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Kategorie: Geschichte - russland.NEWS - russland.TV

Moskau: Wohin mit Lenin? [Audio-Podcast]

Die Diskussion um Lenins einbalsamierten Leichnam auf dem Roten Platz ist genauso alt wie das neue Russland – aber dennoch immer noch aktuell und hoch umstritten.

Denn zuvor galt das dortige Lenin-Mausoleum als Heiligtum. Nun sind mehr als 15 Jahre vergangen und dennoch zeigt sich kein Trend ab, was die Mehrheit der Russen mit dem konservierten Revolutionsführer tun möchte. Und wo sollte er überhaupt hin, wenn er denn wirklich vom Roten Platz entfernt werden würde? Und was präsentiert man dort dann den Touristen? All das sind Fragen, die Euch unsere Petersburger Redakteurin Anna Smirnowa in unserem neusten Audio-Podcast beantworten kann.

Die bisherigen Folgen unseres Audio-Podcast

Foto: Bundesarchiv, Creative Commons 3.0




Chruschtschow und Kennedy während der Kubakrise: Zwei Spieler nehmen Kurs auf den Abgrund

Mit vom Wahn verzerrten Gesichtern rasen die zwei Fahrer durchgerosteter Limousinen aufeinander zu. Der Einsatz: nichts Geringeres als das eigene Leben. Der mögliche Gewinn: eine unwiderstehliche Million in lila Scheinen. Die Vorgehensweise: Den Gegner zum Ausweichen zwingen, indem man weiter auf Kurs bleibt. Das Problem: tut der andere Fahrer dasselbe, sterben beide. Also doch ausweichen und wenigstens das eigene Leben retten, während der Sieger in der anderen Schrottkarre seinen verdammten Gewinn einfährt?

Diese als Chicken Game bezeichnete Situation ist eines der bekanntesten Modelle der Spieltheorie. Das Wesen des Spiels wird dabei gut veranschaulicht: Der eigene Erfolg hängt nicht nur vom eigenen Vorgehen ab, sondern vielmehr vom Verhalten des Gegners. Dieses Verhalten ist bei nichtkooperativen Spielen für die jeweiligen Spieler nicht kalkulierbar und kann lediglich abgeschätzt werden. Die geschilderte Strategie, den Gegner zum Aufgeben zu zwingen, indem man bereit ist, bis zum Abgrund (engl. brink) zu gehen, wird als Brinkmanship bezeichnet. Entscheidend ist nun, den Punkt zu finden, bei welchem eine weitere Eskalation mit der eigenen Vernichtung verbunden wäre. Spätestens hier ist der Ausstieg angesagt, wenn man rational vorgeht. Andererseits dürften in den Sekundenbruchteilen vor der Kollision die Schreie der Wut kaum mehr über die Lippen der beiden tollwütigen Spieler kommen. Und wenn doch, dann würde diesem Geschrei spätestens durch das erheblich lautere Kreischen des aufeinanderprallenden Metalls ein jähes Ende gesetzt.

Man stelle sich nun vor, in dem beiden eingangs beschriebenen Rostlauben sitzen John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, zudem findet die Konfrontation im Oktober 1962 statt. Möglicher Gewinn ist dabei die für ihren ausgezeichneten Rum bekannte Karibikinsel Kuba – jedoch nicht, um dort eine gemütliche Rumdestille zu errichten, sondern um dort atomar bestückte Mittelstreckenraketen zu stationieren. Oder, aus Sicht von Kennedy, um diese von dort zu verbannen. Einsatz ist diesmal auch nicht nur das eigene Leben, sondern nichts weniger als der Fortbestand der gesamten Menschheit.

Nie war die Welt der nuklearen Apokalypse näher als in den 13 Tagen zwischen dem 14. und dem 28. Oktober 1962. Nachdem die Amerikaner durch Aufklärungsflüge schließlich den Beweis für sowjetische Raketen auf Kuba besaßen, informierte Kennedy am 22. Oktober die Weltöffentlichkeit über die brenzlige Situation.

Geographischer Vorteil der USA

Anfang der 60er Jahre besaßen die USA bereits atomgetriebene Unterseeboote, welche mit Interkontinentalraketen bewaffnet waren – zum Abschuss musste nicht einmal aufgetaucht werden. Die Sowjetunion dagegen verfügte lediglich über dieselgetriebene U-Boote, welche weitaus weniger schlagkräftig waren: Der Aktionsradius war durch den veralteten Antrieb arg begrenzt, zudem mussten die Boote zum Abschuss ihrer Raketen etliche Minuten lang die Meeresoberfläche durchbrechen. Weiterhin hatten die USA im Kalten Krieg den Vorteil, dass die NATO in Westeuropa und Nordamerika aufgeteilt war, der Warschauer Pakt dagegen eine geographische Einheit darstellte. Durch die Verbündeten in Westeuropa konnten die Amerikaner direkt an den Grenzen zur Sowjetunion ihre Atomwaffen stationieren – die Sowjetunion konnte dies in Bezug auf die USA nicht.

So wurden etwa im Jahr 1959 dutzende Mittelstreckenraketen in Italien und der Türkei stationiert, welche den Sowjets folglich ein Dorn im Auge waren. Durch die gescheiterte Invasion der USA in der Schweinebucht konnte mit Kuba schließlich ein Verbündeter des roten Imperiums direkt vor der Haustür des verhassten Erzfeindes gewonnen werden.

Showdown zwischen Kennedy und Chruschtschow

Chruschtschow verfolgte mit dem ab Juli 1962 stattfindenden nuklearen Aufmarsch der Roten Armee auf der Zuckerinsel zwei Ziele: Erstens die Beseitigung des oben beschriebenen strategischen Vorteils der USA, zweitens die Etablierung der Sowjetunion als den USA ebenbürtige Supermacht. Die auf Kuba stationierten Raketen konnten mit Ausnahme von Alaska und der Gegend um Seattle jeden Punkt in den Vereinigten Staaten erreichen, die Vorwarnzeit im Fall eines Abschusses betrug lediglich fünf Minuten. Für Kennedy stand von Anfang an fest, dass die Raketen weg mussten. Wenn möglich friedlich – aber sie mussten weg.

Und hier schließt sich der Kreis zur eingangs erläuterten Spieltheorie, bei welcher der Erfolg von Spieler A vom Verhalten von Spieler B abhängt: Entweder verschwinden die Raketen von Kuba, oder sie bleiben dort – beides zugleich ist nicht möglich. Modellhaft lässt sich diese Situation mittels folgender Auszahlungsmatrix erfassen:

Brinkmanship ist bei dem Spiel die strategische Drohung, bis zum Äußersten zu gehen. Damit diese Drohung wirkungsvoll ist, muss sie überzeugend sein – der Gegner muss denken, dass sie im Fall der Fälle auch umgesetzt wird. Die Option, dass beide nachgeben, stellt als gemischte Strategie einen Sonderfall dar und ist für das erläuterte Beispiel der Kubakrise nicht von Relevanz. Interessant sind die beiden Optionen, bei welchen ein Spieler aufgibt: Gibt Chruschtschow auf und zieht seine Raketen ab, so siegt Kennedy und erhält einen Gewinn von 15 Einheiten. Chruschtschow geht dabei jedoch nicht leer aus und enthält fünf Einheiten, da durch seine Aufgabe sein eigenes Lebens gesichert wird. Umgekehrt gilt dasselbe: Akzeptiert Kennedy die Raketen auf Kuba, so gewinnt Chruschtschow 15 Einheiten, Kennedy fünf. Die Zahlen der Einheiten können beliebig festgelegt werden – Hauptsache, die Abstände stimmen. Entscheidend ist nun, dass einer der Spieler nur gewinnen kann, wenn der andere aufgibt. Gibt keiner auf, so sind ab einem gewissen Punkt der weiteren Eskalation beide tot – gekennzeichnet durch die Kombination Brinkmanship/Brinkmanship.

Die Schwierigkeit besteht nun für beide Seiten darin, dass sie nicht wissen, wie weit der Gegner zu gehen bereit ist, um den jeweils anderen Spieler zum Aufgeben zu zwingen. Wäre Kennedy etwa davon ausgegangen, dass Chruschtschow Brinkmanship anwendet, so wäre ihm nur übrig geblieben, aufzugeben – schließlich kommt er dabei immer noch besser weg als bei seiner eigenen Vernichtung. Andersherum gilt erneut das Gleiche. So sind die entsprechenden Kombination 15/5 und 5/15 die beiden Nash-Gleichgewichte in diesem Spiel: Wählt eine Seite Brinkmanship, so ist die andere Seite bei rationalem Verhalten zum Aufgeben gezwungen – keine der beiden Seiten kann sich durch die Wahl einer anderen Strategie verbessern.

Chruschtschow gibt nach

Die Ereignisse im Weißen Haus in den 13 Tagen der Kubakrise (hervorragend aufgearbeitet im Spielfilm Thirteen Days) dürften die Beteiligten bis an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit und darüber hinaus geführt haben. Präsident Kennedy war vor allem seitens des Militärs von allerhand Scharfmachern wie dem berühmt-berüchtigten Luftwaffengeneral Curtis LeMay umgeben, welche Kuba am liebsten sofort angegriffen hätten. Schließlich entschied sich der Führungszirkel im Weißen Haus für eine überaus kluge Vorgehensweise: Mittels einer Seeblockade sollte herausgefunden werden, wie weit die Sowjets zu gehen bereit waren –  trafen doch auch nach der Enthüllung bezüglich der Atomraketen täglich sowjetische Frachter mit Nachschub auf Kuba ein.

Schließlich trat die Blockade durch rund 200 amerikanische Kriegsschiffe am Morgen des 24. Oktobers in Kraft. In den folgenden Stunden erreichte die 13-täge Krise ihren Höhepunkt, als mehrere sowjetische Schiffe Kurs auf die Blockade nahmen. Nun lag es zunächst an Chruschtschow, zu entscheiden, wie viel Risiko er eingehen wird. Die US Navy durfte nicht ohne den ausdrücklichen Befehl des Präsidenten losschlagen, falls die Sowjets die Blockade ignoriert hätten. Kurz vor dem Sperrgürtel drehten die sowjetischen Schiffe ab. Wie hätte Kennedy reagiert, wenn sie die Blockade durchbrochen hätten? Er hätte es sich kaum leisten können, Schwäche zu zeigen. Die daraus hervorgehenden Konsequenzen hätten sich leicht zu Ereignissen verketten können, welche in kurzer Zeit vollkommen außer Kontrolle geraten wären.

Nachdem die Gefahr einer Eskalation auf See zunächst gebannt war, intensivierten die USA ihre Vorbereitungen für einen Angriff auf Kuba – schließlich bestand nach wie vor das Problem der dort stationierten Mittelstreckenraketen. Schon in seinem Statement vom 22. Oktober hatte Kennedy klar gemacht, dass jede Aggression seitens Kubas oder der Sowjetunion gegen ein westliches Land mit einem massiven Vergeltungsschlag beantwortet wird. Kennedy setzte auf Brinkmanship – die Sowjets sollten unter keinen Umständen davon ausgehen können, mit ihrem Vorgehen durchzukommen. Durch Brinkmanship hatte nun Chruschtschow zwei Optionen: Aufgeben, womit das Risiko eines Atomkriegs gebannt gewesen wäre. Oder Festhalten am bisherigen Kurs, womit das Spiel in eine zweite Runde gegangen und die Gefahr eines Atomkriegs gestiegen wäre.

Glücklicherweise endete das Spiel nach der ersten Runde: Durch den massiven Druck der USA sah Chruschtschow, dass das Risiko einer weiteren Eskalation zu groß ist. Gleichzeitig führten Amerikaner und Sowjets geheime Verhandlungen: Abzug der Raketen, im Gegenzug keine Invasion auf Kuba. Weiterhin sicherten die Amerikaner zu, ihre Sprengköpfe in der Türkei binnen sechs Monaten zu demontieren – dies durfte jedoch nicht öffentlich werden, um einen Gesichtsverlust zu verhindern. Somit ging auch Chruschtschow bei diesem Kräftemessen alles andere als leer aus: Erstens hatte er den Amerikanern einen geopolitischen Vorteil genommen, weiterhin hatte die Sowjetunion weltweit im öffentlichen Bewusstsein stark an Bedeutung gewonnen – erkauft mit der Gefahr des Dritten Weltkriegs.

[Julian Müller/russland.NEWS]




Russland oder Ukraine – wem gehört die Rus?

[von Michael Barth] Russland soll nicht an den Feierlichkeiten der Christianisierung der Rus vor 1030 Jahren teilnehmen dürfen. Zumindest nicht, wenn es nach dem Willen Kiews ginge. Die „Taufe der Rus“ gilt im Allgemeinen als die Geburtsstunde des russländischen Staates. Nun will die ukrainische Regierung den alleinigen Anspruch auf die Rus für sich erheben. Ein Buch soll helfen, die Geschichte zu verstehen.

Wladimir dem Weisen gelang es im Jahr 988 durch die Einführung des an Byzanz angelehnten Orthodoxen Glaubens, die ostslawischen Völker zu einen. Aus mehr oder weniger losen Stammesverbänden entwickelte sich eine erste allrussische Staatsform, zu der die Kleinrussen, die Weißrussen und das heutige Russland in seinen damaligen Grenzen bis zum Khanat Kasan zählten. Die Hauptstadt dieses ersten russländischen Staatsgebildes war Kiew, bevor es im 13. Jahrhundert zweimal von der Goldenen Horde der Mongolen zerstört wurde.

Als der Metropolit den Hauptsitz der Kirche im Jahr 1299 zunächst nach Wladimir und 1326 nach Moskau verlegte war die Rus endgültig Geschichte. Nun heißt dies jedoch nicht, dass es stattdessen bereits einen ukrainischen Staat auf dem Territorium Kiews gegeben hätte. Auf der rechten Seite entlang des Laufs des Dnjepr regierte das Königreich Polen und Litauen, im Süden die Osmanen und linksufrig lebten nomadisierende Tatarenvölker. Erst ab dem späten 16. Jahrhundert begann sich eine Art eigenständige Nationalität herauszukristallisieren.

Bis dahin hatten sie alle ihre Spuren hinterlassen. Die Juden in Galizien, die polnischen Katholiken im Westen und die orthodoxen Russen im Nordosten. Die Kosaken im Südosten verteilten ihre Unterstützung, wie sie es gerade brauchten, bevor sie 1646 ihr eigenes Hetmanat ausriefen.

Der Streit unter Brüdern

Um zu verstehen, was es mit den Streitigkeiten der Ukraine und Russland heute auf sich hat, muss man zwangsläufig tief in der Geschichte wühlen. Diese akribische Arbeit hat Andreas Kappeler übernommen, ein Historiker für Osteuropäische Geschichte, der bereits im Jahr 1992 mit dem im C.H. Beck-Verlag erschienenen Buch Russland als Vielvölkerreich ein Standardwerk über die ethnischen Verhältnisse innerhalb Russlands schuf. Nun hat Kappeler ein neues Buch veröffentlicht, in dem er explizit auf die Gemeinsamkeiten, oder je nach dem auch Differenzen, Russlands und der Ukraine eingeht.

Der Titel Ungleiche Brüder – Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis in die Gegenwart, ebenfalls im C.H. Beck-Verlag erschienen, kann es treffender nicht ausdrücken, wie es um das Verhältnis beider Staaten bestellt ist. Auf 267 Seiten versucht Andreas Kappeler den Werdegang der Ukraine von einer Ethnie bis hin zu einem eigenständigen Staat nachzuzeichnen. Übersichtlich geordnet in Kapiteln, die sich auf den geschichtlichen, kulturellen und politischen Aspekt im Streben nach Unabhängigkeit beziehen. Und er zeigt, mit welchem Selbstverständnis Russland die Ukraine lange Zeit als Provinz des Reiches betrachtete.

Allerdings wird auch nicht verschwiegen, dass sich die Ukraine, oder das was man heute darunter versteht, regelmäßig an den großen Bruder wandte, wenn die territoriale Sicherheit gefährdet war. Russland indes konnte von dem, aus Polen übernommenen, Wissen der Universitäten Kiews und Charkows profitieren. Zu dieser Zeit begann das Konglomerat Ukraine, zumindest in den Städten, einen ausgeprägten Nationalstolz zu entwickeln. Für Großrussen war eine Reise in das Gebiet zwischen Don und Bug laut Kappeler jedoch vergleichbar mit einer Landpartie.

Das Gefälle zwischen Stadt und Land war überdurchschnittlich ausgeprägt und durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Böden entstand der Mythos um die „Kornkammer Ukraine“. Die Bewohner wurden von den Russen als Bauernvolk wahrgenommen, dessen „kleinrussischer Dialekt“ für sie oft nur schwer verständlich war, erklärt der Autor. Mit dem Ersten Weltkrieg begann das Ringen um die Ukraine erneut, bis sie sich abermals zwischen den Fronten wiederfand.

Ein Vierteljahrhundert Unabhängigkeit

Nach dem Krieg galt die Ukraine zwar endlich als eigenständiges politisches Subjekt, die Ukrainer jedoch waren nach 1918 das größte Volk Europas ohne einen eigenen Nationalstaat. 1922 schlossen sich die jungen sozialistischen Republiken Russlands, der Ukraine, Weißrusslands und Transkaukasiens zur Sowjetunion zusammen. Der Ukraine bot dies die Gelegenheit, sich auf ihren eigenen weitgehend souveränen Staat zu konzentrieren.

Dann brach der Zweite Weltkrieg aus, Deutschland fiel über die Ukraine her. Auch wenn die Sowjets als Sieger aus dem Gemetzel herausgehen sollten, wieder war es der „kleine Bruder“, der Grenzverschiebungen hinnehmen musste. Polen bekam einen Teil seines ehemaligen Territoriums zurück, dafür wurden Teile Bessarabiens der Ukraine zugestanden. Aus einer sowjetischen Laune heraus, kam später auch die Krim hinzu. Nun hatte die Ukraine endlich ihren eigenen Staat, den sie auch nach dem Zerfall der UdSSR 1992 für sich beanspruchen durfte. Im Frühjahr 2014 brachen dann die alten Wunden wieder auf.

Die ethnische Einheit begann erneut zu bröckeln, der Konflikt mündete in einem Bürgerkrieg. Erneut droht die Ukraine, die erstmals für ein Vierteljahrhundert wirklich unabhängig war, auseinanderzubrechen. Wie schon seit Jahrhunderten orientiert sich der Osten Richtung Russland, der Westen nach Europa. Heute jedoch ist die Ukraine zu einem großen geopolitischer Spielball geworden. Um in den Wirren nicht ganz unterzugehen, klammert sich das fragiler denn je gewordene Staatengewirr Ukraine nun an den historischen Terminus Rus. Es wirkt, als wolle die Ukraine damit ihre Daseinsberechtigung begründen.

Kritiker geben zu denken, dass die Inbesitznahme des Begriffes Rus durch Russland eine „aggressive Erinnerung an die Zeitweiligkeit des ukrainischen Staates“ und damit einen Angriff auf die Souveränität der Ukraine darstelle. Mit der Begründung, die 1030-Jahr-Feier sei eine rein interne Angelegenheit, will Kiew nun Russland explizit aus dem gemeinsamen Geschichtsbild ausklammern. Laut der Nesawissimaja Gaseta laufen die Vorbereitungen für den Feiertag „Taufe 1030“ in der Ukraine bereits auf Hochtouren. Im Vordergrund stünden, so die Zeitung, „nationale patriotische Veranstaltungen für junge Menschen“.

Somit stellen Kappelers Ungleiche Brüder ein unverzichtbares Werk für all diejenigen dar, die sich, fernab von Stereotypen, ein ideologiefreies Bild der aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Moskau und Kiew machen wollen. Faktenreich hilft dieses Buch, hinter die Kulissen der Geopolitik rund um die Ukraine zu schauen.

Über den Autor: Andreas Kappeler ist emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien. Als Mitglied der Österreichischen und Ukrainischen Akademie der Wissenschaften war der gebürtige Schweizer verantwortlicher Herausgeber der Jahrbücher für Osteuropäische Geschichte und sitzt im Herausgeber-Kollegium mehrerer internationaler Fachzeitschriften. Kappeler studierte von 1962 bis 1969 Slawistik, Geschichte, Publizistik und Osteuropäische Geschichte an den Universitäten Zürich und Wien. Der Historiker gilt als führender Ukraine-Experte im deutschsprachigen Raum.

Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder – Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis in die Gegenwart, Verlag C.H. Beck 2017, 263 Seiten, 4 Karten, ISBN: 978-3-406-71410-8




Russland: Der Junge und der Wehrmachts-Skandal [Audio-Podcast]

 

Der jüngste Skandal um die Äußerungen eines jungen Russen anlässlich deutsch-russischer Versöhnungsfeierlichkeiten im Bundestag über gefallene Wehrmachtssoldaten in Russland zeigen leider vor allem fehlendes gegenseitiges Verständnis gerade in der Presse beider Länder.

Las man darüber in der russischen Mainstream-Presse, so gab es dort heftige Schelte für einen jungen Mann namens Nikolai Dessjatnitschenko, der unter anderem Wehrmachtsangehörige in Deutschland als „unschuldig gefallene Soldaten“ bezeichnete. Hierauf reagiert dann wieder der deutsche Presseblock, der behauptete, der Junge sei kollektiv in Russland als Verräter hingestellt worden. Wie so häufig ist diese sehr unterschiedliche und in beiden Fällen einseitige Berichterstattung auch ein Ausfluss fehlenden gegenseitigen Verständnisses. Unsere Audio-Podcasterin Kristina Denisenko will das nachholen und zeigt Euch in der heutigen Podcast-Folge die Unterschiedlichkeit des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg ebenso wie Stimmen, die den sich missverständlich äußernden Jungen auch in seinem Heimatland verteidigten – und natürlich, was er wirklich genau gesagt hat.

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Krim: Eines der ältesten Weinunternehmen zum Verkauf angeboten

Das Ministerium für Eigentum und Grundbesitz der Krim hat eines der ältesten Weinunternehmen der Region, die Champagner und Wein Fabrik Nowy Swet, zum Verkauf angeboten, wie auf einer offiziellen Website für Auktionen veröffentlicht wurde.

Der Basispreis beträgt laut der Mitteilung 1,496 Milliarden Rubel (21,5 Millionen Euro). Diese Summe umfasst neun Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 93.536 Quadratmetern. Die Gesamtfläche der Gebäude auf ihnen beträgt 58 963,7 Quadratmeter.

Die Ergebnisse der Ausschreibung sollen am 20. Dezember in Simferopol vorgestellt werden. Anträge zur Teilnahme am Wettbewerb werden bis zum 13. Dezember angenommen.

Der Winzerbetrieb Nowy Swet wurde 1878 von dem Gründer des russischen Weinbaus, Prinz Lew Golitsin, gegründet. In den 1880er Jahren war er der erste Winzer, der das Recht erhielt, das Emblem des Russischen Reiches auf dem Etikett zu verwenden und 1896 wurde zu Ehren der Krönung von Kaiser Nikolaus II. ein Schaumwein mit der Krönungsmarke überreicht. Vier Jahre später, 1900, erhielt der Wein der Neuen Welt auf der Weltausstellung in Paris einen Hauptpreis.

Nach dem Referendum im März 2014 über den Verbleib des Territoriums der Krim in Russland wurde die Neue Welt, die zuvor Staatseigentum der Ukraine war, verstaatlicht.

Im März 2017 erhielt die Zeitung RBC Informationen, dass die Regierung der Krim beschlossen habe, das Unternehmen zu privatisieren. Wenn diese Idee realisiert wird, wird der Verkauf des Weinproduzenten die erste große Transaktion beim Verkauf ehemaligen Staatseigentums der Ukraine sein. Zuvor verkaufte die Regierung der Region hauptsächlich nicht vollendete Bau-Objekte und Anteile im Besitz von lokalen Firmen, deren Wert 6,3 Millionen Rubel (90,4 Tausend Euro) nicht überschritt.

Im Sommer 2017 änderte das Weingut Nowy Swet seine Eigentumsform von einem staatlichen Einheitsunternehmen in eine Aktiengesellschaft um.

[hub/russland.NEWS]




100 Jahre Oktoberrevolution – Viel Reproduktion, wenig Reflexion

[Kommentar von Eugen von Arb] Man hätte das Datum leicht übersehen können – den 7. November, den 100. Jahrestag der grossen Oktoberrevolution. Außer einigen ewiggestrigen Kommunisten feierte an diesem Tag niemand. Stattdessen herrschte schlappe Ratlosigkeit. Das war einerseits richtig – denn zu feiern gab es angesichts der heute bekannten Verbrechen des Sowjetregimes nicht viel.

Andererseits wäre es angesichts der Millionen Opfer sicher angebracht gewesen, wenn es von offizieller Seite ein Zeichen der Trauer gegeben hätte, Schließlich wird den Opfern des Weltkriegs oder der Leningrader Blockade jährlich mit mit pompösen Ansprachen, Paraden und Kranzniederlegungen gedacht. Stattdessen herrschte das große Schweigen. Es schien, dass man zu laute Worte über die Opfer vermeiden wollte, weil sich sonst womöglich die Frage nach den Tätern aufgedrängt hätte.

In dieser Haltung durchlebte Russland das ganze Jahr. Natürlich wurden viele Veranstaltungen und Ausstellungen zum Revolutionsjahr organisiert, doch meistens wurde dabei das historische Geschehen reproduziert, statt über Vergangenheit und Zukunft reflektiert. Das hätte Not getan, denn in (zu-)vieler Hinsicht gleichen sich 1917 und 2017: Wirtschaftlicher Boom und Modernisierung, politische Treibhausatmosphäre im Inland bei gleichzeitiger Brisanz im außenpolitischen Bereich.

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Deutsches Sankt Petersburg [Video]

Heute leben etwa 4.000 Deutsche in Sankt Petersburg – bis vor etwa 100 Jahren waren es mehr als zehnmal so viele.

Deutsche hatten einen großen Einfluss auf die Metropole an der Newa. Ihre große Zeit waren das 18. und 19. Jahrhundert, als viele angesehene Petersburger Bürger Teil der deutschen Minderheit waren, ob Ärzte, Bankiers oder hoch geschätzte Handwerker. Doch schon im Ersten Weltkrieg vor der Oktoberrevolution begann ein rasanter Niedergang des deutschen Sankt Petersburg, der erst im nachsowjetischen Russland wieder rückgängig gemacht wurde. Auch die Petersburger interessieren sich seitdem wieder für ihre deutsche Vergangenheit. Ein Video von unserer Petersburger Videoredakteurin Anna Smirnowa im Rahmen ihrer Reihe Petersburg.life http://www.petersburg.life – immer Mittwochs bei russland.TV




Oktoberrevolution – Fortschritt oder Katastrophe? [Audio-Podcast]

Die Meinungen zur Oktoberrevolution 1917 gehen nun, hundert Jahre danach und über 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, in Russland weit auseinander.

Unsere junge Podcasterin Kristina Denisenko hat sich mit diesem zwiespältigen Gedenken beschäftigt und auch sowohl mit zwei Altersgenossen, die sich durch ihr Studium intensiver mit der Geschichte beschäftigen, als andere, als auch mit einem Veteran der Roten Armee unterhalten. Ein ebenso authentischer wie zwiespältiger Blick auf ein Ereignis mit ebenso großer Tradition wie Schattenseiten.

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Sowjetische Postkarten zur Oktoberrevolution Teil 2

Da in Russland zur Zeit der Oktoberrevolution noch der julianische Kalender Gültigkeit hatte, verschob sich die Revolution nach der Umstellung auf die gregorianische Zeitrechnung kurzerhand vom 25. Oktober auf den 7. November. So mag es heute etwas verwirrend erscheinen, dass in Russland dem Umsturz erst am morgigen Tag gedacht wird.

Zu Sowjetzeiten galt jener Tag, aus dem sich damals mit der Erstürmung des Winterpalastes im heutigen St. Petersburg die UdSSR herausgeformt hatte als Feiertag und wurde dementsprechend zelebriert. Dass die Revolte seinerzeit weit weniger heldenhaft verlief, wie es die sowjetische Propaganda glauben machen wollte, ist heute unbestritten.

Während Sergej Eisensteins Revolutionsepos „Oktjabr“ von ausdrucksstarken Bildern vom Sturm auf die Zarenresidenz geprägt ist, gilt inzwischen unter Historikern gesichert, dass die Meute der Revolutionäre zuerst den Weinkeller des Zaren plünderte.

Welche Bedeutung die Oktoberrevolution jedoch für das Staatsgebilde der UdSSR hatte, wird an den Erinnerungen deutlich, zu denen auch die Postkarten im zweiten Teil unserer kleinen Serie zählen.

Beim Anklicken der Bilder öffnet sich eine größere Darstellung.

Zum ersten Teil der Postkarten-Serie gelangen Sie hier >>>

[mb/russland.NEWS]




Mit Panzer und „Internationaler“ durch Berlin

Da staunten die Berliner nicht schlecht. „Kommunisten“ fuhren gestern mit einem sowjetischen Panzer zu den Klängen der „Internationalen“ durch die Bundeshauptstadt. Rund dreißig Aktivisten waren bei der genehmigten Demonstration dabei. Der Auftritt sorgte für dementsprechend Furore.

„Da wird der Beginn einer Diktatur gefeiert. Mir fehlen die Worte. Diese Nostalgie ist völlig fehl am Platz“, echauffierte sich die FDP-Bezirks-Politikerin Marlene Heihsel via Twitter über den Korso, an dem neben einem Panzer, einer Kanone und einem Kriegsschiff Teilnehmer mit mehreren dekorierten Autos mitwirkten.

Im Gedenken an die Oktoberrevolution in Russland, die sich am morgigen Tag zum hundertsten Male jährt, führte der bizarre Zug durch Berlin-Friedrichshain und -Mitte. Die Wagen auf denen die Kriegsrelikte bis nach Moabit und wieder zurück gezogen wurden, stammten aus den Beständen der ehemaligen NVA und waren mit sowjetischen Fahnen und Hoheitszeichen aufgepäppelt.

Veranstaltet wurde die friedliche Demonstration, an der ursprünglich dreihundert, den Behörden angegebenen, Personen teilnehmen wollten, vom „Verein für die unliteratische Verwendung der Literatur und außergewöhnliche Brechtvorhaben“. Die Polizei hatte im übrigen keinen Grund zu Beanstandungen.

[mb/russland.NEWS]