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09-08-2008 Georgien
Georgisches TV: Russische Luftwaffe bombardiert auch Abchasien
Der bewaffnete Konflikt im Kaukasus hat sich ausgeweitet: Nach Südossetien bombardierte Russland am Samstag laut georgischen Medienberichten auch einen georgisch kontrollierten Teil Abchasiens. Russische Kampfjets hätten die Dörfer Sakeni und Kwapschara in der Kodori-Schlucht angegriffen, berichtete das georgische Staatsfernsehen.




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Georgiens Präsident Michail Saakaschwili erklärte bereits zuvor, sein Land befinde sich im Krieg. Der russische Außenminister Sergej Lawrow betonte dagegen, Moskau wolle keinen Krieg mit Georgien. US-Präsident George W. Bush rief die Konfliktparteien auf, ihre Kämpfe "unverzüglich" einzustellen.

Einen Tag nach Ausbruch der offenen Kämpfe in Südossetien weiteten sich die Gefechte auf die ebenfalls von Georgien abtrünnige Provinz Abchasien aus. Russische Flugzeuge bombardierten dem georgischen Fernsehen zufolge Dörfer in der Kodori-Schlucht. Hingegen sagte der selbst ernannte Präsident der Region, Sergej Bagapsch, der Angriff sei von abchasischen Bombern geflogen worden. Nach Angaben eines ranghohen Vertreters der Provinz verstärkte Georgien seine Truppen an der Grenze zu Abchasien.

Im Rahmen der UN-Beobachtermission in Abchasien befinden sich derzeit auch elf deutsche UNOMIG-Soldaten in Abchasien, wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte.

"Ich habe ein Dekret über den Kriegszustand unterzeichnet", sagte Saakaschwili in einer im Fernsehen übertragenen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats Georgiens. Das Land befinde sich im Zustand der "vollkommenen militärischen Aggression: durch die russische Marine und Luftwaffe und durch großangelegte Operationen". Wie der Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Alexander Lomaja, erklärte, billigte das Parlament in Tiflis einstimmig ein Dekret, das den "Kriegszustand" für 15 Tage erklärte. Wegen der Kämpfe will Georgien bis spätestens Montag seine gesamten Truppen aus dem Irak abziehen, wie der dortige georgische Kommandeur sagte.

Über die Lage in der umkämpften Provinzhauptstadt Südossetiens, Zchinwali, machten beide Lager widersprüchliche Angaben. Es gebe "heftige Gefechte" in Südossetien, sagte Lomaja. Zchinwali sei vollkommen unter georgischer Kontrolle. Der Chef der russischen Bodentruppen, Wladimir Boldjrew, sagte hingegen Medien, russische Soldaten hätten die Stadt "völlig befreit". Der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge nahmen georgische Truppen den Beschuss der Kasernen russischer Friedenstruppen in Zchinwali mit "schwerer Artillerie" am Samstag wieder auf.

Georgien und Russland warfen sich gegenseitig die Verbreitung von Falschinformationen vor. Russische Berichte über rund 1500 getötete Zivilisten durch die georgische Offensive bezeichnete Saakaschwili als "unverhohlene Lügen". Es habe "praktisch keine getöteten Zivilisten gegeben".

Lawrow hatte zuvor von rund 1500 getöteten Zivilisten durch die georgische Militäroffensive gesprochen. Nach russischen Angaben flohen seit Beginn der Kämpfe in Südossetien mehr als 30.000 Menschen aus der Kaukasus-Region. Demnach wurden zwölf russische Soldaten getötet sowie 150 weitere verletzt.

Ein Sprecher der russischen Armee dementierte georgische Berichte, wonach die Luftwaffe Städte in Georgien bombardiert habe. Es sei keine "Zivilbevölkerung in Georgien" beschossen werden, sagte er der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Das georgische Fernsehen hatte zuvor berichtet, die Stadt Gori sei von russischen Flugzeugen beschossen worden. Dabei habe es mehrere tote Zivilisten gegeben.

Der Streit um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien war am Freitag eskaliert, nachdem das georgische Militär eine Offensive gestartet hatte, um die Kontrolle über die Region zurückzugewinnen. Daraufhin hatten sich georgische und russische Truppen heftige Kämpfe geliefert.

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