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31-12-2009 Boris Jelzin
Naina Jelzina wollte Boris Jelzin vom Rücktritt abbringen


Die Witwe des 2007 verstorbenen russischen Präsidenten Boris Jelzin hat nach eigenen Angaben vor zehn Jahren vergeblich versucht, ihren Mann vom Rücktritt abzuhalten.




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In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "Komsomolskaja Prawda" sagte Naina Jelzina, sie habe ihrem Mann am 31. Dezember 1999 geraten, wenigstens noch ein paar Tage zu warten. Boris Nikolajewitsch sei zuvor "die ganze Nacht über sehr nervös" gewesen. Er sei sehr früh aufgestanden und habe ihr gesagt, dass er seine Neujahrsrede für das Fernsehen aufzeichnen lassen müsse. "Ich war überrascht, denn am 28. Dezember hatte er bereits eine Fernsehansprache aufgenommen", fügte sie hinzu.

Jelzin habe ihr dann seine Entscheidung mitgeteilt zurückzutreten und ihr gesagt, sie solle es sich im Fernsehen ansehen. Sie sei darüber fassungslos gewesen und habe noch zehn Minuten vor der Aufzeichnung der Rede versucht, ihren Mann umzustimmen. Doch von ihrer Tochter Tatjana, die ihren Vater begleitet habe, sei ihr am Telefon bedeutet worden, dass sich dessen Beschluss nicht mehr ändern lasse. In seiner Ansprache gab Jelzin seinen Rücktritt mit unmittelbarer Wirkung bekannt. Als Übergangspräsident fungierte der damalige Regierungschef Wladimir Putin, der das Amt des Staatschefs anschließend bis 2008 ausübte und danach wieder Ministerpräsident wurde.

Laut einer vor kurzem veröffentlichten Umfrage des russischen Meinungsforschungsinstituts VZIOM halten 66 Prozent der Befragten Jelzins Rücktritt vor zehn Jahren im Nachhinein für eine "gute Entscheidung".

Diese Auffassung vertreten die meisten Anhänger der Parteien „Einheitliches Russland“ und „Gerechtes Russland“ (75 bzw. 74 Prozent). Weitere 16 Prozent der Befragten, darunter 26 Prozent der Anhänger der Kommunisten, schätzen den Rücktritt des ersten Präsidenten als „richtigen Schritt“ ein, sind jedoch der Meinung, dass Jelzin keinen Nachfolger hätte wählen sollen.

Nach Aussagen von sieben Prozent der Befragten, vor allem Anhänger der LDPR (elf Prozent), hätte Jelzin einen anderen Nachfolger wählen sollen. Nur ein geringer Anteil der Befragten bezeichnete Jelzins Entscheidung als falsch. 39 Prozent der Befragten äußerten Zufriedenheit mit Jelzins Entscheidung. Im Jahre 2000 waren es allerdings mehr als 52 Prozent.

32 Prozent der Befragten waren nach eigenen Aussagen von dem Machtwechsel im Jahre 2000 kaum beeindruckt. Im Jahre 2000 waren es nur zehn Prozent. Je sieben Prozent der Respondenten hatten Verwunderung und Begeisterung empfunden. Vier Prozent waren befremdet, weitere zwei Prozent empört und ein Prozent besorgt gewesen. Die russischen Bürger führen weiterhin den Rücktritt Jelzins auf seinen schlechten Gesundheitszustand und die Unfähigkeit zurück, seinen Pflichten als Präsident nachzukommen. Das sind vor allem ältere Menschen (44 Prozent).

Die Zahl der Bürger, denen zufolge Jelzins Epoche dem Land eher geschadet habe, ist in den zurückliegenden zehn Jahren von 67 auf 56 Prozent zurückgegangen. Diese Meinung vertreten vor allem Anhänger der KPRF (79 Prozent) und Menschen mit niedrigem Bildungsgrad (66 Prozent). Jeder fünfte sieht in der Amtszeit Jelzins mehr Positives (gegenüber 16 Prozent im Jahre 2000). Das sind vor allem Anhänger von „Gerechtes Russland“ (28 Prozent) und hochgebildete Respondenten (25 Prozent).

Jelzina widersprach in dem Interview der gängigen Meinung, ihr Mann habe in den letzten Jahren seiner Präsidentschaft allzu sehr dem Alkohol zugesprochen.

Seit seiner Operation - offenbar meinte sie einen Eingriff an Jelzins Herzen im Jahr 1996 - habe er nur noch nicht-alkoholische Getränke zu sich genommen. [ russland.RU ]