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Kategorie: Klima - russland.NEWS - russland.TV

Moskowiter Wetterkapriolen

Wenn man bedenkt, dass der legendäre „Russische Winter“ so manche historische Schlacht im Alleingang geschlagen hat, so mancher Sturm auf Moskau buchstäblich eingefroren ist, dann mag man dieser Tage schon stutzig werden. In der Hauptstadt herrschen derzeit Rekordtemperaturen – Plusgrade verqueren das Weltbild, Moskau steht quasi Kopf.

Das Ende ist nah, mutmaßt der Laie, die Wetterexperten flüchten sich in bedeutungsschwangere Erklärungsversuche. Tatsache ist jedoch, dass die am heutigen Sonntag in Moskau gemessenen 7,7 Grad über dem Gefrierpunkt alles andere als normal sind. Man hat es kommen sehen. Schon vor einer Woche kündigten Meteorologen dieses April-Wetter an.

„Eine derart hohe Temperatur für den 16. bis 17. Dezember wurde in den 138 Jahren, in denen regelmäßige meteorologische Aufzeichnungen vorgenommen werden, noch nie gemessen“, sagte Alexander Sinenkow, der Leiter des Wetterdienstes Phobos, gegenüber der Agentur Interfax.

„Um Mitternacht erwärmte sich die Luft auf Plus 6,5 Grad, um drei Uhr morgens wurden Plus 7,7 Grad gemessen, das ist der bisher höchste Wert für den 17. Dezember“, erläuterte er im Hydrometeorologischen Zentrum in Moskau. Das sei absoluter Rekord, fügt Wetterfrosch Sinenkow hinzu. Der lag bisher bei 6,1 Grad Plus, aufgezeichnet im Jahr 2006.

Dementsprechend steht es um die Prognosen für die nächsten Tage. Der restliche Sonntag werde noch bewölkt sein, bis zum Abend soll es sich dann auf Plus zwei bis vier Grad abkühlen. „Die Nacht wird ohne nennenswerten Niederschläge bewölkt sein, die Temperaturen liegen in der Stadt bei etwa 0 Grad, etwas außerhalb bei Minus zwei bis drei Grad“, prognostiziert der Leiter des Wetterdienstes.

Obwohl der Wetterdienst vergangene Woche von „Tropischen Schauern“ sprach, werden nun lediglich geringe Niederschläge von bis zu elf Millimetern auf den Quadratmeter erwartet. Sollten die Meteorologen recht behalten, wird das milde Wetter noch bis mindestens Silvester anhalten. Zum Jahreswechsel werde es demnach ebenfalls wärmer sein als normal. Selbst wenn es schneien sollte, es bleibt trüb, windig und feucht.

[mb/russland.NEWS]




„Licht-aus-für-die-Umwelt-Kampagne“ in Russland

Am 25. März findet in Russland die Licht-aus-für-die-Umwelt-Kampagne statt, erklärte der Direktor für Umweltschutz-Politik des World Wildlife Fund Russland Jewgeni Schwarz am Donnerstag.

„125 Städte in unseren grenzenlosen Heimat von Petropawlowsk-Kamtschatka bis nach Murmansk und Archangelsk“ haben im ersten Jahr teilgenommen, so Schwarz.

In der „Erdstunde“ werden in Moskau zwischen 20.30 und 21.30 Uhr am Samstag in 1.700 Häusern die Lichter ausgeschaltet – und das jedes Jahr seit 2009.
Im Jahr 2016 wurden während dieser weltweiten Energie-Einsparungsstunde durch das Lichtausschalten 241 MW Leistung eingespart.

Die „Erdstunde“ (Earth Hour) ist eine internationale Veranstaltung, zu der der World Wide Fund for Nature (WWF) Organisationen und Einzelpersonen aufruft. Nicht unbedingt notwendige Lichter sollen als ein Zeichen der Verbundenheit mit unserem Planeten und zur Erinnerung an den Klimaschutz ausgeschaltet werden. Die Beleuchtung von allen bekannten Gebäuden und Gedenkstätten weltweit werden in dieser Stunde ausgeschaltet.

Im letzten Jahr haben 2 Milliarden Menschen aus 178 Ländern in über 7.00 Städten daran teilgenommen, darunter 22 Millionen Russen.

[hmw/russland.news]




Klimawandel – welche Auswirkungen erwartet Russlands Wirtschaft? [mit Video]

Nach Meinung von „Republic“ kann die globale Klimaerwärmung sich positiv auf das Bruttoinlandsprodukt Russlands auswirken. Die Veränderungen müssten nur richtig genutzt werden.

Die meisten Gelehrten sind sich einig: Fast alle Wirtschaftsbranchen hängen von den klimatischen Bedingungen ab. Landwirtschaft, Energetik, Verkehr und Bauwesen reagieren empfindlich auf Temperaturanstieg und andere Erscheinungen, die den globalen Klimawandel begleiten. Wissenschaftler aus Stanford und von der Universität von Kalifornien, Berkeley, haben durch statistische Analysen herausgefunden, wie sich bis 2100 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Länder der Welt unter Berücksichtigung der Temperaturerhöhung ändern wird.

Auf die Weltwirtschaft könnte eine Umverteilung der Reichtümer zukommen. Das Nachsehen hätten die USA, Mittel- und Südeuropa, Lateinamerika und Afrika; Gewinner wären hingegen Kanada, Nordeuropa und Russland. So würde die globale Erwärmung dem russischen BIP pro Person ein Wachstum von 419 Prozent bescheren, den USA dagegen einen Rückgang von 36 Prozent. Kann Russland diese Situation nutzen?

Zwischen zwei und fünf

Die globale Klimaveränderung verspürt die Menschheit bereits heute. 2016 war das wärmste Jahr auf dem Planeten in der gesamten Geschichte der Wetterbeobachtung. Die mittlere Temperatur war fast um ein Grad höher als in der Mitte des 20. Jahrhunderts. In Russland war der Winter 2015/2016 rekordwarm, und in diesem Jahr wurde im europäischen Teil des Landes ein anomal warmer März fixiert.

In der Regel bringen Wissenschaftler diese Veränderungen mit der Tätigkeit des Menschen in Zusammenhang. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen als Energiequelle führt zu einer erhöhten Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. 2015 brach die Konzentration von Kohlendioxid alle Rekorde – 400 Milliliter auf einen Kubikmeter statt 350, die als Norm gelten. Die Treibhausgase hüllen die Erde ein und hindern die Sonnerwärme daran, sich zu zerstreuen. Je mehr Treibhausgase es gibt, desto stärker heizt sich die Atmosphäre auf.

Wie stark sich das Klima ändern wird, ist noch unklar. Es gibt fünf Hauptszenarien, erklärt der Alexander Kislow, Leiter des Lehrstuhls für Meteorologie und Klimakunde an der Geographie-Fakultät der Moskauer Universität. Doch selbst die konservativsten unter ihnen sehen eine Temperaturerhöhung von 1,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts vor, während die radikalsten von fünf bis sechs Grad ausgehen. Im Pariser Abkommen von 2015, das fast alle Länder der Erde unterschrieben haben (Russland ebenfalls, aber bisher ohne Ratifizierung), ist die Rede davon, dass die Unterzeichneten alle Anstrengungen unternehmen werden, um den Anstieg der mittleren Temperatur auf zwei Grad bis 2100 einzuschränken. Aber diese Pläne sind bisher nicht umzusetzen, meint Kislow: „Dafür müssen unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden. Zum Beispiel müssten alle zusammen zu alternativen Energiequellen übergehen. Dazu ist aber keiner bereit.“ Der Wissenschaftler hält das Szenario mit einem Temperaturanstieg um vier Grad am realistischsten.

Die Folgen der Klimaveränderung haben für Russland positive und negative Folgen zugleich. Die südlichen Regionen – das Schwarzerde-Gebiet, Kuban, der Nordkaukasus – bekommen es mit Dürreperioden zu tun, dort könnte es zu Wassermangel kommen. Die Nordregionen müssen sich auf das Auftauen des Permafrostbodens gefasst machen – das kann zum Einsturz von Häusern und anderen Bauten führen und Pipelines gefährden. Der Zerstörungsprozess hat schon eingesetzt – aktuell kommt es im Norden zu mehreren Häusereinstürzen im Jahr. Dieser Effekt wird im Laufe der kommenden Jahrzehnte zunehmen, sagt Igor Makarow, Dozent an der Fakultät für Weltwirtschaft und -politik der Wirtschaftshochschule.

Moskau wird sich an heiße Sommer gewöhnen müssen, meint Wladimir Klimenko, Leiter des Labors für globale Energieprobleme am Moskauer Wirtschaftsinstitut: Bis 2050 werde sich die Zahl der Tage mit Temperaturen von über 30 Grad um das Dreifache erhöhen. Heute sind es nur sechs bis acht Tage im Jahr. So wird sich Moskau den Klimabedingungen von Wolgograd oder Belgorod annähern. Damit hört die Ähnlichkeit aber auch schon wieder auf: Kislow ergänzt, dass die Klimaveränderung unweigerlich zur Erhöhung der Niederschläge führen wird. Gewitter und Regengüsse werden es erlauben, Moskau mit den Schwarzmeerregionen zu vergleichen.

Der kurze Weg nach China

Einer der größten Vorteile der globalen Erwärmung für Russland ist die wachsende Bedeutung der Nordmeer-Route. Geografisch ist dies der kürzeste Weg zwischen dem europäischen Teil des Landes und dem Fernen Osten. In Perspektive könnte die Nordost-Passage eine Alternative zum Suez-Kanal und der Landroute zwischen Europa und Südostasien werden, meint Jewgeni Plissezki, stellvertretender Direktor des Instituts für Regionalstudien und Stadtplanung an der Wirtschaftshochschule. Von Murmansk kommt man über die Nordmeer-Route innerhalb von 21 Tagen ins chinesische Ningbo – durch den Suez-Kanal sind es 36 Tage. Im Durchschnitt wird der Weg von Europa nach China oder Japan um 20 bis 40 Prozent kürzer. Dabei wurden 2016 über die Nordmeer-Route nur sechs Millionen Tonnen Waren befördert, durch den Suez-Kanal sind es jährlich 900 Millionen.

Es gibt zwei Probleme: die schwierigen Wetterbedingungen und die mangelnde Infrastruktur. Heute wird die Nordost-Passage von Dezember bis Juni nicht genutzt, weil das Eis dies nicht zulässt. Aber das wird sich ändern: 2010 wurde erstmals eine Exportfahrt von Murmansk nach Schanghai unternommen, für die kein Eisbrecher nötig war. Sergej Donskoi, Minister für Naturressourcen, nimmt an, dass bis 2050 das Eis in den Meeren der Arktis im Sommer völlig verschwinden wird. Sergej Frank, Leiter der Schifffahrtsgesellschaft Sowkomflot, einer der größten in Russland, erklärte 2016 beim Petersburger Weltwirtschaftsforum, dass die Transportmöglichkeiten auf dieser Route Tag für Tag wachsen. Er sagte voraus, dass 2017 alle historischen Rekorde des Güterverkehrs auf diesem Weg gebrochen werden; bis 2020 würde der Transport verdreifacht. Nornikel, einer der größten potentiellen Nutzer der Nordmeer-Route, sagte gegenüber „Republic“, das Unternehmen plane für 2017 ein Wachstum des Güterverkehrs um elf Prozent im Vergleich zu 2015 (jährlich transportiert die Firma etwa 1,2 Millionen Tonnen).

Solch eine Zunahme an Transporten erfordert Großinvestitionen in die Infrastruktur. Die Ausgaben allein für die wichtigsten Projekte im Rahmen des entsprechenden Staatsprogramms werden auf 114,5 Milliarden Rubel geschätzt. Der Plan sieht vor, dass die Hälfte dieser Summe von ausländischen Investoren angelegt wird. Im Auftrag des Ministeriums für die Entwicklung des Ostens durchgeführte gemeinsame Untersuchungen des Analytischen Zentrums der russischen Regierung und von McKinsey zeigen, dass die Einrichtung einer Container-Zubringerlinie zwischen den beiden Umschlagshäfen Petropawlowsk-Kamtschatski und Murmansk am effektivsten wäre.

Auch China ist bereit, in die Nordmeer-Route zu investieren. Seit 2013 ist dieses Land ständiges beobachtendes Mitglied im Arktischen Rat. Peking hat die Absicht erklärt, sich eine Eisbrecherflotte zuzulegen. 2015 gab das chinesische Unternehmen COSCO, einer der größten Akteure auf dem Gebiet der Seetransporte, seine Pläne bekannt, reguläre Routen über die Nordost-Passage einzurichten.

Aber der größte Teil der Pläne ist bisher nicht umgesetzt worden. „Die Infrastruktur ist veraltet, sie wird sehr langsam erneuert oder erst geschaffen. Es muss so viel getan werden, dass schnelle Dividenden völlig unrealistisch sind“, fährt Plissezki fort. Ein Problem bleibt auch weiterhin, dass die Geschäftswelt nicht glaubt, dass sich die globalen Klimaveränderungen auf die Arktis auswirken könnten. Sergej Balmassow, Leiter des russisch-norwegischen Projekts Northern Sea Route, erklärte gegenüber „Republic“, die Zunahme der Gütertransporte auf der Nordmeer-Route gehe auf die steigenden Verlademengen an den Öl- und Gasvorkommen zurück. Der Prozess der Eisschmelze sei zyklisch: Rekordhohe Abtauflächen wechselten mit Kälteeinbrüchen, sodass die Akteure am Markt nicht das Gefühl bekämen, es sei notwendig, sich auf eine Erwärmung einzustellen. „Die Geschäftswelt bereitet sich auf schwere Navigationsperioden vor. Die Schiffe werden mit hoher Eisklasse gebaut, es läuft der Bau von Eisbrechern. Wäre es offensichtlich, dass das Eis auftaut, würde die Planung der Arbeit ganz anders aussehen“, meint Balmassow.

Vor wenigen Tagen hat das Wirtschaftsministerium der Regierung ein Projekt zur Entwicklung der Arktis bis 2025 vorgelegt. Dort wird die Schaffung von Stützzonen mit entwickelter Infrastruktur vorgeschlagen, die unter anderem helfen würden, die Nordmeer-Route zu entwickeln. Das Projekt beläuft sich auf 210 Milliarden Rubel.

Mehr Weizen

Der Klimawandel wirkt sich auch auf den Umfang der Wasserressourcen aus. Viele Länder werden mit Wassermangel konfrontiert werden, aber hier ist Russland eine Ausnahme. Seit Beginn der Erwärmung in den 1970er Jahren nehmen die Wasserreserven im Lande stetig zu. „Nach unseren Prognosen wird mit den Wasserressourcen im Land alles gut sein, vor allem wegen des Wassers in Sibirien. Uns droht kein Wasserhunger“, sagt Wladimir Georgijewski, Direktor des Staatlichen hydrologischen Instituts. Von einer günstigen Situation kann man natürlich nur im Landesdurchschnitt sprechen, einige Regionen werden ein Defizit verspüren: Zum Beispiel wird am Don bereits heute empfohlen, keine Produktionen aufzubauen, die viel Wasser erfordern. Aber in den meisten Regionen wird es keine Probleme dieser Art geben.

Besonders günstige Bedingungen schafft dies für die Landwirtschaft. Die Erwärmung erweitert die Zonen, in denen Ackerbau betrieben werden kann. Die Bauern verspüren bereits seit 20 Jahren den positiven Einfluss der globalen Klimaveränderungen, sagt Andrej Sisow, Geschäftsleiter des Analysezentrums SowEkon. Die milderen Winter und – als Folge – weniger erfrorene Wintersaat führen zu höheren Ernteerträgen.

„In den 1990er Jahren überstieg die Anbaufläche von Sommerweizen die von Winterweizen um 75 Prozent“, so Sisow. „2016 war die Anbaufläche von Winterweizen erstmals größer als die von Sommerweizen. Bisher unbedeutend, aber der Trend ist da.“ Der Anbau von Winterweizen sei sehr viel günstiger, im Schnitt ergebe er drei, vier Tonnen Ertrag, Sommerweizen nur halb so viel. Im Ganzen sei in den letzten Jahrzehnten der Anbau von wärmebedürftigen Kulturen wie zum Beispiel Mais bedeutend gestiegen, sagt Sisow.

Die Wissenschaftler merken aber an, dass die weitere Anpassung an die neuen Bedingungen nicht ganz so einfach sein wird. Es wird eine grundlegende Transformation der gesamten Landwirtschaft vonnöten sein, die die Bauern nicht ohne zentralisierte Unterstützung durch den Staat durchführen können, zeigt sich Igor Markow von der Wirtschaftshochschule überzeugt. Es werden Untersuchungen benötigt, die helfen zu verstehen, welche Kulturen für die russischen Regionen geeignet sind und wie sie gepflegt werden müssen. Aber bisher gibt es kein einziges staatliches Programm für solche Untersuchungen. Der Kampf gegen Schädlinge erfordert eigenständige Arbeiten. Mit der Klimaveränderung ist die Migration der Fauna zu erwarten, was dazu führen kann, dass Insekten und Nager auftauchen, die es in den betreffenden Regionen bisher nicht gab.

Der wachsende Wert von Wasserreserven könnte sich auch auf die Migration von Menschen auswirken. Wie Wladimir Georgijewski anmerkt, könnte der Wassermangel in Mittelasien eine sehr angespannte Lage hervorrufen: „Der Aralsee ist bereits ausgetrocknet, die Menschen können dort keine Landwirtschaft betreiben. Natürlich werden sie umziehen.“ Markow nimmt an, dass es unter den Einwanderern nach Russland bereits Menschen gibt, die mit Wassermangel konfrontiert waren. Bisher wurde das jedoch nicht erforscht.

Olga Gulina, Direktorin des Instituts für Migrationspolitik, ist der Ansicht, dies sei trotzdem eine ferne Perspektive. Außerdem wäre es zur Umsetzung eines solchen Szenarios notwendig, dass Russland nicht nur durch seine Wasserreserven Attraktivität ausübe, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Andernfalls könnten sich Einwanderer anderen Ländern zuwenden. Für Russland wäre der Zustrom von Migranten allerdings von Vorteil. Bereits 2030 würde auf zwei Erwerbstätige ein Rentner kommen – eine kritische Zahl. Es würden neue Arbeitskräfte gebraucht, so Gulina.

Ein Leben an der Sonne

„Es ist schwer, eine Branche zu finden, die nicht vom Klima abhängt. Im Laufe unserer Untersuchungen überzeugen wir uns ständig von Neuem davon“, sagt Wladimir Katzow, Direktor des Geophysischen Wojejkow-Hauptobservatoriums. Seit 2016 arbeitet das Observatorium an der Bewertung des Einflusses des Klimas auf verschiedene Sektoren der russischen Wirtschaft bis Ende des 21. Jahrhunderts; finanziert werden die Forschungen von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Dafür werden eigene Entwicklungen genutzt, nämlich ein physikalisch-mathematisches Modell des Regionalklimas. Damit werden massenhafte Gesamtberechnungen durchgeführt, mit deren Hilfe ein Szenario auf verschiedene Weisen durchgespielt wird. Die ersten Ergebnisse werden 2018 erwartet.

Laut Katzow sind solche genauen Untersuchungen zu verschiedenen Sektoren nach wie vor eine Seltenheit – trotz des offensichtlichen Einflusses der Klimaveränderungen auf die Wirtschaft. Dies kann große Probleme bei der Anpassung der Wirtschaft hervorrufen. Als Beispiel dient ihm der Verkehr. Im Zusammenhang mit der Erwärmung kann Glatteis zu einem Problem werden – es bildet sich dort, wo es früher nicht war. Auf den Verkehr wirkt sich auch das Auftauen des Permafrostbodens aus, was zu Bodeneinbrüchen führt. Neue Risiken tauchen im Forstwesen auf – schon jetzt sei es an der Zeit, sich einen Schutz vor neuen Arten von Schädlingen auszudenken.

Auch das Leben des Menschen selbst könnte sich wesentlich verändern; er sollte sich nicht nur auf höhere Temperaturen einstellen, sondern auch auf sich häufende Naturkatastrophen. Möglich ist die Verbreitung neuer Krankheiten. So könnte die Ruhr zum Beispiel in Regionen zum Normalfall werden, wo sie früher als exotische Krankheit galt. Ein weiteres Risiko ist der Rückgang der Arbeitseffektivität. Sollte sich die Moskauer Sommerhitze von 2010 jedes Jahr wiederholen (solch ein Risiko besteht), wird die Arbeit im Sommer unerträglich.

Dabei ist Katzow der Ansicht, dass die Anpassung an die Klimaveränderungen auf Alltagsebene schon begonnen hat. So steigen die Verkäufe von Klimaanlagen in Russland stetig. Jetzt fehlen noch die Anpassungsmaßnahmen auf staatlichem Niveau. Von ihnen wird auch die wirtschaftliche Lage des Landes am Ende des Jahrhunderts abhängen. Die Besonderheit der globalen Klimaveränderungen liege darin, dass die Welt mit ihren negativen Folgen konfrontiert werden wird, unabhängig davon, ob sie dazu bereit ist. Damit auch positive Folgen eintreten, bräuchte es schon heute gewaltige Investitionen, schließt Igor Makarow von der Wirtschaftshochschule.




Polarstation von Eisbären belagert

Nachdem der Sommer nun, wenngleich auch mit solider Verspätung, doch noch seinen Weg ins westliche Mitteleuropa gefunden hat, laben wir uns natürlich an einer Meldung wie dieser wie an einem Eis am Stiel. Des einen Freud, des anderen Leid.

Auf der arktischen Forschungsstation „Iswetij ZIK“ auf der Insel Trojnoj im Süden der Karasee, ist im Moment nichts mehr wie es sein sollte. Bereits 1953 errichtete Russland diese Polarstation auf dem Eiland, rund 150 km nördlich der Küste Sibiriens, um Daten über die Arktis zu erlangen. Die Inseln der Karasee sind Teil des Komplexes „Arctic State Nature Reserve“, einem großen Naturreservat rund um den Nordpol.

Ist die Arbeit der Wissenschaftler in diesen Gefilden bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von -12,2 Grad Celsius an sich schon kein Zuckerschlecken, müssen sich die Bewohner der Station seit geraumer Zeit mit noch ganz anderen Launen der Natur herumplagen. Vor etwa zwei Wochen begannen sich Eisbären für die menschliche Behausung zu interessieren und machen seitdem die Arbeit auf „Iswetij ZIK“ nahezu unmöglich. Anscheinend haben die Tiere auch nicht groß vor, mit den Menschen zu kooperieren.

Auf den Geschmack gekommen

Anfangs schlichen sie ja nur um die Anlage herum, drei ausgewachsene Tiere mit ihrem Nachwuchs, und inspizierten ihr mögliches neues Schlaraffenland. Dann jedoch haben sie ernst gemacht und fielen über das Lebensmittellager der Menschen her. Der Jahresvorrat an Lebensmitteln sei akut gefährdet, hieß es aus den Reihen der Forscher. Vertreiben ließen sich die Bären auch nicht, die Schreckschuss-Munition, die die Tiere vertreiben hätte sollen, ist sowieso schon längst aufgebraucht und einer der beiden Hunde aufgefressen worden.

Mittlerweile hätten sich die fünf Wissenschaftler, darunter zwei Ehepaare, bereits in das Überwinterungs-Segment der Station geflüchtet und dessen Fenster mit Brettern vernagelt. Messgeräte ließt hier schon lange niemand mehr ab. Denn inzwischen lagern die Eisbären bereits an den möglichen Zugängen in die Behausung. „Ich benutze den Traktor, um die Bären wegzujagen“, funkte Wadim Plotnikow, der Chef der Station, an die russischen Medien. Weiter wie 200 Meter lassen sich die Tiere aber eh nicht zurückdrängen, dann kommen sie einfach wieder. Das Spiel beginnt von neuem.

Sicherlich, Vorfälle mit den heimischen Eisbären hätte es immer wieder einmal gegeben, so ein Sprecher der Behörde „Sevgidromet“, die die Station betreibt, aber nie in diesem Ausmaß. Normalerweise leben hier auf der kleinen Insel während der eisfreien Zeit meist drei bis vier Eisbären, erklären die Meteorologen der Messstation. Diesen Polarsommer jedoch seien es mindestens zehn ausgewachsene Exemplare und mehrere Jungtiere, die Trojnoj besiedeln. Es steht somit zu befürchten, dass sich noch weitere der rund 500 Kilogramm schweren und bis zu drei Meter großen Raubtiere zu dem Stelldichein hinzugesellen werden.

Ausharren bis das Packeis kommt

Bis Ende Oktober, beziehungsweise Anfang November werde sich an der fatalen Situation für die Besatzung von „Iswetij ZIK“, die nun selbst besetzt wurde, auch nichts ändern. Erst dann wird die Arktische See um die Insel herum soweit zugefroren sein, dass sich die Eisbären wieder auf die Jagd nach Robben begeben können. Bis dahin bleibt ihnen nur der Mensch als Nahrungslieferant. Aufgrund der Erderwärmung werden die Eisflächen rund um den Nordpol ohnehin immer kleiner und der Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Tiere schwindet.

Biologen haben errechnet, dass diese Bärengattung bis zum Jahr 2025 ganz von dem Planeten verschwunden sein wird, sofern nicht schleunigst etwas dagegen unternommen wird. Rings um den Arktischen Ozean konnte bereits beobachtet werden dass Eisbären aus der Not heraus damit begonnen haben, ihr Verhalten auf der Suche nach neue Futterressourcen anzupassen – der Konflikt mit dem Menschen scheint vorprogrammiert. Deshalb ist das Problem der russischen Polarstation mittlerweile zur Chefsache erklärt worden. „Uns wurde empfohlen, selbständig zu handeln – je nach den Umständen“, ließ Wadim Plotnikow verlauten.

Der russische Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt, Sergej Donskoj, hat sich viel vorgenommen, als er anordnete die Sicherheit der Forscher zu gewährleisten, dabei aber auch tunlichst darauf zu achten, dass den Tieren dabei kein Haar gekrümmt werde. Somit ist Donskoj in eine Zwickmühle geraten, da Eisbären in Russland seit 1957 unter besonderem Tierschutz stehen. Den Forschern auf der Polarstation bleibt also nichts anderes übrig, als auf Hilfe von Außen zu warten. Laut der Agentur „Tass“ sei zwar bereits das Versorgungsschiff „Michail Somov“ auf dem Weg, werde aber frühestens in einem Monat auf der Insel Trojnoj erwartet.

Unterdessen setzte sich ein Helikopter in Bewegung, der mit Hilfsgütern für die Belagerten von jenem Schiff aus gestartet war. Mit der wertvollen Unterstützung in Gestalt von Leuchtfackeln und drei Hunden soll nun die erste Gefahr gebannt werden und die Eisbären vertrieben. Ob mit den Hunden in der Zwischenzeit der Bären erster Hunger gestillt werden soll, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Eines aber ist gewiss: Freiwillig wird derzeit keiner der Stationsinsassen das schützende Gebäude verlassen wollen.

[mb/russland.RU]

 

 

 

 




Portugal brennt – Russland löscht

Im Süden Portugals haben sich, bei Temperaturen von über 35 Grad Celsius, verheerende Waldbrände entfacht. Bereits vier Menschen mussten die Naturkatastrophe mit ihrem Leben bezahlen, weit über 300 trugen bisher Verletzungen davon. Unverzüglich entschloss sich Russland zu handeln.

Auf Anfrage der zuständigen portugiesischen Behörden entsandte das russische Zivilschutzministerium zur Unterstützung der örtlichen Kräfte zwei seiner Amphibienflugzeuge vom Typ Berijew Be-200 CS in das südportugiesische Katastrophengebiet, wie ein Pressesprecher des Ministeriums gestern mitteilte.

Die Waldbrände, die inzwischen eine Fläche von der Größe Hamburgs zerstört haben sollen, wurden durch die anhaltende Dürre sowie die extrem hohen Temperaturen begünstigt. Insgesamt seien bisher rund 200 Brandherde in ganz Portugal lokalisiert worden. Während im Norden allmählich Entwarnung gegeben werden kann, toben die Brände im Süden, vor allem in den zahlreichen Pinien- und Eukalyptuswäldern, unvermindert weiter.

Eine Autostunde südlich von Porto, in den Touristenregionen an der Algarve, sei die größte Feuerfront, wie die Feuerwehr der Region Agueda mitteilte. Etwa 3000 Einsatzkräfte bekämpfen nicht nur die Feuerwalze, sonder versuchen auch die unzähligen kleinen Brandherde unter Kontrolle zu bringen, bevor sich diese zu einem flächendeckenden Inferno ausweiten können.

Die russischen Mehrzweck-Löschflugzeuge die nun Unterstützung versprechen, haben acht Tanks die über ein Fassungsvermögen von insgesamt 12.000 Litern Wasser verfügen. Die Maschinen wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich eingesetzt. So konnten sie schon in den Jahren 2006 und 2007 in Portugal Waldbrände eindämmen, ebenso wie die verheerenden Wald- und Torfbrände 2010 im Süden Russlands.

[mb/russland.RU]

 




Jakutenpferde durchliefen Instant-Evolution

[Von Peter Mühlbauer] – Zuchttiere entwickelten sich im kalten Klima innerhalb kurzer Zeit zu Quasi-Wildpferden.

Die Jakuten sind ein Turkvolk, das etwa eine halbe Millionen Menschen zählt und im Norden Sibiriens lebt. Dem aktuellen Stand der Forschung nach stammen sie aber nicht von dort, sondern zogen – anders als andere Turkvölker – nicht nach Süden und Westen, sondern nach Norden, wo sie die vorher dort lebenden Tungusen verdrängten. Als möglicher Grund für die Nordwanderung im Spätmittelalter kommt eine Ausbreitung der Mongolen in ihrer ursprünglichen Heimat westlich des Baikalsees in Betracht.

In der neuen Heimat der Jakuten, die zur Hälfte oberhalb des nördlichen Polarkreises liegt, war es deutlich kälter als in ihrer alten – im Winter bis unter minus 70 Grad Celsius. Das führte dazu, dass sich die Pferde, die dem Volk nicht nur als Reit- und Zugtiere dienen, sondern auch gemolken und gegessen werden, zu Quasi-Wildpferden zurückentwickelten (oder zurückgezüchtet wurden), wie eine in PNAS veröffentlichte gemeinsame Studie von Wissenschaftlern aus acht Ländern zeigt.

Vorher hatten viele Biologen vermutet, dass die Jakutenpferde aus einer Wildpferdrasse hervorgegangen sein könnten, weil die stämmigen kurzbeinigen Tiere mit langen Winterfellen und Fettpolstern den Przewalski-Wildpferden und den Pferden auf Höhlenmalereien sehr ähnlich sehen, im Freien überwintern und sich ihr Futter selbst suchen. Nun weiß man, dass sie von Zuchtpferden abstammen.

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Petersburg schlottert im Neujahrsfrost

In hunderten von Wohnungen sind Heizungen ganz oder teilweise ausgefallen. Während die Bewohner die Stadt- und Wohnungsverwaltungen Versagen vorwerfen, findet man in der Stadtregierung, die anormale Frostperiode verlaufe eigentlich ganz normal.

Die Kälteperiode mit konstanten Minusgraden bis zu -20 und tiefer, die kurz nach Neujahr einsetzte, hat vielerorts für Notfallsituationen gesorgt. Wie jedes Jahr platzten gleich an mehreren Orten die Rohre der Fernheizungen. Aber während das bei normalen Temperaturen allenfalls für vorübergehenden Ärger sorgt, geht es bei dieser Kälte um Sein oder Nichtsein.

In hunderten von Haushaltungen müssen die Menschen in den Kleidern schlafen und sich durch gekochtes Wasser und brennende Gasöfen einigermassen warm halten. Der zuständige Vizegouverneur Nikolai Bondarenko bezeichnete die Situation hingegen als „nicht katastrophal“ – es gäbe keinen Grund zur Panik. Er gab auch zu bedenken, dass sogar nach der Wiederherstellung der Rohrschäden, die Heisswasserversorgung nur langsam wieder anlaufen könne.

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Wetterkapriolen: Wintersonnwende bringt Wärmerekord

Eigentlich ist jetzt Winter – erst recht in St. Petersburg, das so weit nördlich liegt, dass der Tag nicht mal mehr sechs Stunden dauert. Den Temperaturen nach könnte gerade aber auch ein verregneter, kühler Sommer sein.

Der 21. Dezember gilt, grob gesagt, als der astronomische Winterbeginn. Wir haben jetzt die Wintersonnwende – es wird also wieder heller und die Tage länger. Das ist schön, denn momentan ist es in St. Petersburg meistens zappenduster: Nur 5 Stunden und 54 Minuten liegen am heutigen Montag zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang – am Dienstag ist es sogar nochmal eine Minute weniger.

An intensiver Sonneneinstrahlung können die Wetterkapriolen also nicht liegen, die gegenwärtig St. Petersburg heimsuchen: Heute wurden an der Newa der Temperaturrekordwert von 10,5 Grad gemessen – aber aufgepasst, plus! Und, besonders ungewöhnlich für eine Höchsttemperatur, das geschah auch noch mitten in der Nacht! Alexander Kolessow, seines Zeichens der Chefmeteorologe der Stadt, schreibt auf Facebook, dass auf seiner Datscha seit gestern die Krokusse blühen. Vermutlich auch nachts …

Hitzerekord – ganz ohne Sonne

Die Sonne hat mit den Rekordtemperaturen also nichts zu tun, ohnehin kommt sie erst gegen 10 Uhr morgens irgendwo im Südosten über den Horizont gekrochen, um sich alsbald im Südwesten um 16 Uhr auch schon wieder zu verkriechen. Meistens sieht man sie zu dieser Jahreszeit in Petersburg ohnehin nicht – die üblichen dicken Wolken legen einen diffusen Grauschleier über Stadt und Land am 60. Breitengrad.

Mit der lauen Sommernacht – nur gelegentlicher Nieselregen, der kräftige Westwind und wohl auch jahreszeitliche Gewohnheiten verhinderten die spontane Öffnung von Straßencafés – wurde der bisherige Allzeit-Temperaturrekord für einen 21. Dezember mit Vehemenz in die Tonne getreten: Bisher lag der nämlich bei lauen 5,5 Grad – gemessen anno 1936. Und auch schon am Sonntag, gemessen wurden 8,6 Grad, wurde der Temperaturrekord von 5,5 Grad aus dem gleichen Jahr eingestellt. Ähnliche Wetterdaten werden auch aus Moskau gemeldet, dort begann der heutige Tag mit nächtlichen 9 Grad plus.

Fünf Grade mehr als normal – das ist nicht normal

Gleich fünf Grad mehr als der bisherige historische Höchstwert für das gleiche Datum – das ist eine richtig heftige Klimaabweichung. Das erinnert schon an den katastrophal überhitzten Sommer 2010 – als über dem europäischen Russland für Wochen Turkmeniens Wüstenklima herrschte und rund um Moskau lichterloh Wälder und Moore brannten. Der Qualm von dort hüllte Petersburg nur für einen halben Tag ein – aber die jemals an der Newa gemessene höchste Temperatur trieb dieser Jahrtausendsommer von bislang 35 Grad auf 39 Grad hoch. Und nachts standen schweißtreibende 30 Grad in der Stadt … Wenn es so weiter geht, brauchen sich die Russen jedenfalls nicht zu grämen, dass sie nicht mehr in der Türkei und in Ägypten urlauben dürfen.

Noch schlagen die Meteorologen aber nicht Klima-Alarm und erklären die milde Wintersonnwende nüchtern mit einem kräftigen Islandtief und einem Hoch über dem Mittelmeer, zwischen denen warme Luft aus Westeuropa mit Macht tief nach Russland gesaugt wird. Diese Wetterlage soll noch einige Tage anhalten.

Weiße Weihnachten wird es also nicht mal in Russland geben – wobei hier ist ja diese Woche auch gar nicht Weihnachten. Aber das ist dann schon wieder ein anderes Thema. Bis Neujahr, wenn man auch hierzulande feiert, so versprechen die längerfristigen Prognosen, könnten die Temperaturen dann wieder Richtung Nullpunkt fallen – plusminus 1 Grad sind zwar auch nicht ganz das, was man unter „Russischen Winter“ versteht, aber immerhin.

[ld/russland.ru]




Soziale Netzwerke – die „Stille Post“ der Moderne

Sie kennen bestimmt noch das Gesellschaftsvergnügen „Stille Post“. Einer flüstert dem anderen etwas ins Ohr und derjenige flüstert es wiederum seinem Nachbarn weiter. Je länger dabei diese Flüsterkette ist, umso lustiger ist es, was beim Letzten angekommen ist.

Eine moderne Variante dieses Spiels übernehmen heute die sogenannten Social Medias im Internet, auf denen quasi jeder veröffentlichen kann, was ihm gerade in den Sinn kommt. Jetzt muss man allerdings deutlich in der Qualität des Mediums unterscheiden. Es gibt durchaus seriöse Blogs und Video-Channels, aber leider, und das ist nun die weltweite Freiheit des WWW, eben auch unseriöse. So kommt es mitunter auch zu Stimmungsmache, die die eigentliche Tatsache komplett aus den Angeln hebt.

Ein Bilderbuchbeispiel dafür stellt Deutschlands wichtigster News-Youtuber. Mit sage und schreibe über 2,5 Millionen Abonnenten auf seinem Youtube-Kanal, verbreitet ein gewisser LeFloyd ungehindert Meldungen, die, ähnlich wie bei der „Stillen Post“, am Ende die Wahrheit komplett verzerren. Eklatant wird es dann so richtig, wenn sich dabei Meldungen aus der Ecke der Verschwörungstheoretiker hervortun und das am besten noch aus dem politisch rechten Lager. Ein schönes Beispiel ist da die legendäre 9/11 Theorie. Für die hat sich LeFloyd danach zwar entschuldigt, aber da galoppierte das Thema bereits als Selbstläufer durchs Netz.

9/11 und der Klimawandel

Ein aktuelles Thema ist die Aussage von Wladimir Putin zur globalen Klimaerwärmung. Hierbei werden dem russischen Präsidenten Worte in den Mund gelegt, die so nie gesagt worden sind. Zunächst sei Ihnen zum besseren Verständnis die Originalrede, von uns ins Deutsche übersetzt, ans Herz gelegt. Nun wird jedoch Putins Standpunkt allerorts anders dargestellt. Ein „Klimaskeptiker“, der den Klimawandel verneint, sei er, wird dem Präsidenten unterstellt. Die Erderwärmung sei lediglich vom Menschen inszeniert, um einen Betrug handle es sich. Nur darauf gerichtet, mehrere Länder in ihrer industriellen Entwicklung zu behindern.

Natürlich sei auch Russland unter diesen Ländern zu finden, so wird er „zitiert“. Scherze habe er gemacht im Jahr 2003, dass er die globale Erwärmung befürworte, damit die Russen weniger Geld für Pelzmäntel ausgäben. Zudem würden Experten aus der Landwirtschaft behaupten, dass bei höheren Temperaturen die Getreideernte effektiver ausfiele und er Gott dafür danke. Unterstrichen werden diese „Aussagen“ durch einen Artikel im „Daily Caller“. Hierbei handelt es sich um ein englischsprachiges Blog, in dem offenbar 24 Stunden lang am Tag die Wahrheit vertreten wird.

Inwiefern die veröffentlichten Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, geht aus der Seite nicht hervor. Zumindest verspricht es aber tiefen investigativen Journalismus, der angeblich pro Monat etwa 60 Millionen Leser erreicht. Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass in dem ursprünglichen Artikel kein einziges Originalzitat von Putin zu finden ist. Kurioserweise ist diese Tatsache, bis diese Meldung um etliche Ecken hierzulande aufgetaucht ist, verschütt gegangen.

Die ungehemmte Verbreitung von Unwahrheiten

Sogar bis in die vermeintlich objektive New York Times hat es dieser sogenannte Hoax geschaft. Dort wird Putin gleich „zitiert“. Zudem gäbe es in Russland so gut wie gar kein Umweltbewustsein. Und so zieht sich das durch die Medien, wie ein roter Faden. Laut einem Bericht des Österreichischen Senders ORF sei Putin 2010 noch ein rechter „Klimaskeptiker“ gewesen, sei aber allmählich bekehrt worden. Ein ebensolcher Kremlanalyst und Verfechter der Negierung des Weltklimawandels Putins ist Stanislaw Belkowski. Bemerkenswert dabei ist, dass sich ausgerechnet jener als einer der schärfsten Kritiker des russischen Präsidenten hervorgetan hat.

Als vermeintlicher Kronzeuge der New York Times ist er deshalb wohl sicherlich nicht als besonders glaubwürdig zu werten. Tatsache hingegen ist, dass Wladimir Putin zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Angelegenheit, genauso wie die allermeisten seiner Landsleute, keine allzu große Bedeutung beigemessen hat. Dennoch unterschrieb er im Jahr 2004, im Gegesatz zu den USA und Australien, das sogenannte Kyoto-Protokoll, welches ratfizierte, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen in den Industriestaaten bis ins Jahr 2012 um 5,2 Prozent zu senken. Ebenso erwacht in Russland mittlerweile durchaus das Bewusstsein ökologischer Alternativen. Angefangen bei der Ernährung – ja, es gibt Bioläden in Russland! – bis hin zu klimafreundlichen Energiealternativen.

Sie sehen wo der Hase langläuft. Da verbreiten sich im Internet Halbwahrheiten, die im Lauf der Zeit immer mehr zu konstruierten Unwahrheiten mutieren. Die „Stille Post“ lässt grüßen. Das Fatale an der ganzen Sache ist, dass der Durchschnittsuser auf diesen Sozialen Netzwerken ein Alter von rund 35 Jahren noch nicht überschritten hat. Somit stehen der manipulativen Einwirkung auf nachfolgende Generationen Tür und Tor sperrangelweit offen. Deshalb ist ein sorgfältiger Umgang des Internet-Journalismus mit seinen Veröffentlichungen unumgänglich.

[mb/russland.RU]




Rosatom: Baustart in Hanhikivi

Politiker mögen Haare spalten, die Wirtschaft übt west-östliche Kooperation. Nicht zuletzt solche russischen Unternehmen, die sich an Projekten in westlichen Ländern beteiligen. Beispiel: Rosatom. Vor wenigen Tagen erhielt das finnisch-russische Betreiberkonsortium Fennovoima die Genehmigung für den ersten Bauabschnitt des seit Jahren geplanten Kernkraftwerks Hanhikivi-1. Die Lizenz zur Errichtung des eigentlichen Reaktorblocks unweit der Gemeinde Pyhäjoki im Nordosten des Bottnischen Meerbusens soll nach Ablauf von ein bis zwei Jahren folgen.

Wie alle skandinavischen Länder sieht auch Finnland sich als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Hinzu kommt das Thema Eigenversorgung. Das Land im Norden Europas kann nennenswerte Strommengen nur aus Schweden oder Russland importieren. Aufgrund des geringeren Einsatzes fossiler Brennstoffe ist der Importanteil bereits auf über ein Fünftel gestiegen. Gleichzeitig gehen die Prognosen zum Verbrauch nach oben. Die finnische Holz-und Zelluloseindustrie wächst – beides extrem stromfressende Branchen.

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