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23-04-2007 Boris Jelzin
Boris Nikolajewitsch Jelzin - Daten in seinem Leben
das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt in der Geschichte Russlands

1931
Am 1. Februar wurde Boris Nikolajewitsch Jelzin im Dorf Butka, Kreis Taliza im Gebiet Swerdlowsk (heute Jekaterinenburg) als Sohn eines Bauern geboren.


1933
Die Familie zog in die Stadt, wo der Vater Bauarbeiter wurde

1949/1955
Studium am Polytechnischen Ural-Kirow-Institut in Swerdlowsk. Nach Abschluss des Studiums arbeitete Jelzin als Bauingenieur, wird Chefingenieur und schließlich Leiter der Bauverwaltung des "Jushgorstroj"-Trusts.

1956
Jelzin heiratete die Bauingenieurin Anastasja Josifowna Girina, mit der er zwei Töchtern das Leben schenkt.

1961
Mitgliedschaft in der KPdSU.

1963
Jelzin übernahm die Leiterung des Wohnungsbau-Kombinats in Swerdlowsk.

1968
Beginn seiner Parteikarriere. Zunächst war er Abteilungsleiter, ab 1975 Sekretär des Swerdlowsker Gebietskomitees. 1976 wurde er Erster Sekretär des Gebietskomitees und damit Mitglied des Militärrates des Ural-Bezirks.

seit 1978
Deputierter im Unionssowjet des Obersten Sowjet der UdSSR. In dieser Funktion war er von 1979 bis 1984 Mitglied der Ständigen Kommission für Transport, Post und Fernmeldewesen.

seit 1981
Jelzin auf dem 26. Parteitag der KPdSU zum Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU gewählt (er bekleidete dieses Amt bis 1990). Im selben Jahr übernahm Jelzin die Leitung der Abteilung Bauwesen im Zentralkomitee der KPdSU. Im Juni 1985 wurde Jelzin zum Sekretär für den Bereich Bauwesen im Zentralkomitee.

seit 1984
Mitglied im Präsidium des Obersten Sowjet der UdSSR.

1985
Im April holte Michail Gorbatschow Jelzin nach Moskau und übertrug ihm die Leitung der ZK-Abteilung für Bauwesen.
Im Juli folgte Ernennung zum ZK-Sekretär.
Im Dezember wurde Jelzin neuer Parteichef in Moskau und sollte Korruption und Bürokratie bekämpfen. Seine Popularität nahm zu, nachdem er öffentlich gegen Schlendrian und Privilegien der herrschenden Persönlichkeiten vorging.

1986
Im Januar setzte sich Jelzin auf dem XXVII. Parteitag der KPdSU der Politik Gorbatschows ab und forderte kompromissloser als bisher die radikale Reorganisation des zentralen Parteiapparates.

Von November 1987 bis 1989 war Boris Jelzin Erster Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatskomitees für Bauwesen im Rang eines Ministers. In den Jahren 1989 und 1990 war er Vorsitzender des Komitees für Bauwesen und Architektur des Obersten Sowjets der UdSSR.

1987
Nach Auseinandersetzungen um Jelzins Führungsstil nahm das Moskauer Stadtkomitee am 11. November sein Rücktrittsangebot an.

1988
Jelzin schied am 18. Februar als Kandidat des Politbüros aus. Er wurde auf den Posten des Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Baukomitees der UdSSR versetzt.

1989
Jelzin wurde am 25. März für den Moskauer Wahlkreis Nr. 1 mit 89 Prozent der Stimmen in den Kongress der Volksdeputierten gewählt.

Im Mai wurde er Mitglied im neuen Obersten Sowjet und leitete im Parlament das Komitee für Bauwesen und Architektur. In seinen Reden kritisierte er das Festhalten am Machtmonopol der KPdSU und die von Gorbatschow angehäufte Machtfülle.

1990
Beim 1. Kongress der Abgeordneten der RSFSR am 29. Mai 1990 wurde Jelzin mit aktiver Unterstützung des Blocks „Demokratisches Russland“ zum Vorsitzenden des Obersten Sowjets der RSFSR gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis Juni 1991. Am 12. Juli 1990 trat Jelzin beim 28. Parteitag der KPdSU aus der Partei aus.

Während des XXVIII. Parteitages am 12. Juli gab Jelzin unter Berufung auf ein überparteiliches Amt seinen Austritt aus der Partei bekannt. Kurz darauf schaffte er per Erlass sämtliche Privilegien für Führungskader ab. In Deutschland wurde Jelzins Schrift "Aufzeichnungen eines Unbequemen" veröffentlicht.

1991
Jelzin wurde am 12.Juni als erster Präsident der sowjetischen Teilrepublik Russland direkt gewählt. Er verband diese Amtstätigkeit mit den Funktionen des Vorsitzenden der Verfassungskommission Russlands, des Vorsitzenden der Außerordentlichen Kommission für Lebensmittelversorgung und des Vorsitzenden des Höchsten koordinierenden Konsultativrates.

Am 19. August versuchten der reformfeindliche Kräfte Präsident Michail Gorbatschow zu stürzen. Der Putschversuch scheiterte nach drei Tagen vor allem am entschlossenen Widerstand der russischen Regierung und des russischen Obersten Sowjet unter Jelzins Führung. Er ging aus den Entwicklungen politisch gestärkt hervor.

Im November übernahm Jelzin das Amt des Regierungschefs in Russland.

Gemeinsam mit Gorbatschow vereinbarte Jelzin am 17. Dezember die Auflösung der UdSSR zum 21. Dezember 1991.

Am 25. Dezember übergab Gorbatschow nach seinem Rücktritt als sowjetischer Staatspräsident zurück Jelzin als russischem Präsidenten das Kommando über die strategischen Atomwaffen.

1992
Ab 7. Mai 1992 war Jelzin Oberster Befehlshaber der Streitkräfte der Russischen Föderation. Er leitete den Sicherheitsrat und den Verteidigungsrat von Russland. Von Dezember 1993 bis zum Jahr 2000 war er Vorsitzender der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Am 24. Juni vereinbarten Jelzin und der georgische Staatschef Eduard Schewadnadse einen Waffenstillstand im georgischen Bürgerkrieg um Südossetien, das sich von Georgien trennen und Russland anschließen will.

Am 15. Juni ernannte Jelzin ohne Zustimmung des Parlaments den bisherigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Jegor Gajdar zum neuen Regierungschef.

Auf der Tagung des Kongresses der Volksdeputierten im Dezember setzten sich die Reformgegner durch und erreichten eine Begrenzung der Befugnis des Präsidenten bei der Ernennung des Regierungschefs. Fortan musste Jelzin dem Parlament eine Kandidatenliste vorlegen.

1993
Jelzin unterstellte am 20. März Russland der Präsidialherrschaft. 23. März: Das russische Verfassungsgericht in Moskau erklärt die von Jelzin verkündete Präsidialherrschaft für teilweise verfassungswidrig.

Der Kongress lehnte am 11. April mit deutlicher Mehrheit das von Jelzin beabsichtigte Verfassungsreferendum ab.

Am 25. April sprachen in einem Referendum, an dem sich 64,5 Prozent der wahlberechtigten russischen Bevölkerung beteiligten, 58,7 Prozent der Wähler Jelzin und dessen Reformpolitik ihr Vertrauen aus. Eine neue Verfassung und Neuwahlen wurden jedoch abgelehnt.

Jelzin verfügte am 21.September die Auflösung des Parlaments und kündigte für Dezember Neuwahlen an. Daraufhin besetzten Reformgegner das russische Parlamentsgebäude.

Am 4. Oktober ergaben sich die russischen Reformgegner im Moskauer Parlamentsgebäude regierungstreuen Truppen. Damit war der Umsturzversuch reformfeindlicher Nationalisten und Altkommunisten gegen Jelzin gescheitert.

Nach dem misslungenen Putschversuch und der Absetzung seiner politischen Gegner setzte Jelzin am 12. Dezember Neuwahlen durch. Jelzin kann unter den Abgeordneten keine klare Mehrheit für sich erzielen. Die neue Verfassung gewährte ihm aber eine umfassende Machtfülle.

1994
Im Februar entschied die Duma mit großer Mehrheit, die Putschisten der Jahre 1991 und 1993 zu amnestieren. Dieser Beschluss wurde als innenpolitischer Affront gegen Jelzin gewertet.

1995
Bei den Parlamentswahlen am 17. Dezember mussten Jelzin und seine Anhänger starke Verluste hinnehmen. Jelzin nahm daraufhin verschiedene Veränderungen in der Besetzung politischer Ämter vor und entließ reformwillige Kräfte.

1996
Jelzin kündigte am 16.Mai die Abschaffung der Wehrpflicht in Russland für das Jahr 2000 an. Stattdessen sollte eine reine Berufsarmee gebildet werden. In einem weiteren Dekret verfügte Jelzin die Abschaffung der Todesstrafe.

Bei den Stichwahlen am 3. Juli um das Amt des russischen Präsidenten setzte sich Jelzin mit 55,83 Prozent der Stimmen durch. Das Wahlergebnis wurde im Ausland überwiegend positiv aufgenommen, da Jelzin nach wie vor als Garant für Demokratie und Reformen galt.

Am 5. November 1996 unterzog sich Jelzin im russischen kardiologischen Zentrum einer Herzoperation, wobei ihm mehrere Bypässe zwischen der Hauptschlagader und den Koronarien gelegt wurden.

1997
Am 16. April trafJelzin zu einem zweitägigen Deutschland-Besuch ein.

In Paris wurde am 27. Mai ein Sicherheitsabkommen zwischen Russland und der NATO unterzeichnet, das den Beitritt ost- und mitteleuropäischer Länder zu dem Militärbündnis ermöglichte. Einen Beitritt der baltischen Staaten oder der Ukraine lehnte Jelzin aber weiterhin ab.

Vom 21. bis 22. Juni auf dem 23. Weltwirtschaftsgipfel in Denver war Russland erstmalig von Beginn an dabei. Ein großer Teil der finanzpolitischen Fragen wurde jedoch ohne Jelzin erörtert.

1998
Jelzin entließ am 23. März überraschend sein gesamtes Kabinett.

Am 15. April unterzeichnete er das bereits im Frühjahr 1997 vom Parlament gegen sein Veto verabschiedete "Beutekunst"-Gesetz. Dieses bestimmt, dass alle während des Zweiten Weltkrieges erbeuteten Kunstschätze, die sich noch in russischer Hand befinden, russisches Eigentum sind.

Am 17. Juli wurden die sterblichen Überreste des 1918 ermordeten letzten russischen Zaren Nikolaus II. und seiner Familie werden in Sankt Petersburg beigesetzt. Jelzin bezeichnete die Feierlichkeiten als ein Symbol der Aussöhnung.

Am 7. Oktober kam es in Russland zu landesweiten Demonstrationen gegen die Probleme des Landes und für den Rücktritt Jelzins.

Jelzin sagte am 26. Oktober seine Teilnahme am Gipfeltreffen der Europäischen Union (EU) in Österreich aus gesundheitlichen Gründen ab.

Am 7. Dezember verfügte Jelzin, dass das Justizministerium und die Steuerpolizei zukünftig direkt dem Präsidenten untergeordnet sind.

1999
Jelzin warnte am 9.April die NATO, dass Moskau den Einsatz von NATO-Bodentruppen in Jugoslawien nicht zulassen werde.

Am 12. Mai entließ Jelzin Ministerpräsident Jewgeni Primakow und ernannte Sergej Stepaschin zum neuen Regierungschef.

Die Duma began am 13. Mai ein Amtsenthebungsverfahren gegen Jelzin, das jedoch am 15. Mai scheiterte, da sich keine Zweidrittelmehrheit gegen den Präsidenten fand.

Trotz gesundheitlicher Probleme nahm Jelzin am 20 Juni am Abschlusstreffen des Weltwirtschaftsgipfels in Köln teil.

Auf Anfrage der Duma entschied das russische Verfassungsgericht am 6. Juli, dass Jelzin trotz seiner häufigen Erkrankungen nicht gegen seinen Willen aus dem Amt entfernt werden konnte.

Am 9. August entließ Jelzin Ministerpräsident Stepaschin und dessen Regierung aus dem Amt und empfahl den Leiter des Geheimdienstes, Wladimir W. Putin, als neuen Regierungschef. Außerdem schlug er Putin für seine Nachfolge im Präsidentenamt vor.



Auf dem Treffen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am 18. November in Istanbul hielt Jelzin eine Rede, in der er sich jede ausländische Einmischung in den Krieg in Tschetschenien verbat. Als führende Politiker der EU ein sofortiges Ende des Krieges fordern, reiste Jelzin vorzeitig aus Istanbul ab.

Am 25. November wurde Jelzin wird nach Aussage seines Pressesprechers wegen einer schweren Bronchitis ins Krankenhaus eingeliefert.

Jelzin legte am 31. Dezember 1999 freiwillig seine Vollmachten als Präsident nieder und übertrug diese Funktion an den damaligen Regierungsvorsitzenden Wladimir Putin. In seiner Neujahrsansprache an die Bürger Russlands gab Jelzin seinen vorfristigen Rücktritt vom höchsten Staatsamt bekannt. Er begründete seine Entscheidung damit, dass Russland „mit neuen Politikern, neuen Gesichtern, neuen klugen, starken und tatkräftigen Menschen“ ins neue Jahrtausend eintreten müsse. „Wir, die wir seit vielen Jahren an der Macht stehen, müssen gehen“, sagte Jelzin.

In einem Erlass wurde Jelzin Immunität vor Strafverfolgung auf Lebenszeit gewährt.

5. April 2000
Bekam Jelzin ein Rentnerausweis und ein Ausweis als Arbeitsveteran ausgehändigt.

2006
Die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga zeichnete Jelzin mit dem höchsten Orden Lettlands für seine "historische Rolle" bei der "Befreiung Lettlands" aus.

Jelzin ist als Autor der Bücher „Bekenntnis zu einem vorgegebenen Thema“, „Tagebuch eines Präsidenten“ und „Der Präsidentenmarathon“ bekannt.

Ihm wurden der Leninorden, zweimal der Rotbannerorden, das „Ehrenzeichen“ sowie ausländische Auszeichnungen verliehen, so der „Königliche Friedens- und Gerechtigkeitsorden“ (UNESCO), die Medaille „Freiheitsschild“ „Für Selbstaufopferung und Mut“ (USA), die höchste staatliche Auszeichnung Italiens - der Orden des Kavaliers des Großen Kreuzes, sowie der Internationale Literaturpreis „Capri-90“ für das Buch „Bekenntnis zu einem vorgegebenen Thema“ zuerkannt.

2007
Am 23. April verstirbt Boris Nikolajewitsch Jelzin in Moskau.