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Kategorie: Unglücke & Katastrophen - russland.NEWS - russland.TV

IS reklamiert Anschlag mit Nagelbombe in Piter für sich

Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) hat den Anschlag vom 27. Dezember im Einkaufcenter »Halle Gigant« neben dem Supermarkt »Perekrestok« in St. Petersburg mit einer Nagelbombe für sich reklamiert.

Der Anschlag sei von einer „Gruppe“ mit Verbindungen zum IS verübt worden, heißt es in einer Erklärung, die am Freitag vom IS-Propagandaorgan Amaq verbreitet wurde.

Nach letztem Bericht wurden 18 Menschen verletzt, neun von ihnen sind in Krankenhäusern. Der Ermittlungsausschuss hat ein Strafverfahren gemäß Art. 30, Teil 2 des Strafgesetzbuches („Versuch, zwei oder mehr Personen in allgemein gefährlicher Weise zu töten“) eingeleitet.

Auf den am Donnerstag veröffentlichten Bildern einer Überwachungskamera von Perekrestok war ein Mann in einer Kapuzenjacke mit einem Rucksack zu sehen, der den Supermarkt anschließend ohne den Rucksack wieder verließ. Das Nationale Antiterror-Komitee (NAK) übernahm die Ermittlungen.

Präsident Putin hatte gleich nach der Explosion den Vorfall als Terrorakt bezeichnet und forderte einen gnadenlosen Kampf gegen Attentäter. Im Falle eines drohenden Anschlags bzw. falls Gefahr für Leib und Leben von Personen bestehen sollten, sollen die Sicherheitskräfte im Zweifel „die Banditen an Ort und Stelle liquidieren“.

Außerdem hat Putin am Freitag ein Gesetz unterzeichnet, das die Strafen für Terrorfinanzierung und die Anwerbung extremistischer Gewalttäter deutlich erhöht. Die Höchststrafe wurde von bisher zehn Jahren Gefängnis auf lebenslange Haft erhöht. Die Regelung war schon am 14. Dezember von der Duma beschlossen worden und am vergangenen Mittwoch stimmte auch der Föderationsrat zu.

[hmw/russland.NEWS]




Selbstgebauter Sprengsatz explodiert in St. Petersburger Einkaufszentrum

Bei einer Explosion in einem Supermarkt der Handelskette „Perekrestok“ in St. Petersburg sind mindestens zehn Menschen verletzt worden, teilte der Rettungsdienst am Mittwoch mit.

Die Explosion ereignete sich um sieben Uhr abends (Ortszeit) und verletzte neun Menschen. Vier wurden ins Krankenhaus eingeliefert – ernsthafte Gefahr bestehe nicht.

„Ein improvisierter Sprengkörper mit 200 Gramm TNT und Granatsplittern gefüllt wurde in einem Einkaufszentrum gezündet“, so Swetlana Petrenko, die Sprecherin des Untersuchungsausschusses.

Ein Augenzeuge berichtete, dass ein Unbekannter eine Tasche mit dem Sprengsatz „auf Kisten abgestellt hatte“. Kurze Zeit später sei diese detoniert.

Das Ermittlungskommitee untersucht nach eigenen Angaben im Moment alle Versionen des Vorfalls, Ermittlungen seien zurzeit wegen versuchten Mordes aufgenommen worden.

Ermittler, Forensiker, Sicherheitsdienste und Polizeibeamte sind am Tatort.

[hmw/russland.NEWS]




Moskau: Bus fährt in Fußgängerunterführung – 4 Tote 11 Verletzte

Am Sonntagmittag (MZ) fuhr ein Bus einer Verkehrsgesellschaft aus dem Moskauer Gebiet in eine Fußgängerunterführung zur Metrostation Slawjanskaja. Vier Menschen wurden getötet und 11 Menschen meist schwer verletzt.

Videoaufnahmen zeigen, dass der am rechten Straßenrand stehende Bus, statt geradeaus zur Bushaltestelle zu fahren oder sich nach links in den fließenden Verkehr einzuordnen, nach rechts auf den belebten Bürgersteig lenkte, ein großes Reklameschild umfuhr, anschließend nach links korrigierte und die Treppe zur Unterführung hinunterfuhr.

Die Polizei nannte kurz nach dem Unfall zwei mögliche Versionen des Unfalls: Entweder war es ein Fehler des Fahrers, oder der Bus war defekt. Ein terroristischer Grund wurde ausgeschlossen.

Der Fahrer erklärte nach seiner Verhaftung, dass der Bus sich plötzlich von selbst bewegte, er versucht habe anzuhalten, aber die Bremsen funktionierten nicht .

[hmw/russland.NEWS]

 




Erneut Anschläge in Moskau angedroht

In Moskau mussten nach einer anonymen Bombendrohung Bereiche der Innenstadt weitläufig geräumt werden. Seit dem 11. September wiederholen sich anonyme Anrufe in russischen Städten, die vor Sprengstoffanschlägen warnen. Weit mehr als 10.000 Menschen waren diesmal von den Sicherheitsmaßnahmen betroffen. 3.500 Personen wurden vorsorglich aus Gebäuden evakuiert.

Das Bolschoi-Theater, das legendäre Kaufhaus GUM, Kinos sowie mehrere Luxushotels und der Rote Platz mussten geräumt worden, nachdem erneut ein Anschlag auf gut besuchte öffentliche Plätze und Gebäude im Zentrum Moskaus angedroht wurde. 30.000 Personen wurden vorsichtshalber in Sicherheit gebracht, so die Polizei.

In den etwa dreißig betroffenen Gebäuden seien die Nachprüfungen zu den Warnungen bereits erfolgt, heißt es seitens der Behörden. Auch die zuständigen Stellen des Bolschoi-Theaters teilten mit, dass der reguläre Betrieb wieder aufgenommen worden sei. Es sei dort nichts Verdächtiges gefunden worden, gab man offiziell bekannt.

Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf Ermittler, es gäbe eine „neue Welle anonymer Telefonanrufe“ mit Warnungen vor Bomben. Erst vor kurzem ermittelte der Inlandsgeheimdienst FSB Russen im Ausland, die über ein Netz von Komplizen in Russland verfügten, als Urheber der anonymen Anrufe.

Nachdem bei einem Bombenattentat in der St. Petersburger U-Bahn im April dieses Jahres sechzehn Menschen getötet und dutzende weitere verletzt wurden, sieht man sich gezwungen, derlei Anrufe besonders ernst zu nehmen. Bisher waren 1,4 Millionen Menschen, das entspricht etwa einem Prozent der Bevölkerung, von den Sicherheitsmaßnahmen betroffen.

Der Schaden, der durch die Evakuierungen, bei denen das Geschäftsleben stillstand, bereits entstanden ist, geht in die Millionenhöhe. Es werden finanzielle Einbußen in Höhe von mehr als 300 Millionen Rubel, das entspricht fast 4,5 Millionen Euro, geschätzt. Bomben, beziehungsweise Sprengstoff, wurden bei den Einsätzen bisher noch nicht gefunden.

[mb/russland.NEWS]




Massenweise tote Robben am Baikalsee

In den vergangenen Tagen sind bereits mehr als 140 Robben tot an die Strände des Baikalsees geschwemmt worden. Die Ursache des Massensterbens ist noch unklar, Experten gehen jedoch von einer Epidemie aus. Nun soll die Nahrungskette untersucht werden.

Ein dramatisches Massensterben der auf der Welt einzigartigen Baikalrobben beschäftigt derzeit die Behörden im sibirischen Irkutsk. Obwohl noch keine eindeutigen Krankheitserreger bei den toten Tieren gefunden wurden, befürchten örtliche Biologen eine Epidemie, die den gesamten Baikalsee betreffen könnte. Bei den angeschwemmten Kadavern handele es sich um erwachsene und kräftige Exemplare teilten die Behörden mit. 80 Prozent der Tiere seien trächtige Weibchen gewesen, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Die Baikalrobbe ist die einzige unter den Robbenarten, die ausschließlich im Süßwasser lebt. Wie es ihr Name schon ahnen lässt, ist sie in der freien Natur lediglich im Baikalsee anzutreffen. Mit einer Körperlänge von höchstens eineinhalb Metern und einem Gewicht von rund achtzig Kilogramm zählt sie zu den kleineren Robbenarten. Auffällig sind die, zu ihrem plumpen Körper auffällig groß proportionierten, Augen, die es den Tieren ermöglichen, im Baikalsee in Tiefen von 50 bis 300 Metern auf Jagd nach Nahrung zu gehen.

Jäger in der Tiefe

Nachdem die Population seit Ende des 19. Jahrhunderts drastisch zurück gegangen ist, wurden die Baikalrobben unter strengen Artenschutz gestellt. Das bedeutet, dass die Art zwar nicht akut gefährdet, der Fang jedoch nur auf wenige Exemplare reglementiert ist. Der heutige Bestand wird auf rund 128.000 Tiere geschätzt.

Da der Baikalsee als größter Süßwassersee der Erde enormes touristisches Potential birgt, gelangen auch Krankheitserreger in den Lebensraum der Robben. So verendeten rund 7.500 Tiere Ende der 1980er Jahre an Staupe. Einer Krankheit, die durch Hunde übertragen wird, für die die Baikalrobbe besonders anfällig scheint. Außer verschiedenen Adlerarten, die regelmäßig die Jungtierkolonien ausdünnen, hat die Baikalrobbe keine nennenswerten Fressfeinde.

Allerdings ist sie ihrerseits als größter Prädator im Baikalsee in hohem Maße anfällig für Umweltgifte, die bereits von Fischen, der Nahrung der Robben, aufgenommen wurden. Biologen gehen deshalb von chronischen Gesundheitsschäden und Schädigungen des Immunsystems aus.

Umweltgifte in der Nahrungskette

Ob dies auch als Ursache für das neuerliche Massensterben der Baikalrobben verantwortlich gemacht werden kann, ist bislang noch ungeklärt. Eine gemeinsame Kommission, gegründet aus mehreren Behörden, soll dem Auslöser der Todesfälle auf den Grund gehen. Wie die Gebietsverwaltung mitteilte, seien bisher keine Krankheitserreger, wie zum Beispiel Viren, gefunden worden.

Laut den ersten Laboranalysen sei Herzstillstand die Todesursache der Tiere gewesen. Auffälligerweise sei zudem bei vielen der gestrandeten Tiere der Magen-Darm-Trakt leer gewesen. Sergej Grochotow vom Veterinäramt in Irkutsk mutmaßte deshalb gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, dass die Robben an Unterernährung gestorben sein könnten. Warum sie keine Nahrung aufgenommen haben, konnte er sich selbst nicht erklären. Nun sollen entnommene Wasserproben und Teile der Nahrungskette untersucht werden.

Von einer für Mensch und Tier gefährlichen Krankheit wurde zunächst nichts bekannt. Vorsichtshalber sprach die Staatsanwaltschaft jedoch eine Warnung aus. „Fell und Fleisch der toten Robben dürfen nicht für den Hausgebrauch verwendet werden“, hieß es seitens der Behörde. Wie berichtet wurde, hätten Anwohner das Fleisch bereits an Hunde verfüttert sowie Fett und Fell der Tiere nutzen wollen.

[mb/russland.NEWS]




FSB ermittelt wegen Sabotage auf der Krim

Der FSB der Republik Krim ermittelt in drei Fällen wegen Sabotage, berichtet der Pressedienst des FSB am Donnerstag.

„Die Untersuchungsabteilung des FSB hat drei Strafverfahren gemäß Artikel 281 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation (Diversion) eingeleitet“.

Wie der Präsident der Republik Krim, Sergej Aksenow, am 31. Oktober und 1. November erklärte, gab es Anschläge auf zwei Linien der Gaspipeline in der Alushta-Region und auf die Stromleitung. Die Gasversorgung ist bereits wiederhergestellt. Zwischenzeitlich waren über 8.000 Menschen ohne Gasanschluss.

[hmw/russland.NEWS]




Zwei Attentate auf Krim-Gaspipeline

Das russische Notfallministerium auf der Krim hat mitgeteilt, dass auf die Gaspipeline im Süden der Krim am Dienstag zwei Attentate verübt wurden.

Über 8.000 Menschen waren ohne Gasversorgung. Bis auf wenige Wohnungen, deren Bewohner nicht anwesend waren, ist die Gasversorgung wieder hergestellt.

Das Nationale Anti-Terror-Komitee hat berichtet, dass die Strafverfolgungsbehörden die Spur verfolgen, dass die Gaspipeline gesprengt wurde.

[hmw/russland.NEWS]




Neue Bombendrohungswelle erfasst St. Petersburg

St. Petersburg wurde in den vergangenen Tagen erneut mit anonymen Bombendrohungen überhäuft. Am 8. Oktober erhielten 22 Hotels und Einkaufszentren Anrufe unbekannter Herkunft, die vor einer Bombe warnten und waren gezwungen, Mitarbeiter und Gäste zu evakuieren und den Bombenräumdienst zu alarmieren.

Betroffen waren unter anderem die Einkaufszentren „Ochta Mall“, „Rio“, „Pik“ und „Mega Dybenko“. Allein im letzteren Fall mussten 7.500 Personen ins Freie. Insgesamt wurden an diesem Sonntag 14.000 Personen evakuiert, 166 Polizeibeamte waren bei den Durchsuchungen im Einsatz.

Am 9. Oktober waren die St. Petersburger Bahnhöfe an der Reihe. Der baltische, der finnländische und der Witebsker Bahnhof erhielten einschlägige Anrufe und lösten Bombenalarm aus. Dasselbe widerfuhr zehn Schulen und acht Verwaltungsgebäuden der Stadtregierung.

St. Petersburger Herold




Die Wahrheit braucht stets Verbündete: Zwei Jahre nach dem GAU von Tschernobyl nahm sich Chefermittler Waleri Legassow das Leben

Im Wettstreit mit dem wirtschaftlich und technologisch hoch überlegenen Westen setzte die Sowjetunion häufig auf ihre nukleare Stärke: Das Atomwaffenarsenal und die zahlreichen Kernkraftwerke wurden in der propagandistischen Darstellung sowohl im Inland als auch nach außen als Beleg für die Leistungsfähigkeit der sowjetischen Wissenschaftler und Ingenieure herangezogen. Umso schwerer wog die Havarie von Block IV des Kernkraftwerks Tschernobyl am 26. April 1986: Das Ereignis gilt als mitentscheidend für den Niedergang der Sowjetunion nach der Machtübernahme von Michail Gorbatschow ein Jahr zuvor – zudem war rote Imperium weltweit blamiert.

Selbstredend, dass das Moskauer Regime kein sonderlich großes Interesse an der Aufklärung zeigte, musste dabei doch das eigene Versagen eingeräumt werden. Zunächst schwieg Moskau bezüglich der Ereignisse in Tschernobyl, bis einige Tage später die Wahrheit nicht mehr vertuscht werden konnte: Im schwedischen AKW Forsmark wurden stark erhöhte Strahlenwerte gemessen, der eigene Reaktor war jedoch dicht. Berechnungen anhand von Windrichtungen ließen auf Tschernobyl als Quelle schließen, amerikanische Satellitenbilder brachten letztlich die Bestätigung.

Aufbau eines Atomkraftwerks

Der grundlegende Aufbau eines Atomkraftwerks ist mit dem eines Kohlekraftwerkes identisch: Mit Hilfe einer Wärmequelle wird Wasser erhitzt, der dabei entstehende Dampf dient seinerseits zum Betrieb von Turbinen, welche die Generatoren zur Stromerzeugung antreiben. In einem Atomkraftwerk wird die benötigte Wärme durch die Energie der Kernspaltung bereitgestellt. Für den Betrieb eines Atomreaktors wird ein Moderator benötigt, welcher den für die Kernspaltung benötigten Neutronenfluss aufrechterhält. Das Design des Reaktors von Tschernobyl mit der Bezeichnung RBMK-1000 weicht dabei deutlich von den in der Bundesrepublik eingesetzten Anlagen ab: Statt in einem Druckbehälter befinden sich die Brennelemente in hunderten Druckröhren, welche von Graphit umgeben sind – das Graphit dient dabei als Moderator.

Entscheidendes Merkmal dabei ist, dass ein solcher Graphitreaktor einen positiven Dampfblasenkoeffizient ausweist: Erhöht sich die Temperatur des Kühlwassers, so steigt durch die dabei entstehenden Hohlräume im Wasser die Reaktivität des Reaktors, da das Graphit die Kernspaltung weiterhin befeuert. In den in deutschen Leichtwasserreaktoren dient dagegen das Kühlwasser gleichzeitig als Moderator. Verdampft dieses wie in Tschernobyl, so kommt die Kernspaltung zum Erliegen. Ein Unfall wie in Tschernobyl wäre in westlichen Reaktoren nicht möglich – die Havarie in Fukushima war gänzlich anderer Natur. Vorteil eines Graphitreaktors ist dagegen seine einfache Bauform. Kontrolliert wird die Kernspaltung in einem Reaktor durch zahlreiche Steuerstäbe, welche in den Reaktor eingefahren werden können. Diese Stäbe bestehen aus Bor – einem Element, welches die Eigenschaft hat, Neutronen zu absorbieren und somit die Kernspaltung zum Stillstand zu bringen.

Fehler der Mannschaft und Defizite bei der Reaktorkonstruktion

Am 25. April 1986 war in Block IV ein Sicherheitstest angesetzt, welcher eigentlich schon vor der Inbetriebnahme im Jahr 1984 hätte stattfinden sollen. Dabei sollte herausgefunden werden, ob im Falle eines Ausfalls der externen Stromversorgung und der damit einhergehenden Abschaltung des Reaktors genug Strom durch die auslaufenden Turbinen zur Verfügung steht. Mit diesem Strom sollten die Kühlwasserpumpen bis zum Start der Notstromaggregate betrieben werden.

Der Testbeginn war für 13 Uhr geplant – die Reaktorleistung wurde für diese Prozedur reduziert und das Notkühlsystem abgeschaltet. Um 14 Uhr traf jedoch eine Anweisung aus Kiew ein, Tschernobyl sollte mehr Strom ins Netz einspeisen. In der Folge wurde der Test abgebrochen, die Notkühlsysteme blieben jedoch ausgeschaltet. Um 23 Uhr begann der Test erneut: Nach einem Schichtwechsel übernahm eine vollkommen neue Mannschaft den Reaktor und reduzierte seine Leistung auf 25 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass bei einer Leistungsreduktion in einem Kernreaktor Xenon entsteht, welches als Neutronengift wirkt und für einige Stunden ein Wiederanfahren verhindert.

Schon durch die Drosselung am Mittag wurde der Reaktor mit Xenon vergiftet – dabei ist unklar, ob dieser Umstand der neuen Mannschaft bewusst war: ein vergifteter Reaktor ist schwer zu kontrollieren. Um 0.28 Uhr fiel die Leistung des Reaktors aus bis heute nicht geklärten Gründen auf ein Prozent der Nennleistung. Hastig wurden Steuerstäbe ausgefahren, um die Leistung wieder zu erhöhen. Eigentlich hätte der Reaktor abgeschaltet werden müssen, da unter 20 Prozent der Nennleistung kein sicherer Betrieb möglich ist. Im Zuge der Versuche wurden mehr Steuerstäbe als zulässig aus dem Reaktorkern entfernt.

Berichten der damaligen Mannschaft zufolge wurden seitens des Schichtleiters eine Vielzahl von Vorschriften missachtet, jedoch wagte es keiner der Anwesenden, Widerstand zu leisten. Einige Sekunden nach 1.23 Uhr stieg durch das Schließen der Turbinenventile (hiermit sollte die Reaktorabschaltung im Falle eines Stromausfalls simuliert werden) die Temperatur des Kühlmittels und damit der Druck im Reaktor.

Die Leistung stieg innerhalb kürzester Zeit extrem am – 36 Sekunden nach Testbeginn ordnete der Schichtleiter die Notabschaltung an, zu diesem Zweck werden sämtliche Steuerstäbe in den Reaktor eingefahren.

Hier zeigten sich zwei massive Konstruktionsmängel: Die Einfahrgeschwindigkeit war viel zu gering, die Stäbe brauchten insgesamt 20 Sekunden bis zum Endpunkt. Noch schwerwiegender war, dass ihre Spitzen mit Graphit beschichtet waren. Dies diente dem Zweck, im Normalbetrieb durch leichtes Einfahren den Neutronenfluss zusätzlich zu befeuern – in der Unglücksnacht versetzte dies dem Reaktor jedoch den Todesstoß: Durch das Graphit wurde die Kernspaltung des ohnehin schon instabilen Reaktors weiter verstärkt. Innerhalb von Sekunden barsten die Druckröhren, das Kühlwasser verdampfte. Durch verschiedene Reaktionen entstand ein explosives Gasgemisch – zwei gewaltige Explosionen zerstörten den Reaktorkern und das Betondach, woraufhin große Mengen hochradioaktiven Materials ins Freie befördert wurden.

Legassow wird zur Schlüsselfigur

Nur wenige Stunden nach der Havarie begab sich Waleri Legassow, seines Zeichens stellvertretender Leiter des Moskauer Kurtschatow-Institus für Atomenergie, auf den Weg in die Ukraine. Kurz vor seinem Freitod fertigte er ein persönliches Vermächtnis auf Tonband an, in welchem er die aus seiner Sicht wahren Gründe für die Havarie in Tschernobyl darlegte. Legassows Erinnerungen werden in einer TV-Dokumentation des ORF wie folgt zitiert:

„Als wir in die Nähe von Pripjat kamen, fiel mir sofort der Himmel auf. Wir waren noch 8 bis 10 Km vom Reaktor entfernt. Es stand ein ungewöhnlicher scharlachroter, oder besser gesagt, purpurner Schein über dem Reaktor“.

Vor Ort wurde unter der Leitung von Legassow umgehend ein Krisenstab gebildet, besetzt mit Physikern, Ärzten, Militärs und Vertretern des KGB. Mit einem Panzerwagen fuhr der renommierte Wissenschaftler an den Reaktor heran – bewaffnet mit einem japanischen Geigerzähler, welcher bedeutend höhere Strahlenwerte als die sowjetischen Modelle erfassen konnte. Sofort war klar, dass das Ausmaß der Katastrophe viel zu groß für die Notfallpläne war. Die 50.000 Einwohner von Pripjat mussten schnellstens evakuiert werden, aber Legassow lag in dieser Frage mit anderen Mitgliedern des Krisenstabs über Kreuz. Schließlich wurde Pripjat 36 Stunden nach der Havarie geräumt. Folgende Gedanken finden sich dabei auf den Tonbändern:

„Ich wusste, dass diese Stadt für immer evakuiert werden würde.

Ich hatte aber nicht die Kraft, den Menschen dies zu sagen. Die Radioaktivität wuchs exponentiell, und die Gefahr wurde immer größer. Es war keine Zeit mehr, und die Evakuierung musste schnell von Statten gehen“

Derweil wurden am Reaktor verzweifelte Maßnahmen getroffen, um die weitere Ausbreitung der Radioaktivität einzudämmen. Mit Hubschraubern wurden Blei und Sand über dem brennenden Reaktor abgeworfen. Innerhalb von zehn Tagen wurden 4000 Einsätze geflogen, mindestens 100 Insassen der Hubschrauber erlitten dabei schwerste Strahlenschäden und starben innerhalb weniger Wochen. Unter dem Reaktor wurde ein Tunnel gegraben, um eine Betonplatte zu gießen und damit die Verseuchung des Grundwassers zu verhindern. Auf dem Dach des Reaktors sollten zunächst Roboter eingesetzt werden, um die stark strahlenden Trümmer zu beseitigen. Nachdem diese aufgrund der extremen Strahlung ihren Dienst schnell versagten, wurden Menschen eingesetzt: Unzureichend geschützt durften sich diese nur wenige Sekunden auf dem Dach aufhalten, dabei warfen sie eine Schaufel voll Schutt in das Innere des Reaktors, bekamen eine Urkunde und ein paar Rubel und wurden weggeschickt. Niemandem ist die genaue Zahl der Liquidatoren bekannt, Schätzungen gehen von bis zu 800.000 Männern aus (siehe Anmerkung). Legassow war durch seinen Beruf bestens über die Auswirkungen von Radioaktivität auf den menschlichen Körper im Bilde. Gewiss hatte er eine präzise Vorstellung über das weitere Leben der Liquidatoren, welche bei ihren Arbeiten nicht selten auf die Reste von Brennelementen stießen.

Konferenz der IAEO in Wien im Sommer 1986

Die sowjetische Führung in Moskau war durch den regelmäßigen Kontakt mit Legassow bestens über die Ereignisse in Tschernobyl informiert, die Öffentlichkeit jedoch wurde nur sehr spärlich in Kenntnis gesetzt. Schließlich präsentierte Waleri Legassow Ende August 1986 bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) einen detaillierten Bericht über die Havarie. Dabei soll er im Vorfeld von westlichen Vertretern dazu gedrängt worden sein, die Zahlen bezüglich der zu erwartenden Krebstoten nicht zu hoch anzusetzen – die Atomindustrie sollte nicht allzu sehr diskreditiert werden (siehe Anmerkung). Seitens der sowjetischen Führung wurde allein die Schicht aus der Unglücksnacht für den GAU verantwortlich gemacht, die Konstruktionsmängel wurden nicht thematisiert. Folglich verschwanden aus den Bericht sämtliche dementsprechende Passagen. In Pripjat wurden die Mitglieder der Unglücksschicht in einem Schauprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt, der Leiter der Schicht musste für zehn Jahre ins Gefängnis.

Legassow war nun mit der Situation konfrontiert, dass er die gesamte Bandbreite der Ursachen für die Havarie kannte und diese nicht benennen dufte, zudem waren seine Kollegen am Kurtschatow- Institut diejenigen, welche den mangelhaften Reaktor von Tschernobyl geplant hatten und welche nun völlig unbehelligt blieben, da aus politischen Gründen keinerlei Schwäche seitens des Regimes und seiner Unterstützer seitens der Wissenschaft eingeräumt wurde – nicht wenige hätten ihr eigenes Versagen einräumen müssen. Schuld an der Katastrophe war in Legassows Augen der Leichtsinn vieler:

„Die Verantwortlichen im Kraftwerk wurden zurecht verurteilt, gingen sie doch viel zu unbedarft mit den Gefahren der Anlage um. Und doch sollte man auch die Konstrukteure und verantwortlichen Funktionäre zur Verantwortung ziehen“.

Nach achtmonatiger Arbeit begab sich Legassow zurück nach Moskau, geplagt von körperlichen und seelischen Problemen aufgrund seiner Erlebnisse. Unter seinen Kollegen bestand keinerlei Interesse, Selbstkritik zu üben – Legassow traf auf eine Mauer des Schweigens und wurde aufgrund seines Interesses an einer restlosen Aufklärung und der damit verbundenen Konsequenzen für entsprechende Personen als Verräter gebrandmarkt. Währenddessen wurden in aller Stille an den anderen in der Sowjetunion eingesetzten Reaktoren vom gleichen Typ wie in Tschernobyl die Konstruktionsmängel beseitigt.

Wissenschaftliche Erkenntnis garantiert keinen politischen Erfolg

Am 11. Oktober 1986 wurde der Sarkophag um den havarierten Reaktor fertiggestellt, dabei wurde keinerlei Rücksicht auf die Gesundheit der Bauarbeiter genommen. Legassow, nach Aussage seines Weggefährten Yuriy Sherbak ein Mensch vor herausragender Bildung und weit überdurchschnittlichem Intellekt, war dabei bewusst, dass bei den Bauarbeiten mit Grenzwerten für einen Atomkrieg gearbeitet wurde: Diese Kriegsnormen waren für ein paar Tage vorgesehen, jedoch nicht über Monate und Jahre. All diese Erkenntnisse, welche er nicht mit der Welt teilen konnte in Verbindung mit dem Schicksal der zahlreichen Opfer, dürften für tiefe Verbitterung gesorgt haben. Legassow war als Wissenschaftler an möglichst genauer Erkenntnis orientiert. Nun traf er auf politische Erwägungen, bei welchen der Machterhalt im Mittelpunkt stand. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass fachliche Expertise in der politischen Auseinandersetzung nicht das Geringste wert sein muss und dass politisch Handelnde nicht selten vor folgender Wahl stehen: Besser Macht durch Lügen oder Wahrheit ohne Macht.

Sebastian Pflugbeil – renommierter Physiker, radikaler Atomkraftgegner und Minister in der letzten SED-geführten Regierung der DDR – kommentiert den Fall von Legassow wie folgt: „Die tragische Geschichte von Waleri Legassow, dass er ungefähr zum zweiten Geburtstag von Tschernobyl Selbstmord gemacht hat und noch ein umfangreiches politisches Testament hinterlassen hat, die nährt schon den Verdacht, dass er aus Verzweiflung den Widerspruch zwischen Realität und dem, was er erzählen musste, einfach nicht mehr ausgehalten hat. Das erscheint mir plausibel“.

Anmerkung:

Sämtlichen Zahlen in Bezug auf den GAU von Tschernobyl muss mit Skepsis begegnet werden. Die Diskussion um die Anzahl der Liquidatoren fasst die englischsprachige Internetseite The Chernobyl Gallery wie folgt zusammen: „Die Zahlen bezüglich der Liquidatoren schwanken von einigen Hunderttausend bis zu knapp einer Million. Es ist wahrscheinlich, dass mindestens 300.000 bis 350.000 Menschen direkt beteiligt waren. Ein Bericht der Nuclear Energy Agency zitiert eine Zahl von „mehr als 800.000“. Die internationale Konferenz „Ein Jahrzehnt nach Tschernobyl“ verweist auf „etwa 200.000 Liquidatoren“, die in der Zeit von 1986 bis 1987 in Tschernobyl gearbeitet haben; die Gesamtzahl aller registrierten und an Arbeiten zur Abschwächung der Katastrophenfolgen beteiligten Menschen wird dabei auf 600.000 bis 800.000 geschätzt“.

Während das Problem bei den Liquidatoren darin besteht, dass diese schlicht und einfach nicht gezählt wurden, sind Angaben bezüglich der Opferzahlen des GAUs wesentlich komplexer. Während die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) lediglich von 50 Toten und 4.000 erwarteten Todesfällen ausgeht, verweist Greenpeace auf 270.000 zusätzliche Krebserkrankungen, von denen 90.000 tödlich enden werden. Die Aussage, dass Legassow in Wien von westlichen Vertretern bedrängt wurde, stammt von Sebastian Pflugbeil. Die Wahrheit bezüglich der zu erwartenden Toten besteht vermutlich darin, dass diese niemals zu Tage gefördert werden kann, da die Wissenschaft hier bezüglich des Erkenntnisgewinns deutlich an ihre Grenzen gerät. Der Grund: Die Toten können nicht einfach gezählt werden, da bei einer Krebserkrankung nicht klar ist, ob sie durch die Strahlenexposition in Folge des GAUs verursacht wurde, oder ob die Betroffenen auch ohne den Unfall an Krebs erkrankt und gestorben wären. Es geht um das Verhältnis von zwei Variablen: Eine unabhängige Variable (Strahlenexposition), welche die Ursache darstellt. Weiterhin eine abhängige Variable (Krebstote), welche die Folge der Ursache kennzeichnet. Bei der Bestimmung der Korrelation zwischen diesen beiden Variablen sieht man sich mit einer Vielzahl von methodischen Schwierigkeiten konfrontiert. Zwei Beispiele: Wie groß ist das Gebiet, in welchem Krebserkrankungen untersucht werden? Damit verbindet sich die Frage, ab wann eine bestimmte Strahlenbelastung als schädlich für den Menschen anzusehen ist. Auch braucht man belastbare Daten aus der Vergangenheit, um ältere Zahlen von Krebstoten mit der Zahl nach dem Unfall vergleichen zu können. Ein schwerer Fehler wäre es, von den gestiegenen Zahlen innerhalb eines bestimmten Gebietes darauf zu schließen, dass der GAU für diesen Anstieg verantwortlich ist, ohne jeden Fall einzeln zu beleuchten, was mit extremen Aufwand verbunden wäre. So ist es auch möglich, dass eine Krebserkrankung durch den Lebensstil des Betroffenen verursacht wurde oder die Ursache schlicht unbekannt ist – solch ein Schluss von der allgemeinen Ebene auf die individuelle Ebene wird als induktiver Fehlschluss bezeichnet, da unlogische Aussagen über das Verhältnis der beiden Variablen getroffen werden. Zu guter Letzt ist man wieder bei dem Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik: Durch Veränderungen der Methodik lassen sich leicht vollkommen andere Ergebnisse erzielen – je nachdem, was politisch opportun ist. So gilt die IAEO als kernkraftfreundlich, während die Position von Greenpeace in dieser Frage jedem klar sein sollte. Vor diesem Hintergrund ist auch die Aussage von Sebastian Pflugbeil in Bezug auf Legassows Auftritt in Wien durchaus zu hinterfragen – was nicht bedeutet, dass sie falsch sein muss.

[Julian Müller/russland.NEWS]




Russland bietet USA Hurrikan-Hilfe an

Haiti und Kuba befinden sich immer noch im Ausnahmezustand, viele Inseln in der karibischen Region sind sogar komplett zerstört. Der verheerende Tropensturm „Irma“, der seit vergangenem Freitag über die Karibik hinweg peitschte, hat auch weite Teile im Südosten der Vereinigten Staaten verwüstet. Trotz aller politischen Unstimmigkeiten hat Russland den USA Hilfe angeboten.

Mindestens 48 Todesopfer forderte der Hurrikan „Irma“ auf seiner Spur durch die Karibik, allein im Südosten der Vereinigten Staaten von Amerika sollen es bereits fast zwanzig sein. Mit Windgeschwindigkeiten von weit über zweihundert Stundenkilometern fegte der Sturm selbst Gebäude weg wie Streichholzschachteln. Das Rentnerparadies Key West ist fast zu einem Viertel zerstört. 15 Millionen Menschen seien von der Stromversorgung abgeschnitten, heißt es, 6,5 Millionen wurden vorsorglich evakuiert.

Nun bot Russland den betroffenen Länder Hilfe an, auch den USA. „Wir haben gemäß den bilateralen Regierungsabkommen unsere praktische Hilfe angeboten“, teilte Russlands Minister für den Zivilschutz, Wladimir Putschkow, heute der Presse mit. „Momentan lösen unsere Kollegen alle Fragen, schätzen den Schaden ab und bereiten die Anforderungen vor“, sagte Putschkow. Wie er betonte gelte das Rettungspaket für alle zu Schaden gekommenen Staaten.

Zur Frage, ob sich Russland auch den Vereinigten Staaten zur Verfügung stellen werde, äußerte sich der Minister für Zivilschutz, das dies bereits geschehen sei. In rechtsverbindlicher Weise im Rahmen der bilateralen Regierungsabkommen stünden neben Frankreich und Kuba auch den USA die zugesagte Hilfe zu, so Putschkow.

[mb/russland.NEWS]