Fußball-EM: Heute brisantes Spiel – Russland : Polen

Warschau. Heute um 20:45 (MEZ) steht bei der Fußball-EM das sehr brisante Spiel zwischen Russland und Polen in Warschau an. Das Match ist nicht nur aus sportlicher Sicht interessant, es wird leider auch mit Ausschreitungen der Fan-Blöcke gerechnet. Die polnische Presse schürt diesen Brandherd auch noch kräftig an.

Zuerst möchten wir hiermit unseren Leserinnen und Lesern aus Russland zu ihrem heutigen offiziellen Nationalfeiertag „Tag Russlands“ recht herzlich gratulieren! 

 

Sportlich alles im Lot für Russland

 

Russland könnte heute Abend mit einem Sieg bereits das Viertelfinale erreichen, als erste Mannschaft bei dieser Euro 2012. Für Polen geht es sportlich um  – Alles oder Nichts – nach dem ernüchternden 1:1 Remis gegen Griechenland. Bei einer Niederlage sollte für Polen das Viertelfinale bereits in weite Ferne gerückt sein – dieses als Co-Gastgeberland. Diese Konstellation sorgt bereits für Spannung pur.

 

Polen muss den nach seiner Roten Karte gesperrten Torhüter Wojciech Szczesny ersetzen. Für ihn steht Przemyslaw Tyton zwischen den Pfosten, der gegen Griechenland einen Elfmeter parierte. Der ganz klare Sieg Russlands zum EM-Auftakt gegen Tschechien lässt Smuda kalt: „Warum sollten wir Angst haben?“

 

Der holländische Trainer Russlands, Dick Advocaat, hat nach dem beeindruckenden 4:1 gegen Tschechien vor Überheblichkeit gewarnt und wies eine Favoritenrolle für sein Team von sich. Personelle Sorgen hat der niederländische Coach nicht, so dass die erste Elf vom Tschechen-Spiel wieder auflaufen dürfte.

 

Ausschreitungen werden befürchtet

 

Weniger gut sind die äußeren Begleitumstände. Ein Marsch russischer Fans zum heutigen Nationalfeiertag Russlands in Richtung Warschauer Nationalstadion, anhaltende Verschwörungstheorien um den Flugzeugabsturz des damaligen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski im April 2010 bei Smolensk und die gemeinsame Historie beider Länder heizen vor der Partie die Stimmung an.

 

Die polnische Presse zündelt mit unhaltbaren Artikeln auch noch an der Lunte. „Russen auf den Straßen der Hauptstadt“, titelt die „Rzeczpospolita“ – das klingt nach Krieg. Die konservative Zeitung appelliert: „Der Marsch der Fans aus dem Osten ist eine Gelegenheit zu zeigen, dass wir über den Provokationen des Kreml stehen.“

 

Die polnische Ausgabe des Magazins „Newsweek“ titelt: „Die Schlacht bei Warschau 2012″, das Bild dazu zeigt den Trainer der polnischen Elf, Franciszek Smuda, in der Uniform des Marschalls Josef Pilsudski. Eine Anspielung auf den polnisch-sowjetischen Krieg, der 1920 begann. „Russland oder der Tod!“ schreit es vom Titelblatt des Magazins „Wprost“.

 

Die polnische Boulevardzeitung „Super Express“ kennt auch keinen Anstand als Gastgeber. Die Zeitung zeigte auf seiner Titelseite Smuda in Uniform, hoch zu Ross und mit einem Schwert in der Hand. „Ein zweites Wunder an der Weichsel“, titelte diese Zeitung. Die Zeitung nahm damit ebenfalls Bezug auf die „Schlacht von Warschau“, in der die polnische Armee im Krieg gegen Russland 1920 den vorentscheidenden Sieg landete und die Rote Armee zurückdrängte.

 

Der unbeteiligte Leser fragt sich nur – spinnen die Polen jetzt? Die polnische Presse zeigt damit, wie ein Gastgeber seine Gäste nicht empfangen sollte..

 

Aus Sorge vor Zusammenstößen der Fans wurden die Sicherheitsmaßnahmen stark verstärkt. Das Spiel in Warschau werde die bisher größte Herausforderung für die polnische Polizei sein, sagte der polnische Innenminister Jacek Cichocki am Montag. Fast 30.000 polnische und knapp 10.000 russische Fans werden erwartet, 6.000 Polizisten sind im Einsatz. Es ist zu hoffen, dass das größte Polizei-Aufgebot in Polens Geschichte auch groß genug ist.

 

Der russische Fußball-Verband zeigte dagegen am Sonntag eine versöhnliche Geste -Cheftrainer Dick Advocaat und Präsident Sergej Fursenko legten in Warschau Blumen vor einer Gedenktafel für die Opfer der Flugzeugkatastrophe von 2010 nieder.