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25-04-2007 Boris Jelzin
Jelzin in Moskau bestattet
Der verstorbene russische Ex-Präsident Boris Jelzin ist am Mittwoch auf dem Friedhof des Moskauer Neujungfrauenklosters beigesetzt worden. Das russische Fernsehen zeigte das Staatsbegräbnis, das unter anderem in Anwesenheit des amtierenden Präsidenten Wladimir Putin und der früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George Bush stattfand.

Zuvor hatte Russland mit einem Gottesdienst in der Moskauer Erlöserkathedrale Abschied von seinem ersten demokratisch gewählten Staatschef genommen. Jelzin war am Montag im Alter von 76 Jahren an Herzversagen gestorben. In Russland herrschte am Mittwoch Staatstrauer.

Singende russisch-orthodoxe Priester führten die Trauerprozession hinter dem offenem Sarg an. Jelzins Witwe Naina küsste ihren verstorbenen Ehemann ein letztes Mal, und auch die Töchter Tatjana und Elena nahmen von ihm Abschied, bevor der Sarg geschlossen und zu den Klängen der russischen Nationalhymne und drei Kanonenschüssen in die Erde gelassen wurde. Unter den Trauergästen waren auch der letzte sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow sowie Bundespräsident Horst Köhler. Altkanzler Helmut Kohl, ein enger Freund Jelzins, bedauerte nach Angaben seines Berliner Büros, nicht teilnehmen zu können. Die Reise sei nach einer kürzlichen Knieoperation zu "beschwerlich" für den 77-Jährigen.

Auf dem Friedhof des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Neujungfrauenklosters liegen zahlreiche berühmte Persönlichkeiten wie Nikita Chruschtschow, Anton Tschechow, Nikolai Gogol, Sergej Prokofiew und Dimitri Schostakowitsch. Putin hatte eigens wegen der Beerdigung seine Rede an die Nation um einen Tag auf Donnerstag verschoben. Im ganzen Land wehten die Flaggen auf Halbmast.

Noch am Morgen hatten mehrere hundert Menschen in der russischen Hauptstadt Abschied von dem früheren Präsidenten genommen. Vor der Erlöserkathedrale, in der sein Leichnam seit Dienstag aufgebahrt war, standen etwa 300 Menschen Schlange, um Jelzin die letzte Ehre zu erweisen. Nach Polizeischätzungen waren insgesamt bis zu 20.000 Menschen am offenen Sarg Jelzins vorbeidefiliert. Viele der Trauernden trugen Fotos des Ex-Präsidenten und Rosen, die sie an einem eigens eingerichteten Platz niederlegten.

Während der Totenmesse, die nach russisch-orthodoxem Ritus vollzogen wurde, hielten die Trauergäste lange dünne rote Kerzen. Geistliche Würdenträger schwenkten Weihrauch-Fässer. Jelzin selbst hatte Anfang der 90er Jahre den Wiederaufbau der Kathedrale betrieben, die 1931 auf Anweisung Stalins gesprengt worden war. Die Erlöserkathedrale sowie der Weg zum Kloster, den der von einem Panzer gezogene Katafalk nahm, wurden von einem starken Polizeiaufgebot gesichert.

Jelzins Karriere hatte als KPdSU-Funktionär in der Sowjetunion begonnen. Nach deren Zerfall wurde er 1991 erster Präsident der unabhängigen Russischen Föderation. Zwei Monate später schlug er den Putschversuch reformfeindlicher Kräfte gegen Gorbatschow nieder. Seine Pose als Volksheld auf einem Panzer ging um die Welt. Ende 1999 trat er nach mehreren Herzanfällen und hartnäckigen Gerüchten über eine Alkoholkrankheit sein Amt an Putin ab.