8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Schröder sieht Einladung nach Moskau als Vertrauensbeweis
Als eine Fanfare die Feierlichkeiten in Moskau zum 60. Jahrestag des Kriegsendes eröffnet, sitzt Bundeskanzler Gerhard Schröder mit auf der Ehrentribüne. Zum ersten Mal nimmt ein deutscher Regierungschef an der traditionellen Siegesparade zum Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands teil.

Doch noch ein zweites Zeichen der Versöhnung gibt es an diesem Tag. Deutsche und russische Veteranen treffen sich im Beisein Schröders und von Russlands Präsident Wladimir Putin zum gemeinsamen Gespräch - für den Kanzler ist diese Zusammenkunft "fast ein Wunder".

Auch an der Siegesparade am Morgen nimmt das mit Schröder angereiste Grüppchen deutscher Wehrmachtsveteranen teil, ebenfalls ein historisches Novum. Der Kanzler selbst ist gleich neben den Staatschefs der Weltkriegsalliierten in der ersten Reihe platziert, während mit Militärmusik sowie teilweise alten sowjetischen Fahnen und Fahrzeugen mehr als 7000 russische Soldaten und etwa 2500 Veteranen vorbeiziehen.

In seiner Ansprache würdigt Putin die russisch-deutsche Versöhnung als "eine der wichtigsten Errungenschaften der Nachkriegszeit" in Europa. Später, nach einem kurzen Vier-Augen-Gespräch mit dem Kanzler, verweist der russische Präsident ausdrücklich auf persönliche Verdienste, die Schröder um die Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Ländern in den vergangenen Jahren habe. Schröder seinerseits sieht die Einladung nach Moskau als "Vertrauensbeweis an das deutsche Volk".

Dabei ist der Termin für einen deutschen Regierungschef nicht einfach: Schröder feiert gemeinsam mit Putin den Sieg über Deutschland, der zugleich die Befreiung von der NS-Diktatur war. In Russland ist freilich schlicht vom "Tag des Sieges" die Rede. Wie heikel die Weltkriegsvergangenheit nach 60 Jahren noch sein kann, zeigen die aktuellen Debatten um die sowjetische Herrschaft über das Baltikum. Davon ungerührt spricht Putin generell und ohne Einschränkung von der Rolle der Russen als Befreier Osteuropas.

Doch der russische Präsident zeigt auch Bewegung. Es ist eine historische Geste, dass er nur ein paar Stunden nach den "Hurra"-Rufen der großen Militärparade gemeinsam mit Schröder auch einstige Angehörige der Wehrmacht trifft. Auch für die Veteranen selbst ist diese Begegnung "eine Sensation". Von ideologischer Verblendung auf beiden Seiten spricht ein russischer Veteran: "Wir haben aufeinander nur durch das Hakenkreuzvisier geschaut."

Eine Geste ist auch der Besuch Schröders auf dem Friedhof Ljublino am Nachmittag. Als der Kanzler vor einem Jahr zum Gedenken an die alliierte Landung in der Normandie war, hatte es noch Streit gegeben, ob der Kanzler auch Gräber deutscher Soldaten besuchen solle. Diesmal ist davon keine Rede. In Ljublino liegen knapp 500 Deutsche begraben, die nicht bei Kampfhandlungen starben, sondern später in Gefangenschaft infolge schlechter Haftbedingungen und Zwangsarbeit. Schröder verweist somit behutsam auf eine weitere der Wunden der gemeinsamen Vergangenheit.

Ein Zwangsarbeiter war auch Lothar Scholz - einer der Veteranen, die Schröder begleiten. Als angeblicher US-Spion verbrachte er mehr als acht Jahre in russischer Lagerhaft im Nordural. Heute setzt er sich für die Versöhnung beider Völker ein. Wie andere Veteranen auch will Scholz in Moskau ein Zeichen gegen den Krieg setzen. Es gehe darum, "dass so etwas nie wieder kommen darf", sagt der 77-jährige Heinrich König. "In der Gemeinsamkeit, die heute deutlich geworden ist zwischen ehemaligen Kriegsgegnern, liegt eine symbolische Kraft", sagt Schröder zu dem Versöhnungstreffen.

Bei Thomas, Olga und Charlotte ist die Botschaft bereits angekommen. Die drei jungen Deutschen, die Schröder ebenfalls mitgenommen hat, engagieren sich in deutsch-russischen Jugendlagern. Angeleitet vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge pflegen sie gemeinsam mit gleichaltrigen Russen Grabstätten früherer deutscher und sowjetischer Soldaten und machen in der übrigen Zeit miteinander Ferien. Die 17-jährige Charlotte ist überwältigt von der russischen Gastfreundschaft - und die beiden Älteren erzählen von neuen Freundschaften und vielen Briefen. [ Benno König / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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