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29-10-2012 Jugendparlament DeuRus
2012 - gemeinsame Antworten auf neue Herausforderungen?


[Von Anna Ryndin für www.jugendparlament.russland.ru] 50 junge Menschen aus Deutschland und Russland werden sich in knapp zwei Wochen gemeinsam dieser Frage widmen. Was sie in der russischen Hauptstadt zusammenführt, ist das Interesse füreinander, der Wunsch, sich in den gesellschaftlichen Diskurs beider Länder einzubringen.



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Das Deutsch-Russische Jugendparlament bietet ihnen dafür eine einzigartige Gelegenheit. Die Stiftung des Deutsch-Russischen Jugendaustausches wurde 2006 auf Initiative des Petersburger Dialogs gegründet, einem Diskussionsforum zur wirtschaftlichen und zivilgeschichtlichen Zusammenarbeit Russlands und Deutschlands. Seitdem lud sie bereits sieben Mal zu dieser besonderen Begegnung in Deutschland und Russland ein, meist parallel zu den deutsch-russischen Regierungskonsultationen.

Das Jugendparlament gibt Jugendlichen aus beiden Ländern eine Plattform: Sie diskutieren aktuelle Fragen aus Bildung und Kultur, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Themen der letzten Jahre waren beispielsweise bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftliche Verantwortung, Modernisierung, Demokratie und Globalisierung in beiden Ländern. Dieses Jahr stehen Medien und Jugend im Meinungsbildungsprozess ,interethnische Probleme, Chancengleichheit und demografischer Wandel auf dem Programm.

Das Jugendparlament versteht sich als „Schule der Zivilgesellschaft“. Als solche möchte sie den Teilnehmenden das Verständnis für die Regeln der Demokratie und der parlamentarischen Meinungsbildung näher bringen. Jugendliche erfahren die Möglichkeit der eigenen Einflussnahme auf gesellschaftliche Fragestellungen. So sollen die deutschen und russischen Jugendvertreter zu aktivem politischem Engagement motiviert werden.

Die große Chance des Jugendparlaments liegt wohl vor allem darin, dass schon ohnehin motivierte und sozial oder politisch aktive junge Leute zusammenkommen. Das spiegelt auch die Einstellung der 16-jährigen Schülerin und Spätaussiedlerin Marija Ruzhitskaya wieder: „Poltisches und ehrenamtliches Engagement ist meiner Meinung nach -ganz besonders für Jugendliche- nichts Optionales, sondern ein Muss.“ Leonie Liemich, die Sekretärin des letzten Jugendparlaments in Hannover und auch diesjährige Teilnehmerin, schätzt die Möglichkeit, „in kurzer Zeit so viele andere Jugendliche mit ähnlichen Interessen, reichen Erfahrungen und interessanten Profilen kennen zu lernen“.

Wenn die Teilnehmer ihr Engagement bündeln, macht sie das zu einer starken Stimme. Denn die Ergebnispapiere präsentieren die einzelnen Ausschüsse des Jugendparlaments den deutschen und russischen Regierungschefs. Dazu meint Martin Schaefer, Student der Politikwissenschaften: „Ich hoffe darauf, dass wir unsere Stimme als junge Generation auf die Ebene der "high politics" tragen können. Gerade deshalb geht diese Veranstaltung weit über einen gewöhnlichen Austausch hinaus. Sie besitzt vielmehr Symbolcharakter auch für weitere Länder. Und so ist es an uns, unsere Stimme hörbar zu machen - und an den Regierungsvertretern unserer Länder, hinzuhören.“ Die jungen Parlamentarier arbeiten also nicht nur für die Aktenablage.

Jedes Jahr erhalten neue Bewerber die Chance teilzunehmen und dies gibt dem Jugendparlament eine enorme Dynamik. Jeder kommt mit individuellen Erfahrungen und Ideen, mit denen er das Parlament bereichert und am Ende bereichert verlassen wird. Insgesamt nahmen bereits über 300 junge Menschen teil. Die 50 Jugendlichen aus Deutschland und Russland, die sich im November in Moskau kennen lernen werden, nehmen das erste Mal am Parlament teil. Sie sind Schüler, Studenten der verschiedensten Fachrichtungen wie Soziologie, Politik, Wirtschaft, Pädagogik, Philosophie, Fremdsprachen, Jura oder Medizin und junge Berufstätige.

Für die wenigsten ist es jedoch die erste interkulturelle Begegnung. Ob Schüleraustausch, Freiwilligendienst, Auslandsstudium- sowie Praktikum oder Sprachkurs - Weltoffenheit und die Bereitschaft zum internationalen Dialog scheint eine Grundgemeinsamkeit aller russischen und deutschen Teilnehmenden zu sein.

Von ihrer besonderen Beziehung zu Russland berichtet Kathrin Freudenberger, Master-Studentin der Bildung und Erziehung im Kindes-und Jugendalter: „Meinen ersten direkten Kontakt mit Russland und der russischen Kultur hatte ich dank eines Schüleraustausches. Geprägt durch zahlreiche positive Eindrücke, verfolgte ich fortan aus einer anderen Sichtweise die Nachrichten und Berichterstattungen. Auf Grund der sehr schönen Erfahrungen während unseres Aufenthalts in Russland und der Zeit, als unsere Austauschpartner zu Besuch waren, stand für mich fest, dass ich ein weiteres Mal nach Russland fliegen werde.“ Auch die 16-jährige begeisterte Russischlernerin Laura Neuman wollte seit dem Schüleraustausch in Kaluga vor zwei Jahren unbedingt wiederkehren. „Mir hat es damals so gut gefallen, die Leute, die Lebensweise und überhaupt alles. Umso aufgeregter bin ich nun, dass es wirklich geklappt hat.“ Judith Trame absolvierte nach dem Abitur einen Freiwilligendienst im sozialen Bereich in Tscheljabinsk am Ural und ist, wie sie mit einem Zwinker sagt, „Russland seitdem quasi verfallen“ und engagiert sich neben dem Studium in der Deutsch-Russischen Kinder-und Jugendarbeit.

Martins Interesse an Russland begann mit einem Sprachkurs in Moskau und Tomsk. Im Studium konzentrierte er sich anschließend zunehmend auf die Russische Föderation und Osteuropa. „Russland hat mich also nicht mehr losgelassen, und noch heute bin ich tief beeindruckt von den Eindrücken und Moskau und vor allem Westsibirien.“

Für Nina Krögerrecklenfort, die im Bachelor-Studium Russischkurse besucht hat, wird es die erste, lang gewünschte Reise nach Russland sein. Yike Guo wagt zum ersten Mal das Abenteuer „Russisch“: „Ich glaube, ich bin unter den wenigen Teilnehmenden dieses Jugendparlaments, der kein Russisch spricht. Ich habe mir neulich immerhin große Mühe gegeben, mir selbst ein wenig Russisch beizubringen. Nun kann ich zumindest das Kyrillische lesen und hoffe, dass ich das Meiste und Beste aus meinem Aufenthalt in Moskau machen werde.“ Auf politischer Ebene bringt Yike jedoch schon reichlich parlamentarische Erfahrung mit, vom Europäischen Jugendparlament und den Konzferenzen des Model European Union sowie dem Model United Nations. Er sieht im Deutsch-Russischen Jugendparlament unter anderem die Gelegenheit, „Vorurteile abzubauen, Vertrauen aufzubauen und in neun intensiven Tagen Freundschaften in einer neuen Dimension zu schmieden, die auch nachhaltig und positiv wirken können auf die künftigen Beziehungen beider Länder sowie in der internationalen Gemeinschaft.“

Nachhaltigkeit ist auch für Elmar Stracke, Student der Philosophie und Wirtschaft und Nachwuchsjournalist, ein wichtiger Aspekt: „Ich würde mich freuen, wenn es uns gelänge, neue tolle Projekte zu initiieren, die idealerweise auf lange Sicht den deutsch-russischen Jugendaustausch beflügeln.“ Er hofft zudem vom 8. Jugendparlament, „dass auch unter den russischen Teilnehmern viele engagierte junge Leute sind, mit denen man einen offenen Dialog führen kann und wünsche mir sehr, dass keine der beiden Seiten -vor allen Dingen unsere- versucht, dem anderen seine Ideen aufzuzwingen, wie das in den Medien bisweilen häufig verlangt oder getan wird.“

Wie diese offene, gerechte Diskussionskultur gelingt, welches Programm die Jungparlamentarier erwartet und zu welchen Ergebnissen sie kommen und vor allem, was für (inter-)kulturelle, persönliche Eindrücke und Erfahrungen die Teilnehmer sammeln - darüber möchten wir auf dieser Seite berichten.

[ Anna Ryndin /jugendparlament.russland.ru]
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russland.RU wird auf seiner Schwerpunktseite [www.jugendparlament.russland.ru] über das 8. Deutsch-Russische Jugendparlament in Moskau berichten.