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Kategorie: Kultur - russland.NEWS - russland.TV

Wiederherstellung der kulturellen Einrichtungen auf der Krim

Präsident Putin und Ministerpräsident Medwedew haben bei einem Treffen mit Wissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Sewastopol auf der Krim betont, dass es nötig sei, die kulturellen Einrichtungen auf der Krim wiederherzustellen.

„Wir wissen sehr gut, dass die Krim und Sewastopol jahrzehntelang nicht die notwendige finanzielle Unterstützung erhalten haben“, so Medwedew. „Unser Ziel ist es, uns auf die Wiederherstellung der kulturellen Einrichtungen in Sewastopol und auf der Krim im Allgemeinen zu konzentrieren, um sicherzustellen, dass Sie auf der gleichen Ebene mit äquivalenten Einrichtungen in anderen Russischen Regionen sind.“

Das Budget sei eine Komplizierte Sache, meinte Medwedew und es sei nie genügend Geld vorhanden. „Aber unter Berücksichtigung der historischen Entscheidung, die Krim wieder mit Russland zu vereinigen, und in Übereinstimmung mit den Hinweisen des Präsidenten werden wir die dargestellten Probleme bezüglich einer Finanzierung durch vorhandene Programme [zur Unterstützung der Krim und in Sewastopol] überprüfen.“

Putin bedankte sich bei den Teilnehmern an der Sitzung für Ihre langjährige fruchtbare Tätigkeit. Er räumte ein, dass, da die finanzielle Unterstützung nicht ausreichend war, es auch unmöglich war, innerhalb weniger Jahre, alles zu erledigen. „Aber zusammen werden wir es schaffen“. Unter der verstärkten Arbeit dürfe aber die Qualität nicht leiden.

[hmw/russland.NEWS]




Bruderkrieg vergiftet Kulturszene zwischen Kiew und Moskau

Augrund der Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland dürfen viele russische und europäische Künstler nicht mehr in der Ukraine auftreten. Wer weswegen zur unerwünschten Person erklärt wurde, darum geht es in diesem Artikel.

Alles begann 2014, als die Krim wieder ein Teil Russlands wurde. Die Ukraine verhängte verschiedene Sanktionen gegen Russland, unter denen es auch ein Einreiseverbot für russische Künstler gab. Am 8. August 2015 veröffentlichte das ukrainische Kulturministerium eine sogenannte Schwarze Liste mit Künstlern aus Russland, die nach Meinung der ukrainischen Behörden „die nationale Sicherheit gefährden“. Die Liste umfasst vierzehn Personen. Unter ihnen – Oleg Gazmanow, Josif Kobzon, Nikolai Rastorguejew, Michail Porechenkow, Mikhail Bojarsky und Sergei Bezrukow. Als offizieller Grund wird die „antiukrainische Position“ der Künstler angegeben. Im Konkreten geht es um die Befürwortung des Beitritts der Krim in die Russische Föderation und um die der selbsternannten Republiken Donezk und Lugansk, was sowohl in Äußerungen als auch in der Wahl der besuchten Orte zu erkennen sein soll.

Weiterhin wurden auch Nikita Michalkow, Kristina Orbakaite, die russischen Rap-Sänger Guf und Timati, Mitglieder vom Label Black Star und viele andere Musiker dieser Liste hinzugefügt. Die Verbotsformulierungen bezogen sich meistens auf die illegale Einreise auf die Krim beziehungsweise auf die Verletzung von Grenzübergangsregeln. Präzise Umstände der Delikte wurden fast nie angegeben.

Für Künstler mit ukrainischen Wurzeln und Verwandtschaft hatte das besonders leidvolle Konsequenzen. Der Fall der Sängerin Lolita Milawskaja zeigt ein besonders krasses Beispiel. Sie wurde im April 2017 aus dem Zug von Moskau nach Kiew geholt, weil sie im Jahre 2015 auf die Krim gefahren war, um ihre Mutter und die kranken Töchter zu besuchen. Die Sängerin veröffentlichte diesen Vorfall bei Instagram: „Mutti hat um acht Uhr morgens geweint und Eva ist in Tränen aufgelöst. Vor diesem Hintergrund gratuliere ich dem ukrainischen Inlandsgeheimdienst für einen brillanten Sieg über Saboteure aus dem Kreml“. Die Reaktion des ukrainischen SBU war ziemlich überraschend: sie veröffentlichten bei Twitter ein Foto von der tanzenden Milawskaja, auf dem ihre Brust sichtbar ist – mit der Überschrift „Viel Glück”. Die Behörde wurde dafür nicht nur in Russland, sondern auch in der Ukraine heftig gerügt.

Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Skandal am Vorabend des diesjährigen Eurovision Song Contest in Kiew. Die Teilnehmerin aus Russland, Julia Samoylowa, durfte nicht am Wettbewerb teilnehmen, weil der ukrainische Geheimdienst ein Einreiseverbot für sie verfügt hatte. Die Europäische Rundfunkunion schüchterte die Ukraine mit Sanktionen ein, aber die Ukraine rückte nicht von ihrem Standpunkt ab. Die Veranstalter von Song Contest schlugen vor, dass entweder Russland die Teilnehmerin austauscht oder Samoylowa mit Hilfe einer Live-Übertragung aus Russland singt. Die russische Seite blieb unnachgiebig und boykottierte den Wettbewerb.

Betroffen von dem Einreiseverbot sind nicht nur russische Künstler. Laut ukrainischem Recht können ausländische Bürger die „vorübergehend besetzten Gebiete“ nur mit einer Sondergenehmigung besuchen und nur über Grenzkontrollstellen auf dem Festland der Ukraine ein- und ausreisen.

Da die Mitglieder der deutschen Band Scooter dieses Gesetz verletzten, werden sie nun von der Ukraine strafrechtlich verfolgt. Sie traten auf einem Musikfestival im August 2017auf der Krim auf, und dafür droht ihnen jetzt eine Strafe von bis zu acht Jahren Gefängnis. Zu in der Ukraine unerwünschten Personen gehören mittlerweile auch die international bekannten Schauspieler Steven Seagal und Gerard Depardieu sowie, Fred Durst, der Frontmann der amerikanischen Rockband Limp Bizkit und der weißrussische Sänger Max Korzh.

Interessanter Weise leiden selbst ukrainische Künstler unter der Politik der ukrainischen Behörden. Sängerin Swetlana Loboda ist nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland sehr populär. Bei ihren zahlreichen Touren in Russland kam es zu Konflikten mit ukrainischen Aktivisten. Im Mai 2017 störten sie ihr Konzert in Odessa und begannen eine Hetzkampagne gegen die „Liebhaberin des russischen Rubels“. Das war nicht der erste Fall: bereits früher hatten sie versucht, ihre Konzerte in Iwano-Frankiwsk und Tschernigow zu stören.

Ivan Dorn ist ein weiteres Opfer der Aktivisten. In einem Interview sagte er, dass Russen und Ukrainer Brüder sind. Er dementierte Gerüchte, dass er die Abtrünnigen im Donbass finanziell unterstützt habe. Nach dem Interview wurde er stark kritisiert und musste ein Konzern in Odessa wegen Drohungen absagen.

Zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Russland und Ukraine tragen diese Maßnahmen der ukrainischen Behörde keinesfalls bei. Im Gegensatz dazu hat Russland den Zugang für ukrainische Künstler nicht eingeschränkt – nicht einmal für Wladimir Zelensky, der ein entschiedener Befürworter ukrainischer Positionen ist. Ukrainische Sänger sind immer noch gern gesehene Gäste auf russischen Bühnen.

[Anastasia Petrowa/russland.NEWS]




Die russischste aller deutschen Städte erhält Direktanschluss nach Moskau

Die Fluggesellschaft Pobeda Airlines, eine hundertprozentige Tochter der staatlichen Aeroflot, wird ab 19. Oktober 2017 neu jeweils dienstags, donnerstags und sonntags nonstop ab Karlsruhe / Baden-Baden (FKB) nach Moskau-Vnukovo (VKO) fliegen, schreibt „baden-airpark.de“.

Über das dortige Drehkreuz gibt es dann ab 29. Oktober 2017 attraktive Umsteigeverbindungen nach Sotschi, der Partnerstadt von Baden-Baden. Zum Einsatz kommt eine moderne Boeing 737-800 mit 189 Sitzplätzen.

Buchbar sind die Flüge ab sofort unter www.pobeda.aero. Der aktuelle Einstiegspreis beträgt ab 30,- Euro für die einfache Strecke.

Baden-Baden ist trotz politischer Krise für die meisten Russen – insbesondere die Haute Volée – auch heute noch ein Sehnsuchtsziel, ein Traum. Nicht nur zur Sowjetzeit waren russische Klassiker Pflichtlektüre in der Schule, und durch Turgenevs „Rauch“ wurde Baden-Baden zur bekanntesten deutschen Stadt.

Schon im 19. Jahrhundert hatte Baden-Baden Hochkonjunktur. Gekrönte Häupter, Politiker, Künstler und Geschäftsleute aus dem damals fernen Zarenreich zog es aus verschiedensten Gründen in die Stadt.

Die Russen der Neuzeit tun es ihren Vorfahren gleich. Manche begeben sich auf die Suche nach den Spuren der russischen Vergangenheit in der Stadt. Andere kommen, um die heilenden Quellen zu nutzen. Wieder andere geben sich einer wohltuenden Wellness-Behandlung hin. Etliche statten sicherlich dem Spiel-Casino einen Besuch ab oder nehmen das Kulturangebot des Festspielhauses an. In jedem Fall genießen sie das einmalige Flair der Stadt.

Noch heute strahlt der vergoldete Zwiebelturm mit dem russischen Kreuz der russisch-orthodoxen Kirche zur „Verklärung des Herrn“ in der Stadt. Die Kirche wurde im 19. Jahrhundert für die russischen Dauergäste gebaut und selbst bezahlt, damit sie ihre Gottesdienste nicht mehr in Privathäusern abhalten mussten.

Sehr schnell wurde Baden-Baden Sommerhauptstadt und Russland wurde vom Oberrhein aus mit Depeschen regiert. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen bereits 5000 Russen nach Baden-Baden, soviel wie die Stadt damals Einwohner hatte.

Die größte Gruppe der Besucher waren die Vertreter des unermesslich reichen Erbadels aus Sankt Petersburg. Sie verbrachten oft die ganze Saison in Baden-Baden. Fürst Vladimir Menschikow war wohl der reichste unter ihnen. Er baute sich eine wunderschöne Villa, in deren riesigem Garten es sogar eine Hunderennbahn gab. Er pflegte in seiner Schimmeltroika durch die Stadt zu jagen, was nicht immer auf das Wohlwollen der Bürger traf. Aber auch zwei Fürsten Gagarin besaßen große Anwesen.

Die wichtigsten Besucher waren jedoch die damals schon berühmten russischen Schriftsteller. Ivan Turgenevs ‚Schlösschen‘ war in den 60iger Jahren des 19. Jahrhunderts das kulturelle Zentrum der Stadt. Der nach Europa orientierte Turgenev beherrschte Deutsch und Französisch perfekt. Er hat der Stadt Baden-Baden mit seinem Roman ‚Rauch‘ ein literarisches Denkmal gesetzt. Im Jahr 1867 begegnete er hier Fjodor M. Dostoevskij und Ivan A. Gontscharow.

Dostoevskij hat sich zweimal – im Jahr 1863 und im Jahr 1867 – in Baden-Baden aufgehalten. Zwischen den Aufenthalten entstand sein Roman ‚Der Spieler.‘ Für den vom Spielteufel getriebenen Dostojewski waren die sieben Wochen des Sommers 1867 die Hölle. Seine Anna schrieb in ihr Tagebuch: „Alle reichen Russen scheinen hier ein Haus zu besitzen.“

Auch Ivan A. Gontscharow kam allein wegen der Spielbank nach Baden-Baden, und auch er hatte, wie Dostoevskij, große Verluste.

Lev N. Tolstoj unterbrach sogar im Jahr 1857 eine Reise, um sein Glück in der Spielbank zu versuchen. Er verspielte sehr viel und musste sich Geld – auch von Turgenev – leihen (und später sein Elternhaus versetzen). Er notierte in sein Tagebuch: „Von lauter Lumpen umgeben. Und der größte Lump bin ich.“ In seinem Roman ‚Eheglück‘ beschreibt auch er Baden-Baden.

Nikolaj Gogol hat die Stadt mehrfach besucht und Vasilij Schukowskij verbrachte seine letzten Lebensjahre in Baden-Baden. Er beschrieb die Stadt als ‚paradiesisches Eckchen‘.

(Literaturessays über russische Schriftsteller finden Sie hier)

[Hanns-Martin Wietek/russland.News]




Paradies – ein Filmtipp

Eines der cineastischen Highlights dieses Jahres feiert am kommenden Donnerstag Deutschland-Premiere. Ausgezeichnet mit dem silbernen Löwen bei den Festspielen in Venedig sowie dem „Cinema for UNICEF-Award“ zeigt die deutsch-russische Koproduktion um eine adlige Exilrussin, die für den französischen Widerstand 1941 kämpft, eine filmische Reise an die Grenzen der Gefühle. Paradies – Ein Film zwischen unstillbarer Sehnsucht nach Erlösung und grausamer Realität.

Der legendäre russische Filmemacher Andrei Michalkow-Kontschalowski, der an der führenden staatlichen Filmschule der Sowjetunion mit Andrei Tarkowski seine ersten cineastischen Schritte machte, ist bekannt für seine gefühlvollen und ausdrucksstarken Produktionen. Mit seiner filmischen Adaption des russischen Literaturklassikers „Onkel Wanja“ oder dem sowjetischen Monumentalepos „Sibiriade“ stieg Kontschalowski in die Riege weltberühmter Filmemacher auf. In seinem aktuellen Werk „Paradies“ setzt er vor allem wieder auf die gewaltige Bildsprache des Schwarzweißfilms. Nicht von ungefähr erhielt der Regisseur, dessen Vater einst den Text der russischen und sowjetischen Nationalhymne verfasste, erst vor Kurzem für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des „Friedenspreises des Deutschen Films“.

Ein bemerkenswertes Darsteller-Trio aus Frankreich, Deutschland und Russland erzählt von der Unmöglichkeit der Liebe während der Zeiten eines Krieges, in der Zivilisation und Menschlichkeit fast gänzlich außer Kraft gesetzt werden. Zeiten in denen jeder nur „seine Pflicht“ verrichtet, so wie der französische Polizist Jules (Philippe Duquesne), der in den frühen 1940-er Jahren im Auftrag der deutschen Besatzer Juden verhaftet oder gar abtransportieren lässt. Ebenso die schöne und adlige Exilrussin Olga (Julia Wysotskaja), die sich 1941 der Résistance anschließt und bei einer Razzia verhaftet wird, weil sie zwei jüdische Kinder bei sich aufgenommen hat. Auch wenn sich der Polizist von Olgas Beteuerungen nicht umstimmen lässt, entwickelt er Gefühle für die junge Frau.

Olgas Hoffnung auf Freiheit wird jäh zerstört, als Jules bei einem Waldspaziergang mit seinem Sohn von der Résistance erschossen wird. Im Konzentrationslager wird der Wunsch nach Überleben zum Motor. Eine Welt in der kaltblütige Aufseher und herzlose Mitgefangene das Leben zu einer Zerreißprobe machen, eine Welt in der sich jeder selbst der Nächste ist. Als die Exilrussin die zwei kleinen Jungen, die sie einst vor den nationalsozialistischen Schergen versteckt hatte, wieder trifft, erstarkt in ihr die Hoffnung auf ein besseres Leben. Wie es das Schicksal will, begegnet sie im Lager einem weiteren Menschen, den sie aus ihrem früheren Leben kennt.

Als Helmut (Christian Clauß), ein hochrangiger SS-Offizier, der sich einst in die Adelige verliebt hatte, sie als Haushälterin zu sich holen will, beginnt ein gefährliches Pas de deux um eine Beziehung, die ihnen der Krieg diktiert. Der Offizier verspricht Olga „ein deutsches Paradies auf Erden“ und gemeinsam schöpfen sie aus der Zuversicht der Hoffnung, in ein neues, wunderbares Leben zu entfliehen…

Kontschalowskis rund zweistündiges Meisterwerk wird ab Donnerstag den 27. Juli bundesweit in den Kinos ausgestrahlt. Der Film wird als Original in deutscher, russischer und französischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt, um die größtmögliche Glaubwürdigkeit herzustellen. Auf diese Weise erhält die Produktion ihren dokumentarischen Charakter.

[mb/russland.NEWS]




Das bunte Reich des Zaren

[von Michael Barth] Man schrieb die letzte Jahrhundertwende, die noch einen Zaren erleben sollte. Die Photographie, wenn auch noch in den Kinderschuhen, begann sich als reproduzierende Darstellung durchzusetzen. Ganz Russland, das riesige Reich, kannte die dort lebende Bevölkerung nur durch Berichte und Erzählungen Reisender, denen sie begegneten. Ein Pionier der Kamera füllte diese Lücke.

Zar Nikolaus II. wies seine Haus- und Hofphotographen an, in sein Land auszuschwärmen, um das Reich lichtbildnerisch zu dokumentieren. So entstanden unzählige Bilder von Dörfern, Menschen und Landschaften der hintersten Winkel Russlands. Der Name eines dieser Lichtbildkünstler sollte hervorstechen aus dieser Epoche der Landerkundung: Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski. Eigentlich ein Chemiker geprägt durch Studienaufenthalte in Paris und Berlin und mit dem Drang beseelt, etwas Neues zu entwickeln. Freilich, die Photographie war schon erfunden, nur wie ließ sich das „Potenzial für Bildungszwecke“, wie er es nannte, noch weiter optimieren?

Prokudin-Gorski brachte als einer der ersten seiner Zunft Farbe ins Spiel. Dem Zar gefiel die Idee und so schickte er seinen Photographen, ausgestattet mit sämtlichen Befugnissen, den finanziellen Mitteln sowie einem mobilen Photolabor 1905 in die Weiten seines Riesenreichs. Entlang der Wolga, über den Ural nach Sibirien bis hin in die Khanate Zentralasiens, die gerade einmal seit 30 Jahren zum Land des Zaren gehörten. Der Pionier reiste mit seiner Ausrüstung, einer Entourage aus Trägern und Helfern, und dem Segen seines Gönners, um Russland auf Platten zu bannen. Das Ergebnis war eine Meisterleistung der Photographie, die Früchte einer logistischen Herausforderung.

Unter welchem Aufwand Prokudin-Gorskis Dokumente entstanden sind, mag schwer vorstellbar sein in einer Zeit, in der Mobiltelefone mit einem simplen Knopfdruck mehr oder weniger anspruchsvolle Momentaufnahmen knipsen, in der vollautomatischen Digitalkameras die Photographie zum universellen Einerlei herab degradieren. Unter diesem Aspekt muss auch der exzellente Bildband „Nostalgia“ gesehen werden, der erstmals die auf Geheiß des Zaren entstandenen Aufnahmen in ihrer ganzen Fülle präsentiert. Erstmals gelang es, die Tiefe, die bisher nur durch Projektion gezeigt werden konnte, auch gedruckt wiederzugeben.

Antwort auf Instagram und Co.

Materielle Spuren durch Abnutzung der Originalplatten und Risse der Emulsion wurden dabei bewusst nicht retuschiert oder digital nachbearbeitet, so dass die unverfälschte Ästhetik des Originals erhalten blieb. Leider, und das ist das einzige Manko des Bandes, ist nicht weiter erklärt, wie Prokudin-Gorskis seine Originale präsentierte. Um das Geheimnis zu lüften: Er benutzte nicht wie zu erwarten drei verschiedene Projektoren, auch legte er nicht drei verschieden eingefärbte Platten hintereinander, sondern er entwickelte einen Projektor mit drei Objektiven, durch die die Platten einzeln auf die Leinwand geworfen wurden.

Sicherlich, wer nun Schnappschüsse aus dem Alltag der Bevölkerung erwartet, mag sich enttäuscht sehen. Belichtungszeiten von einigen Minuten ließen zu diesen Zeiten lediglich ein inszeniertes Abbild zu. Photographien von Landschaften, der Blick ins Innere eines Produktionsbetriebes und die in Szene gesetzte ländliche Idylle. Dass dies jedoch den Dokumenten keinen Abbruch tut, verdeutlichen die Aufnahmen aus den, für die damalige Zeit, exotischen Gegenden des russischen Reiches. Es unterstreicht vielmehr die gebotene Würde, wenn sich der Khan des Protektorats Choresm [südlich des Aralsees] in seinem Ornat für den Photographen stillsitzt, wenn der Emir von Buchara [heutiges Usbekistan] stolz seine ganze Leibesfülle zur Schau stellt.

Aber es ist auch die kleine Würde des Beamten, der mit einem Mal wichtiger scheint als er es jemals war. Die des Kameltreibers in der turkmenischen Wüste, des Schafhirten auf den Weiden des Kaukasus. Sogar die angeketteten Sträflinge in Samarkand erscheinen in einem anderen Licht, als sie es im Kerkerloch je gesehen haben dürften. Als Kontrast dazu das romantische Camp inmitten der Wildnis des Urals mit seinen rauschenden Gebirgsbächen, schroffen Felswänden und dichten Wäldern. Tiere, ob sie Hofphotograph Prokudin-Gorski nun jemals lebendig zu Gesicht bekam oder auch nicht, wurden ausgestopft abgelichtet. Dafür waren sie nicht verwackelt, scharf und deutlich, die Bestände aus Sammlungen von Lehrern, Heimatkundlern oder spleenigen Mäzenen.

Als „wahrhaft kunterbunter Augenschmaus“ lobte die Jury des Deutschen Fotobuchpreis 2013 das Werk, das sie mit Gold auszeichnete, um überschwänglich fortzufahren: „Von lediglich heiteren Farben zu sprechen, wäre noch eine krasse Untertreibung. Nein, das hier ist ein Rausch, eine Explosion, ein Schweben und Blühen, als ob Andy Warhols Factory mitsamt ihren psychedelischen Flower-Power-Farben um ein halbes Jahrhundert vor und vom Hudson River an die Wolga verlegt worden wäre.“ So wie bedeutende Gemälde in ein Museum gehören, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so gehört Prokudin-Gorskis Spektakel in Farbe in ein hochklassiges (Bilder-) Buch.

Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski: Nostalgia: Das Russland von Zar Nikolaus II. in Farbfotografien; Die Gestalten Verlag, 2. Auflage 2013; 320 Seiten, 306 Abbildungen; ISBN: 978-3899554595




Der russische Schriftsteller Daniil Granin ist tot

Der in literarischen Kreisen hochverehrte und ansonsten in Deutschland leider wenig bekannte sowjetische und russische Schriftsteller Daniil Granin ist tot. Er starb im Alter von 98 Jahren in St. Petersburg.

Er war ein sowjetischer und später russischer Schriftsteller und Drehbuchautor, er war Teilnehmer am „Großen Vaterländischen Krieg“ (Zweiter Weltkrieg) und begann 1949 zu schreiben. Über den Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit sagte er in einem »Spiegel«-Interview „Ein Schriftsteller fängt an zu schreiben, weil er den Schmerz nicht mehr erträgt, den Schmerz der Erinnerung“.

In seinen großen Werken – die sicher auch in Deutschland die bekanntesten sind – »Flucht nach Russland« (1994) und »Das Jahrhundert der Angst« (1997) hat er die Gräuel des Krieges in seinem Sinn verarbeitet. Auch sein Roman »Mein Leutnant« (2011) dient diesem Zweck, wobei das Besondere an diesem Roman ist, dass er von Granins Kriegserlebnissen handelt als er auf deutscher Seite dem Altbundeskanzler Helmut Schmidt gegenüberstand. Zur Übersetzung des Romans schrieb Helmut Schmidt 2015 das Vorwort und seitdem waren die ehemaligen Feinde enge Freunde.

Am 27. Januar 2014 hielt Granin im Deutschen Bundestag die Rede anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Granin erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise – sowohl inländische als auch internationale – für seine Werke. 2016 erhielt er den Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis des Deutsch-Russischen Forums für seine Verdienste um die deutsch-russische Freundschaft. Im Juni 2017 wurde ihm der Staatspreis der Russischen Föderation für herausragende Verdienste auf dem Gebiet der humanitären Tätigkeit für das Jahr 2016 verliehen.

Anlässlich der Verleihung wies Putin darauf hin, dass Granins Talent und sein Beitrag ein moralischer Leitfaden für viele Generationen sei.

Auf der Website des Präsidenten schreibt er: „Daniil Granin war ein großer Denker, einer der führenden Schriftsteller und Publizisten, eine Person von  riesiger geistiger Stärke und innerer Würde. Er diente seinem Vaterland und der Öffentlichkeit mit Hingabe und Selbstaufopferung und unterstützte Russland und seine Zukunft von ganzem Herzen. Er war ein echter Anziehungspunkt und ein absoluter moralischer Wegweiser für Menschen mit den unterschiedlichsten Ansichten.“

Putin ist sich sicher, dass die Gesellschaft im Laufe der Zeit immer deutlicher den Wert Granins erkennen wird. Sein Tod sei ein schmerzlicher Verlust für die russische Kultur, das Land und St. Petersburg, in dem Daniil Granin sein ganzes Leben verbrachte.“

Ministerpräsident Dmitri Medwedew schrieb auf Facebook eine Hommage zum Tod des Schriftstellers. „Daniil Granin – ein großer Schriftsteller, Publizist und Drehbuchautor – ist gestorben.“ Er sei ein Zeuge vieler Epochen gewesen, seine Erzählungen seien wahre Geschichte, die man nie vergessen dürfe.

[hmw/russland.NEWS]




Der 22. Juni 1941. Eine Leerstelle in der deutschen Erinnerung

Der 22. Juni, der Jahrestag des  Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion, fand auch in diesem Jahr kaum öffentliche Aufmerksamkeit. Über die Geschichte dieser Leerstelle in der bundesdeutschen Erinnerungskultur sowie über die aktuellen Initiativen zum Gedenken schreibt Dr. Ekaterina Makhotina, Osteuropahistorikerin an der Universität Bonn.

„Nichts ist auffälliger als ein fehlendes Denkmal.“ (Alexander Etkind)

[von Dr. Ekaterina Makhotina] Mitte Juni wies der Historiker Peter Jahn in der ZEIT auf eine „eine große Leerstelle im offiziellen Gedenken“ hin und meinte damit das Gedenken an die Opfer des deutschen Vernichtungskrieges im Osten. Tatsächlich, gibt es am Tiergarten, an dem Ort mit Mahnmalen für die vielen Opfergruppen, kein Denkmal für die Millionen Opfer der NS- Lebensraumpolitik im Osten. „Umso dringender braucht es endlich ein weithin sichtbares Denkmal für die Opfer der nationalsozialistischen Lebensraumpolitik. Einen großen Stolperstein, der deutlich macht: Diese Menschen sind für uns keine Opfer der zweiten Klasse“,[i] so Peter Jahn, der lange Jahre das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst leitete.

Auf der wissenschaftlichen Ebene ist der Krieg im Osten, seine Versklavungs- und Vernichtungspolitik gut erforscht: Studien von Dieter Pohl, Christian Gerlach, Christoph Dieckmann und Jörg Ganzenmüller legten die genozidale Politik der deutschen Militärführung in den sowjetischen Republiken offen.

Auch die Dauerausstellung über die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des deutschen Vernichtungskrieges im Osten im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst informiert ausführlich darüber. Der heutige Direktor des Museums, Jörg Morré und seine Mitarbeiter setzen sich trotz – oder gerade wegen – des angespannten Verhältnisses zwischen Russland und Deutschland für die Aufklärung über die jüngste Vergangenheit ein. Berliner  kamen auch in diesem Jahr am 22. Juni zum Museum, um den sowjetischen Opfern des Deutschen Krieges im Osten zu gedenken.

Auch auf der politischen Ebene ist in den letzten Jahren viel in Bewegung gekommen: Das genozidale Vorgehen der Wehrmacht vor Leningrad wurde 2014 zum Thema, als der sowjetische Veteran und Blockade-Überlebende Daniil Granin im deutschen Bundestag sprach. Im Mai 2015 würdigte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck eine der größten Opfergruppen der deutschen Kriegsführung im Osten – die sowjetischen Kriegsgefangenen – offiziell und stellte eine Entschädigung für Überlebende in Aussicht.

Zugleich bekam der 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im letzten Jahr (2016) kaum öffentliche Aufmerksamkeit, – außer einer kurzfristig einberufenen Debatte im Bundestag (auf Initiative der Partei „Die Linke“) fanden keine staatlichen Zeremonien statt. Das öffentliche Wissen über die unvergleichliche Dimension der Gewalt, die die Bevölkerung der Sowjetunion 1941-1944 erfahren hat, ist nach wie vor mangelhaft. Sehr selten ist es ein Teil des Allgemeinwissens, nur marginal Teil der Schulbildung, so dass Leningrad oft mit Stalingrad und Katyn mit Chatyn verwechselt wird. Zu dieser Verwechslung kommt es auch bei den heutigen Geschichtsstudenten. Diese unvergleichliche Dimension der Opfer- und Augenzeugenerfahrung soll noch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden.

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann das nationalsozialistische Deutschland einen historisch bis dahin nicht gekannten Vernichtungskrieg. In diesem Krieg sind 14 Millionen sowjetische Zivilisten und 13 Millionen Rotarmisten ums Leben gekommen, die sowjetische Gesellschaft hatte die höchste Zahl an Opfern in Europa zu beklagen.  Es war ein präzendenzloser Krieg, einzigartig in seinem systematischen Mordprogramm und den gigantischen Beutephantasien, er zeichnete sich durch Raubpolitik, durch geplanten Hunger im Besatzungsgebiet, durch einkalkuliertes Massenelend und Sterben der sowjetischen Bevölkerung aus.

Im eingekesselten Leningrad (heute St. Petersburg) starben mehr als eine Million Menschen an Folgen dieser genozidalen Politik. Die Stadt an der Newa bleibt in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges ein einzigartiges Beispiel einer Belagerung, die nicht auf die Einnahme der Stadt aus war, sondern auf ihre vollständige Vernichtung durch Aushungern und Artilleriebeschuss. Der Osteuropahistoriker Jörg Ganzenmüller stellte in seiner Studie über das belagerte Leningrad eindringlich dar, dass auch nicht-jüdische Bürger der Sowjetunion der genozidalen Politik zum Opfer gefallen sind. Der Raub- und Ernährungskrieg hatte auch für andere sowjetische Städte verheerende Folgen: für die Zivilbevölkerung richtete man „Hungerghettos“ ein, so starben 1942 im ukrainischen Charkiv in kurzer Zeit mehrere zehntausend Menschen an Mangelernährung.

Immer wieder nimmt man das Erstaunen deutscher Touristen im heutigen St. Petersburg wahr, wie freundlich man doch – trotz dieses historischen Erbes – empfangen wird. Auch mag uns die Freundschaft erstaunen, die sowjetische Veteranen zu deutschen Veteranen entwickelt hatten.

Eines der schlimmsten Kriegsverbrechen beging die Wehrmacht an den sowjetischen Kriegsgefangenen. Hunderttausende sowjetischer Soldaten wurden bereits in den ersten Kriegswochen gefangen genommen, für sie bedeutete die Gefangenschaft Massensterben. Von insgesamt 5 Millionen sowjetischer Kriegsgefangene starben 3 Millionen in deutscher Gefangenschaft, die meisten von ihnen – bis Dezember 1941.

Folgender Aspekt prägte die deutsche kollektive Erinnerung an den Krieg im Osten: sowohl die Gegner, als auch KZ-Gefangene als auch die sowjetischen Zwangsarbeiter wurden ungeachtet ihrer Nationalität – waren es Russen, Ukrainer oder Weißrussen – der „Russe“ genannt. Nach dem Krieg galten im öffentlichen Bewusstsein hierzulande gerade „Russen“ als Täter – und Deutsche als Opfer, so auch Peter Jahn im erwähnten Beitrag in der ZEIT.

Mit dem deutschen Überfall begann auch die beispiellose Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung der Sowjetunion. Direkt nach dem Angriff begannen auf den Straßen und Plätzen der deutschbesetzten Städte und Dörfer die Aussonderung und der Mord an den jüdischen Bürgern der Sowjetunion. Der Holocaust im Osten war Vernichtung durch Erschießung –  in der Ukraine, im Baltikum, in Russland und in Weißrussland wurden Juden in unzähligen Massakern vernichtet. Auf der europäischen Karte des Holocaust sticht Litauen besonders hervor. Der Historiker Christoph Dieckmann zeigte in seiner Studie zur deutschen Besatzungspolitik in Litauen, dass sich in keinem anderen europäischen Land die deutschen Kriegsplaner so schnell dazu entschieden haben, die Juden zu ermorden. Das litauische Judentum wurde fast vollständig vernichtet, größtenteils in den ersten Kriegsmonaten. Bis zum 1. Dezember 1941 wurden mehr als 130 Tausend litauische Juden ermordet: allein im Waldstück Paneriai wurden insgesamt 70 Tausend Juden aus dem Vilniusser Ghetto und den umgebenden Dörfern erschossen. In Litauen gibt es 200 solcher Orte, und nicht alle von ihnen sind als Gedenkorte gekennzeichnet. Die Vernichtung des litauischen Judentums steht in einem direkten Zusammenhang mit der deutschen Blitzkriegsführung, mit den deutschen Ausbeutungsphantasien und der Vorstellung von Juden als „überflüssigen Essern“.

Eine beispiellose Gewalt erfuhr die Bevölkerung Weißrusslands. Von Beginn an war die radikale Bestrafung im Fall des Widerstands geplant – und wurde umgesetzt. In Weißrussland, wo der Partisanenwiderstand besonders stark ausgeprägt war, haben die deutschen Kriegsführer 1943 die meisten Vergeltungsaktionen an Zivilisten durchgeführt. Das Ergebnis der genozidalen Politik der verbrannten Erde war über zwei Millionen getötete Weißrussen. Keine Familie in Weißrussland blieb vom Terror unberührt.

Der Krieg hat im biografischen Gedächtnis der Weißrussen, Ukrainer und Russen tiefe Spuren hinterlassen. Es ist ungemein wichtig, die historische Verantwortung, von der deutsche Politiker so oft sprechen, aufrechtzuerhalten, – in Bezug auf alle ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen der Terror gewütet hat.

Denn: der Krieg gegen die Sowjetunion war in der NS-Ideologie als Krieg gegen die „extremste Form des Weltjudentums“ deklariert und konsequent vorbereitet; er wurde eben nicht gegen die einzelnen Länder geführt. Die Ermordung der sowjetischen Zivilisten und Kriegsgefangenen und die Auslöschung des sowjetischen Judentums ist zu wenig präsent; jedoch nicht, weil die Erinnerung an die russischen Opfer alle anderen Opfer in den Schatten gestellt hat.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck brachte es in seiner Ansprache auf der Gedenkveranstaltung anlässlich des Massakers von Babij-Jar bei Kiew 2016 auf den Punkt: „Dies ist ein Plädoyer für eine grenzübergreifende gemeinsame Forschung, die neuerlichen modischen Versuchungen widersteht, die Wahrheit durch das Prisma der Nation zu suchen.“

Dieser Aufruf ist für eine europäische Geschichtspolitik umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass bei den nationalisierenden Betrachtungen auf die Geschichte jene Gruppe aus dem Blick gerät, die ihre Stimme in diese Debatte  nicht mehr einbringen kann: die ermordeten Juden der Sowjetunion. Wären sie noch am Leben, würde die heutige Diskussion um die Befreiung oder Besatzung um die Augenzeugenschaft und Mittäterschaft der Einheimischen anders verlaufen. Vielleicht wäre auch die Frage präsenter, warum Juden nur in der Rolle der passiven Opfer erscheinen dürfen, – jedoch nicht als aktive Widerstandskämpfer in den Reihen der Roten Armee oder der Partisanenverbände. Diese  – nun stummen – Stimmen mitzudenken wäre äußerst wichtig für die Diskussion über die „gemeinsame europäische Erinnerung“.

Die verstärkte geschichtspolitische Aufmerksamkeit von Seiten der deutschen Politik gegenüber Gebieten, die ehemals unter der deutschen Besatzung gelitten haben, ist zu begrüßen. Sie könnte dazu führen, dass Gedenkstätten wie Salaspils in Lettland oder das Neunte Fort Kaunas in Litauen in den europäischen Wahrnehmungshorizont rücken und zu „europäischen Erinnerungsorten“ werden. Sie könnte ermöglichen, dass das „Blockadebuch“ von Ales’ Adamowitsch und Daniil Granin in seiner vollständigen unzensierten Fassung ins Deutsche übersetzt wird  oder dass Anatolij Kuznecovs „Babij Jar“ (1966/2001) in Schulen gelesen wird. Die Aufmerksamkeit würde möglicherweise dazu führen, dass Elem Klimovs Film „Geh und Sieh“ (1984), über ein Kinderschicksal in Weißrussland, irgendwann den Bekanntheitsgrad von „Schindlers Liste“ erlangt und dass die Lagerstätte Stalag-328 in L’viv, in der sich heute ein Luxushotel befindet, in eine Gedenkstätte umgewandelt wird. Es würde vielleicht auch dazu führen, dass in der deutschen Hauptstadt eine Gedenkstätte für alle Opfer des Vernichtungskrieges entsteht, ein „Ort der Unsicherheit“ und der kritischen Selbstreflexion.

[i] http://www.zeit.de/2017/25/holocaust-gedenken-slawische-untermenschen

Quellen:
https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article165808736/Angriffstag-von-Barbarossa-soll-Gedenktag-werden.html

http://www.zeit.de/2017/25/holocaust-gedenken-slawische-untermenschen

Kommentar:
von Horst Beger, Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen mit der Städtepartnerschaft Nishnij Nowgorod 26. Juni 2017

Die ausführliche Zusammenstellung der „Leerstellen deutscher Erinnerung“ von Dr. Ekaterina Makhotina berücksichtigt nicht, dass dem erklärten genozidalen Angriffs- und Vernichtungskrieg Hitlers auch der jahrhunderter alte „Kulturkampf“ des Westlichen Christentums gegen das Orthodoxe Christentum zugrunde lag, wie der amerikanische Politologe Samuel Huntington das vor Jahren wieder aufgezeigt hatte. Obwohl Hitler seine genozidalen Ziele bereits 1928 in „Mein Kampf“ angekündigt hatte, wurde Hitler 1933 von den „christlichen“ Nationalisten um den päpstlichen Kammerherrn von Papen an die Macht gebracht, um „ein Bollwerk gegen den Bolschewismus“ zu schaffen, der 1917 mit deutscher Hilfe in Russland installiert worden war. Und die römische Kirche hat das mit dem Konkordat mit Hitler unterstützt und zu den Opfern bis heute geschwiegen bzw. jesuitistisch den „Brüdern und Schwestern der Kirche, die sich schuldig gemacht hätten“ in die Schuhe geschoben. Dieser Kulturkampf zeigt sich auch in dem Ukrainekonflikt, in dem die katholisch geprägte Westukraine einseitig gegen die orthodoxe Ostukraine unterstützt wird, auch wenn dabei geostrategische Ziele der USA und der NATO im Vordergrund stehen und es angeblich „nur um die Verletzung des Völkerrechtes“ geht. Die Errichtung von Gedenkstätten auch für die russischen Opfer wird daher alleine nicht ausreichen, um auch diesen Kulturkampf bewusst zu machen.

Erstveröffentlichung russlandkontrovers.de




Deutsch-Russisches Jahr 2017/2018. Erklärung der Außenminister

Nach einem erfolgreichen Jahr des deutsch-russischen Jugendaustauschs 2016/2017 sollen Austausch, Verständigung und gegenseitiges Vertrauen im deutsch-russischen Verhältnis durch eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit auf kommunaler und regionaler Ebene vertieft werden.

Eine besondere Rolle kommt dabei den zahlreichen Partnerschaften zwischen Bundesländern, Regionen, Kreisen, Städten und Gemeinden sowie gesellschaftlichen Vereinigungen, Universitäten und Schulen zu. Diese Verbindungen bilden das Rückgrat aktiver deutsch-russischer Beziehungen. Viele dieser Partnerschaften feiern 2017 und 2018 ihr 25-jähriges Bestehen. Wir wollen diese Partnerschaften stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken und die aus ihnen hervorgehende Dynamik nutzen, um für weitere Partnerschaften zwischen Deutschen und Russen zu werben und dadurch Vertrauen wachsen zu lassen. Wir sind überzeugt, dass die kommunalen und regionalen Partnerschaften eine unverzichtbare tragende Komponente der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland darstellen.

Wir, der Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation und der Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, stellen daher die Initiative eines deutsch-russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018, das die Tradition erfolgreicher Kreuzjahre in unseren Ländern weiterführt, unter unsere Schirmherrschaft.

Das Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften soll während der Städtepartnerschaftskonferenz vom 28. bis 30. Juni 2017 in Krasnodar eröffnet werden. Es soll eine positive Dynamik des Zusammenwirkens und der Kontakte zwischen den Zivilgesellschaften der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland sicherstellen. Wir hegen den gemeinsamen Wunsch, dass über die zahlreichen kommunalen und regionalen Partnerschaften die Zahl und Intensität der direkten Kontakte zwischen Russen und Deutschen gesteigert und dadurch der Dialog und das Verständnis zwischen unseren Gesellschaften gestärkt wird. Gerade in politisch schwierigen Zeiten kommt es auf sichtbare Zeichen der Zusammenarbeit an.

Daher verbinden wir mit dem deutsch-russischen Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018 große Erwartungen. Die im Rahmen der kommunalen und regionalen Partnerschaften entstehenden Kontakte und Verbindungen zwischen Menschen aus verschiedenen Bereichen bürgerschaftlichen Engagements bieten eine unschätzbare Zukunftschance für das gutnachbarschaftliche Verhältnis zwischen Deutschen und Russen.

Pressemitteilung Auswärtiges Amt




Berlin: Deutsch-Russische Musikkooperation als Hoffnungsblick

[von Kristina Denisenko] Berlin – gestern im Konzerthaus Gendarmenmarkt. Wenige Minuten bleiben bis zum Moment, in dem die Mitglieder der Russisch-Deutschen Musikakademie auf die Konzertbühne treten und das Publikum die bekannten Melodien der zeitlosen Werke von Ludwig van Beethoven und Peter Tschaikowski hören. Alle sind an ihren Plätzen und in der Luft liegt die spannungsgeladene Atmosphäre vor großen Auftritten dieser Art. Das Orchester, bestehend aus deutschen und russischen hochtalentierten Nachwuchsmusikern, spielt heute unter der Leitung eines der bekanntesten Konzertleiters Russlands, wenn nicht der Welt, dem berühmten russischen Dirigenten und Intendanten Valery Gergiev. Die Zuschauer sind gespannt, was sie erwartet.

Von der Moderne zu Beethoven

Eröffnet wird das Konzert mit der “Verwandlung 4” von Wolfgang Rihm, einem zeitgenössischen Komponisten, der für seine Vielseitigkeit und sein Ausdrucksbedürfnis bekannt ist. Gesellschaftlicher Wandel, Aktualität und Weltvielfalt stehen im Mittelpunkt seiner Kunst. Betäubende Schlagzeuge und markerschütternde Flötentöne versenken das Publikum in Nachdenklichkeit und Besorgnis. Am Ende steht stürmischer Applaus für die wirklich überaus talentierten Musiker und ihre Darbietung.

Sie erfreuen als nächstes das Publikum mit Beethovens sinfonisch gestaltetem Violinkonzert op. 61. Die besondere Aufmerksamkeit der Zuschauern gilt dabei dem herausragenden deutschen Solisten des Abends Geiger Frank Peter Zimmermann. Mit dem ihm eigenen energischen Strich und voller Emotionen erklingen sorgenfreie lyrische und seriöse dramatische Töne. Zur Pause war das schicke Publikum aus mit Sicherheit nicht anspruchsarmen Klassikfans vollends zufrieden und freute sich schon auf Teil zwei. Pausengespräch war dabei vor allem das erstaunliche Talent, dass die jungen Musiker schon gezeigt haben.

Tschaikowski als Bogen nach Russland

Vom Anfang des 19. Jahrhunderts versetze der zweite Teil des Programms die Zuschauer an dessen Ende: Tschaikowski 5. Sinfonie von 1888 steht nun auf dem Spielplan. Das hervorragende Meisterwerk faszinierte den ganzen Saal. Der Komponist greift Probleme auf, die schon vor der Pause von Beethoven beleuchtet wurden und so spannt sich symphonisch der Bogen von Mitteleuropa nach Russland, im dem sich auch die jungen Musiker vereinen. Eine Symbiose von russischer Kultur und der weltweit geschätzten Musik der Klassiker.

Nach der finalen Partie dankt das Publikum mit stehenden Ovationen dem Orchester für den dargebotenen Genuss. Das Konzert gab eine Möglichkeit erstklassige Musik aus drei Epochen vereint zu hören und so ein Stück Musikgeschichte nachzuvollziehen. Die Kunst kennt hier weder die Grenze der Zeit noch der Kulturen und Brücken werden gebaut. Hier macht die Kultur etwas vor, was man in der Politik zwischen Deutschland und Russland oft schmerzlich vermisst.

Vereinte Stimmen der russischen und deutschen Musiker

Nach dem Konzert sprach ich – selbst begeistert – noch einige der jungen Musiker. Sie waren froh, unter Gergiev an dieser Veranstaltung teilnehmen zu dürfen und nach ein paar Schwierigkeiten aufgrund unterschiedlicher Musiktraditionen zu Beginn lief dann doch alles wie am Schnürchen und man entdeckte mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Gerade wegen der politischen Spannunen zwischen ihren Ländern fanden die Musiker aus Deutschland wie aus Russland es wichtig, gemeinsam das Kulturerbe zu pflegen. Das finden wir auch.




Konzert von Mariinski-Musikern morgen in Berlin

Im Zeitraum 19. – 27. Juni 2017 fand in St. Petersburg und Berlin das jährliche Orchesterprojekt der Russisch-Deutschen Musik-Akademie statt. Junge Musiker aus Deutschland und Russland – darunter Preisträger internationaler Wettbewerbe, Akademisten bedeutender deutscher Sinfonieorchester und junge Mitglieder des St. Petersburger Mariinski-Theaters – erarbeiten gemeinsam ein anspruchsvolles musikalisches Programm, das sie anschließend in zwei Konzerten der Öffentlichkeit präsentieren – in Deutschland

Die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Valery Gergiev. Als Solist konnte der renommierte deutsche Geiger Frank Peter Zimmermann gewonnen werden. Anspruch und Zielsetzung sind es, für eine Welt der Begegnung, des gegenseitigen Verstehens, des Miteinanders, des Respekts und der Versöhnung einzustehen. Das Projekt will ein Zeichen des Willens zum Frieden und zur Verständigung sein.

Zweiländerforum mit prominenter Leitung

Die Russisch-Deutsche Musik-Akademie ist 2012 aus einer Initiative von jungen Musikstudierenden aus den beiden Ländern hervorgegangen. Die Akademie ist in allen ihren Projekten ein offenes, auf Kontinuität und Zukunft ausgerichtetes Forum; sie ist Ausdruck des zivilgesellschaftlichen Engagements junger Musiker, die sich den Ideen der Aufklärung verbunden fühlen, aus denen die klassische Musikkultur Europas erwachsen ist.

Mit Valery Gergiev hat die „Akademie“ einen künstlerischen Leiter, dessen Engagement seit je der musikalischen Jugend gilt und dessen eminenter Einsatz sowohl der kulturellen Tradition Europas als auch deren Zukunft gilt. Die Konzerte werden unterstützt durch die GAZPROM Germania GmbH und durch die Wintershall Holding GmbH als Hauptsponsoren der Russisch-Deutschen Musik-Akademie in 2017.  Das Konzert in Berlin beginnt um 19 Uhr. Für russland.NEWS wird Kristina Denisenko von vor Ort berichten.