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Kategorie: Umwelt - russland.NEWS - russland.TV

Rückkehr des Tigers

Die Republik Kasachstan und der WWF gaben am Freitag offiziell die Wiederansiedlung von Tigern in dem zentralasiatischen Land bekannt. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die Umweltschützer und das kasachische Landwirtschafts-ministerium in Astana. Es ist das weltweit erste und einzige Projekt zur Wiederansiedlung von Tigern in einem Gebiet, in dem die Großkatzen in freier Wildbahn aktuell nicht vertreten sind. Nach Angaben des WWF verfügt das Land über rund 5.000 Quadratkilometer geeigneten Lebensraum – genug, um bis zu 180 Tigern eine Heimat zu bieten. Die ersten Tiere sollen nach umfangreichen Vorbereitungen ab 2025 in die Freiheit entlassen werden. In Kasachstan gelten Tiger seit fast einem halben Jahrhundert als ausgestorben.

„Die Wiederansiedlung in Kasachstan ist ein wichtiger Schritt für den Tigerschutz. Die große Gefahr für das Überleben der Großkatzen ist neben der Wilderei der Schwund ihres Lebensraumes. Daher ist es wichtig, auch nach geeignetem Lebensraum Ausschau zu halten, wo aktuell keine Tiger mehr leben. Von der Wiederansiedlung in Kasachstan werden nicht nur die Tiger, sondern auch andere Tiere und die Umwelt als Ganzes profitieren“, so Kathrin Hebel, Referentin für Tigerschutz beim WWF Deutschland. „Dem Tigerprojekt vorangestellt wird die Ausweisung eines neuen Naturschutzgebietes, in dem wichtige Beutetiere wie Wildesel und Baktrischer Rothirsch ebenfalls wieder angesiedelt werden sollen. Diese Arten sind, wie die Großkatzen, im Zuge der ungebremsten Wilderei aus der Region verschwunden und profitieren nun von der geplanten Rückkehr des Tigers und den damit verbundenen Schutzmaßnahmen.“

Eine bereits vom WWF durchgeführte Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass die Region südlich des Balchaschsee im Südwesten des Landes am besten geeignet ist. Das Vorhaben ist Teil einer Initiative zur Verdopplung der wildlebenden Tiger bis 2022, wie sie auf dem internationalen Tigergipfel im Jahr 2010 von den sogenannten Tigerstaaten beschlossen wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es weltweit noch etwa 100.000 Tiere. Aktuell wird die Zahl der wildlebenden Tiger auf rund 3.900 Individuen geschätzt. Für die Wiederansiedlung in Kasachstan ist der Amurtiger vorgesehen, da er als einzige Unterart auch mit großer Kälte und Schnee zurechtkommt.




Überleben in den Wäldern der West-Ukraine

[von Ulrich Heyden] In der an Industrie armen Westukraine hat sich um das illegale Bernstein-Schürfen ein neuer Wirtschaftszweig entwickelt. Andriy Manchuk berichtet aus einem ökologischen Katastrophengebiet.

Andriy Manchuk ist Chefredakteur eines der bekanntesten linken Internet-Portale in der Ukraine, Liva.com.ua, Liva.com.ua/translate.html), Buchautor und Blogger. Von 2006 bis 2014 war er als Journalist angestellt bei den Zeitungen „Gaseta po-kiewski“ und „Sewodnja“. Jetzt schreibt er für die regierungskritische Website strana.ua. Mit Andriy Manchuk sprach Ulrich Heyden in Moskau.

Sie sind Chefredakteur des linken ukrainischen Internet-Portals Liva und Blogger. Was sind da ihre wichtigsten Themen?

Andriy Manchuk: Ich schreibe über reale wirtschaftliche Probleme, welche die Menschen interessieren. Ein wichtiges Thema ist das illegale Bernstein-Schürfen im Nordwesten der Ukraine, im sogenannten Gebiet „Polesje“. Das ist ein riesiges Gebiet mit Mooren, Wald und großen Bernsteinvorkommen.1

Die Menschen haben dort ganze Wälder gerodet (Reportage des Fernsehkanals „Ukraina“), um an den Bernstein ranzukommen. Riesige Pumpen werden eingesetzt, um den Bernstein aus dem Sandboden zu spülen. Durch den wilden Abbau sieht die Gegend mit ihren Kratern und Baumstümpfen jetzt völlig verwüstet aus. Fotografieren oder Filmen ist dort gefährlich. Kleine Fluggeräte, mit denen Journalisten dort filmten, wurden abgeschossen.

Und die Regierung verhindert den illegalen Abbau nicht?

Andriy Manchuk: Die Bernstein-Schürfer arbeiten mit korrupten Polizisten und bewaffneten Nationalisten zusammen. Man muss wissen: Durch den Krieg im Donbass haben heute hunderttausende Ukrainer Kriegserfahrung und jede Art von Waffen, nicht nur Pistolen, sondern auch Granatwerfer und Maschinengewehre.

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Klimawandel – welche Auswirkungen erwartet Russlands Wirtschaft? [mit Video]

Nach Meinung von „Republic“ kann die globale Klimaerwärmung sich positiv auf das Bruttoinlandsprodukt Russlands auswirken. Die Veränderungen müssten nur richtig genutzt werden.

Die meisten Gelehrten sind sich einig: Fast alle Wirtschaftsbranchen hängen von den klimatischen Bedingungen ab. Landwirtschaft, Energetik, Verkehr und Bauwesen reagieren empfindlich auf Temperaturanstieg und andere Erscheinungen, die den globalen Klimawandel begleiten. Wissenschaftler aus Stanford und von der Universität von Kalifornien, Berkeley, haben durch statistische Analysen herausgefunden, wie sich bis 2100 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Länder der Welt unter Berücksichtigung der Temperaturerhöhung ändern wird.

Auf die Weltwirtschaft könnte eine Umverteilung der Reichtümer zukommen. Das Nachsehen hätten die USA, Mittel- und Südeuropa, Lateinamerika und Afrika; Gewinner wären hingegen Kanada, Nordeuropa und Russland. So würde die globale Erwärmung dem russischen BIP pro Person ein Wachstum von 419 Prozent bescheren, den USA dagegen einen Rückgang von 36 Prozent. Kann Russland diese Situation nutzen?

Zwischen zwei und fünf

Die globale Klimaveränderung verspürt die Menschheit bereits heute. 2016 war das wärmste Jahr auf dem Planeten in der gesamten Geschichte der Wetterbeobachtung. Die mittlere Temperatur war fast um ein Grad höher als in der Mitte des 20. Jahrhunderts. In Russland war der Winter 2015/2016 rekordwarm, und in diesem Jahr wurde im europäischen Teil des Landes ein anomal warmer März fixiert.

In der Regel bringen Wissenschaftler diese Veränderungen mit der Tätigkeit des Menschen in Zusammenhang. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen als Energiequelle führt zu einer erhöhten Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre. 2015 brach die Konzentration von Kohlendioxid alle Rekorde – 400 Milliliter auf einen Kubikmeter statt 350, die als Norm gelten. Die Treibhausgase hüllen die Erde ein und hindern die Sonnerwärme daran, sich zu zerstreuen. Je mehr Treibhausgase es gibt, desto stärker heizt sich die Atmosphäre auf.

Wie stark sich das Klima ändern wird, ist noch unklar. Es gibt fünf Hauptszenarien, erklärt der Alexander Kislow, Leiter des Lehrstuhls für Meteorologie und Klimakunde an der Geographie-Fakultät der Moskauer Universität. Doch selbst die konservativsten unter ihnen sehen eine Temperaturerhöhung von 1,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts vor, während die radikalsten von fünf bis sechs Grad ausgehen. Im Pariser Abkommen von 2015, das fast alle Länder der Erde unterschrieben haben (Russland ebenfalls, aber bisher ohne Ratifizierung), ist die Rede davon, dass die Unterzeichneten alle Anstrengungen unternehmen werden, um den Anstieg der mittleren Temperatur auf zwei Grad bis 2100 einzuschränken. Aber diese Pläne sind bisher nicht umzusetzen, meint Kislow: „Dafür müssen unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden. Zum Beispiel müssten alle zusammen zu alternativen Energiequellen übergehen. Dazu ist aber keiner bereit.“ Der Wissenschaftler hält das Szenario mit einem Temperaturanstieg um vier Grad am realistischsten.

Die Folgen der Klimaveränderung haben für Russland positive und negative Folgen zugleich. Die südlichen Regionen – das Schwarzerde-Gebiet, Kuban, der Nordkaukasus – bekommen es mit Dürreperioden zu tun, dort könnte es zu Wassermangel kommen. Die Nordregionen müssen sich auf das Auftauen des Permafrostbodens gefasst machen – das kann zum Einsturz von Häusern und anderen Bauten führen und Pipelines gefährden. Der Zerstörungsprozess hat schon eingesetzt – aktuell kommt es im Norden zu mehreren Häusereinstürzen im Jahr. Dieser Effekt wird im Laufe der kommenden Jahrzehnte zunehmen, sagt Igor Makarow, Dozent an der Fakultät für Weltwirtschaft und -politik der Wirtschaftshochschule.

Moskau wird sich an heiße Sommer gewöhnen müssen, meint Wladimir Klimenko, Leiter des Labors für globale Energieprobleme am Moskauer Wirtschaftsinstitut: Bis 2050 werde sich die Zahl der Tage mit Temperaturen von über 30 Grad um das Dreifache erhöhen. Heute sind es nur sechs bis acht Tage im Jahr. So wird sich Moskau den Klimabedingungen von Wolgograd oder Belgorod annähern. Damit hört die Ähnlichkeit aber auch schon wieder auf: Kislow ergänzt, dass die Klimaveränderung unweigerlich zur Erhöhung der Niederschläge führen wird. Gewitter und Regengüsse werden es erlauben, Moskau mit den Schwarzmeerregionen zu vergleichen.

Der kurze Weg nach China

Einer der größten Vorteile der globalen Erwärmung für Russland ist die wachsende Bedeutung der Nordmeer-Route. Geografisch ist dies der kürzeste Weg zwischen dem europäischen Teil des Landes und dem Fernen Osten. In Perspektive könnte die Nordost-Passage eine Alternative zum Suez-Kanal und der Landroute zwischen Europa und Südostasien werden, meint Jewgeni Plissezki, stellvertretender Direktor des Instituts für Regionalstudien und Stadtplanung an der Wirtschaftshochschule. Von Murmansk kommt man über die Nordmeer-Route innerhalb von 21 Tagen ins chinesische Ningbo – durch den Suez-Kanal sind es 36 Tage. Im Durchschnitt wird der Weg von Europa nach China oder Japan um 20 bis 40 Prozent kürzer. Dabei wurden 2016 über die Nordmeer-Route nur sechs Millionen Tonnen Waren befördert, durch den Suez-Kanal sind es jährlich 900 Millionen.

Es gibt zwei Probleme: die schwierigen Wetterbedingungen und die mangelnde Infrastruktur. Heute wird die Nordost-Passage von Dezember bis Juni nicht genutzt, weil das Eis dies nicht zulässt. Aber das wird sich ändern: 2010 wurde erstmals eine Exportfahrt von Murmansk nach Schanghai unternommen, für die kein Eisbrecher nötig war. Sergej Donskoi, Minister für Naturressourcen, nimmt an, dass bis 2050 das Eis in den Meeren der Arktis im Sommer völlig verschwinden wird. Sergej Frank, Leiter der Schifffahrtsgesellschaft Sowkomflot, einer der größten in Russland, erklärte 2016 beim Petersburger Weltwirtschaftsforum, dass die Transportmöglichkeiten auf dieser Route Tag für Tag wachsen. Er sagte voraus, dass 2017 alle historischen Rekorde des Güterverkehrs auf diesem Weg gebrochen werden; bis 2020 würde der Transport verdreifacht. Nornikel, einer der größten potentiellen Nutzer der Nordmeer-Route, sagte gegenüber „Republic“, das Unternehmen plane für 2017 ein Wachstum des Güterverkehrs um elf Prozent im Vergleich zu 2015 (jährlich transportiert die Firma etwa 1,2 Millionen Tonnen).

Solch eine Zunahme an Transporten erfordert Großinvestitionen in die Infrastruktur. Die Ausgaben allein für die wichtigsten Projekte im Rahmen des entsprechenden Staatsprogramms werden auf 114,5 Milliarden Rubel geschätzt. Der Plan sieht vor, dass die Hälfte dieser Summe von ausländischen Investoren angelegt wird. Im Auftrag des Ministeriums für die Entwicklung des Ostens durchgeführte gemeinsame Untersuchungen des Analytischen Zentrums der russischen Regierung und von McKinsey zeigen, dass die Einrichtung einer Container-Zubringerlinie zwischen den beiden Umschlagshäfen Petropawlowsk-Kamtschatski und Murmansk am effektivsten wäre.

Auch China ist bereit, in die Nordmeer-Route zu investieren. Seit 2013 ist dieses Land ständiges beobachtendes Mitglied im Arktischen Rat. Peking hat die Absicht erklärt, sich eine Eisbrecherflotte zuzulegen. 2015 gab das chinesische Unternehmen COSCO, einer der größten Akteure auf dem Gebiet der Seetransporte, seine Pläne bekannt, reguläre Routen über die Nordost-Passage einzurichten.

Aber der größte Teil der Pläne ist bisher nicht umgesetzt worden. „Die Infrastruktur ist veraltet, sie wird sehr langsam erneuert oder erst geschaffen. Es muss so viel getan werden, dass schnelle Dividenden völlig unrealistisch sind“, fährt Plissezki fort. Ein Problem bleibt auch weiterhin, dass die Geschäftswelt nicht glaubt, dass sich die globalen Klimaveränderungen auf die Arktis auswirken könnten. Sergej Balmassow, Leiter des russisch-norwegischen Projekts Northern Sea Route, erklärte gegenüber „Republic“, die Zunahme der Gütertransporte auf der Nordmeer-Route gehe auf die steigenden Verlademengen an den Öl- und Gasvorkommen zurück. Der Prozess der Eisschmelze sei zyklisch: Rekordhohe Abtauflächen wechselten mit Kälteeinbrüchen, sodass die Akteure am Markt nicht das Gefühl bekämen, es sei notwendig, sich auf eine Erwärmung einzustellen. „Die Geschäftswelt bereitet sich auf schwere Navigationsperioden vor. Die Schiffe werden mit hoher Eisklasse gebaut, es läuft der Bau von Eisbrechern. Wäre es offensichtlich, dass das Eis auftaut, würde die Planung der Arbeit ganz anders aussehen“, meint Balmassow.

Vor wenigen Tagen hat das Wirtschaftsministerium der Regierung ein Projekt zur Entwicklung der Arktis bis 2025 vorgelegt. Dort wird die Schaffung von Stützzonen mit entwickelter Infrastruktur vorgeschlagen, die unter anderem helfen würden, die Nordmeer-Route zu entwickeln. Das Projekt beläuft sich auf 210 Milliarden Rubel.

Mehr Weizen

Der Klimawandel wirkt sich auch auf den Umfang der Wasserressourcen aus. Viele Länder werden mit Wassermangel konfrontiert werden, aber hier ist Russland eine Ausnahme. Seit Beginn der Erwärmung in den 1970er Jahren nehmen die Wasserreserven im Lande stetig zu. „Nach unseren Prognosen wird mit den Wasserressourcen im Land alles gut sein, vor allem wegen des Wassers in Sibirien. Uns droht kein Wasserhunger“, sagt Wladimir Georgijewski, Direktor des Staatlichen hydrologischen Instituts. Von einer günstigen Situation kann man natürlich nur im Landesdurchschnitt sprechen, einige Regionen werden ein Defizit verspüren: Zum Beispiel wird am Don bereits heute empfohlen, keine Produktionen aufzubauen, die viel Wasser erfordern. Aber in den meisten Regionen wird es keine Probleme dieser Art geben.

Besonders günstige Bedingungen schafft dies für die Landwirtschaft. Die Erwärmung erweitert die Zonen, in denen Ackerbau betrieben werden kann. Die Bauern verspüren bereits seit 20 Jahren den positiven Einfluss der globalen Klimaveränderungen, sagt Andrej Sisow, Geschäftsleiter des Analysezentrums SowEkon. Die milderen Winter und – als Folge – weniger erfrorene Wintersaat führen zu höheren Ernteerträgen.

„In den 1990er Jahren überstieg die Anbaufläche von Sommerweizen die von Winterweizen um 75 Prozent“, so Sisow. „2016 war die Anbaufläche von Winterweizen erstmals größer als die von Sommerweizen. Bisher unbedeutend, aber der Trend ist da.“ Der Anbau von Winterweizen sei sehr viel günstiger, im Schnitt ergebe er drei, vier Tonnen Ertrag, Sommerweizen nur halb so viel. Im Ganzen sei in den letzten Jahrzehnten der Anbau von wärmebedürftigen Kulturen wie zum Beispiel Mais bedeutend gestiegen, sagt Sisow.

Die Wissenschaftler merken aber an, dass die weitere Anpassung an die neuen Bedingungen nicht ganz so einfach sein wird. Es wird eine grundlegende Transformation der gesamten Landwirtschaft vonnöten sein, die die Bauern nicht ohne zentralisierte Unterstützung durch den Staat durchführen können, zeigt sich Igor Markow von der Wirtschaftshochschule überzeugt. Es werden Untersuchungen benötigt, die helfen zu verstehen, welche Kulturen für die russischen Regionen geeignet sind und wie sie gepflegt werden müssen. Aber bisher gibt es kein einziges staatliches Programm für solche Untersuchungen. Der Kampf gegen Schädlinge erfordert eigenständige Arbeiten. Mit der Klimaveränderung ist die Migration der Fauna zu erwarten, was dazu führen kann, dass Insekten und Nager auftauchen, die es in den betreffenden Regionen bisher nicht gab.

Der wachsende Wert von Wasserreserven könnte sich auch auf die Migration von Menschen auswirken. Wie Wladimir Georgijewski anmerkt, könnte der Wassermangel in Mittelasien eine sehr angespannte Lage hervorrufen: „Der Aralsee ist bereits ausgetrocknet, die Menschen können dort keine Landwirtschaft betreiben. Natürlich werden sie umziehen.“ Markow nimmt an, dass es unter den Einwanderern nach Russland bereits Menschen gibt, die mit Wassermangel konfrontiert waren. Bisher wurde das jedoch nicht erforscht.

Olga Gulina, Direktorin des Instituts für Migrationspolitik, ist der Ansicht, dies sei trotzdem eine ferne Perspektive. Außerdem wäre es zur Umsetzung eines solchen Szenarios notwendig, dass Russland nicht nur durch seine Wasserreserven Attraktivität ausübe, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Andernfalls könnten sich Einwanderer anderen Ländern zuwenden. Für Russland wäre der Zustrom von Migranten allerdings von Vorteil. Bereits 2030 würde auf zwei Erwerbstätige ein Rentner kommen – eine kritische Zahl. Es würden neue Arbeitskräfte gebraucht, so Gulina.

Ein Leben an der Sonne

„Es ist schwer, eine Branche zu finden, die nicht vom Klima abhängt. Im Laufe unserer Untersuchungen überzeugen wir uns ständig von Neuem davon“, sagt Wladimir Katzow, Direktor des Geophysischen Wojejkow-Hauptobservatoriums. Seit 2016 arbeitet das Observatorium an der Bewertung des Einflusses des Klimas auf verschiedene Sektoren der russischen Wirtschaft bis Ende des 21. Jahrhunderts; finanziert werden die Forschungen von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Dafür werden eigene Entwicklungen genutzt, nämlich ein physikalisch-mathematisches Modell des Regionalklimas. Damit werden massenhafte Gesamtberechnungen durchgeführt, mit deren Hilfe ein Szenario auf verschiedene Weisen durchgespielt wird. Die ersten Ergebnisse werden 2018 erwartet.

Laut Katzow sind solche genauen Untersuchungen zu verschiedenen Sektoren nach wie vor eine Seltenheit – trotz des offensichtlichen Einflusses der Klimaveränderungen auf die Wirtschaft. Dies kann große Probleme bei der Anpassung der Wirtschaft hervorrufen. Als Beispiel dient ihm der Verkehr. Im Zusammenhang mit der Erwärmung kann Glatteis zu einem Problem werden – es bildet sich dort, wo es früher nicht war. Auf den Verkehr wirkt sich auch das Auftauen des Permafrostbodens aus, was zu Bodeneinbrüchen führt. Neue Risiken tauchen im Forstwesen auf – schon jetzt sei es an der Zeit, sich einen Schutz vor neuen Arten von Schädlingen auszudenken.

Auch das Leben des Menschen selbst könnte sich wesentlich verändern; er sollte sich nicht nur auf höhere Temperaturen einstellen, sondern auch auf sich häufende Naturkatastrophen. Möglich ist die Verbreitung neuer Krankheiten. So könnte die Ruhr zum Beispiel in Regionen zum Normalfall werden, wo sie früher als exotische Krankheit galt. Ein weiteres Risiko ist der Rückgang der Arbeitseffektivität. Sollte sich die Moskauer Sommerhitze von 2010 jedes Jahr wiederholen (solch ein Risiko besteht), wird die Arbeit im Sommer unerträglich.

Dabei ist Katzow der Ansicht, dass die Anpassung an die Klimaveränderungen auf Alltagsebene schon begonnen hat. So steigen die Verkäufe von Klimaanlagen in Russland stetig. Jetzt fehlen noch die Anpassungsmaßnahmen auf staatlichem Niveau. Von ihnen wird auch die wirtschaftliche Lage des Landes am Ende des Jahrhunderts abhängen. Die Besonderheit der globalen Klimaveränderungen liege darin, dass die Welt mit ihren negativen Folgen konfrontiert werden wird, unabhängig davon, ob sie dazu bereit ist. Damit auch positive Folgen eintreten, bräuchte es schon heute gewaltige Investitionen, schließt Igor Makarow von der Wirtschaftshochschule.




TCM großes Thema auf Russischer Gesundheitswoche

[Von Zhong Xi] – Ein wichtiges Ereignis der Gesundheitsfürsorge ist in Russlands Hauptstadt Moskau angelaufen.

Aus den vielen Schwerpunkten der Russischen Gesundheitswoche sticht die Traditionelle Chinesische Medizin heraus – nicht nur als ein weiteres Feld der Medizin, sondern auch als ein Gebiet, das kulturellen Austausch erleichtert.

Die Russische Gesundheitswoche wird von der Regierung Russlands finanziert. Sie dient dazu, russische und internationale Entwicklungen in der Medizin zu präsentierten. Gleichzeitig treten acht führende Industrieforen als Teil des einwöchigen Events zusammen.

In diesem Jahr steht auf dem Moskauer Messegelände auch ein chinesischer Pavillon. Darin werden die Errungenschaften vieler chinesischer Pharmazieunternehmen präsentiert, die ihren Schwerpunkt auf Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) legen.

Li Hui, der chinesische Botschafter in Russland, spricht davon, dass Chinas TCM ihren Rahmen als medizinische Praktik überwunden habe und sich zu einen etablierten Komponenten der chinesisch-russischen Beziehungen entwickelt.

„Aktuell haben sich viele Kliniken für chinesische Medizin und Krankenhäuser in Moskau und St. Petersburg etabliert. Dieser Umstand wird der TCM unter der russischen Bevölkerung zu weiterer Beliebtheit verhelfen. Sie wurde bereits zu einem wichtigen Teil des Fachkräfteaustauschs zwischen China und Russland.“

Im Rahmen der Russischen Gesundheitswoche fand auch ein Forum mit Fokus auf weltweite traditionelle und holistische medizinische Praktiken statt. Sergej Kalashinikow, Vorsitzender des Forums, sprach sich für weitere internationale Zusammenarbeit im Bereich der traditionellen Medizin aus.

„Die Effektivität traditioneller Medizin hat sich in vielen Bereichen bewährt, als Behandlung chronischer Krankheiten, als präventive Gesundheitsvorsorge und als Diätplanung. Unser Ziel ist es, einen gemeinsamen Grund zwischen russischer traditioneller Medizin und östlicher Medizin zu finden.“

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge wurde chinesische Medizin in 29 Ländern und Regionen auf der ganzen Welt rechtlich anerkannt, darunter auch Australien, Kanada und Singapur. In 18 Ländern werden sogar traditionelle chinesische Behandlungen von Krankenversicherungen übernommen, auch in Deutschland.

Wang Xiaopin, ein Repräsentant der TCM-Landesverwaltung in China, meint, dass die holistischen medizinischen Praktiken in der Volksrepublik einen weitreichenden Einfluss auf die weltweite Entwicklung der Medizin haben werden.

„Heute ist chinesische Medizin in 183 Ländern und Regionen der Welt verfügbar. 86 Abkommen über Zusammenarbeit in dieser Thematik wurden zwischen China und den Regierungen anderer Länder und Organisationen geschlossen. Zehn offizielle Zentren für chinesische Medizin wurden außerhalb Chinas eröffnet. Einige medizinische Kooperationszentren wurden ebenso als Teil der ‚Seidenstraßeninititative‘ errichtet.“

Der Chinesische Pavillon auf der Russischen Gesundheitswoche veranstaltete Events und Präsentationen, um den Besuchern TCM-Praktiken vorzustellen, unter anderem Pulslesen, Akupunktur und die chinesische Teekultur.

Ein praktischer Erfolg der Gesundheitswoche ist die Gründung einer Vereinigung chinesischer und russischer Ärzte.

Übersetzt von Maik Rudolph

China Radio International.CRI

 




Chinesen wollen Tschernobyl wieder nutzen

Das Gelände um den Atomreaktor, 1986 verantwortlich für eine der verheerendsten Umweltkatastrophen der Neuzeit, soll wieder genutzt werden. Die weltweit führenden Solar-Energiegruppe „Golden Concord Ltd“ (GCL) aus China plant, auf dem Areal eine gigantische Fotovoltaik-Anlage zu errichten.

Während die Atomruine gerade mit einem Sarkophag aus Beton ummantelt wird, äußert die „GCL“ ihr Interesse am Umland. Die Regierung der Ukraine plant derzeit, das Sperrgebiet erneut zum Leben zu erwecken. Bei dem „Tschernobyl FV-Anlagenprojekt“ wurde die Unterstützung bei der Wiederbelebung des Sperrgebietes mit Solarenergie, dreißig Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall, zugesagt. Dies sei ein weiterer wichtiger Schritt von „GCL“ in Richtung des Weltmarktes, heißt es in der Branche. Und auch Kiew dürfte froh sein, dass sich endlich jemand den 30 Quadratkilometern Land annimmt, das durch den Fallout nachhaltig verseucht wurde.

Sonne statt Kernkraft

„Das billige Land und reichlicher Sonnenschein stellen eine solide Basis für das Projekt dar. Hinzu kommt, dass die verbleibenden Stromübertragungseinrichtungen für die Wiederverwendung bereitstehen“, betont Ostap Semerak, der ukrainische Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen. Erst im vergangenen Oktober beschloss seine Behörde, eine Fotovoltaik-Anlage in Tschernobyl zu errichten. Nun werden die Chinesen bei der Wiederbelebung von Tschernobyl eine maßgebliche Rolle spielen. Bei der Gesamtleitung des Projektes sollen sie die Beratungs- und Planungsdienstleistungen erbringen sowie die FV-Anlage letztendlich liefern.

Die „GCL“werde den Bau, der für mehr als ein Gigawatt ausgelegten FV-Anlage, im Jahr 2017 beginnen. Nach der Fertigstellung soll Tschernobyl erneut das weltweite Interesse als wiederbelebter Standort für Solarenergie erwecken. Auch Herr Shu Hua, Vorsitzender von „GCL“, gibt sich zuversichtlich: „Unsere Wiederbelebung eines so geschädigten Bereiches mithilfe grüner und erneuerbarer Energie wird nennenswerte soziale und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Wir sind über unsere gemeinsamen Bemühungen mit der Ukraine bei der Erneuerung der lokalen Gemeinschaft stolz!“

„Wir haben uns der Bereitstellung integrierter Solardienstleistungen verpflichtet und werden in diesem Jahr unterschiedliche Ansätze bei der weiteren Marktdurchdringung und Erlangung einer globalen Präsenz verfolgen. Das Tschernobyl-Projekt ist für uns ein wichtiger Schritt in unserem Ansatz der Internationalisierung“, erklärte Shu Hua die internationalen Strategien von „GCL“. Für das 1996 gegründete staatliche Unternehmen ist es auf alle Fälle der nächste zielorientierte Schritt nach bisher erfolgreichen Großrojekten in Südafrika, den USA und natürlich China.

„Sonne statt Kernkraft“ – Für die Aktivisten der 1980er Anti-Atomkraft-Bewegung wird jetzt endlich der Traum zur Wirklichkeit. Und so Manchem damals noch belächelten mag bei dieser Vorstellung das Herz aufgehen.

[mb/russland.RU]

 




Polarstation von Eisbären belagert

Nachdem der Sommer nun, wenngleich auch mit solider Verspätung, doch noch seinen Weg ins westliche Mitteleuropa gefunden hat, laben wir uns natürlich an einer Meldung wie dieser wie an einem Eis am Stiel. Des einen Freud, des anderen Leid.

Auf der arktischen Forschungsstation „Iswetij ZIK“ auf der Insel Trojnoj im Süden der Karasee, ist im Moment nichts mehr wie es sein sollte. Bereits 1953 errichtete Russland diese Polarstation auf dem Eiland, rund 150 km nördlich der Küste Sibiriens, um Daten über die Arktis zu erlangen. Die Inseln der Karasee sind Teil des Komplexes „Arctic State Nature Reserve“, einem großen Naturreservat rund um den Nordpol.

Ist die Arbeit der Wissenschaftler in diesen Gefilden bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von -12,2 Grad Celsius an sich schon kein Zuckerschlecken, müssen sich die Bewohner der Station seit geraumer Zeit mit noch ganz anderen Launen der Natur herumplagen. Vor etwa zwei Wochen begannen sich Eisbären für die menschliche Behausung zu interessieren und machen seitdem die Arbeit auf „Iswetij ZIK“ nahezu unmöglich. Anscheinend haben die Tiere auch nicht groß vor, mit den Menschen zu kooperieren.

Auf den Geschmack gekommen

Anfangs schlichen sie ja nur um die Anlage herum, drei ausgewachsene Tiere mit ihrem Nachwuchs, und inspizierten ihr mögliches neues Schlaraffenland. Dann jedoch haben sie ernst gemacht und fielen über das Lebensmittellager der Menschen her. Der Jahresvorrat an Lebensmitteln sei akut gefährdet, hieß es aus den Reihen der Forscher. Vertreiben ließen sich die Bären auch nicht, die Schreckschuss-Munition, die die Tiere vertreiben hätte sollen, ist sowieso schon längst aufgebraucht und einer der beiden Hunde aufgefressen worden.

Mittlerweile hätten sich die fünf Wissenschaftler, darunter zwei Ehepaare, bereits in das Überwinterungs-Segment der Station geflüchtet und dessen Fenster mit Brettern vernagelt. Messgeräte ließt hier schon lange niemand mehr ab. Denn inzwischen lagern die Eisbären bereits an den möglichen Zugängen in die Behausung. „Ich benutze den Traktor, um die Bären wegzujagen“, funkte Wadim Plotnikow, der Chef der Station, an die russischen Medien. Weiter wie 200 Meter lassen sich die Tiere aber eh nicht zurückdrängen, dann kommen sie einfach wieder. Das Spiel beginnt von neuem.

Sicherlich, Vorfälle mit den heimischen Eisbären hätte es immer wieder einmal gegeben, so ein Sprecher der Behörde „Sevgidromet“, die die Station betreibt, aber nie in diesem Ausmaß. Normalerweise leben hier auf der kleinen Insel während der eisfreien Zeit meist drei bis vier Eisbären, erklären die Meteorologen der Messstation. Diesen Polarsommer jedoch seien es mindestens zehn ausgewachsene Exemplare und mehrere Jungtiere, die Trojnoj besiedeln. Es steht somit zu befürchten, dass sich noch weitere der rund 500 Kilogramm schweren und bis zu drei Meter großen Raubtiere zu dem Stelldichein hinzugesellen werden.

Ausharren bis das Packeis kommt

Bis Ende Oktober, beziehungsweise Anfang November werde sich an der fatalen Situation für die Besatzung von „Iswetij ZIK“, die nun selbst besetzt wurde, auch nichts ändern. Erst dann wird die Arktische See um die Insel herum soweit zugefroren sein, dass sich die Eisbären wieder auf die Jagd nach Robben begeben können. Bis dahin bleibt ihnen nur der Mensch als Nahrungslieferant. Aufgrund der Erderwärmung werden die Eisflächen rund um den Nordpol ohnehin immer kleiner und der Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Tiere schwindet.

Biologen haben errechnet, dass diese Bärengattung bis zum Jahr 2025 ganz von dem Planeten verschwunden sein wird, sofern nicht schleunigst etwas dagegen unternommen wird. Rings um den Arktischen Ozean konnte bereits beobachtet werden dass Eisbären aus der Not heraus damit begonnen haben, ihr Verhalten auf der Suche nach neue Futterressourcen anzupassen – der Konflikt mit dem Menschen scheint vorprogrammiert. Deshalb ist das Problem der russischen Polarstation mittlerweile zur Chefsache erklärt worden. „Uns wurde empfohlen, selbständig zu handeln – je nach den Umständen“, ließ Wadim Plotnikow verlauten.

Der russische Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt, Sergej Donskoj, hat sich viel vorgenommen, als er anordnete die Sicherheit der Forscher zu gewährleisten, dabei aber auch tunlichst darauf zu achten, dass den Tieren dabei kein Haar gekrümmt werde. Somit ist Donskoj in eine Zwickmühle geraten, da Eisbären in Russland seit 1957 unter besonderem Tierschutz stehen. Den Forschern auf der Polarstation bleibt also nichts anderes übrig, als auf Hilfe von Außen zu warten. Laut der Agentur „Tass“ sei zwar bereits das Versorgungsschiff „Michail Somov“ auf dem Weg, werde aber frühestens in einem Monat auf der Insel Trojnoj erwartet.

Unterdessen setzte sich ein Helikopter in Bewegung, der mit Hilfsgütern für die Belagerten von jenem Schiff aus gestartet war. Mit der wertvollen Unterstützung in Gestalt von Leuchtfackeln und drei Hunden soll nun die erste Gefahr gebannt werden und die Eisbären vertrieben. Ob mit den Hunden in der Zwischenzeit der Bären erster Hunger gestillt werden soll, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Eines aber ist gewiss: Freiwillig wird derzeit keiner der Stationsinsassen das schützende Gebäude verlassen wollen.

[mb/russland.RU]

 

 

 

 




Russland räumt das Weltall auf

[Von Michael Barth] – Na wenn das mal keine frohe Kunde ist, die die russische Raumfahrtbehörde „Roskosmos“ zum Entmüllen des Alls verlauten ließ. Sicherlich, bei der Behörde dürfte nicht der ökologische Gedanke und Reinlichkeit im Vordergrund gestanden haben, sondern wohl eher die „Verkehrssicherheit“ in solch luftigen Höhen.

Rund 720.000 Müll-Objekte finden sich mittlerweile im Orbit. Trümmer von einer Größe von einem bis zu über 10 Zentimetern. Hinzu kommen noch über eine Milliarde Müllstücke, die größer als einen Millimeter sind. Der Weltraum scheint so endlos demnach nicht zu sein. Noch ist die Raumfahrt noch kein Vabanque-Spiel, Gott sei Dank, aber niemand mag sich ausmalen, was geschähe, gäbe es eine Kollision mit so einem Teilchen.

Laut „Roskosmos“ gibt es zwar eine Art Frühwarnsystem, das automatisch auf Gefahren im erdnahen Weltraum hinweist, aber um sicherzugehen entschied man sich 2014 zum Bau eines Raumschiffes, bei dem der martialische Name Programm ist. „Liquidator“ taufte man den neuen Stolz der russischen Weltraumflotte. Dummerweise liquidierte der „Liquidator“ auch Unsummen an Geld. Über 150 Millionen Euro wäre der galaktische Müllwagen teuer geworden.

Teure kosmische Müllabfuhr…

Nachdem das Budget letztes Jahr jedoch um ein Drittel gekürzt wurde, mussten die Pläne für die kosmische Müllabfuhr vorerst auf Eis gelegt werden. Nun entschied man sich stattdessen für eine günstigere Variante. Die würde nurmehr knapp vier Millionen Euro kosten, soll ihre Aufgabe aber dennoch genauso präzise verrichten. Bis 2018 soll dieses Raumschiff nach Angaben der Behörde realisiert werden, um dann endlich sowohl große als auch kleine Müllstücke aus der Umlaufbahn zu entfernen.

Russland wäre damit die erste Nation der Welt, die einen Markt für Weltraummüll-Entsorgung schaffen würde. Weltraumschrott aus abgenutzten Raumfahrzeugen, abgeworfenen Raketenstufen sowie durch deren Zerstörung entstandenen Trümmerteilen könnten damit für immer der Vergangenheit angehören. Denn, in der Tat sind die Gefahren für die Weltraumfahrt nicht zu unterschätzen.

Man hat ausgerechnet, dass die meisten erdnahen Satelliten selbst dem Einschlag eines Stückes ab fünf Millimeter Größe nicht mehr standhalten könnten. Bei Aufprallgeschwindigkeiten von bis zu 36.000 Stundenkilometern würde schon eine kleine Schraubenmutter zum vernichtenden Geschoss. Infolge einer derart hohen Geschwindigkeit erzeugt ein Teilchen mit 1 g Masse eine Energie von 50 Kilojoule. Die Sprengkraft entspräche dann der von rund 12 g TNT. Bei einer Kollision würde demnach die Energie einer explodierenden Handgranate freigesetzt.

mit kosmischem Öko-Treibstoff

Erst vor etwa gut drei Monaten hatte ein Müllpartikel von der Größe eines Staubkorns das Bordfenster der internationalen Raumstation ISS beschädigt. Man geht davon aus, dass vermutlich ein Farb- oder Metallteilchen für die, glimpflich ausgegangene, Kollision ausschlaggebend war. Schon letztes Jahr musste sich die ISS-Besatzung in die Sojus-Rettungskapsel zurückziehen, als ein Splitter eines Wettersatelliten der Raumstation gefährlich näherkam. Die Liste derartiger Vorfälle ließe sich inzwischen endlos fortsetzen.

Jetzt, nachdem das Müllproblem im Weltall gelöst zu sein scheint, geht Russland auch noch dazu über, einen umweltfreundlichen Raketentreibstoff zu entwickeln. Zwar sei man lange noch nicht soweit, trat „Roskosmos“ gleich auf die Euphoriebremse, aber das Raketentriebwerk gelte als eine neue Generation beim Antrieb einer Trägerrakete. Der russische Raketentriebwerkbauer „Energomasch“ entwickelt seit 2014 in einem Sonderlaboratorium einen Raketenantrieb auf der Grundlage von Flüssigkeitstreibstoff.

Die ersten Tests wurden bereits erfolgreich mit einer Mischung aus Sauerstoff und Kerosin in der Brennkammer durchgeführt. Laut Wladimir Tschwanow, dem Chefkonstrukteur von „Energomasch“, seien Triebwerke dieser Art die Zukunft der Weltraumfahrt. Übrigens, so neu ist die Idee nicht. Schon zu Zeiten der Sowjetunion begann man über eine gezielte Nutzung des Klopfens bei gesteuerten Detonationen, nicht anders als bei einem herkömmlichen Verbrennungsmotor, für Raketentriebwerke nachzudenken.

Nicht umsonst gilt Russland als Weltspitze in der Produktion und Entwicklung von Raketenantrieben. Das leidige Müllproblem im Weltall auch noch mittels eines umweltfreundlichen Antriebs zu lösen, ist wahrlich ein kosmischer Meilenstein. Zwei Fragen bleiben aber indes noch offen. Niemand vermochte uns bislang zu sagen, ob der eingesammelte Müll dann auch ganz im ökologischen Sinne getrennt werden soll und wann Russland endlich gedenke, sein irdisches Müllproblem zu lösen.

[Michael Barth/russland.RU]




Portugal brennt – Russland löscht

Im Süden Portugals haben sich, bei Temperaturen von über 35 Grad Celsius, verheerende Waldbrände entfacht. Bereits vier Menschen mussten die Naturkatastrophe mit ihrem Leben bezahlen, weit über 300 trugen bisher Verletzungen davon. Unverzüglich entschloss sich Russland zu handeln.

Auf Anfrage der zuständigen portugiesischen Behörden entsandte das russische Zivilschutzministerium zur Unterstützung der örtlichen Kräfte zwei seiner Amphibienflugzeuge vom Typ Berijew Be-200 CS in das südportugiesische Katastrophengebiet, wie ein Pressesprecher des Ministeriums gestern mitteilte.

Die Waldbrände, die inzwischen eine Fläche von der Größe Hamburgs zerstört haben sollen, wurden durch die anhaltende Dürre sowie die extrem hohen Temperaturen begünstigt. Insgesamt seien bisher rund 200 Brandherde in ganz Portugal lokalisiert worden. Während im Norden allmählich Entwarnung gegeben werden kann, toben die Brände im Süden, vor allem in den zahlreichen Pinien- und Eukalyptuswäldern, unvermindert weiter.

Eine Autostunde südlich von Porto, in den Touristenregionen an der Algarve, sei die größte Feuerfront, wie die Feuerwehr der Region Agueda mitteilte. Etwa 3000 Einsatzkräfte bekämpfen nicht nur die Feuerwalze, sonder versuchen auch die unzähligen kleinen Brandherde unter Kontrolle zu bringen, bevor sich diese zu einem flächendeckenden Inferno ausweiten können.

Die russischen Mehrzweck-Löschflugzeuge die nun Unterstützung versprechen, haben acht Tanks die über ein Fassungsvermögen von insgesamt 12.000 Litern Wasser verfügen. Die Maschinen wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich eingesetzt. So konnten sie schon in den Jahren 2006 und 2007 in Portugal Waldbrände eindämmen, ebenso wie die verheerenden Wald- und Torfbrände 2010 im Süden Russlands.

[mb/russland.RU]

 




„Höchste Zeit für Volksdiplomatie“

Förderung von politischer Bildung und Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie die internationale Verständigung hat sich die Rosa Luxemburg Stiftung auf die Fahne geschrieben.

Die nach der Politikerin und Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung Rosa Luxemburg benannte Stiftung gehört zu den großen Trägern politischer Bildungsarbeit in Deutschland und fühlt sich – ganz wie ihre Namensgeberin – dem demokratischen Sozialismus verpflichtet.

Nachdem in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist – und jüngste Umfragen bestätigen dies in teilweise erschreckendem Ausmaß –, dass die politischen Vorstellungen der Bürger und die Handlungen der Politiker immer weiter auseinanderklaffen – was besonders bei den Beziehungen zu Russland deutlich wird – steuert die Stiftung, ganz gemäß ihrer selbst gestellten Verpflichtung „Förderung von politischer Bildung“, gegen.

Um politisch und gesellschaftlich aktiv werden zu können, bedarf es der ungefilterten Informationen und Wissens – und das nicht aus zweiter oder gar dritter Hand. Die beste und sicherste Möglichkeit, an dieses Wissen zu kommen, ist immer noch, an die Quelle zu gehen und vor Ort sich selbst ein Bild zu machen.

Genau das macht die Rosa Luxemburg Stiftung mit Ihrer „Reise zu den Feinden“.
Eine Schar Wissenshungriger wird einige beispielhafte Punkte des Riesenreiches besuchen. Touristische Ziele sind Omsk, die Hauptstadt des gleichnamigen Oblast in Südwestsibirien; bei Omsk, die so viel besungene Taiga; Kasan, die tatarischste aller russischen Städte; Pensa, fast eine „Kleinstadt“ (nach russischen Verhältnissen) mit einer halben Million Einwohner im europäischen Teil Russlands als Beispiel einer „Nicht-Metropolen-Stadt“ und natürlich das riesige, in vielen Facetten schimmernde Moskau mit seinen 16 Millionen Einwohnern, ein Staat im Staate, ein Moloch, der niemanden gleichgültig lässt – sei es im angenehmen oder abstoßenden Sinn –, das heutige und historische Zentrum Russlands.
Die legendäre „Transsib“ wird für den „Transport“ sorgen.

Natürlich werden im Sinn des demokratischen Sozialismus wichtige Städte und Stätten wie der »Deutsche Nationalrajon Asowo« und das Museum »Nationalkomitee freies Deutschland« in Krasnogorsk nicht ausgelassen.

Aber die Gruppe ist nicht nur als Betrachter unterwegs. In allen Städten hat die Stiftung Diskussionsrunden und Vorträge organsiert, in denen auf russischer Seite kompetente Partner zur Verfügung stehen.

(Hanns-Martin Wietek/russland.news)




Die Sperrzone – Hölle und Paradies zugleich

[Von Michael Barth] – Was würde geschehen, wäre der Mensch von heute auf morgen von dieser Erde verschwunden? Wie sähe ein Leben nach der Spezies Mensch aus? Ein kleiner Vorgeschmack dessen lässt sich an der Ukrainisch-Weißrussischen Grenze beobachten – in der kleinen Stadt Prypjat, etwa vier Kilometer entfernt vom Unglücksreaktor Tschernobyl, in der einst 50.000 Menschen lebten.

Am 26. April 1986 explodierte der Kernreaktor in Tschernobyl. Zwar wurde bereits am Tag danach die Werkssiedlung Prypjat abgeriegelt, die offizielle Evakuierung wurde jedoch erst am 21. Mai angeordnet. Seitdem ist die Stadt sich selbst überlassen. Als die Menschen für immer gingen – man sagt, Prypjat sei noch mindestens 100 Jahre lang kontaminiert – ließen sie viele ihrer Habseligkeiten in der Eile zurück. Zurück blieben auch ein paar Haustiere in einer Geisterstadt.

Was geschieht nun mit einer verwaisten Stadt, die sich selbst überlassen ist? Was bleibt übrig von den Hinterlassenschaften des Menschen? Auch wenn es zynisch klingen mag, ein Paradies erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. Die Tür wird weit geöffnet für eine Renaturalisierung, der Weg für eine Evolution wie nach der Eiszeit ist geebnet. Nirgendwo sonst auf dieser Welt dürfte es anschaulicher sein, den Kreislauf der Natur einzusehen, ohne dass der Mensch künstliche Grenzen setzt, dem natürlichen Gang einen Riegel vorschiebt und er sich nicht die Erde untertan macht.

Der Putz bröckelt, Gärten verwildern

Zuallererst werden – während in den Gebäuden bereits der Putz an den Wänden zu bröseln beginnt – die einst sorgsam gepflegten Gärten der Siedlungen am Stadtrand verwildern. Unkraut und Insekten werden nicht mehr in ihrer Ausbreitung gehemmt, niemand geht mehr gegen Mäuse und andere Nagetiere vor. Die mittlerweile halb verwilderten Haustiere, Katzen und Hunde, werden nicht mehr vom Menschen gefüttert, sondern müssen selbst zusehen, wie sie sich ernähren. Die Nahrungskette ist gesichert.

Währenddessen rücken die Wälder des angrenzenden Prypjat-Gebiets immer näher an die heutige Sperrzone heran. Auf einmal sehen sich die einstigen Haustiere mit Tieren konfrontiert, die sie noch nie zu Gesicht bekamen. Wildschweine, früher als Schaden für die Landwirtschaft bejagt, stöbern nun in aller Seelenruhe durch das Unterholz und durchwühlen den Boden auf der Suche nach Nahrung, die es für sie jetzt in Hülle und Fülle gibt.

Rothirsche, ja sogar die scheuen Elche, die jeglichen Kontakt mit dem Menschen mieden, weil sie als begehrte Jagdtrophäen herhalten mussten, wagen sich immer näher an den einstigen Stadtrand. Ihnen im Gefolge ihre natürlichen Feinde. Marder, Luchse und der Wolf wittern, dass ihnen vom Menschen keine Gefahr mehr droht. Selbst Braunbären ziehen marodierend durch die ehemalige Stadt. Hinzu gesellen sich noch, so schätzt man, rund 200 verschiedene Vogelarten sowie etwa 50, noch vom Menschen ausgewilderte, Przewalski-Pferde.

Idylle mit Tücken

Sergej Satschak, Biologe im Radioökologischen Labor in Slawutitsch, dokumentiert die Veränderungen. Zudem nimmt er mit seinem Geigerzähler Untersuchungen an Tieren vor. Auch wenn die Strahlung heute nur noch drei Prozent von 1986 beträgt, liegt sie immer noch um das Tausendfache über der natürlichen Umgebungsstrahlung. Skelettfunde mit zehnfach höherer Strahlung als normal seien durchgängig zu beobachten.

Zwar seien die Tiere hochgradig verstrahlt, jedoch gleiche dies die Natur mit verstärkten Geburtenraten wieder aus. Zudem sei ein heranwachsender Tumor geduldig. Das erklärt er anschaulich am Beispiel einer Maus, an der die höchstmögliche Kontaminierung nachgewiesen wurde, aber dennoch keine auffälligen äußerliche Symptome zeigte. Mäuse seien für ihn sowieso das perfekte Forschungsobjekt der Region um Tschernobyl, da sie unmittelbar am Boden beheimatet sind und sich sowohl von darin lebenden Insektenlarven, als auch von Pflanzenteilen ernähren.

Boris Sorotschinsky, Botaniker an der Akademie der Wissenschaften in Kiew, untersucht indes die Pflanzen in der Sperrzone, die vielen Tieren als Nahrungsgrundlage dienen und von ihren Jägern dadurch mitaufgenommen werden. Er erklärt, dass die radioaktiv kontaminierten Teilchen, welche beim Fallout nieder gingen, mittlerweile etwa 30 Zentimeter in den Boden eingedrungen seien und dadurch nicht nur die Wurzel der Pflanzen sondern auch das Laub belastet ist. Auch wenn der Radioökologe des Ecocenter Tschernobyl, Leonid Bogdan, beweist, dass sich Strontium nur in den Kernen der Obstgehölze ablagere und das Fruchtfleisch, auch von Beeren, absolut unbedenklich sei.

Hand aufs Herz, niemand hätte jemals geahnt, dass es überhaupt wieder Leben um Tschernobyl geben werde. Heute ist die Region eines der größten Territorien für Wildtiere in ganz Europa. Wenngleich auch mit Tücken. Aber eines ist gewiss – der Mensch hat verloren, die Natur jedoch, wenn auch zu einem hohen Preis, gewonnen. Und das in nur drei Jahrzehnten.

[Michael Barth – russland.RU]