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25-04-2007 Boris Jelzin
Tag des Abschiedes von Boris Jelzin hat merkwürdige Zeichen
Über Boris Jelzin wurde mehrfach gesagt, er sei ein Sinnbild Russlands, der russischen Seele, das Symbol einer ganzen Epoche. Auch der Tag der Beisetzung des ersten Präsidenten Russlands ist voll symbolhafter Übereinstimmungen.

So hatte das Bolschoj- Theater noch vor einigen Monaten für den 25. April die Neuaufführung der Oper von Modest Musorgski "Boris Godunow" angesetzt. Das Theater hat die zweite Fassung der Oper in Arbeit genommen, die mit dem Tod des Haupthelden endet. Boris Jelzin wurde in Russland recht oft "Zar Boris" genannt, so dass der Tag seiner Beisetzung doppelt so tragisch zu sein scheine, weil am gleichen Tag die Premiere im Bolschoj stattfinde, sagte der Generaldirektor des Theaters, Anatoli Iksanow.

Die Totenmesse für Boris Jelzin wurde in der Christus- Heiland- Kathedrale zelebriert. Und gerade Jelzin gehörte zu den Initiatoren des Wiederaufbaus dieses größten Gotteshauses der russischen orthodoxen Kirche. Aus seiner Sicht würde die Neubelebung dieser für Russen heiligen Stätte, die in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch Kommunisten ruiniert worden war, "viel leichter den Weg zum gesellschaftlichen Einvernehmen finden lassen".

Die Geschicke des Bauwerkes und des Präsidenten waren auf rätselhafte Weise verbunden: Gläubige durften die wieder aufgebaute Kathedrale zum ersten Mal am 31. Dezember 1999 besuchen, d.h. am Tag, an dem Boris Jelzin seinen Rücktritt aus dem Amt des Staatsoberhaupts Russlands bekannt gegeben hat.

Eine weitere rätselhafte Übereinstimmung besteht darin, dass der Friedhof des weltberühmten Moskauer Neujungfrauenklosters vor genau 20 Jahren wieder für einfache Besucher frei gegeben worden war. Zuvor war er im Laufe von 15 Jahren gesperrt. Damals hatte wohl der erste Sekretär des Moskauer städtischen Komitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion nicht geahnt, dass man ihn hier zur letzten Ruhestätte tragen wird.

Und noch eins. Vor einem Monat waren Boris Jelzin und seine Gattin Naina am Jordan-Fluss und haben die Stätte besucht, wo Jesus Christus die Taufe bekommen haben soll. Nach den Worten seines Protokollchefs, Wladimir Schewtschenko, habe Boris Jelzin in den Jordan-Fluss die Hände getaucht und dann die dort vor ungeraumer Zeit errichtete orthodoxe Kirche besucht.

Und das Letzte: Boris Jelzin ist der erste Staatsmann seit 100 Jahren, von dem sich Russland in einem Gotteshaus Abschied genommen hat. Und den Weg zum Gotteshaus hat Boris Jelzin gebahnt.[itartass/russland.RU]