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18-08-2005 Boris Jelzin
Jelzins engste Umgebung weiterhin einflussreich
Die engste Umgebung von Ex-Präsident Boris Jelzin (auch als „Familie“ bezeichnet) wurde zwar in den letzten Jahren aus den Schlüsselpositionen in den politisch-bürokratischen Kreisen verdrängt, sie hat aber das Schattenpotential ihres Einflusses beibehalten.

Bei einer günstigen Gelegenheit könnte aber der „Familienclan“ als ein überaus bedeutender politischer Spieler bei den Wahlkämpfen der Jahre 2007-2008 auftreten, schreibt die Wochenzeitung „Polititscheski Schurnal“.

Der heute dominierende „Petersburger-Moskauer“ Clan hat zahlreiche Leitungsposten auf den höchsten Ebenen der Staatshierarchie übernommen und in der öffentlichen Politik auf die Partei „Einheitliches Russland“ gesetzt. Die Kreml-getreuen Organisationen weisen aber eine geringe Wirksamkeit auf, was Erwerb und Erhalt von Sympathien der Öffentlichkeit anbelangt.

Der „Familienclan“ zeigte sich zugleich nicht nur als außerordentlich zählebig, sondern auch fähig, in den Staatsapparat hineinzuwachsen, indem er in konkrete Politiker, Beamte, Staatsmanager und Medienfiguren beträchtliche Finanzmittel investiert hat. Das dichte Netz der informellen Beziehungen blieb trotz aller Kadersäuberungen und der in der Putin-Zeit vorgenommenen Umbesetzungen in vielen Segmenten der Staatsmacht und in den vom Staat kontrollierten Geschäftsstrukturen erhalten.

An der Schwelle der Jahre 2003-2004 wurde das „Familien-Schema“ des politischen Einflusses und der Kontrolle zwar deaktiviert, nicht aber demontiert und könnte im Prinzip wiedereingesetzt werden. Würden die politischen Aktivitäten der „Familie“ auf Interessen von Opponenten aus der „Petersburger-Moskauer“ Mannschaft gerichtet, so könnte die nächste Runde des Machtkampfes 2007-2008 durchaus unerwartete Resultate bringen.

Die heute entstehenden Tendenzen der politischen Entwicklung lassen nicht mehr darauf hoffen, dass ein vom Kreml nominierter Kandidat automatisch zum dritten Präsidenten Russlands gewählt wird, schreibt die Zeitschrift.

Deshalb müsste die „Familie“ vorsorglich aus dem Bereich der großen Politik ausgeschlossen werden, um den Plan der „Thronnachfolge“ ruhig zu realisieren, was bereits getan wird. Zu erinnern sei nur an die jüngsten spektakulären Veröffentlichungen, die Ex-Premier Michail Kasjanow und den früheren Innenminister Wladimir Ruschailo kompromittieren sollten. (RIA)