8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Baltikum-Streit mit Moskau trübt Gedenkfeiern
Am 60. Jahrestag des Kriegsendes hat US-Präsident George W. Bush den siegreichen Krieg gegen den Nationalsozialismus als Vorbild für den von ihm ausgerufenen Kampf für die Demokratie gewürdigt.

"Die Tyrannen der Welt haben eine Lektion gelernt: Keine Macht ist der Macht der Freiheit ebenbürtig, und kein Soldat ist so stark wie der, der für die Freiheit kämpft", sagte Bush am Sonntag auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof Margraten in den Niederlanden. Er zog eine Parallele zwischen dem Weltkrieg und den Krisenherden von heute: So wie die USA mit Hilfe ihrer demokratischen Verbündeten in Europa das NS-Regime besiegten, so kämpften sie heute für die Demokratisierung Afghanistans und des Irak.

An den Gräbern von mehr als 8000 US-Soldaten in Margraten würdigte Bush die Gefallenen: "Jeder dieser Amerikaner hat durch seinen eigenen einzigartigen Beitrag zur Geschichte der Freiheit beigetragen." Die US-Soldaten und ihre Verbündeten hätten einen "schrecklich hohen Preis für diesen Sieg" gezahlt. Bush betonte die Bedeutung der euopäischen Alliierten für den Sieg im Weltkrieg: Das Nazi-Regime sei bezwungen worden durch "eine Koalition aus Streitkräften unserer demokratischen Verbündeten, Freiheitskämpfern aus besetzten Ländern und Widerstandskämpfern aus dem Untergrund".

An diese Erfahrung des gemeinsamen Sieges knüpften die USA und ihre Verbündeten heute an, sagte Bush. "Amerikaner und Europäer arbeiten immer noch zusammen und bringen denjenigen Freiheit, denen sie lange verwehrt wurde: in Afghanistan, im Irak, im Libanon und im Großraum Nahost." Dass dies nötig sei, zeige das Beispiel Anne Franks: Für das jüdische Mädchen, das sich in Amsterdam lange vor den Nazis verstecken konnte, sei der Sieg "zu spät gekommen". Sie sei dem "institutionalisierten Bösen" zum Opfer gefallen, der Tötungsmaschinerie des KZ Bergen-Belsen.

Bush war aus Riga nach Margraten gekommen. In der lettischen Hauptstadt hatte er sich mit den Staatschefs der Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen getroffen. Getrübt wurde Bushs Besuch von einem Streit mit Russland über die historische Bewertung der Eingliederung des Baltikums in die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Die sowjetische Besetzung der drei kleinen Ostseerepubliken sei "einer der größten Fehler in der Geschichte" gewesen. Das Kriegsende habe den Balten keine Freiheit gebracht, sondern "die eiserne Herrschaft eines anderen Reiches".

Der US-Präsident räumte in Riga die Mitschuld des Westens an der sowjetischen Herrschaft über die Baltenstaaten ein, die erst 1991 wieder ihre Unabhängigkeit erlangten. Die USA hätten kurz vor Kriegsende das Abkommen von Jalta unterzeichnet, das die Aufteilung Europas in eine westliche und eine sowjetische Einflusssphäre besiegelte. "Wieder einmal kam die Freiheit kleiner Nationen zu kurz, als mächtige Regierungen verhandelten", bekannte Bush. Die Entwicklung des Baltikums nach dem Ende der UdSSR pries er als beispielhaft für Demokratie und Marktwirtschaft.

Die russische Regierung quittierte Bushs Baltikum-Besuch mit Verärgerung. Verteidigungsminister Sergej Iwanow bestritt, dass die sowjetische Herrschaft über das Baltikum einer Besatzung gleichkam: "Die Vorstellung, dass die Sowjetunion die Baltenstaaten besetzt hat, ist absurd und unsinnig. Man kann nichts besetzen, was einem schon gehört", zitierte ihn die Agentur Interfax. Das Außenministerium sprach in einer schriftlichen Erklärung von dem "Versuch, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben".

Moskau betrachtet Bushs Reiseroute als diplomatisches Ärgernis. Zwar reiste der US-Präsident am Sonntag nach Moskau, wo für den Abend ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin und für Montag die Teilnahme an den großen Gedenkfeierlichkeiten anstand. Doch wird Bushs Russland-Reise von Besuchen in den ehemaligen Sowjetrepubliken Lettland und Georgien flankiert, die inzwischen auf Distanz zu Moskau gegangen sind. Wegen politischer Differenzen schlugen die Präsidenten Georgiens und der Baltenstaaten Litauen und Estland eine Einladung nach Moskau aus. [ afp / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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