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06-02-2005 Boris Jelzin
Russland - IWF: Wladimir Putin tilgte vorfristig die Schulden von Boris Jelzin
Der russische Finanzminister Alexej Kudrin hat am 1. Februar offiziell erklärt, dass Russland von nun an keine Schulden mehr gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) habe.

In gewissem Sinne ist das ein ausgesprochen ökonomisches Ereignis. Und vor allem sollten es jene begehen, die einen solchen Sieg beruflich bewerten können, und zwar Wirtschafts- und Finanzexperten. Aber an diesem Tag saß sicherlich ein Mensch am Festtisch, der von den Finanzwissenschaften weit entfernt ist, mit diesem Ereignis jedoch unmittelbar zu tun hat. Es fiel mit 1. Februar, dem Geburtstag des ersten Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, zusammen.

Gerade unter Jelzin begann im November 1991 die Geschichte der engen Beziehungen zwischen Russland und dem IWF. Damals wandte sich die junge russische Regierung mit Jegor Gaidar an der Spitze mit einer Bitte um finanzielle Unterstützung der künftigen Reformen an den IWF. In jenen Zeiten konnte der erneuerte Staat von niemandem wirtschaftliche Hilfe erwarten. Wer wird einem Land Geld geben, dessen Zukunft absolut nebelhaft ist?

Aber im IWF war man von dieser Idee durchdrungen, und Russland wurde am 1. Juni 1999 Mitglied dieser Organisation. Schon im August wurde unserem Land der erste stand-by-Kredit in Höhe von 1 Milliarde Dollar gewährt. Und dann nahm die Sache ihren Lauf. In Russland begann eine Epoche der stürmischen Anhäufung von Schulden. Sie vergrößerten sich lawinenartig, denn sie wurden durch eine fixe Ideologie untermauert: Je mehr Geld in das Land kommt, desto schneller entwickelt sich seine Wirtschaft. Damals war es unpopulär, darüber zu sprechen, dass die Zeit der Tilgung der Schulden unweigerlich kommen wird. Den Skeptikern stellte man als Beispiel Industriestaaten mit einer stabilen Wirtschaft vom Typ der USA hin, die keinen Anstoß daran nehmen, Geld zu borgen, und dabei dynamisch wachsen.

Dem IWF passte eine solche Position der russischen Behörden durchaus. Denn bei der Kreditgewährung stellte der Gläubiger dem Anleihenehmer harte Bedingungen, an den sogenannten Empfehlungen beim Treffen nicht nur wichtiger ökonomischer, sondern auch politischer Entscheidungen festzuhalten. Im Grunde verwandelte sich das Land in einen nicht gleichberechtigten Partner, dem ein Begleiter aufgezwungen wurde. Vorgeschlagen wurden offensichtliche Wege. Ihr Wesen besteht darin, dass sie der Politik der USA, des IWF-Hauptteilhabers, nicht zuwiderlaufen. Wie auch in vielen anderen Ländern der Welt wurde die Einstellung zum IFW und zu dessen Standardbedingungen ein wunder Punkt der Innenpolitik.

Wozu das im Fall mit Russland geführt hat, wissen wir schon. Die Leidenschaft, Geld sowohl im Ausland als auch im Inland zu borgen, ergriff die Behörden derart, dass 1998 die Finanzkrise ausgebrochen war, deren Folgen in Russland noch bis in die jüngste Zeit hinein zu spüren waren. Es sei daran erinnert, dass der IWF gegen die damaligen übermäßigen inneren Anleihen, die eine richtige spekulative Schuldenpyramide geschaffen hatten, aus irgendeinem Grunde nichts eingewendet hat.

Die Auslandsschulden und dazu noch die Folgen der Finanzkrise von 1998 waren wohl der schwerste Teil des Erbes, das Wladimir Putin von Boris Jelzin übernommen hatte. Wie wir sehen, befreit sich der heutige Präsident Schritt für Schritt von dieser Last, indem er beispielsweise die Schulden vorfristig tilgt. Gemäß dem Schema des Finanzministeriums hat Russland statt der im Terminplan 2005 vorgesehenen 5,6 Milliarden Dollar zur Tilgung seiner Gesamtverschuldung (d.h. dem Pariser Club und den anderen Gläubigern) 10 Milliarden Dollar zurückzuzahlen.

Es sei daran erinnert, dass die Tilgung der Schulden gegenüber dem IWF bis zum Jahre 2008 erfolgen sollte. Aber die russische Regierung beschloss, 3,33 Milliarden Dollar vorfristig zu zahlen und ihre politisierteste Schuld vollständig zu tilgen. Das bedeutet, dass Russland dieses alles andereals leichte und angenehme Kapitel in seinem Leben gewendet hat. Nahm das Geburtstagskind Jelzin dieses symbolische Geschenk an, der es einst eigenmächtig eingeleitet hatte? Heute ist das schon nicht mehr von Bedeutung. Wichtig ist, dass Russland durch die Tilgung der Schulden gegenüber dem IWF zu einem gleichberechtigten und vollwertigen Mitglied dieser Organisation wird. Das heißt, nunmehr wird niemand unser Land belehren, wie es zu leben hat. Mehr noch. Für den russischen Rubel, der der Idee nach zu einer der IWF-Reservewährungen werden müsste, eröffnen sich Perspektiven. Anders gesagt, werden anderen Ländern Kredite in dieser Währung gewährt. Die ersten Anwärter auf solche Tranchen können die Länder der Ex-UdSSR werden, was für Russland von keiner geringen Bedeutung ist. (Jana Jurowa, politische Kommentatorin der RIA Nowosti).