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09-08-2008 Georgien
Russland und Georgien im Dauerstreit um Südossetien – Ein Überblick
In den vergangenen zwei Monaten haben sich die Spannungen zwischen Georgien und Russland um die beiden abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien stetig verschärft. In der Nacht zum Freitag eskalierte die Lage in Südossetien.



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Der Konflikt um die nach Unabhängigkeit von Georgien strebende Region begann mit dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre.

SÜDOSSETIEN: Die bergige Kaukasusregion mit 70.000 Einwohnern im Norden Georgiens grenzt an Russland. Mit 3900 Quadratkilometern ist Südossetien etwas größer als die spanische Mittelmeerinsel Mallorca. Die Provinzhauptstadt Zchinwali liegt im Süden der Region.

DER KONFLIKT: Im Streben nach Unabhängigkeit erklärte Südossetien sich Ende 1990 als "Sowjetrepublik" und fordert seitdem nach dem Vorbild Nordossetiens eine Zugehörigkeit zur russischen Föderation. 1992 sagte sich Südossetien nach einem Krieg von Georgien los. Der Konflikt und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Region und Georgien dauern seitdem an.

DER STATUS DER REGION: Südossetien steht nicht unter der Kontrolle Georgiens. Eine selbsternannte, international nicht anerkannte pro-russische Regierung unter Präsident Eduard Kokojty verwaltet die Kaukasusprovinz, die wirtschaftlich von Russland unterstützt wird. Ebenso wie das abtrünnige Abchasien gehört die Bergregion jedoch völkerrechtlich weiter zu Georgien. Eine 2005 von Georgiens Präsident Michail Saakaschwili vorgeschlagene weitgehende Autonomie im Rahmen des georgischen Staates lehnte Südossetien ab.

AKTUELLE SPANNUNGEN: In den vergangenen Monaten nahmen die Spannungen um die Kaukasus-Regionen Südossetien und Abchasien zu: Seit Anfang des Jahres kam es immer wieder zu kleineren Gefechten zwischen Soldaten Georgiens und Südossetiens. Mitte April kündigte Russland an, seine Zusammenarbeit mit den abtrünnigen Regionen vertiefen zu wollen. Georgien warf Russland daraufhin vor, eine Annektierung der Gebiete zu planen.

Im Folgenden ein Überblick über die Ereignisse seit Anfang Juli

- 4. Juli Die Regierung Südossetiens wirft Georgien vor, einen Angriff auf ihrem Territorium geführt zu haben; die Regierung in Tiflis erklärt, lediglich auf einen Rebellenangriff reagiert zu haben. Russland bezichtigt Georgien einer "absichtlichen Aggression".

- 9. Juli Russland und Georgien werfen sich gegenseitig vor, mit Kampfflugzeugen in den Luftraum des anderen eingedrungen zu sein.

- 10. Juli Georgien ruft seinen Botschafter aus Moskau zurück.

- 15. Juli Die Streitkräfte Russlands und Georgiens halten nahe der gemeinsamen Grenze Militärmanöver ab.

- 17. Juli Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier reist nach Georgien, Abchasien und Russland, um für eine deutsche Friedensinitiative zu werben, trifft aber auf starke Vorbehalte. Deutschland hat derzeit den Vorsitz in der sogenannten UN-Freundesgruppe für Georgien.

- 21. Juli Südossetien wirft den georgischen Streitkräften vor, vier seiner Landsleute entführt zu haben. Laut Tiflis handelt es sich um vier festgenommene mutmaßliche Drogenhändler.

- 25. Juli Bei einem Autobombenanschlag in Südossetien wird ein Mensch getötet.

- 1. August Nach Angaben der südossetischen Regierung sterben sechs Menschen durch georgischen Beschuss. Die georgische Regierung erklärt, die Aggression sei von südossetischer Seite ausgegangen.

- 3. August Russland warnt vor einem Konflikt "großen Ausmaßes".

- 5. August Moskau erklärt, wenn die Situation weiter eskaliere, werde Russland nicht abseits stehen. Georgien und Südossetien vereinbaren für den 7. August erste direkte Gespräche nach monatelanger Funkstille. Die Gespräche werden jedoch abgesagt.

- 7. August Die Regierung von Südossetien erklärt, die georgische Armee habe die Provinzhauptstadt Zchinwali angegriffen; 18 Menschen seien verletzt worden.

- 8. August Georgien startet in der Nacht eine Militäroffensive gegen Südossetien. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin erklärt, die "aggressiven Aktionen" Georgiens würden "Vergeltungsmaßnahmen" nach sich ziehen. Eine russische Militärkolonne mit rund 20 Panzern und mehreren Dutzend Militärfahrzeugen marschiert in Südossetien ein.


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