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Kategorie: Vatikan - russland.NEWS - russland.TV

Patriarch Kyrill und der „Heilige Krieg“ in Syrien

Anlässlich seiner viertägigen Englandreise hat der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. die Weltgemeinschaft zu einem „heiligen Krieg gegen den Terrorismus“ aufgerufen. Zum Abschluss seiner Reise sprach er vor Journalisten über die Rolle Russlands bei der Unterstützung der international isolierten Regierung Syriens.

„Wir müssen unsere Liebsten, unsere Verwandten, die Länder und Völker vor dem Terrorismus beschützen“, rechtfertigte das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt die russischen Bombardements der nordsyrischen Stadt Aleppo. Seiner Auffassung nach würden die Terroristen das „heilige Geschenk des Lebens“ angreifen und begrüßte die vom russischen Verteidigungsministerium angekündigte 48-stündige Feuerpause, um weitere humanitäre Maßnahmen zu ermöglichen, wie „Radio Vatikan“ verlauten ließ.

Zudem betonte Patriarch Kyrill I., dass er den Krieg in Syrien nie als „heilig“ bezeichnet habe. Ihm zufolge soll eine Ansprache von ihm im Mai in Moskau falsch verstanden und aufgrund dessen dementsprechend interpretiert und kommentiert worden sein.

Das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt Kyrill I. war bei seinem Besuch in London unter anderem bei der britischen Königin Elizabeth II. sowie dem Primas der anglikanischen Kirche, dem Erzbischof Justin Welby, eingeladen worden. Anlass der viertägigen Reise war das 300-jährige Bestehen der ältesten russisch-orthodoxen Pfarrei in Großbritannien.

Die anglikanische Kirche vereinigt sowohl evangelische als auch katholische Glaubenselemente. Weltweit unterstehen der Glaubensgemeinschaft rund 385 Diözesen mit etwa 80 Millionen Mitgliedern.

[mb/russland.RU]




Gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus I und Patriarch Kyrill I von Moskau und der ganzen Rus

Nachdem in der deutschen Presse nur spärlich über das wahrhaft historische Treffen von

Papst Franziskus I und Patriarch Kyrill I berichtet wird und – wenn überhaupt – aus der gemeinsamen Erklärung meist nur politisch genehme Passagen und dann auch noch gemäß der jeweiligen politischen Einstellung gefärbt, veröffentlichen wir gemäß unserer Überzeugung, immer die Urquelle zu Wort kommen zu lassen, die von Radio Vatikan herausgegebene offizielle Übersetzung der vom Vatikanischen Presseamt veröffentlichen gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus.

 

Gemeinsame Erklärung
von Papst Franziskus
und Patriarch Kyrill von Moskau und dem ganzen Rus

„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13)

  1. Durch den Willen Gottes des Vaters, von dem jede Gabe kommt, im Namen unseres Herrn Jesus Christus und mit dem Beistand des Heiligen Geistes des Trösters haben wir, Papst Franziskus und Kyrill, Patriarch von Moskau und dem ganzen Rus, uns heute in Havanna getroffen. Wir danken Gott, der in der Dreifaltigkeit verherrlicht ist, für diese Begegnung, die erste in der Geschichte.

Mit Freude sind wir als Brüder im christlichen Glauben zusammengekommen, die sich treffen, um persönlich miteinander zu sprechen (vgl. 2 Joh 12), von Herz zu Herz, und die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Kirchen, den wesentlichen Problemen unserer Gläubigen und die Aussichten zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation zu erörtern.

  1. Unser brüderliches Treffen hat auf Kuba stattgefunden, am Kreuzungspunkt von Nord und Süd sowie von Ost und West. Von dieser Insel, dem Symbol der Hoffnungen der „Neuen Welt“ und der dramatischen Ereignisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts, richten wir unser Wort an alle Völker Lateinamerikas und der anderen Kontinente.

Wir freuen uns, dass der christliche Glaube hier in dynamischer Weise im Wachsen begriffen ist. Das starke religiöse Potential Lateinamerikas, seine jahrhundertealte christliche Tradition, die in der persönlichen Erfahrung von Millionen von Menschen zum Ausdruck kommt, sind die Garantie für eine große Zukunft für diese Region.

  1. Da wir uns weit weg von den alten Auseinandersetzungen der „Alten Welt“ treffen, empfinden wir mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit zwischen Katholiken und Orthodoxen, die gerufen sind, mit Sanftmut und Respekt der Welt Rede und Antwort zu stehen über die Hoffnung, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15).
  2. Wir danken Gott für die Gaben, die wir durch das Kommen seines einzigen Sohnes in die Welt empfangen haben. Wir teilen die gemeinsame geistliche Tradition des ersten Jahrtausends der Christenheit. Die Zeugen dieser Tradition sind die Allerseligste Gottesmutter und Jungfrau Maria und die Heiligen, die wir verehren. Unter ihnen sind ungezählte Märtyrer, die ihre Treue zu Christus bezeugt haben und „Samen der Christen“ geworden sind.
  3. Trotz dieser gemeinsamen Tradition der ersten zehn Jahrhunderte sind Katholiken und Orthodoxe seit ungefähr tausend Jahren der Gemeinschaft in der Eucharistie beraubt. Wir sind getrennt durch Wunden, die durch Konflikte in ferner oder naher Vergangenheit hervorgerufen wurden, durch von den Vorfahren ererbte Gegensätze im Verständnis und in der Ausübung unseres Glaubens an Gott, einer in drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir beklagen den Verlust der Einheit als Folge der menschlichen Schwäche und der Sünde, die trotz des Hohepriesterlichen Gebets Christi, des Erlösers, eingetreten ist: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein“ (Joh 17,21).
  4. Im Bewusstsein, dass zahlreiche Hindernisse andauern, hoffen wir, dass unsere Begegnung zur Wiederherstellung dieser von Gott gewollten Einheit, für die Christus gebetet hat, beitragen kann. Möge unser Treffen die Christen in aller Welt inspirieren, Gott mit neuem Eifer um die volle Einheit aller seiner Jünger zu bitten. In einer Welt, die von uns nicht nur Worte, sondern auch konkrete Taten erwartet, möge diese Begegnung ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein!
  5. In unserer Entschlossenheit, alles, was notwendig ist, zu unternehmen, um die uns überkommenen geschichtlichen Gegensätze zu überwinden, wollen wir unsere Bemühungen vereinen, um das Evangelium Christi und das allgemeine Erbe der Kirche des ersten Jahrtausends zu bezeugen und miteinander auf die Herausforderungen der gegenwärtigen Welt zu antworten. Orthodoxe und Katholiken müssen lernen, in Bereichen, wo es möglich und notwendig ist, ein einmütiges Zeugnis für die Wahrheit zu geben. Die menschliche Zivilisation ist in eine Zeit epochalen Wandels eingetreten. Unser christliches Gewissen und unsere pastorale Verantwortung erlauben es uns nicht, angesichts der Herausforderungen, die eine gemeinsame Antwort erfordern, untätig zu bleiben.
  6. Unser Augenmerk richtet sich in erster Linie auf die Gebiete in der Welt, wo die Christen Opfer von Verfolgung sind. In vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas werden Familien, Dörfer und ganze Stände unserer Brüder und Schwestern in Christus ausgelöscht. Ihre Kirchen werden verwüstet und barbarisch ausgeplündert, ihre sakralen Gegenstände profaniert, ihre Denkmale zerstört. In Syrien, im Irak und in anderen Ländern des Nahen Ostens stellen wir mit Schmerz eine massenhafte Abwanderung der Christen fest, aus dem Gebiet, in dem sich unser Glaube einst auszubreiten begonnen hat und wo sie seit den Zeiten der Apostel zusammen mit anderen Religionsgemeinschaften gelebt haben.
  7. Bitten wir die internationale Gemeinschaft, dringend zu handeln, um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen. Wenn wir die Stimme zur Verteidigung der verfolgten Christen erheben, möchten wir zugleich unser Mitgefühl für die Leiden zum Ausdruck bringen, die die Angehörigen anderer religiöser Traditionen erfahren, welche ihrerseits Opfer von Bürgerkrieg, Chaos und terroristischer Gewalt geworden sind.
  8. In Syrien und im Irak hat die Gewalt bereits Tausende von Opfern gefordert sowie Millionen von Menschen obdachlos und ohne Mittel zurückgelassen. Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, sich zu vereinen, um der Gewalt und dem Terrorismus ein Ende zu setzen, und zugleich durch den Dialog zu einer raschen Wiederherstellung des inneren Friedens beizutragen. Es ist entscheidend, eine humanitäre Hilfe in großem Umfang für die gepeinigten Bevölkerungen und für die so vielen Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern bereit zu stellen.

Wir bitten alle, die auf das Schicksal der Entführten, unter ihnen die Metropoliten von Aleppo Pavlos und Yohanna Ibrahim, die im April 2013 verschleppt wurden, Einfluss nehmen können, alles zu unternehmen, was für ihre rasche Befreiung nötig ist.

  1. Flehen wir in unseren Gebeten zu Christus, dem Erlöser der Welt, um die Wiederherstellung des Friedens im Nahen Osten, der „das Werk der Gerechtigkeit“ (Jes 32,17) ist, auf dass sich das brüderliche Zusammenleben zwischen den verschiedenen Volksgruppen, Kirchen und Religionen dort intensiviere, auf dass die Flüchtlinge in ihre Häuser zurückkehren können, die Verletzten wieder genesen und die Seelen der unschuldig Getöteten die Ewige Ruhe finden.

Einen dringenden Appell richten wir an alle Parteien, die in die Konflikte verwickelt sein können, auf dass sie guten Willen zeigen und sich an den Verhandlungstisch setzen. Zugleich ist es nötig, dass die internationale Gemeinschaft alle möglichen Anstrengungen unternimmt, um dem Terrorismus mit Hilfe von gemeinsamen, vereinten und abgestimmten Aktionen ein Ende zu setzen. Wir rufen alle Länder auf, die in den Kampf gegen den Terrorismus involviert sind, in verantwortungsvoller und umsichtiger Weise zu handeln. Wir ermahnen alle Christen und alle Gottgläubigen, mit Inbrunst den sorgenden Schöpfer der Welt zu bitten, auf dass er seine Schöpfung vor der Vernichtung bewahre und keinen neuen Weltkrieg zulasse. Für einen dauerhaften und zuverlässigen Frieden sind besondere Bemühungen erforderlich, die darauf ausgerichtet sind, die gemeinsamen, uns verbindenden Werte wiederzuentdecken, die im Evangelium unseres Herrn Jesus Christus ihr Fundament haben.

  1. Wir verbeugen uns vor dem Martyrium derjenigen, die auf Kosten ihres eigenen Lebens die Wahrheit des Evangeliums bezeugt haben und den Tod der Verleugnung des Glaubens an Christus vorgezogen haben. Wir glauben, dass diese Märtyrer unserer Zeit, die verschiedenen Kirchen angehören, aber im gemeinsamen Leiden geeint sind, ein Unterpfand der Einheit der Christen sind. An euch, die ihr für Christus leidet, richtet sich das Wort des Apostels: „Liebe Brüder! … Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln“ (1 Petr 4,12-13).
  2. In dieser beunruhigenden Zeit ist der interreligiöse Dialog unerlässlich. Die Unterschiede im Verständnis der religiösen Wahrheiten dürfen die Menschen unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen nicht davon abhalten, in Frieden und Eintracht zu leben. Unter den aktuellen Umständen haben die Leiter der Religionsgemeinschaften die besondere Verantwortung, ihre Gläubigen in einem respektvollen Geist gegenüber den Überzeugungen derer, die anderen religiösen Traditionen angehören, zu erziehen. Absolut inakzeptabel sind die Versuche, kriminelle Handlungen mit religiösen Slogans zu rechtfertigen. Kein Verbrechen kann im Namen Gottes begangen werden, „denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“ (1 Kor 14,33).
  3. Indem wir den hohen Wert der Religionsfreiheit bekräftigen, danken wir Gott für die noch nie dagewesene Erneuerung des christlichen Glaubens, die gerade in Russland und in vielen Ländern Osteuropas geschieht, wo über Jahrzehnte hinweg atheistische Regime vorgeherrscht haben. Heute sind die Ketten des militanten Atheismus zerbrochen, und die Christen können an vielen Orten ihren Glauben frei bekennen. In einem Vierteljahrhundert sind Zehntausende von neuen Kirchen gebaut sowie Hunderte von Klöstern und theologischen Schulen eröffnet worden. Die christlichen Gemeinschaften bringen eine wichtige karitative und soziale Aktivität voran, indem sie den Bedürftigen vielfältige Unterstützung bieten. Orthodoxe und Katholiken arbeiten oft Seite an Seite. Sie bestätigen die bestehenden gemeinsamen spirituellen Fundamente des menschlichen Zusammenlebens und bezeugen die Werte des Evangeliums.
  4. Gleichzeitig sind wir über die Situation in vielen Ländern besorgt, in denen die Christen immer häufiger mit einer Einschränkung der religiösen Freiheit, des Rechts, die eigenen Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen, und der Möglichkeit, ihnen entsprechend zu leben, konfrontiert sind. Besonders stellen wir fest, dass die Transformation einiger Länder in säkularisierte Gesellschaften, die jedem Bezug zu Gott und seiner Wahrheit fernstehen, eine schwere Bedrohung für die Religionsfreiheit darstellt. Quelle zur Beunruhigung ist für uns die gegenwärtige Beschränkung der Rechte der Christen, wenn nicht gar ihre Diskriminierung, wenn gewisse politische Kräfte, die durch die Ideologie eines oft sehr aggressiven Säkularismus geleitet werden, sie an den Rand des öffentlichen Lebens zu drängen versuchen.
  5. Der Prozess der Integration Europas, der nach Jahrhunderten blutiger Konflikte begonnen wurde, ist von vielen mit Hoffnung aufgenommen worden, wie eine Garantie für Frieden und Sicherheit. Wir möchten allerdings dazu einladen, gegenüber einer Integration, die die religiöse Identität nicht achtet, wachsam zu sein. Auch wenn wir für den Beitrag anderer Religionen zu unserer Kultur offen sind, sind wir davon überzeugt, dass Europa seinen christlichen Wurzeln treu bleiben muss. Wir bitten die Christen Ost- und Westeuropas sich im gemeinsamen Zeugnis für Christus und das Evangelium zu vereinen, so dass Europa seine Seele bewahrt, die sich in zweitausend Jahren christlicher Tradition gebildet hat.
  6. Unser Blick richtet sich auf die Menschen, die sich in großer Schwierigkeit befinden, die unter Bedingungen extremer Bedürftigkeit und Armut leben, während der materielle Reichtum der Menschheit zunimmt. Wir können nicht gleichgültig gegenüber dem Los von Millionen von Migranten und Flüchtlingen sein, die an die Tür der reichen Länder klopfen. Der zügellose Konsum, wie man ihn in einigen der am meisten entwickelten Länder antrifft, beginnt allmählich die Ressourcen unseres Planeten aufzubrauchen. Die wachsende Ungleichheit in der Verteilung der irdischen Güter erhöht den Eindruck von Ungerechtigkeit im Hinblick auf das sich ausgebildete System der internationalen Beziehungen.
  7. Die christlichen Kirchen sind aufgerufen, die Erfordernisse der Gerechtigkeit, den Respekt vor den Traditionen der Völker und eine echte Solidarität mit allen Leidenden zu verteidigen. Wir Christen dürfen nicht vergessen, dass Gott das Törichte in der Welt erwählt hat, um die Weisen zuschanden zu machen. Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott (vgl. 1 Kor 1,27-29).
  8. Die Familie ist die natürliche Mitte des menschlichen Lebens und der Gesellschaft. Wir sind über die Krise der Familien in vielen Ländern besorgt. Orthodoxe und Katholiken teilen die gleiche Auffassung über die Familie. Sie sind aufgerufen zu bezeugen, dass sie ein Weg zur Heiligkeit darstellt, der in der Treue der Eheleute in ihren gegenseitigen Beziehungen, in ihrer Offenheit für den Nachwuchs und für die Erziehung der Kinder, in der Solidarität zwischen den Generationen und der Achtung der Schwächsten zum Ausdruck kommt.
  9. Die Familie gründet sich auf der Ehe, dem Akt der freien und treuen Liebe eines Mannes und einer Frau. Die Liebe besiegelt ihre Verbindung und lehrt sie, sich gegenseitig als Geschenk anzunehmen. Die Ehe ist eine Schule der Liebe und der Treue. Wir bedauern, dass andere Formen des Zusammenlebens mittlerweile auf die gleiche Stufe dieser Verbindung gestellt werden, während die durch die biblische Tradition geheiligte Auffassung der Vaterschaft und der Mutterschaft als besondere Berufung des Mannes und der Frau in der Ehe aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeschlossen wird.
  10. Wir bitten alle, das unveräußerliche Recht auf Leben zu respektieren. Millionen Kindern ist selbst die Möglichkeit versagt, zur Welt zu kommen. Das Blut der ungeborenen Kinder schreit zu Gott (vgl. Gen 4,10).

Die Entwicklung der sogenannten Euthanasie führt dazu, dass die alten Menschen und die Kranken beginnen, sich als eine übermäßige Last für ihre Familien und die Gesellschaft allgemein zu fühlen.

Wir sind auch besorgt über die Entwicklung der technischen Entwicklung der biomedizinischen Fortpflanzung, denn die Manipulierung des menschlichen Lebens ist ein Angriff auf die Grundlagen der Existenz des Menschen, der als Abbild Gottes erschaffen ist. Wir halten es für unsere Pflicht, an die Unveränderlichkeit der christlichen moralischen Grundsätze zu erinnern, die auf der Achtung der Würde des Menschen beruhen, der nach dem Plan Gottes ins Leben gerufen ist.

  1. Heute möchten wir uns im Besonderen an die jungen Christen wenden. Ihr liebe Jugendliche, habt die Aufgabe, euer Talent nicht in der Erde zu verstecken (vgl. Mt 25,25), sondern alle Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat, zu gebrauchen, um in der Welt die Wahrheiten Christi zu bekräftigen und in eurem Leben die im Evangelium verankerten Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe zu verkörpern. Habt keine Angst, gegen den Strom zu schwimmen, wenn ihr die Wahrheit Gottes verteidigt, der sich die heutigen weltlichen Normen durchaus nicht immer angleichen.
  2. Gott liebt euch und erwartet von jedem von euch, dass ihr seine Jünger und Apostel seid. Seid das Licht der Welt, damit die Menschen in eurer Umgebung eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (vgl. Mt 5,14.16). Erzieht eure Kinder im christlichen Glauben, gebt die kostbare Perle des Glaubens (vgl. Mt 13,46), die ihr von euren Eltern und euren Vorfahren empfangen habt, an sie weiter. Erinnert euch daran: „Um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden“ (1 Kor 6,20), um den Preis des Kreuzestodes des Gottmenschen Jesus Christus.
  3. Orthodoxe und Katholiken sind nicht nur durch die gemeinsame Tradition der Kirche des ersten Jahrtausends miteinander verbunden, sondern auch durch die Sendung, das Evangelium Christi in der Welt von heute zu verkünden. Diese Sendung beinhaltet die gegenseitige Achtung für die Mitglieder der christlichen Gemeinschaften und schließt jede Form von Proselytismus aus.

Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Geschwister, und von dieser Vorstellung müssen alle unsere wechselseitigen Unternehmungen wie auch die gegenüber der Außenwelt geleitet sein. Wir fordern die Katholiken und die Orthodoxen aller Länder auf zu lernen, in Frieden, in der Liebe und in „Einmütigkeit“ (Röm 15,5) zusammenzuleben. So darf man nicht zulassen, dass unlautere Mittel eingesetzt werden, um die Gläubigen zum Übertritt von einer Kirche zur anderen zu bewegen, und so ihre Religionsfreiheit und ihre Traditionen verneint werden. Wir sind berufen, nach der Regel des Apostels Paulus zu handeln: Ich habe „darauf geachtet, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo der Name Christi schon bekannt gemacht war, um nicht auf einem fremden Fundament zu bauen“ (Röm 15,20).

  1. Wir hoffen, dass unsere Begegnung auch dort zur Versöhnung beitragen möge, wo Spannungen zwischen Griechisch-Katholischen und Orthodoxen bestehen. Heute ist klar, dass die Methode des „Uniatismus“ aus der Vergangenheit, der als Vereinigung einer Gemeinschaft mit der anderen durch ihre Loslösung von ihrer Kirche verstanden wurde, nicht eine Weise ist, die es ermöglicht, die Einheit wiederherzustellen. Dennoch haben die kirchlichen Gemeinschaften, die unter diesen historischen Umständen entstanden sind, das Recht zu existieren und alles zu unternehmen, was notwendig ist, um die geistlichen Ansprüche ihrer Gläubigen zu befriedigen, bei gleichzeitigem Bemühen, mit ihren Nachbarn in Frieden zu leben. Orthodoxe und Griechisch-Katholische haben es nötig, sich miteinander zu versöhnen und Formen des Zusammenlebens zu finden, die beiderseitig annehmbar sind.
  2. Wir bedauern die Auseinandersetzung in der Ukraine, die bereits viele Opfer gefordert, unzählige Verwundungen bei den friedlichen Einwohnern verursacht und die Gesellschaft in eine schwere wirtschaftliche und humanitäre Krise geworfen hat. Wir laden alle Konfliktparteien zur Besonnenheit, zur sozialen Solidarität und zum Handeln ein, um den Frieden aufzubauen. Wir laden unsere Kirchen in der Ukraine ein zu arbeiten, um zur gesellschaftlichen Eintracht zu gelangen, sich einer Beteiligung an der Auseinandersetzung zu enthalten und nicht eine weitere Entwicklung des Konfliktes zu unterstützen.
  3. Wir hoffen, dass die Kirchenspaltung unter den orthodoxen Gläubigen in der Ukraine auf der Grundlage der bestehenden kanonischen Regelungen überwunden werden kann, dass alle orthodoxen Christen der Ukraine in Frieden und Eintracht leben und dass die katholischen Gemeinschaften des Landes auch dazu beitragen, so dass unsere christliche Brüderlichkeit immer deutlicher sichtbar wird.
  4. In der vielgestaltigen und doch durch eine gemeinsame Bestimmung vereinten Welt von heute sind Katholiken und Orthodoxe berufen, in der Verkündigung der Frohen Botschaft brüderlich zusammenzuarbeiten und gemeinsam die ethische Würde und die authentische Freiheit der Person zu bezeugen, „damit die Welt glaubt“ (Joh 17,21). Diese Welt, in der die geistigen Grundpfeiler des menschlichen Lebens in zunehmendem Maß verschwinden, erwartet von uns ein starkes christliches Zeugnis in allen Bereichen des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens. Von unserer Fähigkeit, in diesen schwierigen Zeiten gemeinsam Zeugnis zu geben für den Geist der Wahrheit, hängt zum großen Teil die Zukunft der Menschheit ab.
  5. In diesem kühnen Zeugnis für die Wahrheit Gottes und die Frohe Botschaft möge uns der Gottmensch Jesus Christus, unser Herr und Erlöser, unterstützen, der uns geistig mit seiner untrüglichen Verheißung stärkt: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ (Lk 12,32)!

Christus ist die Quelle von Freude und Hoffnung. Der Glaube an ihn verwandelt das menschliche Leben und erfüllt es mit Sinn. Davon haben sich durch die eigene Erfahrung alle überzeugen können, auf die man die Worte des Apostels Petrus beziehen kann: „Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden“ (1 Petr 2,10).

  1. Erfüllt von Dank für das Geschenk des gegenseitigen Verstehens, das während unserer Begegnung zum Ausdruck kam, schauen wir dankbar auf die Allerseligste Gottesmutter und rufen sie mit den Worten dieses alten Gebetes an: „Unter den Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter“. Möge die selige Jungfrau Maria durch ihre Fürbitte alle, die sie verehren, zur Brüderlichkeit ermutigen, damit sie zur von Gott bestimmten Zeit in Frieden und Eintracht in einem einzigen Gottesvolk vereint seien, zur Ehre der Allerheiligsten und unteilbaren Dreifaltigkeit!

Franziskus, Bischof von Rom, Papst der katholischen Kirche
Kyrill I., Patriarch von Moskau und dem ganzen Rus

  1. Februar 2016, Havanna (Kuba)

(Quelle: Radio Vatikan, 12.02.2016)




Moskauer Patriarch und römischer Papst treffen sich bei sozialistischem Castro auf Kuba

Noch nie hat es ein Treffen zwischen einem römisch-katholischen Papst und einem russisch-orthodoxen Patriarchen gegeben.

„Der Heilige Stuhl und das Patriarchat von Moskau freuen sich, mitteilen zu dürfen, dass durch die Gnade Gottes seine Heiligkeit Papst Franziskus und seine Heiligkeit Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus am 12. Februar als nächstes treffen.“ 

Nach fast 1000jährigem Schweigen hatten sich 1964 ein Papst und ein griechisch-orthodoxer Patriarch getroffen – Papst Paul VI. und Patriarch von Konstantinopel Athenagoras I. –, doch nie trafen ein römisch-katholischer Papst und ein russisch-orthodoxer Patriarch von Moskau zusammen.

Der »Patriarch von Moskau und der ganzen Rus«, wie sein offizieller Titel lautet, ist das Oberhaupt von 150 Millionen Gläubigen und der römische Papst das religiöse Oberhaupt von einer Milliarde Menschen.

Patriarch Kyrill unternimmt vom 11. bis 22. Februar eine Südamerikareise nach Paraguay, Chile, Brasilien und Kuba. Papst Franziskus fliegt am 12. Februar nach Mexiko und macht einen Zwischenstopp auf dem Flughafen in Kubas Hauptstadt Havanna. In präsidialen Räumen des Flughafens werden beide mehrere Stunden miteinander sprechen und eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen.

Aus orthodoxen Kreisen verlautete, dass die Wahl Havannas als Treffpunkt nicht nur den zeitlichen Gegebenheiten geschuldet sei, sondern dass bewusst ein Ort in Lateinamerika gewählt wurde, denn Europa sei die Heimat des Atheismus geworden. Außerdem wurde betont, dass man sich auf sozialistischem Boden treffe.

Patriarch Kyrill folgt einer Einladung des Präsidenten des Staatsrates und Präsidenten des Ministerrates Kubas Raul Castro. Sie kennen sich noch aus der Zeit, als der Patriarch Metropolit für Außenbeziehungen war.

Das Treffen zwischen den Oberhäuptern der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der schärfer werdenden internationalen Spannungen, sagte Kardinal Walter Kasper, emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

„Es ist sehr wichtig, dass dieses Treffen stattfindet, jetzt, wo es so viele Probleme in der Welt gibt. Viel wird bei der Lösung internationaler Probleme in der Zukunft von der Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen abhängen“, sagte er.

Der Kardinal meint, es sei jedoch noch zu früh, um über einen möglichen Besuch von Papst Franziskus in Russland zu sprechen. „Dies ist ein wichtiger Schritt, aber wir müssen auch einen wichtigen Weg für die Annäherung zwischen den beiden Kirchen finden“, sagte Kardinal Kasper.

Ein großer Stolperstein für Gespräche über ein engeres Zusammengehen sind die sogenannten Unierten in der Ukraine. Sie feiern die Liturgie orthodox, erkennen aber den Papst als Oberhaupt an.
Der Besuch von Johannes Paul II. in Lwiw (Lemberg) in der Westukraine 2001 schloss die Wiedergeburt dieser Kirche ab, die zu sowjetischen Zeiten nur im Untergrund existieren konnte.
Auch die Errichtung von vier katholischen Diözesen mit ausgeprägtem missionarischem Charakter in Russland 2002 wird vom Moskauer Patriarchat als Affront gewertet, denn man ist der Meinung, dass es bei Christen von Christen nichts zu missionieren geben kann.

Das Treffen zwischen dem Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill I. und dem Papst von Rom Franziskus I. in Havanna am 12. Februar wird ein historisches Ereignis werden, so Dr. Christopher Bennitto, ein Kirchenhistoriker der Kean University in New Jersey.

„Ein Treffen in 1000 Jahren, das kann man historisch nennen“, sagte er und lobte Franziskus als eine Person,  die „so mutig ist, sich von der Geschichte keine Handschellen anlegen zu lassen. Wie Johannes Paul II, hat Franziskus keine Angst hat, Geschichte zu schreiben.“

„Das Treffen auf neutralem Boden in Kuba ist eine Meisterleistung der Unterhändler“, sagte er und verglich das bevorstehende Ereignis mit dem Treffen zwischen Papst Paul VI und dem Patriarchen von Konstantinopel Athenagoras I. in Jerusalem im Jahr 1964. Nach diesem Treffen hoben die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche die gegenseitigen Bannflüche aus dem Jahr 1054 auf, die die strenge Spaltung in römisch-katholisch und griechisch-orthodox bewirkt hatten.

Es geht bei diesem Treffen nicht um die Diskussion theologischer Grundsatzfragen. „die Lage im Nahen Osten, in Nord- und Zentralafrika und in anderen Gegenden erfordert Sofortmaßnahmen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den christlichen Kirchen“ so der Vorsitzender der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats Metropolit Hilarion. „In der aktuellen tragischen Situation ist es notwendig, abseits interner Meinungsverschiedenheiten, die Bemühungen zu vereinen, die in verschiedenen Regionen auf das Grausamste bedrohte Christenheit zu retten.“

Die Kriege im Nahen Osten, die auch religiös motiviert sind und in denen zielgerichtet auch Christen verfolgt und ermordet werden, haben das Denken pragmatischer werden lassen – in Syrien und im Irak gehen die alten christlichen Gemeinden unter und im wachsenden islamischen Fundamentalismus sind die Christen in Ägypten gefährdet, ebenso in Nigeria und anderen Staaten Afrikas. Es spielt in dieser Situation keine Rolle mehr, zu welchem Zweig des Christentums man gehört.

Die Gemeinschaft der christlichen Kirchen, die Ökumene, ist für Papst Franziskus ein zentrales Anliegen. „Wir sind eins, im Geiste und auch im Blut“, lautet das Credo des argentinischen Papstes.

Nachdem die berüchtigte Trennung der Christenheit im Jahr 1054 geschehen war, hatte auch der Dialog geendet und es fanden keine Treffen und gemeinsame Konzile mehr statt. „Aber heute ist es nötig, sich zu versammeln, um Fleisch- und Kartoffelthemen zu diskutieren, so ein orthodoxer Erzpriester und Rektor der Kirche der Protecting Veil von der Gottesmutter. „Als orthodoxer Gläubiger, heiße ich keine katholische Lehre willkommen, die uns in unserer Religion stört, aber wenn Sie mich zu gemeinsamer Arbeit befragen, bin ich total von ihrer Notwendigkeit überzeugt, weil wir alle Christen sind.“

Der Dominikanerpater Dietmar, designierter Direktor des Ostkircheninstituts des Bistums Regensburg, erläutert auf katholischer Seite. „Die Situation ist nicht unähnlich der vor dem II. Vatikanischen Konzil: es gibt bei einigen Ängste vor Veränderung, es gibt bei vielen Mut, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen und es gibt bei allen das gläubige Vertrauen in das Wirken des Hl. Geistes, der Wege weist und die Kirche belebt. Das anstehende Gespräch von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill scheint in diesem Kontext wie eine Einladung an die Gläubigen beider Kirchen, daran Anteil zu nehmen.“

Ein Blick zurück

Um das Ereignis „Papst trifft Patriarchen“ verstehen und gewichten zu können, muss man einen Blick zurück in die erwähnten 1000 Jahre werfen.

Im Jahr 988 lässt Großfürst Wladimir I. sich und sein Volk nach byzantinischem Ritus taufen und heiratet die Tochter des Kaisers von Byzanz. Die „Heilige Rus“ entsteht.
Die durch ihren Großfürsten auf recht drastische Art „missionierten“ Russen gehörten dem Patriarchat von Konstantinopel an.

Damals war die christliche Welt in fünf Patriarchate aufgeteilt, die im Kern des Glaubens einig waren, aber nach verschiedenen Riten Gottesdienst feierten: das Patriarchat des Abendlandes mit Zentrum Rom, die lateinisch katholische Kirche mit dem Papst als Oberhaupt, Patriarchat von Konstantinopel, orthodoxe Kirche, Patriarchat von Alexandrien, Koptische und äthiopische Kirche, Patriarchat von Antiochien, armenische und syrische Kirche von Antiochien und das Patriarchat Jerusalem. „Ehrenvorsitzender“ aller Patriarchate war der Papst in Rom. Ihre kirchliche Rechtsprechung und Meinungsunterschiede wurden in Konzilen geklärt und beschlossen. Sie waren die eine christliche Gemeinschaft.

Darüber hinaus waren die Patriarchate – in ihrer Gesamtheit: die Kirche – auch eine weltliche Macht wie alle anderen Herrscher auch, teilweise sogar mächtiger, weil sie es verstanden, ihre Machtansprüche mit geistlichem Inhalt zu untermauern.

So kam es Anfang des 11. Jahrhunderts zu einem vordergründig theologischen Streit, bei dem es in Wirklichkeit um Macht ging: Der Papst von Rom wollte nichtmehr länger nur Primus inter pares (Erster unter Gleichen), sondern Primus sein, was dem (griechisch-)orthodoxen Patriarchen wenig gefiel.
Man war in der Wahl der Waffen nicht zimperlich und griff zur schärfsten: Man exkommunizierte sich gegenseitig, soll heißen, man warf den anderen aus der Kirche. Da sie aber beide Patriarchen, sprich Oberhäupter der Kirche waren, passierte gar nichts weiter, als dass die Beziehung schlechter wurde, weil es den anderen als gleichberechtigten Gesprächspartner ja nicht mehr gab. Das war im Jahr 1054.

Und so blieb es – die vordergründig theologischen Streitpunkte hatten ja weiter Bestand – bis zum Jahr 1965, als Papst Paul VI und der Patriarch von Konstantinopel Athenagoras I am Ende des 2. Vatikanischen Konzils die Exkommunikationen gegenseitig aufhoben und „aus dem Gedächtnis strichen.“

Aber eigentlich ist dieser Akt vollkommen überflüssig gewesen – sozusagen auf Auge. Denn es hatten sich damals nicht die Kirchen gegenseitig exkommuniziert, sondern die Oberhäupter der Kirchen als Personen und eine Exkommunikation über den Tod hinaus ist sowohl nach kirchlichem als auch juristischem Verständnis schlecht möglich.

Doch zurück in die 1000 Jahre:
Mit den theologischen Streitpunkten hätte man ja vielleicht leben können, aber es ging auch in der Folgezeit um Macht.
Zu dieser Zeit waren auch muslimische Truppen dabei, ihren Machtbereich zu vergrößern, das Patriarchat Jerusalem hatten sie schon eingenommen. Papst Urban II rief auf Bitten des Kaisers von Konstantinopel zum Kreuzzug auf, um Jerusalem zu befreien. In der Folgezeit gab es derer vier.
Beim letzten von 1202 bis 1204 sollte es eigentlich mit venezianischen Schiffen nach Ägypten gehen. Die Venezianer änderten kurz entschlossen das Ziel und zogen gegen ihren Handelsrivalen Konstantinopel. Die Kreuzfahrer eroberten die Stadt und plünderten, raubten und massakrierten drei Tage lang. Viele Gebäude wurden bis auf die Grundmauern niedergebrannt darunter die Kaiserliche Bibliothek mit ihren unersetzlichen Schätzen u. a. mit der gesamten antiken griechischen Literatur. In der Hagia Sophia setzten sie eine Prostituierte auf den Patriarchenstuhl. Konstantinopel erlitt das gleiche Schicksal wie Jerusalem im ersten Kreuzzug. Rest-Byzanz wurde zu einem Lateinischen Kaiserreich. Diese Schmach durch ihre christlichen Brüder hat die Orthodoxie nie verwunden. Die Trennung zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche war damit fast endgültig.

1453 kam das letzte Kapitel im Kampf Rom gegen Konstantinopel: Die osmanischen Türken standen vor der Tür, der Kaiser von Konstantinopel, der auf dringend benötigte Militärhilfe aus dem Westen gegen die Übermacht der osmanischen Türken hoffte, stimmte in seiner Verzweiflung sogar einer Union der griechisch-orthodoxen mit der römisch-katholischen Kirche zu. Der Patriarch von Konstantinopel musste sich dem päpstlichen Primatsanspruch unterwerfen. Doch die Militärhilfe blieb aus. Nach der Einnahme Konstantinopels durch die Türken 1453 wurde die Union auch offiziell wieder aufgehoben. In der Orthodoxie wird der Fall Konstantinopels als Strafe Gottes für den Abfall von der „Rechtgläubigkeit“ gesehen.
Das Byzantinische Reich war zu Ende, die griechische Orthodoxie ohne jegliche Machtmittel.

Wie schon erwähnt waren die Russen im Jahr 988 auf eine typisch russische Weise christianisiert worden.

1156 setzte der Großfürst von Kiew und Gründer Moskaus Jurij Dolgorukij (* 1090 † 1157) einen Griechen als Metropoliten in Kiew ein. Die griechische Orthodoxie war jetzt endgültig in der Rus etabliert. Alle Großfürsten und Zaren ab diesem Zeitpunkt werden als „rechtgläubig“ bezeichnet.

Schon bald, 1223, begann das „Dunkle Zeitalter“ in Russland. Die tatarisch-mongolischen Reiterheere stießen über die Steppen am Schwarzen Meer nach Norden vor und schlugen das Heer der Rus vernichtend, zogen sich aber wieder zurück. 1227 setzen sich die Mongolen unter Batu († 1255), dem Enkel Dschingis Khans, an der unteren Wolga fest. 1238 zogen sie nach Norden und zerstörten alle Städte u. a. Rjasan, Wladimir, Moskau (nur Nowgorod blieb verschont). 1240 wird Kiew zerstört, die Heilige Rus schein schon zu Ende zu sein. Die einzelnen Fürstentümer leben auf. Die Herrschaft der Mongolen dauerte in Russland bis 1380.

1448, fünf Jahre bevor das byzantinische Reich zu Ende war, wählte die Synode der russischen Bischöfe ohne voriges Einverständnis des Patriarchen von Konstantinopel Bischof Iona von Rjasan zum „Metropoliten von Kiew und der ganzen Rus“, was faktische die Trennung von der byzantinischen Mutterkirche bedeutete.

Jetzt nach dem Untergang von Byzanz beginnt der Aufstieg von Moskau als Beschützer der orthodox-christlichen Welt.

1510 schreibt Starez Filofej an einen hochgestellten Beamten Wassilis III.: „Denn zwei Rome sind gefallen, und das dritte steht. Ein viertes wird es aber nicht geben.“
Soll heißen, das alte Reich (West)Rom ist endgültig untergegangen (und von dem nichtlateinischen Karl dem Großen übernommen worden), Konstantinopel, das (Ost)Rom ist untergegangen, jetzt hat Moskau, die Aufgabe Rom für die Christenheit zu sein, für alle Zukunft übernommen.
Hier beginnt die Argumentation, dass Moskau der Nachfolger Konstantinopels ist, das seinerseits als Vertreter der „Rechtgläubigkeit“ das häretische Rom abgelöst hatte.

1590 bestätigt eine ökumenische Synode in Konstantinopel unter Beteiligung aller Patriarchen der Ostkirche (Rom war schon ausgeschlossen) die Errichtung eines neuen Patriarchats in Moskau und wies ihm – nach Jerusalem – den fünften Rang zu. Die Freude währte nur gute 100 Jahre, bis 1700 Patriarch Adrian I. von Moskau starb, Peter der Große den Patriarchenstuhl unbesetzt ließ und 1721 das Patriarchat abschaffte – er konnte das, denn der Hl. Synod (Gemeinschaft der Bischofe) hatte 1666/67 den Zaren als obersten Herrscher auch über die Kirche anerkannt. Peter der Große setzte als Ersatz den Heiligen Synod ein, eine beamtete Verwaltung, an dessen Spitze der Kaiser selbst stand.

Erst 1917, nach dem bolschewistischen Putsch, genannt Oktoberrevolution, wurde das Patriarchat – paradoxerweise von den Kommunisten – wieder eingeführt, hatte jedoch keine Bedeutung. Erst nach dem Ende der Sowjetunion gewann die russische Orthodoxie unerwartet große Bedeutung und das Patriarchat von Moskau und der ganzen Rus spielt heute in der Weltchristenheit eine bedeutende Rolle und sieht sich als Gralshüter christlicher Werte, die der westlichen Welt fast vollkommen abhandengekommen seien.

Der rationalen Art und Weise zu glauben in der westlichen Welt steht heute mit der russischen Orthodoxie ein emotionales Sich-in-den-Glauben-fallen-lassen, ein Urvertrauen in Gott gegenüber.

Es bleibt zu hoffen, dass mit Papst und Patriarch ein neues Kapitel gelebten Glaubens beginnt und dass sie kraft ihrer Persönlichkeit und der daraus resultierenden Macht ein Umdenken bewirken.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)




Putin trifft Papst Franziskus

Der russische Präsident Wladimir Putin werde Ende November wahrscheinlich ein Treffen mit Papst Franziskus abhalten, teilte Präsidentensprecher Dmitri Peskow mit.

Die Möglichkeit eines solchen Treffens wird im Zuge der Vorbereitung des für 25. und 26. November geplanten Besuchs Putins in Italien geprüft.

Das Treffen kann die erste Begegnung des russischen Staatschefs mit Franziskus nach seiner Wahl zum Heiligen Stuhl im März 2013 werden.
[Stimme Russlands]

[Foto/Presidência da Republica/Roberto Stuckert Filho]




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