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14-01-2005 Glosse
Wer bringt die Strafzettel zu den Wolken?
Im Alter von fast fünfzig Jahren wird Wladimir Ossipow als Wolkenstürmer ins Lexikon der Kuriositäten eingehen. Wie russland.ru am 24sten Dezember berichtete, schickte der Rechtsanwalt ein notariell beglaubigtes Schriftstück an mehr als hundert Regierungen, das ihn zum Eigentümer aller Wolken erklärte.

Als „Erster unter Gleichen“ hat er die bisher herrenlosen Wolken in Besitz genommen, welcher bekanntlich den Schutz der Verfassung genießt - mit allen zu seinem Schutz aufbietbaren präventiven Maßnahmen im Ausland.

Er sei kein Wolkenhändler sondern Umweltschützer, so der frühere Vizechef der Stadtregierung im südrussischen Jejsk am Asowschen Meer. Wer Wolken mittels rauchender Schlöte verschmutzt, greift ab jetzt Ossipow persönlich an. Und seine noch zu gündende internationale ökologische Organisation "Ein Tropfen lebendigen Wassers" - das Wolkenkuckucksheim, aus dem er das gesunde Leben der ganzen Menschheit überwachen will.

Im Chat/Forum bei „sternnews-online“ war man sich sofort klar, der Mann werde von allen mit dem Wetter Unzufriedenen verklagt werden, von Überschwemmungsopfern und Hagelgebeulten ganz abgesehen.

Nur ein neues Kapitel in Russlands unendlichen Wodkageschichten? Haben wir es mit der privaten Tragödie eines von allen Ämtern befreiten Mannes zu tun, der den Privatisierungsgedanken gründlich missverstand? Ein Himmelscowboy wie sein Landsmann, der letztes Jahr das echte Satellitenfernsehen ausrief: Werbung im Orbit unter den Augen von Millionen?

Oder nervt nur ein Plagiator des Amerikaners Denis Hope, der als vollberechtigter Besitzer der Himmelskörper des Sonnensystems mit Ausnahme der Erde und der Sonne gute Geschäfte macht?

Da, wie die Zeitung „Nowyje iswestija“ schrieb, die Geschichte zeige, dass solche Initiativen nicht immer sinnlos seien, sind Fragen nach dem kosmischen Hintergrund dieses gigantischen Wasserraubs zu stellen. Was ist mit den Samen, Sänden, Stäuben, Salzen und Bakterien, die in den Wolken um die Welt wabern?

bei russland.RU
Ein Russe will Wolken privatisieren (24.12.2004)
Kann Ossipow, falls die Schadensansprüche seinen Etat übersteigen, Bewässerungsgelder und Transportkosten einklagen? Haben nicht auch die Indianer Nordamerikas erst lachend gefragt, ob der Boden unter und die Luft über dem „weißen Eigentum“ auch dazugehörten, und sind sie nicht in Reservaten landend eines besseren belehrt worden?

Wollte der Wolkenkönig gar eine Diskussion um die Besitzverhältnisse an Gold, Öl und Diamanten lostreten? Ist er nicht zum Herren aller Wasser aufgestiegen, da jedes Wasser irgendwann Teil einer Wolke war/ist/wird? Gibt es schon einen Besitzer allen Hundekotes? Oder, um den Fragen ein Ende zu bereiten, hätte Ossipow als Besitzer aller Tsunamis sein Todesurteil unterschrieben?

Es kam, wie es kommen musste. Ein aus Europas Regenzentrum stammender Norweger hat in Bergen Klage angedroht, falls es aus Ossipows Wolken "mehr als angenehm" regne. Pål Dyvik, der die Gunst der medialen Stunde nutzte, rechne mit großen Einnahmen, wie er dem norwegischen Kabelsender TV-2 schrieb.

Die von einer Moskauer Anwaltskanzlei geäußerten Zweifel, ob Wolken materiell seien, da man sie nicht anfassen könne, was wiederum das Vermögen definiere, wurden von Kollegen der Hagelfraktion mit Fug und Recht zurückgewiesen.

Werde auf jeden Fall meinen Anwalt beauftragen, die Chancen einer Entschädigunsklage gegen Ossipow zu prüfen - wg. vollzogener Schreibvergewaltigung und versuchter Nötigung von Lesern.

Moral von der Geschicht: Passt auf eure Zeit auf, denn, wenn Etwas keinen Besitzer hat, darf sich Jeder dieses Etwas aneignen.(hub/russland.RU)