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04-05-2007 Estland
Deutschland vermittelte im Streit zwischen Russland und Estland
Die Entspannung im russisch-estnischen Denkmalstreit durch die Abreise der estnischen Botschafterin in Moskau ist einen Pressebericht zufolge auf deutsche Vermittlung hin zustande gekommen.

Die Idee, die Situation dadurch zu deeskalieren, dass Botschafterin Marina Kaljurand in Urlaub geht und Moskau vorerst verlässt, sei am Mittwoch bei einem Telefonat zwischen dem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow aufgekommen, berichtete die "Financial Times Deutschland" (Freitagsausgabe) unter Berufung auf Regierungskreise. Steinmeier habe sich als derzeitiger EU-Ratspräsident auf Bitten Tallins in den Streit eingeschaltet.

Nach Angaben aus Diplomatenkreisen habe Lawrow Steinmeier zugesagt, die russische Regierung werde dafür sorgen, dass die Polizeikräfte die Botschaftsblockade durch kremltreue Jugendgruppen beendeten, wenn die Botschafterin Moskau verlasse. Steinmeier habe nach seinem Gespräch mit Lawrow mit dem estnischen Außenminister Urmas Peat telefoniert und den Kompromissvorschlag übermittelt, berichtete die "Financial Times".

Kaljurand verließ am Donnerstag Moskau zu einem zweiwöchigen Urlaub. Die kremlnahen Gruppen beendeten daraufhin die Belagerung der estnischen Botschaft in Moskau. Die estnische Regierung teilte mit, der Urlaub sei seit "Ende April" geplant gewesen und habe keine politischen Gründe.

Vor dem Gebäude der Botschaft Estlands in Moskau wurde Theater gemacht

Aktivisten der Jugendbewegungen "Molodaja Gwardija" ("Junge Garde") und "Mestnyje" ("Die Hiesigen") hatten Donnerstag vor dem Gebäude der Botschaft Estlands in Moskau eine Art Geschichtsunterricht in Form eines Theaterstücks durchgeführt.

Die heutige Veranstaltung war dem Thema der Befreiung Estlands vom faschistischen Joch im September 1944 gewidmet.

Als erste kamen "die Faschisten" mit Maschinenpistolen, die Kriegsgefangene und Esten in gestreiften Häftlingsuniformen eskortierten. Plötzlich erschienen "die Rotarmisten" mit Gewehren, die die Häftlinge befreiten. Anschließend zwangen "die Sowjetsoldaten" "die Faschisten" dazu, vor einem Foto des Soldatendenkmals zu knien und sich zu verbeugen.

"In Estland kommt es zum Faschismus", meinte der Chef des Moskauer Stabs der Bewegung "Junge Garde", Alexej Schaposchnikow. Er erinnerte, dass in Estland "im Jahr 2000 ein Denkmal für SS-Leute aufgestellt, im Jahr 2002 ein faschistischen Marsch veranstaltet, im Jahr 2007 der 'Bronzesoldat' demontiert" wurde.

Das Ziel der heutigen Aktion bestehe darin, "der estnischen Seite zu zeigen, dass es unmöglich ist, die Geschichte neu zu schreiben, und dass die Heldentaten der Sowjetsoldaten auf ewig im Gedächtnis der Menschen bleiben werden", erklärte der Sprecher.

Mahnwache der russischen Jugendbewegungen vor der Botschaft Estlands in Moskau abgebrochen

Die Jugendbewegungen "Die Unseren", "Junge Garde", "Junges Russland" und "Die Hiesigen", die eine Mahnwache vor der Botschafter Estlands in Moskau gehalten hatten, haben offiziell erklärt ihre Aktion einzustellen.

Die Aktion hatte am 27.April als Protest gegen den Abriss des Denkmals für den Befreiungssoldaten in Tallin begonnen. [afp/itartass/russland.RU]