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26-11-2012 Jugendparlament DeuRus
Erst in den Kreml, dann zum Feiern


Freitag, 16. November 2012

Am Morgen wurde in der Stadtduma das endgültige Ergebnispapier präsentiert. In der Nacht hatten da die Sekretäre noch die vielen Änderungsanträge eingearbeitet und das deutsche Papier gegendert. Die Präsidenten schrieben derweil ihre Reden. Die „Show“ kann beginnen.


Die Sitzungsordnung nennt sich auf Russisch „szenarija“ – Drehbuch. Einige Personen kommen zu Wort, ohne die das deutsch-russische Jugendparlament nicht denkbar wäre. Andrej Netschajev, Präsident der russischen Stiftung Internationaler Jugendaustausch, findet wie immer humvorvolle Worte: „Ihr seid jung, schön und die Zukunft liegt in euren Händen“. Der deutsche Botschafter in Moskau a.D. Hans-Friedrich von Ploetz gewährt einen Einblick hinter die Kulissen eines angespannten Petersburger Dialogs, fordert die „Überwindung des Defizits strategischen Denkens“ und kündigt baldige Erleichterungen in der deutschen Visa-Vergabe an. Auch Regine Kayser, Geschäftsführerin der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, nimmt auf den Petersburger Dialog Bezug und bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass das Jugendparlament nie ein Panel mit dem Titel „Die Fähigkeit, einander zuzuhören“ brauchen werde.

Am Mittag ging es dann zum Höhepunkt der Woche in den Kreml. Kurz bevor Merkel und Putin sich auf Schärfste duellieren werden, ist alles angerichtet für den Auftritt des Jugendparlaments auf dem Petersburger Dialog in Anwesenheit des russischen Präsidenten und der deutschen Kanzlerin. Die Co-Vorsitzenden des Jugendparlaments tragen in ihren Reden die Ergebnisse der tagelangen Arbeit vor: „Ich weiß nicht, wie es bei ihnen (dem Petersburger Dialog, Anm. d. Red.) war, aber bei uns ist alles bestens“, erklärt Anna Kosenkova souverän, Gabriel Deutscher ergänzt in seiner darauf folgenden Rede, dass die Jugend der „wichtigsten Botschafter beider Länder“ sei.

Parallel dazu findet ein Treffen bei der staatlichen Jugendorganisation Rosmolodež statt, welche die Vertreter des Jugendparlaments zur Kooperation bei einer ganzen Reihe von Projekten einladen, vor allem mit Nachdruck und Enthusiasmus zur Entsendung einer Delegation zum Sommercamp „Inter-Seliger“. Diese reagieren freundlich und zurückhaltend, wohl auch deshalb, weil es bei ihnen nicht nur um Jugendaustausch und Folklore geht, sondern in erster Linie um Parlamentarismus und Demokratie. Sie stellen ihre eigenen aktuellen Ergebnisse vor, vor allem den Vorschlag, einen Jugendrat beim russischen Präsidenten einzurichten.




Im Zentrum des Angebots von Rosmolodež steht die Kooperation bei der scheinbar unmittelbar bevorstehenden Erschaffung eines eurasischen Jugendparlaments. Dass die Erfahrungen und Kenntnisse des deutsch-russischen Jugendparlaments dabei gefragt sind, kann selbiges freuen und stolz machen. Es sollte sich aber gut überlegen, ob es die eurasische Politik Russlands durch die Beratung eines solchen, von Rosmolodež angeführten Jugendparlaments unterstützen will.

Am Abend, nachdem die letzten Geschenke übergeben sind, finden sich Teilnehmer und Organisationen in der Bar „Derevjanij dver“ (Wooden door) auf der Taganka mitten im Zentrum Moskaus ein. Bereits am Dienstag hatte man der Schwesterbar „Seljonij dver“ (Green door) einen Besuch abgestattet. Beide Club sind scheinbar eine neue Trendmarke Moskaus, in dem für Zeit bezahlt wird statt für die kostenlos bereitgestellten Konsolen- und Brettspiele oder Getränke.

Das Buffet wird zuerst von lauschiger Gitarren-Livemusik begleitet, später wird es natürlich etwas lauter. Irgendjemand verteilt an diesem Abend noch knallrote Notizblöcke und Kugelschreiber mit Hammer und Sichel von der Kommunistischen Partei Russlands. Die „Opposition“ ist damit letztendlich als doch noch – mehr oder weniger – offiziell vertreten. Zwischen den Teilnehmern dagegen scheinen alle Konflikte längst vergessen. Die Anspannung ist allen von den Schultern gefallen, man tanzt und liegt sich in den Armen. Družba!

Presseteam des Jugendparlaments

[russland.RU]
Das hat mir gut gefallen…