8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Russland rüstet sich zu den Gedenkfeiern zum Weltkriegs-Ende
Wladimir Pronin gibt sich in diesen Tagen ganz als harter Mann. Das muss der Chef der Moskauer Polizei wohl auch. Wenn nämlich am 9. Mai die Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland in Moskau stattfinden, ist er für die Sicherheit von rund 50 Staats- und Regierungschefs und tausender anderer Gäste verantwortlich.

"Der Staat darf keine Angst haben, sondern muss handeln", ist seine Maxime. Und so ist schon jetzt ein "Anti-Terror-Plan" in Kraft, der die russische Hauptstadt in eine wahre Festung verwandelt. Erst kürzlich warnte der Sicherheitsbeauftragte der Stadtverwaltung, Nikolai Kulikow, vor Angriffen tschetschenischer Extremisten.

Ein vergleichbares Sicherheitsaufgebot hat die Zehn-Millionen-Metropole noch nicht erlebt: Allein mehr als 20.000 reguläre Sicherheitskräfte sollen an dem Gedenktag im Einsatz sein. Unterstützt werden sie zusätzlich von einem Großaufgebot an Mitarbeitern des Inlandsgeheimdienstes FSB und weiteren 2000 Sondereinsatzkräften des Innenministeriums aus der Provinz. Schon seit vergangenem Sonntag gelten verstärkte Kontrollen. Obdachlose passen dem Polizeichef schon gar nicht in sein Konzept: Weil "Kranke eine Schande für diese achtbare Feier" seien, sollen sie kurzerhand von den Straßen vertrieben werden.

Auch Auto- und U-Bahn-Fahrer haben das Nachsehen: Die gesamte Innenstadt wird am Tag der Feierlichkeiten für den Verkehr gesperrt. Unterirdisch darf nur fahren, wer in Besitz einer Sondergenehmigung ist, wie zum Beispiel die rund 6000 akkreditierten Journalisten. Vielen wird da wohl nur der Gang zu Fuß bleiben. Der Bereich um den Roten Platz soll sogar ganz für die Öffentlichkeit gesperrt sein. Hier werden zu einer Militärparade rund 8000 geladene Besucher erwartet. An den Feiern wollen unter anderem US-Präsident George W. Bush, der französische Staatschef Jacques Chirac, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und UN-Generalsekretär Kofi Annan teilnehmen.

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Nicht nur im Zentrum verbarrikadiert sich die Stadt: Auf den Flughäfen und entlang der Straßen, über die die Autokonvois in die Stadt fahren, würden alle notwendigen Schutzmaßnahmen ergriffen, versichert Wladimir Kodschin. Der stellvertretende Vorsitzende des Organisationskomitees hofft darauf, "dass nichts die Feier verdirbt".

Die Nervosität der Sicherheitsbehörden ist nicht unbegründet. Informationen von Geheimdiensten deuteten darauf hin, dass Extremisten wie der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew Attentate in der Hauptstadt vorbereiteten, sagte der Moskauer Sicherheitschef Nikolai Kulikow Mitte April. Bassajew hatte in der Vergangenheit die Verantwortung für mehrere Attentate und Geiselnahmen, darunter die in Beslan im vergangenen September, übernommen. Deutlicher dürfte den russischen Sicherheitskräften aber ein anderes Ereignis vor Augen stehen: Bei einem Bombenanschlag während einer Feier zum Ende des Zweiten Weltkriegs am vergangenen 9. Mai war in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny der pro-russische Präsident Achmad Kadyrow getötet worden. Auch hierzu bekannte sich Bassajew.

Sicherheitschef Kulikow kündigte an, dass der Luftraum über Moskau an diesem 9. Mai zusätzlich mit Hubschraubern und Kampfjets überwacht werden soll. So begründet die drastischen Sicherheitsmaßnahmen auch sein mögen - unter den Einwohnern Moskaus sorgen sie für Unmut. Die Presse der Hauptstadt spricht schon von einer Feier für "einige wenige Glückliche" auf dem Roten Platz, von der die Moskauer ausgeschlossen blieben. Bürgermeister Juri Luschkow versichert indes, der Twerskaja-Boulevard, die Haupteinkaufsstraße der Hauptstadt, über die die Parade führt, solle den Einheimischen "vollständig offenstehen".[  Delphine Thouvenot / afp / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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