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19-09-2007 Estland
Estlands Präsident setzt Nazi- und Sowjet-Unrecht gleich
Der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves hat das in seinem Land verübte Nazi- und Sowjet-Unrecht gleichgesetzt. "Die Wahrheit ist, dass die Rote Armee und ihre NKWD-Geheimpolizei Estland ebenso sehr 'befreit' haben wie die Wehrmacht und die Gestapo vor ihnen", sagte Ilves am Dienstag bei einer Gedenkveranstaltung für die am 22. September 1944 von der Roten Armee entmachtete estnische Regierung.




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Ausdrücklich bestritt Ilves die von der sowjetischen Geschichtsschreibung über Jahrzehnte verbreitete Darstellung, der Einmarsch der Roten Armee habe damals für Estland eine Befreiung bedeutet. Die Äußerungen des im vergangenen Jahr gewählten Präsidenten dürften den Dauerstreit mit Moskau weiter anfachen.

"Aus der estnischen Warte gibt es keinen Unterschied zwischen Nazis und Kommunisten", sagte Ilves. "Beide gingen brutal vor und unterdrückten Esten, weder die Nazis noch die Kommunisten tolerierten die Demokratie, das weiß jeder Este." Sowjettruppen waren bereits kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs aufgrund einer Verabredung mit Nazi-Deutschland in die Baltenrepubliken eingerückt, dann jedoch beim Vorrücken der Wehrmacht in Osteuropa 1941 zurückgedrängt worden, bevor sie 1944 erneut in die Baltengebiete vordrangen.

Während der Sowjetherrschaft wurden tausende Esten nach Sibirien deportiert. Viele andere Esten gingen ins Exil - so auch Ilves' Familie: Der heutige Präsident wurde in Schweden geboren und verbrachte große Teile seines Lebens in den USA und in Deutschland. Die Baltenrepubliken erlangten 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit zurück. Seither gibt es eine Vielzahl von Streitthemen. Die Beziehungen zwischen Estland und Russland verschlechterten sich im April erheblich, nachdem die estnische Regierung ein Mahnmal zu Ehren der Roten Armee aus dem Zentrum der Hauptstadt entfernen und die Gebeine dort beigesetzter Sowjetsoldaten exhumieren ließ.