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Kategorie: Kultur - russland.NEWS - russland.TV

Peter- und Paul-Kathedrale in Moskau [Video Classic]

Der offizielle Anlass des heutigen Besuchs von Bundespräsident Steinmeier in Moskau ist die Rückgabe der traditionsreichen dortigen Peter- und Paul-Kathedrale an die evangelische Kirche.

Diese Kathedrale hat Gunnar Jütte als Herausgeber von russland.NEWS schon 2008 – in den ersten Jahren von russland.TV – besucht und dort viel Interessantes über die Protestanten in Moskau und Russland erfahren – direkt von der Quelle. Aus dem aktuellen Anlass unser heutiges russland.TV Video-Classic.




“Lenin” in der Berliner Schaubühne: Zwei Stunden Schmutz

Lenin als debiler Gewaltverherrlicher, Trotzki als pädophiler Kaffeehaus-Revoluzzer umgeben von Sadisten und verkrachten Existenzen in einer morbiden Endzeit-Atmosphäre, die an Samuel Beckett erinnert – das ist, auf den Punkt gebracht, der Inhalt des Stücks „Lenin“, das am 19. Oktober in der Berliner Schaubühne seine Weltpremiere erlebte.

Der Autor und Regisseur Milo Rau hat alles, was er an historischen Fälschungen, anti-bolschewistischer Propaganda und Hass auf die Revolution finden konnte, gesammelt, zusammengerührt, verfaulen lassen und dann destilliert, um es als Theaterstück auf die Bühne zu bringen.

Rau erspart dem Zuschauer keine Geschmacklosigkeit, keine Obszönität und keinen Akt der Gewalt. Man braucht starke Magennerven, um das Stück bis zum Ende durchzustehen. Da alle Szenen von zwei ständig präsenten Kameraleuten in Großaufnahme auf die Leinwand übertragen werden, entgeht einem kein Detail.

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Russischem „Aktionskünstler“ droht in Frankreich Psychiatrie

In Russland will man ihn ins Arbeitslager stecken, in Frankreich in die Psychiatrie. Pjotr Pawlenski bezeichnet sich selbst als „Aktionskünstler“. Dass ihn seine „Kunst“ dabei immer wieder vor die russische Justiz brachte, schien seine Ausdrucksform zu sein. Nachdem er sich bei Nacht und Nebel aus Russland abgesetzt hat, sorgt er nun in Frankreich für gehörigen Wirbel.

Sicher, über Kunst lässt sich streiten. Mitunter ist die Kunst sogar das Sujet an sich. Nur, wo fängt Kunst an und wo hört sie endgültig auf? Mit derlei überflüssigen Fragen beschäftigt sich der Aktionskünstler Pjotr Pawlenski gar nicht erst. Egal was er tut, es ist halt Kunst. Für ihn zumindest, denn wer käme auf die Idee, sich den Hodensack auf dem Pflaster des Roten Platzes in Moskau festzunageln, dieses als künstlerisch wertvoll zu bezeichnen? Allerdings, und darauf zielt Pawlenski ab, die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss – weil es schräg ist. Verdammt schräg sogar. So manche Zeitgenossen sind dagegen der Meinung, er habe einfach nur einen Knall.

Im Grunde muss man dem 33-Jährigen einen Hang zur Selbstzerstörung vorwerfen. Er selbst sieht seine Aktionen, bei denen er seinen eigenen Körper als Ausdrucksmittel einsetzt als „politische Kunst“. „Der Anlass für meine Arbeiten ist der Wunsch des Staates, die Menschen zu erschrecken, indem er Angst als Steuerungsinstrument nutzt“, sagt Pawlenski über seine Arbeiten. Kann man so sehen, muss man nicht. Eigentlich begann die zweifelhafte Karriere des Pjotr Pawlenski ganz klassisch auf der Staatlichen Stieglitz-Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in St. Petersburg. Dort studierte er Wandmalerei und begann ein Aufbaustudium an der Schule für junge Künstler am Institut Pro Arte.

Wie weit darf Kunst gehen?

Als im Jahr 2013 die nicht minder umstrittene Protestgruppe Pussy Riot ihr „Skandalgebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale aufführte und daraufhin verhaftet wurde, nähte sich Pawlenski kurzerhand den Mund zu, um so gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Russland zu protestieren. Kurz darauf wickelte er sich vor einem Regierungsgebäude in St. Petersburg nackt in eine Rolle Stacheldraht. Nach seiner aufsehenerregenden Hodensack-Aktion wurde schließlich ein Ermittlungserfahren wegen Hooliganismus gegen ihn eröffnet. Dies wiederum kürte Pawlenski gleichzeitig mit dem fragwürdigen Titel als einflussreichster russischer Künstler, zugesprochen vom Internetportal Artguide.

Wenn es denn der Kunst dienlich ist, dann schneidet sich der Künstler schon mal ein Ohrläppchen ab. Allerdings nicht wie Kunstkollege Vincent van Gogh einst in den Klauen der „Grünen Fee“ Absinth, sondern nackt und aus purer Überzeugung. So geschehen 2014 auf dem Dach des Serbski-Zentrums für Sozial- und Gerichtspsychatrie. „Das Messer trennt das Ohrläppchen vom Körper. Die Betonwand der Psychiatrie trennt die Gesellschaft der Vernünftigen von den unvernünftig Kranken“, hieß es hinterher in einem offiziellen Statement des Protest-Aktivisten. Als Pawlenski im November 2015 die Tür des Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand setzte, brachte ihn selbiger zuerst in Gewahrsam und danach vorübergehend in die Psychiatrie.

Als wenn das Alles nicht schon schräg genug wäre, setzte die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation Human Rights Foundation den Umtrieben des Selbstzerstörers noch einen Deckel auf, indem sie ihm den „Václav Havel Prize for Creative Dissent“ verlieh. Als jedoch bekannt wurde, dass Pjotr Pawlenski enge Kontakte zu der Protestbewegung „Fernöstliche Partisanen“ in Wladiwostok unterhalten hatte, deren Aktivisten wegen mehrerer blutrünstigen Morde an Polizisten verurteilt wurden, war das der NGO dann doch etwas zu viel – sie nahm ihm den umstrittenen Preis kurzerhand wieder weg.

Exzentrik und Gewalt

Der, bis dahin zumindest, Höhepunkt seiner exzentrischen Karriere setzte mit dem Vorwurf gegen ihn ein, er habe gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Oxana Schalygina die Schauspielerin Anastasia Slonina vergewaltigt. Zudem haften ihm noch Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung an. Ab dem Punkt schien Pawlenski die „Kunst“ ein wenig zu entgleiten, auch wenn er die Vorwürfe bestreitet und, wie könnte es anders sein, als „politisch motiviert“ betrachtet. Im Mai 2017 griff schließlich der französische Staat ins Geschehen ein und gewährte dem autoaggresiven Aktivisten und seiner besseren Hälfte politisches Asyl. Den zehn Jahren Lagerhaft, die ihm in Russland drohen, konnte er sich dadurch fürs Erste entziehen.

In einem Interview mit der Deutschen Welle brüstete sich Pawlenski damit, dass er sich in Paris durch Ladendiebstähle ernähre und in einem besetzten Haus wohne. Und die Katze lässt das Mausen nicht. Kaum in Frankreich eingelebt, zündete er eine Filiale der Nationalbank am Pariser Place de Bastille an. Dort wo 1830 nach der Erstürmung der Königsresidenz die Franzosen in den revolutionären Genuss der Freiheit kamen. „Die Wiedergeburt des revolutionären Frankreich wird das weltweite Feuer der Revolutionen entzünden. In diesem Feuer wird die Befreiung Russlands beginnen“, resümierte der „Künstler“, sprach’s und tat’s.

Die Franzosen jedoch sahen in der Aktion weit weniger Pathos und nahmen ihn und seine Begleiterin wegen Sachbeschädigung vorübergehend fest. Nun muss sich Pawlenski am kommenden Mittwoch wegen „Zerstörung von Eigentum auf gefährliche Weise“ verantworten, wie aus Justizkreisen in Paris verlautbart wurde. Da sich das Feuer, das im Eingangsbereich der Bank gelegt wurde, rasch in die inneren Räume ausbreitete, bleibt die Filiale bis auf weiteres geschlossen. Wie seine Anwältin Dominique Beyreuther Minkov der Presse mitteilte, sei der Aktivist in den Hungerstreik getreten, weil die Gerichtsverhandlung nicht öffentlich sei, wie es ihr Mandant gern gesehen hätte.

Mit der Revolution kokettierte Pjotr Pawlenski im Jahr 2014 schon einmal. Aus unterstützendem Protest für den Maidan in Kiew verbrannte er Autoreifen und Motorhauben auf einer Brücke inmitten von St. Petersburg. Als „Garnitur“ für diese Installation verwendete er seinerzeit Metallstangen und ukrainische Fahnen. Schon da drohte ihm die russische Justiz mit einer Unterbringung in einer Anstalt, beließ es jedoch bei einer saftigen Geldstrafe. Da, wo die russische Gesetzsprechung noch einmal Milde walten ließ, könnten nun die französischen Behörden Ernst machen. Denn auch sie drohen Pawlenski mit der Psychiatrie. Somit liegt es an den Franzosen, dem Irrwisch der russischen Künstlerszene ein für allemal die mediale Öffentlichkeit zu entziehen.

[mb/russland.NEWS]




Der Wilde Westen im russischen Osten

[von Michael Barth] Winnetou, Old Shatterhand, Hadschi Halef Omar, Kara Ben Nemsi und der Schut, wer kennt sie nicht, die Helden aus den Abenteuerromanen Karl Mays? Der Wilde Westen, die Mesopotamische Wüste und das Land der Skipetaren sind Gegenden, mit denen uns der sächsische Aufschneider, der uns Deutschen glauben machen wollte, er hätte all die fernen Länder selbst bereist, in seinen Bann gezogen hat. Einzig Russland schien er nie als Schauplatz seiner Exkurse in Erwägung gezogen haben.

Weshalb eigentlich? Lag Russland doch Europa zu Zeiten Karl Mays, in den Jahren 1842 bis 1912, um ein Vielfaches näher als der nordamerikanische Kontinent, so dass es ein leichtes für ihn gewesen sein müsste, seine Protagonisten auch dort auftreten zu lassen. Oder war Russland einfach nicht spannend genug und Europa zu vertraut, um ein Teil seiner Reiseromane zu werden? Nun, Karl May war in Russland genauso wenig, wie in der Prärie der USA. Jedoch hat er sich der russischen Geschichte mehr bedient als man es annehmen möchte. Es ist weniger das geschriebene Wort, das bei May einen Bezug zu Russland herstellt, sondern eine gewisse Parallelität zwischen den europäischen Erkundungen und Eroberungen auf den beiden Kontinenten.

Bereits im 18. Jahrhundert setzte eine Expansionspolitik der Europäer ein, die weniger dem Interesse an Land und Leuten galt, als viel mehr der Ausbeutung der Bodenschätze, die in den „neuen“ Gebieten zu finden waren. Die ursprüngliche Bevölkerung stand dabei meist im Weg und wurde kurzerhand als „Wilde“ aus dem Weg geräumt. Das geschah, um bei unserem wackeren Sachsen zu bleiben, sowohl im Wilden Westen, als auch in Sibirien. Es darf davon ausgegangen werden, dass Karl May weit mehr aus der russischen Literatur denn aus der amerikanischen schöpfen konnte, da sie seinerzeit um ein Vieles reichhaltiger war und in Europa zur Verfügung stand.

Trapper und Zobeljäger

So wurden bei May aus den Pelzjägern, Fallenstellern und Glücksrittern, die sich über den Ural nach Sibirien wagten, kurzerhand Kunstfiguren, wie Sam Hawkins und Old Firehand. Die indigenen Völker im russischen Asien mutierten zu seinen exotischen Indianerstämmen. Und tatsächlich wusste May offenbar über die verschiedenen Volksgruppen Russlands Bescheid. Auf die Spur führt das Autorenduo Eckehard Koch und Holger Kuße in dem vor Kurzem im Karl-May-Verlag erschienenen Werk „Auch im Osten der Wilde Westen“ aus der Reihe „Karl May im Kontext“ Sie verfolgen die Fährte besonders durch die weniger bekannten Werke Karl Mays, in denen sein Wissen über Russland einfließt.

Schon in seinem Kolportageroman „Deutsche Herzen – Deutsche Helden“ aus den Jahren 1885 bis 1888 schildert May das fiktive sibirische Städtchen „Platowa“, auf dessen Jahrmarkt er ein regelrechtes „Völkerragout“ beschreibt. Auf rund 350 Seiten tasten sich die Autoren akribisch durch die Literatur Karl Mays, um jede noch so kleine Querverbindung zu Russlands Expansionspolitik in Asien aufzuspüren. Der Leser bekommt auf diese Art ein aufschlussreiches Bild über die Erschließung Sibiriens, nicht ohne das Gefühl zu haben, mitten im Wilden Westen zu stehen. Taktgeber der Kolonisierung beider Kontinente war jeweils die Eisenbahn, die es damals ermöglichte, binnen kurzer Zeit weite Entfernungen zu überwinden.

Getroffen haben sich Karl-Mays Wilder Westen und Russlands rauer Osten schließlich in Alaska. Hier findet sich in Mays späten Oeuvres auch erstmals die Erwähnung des russischen Territoriums in der Reihe seiner Gesammelten Werke. Weiterführende Querverweise der Autoren sind hierbei nahezu unerlässlich, um die Komplexität der May’schen Welt zu verstehen. Denn, und das muss sich wohl die Mehrzahl der Leser eingestehen, die in jungen Jahren die Winnetou-Trilogie verschlungen hat, die Wenigsten wissen, dass es noch einen vierten Band über den Apachen-Häuptling in der Gesamtausgabe gibt, der sich mit der spirituellen Welt der Indianerstämme bei Karl May auseinandersetzt.

Von Stambul nach Buchara

Weitere Gemeinsamkeiten der Geschichte Karl Mays und Russlands enthüllen Koch und Kuße in Zentralasien sowie dem Kaukasus. Die politischen Anspannungen Russlands, Englands, des Osmanischen Reiches und Persiens zwischen dem Schwarzen Meer und dem Hindukusch blieben auch in Europa nicht unbemerkt und boten May indirekt das Paradigma von „Bagdad nach Stambul“. Im sogenannten „Orientzyklus“, den ersten fünf Bänden der Gesamtreihe, finden sich daher des öfteren Bemerkungen und Diskussionen mit anderen Romanfiguren zur „Türkenfrage“, die die Politik Russland lange beschäftigte. In persona betreten Türken besonders in Verbindung mit dem Schut den Schauplatz.

Über Russlands Krieg gegen die Perser bediente sich May der russischen Literatur, insbesondere der Frühwerke Lew Tolstois und Puschkin. Zunächst verarbeitete May das damalige mittelasiatische Konglomerat in seiner, wenn man so will, Völkerkunde „Deutsche Herzen-Deutsche Helden“, um in späteren Romanen historische Begebenheiten gezielt in Szene zu setzen. So findet sich beispielsweise die Schlacht von Irdschar, in der sich der Emir von Buchara gegen die Perser als auch gegen die Russen behaupten musste, in Karl Mays Roman „Am Jenseits“ wieder. Selbst General Skobelew, der den russischen Versorgungsschub nach Zentralasien führte, findet bei May Erwähnung.

Den Autoren von „Auch im Osten der Wilde Westen“ gelingt es in ihrem Buch nicht nur den Bogen zu Karl Mays Romanen zu schlagen. Vielmehr eskortieren sie den Leser durch das riesige russische Reich des späten 19. Jahrhunderts, um eine gewisse „Trittsicherheit“ im Umgang mit politischen Zusammenhängen als Grundlage für die Entwicklung der Regionen in heutiger Zeit zu schaffen. Wenn Koch und Kuße das „allgemeine bürgerliche Bildungswissen über die Vielvölkerstaatlichkeit“ Russlands und der späteren Sowjetunion ansprechen, geschieht dies nicht ohne den unterschwelligen Verweis auf Heute.

Denn, anders als in den Vereinigten Staaten, setzte sich Russland seit der Revolution 1917, mit Unterbrechung in der Ära Josef Stalins, tatsächlich für die Selbstbestimmung der Völker ein. Hier stoßen wir auch auf das humanitäre Selbstverständnis Karl Mays, wenn er beispielsweise über die Einpferchung von Völkern in Reservaten schreibt: „Die Verwilderung der Zivilisation ist schlimmer, als jede Wildheit der Wilden.“

Das Buch ist somit eine klare Kaufempfehlung, nicht nur für Liebhaber des umtriebigen Sachsen, der unzählige Jugendliche über Generationen mit seinen Reiseabenteuern in seinen Bann gezogen hat. Jeder, der sich für die russische Geschichte und deren Ausdehnung nach Osten interessiert, wird darin mit Sicherheit noch etwas finden, das den „Aha-Effekt“ beim Lesen hervorruft. Eine grundlegende Frage aus der Kindheit des Rezensenten allerdings konnte auch dieses Buch nicht beantworten: Warum mussten Karl Mays Helden eigentlich nie aufs Klo?

Eckehard Koch, Holger Kuße: Auch im Osten der Wilde Westen, Karl May im Kontext, Karl-May-Verlag 2017, 379 Seiten, 49 Abbildungen, 1 Karte, ISBN: 978-3-7802-0562-9




Literatur: Lew Kopelew

[von Dr. Christian Wipperfürth] Kopelew war einer der wichtigsten Brückenbauer zwischen der russisch- und der deutschsprachigen Welt, von den 1960er bis in die 1990er Jahre.

Christian Wipperfürth auf der Frankfurter Buchmesse, Mitte der 80er Jahre. Erschöpft und mit Eindrücken überaus vollgestopft, bewegt er sich nunmehr eher schleppend durch die (gefühlt) sechsundachtzigste Halle. Und da steht Lew Kopelew, mit einer Bockwurst zwischen Daumen und Zeigefinger. In die biss er rein, während er seinem Gesprächspartner zuhört.

Ehrlich gesagt: Die kurzen Eindrücke von Kopelew waren mein mit weitem Abstand eindrücklichstes Erlebnis auf der Buchmesse. Und ich habe von der Episode auch über 30 Jahren später weiterhin deutliche Bilder vor Augen.

Sicher, ich habe Kopelew sogleich erkannt, als ich ihn gesehen habe. Er war eine imposante, unverkennbare Erscheinung. Und ich hatte ein Buch von ihm gelesen: „Aufbewahren für alle Zeit“, in dem es insbesondere um den Einmarsch der Roten Armee nach Ost- und Westpreußen 1945 geht. Das Thema betrifft mich stärker als andere, denn die Hälfte meiner Vorfahren sind Ostpreußen.

Das genannte Werk dürfte bleibenden Wert besitzen. Es war aber vielleicht nicht sein Oeuvre, das Kopelew zu einer bedeutenden Persönlichkeit machte, sondern seine Wirkung auf andere. Er hat beeindruckt, war Vertrauter, hat angeregt, Mut gemacht, war Freund zahlreicher bedeutender Menschen, hat Deutsche mit Russen und Russen mit Deutschen zusammen gebracht.

Die Biographie Reinhard Meiers über Kopelew hat mir darum etwas bedeutet.  Meier hatte als Journalist der „Neuen Zürcher Zeitung“ langjährigen und persönlichen Kontakt mit Kopelew. Er zeichnet dessen Lebensweg und Entwicklung von der frühesten Kindheit bis zum Lebensende nach. Das Buch befasst sich weniger mit der Arbeit Kopelews als mit den Persönlichkeit prägenden Erlebnissen und menschlichen Beziehungen des Brückenbauers zwischen dem russischen und dem deutschen Volk.

Im Frühjahr 1933 sah Kopelew – ein Agitator für die Kollektivierung – zahllose Sterbende und Tote in der Ukraine, Opfer der Hungersnot (56). In jenen Jahren kam er auch seinen zu Unrecht verurteilten Kollegen aus Angst und ideologischer Verblendung praktisch nicht zur Hilfe. Selbst Ende der 1940er Jahre, nach mehreren absurden Prozessen (u.a. weil er Gräuel an der deutschen Zivilbevölkerung in Ostpreußen ablehnte) und einer zehnjährigen Verurteilung zu Arbeitslager, war er noch glühender Kommunist. Er weinte bei Stalins Tod, obwohl er sich im Lager befand (108).

Dabei zeigte bereits der junge Kopelew Charakter: Trotz seines Desinteresses an seinen jüdischen Wurzeln und der jüdischen Religion hat er sich stets offen zu seiner jüdischen Abstammung bekannt, obwohl dies zeitweilig mit Nachteilen verbunden war (30). 1977 schrieb er an seinen Freund Max Frisch: „ … denn ich bin und bleibe Russe; und wegen meiner jüdischen Abstammung ein solcher, der das Russentum besonders klar, bewusst und tragisch – himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – empfindet und bekennt“ (32).

Kopelew wäre über den Untertitel: „Humanist und Weltbürger“ vermutlich nicht glücklich gewesen. Ja, er war zwar beides, aber legt die Formulierung „Weltbürger“ heutzutage nicht eine Distanz zum eigenen Land nahe? Kopelew war zweifellos ein glühender Patriot. Was er keineswegs als Gegensatz zum Humanismus empfand.

Kopelew lernte Ende der 1940er Jahre im Lager Alexander Solschenizyn kennen, der bereits Skeptiker geworden war. Zwischen beiden entwickelte sich eine langjährige und enge Freundschaft, die aufgrund der politischen Meinungsunterschiede in den 1970er Jahren zu Ende ging, was Meier ausführlich schildert (235-52). Solschenizyn war national-konservativ, wenn nicht reaktionär geworden. Heinrich Böll nahm ihn nach seiner Ausbürgerung aus der UdSSR 1974 in seinem Haus auf.

Die Freundschaft mit Böll war für Kopelew die wichtigste seiner zweiten Lebenshälfte. Böll war neben Hemingway der beliebteste ausländische Gegenwartsautor der Sowjetunion der 1960er/70er Jahre mit hohen Millionenauflagen. Ab 1975 wurde Böll in der UdSSR wegen seines beherzten Eintretens für Solschenizyn und Kopelew nicht mehr aufgelegt (133/34).

Kopelew glaubte von Mitte der 1950er Jahre bis 1968 an eine Erneuerung des sowjetischen Systems (13). Die Niederschlagung des Prager Frühlings beendete diese Hoffnungen. Marion Gräfin Dönhoff, die nach Heinrich Böll wichtigste ausländische Vertraute Kopelews schrieb: „Kopelew ist nicht Kommunist geblieben, aber er ist auch nicht Dissident geworden. Er ist einfach ein freier Mensch, ein souveräner Geist.“ (186, 188)

Er pflegte Kontakt zu vielen führenden Persönlichkeiten. Max Frisch und Kopelew hatten beide seit ihrem ersten Kontakt das Gefühl, auf einen Seelenverwandten getroffen zu sein. Der Leser erfährt viel über Persönlichkeiten wie Anna Seghers, Christa Wolf, Anna Achmatowa oder Andrej Sacharow (z.B. 140-42, 194-98), mit denen Kopelew teils engen Kontakt pflegte. Wolf Biermann bewunderte er, beide waren zeitweilig eng befreundet bis Biermann ihn aus politischen Gründen brüsk, öffentlich und wiederholt abkanzelte (264-69).

 

 

 

 

Reinhard Meier: Lew Kopelew: Humanist und Weltbürger

304 S.; Theiss, Konrad Verlag GmbH; Darmstadt; 2017; 29,95 €

 

Quellen der Abbildungen

Buch: https://www.wbg-darmstadt.de/Files/Article/ARTK_C2D_1018950_0001.jpg?scale=both&format=png&height=600

Solschenizyn: https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aleksandr_Solzhenitsyn_1974.jpg; http://www.gahetna.nl/en; http://www.spaarnestadphoto.nl/;

Christa Wolf: http://www.kopelew-forum.de/img/Virtuelle_Bibliothek/Literatur_Prosa_Lyrik/wolf/kopelev_christa-wolf_1990.jpg

Biermann: http://www.kopelew-forum.de/img/Virtuelle_Bibliothek/Literatur_Prosa_Lyrik/biermann-kopelev_koeln.jpg




Von Andante bis Aldente

„Sieben Künstler aus verschiedenen Ländern, jeder mit seinem eigenen Weg und Ego, stimmten zu, sich an dieser Ausstellung zu beteiligen. Die Kunstrichtungen sind verschieden wie auch die Ausdrucksformen. Aber das Ideal des Einzelnen entspricht dem der kulturellen Gemeinschaft und ihrem Ursprung und folgt dem Weg zurück bis zur Geburt des Lebens.“

Von Freitag, dem 13. Oktober (Vernissage 19 Uhr) bis Sonntag, dem 22. Oktober (Finissage) findet im Kunsttreff Quiddezentrum in München eine bemerkenswerte Ausstellung statt: „schauen – hören – schmecken“.
(81735 München Quiddestr. 45, Öffnungszeiten Do – So 15 – 20 Uhr)

Arkadij Klenov – Künstler, Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalist, Pädagoge, Musiker von Ausbildung ….

Ingo Ostersehlte – Der in Schwabing lebende Künstler wurde in Wuppertal als Sohn eines Kunstmalers geboren …..

Irina Orkina – Autorin und Künstlerin hat an mehr als 250 künstlerischen Projekte in Russland, Deutschland, Japan, den USA, Frankreich und China teilgenommen ….

Monika Siebmanns – Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Bildhauerin und Keramikerin in Dachau. Mit beeindruckender Konsequenz entwickelt sie ….

Tanja Borushko – Die Jazz-Keramik ist eine Synthese der architektonischen Erfahrungen mit großen und kleinen Formen und der Musik ….

Luciano Florio – Irrationale Wiedergabe der Träume. Sie entstehen in Momenten, in denen ich mich dazu bereit fühle, sie festzuhalten. ….

Nikolai Taidakov – Freie Malerei ist schon seit dem fünften Lebensjahr ein Thema für den Künstler. In seiner Malerei begrenzt sich ….

© alle Bilder bei den Autoren

[hmw/russland.NEWS]




Russisches Museum bangt um seine berühmteste Ikone

Wie bekannt wurde, versuchte ein russischer Geschäftsmann die bekannteste Ikone des Russischen Museums „umzusiedeln“. Erst nachdem eine Museumsangestellte den Medien über die Pläne berichtet hatte, reagierte die Museumsleitung.

Der Erzengel Gabriel (Angel Slatie Vlasy, um 1200) aus vormongolischer Zeit gehört zu den ältesten und bekanntesten Exponaten des Russischen Museums. Anfang Oktober wurde bekannt, dass der einflussreiche und religiöse Geschäftsmann Sergei Schmakow dem Museum das Angebot unterbreitet hatte, die Kirche im Michailowski-Schloss (Ingenieursschloss) auf seine Kosten zu renovieren. Dabei sollte auch die Ikone vom Museum in die Kirche umgesiedelt werden, angeblich damit sie von den Gläubigen angebetet werden könnte.

Zwar ist das Ingenieursschloss eine Filiale des Russischen Museum, so dass der Vorschlag auf den ersten Blick harmlos, ja sogar grosszügig klingen mag. Aber Sergei Schmakow ist dem Russischen Museum bereits durch einen anderen unerfreulichen Fall bekannt. 2009 gelang es ihm mit Unterstützung des Patriarchen und des Kulturministeriums, die Ikone der Muttergottes von Toropez in die Kirche der Datschensiedlung „Knjaschje Osero“ umzusiedeln. Angeblich sollte sie dort vorübergehend untergebracht werden, doch bis heute hat sie das Museum nicht wiedergesehen.

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Jodeln auf Russisch

Die Russen mögen sie, die bayrische Gemütlichkeit. Tradition, Geselligkeit, deftiges Essen und vor allem gutes Bier. Da gerät der Bierzeltbesuch schnell zum Event, wenn geschunkelt wird und auf den Tischen getanzt. Für Russen gehört da natürlich auch das Jodeln dazu. Eventuelle Textunsicherheit wird kurzerhand mit der nächsten Maß kaschiert – Hauptsache bayrisch, Hauptsache gemütlich. Auch wenn es im fernen Moskau ist.

Echt boarisch auch in Moskau also. Eine zünftige Jodelgruppe in der Krachledernen begeistert seit nunmehr zehn Jahren das Feiervolk in der russischen Hauptstadt. „Bawarskaja Karussell“ tinglen mit bayrischen Volksmusik durch ganz Russland und füllen sogar kleinere Konzerthallen im fernen Sibirien. Die Stimmung ist ausgelassen, das Motto ist Programm. Das Bayrische Karussel vermittelt den Russen ein Bild von deutscher Offenheit, wie sie sie selten zu Gesicht bekommen. Überhaupt, man erwartet von den Deutschen Gründlichkeit und Ordnung. Die Wenigsten können sich deshalb vorstellen, dass die Deutschen auch derart ordentlich und gründlich aus sich herausgehen können.

Deutsch spricht aus der Trachtlertruppe nur etwa die Hälfte. Das sei aber auch nicht wichtig, sagt Natalia Lugowkina gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa. „Die meisten wollen mitschunkeln und verstehen, warum die Deutschen so gut feiern können“, sagt sie. Für andere sei es einfach nur so etwas wie Urlaub. Sie freuen sich, da die Reisen für Russen nach Europa inzwischen doch recht teuer geworden sind. Und so mancher unter ihnen war ja bereits einmal auf der Wiesn in München dabei. Ein Zaungast aus Stuttgart findet es ebenfalls toll, was „Bawarskaja Karussell“ in ihrer Heimat da veranstalten. „Das ist doch mal etwas Anderes, etwas Kreatives und Mutiges, dass Russen mit fremden Gebräuchen trotzdem so eine Stimmung machen“, wird er von der dpa zitiert.

Für die Mitglieder der Folkloregruppe, einige sogar mit einem deutschen Ast im Stammbaum, ist es jedoch harte Arbeit, die hinter ihren Auftritten steckt. Es sei ja schließlich etwas Ungewöhnliches, dass es so in Russland nirgends gebe, erklärt Natalia Lugowkina. Zu Videos aus dem Internet hätten die Musiker mit stundenlangen Übungen ihre Jodelkunst trainiert. Bis zur Perfektion, wie Lugowkina findet. Die richtige Atemtechnik, die dazugehörige Melodie und vor allem die Ausdauer, eben alles was dazgehört. Ein ganz besonderes Highlight war für sie der Auftritt beim „Oktoberfest“ der Außenhandelskammer in der Moskauer deutschen Botschaft. Dort haben sie dann alle ausgelassen miteinander gefeiert – die Russen und die Deutschen.

Mittlerweile sollen laut Lugowkina weitere bayrische Folkloregruppen in Russland existieren. Mit urigen deutschen Liedern sorgen sie in ortsansässigen Nachtclubs für Stimmung. „Made in Germany ist eine Marke, die Menschen stehen einfach drauf“, weiß sie.

[mb/russland.NEWS]




Deutschland gibt Gemälde „Waldweiher“ von Wassili Polenow an Russland zurück

Am 26. September wurde in einer öffentlichen Übergabe in der Kunsthalle zu Kiel das Gemälde „Waldweiher“ von Wassili Polenow an den Staatlichen Literatur- und Architekturhistorischen Museumspark Taganrog zurückgegeben. Die Übergabe erfolgte durch die Direktorin der Kunsthalle zu Kiel, Anette Hüsch, an die Direktorin des Museumsparks Taganrog, Jelisaweta Lipowenko.

Das 1881 entstandene Gemälde „Waldweiher“ wurde durch die deutsche Wehrmacht im August 1943 zusammen mit anderen Sammlungsstücken aus dem örtlichen Museum an einen unbekannten Ort verbracht. 1959 gelangte es auf den Kunstmarkt. 1986 erwarb der damalige Direktor der Kunsthalle zu Kiel das Bild zusammen mit 12 weiteren Gemälden des 19. Jahrhunderts von russischen und polnischen Künstlern mit Hilfe der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein.

Seit 2015 untersucht die Kunsthalle zu Kiel systematisch ihre Bestände in einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt, um während des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut in der Sammlung zu identifizieren. Bei diesen Recherchen entstand der Verdacht, dass es sich beim Polenow-Gemälde um im Krieg unrechtmäßig verbrachtes Kulturgut handeln könnte. In einem engen Austausch zwischen der Kunsthalle zu Kiel, dem Deutsch-Russischen Museumsdialog und dem Staatlichen Literatur- und Architekturhistorischen Museumspark Taganrog konnten die Forschungen zur Verlustgeschichte zusammengeführt und die Identität des Werkes bestätigt werden.

Aus Anlass der Rückgabe erklärte Botschafter von Fritsch: „Unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter müssen an ihren rechtmäßigen Eigentümer oder dessen Rechtsnachfolger zurückgegeben werden. Die Bundesregierung hält sich strikt an diese Maßgabe des Völkerrechts. Mit der Rückgabe des Gemäldes ‚Waldweiher‘ von Wassili Polenow an Russland wollen wir zugleich in deutscher Verantwortung entstandenes Unrecht wiedergutmachen.“

Pressemitteilung der deutschen Botschaft in Moskau




Keine Alternative zu guten Beziehungen zwischen Moskau und Berlin

Deutschlands demokratische Parteien sagen, dass es keine Alternative zu guten Beziehungen zwischen Moskau und Berlin gibt, erklärte Deutschlands Botschafter in Russland Rüdiger von Fritsch am Mittwoch bei einem Treffen mit Konstantin Kosatschew, dem Leiter des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrats.

„Ich denke, wir können sicher sagen, dass sich die deutsche Politik [nach der Wahl – hmw] gegenüber Russland nicht drastisch ändern wird“, betonte er.

„Bei den demokratischen Parteien besteht ein breiter Konsens, dass es keine Alternative zu guten Beziehungen von Russland und Deutschland gibt. Russland und Deutschland teilen eine Verantwortung für das Schicksal unseres Kontinents. Wir denken, beide Seiten sind sich dieser Tatsache bewusst“.

„Das bedeutet, dass wir im Dialog Lösungen für die Themen finden müssen, die uns trennen“, sagte Rüdiger von Fritsch. „Wir wollen die Zusammenarbeit in den großen Bereichen fortzusetzen – nämlich Kultur, Wissenschaft und Kontakte zwischen unseren Zivilgesellschaften. In diesen Bereichen werden wir alle Anstrengungen unternehmen, um eine gute Zusammenarbeit zu entwickeln und zu pflegen.“

[hmw/russland.News]