8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Delegation der Versöhnung mit Schröder in Moskau
Eine Gruppe von Kriegsveteranen und engagierten Jugendlichen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder auf seiner Reise nach Moskau begleitet. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes wollten sie einen Beitrag leisten, um Zeichen der Versöhnung zu setzen.

Einige der Veteranen reisten zum ersten Mal seit Kriegsende oder seit dem Ende ihrer Gefangenschaft nach Russland, um am Montagnachmittag beim Treffen mit früheren sowjetischen Soldaten dem einstigen Gegner die Hand zu reichen - im Beisein des Kanzlers und von Russlands Präsident Wladimir Putin. Nur drei Monate dauerte der Krieg für den damals 17-jährigen LOTHAR SCHOLZ. Nach der Kesselschlacht bei Halbe geriet er für wenige Monate in russische Gefangenschaft. Die eigentliche Leidenszeit jedoch begann für ihn, als der 19-Jährige als angeblicher US-Spion verhaftet und für achteinhalb Jahre in einem Arbeitslager im nördlichen Ural interniert wurde. Heute ist er in der deutsch-russischen Versöhnungsarbeit aktiv, leistet aber auch mit Vorträgen und Diskussionen an Schulen Beiträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit.

Als Flieger eines Flugbootes nahm der heute 86 Jahre alte EMIL LACHENMAYER am Weltkrieg teil, erst im Westen, später im Osten am Schwarzen Meer. Zu seinen Aufgaben gehörte die Rettung der Besatzungen abgeschossener Flugzeuge. Außer Deutschen habe er dabei auch vielen gegnerischen Soldaten das Leben gerettet. Neben vielen anderen habe sich ein Russe später bei ihm dafür bedankt - und sich zugleich entschuldigt, dass er selbst im Krieg Deutsche in ihren Flugzeugen abgeschossen habe.

GÜNTHER STIEMKE nahm mit der achten deutschen Panzerdivision an vielen Schlachten an der Ostfront teil. Stolz zeigt er die goldene Ehrennadel des Traditionsverbandes dieser Einheit. Gemeinsam mit anderen Veteranen besuchte er aber auch Sankt Petersburg und den riesigen deutschen Soldatenfriedhof Sologubowka. Tief bewegt hat ihn, dass ein 15-jähriger Russe dort das deutsche Soldatenlied vom "guten Kameraden" blies. Seine Ehrennadel hat der 83-Jährige als Geschenk für einen russischen Veteranen mitgebracht, als persönliches Zeichen der Versöhnung. Dass es so ein Treffen nun gibt, ist für ihn "eine Sensation".

Noch in den letzten Kriegsmonaten war der heute 77-jährige HEINRICH KÖNIG eingezogen worden. Mit ein paar anderen entkam er dem mörderischen Kessel von Halbe. "Ich habe schreckliche Dinge dort gesehen", erinnert er sich. Er selbst schlug sich nach Hause durch, wo er drei Tage vor seinem 18. Geburtstag vor der Tür stand. Heute will er mit einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Über den Krieg will er allen sagen, "dass so etwas nie wieder kommen darf".

Bereits seit 1998 in der deutsch-russischen Jugendarbeit aktiv ist der 24-jährige Student THOMAS SCHECK aus Gütersloh. Im Zentrum stehen jährliche Begegnungen von jeweils zehn jungen Deutschen und etwa 25 gleichaltrigen Russen in einem Ferienlager nahe des russischen Rschew, organisiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Rund 20 Wochenstunden kümmern sich die Jugendlichen gemeinsam um die Pflege deutscher und russischer Soldatengräber. Für Thomas Scheck sind daraus mehrere Brieffreundschaften entstanden.

Die 20-jährige OLGA BRUSCHINSKY, die in Kirgisien geboren wurde, spricht gut Russisch, was die Kontakte erleichtert. Mehrfach schon hat sie sich mit russischen Jugendlichen auch außerhalb der Begegnungsfahrten getroffen. Während der Jugendlager leistet sie auch als Dolmetscherin wichtige Dienste. Bei der Eröffnung des Friedensparks von Rschew durfte sie eine Rede halten. Einmal wurde sie als "Faschistin" beschimpft. Solche Reaktionen gebe es hin und wieder, sie seien aber selten und angesichts der Vergangenheit verständlich. Voll des Lobes sind sie und Thomas für ihren früheren Lehrer Rolf Furtwängler, der in Gütersloh den Begegnungskreis aufgebaut hat.

Zu derselben Gruppe gehört auch die 17-jährige CHARLOTTE NENTWIG. Sie nahm 2004 erstmals an einer Begegnungsfahrt teil und kehrte tief beeindruckt von der russischen Gastfreundschaft zurück. Dieses Jahr will die Gymnasiastin wieder zu Grabpflege und gemeinsamen Ferien für zwei Wochen nach Russland.[ Benno König / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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Sowjetische Flugblätter für deutsche Soldaten
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Deutsche Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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