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14-08-2008 Georgien
Ein Rückschlag für die Weltmacht USA
Georgiens Präsident Michail Saakaschwili ließ seiner Enttäuschung über den großen Verbündeten freien Lauf. Die USA hätten "zu weich" auf den russischen Militäreinsatz in seinem Land reagiert und Moskau dadurch "beinahe grünes Licht gegeben", sagte Saakaschwili am Mittwoch im US-Fernsehen.




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Die Kritik saß, ließ sie doch die US-Regierung als schwach und zaudernd dastehen - ausgerechnet jene Regierung also, welche die Welt in den vergangenen Jahren noch mit ihrer Ideologie der militärischen Stärke in Atem hielt. Fieberhaft suchen die USA angesichts der Krise im Kaukasus nach dem richtigen Kurs, droht ihnen doch inzwischen ein beträchtlicher Verlust an Ansehen und Einfluss.

Russland drängt mit Macht auf die Weltbühne, die es nicht mehr allein den USA überlassen will. Der Enttäuschung bei den US-Verbündeten steht das auftrumpfende Selbstbewusstsein des Kreml gegenüber, der am Mittwoch ungeachtet des EU-vermittelten Friedensplans sein militärisches Vorgehen fortsetzte. Die USA mühen sich, den Schaden für ihre Außenpolitik zu begrenzen und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

Kurz nach Saakaschwilis Kritik trat Präsident George W. Bush am Mittwoch mit seinen bislang schärfsten Worten in Richtung Kreml vor die Weltpresse. Er habe die US-Streitkräfte angewiesen, humanitäre Hilfsgüter nach Georgien zu bringen, gab er bekannt. Den Kreml warnte er vor jedem Versuch, die Lieferungen zu stören. Dies ist zwar nicht die Waffenhilfe, die sich Saakaschwili von den USA gewünscht haben mag. Es ist aber doch eine Demonstration militärischer US-Präsenz in einer Region, die Russland wieder seinem Einflussbereich einverleiben will.

Den USA drohe als Konsequenz der Kaukasuskrise ein greifbarer Machtverlust in der strategisch wichtigen eurasischen Region, urteilt der Osteuropaexperte Janusz Bugajski vom Center for Strategic and International Studies in Washington. "Die Gewalt gegen einen prowestlichen Staat sendet Schockwellen durch alle früheren Sowjetrepubliken", sagt Bugajski. "Moskau kalkuliert, dass Washington die Georgier nicht militärisch unterstützt und dass andere US-Verbündete in der Region vorsichtiger werden, die USA auf internationaler Bühne zu stützen."

Vor allem im konservativen Lager wächst der Ärger über die Reaktion der Regierung Bush. Der neokonservative Vordenker William Kristol kritisiert sie als "seltsam schüchtern und unsicher". In einem Beitrag für die "New York Times" fordert er militärische Hilfe der USA für Georgien, andernfalls würde Russland im Verbund mit China und Iran die Stellung der USA weiter schwächen.

Der Russlandexperte Ariel Cohen vom konservativen Heritage-Institut vermisst den Willen zur Härte: "Die USA müssen Moskau zeigen, dass es viel zu verlieren hat: die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, die Mitgliedschaft in der G-8, den Zugang zu westlichen Märkten."

Genau diesen Gedanken nahm Bush nach einigem Zögern nun am Mittwoch auf, als er dem Kreml mit der internationalen Isolierung drohte. In den vergangenen Jahren habe Russland mit Unterstützung der USA die Einbindung in internationale wirtschaftliche, politische und militärische Strukturen gesucht. "Nun setzt Russland durch sein Vorgehen in Georgien seine Hoffnungen aus Spiel." Bush schlug einen komplett anderen Ton an als noch zu Beginn der Krise am Freitag, als er Russlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin als Freund bezeichnete. Inzwischen ist das Verhältnis so weit abgekühlt, dass Bush sogar einen Wortbruch Russlands hinsichtlich der Zusage zum Eins atzende für möglich hält. [von Peter Wütherich für AFP]

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