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09-10-2007 Georgien
Gold in Georgien: Wissenschaftler auf heißer Spur
Die VolkswagenStiftung bewilligt rund 360.000 Euro für ein wissenschafts- und kulturpolitisch bedeutendes Kooperationsvorhaben deutscher und georgischer Forscher.



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Die Geschichte dieses jetzt auf den Weg gebrachten Forschungsvorhabens beginnt mit der Entdeckung eines Goldbergwerks aus der frühen Bronzezeit bei Sakdrissi in Georgien - eine Entdeckung, die noch nicht lange zurückliegt und im Zuge eines von der Stiftung geförderten Projekts erfolgte (Näheres dazu am Ende dieser Presseinfo). Bei dem Revier von Sakdrissi handelt es sich um das älteste bislang bekannte Goldbergwerk der Welt und eine der wichtigsten Goldquellen Georgiens, das zu den berühmtesten Goldfeldern Europas zählt (Stichwort: "Goldenes Vlies"). Was so erfolgversprechend vor einigen Jahren begann, findet nun seine Fortsetzung - und so bewilligt die Stiftung jetzt einem Wissenschaftlerteam aus Tbilisi, Bochum und Frankfurt rund 360.000 Euro für das Vorhaben "Gold in Georgien". An dem Projekt beteiligt sind neben Wissenschaftlern des Otar Lordkipanidze-Instituts für die Archäologie Georgiens auf deutscher Seite Professor Dr. Andreas Hauptmann von der Forschungsstelle Archäologie und Materialwissenschaften am Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Professor Dr. Thomas Stöllner, ebenfalls vom Deutschen Bergbau-Museum sowie von der Ruhr-Universität Bochum, und Professor Dr. Gerhard Brey vom Institut für Mineralogie der Universität Frankfurt am Main.

Das Vorhaben ist vielschichtig angelegt. Konkret geplant sind zum einen umfangreiche montanarchäologische Grabungen im Goldbergwerk von Sakdrissi. Ergänzt werden die Arbeiten durch umfassende Ausgrabungen zu frühbronzezeitlichen Siedlungen in der Region, die wiederum begleitet werden von Untersuchungen zur Land- und Viehwirtschaft des dritten Jahrtausends v. Chr. und zur Vegetationsgeschichte (Pollenanalyse, Waldrekonstruktionen etc.).

Parallel dazu wird eine geowissenschaftliche Arbeitsgruppe Goldproben und -artefakte in Georgien unmittelbar aus den Goldvorkommen sammeln als auch Goldobjekte aus verschiedenen Museen des Landes erfassen. Die Bestände werden dann in Deutschland analysiert. In alle Untersuchungen sind georgische Nachwuchswissenschaftler eingebunden. Für einige Analysen stellt das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim seine Expertise zur Verfügung.

Die Wissenschaftler verfolgen mit dem Vorhaben zwei Ziele: Zum einen handelt es sich um ein Forschungsprojekt sowohl zur Metallurgie und Geochemie als auch zur Kulturgeschichte des Goldes in Georgien. Dabei interessiert sie nicht zuletzt der Wandel dieses Gutes vom Prestigeobjekt zum Wirtschaftsmittel bis hin zu den Folgen der Goldgewinnung für wirtschaftliche und soziale Entwicklungen in der Region. Ebenso gehen die Forscher der Frage nach, wie denn die Frühphase solch einer ersten umfassenden Strategie zur Goldgewinnung aussah. Inwieweit beispielsweise lassen sich rückblickend Produktionsabläufe der Goldgewinnung im Detail rekonstruieren?

Zum anderen steht das im Zuge des Vorläuferprojekts begonnene Lehr- und Ausbildungsprogramm im Bereich der Montanarchäologie und Archäometallurgie im Mittelpunkt. Neben der gemeinsamen Arbeit mit ausgewiesenen georgischen Wissenschaftlern sind konkrete Ziele hier der Wissenstransfer und die Nachwuchsförderung. Der Blick richtet sich diesbezüglich auf die Vermittlung modernster analytischer Methoden zur Erforschung von Metallurgie, Gewinnung und Herkunft des Goldes. Darauf aufbauend ist geplant, im Zuge der Untersuchung der Grubenareale in Sakdrissi moderne 3D-gestützte Dokumentationen zu etablieren, die mit einem GIS-gestützten Informationssystem verbunden werden. Im weiteren Verlauf des Projekts sind überdies längere Gastaufenthalte von georgischen Nachwuchswissenschaftlern und Masterstudierenden in Bochum vorgesehen.

Vorgeschichte:
Im Sommer 2003 bewilligte die Stiftung dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum rund 130.000 Euro für das Vorhaben "Auf- und Ausbau interdisziplinärer Konzepte in Forschung und Lehre im Bereich der Montanarchäologie und Archäometallurgie in Georgien". Ziel dieses auf drei Jahre angelegten Projekts war es, die Forschungs- und Lehrkapazitäten im Bereich der Montanarchäologie und der Archäometallurgie in Georgien zu erweitern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Natur- und Ingenieurwissenschaftlern in der Archäologie zu stärken.

Im Zuge dessen konnten sich auch zwei georgische Wissenschaftler in Bochum weiter qualifizieren. Eingeschlossen war zudem die Unterstützung von Lehrgrabungen in Georgien. In Folge des dann entdeckten frühbronzezeitlichen Goldbergwerks bei Sakdrissi stellte die Stiftung im Frühjahr 2006 weitere 21.600 Euro zur Verfügung für das Symposium "Von Maikop nach Trialeti - Gewinnung und Verbreitung von Metallen und Obsidian in Kaukasien im 4.-2. Jahrtausend v. Chr."

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