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06-10-2006 Georgien
Russische Sanktionen werden Lage in Georgien nicht verschärfen
Die georgische Wirtschaft hängt nicht so stark von Russland ab, wie es scheint. Die russischen Sanktionen werden zwar schmerzhaft sein, aber ihre Wirkung kann Georgien durch neue Beziehungen mit Drittländern mindern, schreiben Experten in der Zeitung "Wedomosti".

Ungeachtet des Images Georgiens als Agrarland bilden Eisenmetalle, genauer gesagt Metallschrott, die Grundlage des georgischen Exports. Nach Angaben des georgischen Statistikamts belief sich ihr Export 2005 auf 167,7 Millionen US-Dollar, während die Ausfuhr von alkoholischen und alkoholfreien Getränken sowie Spiritus 164,3 Millionen US-Dollar betrug. Obst und Nüsse (76,9 Millionen US-Dollar) mussten 2005 Flugzeugen und deren Komponenten (78,5 Millionen US-Dollar) den dritten Platz abtreten.

Wie Georgi Badsgadse, Mitglied des georgisch-russischen Wirtschaftsrates sagte, sind die größten georgischen Unternehmen nicht auf den russischen Markt orientiert. Die Hauptkäufer von Metallen und Eisenlegierungen sind die Türkei und Iran. Das Flugzeugwerk in Tiflis, wo in UdSSR-Zeiten die Kampfflugzeuge Su-25 hergestellt wurden, beschäftigt sich mit der Reparatur und der Lieferung von Ersatzteilen für diese Flugzeuge an Länder der dritten Welt, sagte eine Rosoboronexport (russisches Waffenexportunternehmen) nahe stehende Quelle. Ihr zufolge kann sich das Werk beim Kauf der notwendigen Ersatzteile an die Ukraine wenden.

Aber eben die Nahrungsmittelindustrie sicherte das Wachstum des georgischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Jahren 2001 bis 2005 um fünf bis neun Prozent. Der Export von Getränken nahm zum Beispiel 2005 im Vergleich zu 2004 um 62,8 Prozent, von Nüssen und Obst auf das 3,6-fache zu, während die Lieferungen von Eisen und Stahl um 19,2 Prozent anstiegen. Nach Verhängung der Sanktionen von Russland gingen die Lieferungen von Getränken ins Ausland im zweiten Quartal 2006 um 82 Prozent, von Obst und Nüssen um mehr als 50 Prozent zurück.

Die Abhängigkeit des Landes von der Außenwelt ist groß. Nach Angaben des Statistikamts machte der georgische Export (866 Millionen US-Dollar) 2005 lediglich etwa 34 Prozent des georgischen Imports aus. Im ersten Quartal 2006 überstieg der Export (221 Millionen US-Dollar) nicht 32 Prozent und im zweiten Quartal 27 Prozent des Imports. Die stellvertretende Wirtschaftsministerin Georgiens, Natia Turnawa, gibt zu, dass das Minus durch Einnahmen aus dem Ausland ausgeglichen wird. Das Defizit betrug im vorigen Jahr 688 Millionen US-Dollar - mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Schätzungen der georgischen Regierung überwiesen georgische Bürger, die in Russland arbeiten, 2005 an die Heimat etwa 300 Millionen US-Dollar. Nach Angaben des Föderalen Migrationsdienstes der Russischen Föderation waren das 1,2 Milliarden US-Dollar.

Turnawa rechnet sowieso damit, dass durch die Sanktionen die soziale Situation in Georgien nicht instabil wird. Denn das Wachstum der Wirtschaft, das in diesem Jahr mindestens zehn Prozent haben soll, wird Arbeitsplätze schaffen. Und Badsgadse sagt, dass georgische Unternehmer eine Möglichkeit finden werden, mit Russland über Drittländer zu arbeiten. [ RIA Novosti ]

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