russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



24-08-2004 Estland
Russland betrachtet Einweihung des SS-Denkmals in Estland als schändlichen Akt und Beleidigung des Andenkens an die Naziopfer
Das russische Außenministerium bewertet die Einweihung des Denkmals für die Soldaten der 20. estnischen SS-Division im estnischen Dorf Lihula als schändlichen Akt und Beleidigung des Andenkens an die Naziopfer in der ganzen Welt. So heißt es in einem Kommentar des Departements für Information und Presse des russischen Außenministeriums, den die RIA Nowosti erhielt.

"Die Einweihung des Denkmals in Lihula ist ein schändlicher Akt und eine Beleidigung des Andenkens der Naziopfer in allen Ländern der Welt. Besonders beleidigend sieht er neben den vor kurzem stattgefundenen Feierlichkeiten anlässlich der Landung der Alliierten in der Normandie und den laufenden Vorbereitungen auf den 60. Jahrestag des Sieges über das faschistische Deutschland aus," wird in dem Dokument betont.

"Ein weiterer Grund für eine ernsthafte Besorgnis ist die Tatsache, dass in dem neuen EU- und NATO-Mitgliedsland immer deutlichere revanchistische Tendenzen hervortreten. Unwillkürlich kommt die Frage in den Sinn, was Brüssel über die Aktivierung der ehemaligen Nazi-Helfershelfer denkt, die den Ausgang des Zweiten Weltkrieges revidieren wollen", bemerkt das russische Außenministerium.

Das russische außenpolitische Ressort erinnerte daran, dass das Thema der Ehrung von Personen, die im Zweiten Weltkrieg in SS-Verbänden kämpften, deren Tätigkeit vom Nürnberger Kriegsgericht als Verbrechen eingestuft wurde, leider beileibe nicht zum ersten Mal in Estland aufkommt.

Zwar haben dieses Mal die Veranstalter der Zusammenkunft in Lihula alles getan, um diese Tatsache mit Erklärungen zu verdecken, dass das Denkmal "den Esten, die 1940 bis 1945 gegen den Bolschewismus und für die Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Estlands kämpften" gewidmet ist und keine nazistische Attributik darstellt.

"Doch es ist für niemanden, auch in Estland selbst, ein Geheimnis, dass es sich in Wirklichkeit um die Glorifizierung der Legionäre der 20. estnischen SS-Division handelt, die im Land unverdeckt immer größere Ausmaße annimmt", heißt es in dem Kommentar des russischen Außenministeriums.

Das Denkmal wurde am Freitag in Lihula eingeweiht. Es handelt sich dabei um ein Basrelief, das einen Soldaten in deutscher Uniform darstellt. Die Inschrift unter dem Basrelief lautet: "Den Esten, die 1940 bis 1945 gegen den Bolschewismus und für die Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Estlands kämpften". Bei der Zeremonie waren keine offiziellen Persönlichkeiten anwesend.

Die Nachricht über die Pläne der Verwaltung von Lihula, das Denkmal zu errichten, rief eine stürmische Reaktion der estnischen Öffentlichkeit hervor.

Ministerpräsident Juhan Parts verurteilte die Errichtung des Denkmals scharf und bezeichnete sie als Provokation. Eine Reihe öffentlicher Organisationen des Landes drückte Protest aus. Unter anderem rief die Vereinte Volkspartei Estlands, die die Interessen der russischsprachigen Bevölkerung vertritt, die estnischen Behörden auf, die Errichtung des Denkmals nicht zuzulassen. Auch das Antifaschistische Komitee, die jüdische Gemeinde Estlands und andere öffentliche Organisationen verliehen ihrer Missbilligung der Einweihung des Denkmals Ausdruck. (RIA)