8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Schröder und Putin geben gemeinsames Interview
Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin haben das Kriegsende am 8. Mai gemeinsam als "Tag der Befreiung" Deutschlands gewürdigt.

In einem ungewöhnlichen Doppel-Interview für die "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) betonten beide die historische Verantwortung der Deutschen und erinnerten an die Verpflichtung, gemeinsam eine friedliche Zukunft Europas zu gestalten. Putin hob dabei hervor, dass es keine Kollektivschuld der Deutschen geben könne. Der Kanzler und der Präsident machten auch auf die Leiden der deutschen Zivilbevölkerung aufmerksam. Beide würdigten zudem das gute deutsch-russische Verhältnis 60 Jahre nach Kriegsende.

Schröder nahm zur Einordnung des 8. Mai in dem Interview eindeutig Stellung: "Russland hat mit den Alliierten der Anti-Hitler-Koalition Deutschland und Europa von der Nazi-Herrschaft befreit." Das russische Volk habe dafür einen enormen Blutzoll entrichten müssen. Der Kanzler fügte hinzu: "Zum Gedenken des 8./9. Mai gehört aber auch, dass das Kriegsende für viele Menschen und Deutschland und darüber hinaus nicht nur Befreiung bedeutet: das Datum steht auch für Vertreibungen, für Flüchtlingselend und für neue Unfreiheit." Putin sagte: "Natürlich hat die deutsche Zivilbevölkerung während des Krieges auch gelitten, aber dies war nicht die Schuld der Sowjetunion oder der Roten Armee." Er betonte: "Es war nicht die Sowjetunion, die diesen Krieg begonnen hatte."

Der Kanzler nannte es "ein Wunder", dass die erbitterten Feinde und Kriegsgegner Deutschland und Russland "heute als Freunde und Partner in guter Nachbarschaft leben". Die Generation seiner Eltern und Großeltern hätte sich das kaum vorstellen können. Schließlich sei "einer der schlimmsten Kriege der Menschheitsgeschichte" von Deutschland begonnen worden. Die Erinnerung daran bleibe "moralische Verpflichtung". "Unrecht und Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" dürften nie wieder eine Chance bekommen.

Putin verneinte eine Kollektivschuld des deutschen Volkes: "Meine Eltern sagten immer, dass nicht die Menschen, die einfachen Soldaten Schuld trifft, sondern dass sie vom Regime in den Krieg getrieben worden seien." Nach erheblichen Anstrengungen sei es den Bürgern der Ex-Sowjetunion gelungen, trotz aller schrecklichen Erfahrungen den Deutschen zu vergeben.

Putin verwies auf sein enges persönliches Verhältnis zu Deutschland. Besonders mit Dresden, wo er in der DDR als Offizier des KGB stationiert war, verbinde ihn sehr viel. Kein Verständnis äußerte Putin für die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch die britische und amerikanische Luftwaffe: "Mir ist es bis heute völlig unbegreiflich, warum Dresden vernichtet werden musste. Aus Sicht der Kriegsführung bestand damals dafür überhaupt keine Notwendigkeit."

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Der russische Präsident wies in der "Bild" eine Alleinverantwortung der damaligen Sowjetunion für die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Putin verwies darauf, dass die Führung der UdSSR sich bei allen Alliierten-Konferenzen "konsequent für die Wahrung der Integrität und Einheit Deutschlands" eingesetzt habe. Die Teilung sei dann bereits "auf der Wasserscheide der Konfrontation" zwischen den beiden Machtblöcken in Ost und West entstanden. Putin betonte: "Sicherlich war es für das deutsche Volk eine große Tragödie. Aber man kann es nicht als Strafe für das Entfesseln des Zweiten Weltkriegs bezeichnen." Schröder hob hervor: "Die Teilung Deutschlands im Kalten Krieg war letztlich die Folge der verbrecherischen Politik Hitlers". Doch sei der Ausdruck 'gerechte Strafe' fehl am Platze.

Russland gedenkt am 9. Mai des Kriegsendes vor 60 Jahren. Zu der Gedenkfeier reist auch der Bundeskanzler nach Moskau. Etwa 50 Staats- und Regierungschefs sowie tausende anderer Gäste werden erwartet. [ afp / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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