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09-10-2008 Jugendparlament DeuRus
Abschluss des 4. Deutsch-Russischen Jugendparlaments in St. Petersburg
Jungparlamentarier treffen Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Medwed-jew

Nach einwöchigen intensiven Beratungen des 4. Deutsch-Russischen Jugend-parlaments in St. Petersburg haben seine Vertreter am 2. Oktober in Anwesen-heit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Dmitrij Medwedjew dem Schlußplenum des Petersburger Dialogs ihre Ergebnisse präsentiert.



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Ihr Appell an den russischen Präsidenten, den deutsch-russischen Schüleraustausch stär-ker finanziell zu fördern, fand eine positive Antwort.

Im Mittelpunkt der Beratungen von 50 Jugendliche aus Deutschland und Russland, die parallel zu den deutsch-russischen Regierungskonsultationen und dem Petersbur-ger Dialog im Marijinskyj-Palast, dem Sitz des Petersburger Parlaments stattfanden, standen neben aktuellen Fragen des deutsch-russischen Jugendaustausches und der Bildungszusammenarbeit auch die Auswirkungen der Kaukasus-Krise und Fragen der Zivilgesellschaft.

Ausgerichtet wurde das Jugendparlament von der Stiftung Deutsch-Russischer Ju-gendaustausch (DRJA) und dem Russischen Nationalen Koordinierungsbüro für den Jugendaustausch mit Deutschland.

„Wir gingen mit zum Teil ganz unterschiedlichen Positionen in die Beratungen über die Auswirkungen der Spannungen mit Russland auf die deutsch-russischen Bezie-hungen. Sie beruhten zum Teil auf der unterschiedlichen Darstellung in den Medien unserer Länder. Am Ende verband uns aber die Überzeugung, dass diese Differenzen die deutsch-russische Freundschaft nicht in Frage stellen dürfen.“ Mit diesen Worten reagierte Markus Meier (24) auf Fragen der Bundeskanzlerin und des Präsidenten, die sich besonders für die Differenzen zwischen den jungen Deutschen und Russen interessierten.

Die Tatsache, dass zum ersten Mal ein russisches Gebietsparlament sein Haus für das deutsch-russische Jugendparlament öffnete, wurde von seinen Mitgliedern eben-so gewürdigt wie vom Sprecher der Stiftung DRJA, dem früheren deutschen Botschaf-ter in Russland, Dr. Hans-Friedrich von Ploetz: „Die Duma bringt damit zum Ausdruck, dass die gewählten Vertreter der Bürger von St. Petersburg die Ernsthaftigkeit aner-kennen, die dieses einzigartige Jugendparlament auszeichnet.“

Diskutiert haben die „Jungparlamentarier“ nach parlamentarischen Regeln in Plenar- und Ausschusssitzungen. Im Mittelpunkt der vier Ausschüsse standen die Rolle der Jugend in der Zivilgesellschaft, Projekte des Jugendaustausches und der Bildungs-zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland sowie Medien und Jugend und die deutsch-russischen Beziehungen im Lichte der aktuellen politischen Entwicklun-gen. Durch eigene Recherche und Expertenanhörungen, u. a. des früheren russi-schen Wirtschaftsministers Prof. Andrej Netschajew und des langjährigen sowjeti-schen und zuletzt russischen Botschafters in Deutschland, Prof. Dr. Wladislaw Tere-chow, vertieften die Jugendlichen in Hintergrundwissen und damit die Grundlage für informierte Schlussfolgerungen.

Diese Schlussfolgerungen wurden am Ende in einem Ergebnispapier zusammenge-führt. Es enthält Vorschläge für die Ausweitung von Austauschprogrammen zwi-schen jungen Medienmachern, die Ausweitung von gemeinsamen Ausbildungspro-grammen für Jugendleiter sowie Verstärkung der Bemühungen um Förderung der russischen Sprache und Kultur in Deutschland, etwa nach Vorbild der deutschen Goe-the-Institute.

Den Worten Taten folgen lassen – dafür plädiert Dejan Panow (21) aus Rostock, der im Jugendparlament die Bundesschülerkonferenz vertreten hat. Seine Anregungen für einen Meinungsaustausch zwischen den Schülermitverwaltungen beider Länder etwa über Bildungsstandards fanden viel Zustimmung.

Erstmals konnte man die Arbeit des Jugendparlaments auch im Internet live verfolgen: Auf www.to4ka-treff.de berichten junge Journalisten der Jugendpresse Deutschland e.V. und der russischen YN Press laufend aus St. Petersburg. Das neue deutsch- und russischsprachige Jugendwebportal ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und der Goethe-Institute der Region Osteu-ropa/Zentralasien.

Die Idee zu einer deutsch-russischen Internetplattform stammt von den Teilneh-menden des 1. Deutsch-Russischen Jugendparlaments, das 2006 im sächsischen Landtag in Dresden stattfand. In St. Petersburg ist www.to4ka-treff.de nun offiziell an den Start gegangen.

Die deutsch-russischen Jugendparlamente verstehen sich als „Schule der Zivilgesell-schaft“: Sie wollen das Verständnis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Re-geln der Demokratie und der parlamentarischen Meinungsbildung fördern. Zugleich wollen sie den Jugendlichen die Möglichkeit der eigenen Einflussnahme auf gesell-schaftliche Fragestellungen verdeutlichen und sie so zu aktivem politischem Engage-ment motivieren.

Die Stiftung DRJA in Hamburg ist bundesweit die zentrale Koordinierungsstelle für den Jugend- und Schüleraustausch mit Russland. Gesellschafter der Stiftung sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Freie und Hanse-stadt Hamburg, die Robert Bosch Stiftung und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Seit Gründung der Stiftung im Frühjahr 2006 hat sie den Austausch von mehr als Personen aus Deutschland und Russland gefördert.