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Kategorie: Gastkommentare - russland.NEWS - russland.TV

Russische Sicht zum Nach-Jamaika-Chaos [Video]

Die geplante Jamaikakoalitin zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen im Deutschen Bundestag wurde bereits vor ihrem Start zur Geschichte, was auch in Russland einiges an Aufsehen erregte.

Vorhergesehen hatte eine solche Entwicklung kaum jemand – nur der Moskauer Ex-Diplomat und Politologe Nikolaj Platoschkin äußerte schon am Wahlabend in einem Interview auf unserem Audio-Podcast seinen Unglauben bei einer solchen Koalition. Da er schon im letzten Gespräch mit unserer Moskauer Videoredakteurion Julia Dudnik im Bezug auf die deutsche Politik kein Blatt vor den Mund nahm, hat sie ihn wieder aufgesucht und befragt, welche seiner Meinung nach die tieferen Ursachen der aktuellen Entwicklung sind und wie es nun am besten weiter gehen soll. Deutliche Worte ließ Platoschkin auch dieses Mal nicht vermissen, weshalb wir Euch das Komplettinterview auf jeden Fall ungeschnitten zeigen wollen. Denn dort erfahrt Ihr, warum die FDP für Platoschkin eine „komische Partei“ aber mit einem gesunden Selbsterhaltungstrieb ist, warum die Grünen keine Grünen mehr sind,  die AfD auch für Russlandfreunde keine Alternative ist und was die deutsche Linke falsch macht, um Wähler für eine andere Mehrheit zu gewinnen. Das ist viel Stoff für Diskussionen, aber genau solche sind ja in der aktuellen Situation vonnöten.

Julia gibt es jeden Sonntag bei uns mit aktuellen News, Hintergründen und Interviews aus der russischen Hauptstadt. Ihre Homepage findet Ihr unter http://www.russland.direct




Bundestagswahl: Überraschende russische Sicht [Video]

Dürfen wir als russisches Online-TV einen Clip machen, in dem mit Nikolai Platoschkin ein ebenso russischer bekannter Ex-Diplomat und in Moskau angesehener Politologe seine deutliche Meinung und die russische Sicht zur kommenden Bundestagswahl sagt?

Wir sind der Ansicht, wir dürfen das sehr wohl und die Frage würde bei einem französischen oder amerikanischen Online-TV niemand stellen. Platoschkins Positionen entsprechen dabei auch nicht dem, was sich der Konsument großer deutscher Medien unter einer russischen Sichtweise vorstellt. Denn zwar geht er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso hart ins Gericht wie mit den ständigen Beeinflussungsvorwürfen deutscher Medien gegen sein Land. Wenn man ihn aber fragt, welche Regierung denn die beste für die deutsch-russischen Beziehungen wäre oder was er von der AfD hält, wird manch Zuschauer überrascht sein.

Ein Beitrag im Rahmen unserer Sonntagsreihe Russland.direct mit Julia Dudnik aus Moskau, die Euch sowohl unabhängige News als auch einen tieferen Blick in die Hintergründe russischer Politik liefert, als man ihn oft bei den „klassischen“ Medien findet. Ihre eigene Homepage findet Ihr unter http://www.russland.direct




Schuld am Kommunismus sind immer nur die Russen!?

[von Dr. Leo Ensel] Spätestens seit dem Ende der Sowjetunion hat in allen Nachfolgestaaten eine rege Neubewertung der Geschichte des XX. Jahrhunderts, insbesondere der über siebzigjährigen kommunistischen Herrschaft eingesetzt, die selten frei von nationalen Egoismen war.

Mit dem Beginn des neuen Ost-West-Konfliktes werden diese – in der Regel auf die Schnelle zurechtgezimmerten – neuen historischen Narrative auch für die ideologische Überhöhung der neuentfachten Spannungen und die daraus abgeleiteten politisch-militärischen Konsequenzen instrumentalisiert. Dabei gehen alle Seiten nicht gerade zimperlich mit der Vergangenheit, insbesondere mit der eigenen Verstrickung in die Verbrechen des kommunistischen Regimes um: Sie wird in der Regel geleugnet oder bagatellisiert! Diese voluntaristische Umdeutung der Sowjetgeschichte gilt ebenso für den aktuellen historischen Diskurs im Westen – je nachdem mit welcher Seite man sich gerade identifiziert. – Dr. Leo Ensel über die posthume Renationalisierung der Sowjetgeschichte.

Eine „Topographie des Terrors“ findet man seit ein paar Jahren nicht nur rund um das ehemalige Reichssicherheitshauptamt in Berlin, sondern auch in der georgischen Hauptstadt Tbilisi. Gemeint ist hier der rote, der stalinistische Terror. In der Ukraine fallen gerade die Lenin-Denkmäler, Straßen siegreicher Generäle der Roten Armee werden zugunsten ukrainischer Nationalisten aus der Zwischenkriegszeit umbenannt und der Tag des Sieges über Hitler-Deutschland wird schon mal westkompatibel vom 9. auf den 8. Mai vorverlegt. Dagegen steht vor dem Michaeliskloster in Kiew das Denkmal für die Opfer des „Holodomor“, der Hungerkatastrophe 1932/33, schon seit Anfang der Neunziger Jahre.

In den Nachfolgestaaten der UdSSR, die auf EU- und NATO-Mitgliedschaft spekulieren, ist die „Dekommunisierung“ in vollem Gange. Parallel dazu werden neue nationale Geschichtsnarrative gebastelt und die laufen in der Regel auf einen simplen Satz hinaus: Schuld am Kommunismus waren immer nur die Russen! Nicht Vertreter einer bestimmten Ideologie waren also die Täter, sondern Vertreter einer bestimmten Nation. Dasselbe gilt für die Opfer: Opfer waren nicht Kulaken, Kleinbauern, Adlige, Priester, Dissidenten, unliebsame Wissenschaftler und Künstler, sondern schlicht alle Völker der ehemaligen Sowjetunion – außer den Russen! Mit einem Wort: Wir sind gerade Zeugen eines bemerkenswerten geschichtsrevisionistischen Prozesses, den man etwas sperrig-akademisch als ‚posthume Renationalisierung der Sowjetgeschichte‘ bezeichnen könnte.

Natürlich stimmen diese voluntaristisch konstruierten schrägen Narrative hinten und vorne nicht: Stalin und Berija waren Georgier, Chruschtschow Ukrainer. Auch Vertreter anderer Nationalitäten wie der Schlächter der Kronstädter Matrosen, Trotzki, der Gründer der berüchtigten Tscheka, Dserschinski, die Regisseure der stalinistischen Schauprozesse Wyschinski und Jagoda sowie der Killer von Katyn und Völkerverschieber Anastas Mikoyan waren Verbrecher des Sowjetregimes. In der 60 km westlich von Tiflis gelegenen georgischen Stadt Gori befindet sich noch heute ein Stalin-Museum, dessen originärer Sowjetmief vermutlich alles übertrifft, was an analogen Bauwerken und Gedenkstätten in Russland noch existiert – in der georgischen „Topographie des Terrors“ allerdings nicht auftaucht. Und gehungert wurde zu Beginn der dreißiger Jahre auch außerhalb der Ukraine: Nicht zuletzt in den fruchtbaren Kuban- und Schwarzerdegebieten, im Nordkaukasus und in Kasachstan. Auch Russen sind dieser staatlich induzierten Hungerkatastrophe zu Hunderttausenden zum Opfer gefallen.

Aber die neuen Narrative dienen nicht nur der Reinwaschung der eigenen Geschichte. Sie lassen sich auch für die ideologische Auseinandersetzung im Neuen Ost-West-Konflikt trefflich instrumentalisieren. So versuchten die GRÜNEN kürzlich (vergeblich) im Bundestag eine Resolution über die „Historische Verantwortung Deutschlands für die Ukraine“ durchzusetzen. Demnach wurde am 22. Juni 1941 nicht die Sowjetunion, sondern die Ukraine von der Wehrmacht überfallen. Unwillkürlich fragt man sich: Wo bleibt da Belarus, das im II. Weltkrieg bekanntlich ein Viertel seiner Bevölkerung verlor? Aber Belarus hat sich im neuen Kalten Krieg nicht eindeutig auf Seiten des Westens positioniert und kommt daher (noch?) nicht in den Genuss grüner Sonderfürsorge.

Wie die postsowjetischen Staaten die Epoche der Sowjetunion verarbeiten, ist deren Angelegenheit. Für die Auseinandersetzung in Deutschland schlage ich folgenden Sprachgebrauch vor: Nicht die Ukraine (wahlweise Belarus, Russland) wurde im II. Weltkrieg Opfer schwerster deutscher Verbrechen, sondern auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (wahlweise Belarus, Russland) wurden im II. Weltkrieg schwerste Verbrechen von Deutschen begangen! Diese Wortwahl ist etwas umständlicher, dafür jedoch resistent gegen posthume nationalistische Vereinnahmungen.

Aber der voluntaristische Geschichtsrevisionismus ist kein Privileg von Georgiern und Ukrainern: Russland macht Ähnliches, wenn es z.B. den Sieg über Nazideutschland exklusiv für sich reklamiert. Sieger im II. Weltkrieg war jedoch nicht Russland sondern – zusammen mit den Westalliierten – der Vielvölkerstaat Sowjetunion! Mit gleichem Recht können demnach auch Ukrainer, Belarussen, Georgier, Armenier, Kasachen und die Menschen der anderen ehemaligen sowjetischen Nationalitäten den Sieg über Hitler für sich beanspruchen.

Die Konstruktion differenzierter Geschichtserzählungen, die im Diskurs mit anderen betroffenen Nationen eindimensionale Täter-Opfer-Polarisierungen überwinden und die eigene Mittäterschaft Schritt für Schritt integrieren, ist ein äußerst mühsamer, schmerzhafter Prozess. Er wird vermutlich, wie nicht zuletzt das Ringen um die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland gezeigt hat, Jahrzehnte dauern. Einstweilen sollten alle Seiten zumindest auf allzu simple Schuldzuweisungen verzichten.

 

Dr. Leo Ensel ist Konfliktforscher und interkultureller Trainer mit Schwerpunkt „Postsowjetischer Raum und Mittel-/Ost-Europa“. In den Achtziger Jahren stark engagiert im unabhängigen Flügel der westdeutschen Friedensbewegung. Autor einer Reihe von Studien zum Thema „(Nicht)-Angst und atomare Aufrüstung“, über die interkulturellen Differenzen von Ost- und Westdeutschen zu Beginn der deutschen Vereinigung und über die wechselseitige Wahrnehmung von Russen und Deutschen. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Erkundung und Bewusstmachung der Bilder, die Menschen sich einerseits von sich selbst und ihrem Land und andererseits von Anderen und fremden Ländern machen und wie diese Bilder ihr Handeln bestimmen. Im neuen Ost-West-Konflikt gilt sein Hauptanliegen der Überwindung falscher Narrative und der Rekonstruktion des Vertrauens.

Erstveröffentlichung russlandkontrovers.de

 




Levada-Zentrum – der „Nerv der Gesellschaft“ wird abgetötet

[Ein Kommentar von Eugen von Arb/SPZ] – Am 5. September wurde das „Levada-Zentrum“, ein privates Meinungs- und Marktforschungsinstitut in Moskau, vom russischen Justizministerium als „ausländischer Agent“ eingestuft. Eine Untersuchung, die von der kremlnahen „Antimaidan“-Gruppierung initiiert worden war, soll angeblich eine Finanzierung des Levada-Zentrums durch die USA festgestellt haben. Das ist eines der Hauptkriterien, nach denen Organisationen in Russland seit 2012 dazu gezwungen, sich als „ausländische Agenten“ zu registrieren.

In der Praxis bedeutet dies einerseits, dass das Levada-Zentrum keine staatlichen Aufträge oder Unterstützung mehr erhält und andererseits den Behörden eine aufwändige Dokumentation zu Budget und Tätigkeit vorlegen muss. Auf dieselbe Weise gerieten bereits Organisationen wie „Memorial“ oder die „Petersburger Soldatenmütter“ unter Druck. Laut dem Direktor des Levada-Zentrums Lew Gudkow sind die Vorwürfe völlig aus der Luft gegriffen und politisch motiviert. Er kündigte an, dass man sie widerlegen und die Entscheidung des Justizministeriums rückgängig machen werde. Gleichzeitig sagte er aber auch, dass das Levada-Zentrum zukünftig womöglich keine politischen Umfragen mehr durchführen würde und sich auf Marktforschung beschränken würde.

Damit würde die einzige von allen anerkannten Institution dieser Art in Russland zum Schweigen gebracht. Die Umfrage-Ergebnisse des Levada-Zentrums gelten als objektiv und neutral und werden im In- und Ausland, im Kreml, aber auch in Oppositionskreisen anerkannt. Neben der Meinung der Bevölkerung zum politischen Geschehen erstellt das Zentrum in regelmässigen Abständen ein Beliebtheits-Rating des Präsidenten sowie der verschiedenen Parteien. Laut dem Levada-Direktor Gudkow liegt der Grund für das Vorgehen gegen das Zentrum darin, dass eine kürzlich veröffentlichte Umfrage einen krassen Beliebtheits-Verlust der Kremlpartei „Einiges Russland“ festgestellt hat. Andere Beobachter halten Gudkows kritische Äusserungen zum Putin-Regime, das er unter anderem als „korrupt“ und „mafiös“ bezeichnete, für den Beweggrund für das Kesseltreiben.

Wie auch immer, so würde sich die Regierung mit einer Liquidierung des Levada-Zentrums vor allem ins eigene Fleisch schneiden. Ohne die Meinungsumfragen ist der Kreml praktisch blind gegenüber dem Volksbefinden – wie bei einem Zahn, dessen Nerv abgetötet ist und nicht mehr spürt, wenn etwas faul ist. Gerade bei einer so autoritär organisierten Regierung, in der vorauseilender Gehorsam in allen Bereichen für Schönfärberei gegenüber Vorgesetzten grasiert, ist das Abschalten der einzig objektiven Stimme besonders gefährlich. Im Glauben an die eigene Propaganda könnte man nur allzu leicht den Überblick verlieren.

Eugen von Arbs Kommentar erschien zuerst beim St. Petersburger Herold




Was ist los auf der Krim?

[Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz] Moskau spricht von Sabotageversuchen an der Grenze zur Ukraine. Es sei zu Gefechten gekommen, die zwei Menschen das Leben gekostet hätten (andere Quellen sprechen von vier Toten, zwei auf jeder Seite). Nach einer Großfahndung habe man Verdächtige festgesetzt und insgesamt vierzig Kilogramm Sprengstoff beschlagnahmt.

Kiew bestreitet jede Beteiligung an diesem Vorfall, hält das Ganze für eine russische Provokation als Vorwand für weitere Aggressionen gegen die Ukraine und  versetzt die Streitkräfte in Alarmbereitschaft.

Das ist das, was man hört. Gesichert ist bislang nichts. Doch die Schuldigen stehen bereits fest. Die Russen, wer sonst? Das kann ja sein. Aber wäre es nicht sinnvoll, den Dingen zunächst auf den Grund zu gehen?

Aus der Ferne gibt es dazu zwei Methoden. Als erstes die Analyse von Interessen. Wer profitiert von dem, was da gerade passiert? In der Kriminalistik – stellenweise durchaus vergleichbar mit journalistischer Arbeit – nennt man das die Suche nach einem Motiv. Es gilt, die Plausibilität von denkbaren Möglichkeiten zu überprüfen. Die zweite Methode besteht darin, Fragen zu stellen, selbst wenn man weiß oder mit Recht vermuten kann, dass man keine Antworten darauf bekommt. Aber besser Nachdenklichkeit statt Kriegsgeschrei.

Von den verschiedensten Seiten wird bestätigt, dass es in den letzten Monaten im Norden der Krim, also an der Grenze zur Ukraine, ruhig war. (Im Süden, in den Tourismuszentren sowieso.) Tausende von Ukrainern sind auf die Krim gefahren, um dort Verwandte und Freunde zu besuchen. Das funktioniert ja ganz einfach ohne Visum. Also eine Art Normalität.

Die Krimtataren, die Ende vergangenen Jahres Strommasten gesprengt und damit die Versorgung der Krim lahmgelegt hatten, sind auch zurückhaltender geworden. Ihre Straßensperren, mit denen sie im letzten Herbst versuchten, ukrainische Waren an der Grenze zur Krim zu stoppen, kamen selbst bei der ukrainischen Bevölkerung nicht gut an. Sie haben damit aufgehört. Es spricht bisher nichts dafür, dass Krimtataren hinter diesem Vorfall stecken.

Wollte Kiew Unruhe stiften, um den kleinen Grenzverkehr zu torpedieren? Wollte Moskau ein Signal an das bevorstehende Normandie Treffen senden, damit die westlichen Teilnehmer mehr Druck auf Kiew ausüben, das Minsk II Abkommen ernst zu nehmen und dessen Bedingungen zu erfüllen?

In der russischen Presse werden verschiedene Varianten durchgespielt.

Kiew wolle mit solchen Aktionen von den gewaltigen innenpolitischen Problemen der Ukraine ablenken, heißt es da. Aber auch eine mögliche Provokation durch örtliche russische Geheimdienstfunktionäre, die sich mit ihrer Sabotagegeschichte wichtigmachen wollen, wird nicht ausgeschlossen.

Vieles ist denkbar. Nichts ist bewiesen.

Das hindert einige Leitmedien bei uns aber nicht, nachdrücklich vor einer drohenden russischen Invasion der Ukraine zu warnen, kombiniert mit der Forderung nach einer härteren Gangart des Westens.

Was soll das? Wem nützt es? Warum haben es besonnene Stimmen, die es ja gibt, so schwer, an exponierter Stelle zur Kenntnis genommen zu werden?

Kritische Berichterstattung und Besonnenheit – das ist kein Widerspruch. Es gibt ein paar eherne Regeln für guten Journalismus: so neutral wie möglich Fakten zu sammeln, Realität als Prozess und nicht als Momentaufnahme zu schildern, sich nicht auf eine Seite zu stellen, aber sich immer in die Lage derer zu versetzen, über deren Lebenswirklichkeit man berichten will.

Die Kriegsgefahr war seit der Kubakrise nie so groß wie jetzt. Vor allem durch Situationen, die aus dem Ruder laufen, die nicht mehr eingefangen werden können, weil Begriffe wie „Gesichtsverlust“ und das Denken in schwarz/weiß-Kategorien sowohl politisches Handeln als auch Berichterstattung bestimmen. Was ist in unserer pluralistischen Gesellschaft passiert, dass politische Entscheidungsträger ihre tatsächliche Einschätzung für sich behalten und mit dem Strom schwimmen, aus Sorge andernfalls medial hingerichtet zu werden und dann gar nichts mehr bewegen zu können?

Was ist los auf der Krim? Als Mediennutzer möchte ich darüber so umfassend wie möglich aufgeklärt werden. Und wenn sich bestimmte Vorgänge nicht aufklären lassen, dann möchte ich das so gesagt bekommen. Vermutlich aber wird es laufen wie gewohnt: es wird im Fokus stehen, dass Russland Militärgerät auf die Krim bringt, inklusive Raketenabwehrsysteme und die Vorgeschichte wird keine Rolle spielen.

Einen leichten Hoffnungsschimmer gibt es: neuerdings fordern die USA  und andere westliche Akteure beide Seiten – Moskau und Kiew – zur Deeskalation auf. Spät und hoffentlich nicht zu spät.

Gabriele Krone-Schmalz, 13.8.2016

http://russlandkontrovers.de/was-ist-los-auf-der-krim/




Die „Nachtwölfe“ zu Gast – Furcht in Berlin?

Ein Facebook-Beitrag unmittelbar nach der vermeintlichen Brandschatzung, die die russischen Biker der „Nachtwölfe“ laut den Medien über Berlin gelegt haben wollen, ließ uns aufhorchen. „Putins Rocker“ einmal ganz privat, ohne den üblichen negativen Pressenachhall, so einfach nur als Menschen – geht das überhaupt? Doch es geht, wie unser Gastbeitrag von Sandra Spehr beweist. Sie ging den mutigen Schritt, eine Lanze für die gefürchteten Motorradfahrer zu brechen.

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[Ein Gastbeitrag von Sandra Spehr] – Bei uns gibt es kein anderes Thema mehr; die „Nachtwölfe“ waren zu Gast bei uns! Nicht nur in unserer Gaststätte, nein im gesamten Umkreis wird getuschelt und sehr oft werde ich angesprochen, wie es denn nun wirklich war.

Natürlich gebe ich zu, dass das Team zunächst verunsichert war. Frei von Vorurteilen versuchte ich zu vermitteln, dass es Gäste wie Du und Ich sind. Aber ich sollte eines Besseren belehrt werden. Das gesamte Team wurde mehr als positiv überrascht von der Offenheit dieser großen Familie.

Hilfsbereitschaft, Fürsorge, Freude am Sein. Es ist eine einzigartige Truppe. Die Berichterstattung der Medien würde ich schon fast „Bizarr“ nennen. Schon kurz nach dem Eintreffen der „Nachtwölfe“ bei uns, hörte ich Kollegen sagen: „die sind doch ganz sympathisch“. Nachhaltig wurden von Dauercampern Stimmen laut, die sagten „Unsere russischen Freunde (…)“

Auf einem internationalen Campingplatz lernt man viele Menschen unterschiedlichster Herkunft, Mentalität etc. kennen, auch durch verschiedene Veranstaltungen erleben wir ständig Neues. Dennoch haben die Wölfe einen prägnanten Eindruck hinterlassen.

Ich kann versichern, dass das Personal an diesem Abend, die einzigen Leute waren, die Glasbruch verursacht haben. Ja, es gab in der Nacht ein kleines Feuerwerk, aber auch dies wurde nach Anmahnung sofort eingestellt. Und wenn wir mal ehrlich sind, wir sind alle keine Engel, die sich immerzu korrekt auf einer Feier benehmen.

Unser Fazit des Abends ist positiv und wir wehren jegliche negative Darstellung ab. Ich empfehle jedem, auf die altmodische Art, sich ein eigenes Bild zu schaffen, gerade in einer Zeit der digitalen Kommunikation und gesellschaftlichem Schubladendenken.

Wir würden uns sehr freuen, die „Nachtwölfe“ nächstes Jahr wieder begrüßen zu dürfen und bedanken uns für diese lehrreiche Erfahrung.

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Abschließend noch ein paar ergänzende Worte zu meinem Facebook-Post.

Über eine Beitragsreichweite von knapp 30.000 Usern bin ich erstaunt. Meine Beweggründe waren tatsächlich die Nachfragen und auch die Verärgerung über die Berichterstattung der Medien. Wie ich schon angedeutet habe, ist in der Ära der digitalen Kommunikation viel Manipulation und Verzerrung unterwegs. Attraktiv wird das durch die Neugier des Menschen, begünstigt durch die erheblich geringeren Informationswege. Die Zwischenmenschlichkeit bleibt dabei völlig auf der Strecke.

In meinem Beruf trete ich täglich an Menschen heran, ohne diese vorher googeln zu können. Allein dabei merkt man, dass selbst ein strenges Aussehen rein gar nichts über den Menschen an sich oder deren Charakter und Werte sagt. Oft treffen wir auf Menschen, mit denen wir keine gemeinsame Sprache sprechen und trotzdem ist eine Unterhaltung allein durch Gestik und Mimik möglich. Auch mit dieser Einstellung bin ich an die „Nachtwölfe“ herangetreten. Es ist schwer, diese Einstellung anderen zu übermitteln und ein verunsichertes Team zu motivieren.

Das Eis war schnell gebrochen. Jegliche Kommunikationsbarriere wurde durch deutsch – oder englischsprachige „Nachtwölfe“ überbrückt. Sie erkannten dabei selbst die Situation, baten sogar Hilfe bei den Aufräumarbeiten an. Schnell wurde das Gefühl von einer großen Familie verbreitet, was die Stimmung natürlich besonders positiv ankurbelte.

Ich distanziere mich völlig von einem politischen Statement. Mir geht es hierbei rein um diese liebenswerten Menschen, die wir als Team kennenlernen durften. Völlig zu Unrecht wurde ein negatives Bild in der Presse produziert und das trifft mich als Mensch, denn ich weiß, was ich selbst gesehen habe. Die Wölfe haben auf Ihrer Tour den gefallenen Menschen, Bekannten oder auch Familienmitgliedern angedacht, Blumenkränze niedergelegt sowie eine internationale Tour organisiert. Auch das zeichnet sich mit dem Bild ab, das ich habe.

Diese Menschen haben ihr Herz am richtigen Fleck und das sollte man akzeptieren und respektieren! Völlig egal was für einen Beruf jemand ausübt oder welcher Einstellung zum Leben er folgt. Diese Truppe verbindet ihre Leidenschaft und nichts anderes. Wenn das als negativ dargestellt wird, frage ich mich wann ein Anglerverein von Veganern angegangen wird.

In diesem Sinne, Vorsicht mit Vorurteilen, schaltet ab und versucht es mit einfacher zwischenmenschlicher Unterhaltung, man kann viel entdecken und erleben!

[Sandra Spehr/Restaurantleiterin Gasthaus am Krossinsee, Berlin]

Wir müssen zugeben, wir waren beeindruckt. Beeindruckt von soviel Unvoreingenommenheit gegenüber einer Motorradcrew, die per se in ganz Europa zum Staatsfeind Nummer Eins gestempelt wurde. Beeindruckt auch von der Offenheit, der breiten Öffentlichkeit ein völlig anderes Bild zu vermitteln als jenes, das sich unisono eingeprägt hat. Mag es anspornen, den „Nachtwölfen“ bei ihrer nächsten Tour quer durch Europa einen herzlicheren Empfang zu bereiten, als bisher geschehen. Verdient hätten sie es.

Ein Gästebucheintrag auf der Facebook-Seite, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen, bringt es noch einmal in aller Deutlichkeit auf den Punkt:

St. B… Wir bedanken uns im Namen der #Russischen Nachtwölfe für die Party am gestrigen Abend. Sollte es etwas lauter gewesen sein, entschuldigen wir uns auf diesem Wege. Gerne würden wir im nächsten Jahr wieder kommen.




Kommentar: Das hat gerade noch gefehlt – neue Schikanen für Schengenvisa

[Kommentar von Eugen von Arb] – Obwohl meine Frau ein langfristiges Mehrfachvisum besitzt, wird sie jedes Mal, wenn wir per Flugzeug in den Schengenraum einreisen einem regelrechten Polizeiverhör ausgesetzt: Wozu reisen sie ein? Wie lange bleiben sie hier? Wo wohnen sie? Womit bezahlen sie? Sobald ich mich als schweizer Ehemann zu erkennen gebe, bricht die Befragung augenblicklich ab.

Dabei ist meine Frau keine Ausnahme – andere russische Reisende vor oder hinter uns müssen dieselben idiotischen Fragen, die sie zuvor bereits x-Mal schriftlich und mündlich beantwortet haben, über sich ergehen lassen. Warum verstehen die misstrauischen Grenzwächter eigentlich nicht, welche Schikanen die Einreisenden bereits in Russland auf den Konsulaten und Visazentren erdulden müssen, um das Visum zu bekommen?!

Zu den endlosen Fragebögen müssen Einladungen, Krankenversicherungen, Arbeitsbescheinigungen, Einkommensnachweise, Kontoauszüge und Hotelresevierungen vorgelegt werden, nicht zu reden von den misstrauischen Blicke und Warteschlangen, die einem die Reiselust ganz schön verderben können. Es versteht sich von selbst, dass dabei jedes einzelne Schengenland sein eigenes Süppchen kocht. Immer wieder sprechen sich die neuen „Regeln“ herum, und jedes Mal versucht man herauszufinden, wer von den Ländern schneller und einfacher Visa erteilt.

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Krise? Was für eine Krise?!

[Ein Kommentar von Eugen von Arb] – In den letzten Monaten konnte die Welt zweimal beobachten, wie stark es vom Vertrauen der Bevölkerung eines Landes in seine Führung abhängt, ob ein Land im Fall einer Wirtschaftskrise einfach ins Chaos abstürzt oder nicht. Das erste Mal war im vergangenen Dezember als Ölpreis und Rubel in den Keller sausten und sich die russische Wirtschaft allen schlechten Voraussagen zum Trotz wieder fing – wenn auch auf einem tiefen Stand.

Das zweite Mal war in Griechenland, als Ende Juni alle auf den grossen Knall warteten, der jedoch ausblieb. Beide Male verhielt sich die Bevölkerung diszipliniert und verfiel – bis auf Ausnahmen – nicht der Panik und Hysterie, die man von anderen Krisenmomenten kennt. Sowohl in Russland wie auch in Griechenland ist die Bereitschaft gross, die politische Unabhängigkeit mit Abstrichen beim eigenen Wohlstand zu bezahlen

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Panzer an die Front!

Weil der Russe die NATO überfallen will und dabei vor nichts zurückschreckt, muss die NATO nun an ihrer Ostflanke massiv aufrüsten und in Litauen, Lettland, Estland, Polen, Rumänien und Bulgarien schwere Waffen stationieren.

Dabei geht es vor allem um 250 Kampfpanzer, weitere gepanzerte Fahrzeuge und ein paar Kanonen.

Hier eine Skizze für den Präventivschlag auf Moskau, vorgetragen mit insgesamt 250 Panzern aus den neuen Stationierungsgebieten:

panzer_gegen_putin

Wie Sie sehen, sehen Sie Sonderbares. Sämtliche Einheiten, die in Bulgarien, Rumänien und Polen stationiert werden sollen, haben nicht nur ziemlich weite Wege zurückzulegen, um endlich am Roten Platz anzukommen und die NATO-Flagge auf der Basilius-Kathedrale zu hissen, sie müssten auch quer durch Moldawien, durch die Ukraine oder durch Weißrussland marschieren, um ans Ziel zu kommen.

Das geht allerdings kaum, ohne zwischendurch alle 250 bis 300 km einen Tankstopp einzulegen.
Was, wenn gerade keine Tankstelle in der Nähe ist?

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Aufrüsten ist die neue Friedenssicherung

[Von Thomas Pany] – Der rhetorische Schlagabtausch zwischen Nato und Russland lässt übersehen, dass sich auch andere Staaten mit Waffen eindecken.

Vertreter der Nato und Russlands werfen sich gegenseitig vor, ein Wettrüsten zu beginnen und keiner will es?

Am Tag nach den Nachrichten von der geplanten Stationierung schweren US-Kriegsgeräts in osteuropäischen Ländern erfolgte die Reaktion. Der russische Präsident Putin verkündete im Moskauer Vorort Kubinka, wo gerade die internationalen Waffenmesse „Armee 2015“ stattfindet, dass im laufenden Jahr die nuklearen Arsenale Russlands mit mehr als 40 neuen ballistischen Interkontinentalraketen ergänzt würden.

Dem fügte er hinzu, dass die Raketen „imstande sein werden, jede  Raketenabwehr – selbst die perfekteste – zu überwinden“. Damit bezog er sich unüberhörbar auf den Raketenabwehrschild der USA und ihren Nato-Partnern in Osteuropa.

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