Bürgerkrieg konnten sie nicht hinnehmen. Während der Hexenjagd gegen Kommunisten in der McCarthy-Ära und im Kalten Krieg war es praktisch unmöglich, Tsar to Lenin öffentlich zu zeigen.

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