8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Spagat von Riga nach Tiflis über Russland
Zusammen mit Wladimir Putin will George W. Bush am Montag auf dem Roten Platz in Moskau die gigantische Militärparade zum 60. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland verfolgen. Es wird ein heikler Auftritt für den US-Präsidenten.

Denn nicht nur, dass Bushs Teilnahme von seinem russischen Kollegen als politischer Triumph ausgekostet werden dürfte, nachdem die US-Regierung in den vergangenen Wochen mit Kritik am autoritären Regierungsstil Putins nicht hinter dem Berg gehalten hatte. Auch ist in den USA die Kritik aufgekommen, dass Bush mit seiner Teilnahme an der Feier die in Putins Russland offiziell verdrängte Kehrseite des Sowjet-Sieges im Zweiten Weltkrieg ignoriere: die Zementierung des Stalinismus.

Zu der russischen Triumphparade werden mehr als 50 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter auch Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dennoch kritisierte die Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum die Teilnahme Bushs in der "Washington Post" als "außergewöhnlich schlechten Fototermin". Die Verfasserin eines Bestsellers über die stalinistischen Straflager im Archipel Gulag schrieb, für die US-Präsidenten sei es wohl an der Zeit, "eine neue Tradition zu begründen" und den Opfern des sowjetischen Machthabers Josef Stalin "ihren Respekt zu erweisen".

Allerdings hat Bush seine Visite in Moskau mit anderen Reisestationen austariert. So wird er zum Auftakt von Freitag bis Samstag die lettische Hauptstadt Riga besuchen, um dort die Staatschefs der drei baltischen Staaten zu treffen. Estland, Lettland und Litauen waren unter Stalin der UdSSR einverleibt worden und hatten erst 1991 ihre Unabhängigkeit zurückerlangt. Bush macht dann am Sonntag noch Stopp in den Niederlanden, wo er zum Jahrestag des Kriegsendes den Militärfriedhof in Margraten besuchen wird, auf dem mehr als 8000 deutsche Soldaten beerdigt sind. Und nach Moskau reist er dann zum Schluss nach Georgien, um Präsident Michail Saakaschwili die Ehre zu erweisen. Ihn hatten die USA bei seiner friedlichen "Rosenrevolution" vom November 2003 gegen den Widerstand aus Moskau unterstützt.

Mit seinem Reiseprogramm sucht Bush dem Eindruck eines allzu engen Schulterschlusses mit Putin vorzubeugen. Der russische Staatschef hatte erst kürzlich verkündet, dass der Zerfall der Sowjetunion "die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts" gewesen sei. Der US-Präsident dagegen würdigt mit seinen Stationen in Riga und Tiflis die jungen Demokratien im früheren Herrschaftsbereich Moskaus. Und Bush will auch daran erinnern, dass der Zweite Weltkrieg nur für Westeuropa die "Befreiung", für Osteuropa aber "die kommunistische Diktatur" gebracht habe, wie er in einem in Riga veröffentlichten Brief an Lettlands Präsidentin Vaira Vike-Freiberga erklärte.

Das Baltikum war nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 von den Sowjets besetzt worden, bevor dann in Bruch des Abkommens die deutschen Truppen einfielen. Zum Kriegsende gerieten die baltischen Staaten wieder in sowjetische Hand. 14 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit sind die Beziehungen der Balten zu Moskau weiter stark angespannt - so will von den drei Staatschefs nur Vike-Freiberga zu der Parade am Montag kommen. Belastet werden die Beziehungen auch dadurch, dass Russland bisher den Hitler-Stalin-Pakt nicht formell für nichtig erklärt hat - ein Schritt, den Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley am Mittwoch einforderte.

Die distanzierenden Gesten gegenüber Putin reichen manchen Kritikern in den USA aber nicht aus. Applebaum forderte, Bush solle durch eine symbolische Geste die Opfer des Stalinismus ehren - etwa mit einem Besuch der Stätten von Massenexekutionen vor den Toren Moskaus. Dies wird aber nicht geschehen. Denn der Affront für Putin wäre aus Sicht des Weißen Hauses zu groß. Der Russe wird schließlich gebraucht - etwa als Partner im Kampf gegen den Terror und zur Lösung der Probleme mit den Atomprogrammen des Iran und Nordkoreas. Allzu viel Gewicht auf die Aufarbeitung der Geschichte will Bush deshalb bei der Reise auch nicht legen. Der Präsident wolle seine Gesprächspartner ermutigen, "den Blick nach vorn zu richten" und gemeinsam an einem "freien" und "friedlichen" Europa zu arbeiten, kündigte Hadley an. [  Daniel Jahn / afp / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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