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15-11-2012 Jugendparlament DeuRus
Feierliche Eröffnung des Parlaments mit Heino


Montag, 12. November 2012
Der zweite Tag des Jugendparlaments führte die Teilnehmer direkt ins Herz des politischen Betriebs von Moskau. Es begann mit einem runden Tisch im Departement für Familien- und Jugendpolitik. In Anspielung auf die Verstimmungen der letzten Wochen macht der erfahrene Diplomat Hans-Friedrich von Ploetz, Mitinitiator der Deutsch-Russischen Jugendparlamente, bereits ins seiner Eingangsrede deutlich, dass es auch an der anwesenden Jugend liege, dies zu ändern. Um die beiden Länder wenigstens symbolisch zu vereinen, werden daraufhin die beiden Nationalhymnen abgespielt – die deutsche in einer interessanten Interpretation von Heino. Das führt dazu, dass der etwas steife Augenblick doch von dem ein oder anderen Grinsen – wenn auch unfreiwillig – aufgelockert wird.



Mit Wladimir Filippow, Stellvertretender Leiter des Departements, kehrt im Anschluss wieder die Sachlichkeit in die Gesichter zurück, als er über die Aufgaben seines Ministerium referiert. Laut ihm gehören dazu unter anderem die „Formierung einer russisch-nationalen kulturellen Identität“ und die Schaffung eines Bewusstseins für die eigene Tradition in jedem einzelnen Moskauer und Russen. Die Produktion von Identitäten scheint die Form des Regierens auch der neuen russischen Politik demzufolge mehr zu prägen als die repressiven Maßnahmen, welche es regelmäßig in die internationale Presse schaffen. Ähnliches zeigt sich im Bereich der Gesundheitspolitik. Auf die Frage eines Teilnehmers nach Strategien gegen den Alkoholismus antwortet der Minister mit dem Hinweis, man bemühe sich, einen neuen „Lifestyle“ schaffen zu wollen, welcher Alkohol nicht nötig habe.


Wenige Hundert Meter weiter und einige Stunden später beginnt dann in der Moskauer Stadtduma endlich der offizielle Teil des Parlaments. Die Spannung steigt. Während im Parlament acht pompöse Grußworte erklingen, sammeln sich im Nebenzimmer die Angestellten der Stadtduma vor dem Fernseher und verfolgen die Übertragung aus der Staatsduma. Zeitgleich zur Eröffnung des Jugendparlaments beruft der russische Präsident Putin nämlich erstmals den erneuerten Menschenrechtsrat ein. Auch die an die Jungpolitiker gerichteten Grußreden in der Stadtduma leiten zur konkreten politischen Arbeit über. Von deutscher Seite wird die Veranstaltung dabei als „Flaggschiff“ des deutsch-russischen Jugendaustauschs bezeichnet, als „Investition in die Zukunft“ eingestuft und die Anwesenden als „zukünftige Leader“ gepriesen. Besonders einig sind sich die deutschen und russischen Vertreter darüber, dass die Abwesenheit von Graffiti in Moskau den bunten Straßen Berlins vorzuziehen sei, während der ein oder andere Teilnehmer sich vielleicht fragt, wie man nun eigentlich auf dieses Thema kam.

Dann erhalten doch noch die Teilnehmer das Wort. Der Co-Vorsitzende des vorjährigen Jugendparlaments, Christian Rählmann, spricht in einer leidenschaftlichen Rede auch brisante Themen der letzten Parlamente an und wirbt schließlich dafür, dass sich gegenseitiges Verständnis und harte Kritik nicht ausschließen sollten. Dann erklingen auch schon wieder die Hymnen (die deutsche scheinbar wieder nur in der Heino-Fassung vorliegend), um nach etlichen Stunden die Spannung auf die Spitze zu treiben: Die Wahl der Vorsitzenden und ihrer Sekretäre steht an. Nach einer harten Lektion in Sachen Mehrheitsfindung und parlamentarischer Ausdauer stehen erst nach etlichen Stichwahlen die Sieger fest.

Das von deutscher Seite unter Stichworten wie Vielfalt und Gleichheit von Russland oft verlangte Handeln zeigt sich beim Betrachten des Wahlergebnisses mit gleich zwei selbstbewussten und verantwortungsvollen weiblichen „Leadern“ von russischer Seite als genau anders herum. Schon bei der Wahl des Vorsitzenden stand auf deutscher Seite sechs Bewerbern nur eine Bewerberin gegenüber. Als Belohnung für das Sitz- und Stehvermögen der Parlamentarier wird im Anschluss der noch am Morgen gepredigte neue „Lifestyle“ am Büffet schnell vergessen. Zu Schnittchen, Häppchen und Obst wird reichlich „Schampanskoje“ gereicht. Auf die kurz zuvor gewählten beiden Co-Vorsitzenden und deren Sekretäre muss schließlich gebührend angestoßen werden. Auf ein erfolgreiches Jugendparlament!

Presseteam des Jugendparlaments

[russland.RU]
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