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Kategorie: Kultur - russland.NEWS - russland.TV

Reise durch das Schwarze Quadrat in den Kosmos

[von Bernhard Wiens] Der russische Kosmismus verspricht Unsterblichkeit. Doch am Ende steht die alte Erfahrung: Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.

Einem Kritiker, der dem Bild „Das Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch nicht sehr gewogen scheint, fielen vor Jahren die Risse und Schrunden auf dem Gemälde auf, dessen bebekannteste Fassung von 1915 in Moskau hängt. Endlich hatte er eine Interpretation: Nachts entfleuchen aus den Ritzen kleine Teufelchen, die Moskau überfallen.1

Ganz anders ging Bernd Scherer, der Leiter des Berliner „Haus der Kulturen der Welt“, heran, als er eine Tagung samt kleiner Ausstellung zum „Russischen Kosmismus“ eröffnete. Einstmals wurden russische Ikonen mit einem Firnis überstrichen. Der ließ im Lauf der Jahre die Bilder dunkeln, bis sie schwarz waren. Als im 19. Jahrhundert neue Restaurierungstechniken erfunden waren, kamen die alten Motive wieder zum Vorschein. Malewitschs bis heute so provokantes Bild ist die Aufforderung, die ursprünglichen Elemente des Lebens neu zu entdecken. Es ist eine Aufforderung zur Wiederbelebung der Vorfahren.

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Streit um „Matilda“: Christliche Extremisten in Haft

Russlands Behörden greifen im eskalierenden Streit um einen angeblich religiöse Gefühle beleidigenden Spielfilm nun doch ein: Drei Angehörige der Bewegung „Christlicher Staat –Heilige Rus“ sind in U-Haft genommen worden. Sie haben bereits gestanden, in Moskau einen Brandanschlag begangen zu haben.

Am 11. September brannten in Moskau zwei Autos vor einer Rechtsanwaltskanzlei, die Alexander Utschitel, den Regisseur des umstrittenen Films „Matilda“ vertritt. „Brennen für Matilda“ stand auf einem Zettel, den die Brandstifter am Tatort hinterließen.

Dies war nicht der erste Anschlag in Zusammenhang mit dem Film: Am 31. August wurde in St. Petersburg ein Brandanschlag auf ein Filmstudio Utschitels verübt. In der Woche darauf rammte ein Mann mit einem benzingeladenen Kleinbus ein Kino in Jekaterinburg und in Jaroslawl warfen zwei Täter Brandsätze auf ein Kulturhaus, in dem ein Kinoclub untergebracht ist.

Empörung über eine 120 Jahre alte Lovestory

In dem Film, der Ende Oktober in die Kinos kommen soll, geht es um die Beziehung des russischen Thronfolgers und späteren Zaren Nikolaus II. zur Primaballerina Matilda Kschessinskaja – eine gemeinhin bekannte Affäre, die wohlgemerkt 1892 bis 1894 stattfand. Gezeigt wird auch, wie die beiden miteinander ins Bett gehen (was als historischer Fakt nicht unbedingt bewiesen, aber durchaus wahrscheinlich ist).

Dieser Umstand erregt nun in Russland manchen orthodoxen Hardliner zur Weißglut: Schließlich wurde Russlands letzter Monarch, der 1918 samt seiner Familie von den Bolschewiken erschossen wurde, im Jahr 2000 von der Kirche als Märtyrer heiliggesprochen. Und einem Heiligen eine voreheliche Beziehung samt Sex zu unterstellen, ist nach Ansicht der Gegner des Films antichristliche Propaganda und eine Beleidigung ihrer religiösen Gefühle – und damit moralisch zu verdammen sowie in Russland prinzipiell strafbar.

Gegenvorwurf: Zensur und Geschichtsklitterung

Die eher säkular eingestellte russische Kulturelite sieht hingegen in den Versuchen, die Aufführung des staatlich geförderten Filmprojekts zu verhindern, einen eindeutigen Zensurversuch – und in Nikolaus II. weniger einen Heiligen als eine tragische historische Schlüsselfigur, deren Scheitern als Monarch Russland in die revolutionären Wirren des Jahres 1917 führte.

Als besonders eifrige Kämpfer gegen die unsittliche Kino-Blasphemie gerierte sich eine Bewegung namens „Christlicher Staat – Heilige Rus“. Die Reihen dieser Gruppe sind nun sichtlich gelichtet, denn am Donnerstag wurden drei ihrer Aktivisten bis in den November hinein in U-Haft genommen. Juri Kalinin, Denis Montaluz und Alexander Bajanow wird mutwillige Sachbeschädigung und Rowdytum vorgeworden. Zwei von ihnen gestanden bereits, den Brandanschlag in Moskau verübt zu haben – und begründeten dies mit ihren verletzten religiösen Gefühlen.

Der „Christliche Staat“ ist gewaltbereit

Auch Kalinins Bruder Alexander, der Anführer des „Christlichen Staates“ wurde inzwischen festgenommen. Ob er in U-Haft muss, ist noch offen. Geprüft wird nun, ob diese Gruppe auch für die Anschläge von St. Petersburg und Jaroslawl verantwortlich ist. Der Mann, der das Kino in Jekaterinburg rammte und in Brand setzte, wurde bereits unmittelbar nach der Tat festgenommen.

Initiatorin: Die blonde Star-Staatsanwältin von der Krim

Initiiert und angefacht wurde der Widerstand gegen den Film aber nicht von diesen bärtigen Fanatikern, sondern vom attraktiven Cover-Girl der Putin-treuen Kräfte in der russischen Politik, der Duma-Abgeordneten und früheren Generalstaatsanwältin der Krim, Natalja Poklonskaja. Die 37-Jährige verehrt Nikolaus II. wie eine wahre Kultfigur – und veranlasste nach dem Ansehen der ersten Filmtrailer die Einleitung von Ermittlungsverfahren wegen antireligiöser Hetze und Extremismus gegen die Urheber des Films „Matilda“.

Dass ihre moralsaure und von religiösem Patriotismus geprägte Kampagne inzwischen zu Gewaltakten geführt hat, bedauert und kritisiert Poklonskaja öffentlich. Dabei haben genau diese „Provokationen“ das von ihr gewünschte Ziel näher gebracht: Die Angst vor Anschlägen und handfesten Konflikten veranlasste bereits russische Kinoketten, den Film des renommierten Regisseurs Utschitel aus dem Programm zu nehmen.

[ld/russland.NEWS]




Die geheimnisvolle Pracht des Goldenen Rings

[von Michael Barth] Zweifelsohne zählt der sogenannte Goldene Ring mit zu den meistbesuchten Reisezielen in Russland. Der Gürtel aus altrussischen Städten, der sich um Moskau spannt, dominiert durch seine unzähligen Zwiebeltürme von Klöstern und Kirchen. Hier ist das alte Russland noch in all seiner Pracht greifbar und allgegenwärtig.

Als Besucher fühlt man sich in eine Zeit versetzt, in der die Handelsstädte unweit der Hauptstadt ihre kostbaren Waren von Kaufleuten, die die Wolga und ihre Nebenflüsse entlang fuhren, beliefert wurden. In die Zeit, in der der orthodoxe Glaube in Russland den täglichen Rhythmus bestimmte, in der die berühmtesten Ikonenmaler des Landes ihre Kunstwerke schufen. Aber auch in die Zeit der Mongolenstürme, die auf das Reich der Zaren niedergingen und deren Zeugnisse als prachtvolle Fresken an den Kirchenwänden verewigt wurden. Die Landschaft zwischen den Orten entspricht dem Bild, das der Reisende von daheim mitbringt: Birkenhaine und Kiefernwälder, Flüsse und Bäche mit sumpfigem Hinterland – Russland.

In einer Entfernung von rund 75 bis 250 Kilometer zu Moskau gelegen, sind die Städte des Goldenen Rings bequem mit Bus und Bahn zu erreichen. Außerdem bietet sich den Touristen die Möglichkeit einer organisierten und geführten Rundreise im Luxusbus. Eine Option, die bei Reiseveranstaltern gerne von ausländischen Besuchern in Anspruch genommen wird. Man sollte sich deshalb nicht wundern, wenn man in der Saison nicht gerade einen noch unberührten Geheimtipp bereist. Jährlich werden die Sehenswürdigkeiten von Millionen Touristen besucht. Dementsprechend gehören sie zu den infrastrukturell erschlossensten Anziehungspunkten des Landes. Vom wirtschaftlichen Faktor für die jeweiligen Regionen ganz zu schweigen.

Lassen auch wir die Exkursion in der Zwölfmillionenmetropole Moskau beginnen und uns unserer Reiseleiterin Dr. Susanne Pfau anvertrauen. Frau Dr. Pfau hat zu diesem Zweck einen Bildband erstellt, der weit über ein gewöhnliches Fotosammelsurium hinaus geht. In enzyklopädischer Gründlichkeit schuf sie während zwei Jahren Recherche, Reisen und Kontaktaufnahmen ein Werk im Selbstverlag, das dem Betrachter die Geheimnisse und Schätze entlang der Reiseroute in so bisher noch nicht erschienenen Weise näher bringt.

Sakrales und Alltägliches

Von dem Glanz der rund 140 Kirchen und 50 Klöstern bringt uns die Autorin fünf Stationen akribisch näher. Die Reise beginnt in Moskau, wo mit der einstigen Zarenresidenz und dem heutigen Regierungssitz, dem Kreml, der erste Eckpfeiler der religiösen und politischen sowie der kulturellen Welt des alten und modernen Russlands vorgestellt wird. Historische Daten zur Stadtgeschichte und Legenden zu den Sehenswürdigkeiten erschaffen, wie auch in den weiteren jeweiligen Kapiteln, ein transparentes Bild, das durch die unzähligen Fotografien lebendig wird. Jedes Foto wird durch einen ausführlichen Begleittext erläutert und vermittelt so die Entstehung und den Zweck der einzelnen Bauwerke im Gesamtensemble.

Spätestens im nächsten Kapitel des Buches, das den Leser nach Sergijew Plossad geleitet, wird deutlich, weshalb die Touristenmagneten des Goldenen Rings in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden sind. Auch wenn die Städte aus dem Mittelalter stammen, der Begriff des Goldenen Ringes ist gerade einmal fünfzig Jahre alt und wurde von Juri Blytschkow, einem sowjetischen Journalisten geprägt, der seinerzeit ein Konzept historischer russischer Orte rund um Moskau für die Kulturzeitung „Sowjetskaja Kultura“ ausarbeitete.

Ihre guten Kontakte verhalfen Frau Dr. Pfau zu den beeindruckenden Innenaufnahmen der Klosterkirchen, die den Betrachter die Besonderheit der im Buch vorgestellten Objekte spürbar machen. Überhaupt ist es die Fülle an Wissen, die dieses Werk über einen Bildband hinaus zu etwas Besonderem macht. Beim Bummel durch verwinkelte Gassen mittelalterlicher Städte erfährt der Leser von echten und von falschen Zaren, von Gläubigen und Heiligen. Wo wurden noch gleich die berühmten Matrjoschkas hergestellt, wo befindet sich das Bügeleisenmuseum? Selbstverständlich nehmen, ohne zu dominieren, auch die verschiedenen Bauepochen, die jeweiligen Bauabschnitte und deren -stile einen breiten Raum der Erläuterungen ein.

„Ich möchte die Leser durch Städte führen. Ich will Kenntnisse über das kulturelle, historische Russland vermitteln und ich möchte damit erreichen, dass sich Menschen in Deutschland und Russland begegnen“, erklärte die Autorin nachdem sie ihre Arbeit vollendet hatte. Der erste Schritt ist getan. Das begleitende Buch sei jedem, der an der altrussischen Kultur und der Pracht der russisch-orthodoxen Sakralarchitektur interessiert ist, deshalb ans Herz gelegt und eine uneingeschränkte Empfehlung für den Bücherschrank.

Über die Autorin: Dr. Susanne Pfau wurde, ungeachtet des deutschen Namens, in der russischen Stadt Jaroslawl geboren und betätigte sich später als wissenschaftliche Mitarbeiterin der pädagogischen Universität Fergana in Usbekistan. Seit sie in Deutschland lebt, engagiert sie sich stark in der Förderung soziokultureller Kompetenz im Spracherwerb. Dr. Pfau unterrichtet als lizenzierte Dozentin an der Volkshochschule Schwäbisch Gmünd in den Sprachen Deutsch und Russisch. Zudem unterrichtet die Autorin an der Musikhochschule Alfdorf Klavier sowie Akkordeon und spielt selbst im konzertanten Schwäbisch Gmünder Akkordeonorchester.

Dr. Susanne Pfau: Die geheimnisvolle Pracht der Städte des Goldenen Rings, Go For More Verlag 2016, 310 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN: 978-3000540493

[mb/russland.NEWS]




Für Gott, Zar und Vaterland – umstrittene Prozession auf dem Newski Prospekt

Zum fünften Mal fand auf dem Newski Prospekt eine Prozession zu Ehren von Alexander Newski statt. Am Aufmarsch nahmen neben russisch-orthodoxen Gläubigen diverse nationalistische Organisationen teil, die mit Transparenten gegen den Film „Mathilda“ über Zar Nikolaus II demonstrierten.

Für die Prozession von der Kasaner Kathedrale zum Alexander-Newski-Kloster wurde der Newski Prospekt am Morgen des 12. Septembers weiträumig abgesperrt. An der Spitze marschierten der Mitropolit Warsonofi, der Duma-Abgeordnete Vitali Milonow, der Sprecher des Stadtparlaments Wjatscheslaw Makarow sowie andere bekennende Kirchenanhänger aus Politik und Kultur mit.

Die offizielle Teilnehmerzahl wurde von der Polizei mit 100.000 Personen angegeben, doch war diese Ziffer nach Angaben von Journalisten überhöht, die die Menge auf rund 20.000 Menschen schätzten. Neben den zahlreichen russisch-orthodoxen Gläubigen aus verschiedenen Stadtbezirken und Gemeinden traten auch eine Reihe von nationalistischen und monarchistischen Organisationen auf. Darunter waren diverse Kosaken-Verbände, sowie Vertreter der „Imperialistischen Legion“ und der „Newski-Front“.

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Brandanschlag auf Petersburger Filmatelier von „Matilda“-Regisseur

Am frühen Morgen des 31. August warfen Unbekannte mehrere Molotow-Cocktails ins Fenster des Petersburger Filmstudios „Lendok“ am Krjukow-Kanal. Der Brand konnte von der Feuerwehr innerhalb weniger Minuten gelöscht werden. Eine Flasche schwärzte die Mauer des Gebäudes, eine zweite zerbrach ein Fenster und blieb im Rahmen stecken. Wäre sie ins Zimmer dahinter gelangt, das als Tonstudio und Vorführraum dient, so wäre der holzverkleidete Raum binnen Kürze ausgebrannt, schreibt Fontanka.ru.

Im selben Gebäude befindet sich auch das Studio des Regisseurs Alexei Utschitel, Autor des skandalträchtigen Films „Matilda“, der diesen Herbst an die Öffentlichkeit gelangt. Es wird angenommen, dass der Anschlag durch Nationalisten verübt wurde, denn am 12. August hatte am Haus gegenüber ein Banner mit der Aufschrift „Für den Glauben, den Zaren und das Vaterland! Hände weg vom russischen Zaren – Utschitel“.

Der Film erzählt die Liebesgeschichte des letzten Zaren Nikolaus II mit der Ballerina Matilda Xeschinska und hatte schon Monate vor seiner Vorstellung für Schlagzeilen und landesweite Polemik gesorgt. Unter anderem hatte sich die Duma-Abgeordnete Natalia Poklonskaja für ein Verbot des Films eingesetzt, weil der Film angeblich das Andenken an den heiliggesprochenen Herrscher beschmutze. Trotz allem hatte der Film die Genehmigung für den landesweiten Verleih erhalten.

St. Petersburger Herold




Der lange Weg der russischen Revolution

[von Michael Barth] Wer hier an eine Revolutions-Romantik denkt, bei der kurzerhand das herrschende System durch den Willen des Volkes ins Gemeinwohl gekehrt wird, der irrt. Der Weg, den Russland auf dem Weg vom Zarentum bis zur Union der sozialistischen Republiken durchlief war ein langer und, vor allem für die Bevölkerung, extrem blutiger.

Man kann die Zeit in Russland von 1905 bis in die späten 20er Jahre durchaus als Metamorphose eines Imperiums bezeichnen. Nachdem das Land nach dem Ersten Weltkrieg seiner ursprünglichen Grenzen beraubt wurde, erblühte es nach Jahren der Verwirrung in eben jenen wieder. Auch wenn die Staatsform eine andere wurde, lässt sich nicht übersehen, dass Machtstrukturen und nationale Belange dieselben blieben. Russland war und blieb die ernstzunehmende Weltmacht, wenn auch unter anderer Flagge. Waren es anfangs Heilige, denen durch Einbalsamierungen ewige Immortalität verliehen wurde, sollte es später ein mumifizierter Revolutionsführer sein, der einer Ikone gleich, öffentlich zur Schau gestellt wurde.

Vor dem schleichenden Verfall des Zarentums warnte bereits Lew Tolstoi den Zaren in einem Brief. Persönlich an Nikolaus II. gewandt, sprach er diesen nicht als Herrscher an, sondern wählte die Anrede „Bruder“ als Zeichen dafür, wie ernst ihm die Angelegenheit war: „Mit Gewalt kann man ein Volk unterdrücken, aber nicht regieren.“ Für Zar Nikolaus II. war Politik die Exekution der Autokratie, was wiederum den Untergrund begünstigte. Noch schien die Lage für ihn zwar ernst, aber deshalb noch lange nicht bedrohlich. Das sollte sich bald als fataler Irrtum erweisen.

Das erste seichte Aufbegehren wurde sogleich blutig niedergeschlagen. Die Folge war ein Arbeiteraufstand, es gab die ersten Toten und Verletzte, die Ordnung war endgültig dahin. Im Westen erhoben sich die Bolschewiken, in den muslimisch geprägten Teilen des Landes im Kaukasus und besonders in Zentralasien erlebte der Dschihadismus seine Blütezeit. Der Kaukasus war ethnisch außer Kontrolle. In der Ukraine kam es zu Bauernrevolten, in Kronstadt und Odessa folgte der Matrosenaufstand. Das öffentliche Leben war von Streiks bestimmt, es herrschte bald der nationale Ausnahmezustand. Reformen, sofern solche überhaupt angedacht waren, stagnierten und dem Zaren blieb nichts Anderes übrig, als zögerlich einzulenken. Als Strohhalm sollte das Oktobermanifest dienen.

Der Weltkrieg und das Ende der Zaren

Unmittelbar nachdem mit viel Pomp das 300-jährige Jubiläum der Romanows zelebriert wurde, erklärte das deutsche Kaiserreich Russland den Krieg. Man kann den ersten Weltkrieg durchaus als Ablenkung von schweren nationalen Problemen betrachten. Dem Zaren blieb daraufhin nichts mehr übrig, als den Entwicklungen offen zu begegnen. Im dritten Kriegsjahr kam es dann endgültig zur Aufkündigung der Loyalität von Armee und den Eliten. Mit der Auslöschung der Romanow-Dynastie endet in der Regel das Kapitel der russischen Revolution von 1917. Hier knüpft das Buch von Martin Aust „Die russische Revolution – Vom Zarenreich zum Sowjetimperium“, erschienen im Verlag C.H. Beck, an und vervollständigt das Thema Revolution um das entscheidende Kapitel Bürgerkrieg.

Die Kriegsfinanzierung hatte das Reich inzwischen zum Erliegen gebracht. Von 1915 bis 1921 herrschten Inflation und Lebensmittelknappheit. Reguläres Militär wurde eingesetzt, um Hungerrevolten niederzuschlagen. Schätzungsweise 100.000 bis 200.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Nach dem Zaren herrschten Arbeiterräte. Paris, London, Rom und die USA erkannten die provisorische Regierung an, um die sich nun Bolschewiken und Menschewiken stritten. Verkettungen von Gewaltsituationen führten geradewegs in den Bürgerkrieg. Rote, Weiße, Bauern, Arbeiter, Heimkehrer, Kosaken, Matrosen, regionale und nationale Gruppen fochten mit- und gegeneinander. Der Bürgerkrieg verlief ohne klare Fronten, da sich diese sowieso ständig veränderten. Alleine in Kiew wurde von 1917 bis 1920 vierzehnmal die Herrschaft gewechselt. Auswärtige Mächte wollten den Verlauf dirigieren. Das deutsche Kaiserreich dominierte den Nordwesten, Polen den Südwesten. Der gesamte russische Westen war verloren. Unterdessen drang die Tschechoslowakei ins Land vor und wollte die Kontrolle über die Transsibirische Eisenbahn erlangen.

Zehn Millionen Menschen befanden sich im Bürgerkrieg. Die wenigsten starben im Kampf, sondern an Hunger, Krankheit und Epidemien. Die Euphorie von 1917 war längst Schrecken und Furcht gewichen. Die Roten hatten ihren Regierungssitz in Moskau, die Weißen regierten von Paris aus. Großbritannien sicherte sich den fernen Osten und den Kaukasus, Frankreich das Schwarze Meer, Polen besetzte die Ukraine und die USA, wegen der Nähe zu Japan, Wladiwostok.

Vom Weltkrieg in den Bürgerkrieg

Die Bolschewiken verpulverten sämtliche Ressourcen in diesem Bürgerkrieg, was Lenin als „infantile Unordnung“ bezeichnete. Unter den Roten sank der Lebensstandard, unter den Weißen wuchs die Angst vor der Rückkehr in die Monarchie. Obwohl sich die Tschechoslowakei im November 1918 wieder zurückgezogen hatte, hielten die Bolschewiken Mitte 1919 nur noch zehn Prozent des Bürgerkriegsgebiets. Die Bevölkerung tendierte zu den Menschewiki, die aber agierten viel zu unkoordiniert, um Kapital daraus zu schlagen. Die plötzliche Wende kam erst Ende 1920, als sich die Alliierten den Bolschewiken zuwendeten. Im November 1920 waren die Weißen geschlagen.

Für viele Bevölkerungsteile war der Bürgerkrieg bis dahin eine Überlebensstrategie, die zur Folge plötzliche Allianzen zwischen Russen und Nichtrussen, Antibolschewiken und den Kräften hatten, die mit den Roten sympathisierten. Viele wechselten unvermittelt die Seiten. Die Bolschewiken wollten die politische Auseinandersetzung und schönten ihre Gemetzel als „Klassenkampf“. Anders die Weißen, die die militärische Lösung favorisierten. Differierte sich die Vehemenz im Bürgerkrieg in rotem und weißem Terror, erlebten die Menschen diese Zeit nur noch als Spirale der Gewalt. Einen Staat, der dem blutigen Treiben ein Ende hätte setzen können, gab es nicht.

Martin Aust zieht an dieser Stelle seines Buch Bilanz: 350.000 Menschen fielen im Bürgerkrieg im Kampf, 450.000 rafften Krankheiten dahin. Der Typhusepidemie im Jahr 1920 fielen eine Million zum Opfer, durch die anschließende Hungersnot verloren weitere fünf Millionen Menschen ihr Leben. Für die Juden in Russland übertraf der Bürgerkrieg alle bisherigen Schrecken, denen sie ohnehin schon seit 200 Jahren ausgesetzt waren. Am Ende schätzt man die jüdischen Opfer auf bis zu 200.000. Historiker werden später von Weltkrieg, Revolution und Bürgerkrieg sprechen, schreibt Aust. Die Menschen in Russland erlebten stattdessen ein Kontinuum an militärischer und paramilitärischer Gewalt in der Zeit von 1914 bis 1924, geprägt von Plünderungen, Geiselnahmen, Folter, Mord und Requirierungen.

Erst ab dem Jahr 1921 begann sich die Landwirtschaft allmählich wieder zu erholen. Die Löhne der Arbeiter lagen sogar noch 1929 vier Prozent unter denen des Vorkriegsniveaus. Mit den 1920-er Jahren begann in Russland die Phase der Neuen Ökonomischen Politik. Auf die politische Revolution folgte kurz darauf die kulturelle. Angetrieben von der Vorstellung eines neuen Menschen, der sich zum „Souverän über Raum und Zeit“ erhob, ließ die neue Macht die Spielräume der freien Entfaltung bald schrumpfen. Parteikongresse beschäftigten sich mit der Frage, wie sich der territoriale Bestand des Zarenreiches in einen neuartigen sowjetischen Staat einbetten ließe. Als Folge entwarfen die Bolschewiken den Gegenentwurf zu einem Imperium und, ohne es zu wollen, den Typus eines neuen Imperiums, das bis 1991 Bestand haben sollte.

Über den Autor: Martin Aust studierte Neue Geschichte, Ost- und Südosteuropäische Geschichte sowie Politikwissenschaft an der Wilhelm-Leibniz-Universität in Hannover. Nach dem Studium war er Lehrbeauftragter am Osteuropa-Institut der FU Berlin. Seine Dissertation schrieb Aust zum Thema Adlige Landstreitigkeiten in Russland. Eine Studie zum Wandel der Nachbarschaftsverhältnisse 1676-1796. Heute ist Martin Aust Professor für die Geschichte und Kultur Osteuropas an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Themengebiete zur Geschichte Polens, Russlands und der Ukraine in der Neuzeit.

Martin Aust: Die russische Revolution – Vom Zarenreich zum Sowjetimperium, Verlag C.H. Beck 2017, 279 Seiten, 10 Abbildungen und 2 Karten, ISBN: 978-3-406-70752-0




Popularität der Battle-Raps in Russland

Eine der Besonderheiten der zeitgenössischen russischen Kultur besteht darin, dass sie wenig authentisch ist. Sie enthält meist eine breite Kompilation aus unterschiedlichen Regionen der Welt und amerikanische sowie europäische Tendenzen haben die Jugendlichen aus den großen Städten Russlands mittlerweile beeinflusst.

Hipsters, Pop-Musik, Mode, Anglizismen – all das steht inzwischen an der Spitze der aktuellen Themen und wurde von außen hineingetragen. Das Erbe Puschkins, Tolstois und Dostojewskis ist zwar noch präsent, doch bleibt es im Hintergrund. In diesem Artikel geht es um einen weiteren Aspekt des Einflusses der westlichen Kultur auf das Russland von heute, nämlich das Phänomen der Auseinandersetzung mittels Hip-Hop und den Aufstieg deren Popularität in der Russischen Föderation.

Am 1. September 2013 erschienn das Projekt Versus Battle als die russische Variante des englischen Don’t Flop und dem amerikanischen King of the Dot. Das Charakteristische ist ziemlich schlicht – zwei Rapper versuchen sich mit fantasievollen und technisch komplizierten Reimen gegenseitig zu beleidigen. Am Ende der Aufführung treffen die Richter die Entscheidung, wessen Auftritt origineller, bunter und aggressiver war. Soweit die durchschnittliche Version der Unterhaltung für Vertreter dieser engen und geschlossenen Subkultur. Jedoch, es war ein sogenannter Rap-Battle, der im russischen YouTube Furore gemacht hat.

Im April 2015 fand der Rap-Battle Oxxxymiron vs. Johnyboy statt, der die Geschichte des russischen Hip-Hops verändert hat. Plötzlich wurde das Video mit dem vernichtenden Sieg Oxxxymirons eine Million Mal binnen 24 Stunden angeklickt, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt hat. Nirgendwo auf der ganzen Welt wurde das Phänomen des Rap-Battles derart nachgefragt. Die Kunstfigur Oxxxymirons, im realen Leben heißt sie Miron Fjodorow, wurde schnell zum Symbol des russischen Rap-Battles und Fjodorow der unbezwingbare König der Szene. Seitdem gilt Rap-Battle als einer der populärsten Bestandteile der russischen Popkultur. Sogar die Repräsentanten des Perwy Kanal haben eine Parodie gemacht, in der berühmte TV-Moderatoren die Rolle der Rapper übernommen haben. Das alles ist aber schon längst wieder vorbei.

Eine frische Welle des Interesses erweckt gerade ein neuer Battle Oxxxymirons mit seinem Gegenbild Gnojnyj, der Eitrige, der eine entgegengesetzte Seite der Hip-Hop Kultur repräsentiert. Im Gegensatz zu Oxxxymiron, der mehr als zwanzig Jahre in Europa verbrachte und von dort aus den Weg an die Spitze des russischen Hip-Hops fand, fing Gnojnyj seine Karriere in den fernen Regionen Russlands an und wurde dafür bekannt, dass er die Figur eines Mannes aus den unteren Schichten der Gesellschaft verkörpert. Beide Rapper benutzen komplizierte Reime und einen reichhaltigen Background, was ihre Auseinandersetzung auch für die Intelligenz spannend macht.

Schon ein Jahr zuvor wurden die Massen von der kommenden Konfrontation in Wallung versetzt. Jedoch konnte niemand vorhersagen, dass der Battle einen neuen Rekord aufstellen wird und eine so breite Resonanz verursacht – der Battle erschien am 13. August 2017 und hat mehr als vier Millionen Zuschauer für nur eine Nacht versammelt. Dieses Ereignis hat die Aufmerksamkeit eines breiten Spektrums öffentlicher Figuren, von Fußballspielern bis Politikern, geweckt. Zudem hat Oxxxymiron zum ersten Mal einen Battle verloren, dazu noch mit einer Punktzahl von null zu fünf, was den Weg in eine neuen Epoche des russischen Battle-Rap öffnet – der König ist besiegt.

Somit wurde das ganz fremde Phänomen zu einem der am meisten besprochenen Themen in den russischen Medien. Das Interessante ist, dass Oxxxymiron trotz der Niederlage eine große Gastspielreise und ein Battle mit dem amerikanischen Rapper Dizaster eingeplant hat. Man kann ziemlich sicher sein, dass eine Niederlage seinen Erfolg nicht mindert wird. Was Gnojnij angeht, wurde er zum Top 1-Gast in vielen Internet-Shows, jedoch bleibt immer noch die Frage, ob sich seine Karriere als Rapper nach dem Sieg irgendwie anders entwickeln wird. Inzwischen hat der Battle mehr als zwnzig Millionen Klicks und rangiert unter den Top 5-Battles im russischen Youtube.

[Dima Bogomolow/russland.NEWS]




UNESCO: Internationaler Jazz-Tag 2018 in St. Petersburg

Die UNESCO hat das russische St. Petersburg für den 7. Internationalen Jazz-Tag im Jahr 2018 ausgewählt, hat der renommierte russische Jazz-Musiker Igor Butman mitgeteilt.

„Wir hoffen, dass diese Veranstaltung von internationaler Bedeutung der Beginn eines konstruktiven Dialogs zwischen unserem Land und den westlichen Ländern ist. Jazz ist die demokratischste Form von Kunst und es wird der beste Weg sein, neue Beziehungen zu beginnen“, sagte der Jazzer.

Butman, erklärte, Russlands nördliche Hauptstadt sei für die Ausrichtung der Veranstaltung unter Berücksichtigung der internationalen Situation gewählt worden war.

„Unsere Leute lieben Jazz, er ist hier sehr beliebt, so beliebt, dass Menschen in der Vergangenheit für ihn sogar gelitten haben und im Gefängnis gelandet sind. … Aber am wichtigsten ist, dass wir eine Menge wunderbarer Musiker der Welt hören werden. Natürlich, wir haben unser Bestes getan, um sicherzustellen, dass St. Petersburg gewählt wurde“.

Die Internationale Jazz-Tag wurde von der UNESCO im Jahr 2011 auf Initiative des amerikanischen Jazz-pianisten und Komponisten und UNESCO-Botschafter des guten Willens, Herbie Hancock, eingerichtet

Seit 2012 wird der Tag jährlich am 30. April gefeiert, um das Bewusstsein für „die Tugenden des Jazz, als ein pädagogisches Instrument und eine Kraft für den Frieden, für Einheit, den Dialog und die verstärkte Zusammenarbeit unter den Menschen“ zu sensibilisieren.

[hmw/russland.NEWS]




Moskauer Gericht verhängt Hausarrest für Kirill Serebrennikow

Das Moskauer Basmanny-Gericht hat den Künstlerischen Direktor des Gogol Centers Kirill Serebrennikow bis zum 19. Oktober unter Hausarrest gestellt.

Der russische Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikow war am Dienstag wegen mutmaßlichen Betrugs festgenommen worden. Der Leiter des Moskauer Gogol-Zentrums steht im Verdacht, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben.

Bis zu seiner Verhaftung war Serebrennikow lediglich Zeuge in einem Verfahren gegen das Moskauer Gogol-Zentrum. Zu den bisherigen Angeklagten gehören seine ehemalige Buchhalterin Nina Masljaewa, der ehemalige Generaldirektor Jurij Itin und der ehemalige Direktor Alexej Malobrodskij. Bei den jetzigen Anschuldigungen die zur Verhaftung Serebrennikows führten geht es um seine Produktionsgesellschaft „Siebtes Studio“, die für die Theater-Werkstatt „Plattform“ am Gogol-Zentrum von 2011 bis 2014 zeitgenössischen Tanz, Musik und Theater aufgeführt und dafür staatliche Förderung bekommen hat. Die Justiz wirft Serebrennikow Betrug in einem besonders schweren Fall vor. Serebrennikow selbst bestreitet die Vorwürfe und nennt sie „absurd“. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von bis zu einer Million Rubel.

Bei der heutigen Vorverhandlung wurde Serebrennikow bis zum 19. Oktober unter Hausarrest gestellt. Es ist ihm in dieser Zeit nicht gestattet, sein Haus zu verlassen, zur Arbeit zu gehen und mit Massenmedien zu sprechen. Dieses sind die üblichen Standardbeschränkungen für Hausarrest. Ebenfalls wird er eine Fußfessel tragen und sich zwei Mal pro Woche melden müssen.

Der Künstler selbst hatte zuvor im Gericht alle Beschuldigungen zurückgewiesen und seine Freilassung verlangt.

Das Gericht begründete den Hausarrest unter anderem damit, dass er über eine Aufenthaltserlaubnis in Lettland und Immobilien im Ausland verfüge.

Laut der oppositionellen Onlinezeitung „Meduza“ versammelten sich vor und in dem Gericht bis zu 500 Demonstranten und Journalisten. Mehrere hundert Menschen unterstützten auf dem Hof des Gerichtsgebäudes Serebrennikow. Sie klatschten und sangen „Kirill“, „Freiheit“ und andere Parolen so laut, dass es im Gerichtssaal hörbar war.

Während der Verhandlung boten mehr als 30 Personen, darunter Natalia Solschenitsina, Chulpan Chamatowa, Andrey Malachow, Sergei Svetlakow, Irina Prochorowa und andere eine Bürgschaft und Kaution für Serebrennikow an. Der Anwalt schlug eine Kaution von 68 Millionen Rubel vor. Dies ist der Betrag den Serebrennikow veruntreut haben soll. Irina Prochorowa, die Ehefrau des Milliardärs Michael Prochorow, erklärte, dass sie bereit wäre jede Summe zu bezahlen.

Serebrennikows Rechtsanwalt Dmitry Kharitonow: „Wir stimmen nicht mit der Entscheidung des Basmanny-Gerichts überein. Wir haben dem Gericht mehr als 30 persönliche Garantien von berühmten Theaterkünstler und kulturellen Persönlichkeiten aus Russland vorgelegt. Wir baten darum, mit den Garantien einverstanden zu sein oder eine Kaution zu beantragen. Leider hat das Gericht uns nicht gehört.“

Zur Verhaftung des Regisseurs Kirill Serebrennikow in Sankt Petersburg erklärte die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, heute (23.08.):

„Ich habe die gestrige Verhaftung des Regisseurs Kirill Serebrennikow in Sankt Petersburg mit Sorge zur Kenntnis genommen und verfolge den Fall sehr aufmerksam. Serebrennikow ist ein international hoch renommierter Künstler, der auch in Berlin lebt und mit verschiedenen deutschen Theatern zusammenarbeitet. Zahlreiche Vertreter des russischen wie des deutschen Kulturlebens hatten sich bereits früher mit ihm solidarisiert.  Der Vorwurf der Unterschlagung gegen ihn ist gravierend. Wir erwarten nun die Details der Vorwürfe und – falls es dazu kommt – ein objektives, faires, rasches und transparentes Verfahren, das die zahlreichen noch offenen Fragen beleuchtet.“

Was mit seinen Inszenierungen im Gogol Center und der Stuttgarter Oper (Premieren im September und Oktober) passieren wird, ist noch unklar.

[ggj/russland.NEWS]

 




Künstlerischer Direktor des Gogol-Zentrums wegen Unterschlagung verhaftet

Die Sprecherin des Russischen Untersuchungsausschusses Svetlana Petrenko hat mitgeteilt, dass der Künstlerische Direktor des Gogol-Zentrums in Moskau, Kirill Serebrennikov, verhaftet worden ist.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Drahtzieher einer „breitangelegten Unterschlagung“ zu sein. Ihm wird vorgeworfen in den Jahren 2011 bis einschließlich 2014 68 Millionen Rubel (etwa € 1 Mio) unterschlagen zu haben. Laut Petrenko plädierte Serebrennikov bei der Vernehmung auf „nicht schuldig“.

Zuvor waren schon der ehemalige Gogol-Center-Direktor und ehemalige Produzent des „Siebten Studio“, Alexey Malobrodsky, sowie der ehemalige Generaldirektor Juri Itin und die Leitende Buchhalterin Nina Maslyaeva festgenommen worden. Nina Maslyaeva bekannte sich schuldig.

[hmw/russland.NEWS]