8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Größter Friedhof deutscher Soldaten bei Kursk
"Wir haben uns niemals an den Toten gerächt. Jeder muss beerdigt werden. So war es, ist es und wird es sein", sagte der Militärschriftsteller und Dichter Konstantin Simonow 1944 vor Einwohnern des befreiten Sewastopol, die nicht gewillt waren, deutsche Soldaten zu beerdigen.

Nach der Rede Simonows nahmen viele den Spaten in die Hand.

Gleich nach den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg beginnen in der Nähe der Siedlung Besedino, Gebiet Kursk, die Arbeiten zur Beerdigung der sterblichen Überreste von Soldaten der Wehrmacht auf dem größten deutschen Friedhof in Russland. Dort werden einige Tausend Soldaten und Offiziere ihre letzte Ruhestätte finden. Früher galt der Sologubowskoje-Friedhof, 70 Kilometer von Sankt Petersburg (Leningrad) entfernt, wo 80 000 deutsche Soldaten ruhen, als die größte deutsche Begräbnisstätte.

In der Kursker Erde werden vor allem Angehörige der deutschen Armee beigesetzt, die in der Schlacht am Kursker Bogen (05.07. - 23.08.1943) gefallen waren. Für die Umsetzung der Operation "Zitadelle" konzentrierte die Wehrmacht 50 Divisionen, darunter 16 Panzerdivisionen. Die Aufgabe bestand darin, die strategische Initiative zurückzugewinnen, die bei Stalingrad eingebüßt wurde. Diese größte Offensive der Hitlerfaschisten wurde in erbitterten Kämpfen durch sowjetische Truppen abgewehrt.

Am 12. Juli ereignete sich in der Nähe des Dorfes Prochorowka die größte Panzerschlacht, die in alle Lehrbücher über den Krieg einging. Von beiden Seiten nahmen 1200 Panzer und Selbstfahrlafetten an dieser Schlacht teil. In einer Erzählung von Heinrich Böll fiel nur ein Wort aus dem Unterbewusstsein eines in dieser Schlacht verletzten deutschen Offiziers - ein "Symbol" des erlebten Schreckens: "Prochorowka... Prochorowka..." Ein heute noch lebender Held dieser Schlacht, der 83-jährige Einwohner von Moskau Alexander Woloschtschenko, berichtete, dass "sich die Erde bei Prochorowka in ein blutiges mit geschmolzenem Eisen überzogenes Gemisch verwandelt hatte. Von beiden Seiten kamen damals bis zu 200 000 Mann ums Leben. Nach der Schlacht tauchten auf dem Feld, wie es üblich war, die Leichenbergungskommandos auf, die ihre tragischen Aufgaben erfüllten. Die russischen Soldaten bargen und beerdigten sie mit Ehrenbezeigungen und die deutschen Soldaten scharrten sie in Gräben zusammen und schütteten sie mit Erde zu, die sehr schnell mit Unkraut bewachsen war."

Die Alten Griechen sagten, dass die "Wunden der Sieger schneller als die Wunden der Besiegten vernarben". Aber nicht die seelischen! Die Deutschen wurden in Russland lange und stabil als Feind und brutale Menschen betrachtet. Der Krieg änderte das Leben jeder russischen Familie und brachte ihnen Kummer. Die Seele des Volkes schmerzte lange und stark. Die Menschen wollten absolut keine deutschen Leichen beerdigen: Mögen die wilden Tiere sie benagen! Es war Zeit erforderlich, damit der Sinn des christlichen Gebots über die Vergebung und über das Recht eines jeden Sterblichen, beerdigt zu werden, die Oberhand gewann.

Die Mannschaft des Gouverneurs des Gebiets Kursk, Alexander Michailow, musste als Akt des guten Willens eine große Arbeit leisten. "Deutschland hat natürlich nicht das Recht, eine russische Trauer um seine Soldaten zu erwarten. Aber es gibt christliche und einfach menschliche Gesetze: Ein Toter hat das Recht auf die Ruhe seiner Seele", so war das Wesen der Überzeugungsworte, mit denen sich die "Väter des Gouvernements" an ihre Landsleute wandten. Im Ergebnis werden die sterblichen Überreste der deutschen in vier benachbarten Gebieten - Woronesch, Brjansk, Tula und Orjol - beigesetzten Soldaten auf einem neuen großen Friedhof bei Kursk gesammelt. Das Projekt wird im Rahmen eines Regierungsabkommens zwischen Russland und Deutschland in die Tat umgesetzt, das die deutsche Seite vollständig finanziert.

Dieser schreckliche Krieg raffte so viele Menschenleben dahin, dass keine Leichenbergungskommandos ausreichten. Bis heute finden die Sondersuchtrupps in der Erde liegende Knochen. In allen Nachkriegsjahren stellten die freiwilligen Jugendgruppen "Junge Pfadfinder", "Memorial", "Staffel des Andenkens" und andere die Suche nach sterblichen Überresten von Soldaten nicht ein. Aber diese freudlose Arbeit wird anscheinend auch noch für die kommenden Generationen ausreichen.

Mit Minensuchgeräten, Pionierspaten und anderen Geräten ausgerüstet handeln junge Leute wie Leichenbergungskommandos einer Pionierkompanie. Sie beerdigen die gefundenen sterblichen Überreste am häufigsten in einem namenlosen Massengrab. Wenn es möglich ist, die Überreste zu identifizieren, so werden die Deutschen natürlich getrennt beigesetzt. Die Zeit hat schon alles zersetzt, außer den Knochen. Mit jedem Tag findet man immer seltener eine Kugel, eine Schulterklappe, einen Knopf, eine Uhr, eine Mundharmonika, eine Medaille, eine "Erkennungshülse" eines sowjetischen Soldaten oder eine Erkennungsmarke eines deutschen Soldaten. Folglich fällt es immer schwerer, die Gefallenen zu identifizieren. Wie der Militärhistoriker Pjotr Dunajew behauptet, würden dadurch zwangsläufig ungefähr 10 Prozent der ehemaligen Feinde zusammen mit den Verteidigern in einem Massengrab, unter einem Grabstein beigesetzt. (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti).
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
zum Vergrössern auf das Bild klicken





Sowjetische Flugblätter für deutsche Soldaten
zum Vergrössern auf das Bild klicken


Deutsche Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
zum Vergrössern auf das Bild klicken